Igby

Produktionsnotizen

Igby macht sich auf den Weg Auch wenn Igby jetzt auf der Leinwand zum Leben erwacht, erdacht wurde er als Romanheld: Regisseur und Autor Burr Steers begann die Arbeit an IGBY als Buch. Doch schon bald nach dem er mit dem Schreiben begonnen hatte, nahmen Figuren und Situationen vor seinem geistigen Auge Form an. Steers wurde klar, dass Igbys Geschichte besser visuell erzählt werden könnte und er beschloss, dass der Roman zum Drehbuch werden sollte. Burr Steers verbrachte zwei Jahre damit, die Geschichte in ein Drehbuch zu verwandeln.

"IGBY ist zum einen beeinflusst von jenen Büchern mit denen ich aufgewachsen bin, wie "Der Fänger im Roggen" oder John Kennedy Tooles "A Confederacy of Dunces". Zum anderen schlagen sich darin Filme der frühen Siebziger nieder, wie EIN MANN SUCHT SICH SELBST oder die ersten Filme von Mike Nichols und Hal Ashby. Lebendige Filme darüber, wie es ist jung zu sein, all diese riesigen Trümmer mit sich herumzuschleppen ohne jemandem davon erzählen zu können und wie all das in Zerstörung, wenn nicht sogar Gewalt, umschlagen kann."

Doch noch ein weiterer Einfluss prägt IGBY: "Ich schrieb an dem Buch nach dem Tod meines Bruders. Salinger schrieb den "Fänger im Roggen" als er aus dem Krieg zurückkehrte, wo er umgeben war vom Tod. Mein Bruder starb an AIDS, vielleicht näherte ich mich danach über IGBY instinktiv meinem Teenager-Selbst. Es war jedenfalls das erste Drehbuch bei dem ich das Gefühl hatte, meine Stimme gefunden zu haben. Nichts in IGBY ist aufgesetzt."

Igby wandert umher Als das Skript fertig war, drehte es seine Runden in Hollywood und schnell gehörte das Skript zu denen, "die man unbedingt mal gelesen" haben mußste. Nur wird vom Lesen leider kein Film gedreht. Produktion und Finanzierung waren unklar und dass Newcomer Steers das Projekt auch noch selbst inszenieren wollte, machte die Suche nach Geld und Darstellern nicht leichter.

Für Steers folgte ein langer, aufreibender Prozess, "dessen Ausmaß wir am Anfang zum Glück noch gar nicht absehen konnten". Schließlich fand das Drehbuch seinen Weg bis zu Lisa Tornell, die nach der Lektüre sofort Feuer und Flamme war. "Mir war klar, was an IGBY so gut war, aber auch was es so schwierig in der Realisierung machen würde", erklärt Tornell.

Schließlich siegte die Leidenschaft für das Projekt und ein Treffen mit Burr Steers überzeugte sie. Nicht zuletzt deshalb, weil "Steers den Film Einstellung für Einstellung schon in seinem Kopf hatte und exakt wusste, welche Art Film IGBY werden sollte." Immerhin gab es nun also einen Regisseur, ein Drehbuch und eine Produzentin ? aber noch immer keine Finanzierung.

"Zwei Jahre später", erinnert sich Steers, war dem Projekt gegenüber immer noch jeder wohlwollend gesonnen. Aber ohne Finanzierung konnten wir keine Schauspieler verpflichten und ohne Schauspieler wird niemand Geld in das Projekt investieren ? eben das altbekannte Hollywood Spiel." Schließlich sagten Claire Danes und Ryan Phillippe fest zu. Aber auch das schloss die Finanzierungslücken keineswegs vollständig.

"Wir haben bei jeder größeren Indie-Firma angefragt", erklärt Burr Steers "und irgendwann fanden wir in der Atlantic Streamline und Marco Weber die Nadel im Heuhaufen. Marco Weber, Chef der Streamline, war sofort von den Dialogen und Steers? gesamtem Stil begeistert. "Während größere Studios die Investition in einen Debütanten als Risiko betrachteten, sah ich darin eine Chance", erklärt er rückblickend.

