Igby

Ausführlicher Inhalt

"Manchen Menschen ist es vorbestimmt vom rechten Weg abzukommen, um dem Rest als Warnung zu dienen. Hinweisschilder am Wegesrand ..." Igby über Igby

"Wenn es im Himmel so toll ist, warum soll dann die Kreuzigung so ein großes Opfer gewesen sein?" Mit Fragen wie dieser besiegelt Igby (Kieran Culkin) seine kurze Karriere auf der konfessionellen Nobelschule, in die ihn Mama Mimi (Susan Sarandon) verfrachtet hatte. Der sarkastische Igby Slocumb reitet seine Angriffe gegen die Welt mit voller Absicht, denn er ist wütend auf die Welt, siebzehn Jahre alt und befindet sich im Krieg mit dem dysfunktionalen Millionärsclan, in den er hineingeboren wurde.

Mama Mimi (Susan Sarandon), ebenso unnahbar wie selbstverliebt, hangelt sich seit Jahren mit Hilfe von Tabletten durch den Tag. Igbys älterer Bruder Oliver (Ryan Phillippe) ist Republikaner und zwanghafter Vorzeigestudent und sein Vater Jason (Bill Pullman) "erholt sich" für immer in einer Anstalt vom Leben im Allgemeinen und im Besonderen von seiner Schizophrenie.

"Seine Schöpfung war ein Akt der Feindschaft, warum sollte es sein Leben nicht sein?" Mimi über Igby

Um Igby dennoch eine standesgemäße Ausbildung zukommen zu lassen, meldet Mimi den Jungen auf einer Militär-Highschool an, doch dort hält es ihren Sohn nicht lange und er checkt mit Mamas Kreditkarte erst mal im noblen O'Hara Hilton ein. Dort spürt ihn allerdings schnell ein Ausbilder des Militärinternats auf. In der Folge landet der Unzähmbare erst mal bei einem Psychiater, um dessen Nervenkostüm es allerdings weit weniger gut bestellt scheint als um das seines Patienten.

Mimi ist vorübergehend von den Eskapaden ihres Sohnes abgelenkt, weil sie im Krankenhaus liegt und mit den Pflegern über ihre tägliche Höchstdosis an Aufputsch- und Beruhigungsmitteln verhandelt. Ach ja, eigentlich wurde sie für eine Brustkrebsoperation eingeliefert.

Rettung verspricht sich Igby von D. H. (Jeff Goldblum), seinem ebenso netten wie skrupellosen Patenonkel. D. H. klärt ihn über die immense Bedeutung von Verträgen auf und nimmt Igby mit in sein Loft nach New York. In der Wohnung residiert auch D. H.s bildhübsche Geliebte Rachel (Amanda Peet). Die erfolglose Künstlerin mit einem Hang zu Drogen finanziert sich über einen 'Miete- gegen Beischlaf'-Deal mit ihrem Gönner.

D. H. schreckt nicht einmal davor zurück, Rachel auf eine Party mit zu nehmen, die auch seine Frau und ihre Söhne besuchen. Während Oliver auf dem Event eine gelangweilte Blondine angräbt, die auf den ausgefallenen Namen Sookie Sapperstein (Claire Danes) hört, unterhält sich Igby mit Rachel und luchst ihr ihre Telefonnummer ab.

Prompt findet er sich am nächsten Tag, statt auf dem Rückweg ins Internat, auf Rachels Matratze wieder. Die erotische Begegnung ist der Auftakt zu einem ungewöhnlichen Untermietarrangement, dem Rachels Freund Russel (Jared Harris) zunächst skeptisch gegenübersteht.

"Du bist ein wütender Junge. Irgendwann bist du kein Junge mehr und dann wird deine Wut dich auffressen." Sookie zu Igby

Einige Tage später, Igby verkauft gerade das Familiensilber an der Straßenecke, trifft er Sookie wieder, die Igby schon auf der Party magisch angezogen hatte, wären nicht Olivers Anmachversuche dazwischengekommen. Einen Joint später diskutieren die beiden über Sex und Hasch und Sookie macht Igby wohl das größte Kompliment, dessen sie fähig ist: "Du bist lustig." Igby gibt sich alle Mühe seine Traumfrau auch beim Eisessen weiter zu erheitern. Als sie in Rachels Loft zurückkommen, platzen sie in ein Schäferstündchen von D. H. und Rachel.

Rachels lukrativer Deal ist damit natürlich vorbei, denn Igbys heimliche Beherbergung war ganz sicher nicht Teil ihres "Vertrags" mit D. H. Der aufregende Nachmittag endet für Igby immerhin mit dem ersehnten Sex mit Sookie, dem ersten Menschen, dem Igby seine traumatischen Kindheitserinnerungen beichtet.

Er erzählt auch von jener Nacht, in der sein Vater in der Dusche einen imaginären Kampf mit sich selbst ausfocht und schließlich, nachdem er mit 40 Jahren alles erreicht zu haben schien, jenen totalen Zusammenbruch erlitt, von dem er sich nie wieder erholen sollte.

Doch die Romanze endet jäh, als Oliver seine Avancen gegenüber Sookie wieder aufnimmt, die Igby prompt fallen lässt. Rachel hat derweil ganz andere Probleme: Wie soll sie die Einstichstellen ihrer Heroinspritzen überschminken, clean wirken und D. H. zurückerobern? Der Versuch misslingt und die frustrierte Rachel nimmt eine Überdosis, nach der ausgerechnet Igby sie findet, dem Mimi gerade eröffnet hat, dass sein Vater ihm kein Erbe hinterlassen habe.

Als sei das Frustrationspotential nicht hoch genug, bezieht Igby auch noch von D. H. Prügel und Sookie hält an ihrer Liebe zu Oliver fest, trotz Igbys Warnungen, dass Oliver sie eines Tages sitzen lassen werde zugunsten einer reichen, standesgemäßen Braut.

"Ich liebe die Tatsache, dass der Spielführer der Moralisten, Mr. All-American, seine Geliebte auf dieselbe Party wie seine Frau einlädt" Igby zu Rachel

Das Leben mußs irgendwie weiter gehen und so zieht Igby zu Russel und verkauft behelfsweise Drogen in dessen Auftrag.Als Russel ihm ausrichtet, dass Oliver ihn sucht, weil Mimi im Sterben liegt, reagiert Igby zunächst ablehnend, erst Sookie kann ihn davon überzeugen, mit Oliver nach Hause zurückzukehren. Die beiden Söhne sollen ihrer exzentrischen Mutter einen letzten Dienst erweisen: Mit Gift will Mimi freiwillig aus dem Leben scheiden, bevor ihre Krankheit sie tötet.

Wie ferngesteuert nimmt Igby an dem Ritual teil, sieht zu, wie Oliver Mimi mit vergiftetem Joghurt füttert und der Leblosen einen Plastiksack über den Kopf zieht, um ganz sicher zu gehen. Erst als seine Mutter tot ist, brechen die jahrelang aufgestauten Emotionen hervor, explodieren in einer gewalttätigen Katharsis, die Igby aber die Kraft gibt, sich nicht nur einem Besuch bei seinem Vater in der Nervenklinik sondern auch einem neuen, selbst bestimmten Leben zu stellen.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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