Weber gab nicht nur den Finanzierungsstartschuss sondern erklärte sich auch bereit, selbst als Produzent zu fungieren. In seinem Schlepptau hatte er Kameramann Wedigo von Schulzendorff, den erfahrenen Cutter William Anderson und Filmkomponist Uwe Fahrenkrog-Petersen. "Ich wollte sicherstellen, dass Burr mit Unterstützung so erfahrener Leute auch wirklich den Film realisieren konnte, den er vor seinem geistigen Auge sah."

Die letzte Hürde? "Die Besetzung", so Lisa Tornell. "Die Rollen waren hervorragend geschrieben, aber sie konnten nur von wirklich guten Schauspielern auch angemessen umgesetzt werden." Trotz der Zusagen von Danes und Phillippe war es schwierig, die Besetzung zu komplettieren, weil der Film noch immer keinen Verleiher hatte. Rückblickend betrachtet es Weber als "eine der größten Herausforderungen meiner Karriere, eine Verleihvereinbarung für IGBY für die USA mit United Artists abgeschlossen zu haben." dass exquisite Drehbuch half ihm dabei.

"Der Grundgedanke, die Darstellung eines Außenseiters in der Welt, sprach die meisten aus tiefster Seele an", erklärt Marco Weber. "Außerdem ist die Geschichte subversiv, provokativ und dabei sehr anrührend." All das half, die Besetzungsliste zu vervollständigen. Damit war das Projekt drehfertig und Igbys Geschichte begann mehr zu werden als nur Worte auf den Seiten eines Drehbuchs.

Igby wird zum Leben erweckt Die wohl größte Herausforderung an die Besetzung war es, jemanden zu finden, der den Held/Antiheld Igby spielen konnte. "Er ist das Zentrum des Films", erläutert Steers. "Igby ist ein Teenager, der glaubt zu wissen, wie die Welt und das Leben funktionieren und der ins Trudeln gerät, als er erkennt, dass das, was er als Wahrheit über seine Familie akzeptiert hatte, gar nicht der Wahrheit entspricht. In diesem Film geht es um die Lügen, die schon am Beginn von Igbys Leben stehen und seiner Odyssee, diese aufzudecken."

Nach intensiver Suche nach einem geeigneten jungen Mann, fanden die Filmemacher in Kieran Culkin genau das was sie suchten. "Wir haben sieben Monate lang Schauspieler für diese Rolle vorsprechen lassen und niemanden gefunden, der Igbys Verletzlichkeit und Fragilität, aber auch seinen Humor und sein Timing miteinander verbinden konnte", erzählt Tornell. "Erst Kieran beherrschte mühelos die Intelligenz der Dialoge ohne deren Witz allzu platt auszuspielen." Auch Kieran Culkin verliebte sich sofort in IGBY.

"In manchen Dingen fühle ich genau wie er.Auch wenn ich nicht seine Erfahrungen gemacht habe, könnten manche seiner altklugen Kommentare und viele der Gedanken, die Igby sich macht, auch meine eigenen sein." Im Film kommt Igby an einen Wendepunkt seines Lebens, dessen verworrene Gefühlslagen er zu einem Großteil seiner Familie verdankt. "Sein Vater hatte einen totalen Zusammenbruch und er wurde aus der Familie entfernt. Kein Wunder, dass Igby glaubt, er müsse das wiedergutmachen, während er gleichzeitig darauf wartet, selbst zusammenzuklappen." Auch auf seine Mutter ist Igby wütend.

"Er hat immer aufgeschaut zu seinem Vater und deshalb das Gefühl gehabt, dass Mimi ihn selbst zerstört", erklärt Culkin seine Figur. "Sie schickt ihn auf Schulen, die er nicht besuchen will, verdonnert ihn zum Besuch einer Militärakademie und beschert ihm grundsätzlich etliche Unpässlichkeiten. Igby trägt viel Wut in sich, rebelliert gegen viele unerquickliche Dinge ? von denen Mimi ihm sicher am meisten auf den Nerv geht."

Burr Steers ist sehr stolz auf seinen Hauptdarsteller: "Ich erlebte mit, wie Kieran in seinem Umgang mit der Schauspielerei während dieses Projekts erwachsener wurde. Seine Darstellung spiegelt diese Entwicklung wider. Sein Herzblut hängt an der Performance und er hat mich viel über Vertrauen gelehrt." Culkin selbst sieht die ganze Sache etwas nüchterner: "Ich wollte Igby nur halb so gut spielen, wie die Figur im Drehbuch angelegt war. dass mir dabei eine ganze Handvoll hervorragender, erfahrener Darsteller zur Seite stand, erleichterte meine Aufgabe wesentlich."

Eigentlich war Claire Danes ja noch mit ihrem Studium beschäftigt. Für IGBY kehrte sie vorübergehend vor die Kamera zurück, um Igbys Freundin Sookie Sapperstein zu spielen. "Sookie ist ziemlich verquer. Sie ging nach Bennington, um sich dort selbst "neu zu erfinden", aber das hat nicht geklappt, also kehrte sie nach New York zurück um sich dort wieder ein wenig zu sammeln", erklärt Danes ihre Rolle. Sie verpflichtete sich als Erste zur Teilnahme an IGBY.

"Sookie ist eine Studentin und ich habe jetzt einige Jahre mit College-Studenten verbracht und deshalb einen guten Erfahrungsschatz", lacht sie. "Sookie ist ein wenig verwirrt, aber im Grunde ein guter Mensch. Sie hat kein richtiges Ziel im Leben, aber sie ist von entwaffnender Ehrlichkeit. Deshalb freundet sie sich mit Igby an, der ebenso haltlos durch sein Leben taumelt. Und beide tun sich gegenseitig nicht gut ? auch wenn sie aneinander wachsen. Sookie reagiert auf Igbys Klugheit, seinen Charme und die Tatsache, dass er jünger ist als sie. So hat sie mehr Kontrolle über die Beziehung und findet in Igby einen Verbündeten."

Die beiden Darsteller verbrachten viel Zeit miteinander und genossen das sehr. "Kieran ist nicht nur ein toller Schauspieler, sondern auch unglaublich verspielt und witzig. Ich werde noch immer nicht so recht schlau aus ihm und finde gerade das ziemlich cool. In einer Minute vollführt er einen Streich und reflektiert in der nächsten über das Universum."

Jeff Goldblum spielt D. H. Bains, Igbys Pate und Quasi-Wohltäter dessen Motive allerdings von äußerster Fragwürdigkeit sind. Er gehört zu den Menschen, die Igby im Auge behalten mußs, einer derjenigen, die ihn so richtig ins Verderben ziehen wollen. "D. H. ist ein Selfmade-Man, der sich früher die Nase an der Außenseite der Country-Club-Fenster platt drückte", erklärt Steers die liebenswert unsympathische Figur. "Später hat er die ganzen Reichen ausgebootet und selbst viel Geld gemacht."

Goldblum findet seine Figur ebenso spannend wie die gesamte Thematik des Films. Er fühlte sich auch aus persönlichen Gründen zu dem Projekt hingezogen: "Man mußs im Leben aufpassen, dass man ganz man selbst bleibt und sich der Kraft jener Menschen entzieht, die vorgeben, selbstlos für andere zu handeln. Ich unterrichte Schauspielerei am Playhouse West in Nord Hollywood und Burr besuchte vor Jahren einen meiner ersten Kurse. Wir hatten den Kontakt zwar verloren, aber als er mich fragte, ob ich an diesem Projekt teilnehmen wollte, sagte ich gerne zu." "Jeff belebt jeden Film", gibt Steers das Lob zurück.

Jared Harris spielt Rachels leichtlebigen Zimmergenossen und Freund, den Künstler Russel. Er gehört zu jenen verkrachten East Village Gestalten, die Igby auf seiner Reise begegnen. "Russel gehört zu den Bohemians New Yorks. Er hatte seine große Stunde und ließ sie vorüberziehen. Jetzt dealt er mit Drogen und dreht krumme Geschäfte, um seinen Unterhalt zu sichern. "Russel ist eine Punk-Tunte", erläutert Burr Steers. Ein Poser, dem plötzlich klar geworden ist, wie klein die Welt doch ist."

"Wenn man in dieser Branche mal ein so gutes Skript wie dieses zwischen die Finger bekommt, mußs man zupacken. Das haben sich wohl auch all die wunderbaren Kollegen gedacht", witzelt Harris, außerdem fühlte er sich eng mit der Titelfigur Igby verbunden: "Ich bewundere seinen Witz, die geistige Präsenz. Er erscheint mir weiser, als es seinem Alter entspricht. Er macht einem auf traurige Art und Weise klar, dass wir vielleicht alle etwas cleverer waren, als wir noch weniger Jahre auf dem Buckel hatten. Aber im Lauf des Lebens schließen wir um unserer Karrieren willen jede Menge Kuhhandel ab, und stumpfen dabei ab.Wenn wir diese Lebenslügen dann lange genug leben, glauben wir sie auch."

Steers wollte Harris von Anfang an für die Rolle des Russel, nicht nur seiner hervorragenden klassischen Ausbildung wegen. "Er kann eine kleine Szene in etwas ganz Großartiges verwandeln."

Zum East-Village-Kosmos des Films gehört auch D. H.s Geliebte Rachel, gespielt von Amanda Peet. "Mag es auch wie ein Klischee klingen, aber Rachel ist ein traumatisierter Mensch", erläutert Peet ihre Filmfigur. Sie ist verzweifelt und nutzt deshalb andere aus.Wahrscheinlich hat sie einmal Flair besessen, aber jetzt ist Rachel nur noch eine traurige Gestalt und gleichzeitig eine Witzfigur.

Amanda Peet sieht Parallelen zu Sookie: "Beide sind sich ähnlich, nur ist Rachel viel weiter heruntergekommen als Sookie. Sie ist auf ein Nobelinternat gegangen, dann nach New York gezogen und durchlebt nun ihre "Betty Blue, 37° am Morgen"-Phase. Ihre Eltern unterstützen sie nicht mehr, also sucht sie sich D.H. als Wohltäter. Das verwandelt aber die ganze Sache in etwas Schmutziges und Rachel bezahlt den Preis dafür. Erzählen Sie es bloß nicht Burr, aber ich hätte jede Rolle in diesem Film gespielt", kichert Amanda Peet vor Begeisterung, "weil ich das Drehbuch so genial fand."

Der Hochgelobte erwidert das Kompliment: "Wenn Amanda vor die Kamera tritt, denkst man nur noch, oh Gott, welche Rolle könnte ich noch für sie schreiben? Sie kennt keine Angst und hat ein sehr ausdrucksvolles Gesicht. Sie ist eine wahre Künstlerin und IGBY bot ihr die Gelegenheit, das endlich einmal unter Beweis zu stellen."

Ryan Phillippe spielt Igbys charismatischen, älteren Bruder Oliver und erlebte seine Figur als überaus komplex. "Oliver weiß, wie die Dinge in dieser Familie laufen, wie es eben ältere Geschwister tun. Er weiß, wie die Dinge wirklich liegen, ganz gleich was oberflächlich gesagt oder getan wurde. Dabei hat er aber seine Emotionen so weit unterdrückt, dass er sich ihrer Existenz gar nicht mehr bewusst ist. Er versucht verzweifelt, dem kleinen Kern an Leidenschaft in seinem Inneren wieder Leben einzuhauchen."

Ryan zeigt Verständnis für Oliver: "Er ist düster und oberflächlich, sich dessen aber auch bewusst. Er verachtet die Gesellschaft ebenso wie Igby es tut, aber er versucht sie zu seinem eigenen Vorteil zu benutzen. Er rebelliert gegen das Rebellentum, weil er nur an Geld interessiert ist. Das macht ihn natürlich kalt und unbeteiligt", findet Ryan Phillippe.

Die Rolle von Igbys Vater ist nicht sehr groß und hat dennoch einen weitreichenden Einfluss auf den Film und auf Igbys Leben. "Jason ist die tragische Figur, die den Stein ins Rollen bringt", erklärt Steers. Jason ist für sein Alter und für diese Welt einfach zu fragil und zerbricht daran. Damit löst er Igbys Kreuzzug aus.Weil Jason so wichtig ist,mußste Steers einen Darsteller finden, bei dessen Anblick dem Publikum bereits klar wird, warum Igby ihm so ergeben ist. Bill Pullman erfüllte diese Anforderung. "Jason ist das Produkt einer Blue-Chip-Familie, alter Ostküstengeldadel, Jahrhunderte voller Reichtum und Demenz. Jason ist bei fortschreitender Demenz angelangt und ebenso schnell wie seinen Verstand verliert er seinen Reichtum."

dass seine Frau Mimi sehr genaue Vorstellungen von ihrem Platz in der Gesellschaft hat, verschlimmert die Situation für Jason nur noch", erklärt Steers. Überdies erwartet Mimi, dass ihre Söhne und ihr Ehemann ebenso klar definierte Zielsetzungen haben. Mimi hat Jason geheiratet, weil sie glaubte, so einen Top-Start ins Leben zu bekommen und jetzt erweist sich die Rennstrecke als unerwartet holprig. Dafür weist sie Jason zurück, sie kann ihm nicht vergeben, keine Gnade zeigen.

Um sich auf die Rolle vorzubereiten, interessierte Pullman besonders die Beziehung zwischen Jason und Igby. Die Selbstvergessenheit, mit der Jason die Welt erlebt, teilt er mit Igby", findet Pullman. "Er weiß, dass in seinen ironischen und absurden Antworten Gefahr lauert."

Schließlich spielt Oscarpreisträgerin Susan Sarandon Igbys Mutter Mimi. "Für mich war das, als ob ich am Fortgeschrittenenkurs für Filmemacher teilnehmen durfte", erinnert sich Steers. "Sie gibt einem Regisseur vor der Kamera exakt das was er will und das auf sehr effektive Art und Weise. Ihr emotionales Arsenal ist unglaublich, ebenso wie ihre Präsenz, wenn sie den Raum betritt. Sarandon war von Steers Drehbuch vor allem deshalb angetan, "weil es so unvorhersehbar war. Normalerweise weiß ich bei Beginn der Lektüre eines Drehbuchs sofort wie es weitergehen wird. IGBY aber hatte ein Eigenleben."

In einem Film voller faszinierender Figuren ist Mimi die wohl komplexeste. "Mimi ist unglaublich cool und lustig und abgebrüht ? es machte einfach riesigen Spaß, sie zu spielen." Regisseur Steers fügt hinzu: "Sie ist die Grand Dame der Slocumb-Sippe. Aufgrund ihrer Schönheit und Klassenzugehörigkeit fühlte sie sich für etwas bestimmt, das dann nie passierte. Mimi fühlt sich vom Leben und von den Menschen, die sie umgeben sehr betrogen." Sarandon ergänzt: "Sie hat einige der besten Textzeilen, ist so unglaublich leer und unfähig als Mutter - und dabei unglaublich komisch. Eine solche Figur ist schwer zu spielen, weil die Leute sie ja hassen, aber Spaß dabei haben sollen, sie zu hassen. Ich glaube, dass Mimi sogar ihre Söhne amüsiert, zumindest nach dem sie sich von dem Wunsch verabschiedet haben, echte menschliche Wärme von ihr zu bekommen."

Mag Mimi auch Schwächen haben, Sarandon hält sie dennoch nicht für eine rein negative Figur. "Sie ist immerhin diejenige, die die Familie zusammen hält. Und ich bin der Überzeugung, dass es besser ist, wenn Eltern aktiv sind und dabei Fehler begehen, als passiv zu bleiben. Dann haben ihre Kinder zumindest die Gewissheit, dass sie es versucht haben.Wenigstens hat Mimi ihren Kindern ihren Überlebenswillen und ihren Sinn für Humor mitgegeben."

Ihren Filmsohn lobt Sarandon: "Er mußste sich in diesem Film auf eine schwierige emotionale Reise begeben und besonders in unserer letzten Szene spürte ich seinen inneren Kampf und wollte ganz für ihn da sein,weil er das vorher auch für mich getan hatte. Kieran hatte ein feines Gespür für die einzigartige Mischung aus Ironie und Witz, die das Drehbuch bot." Culkin gibt das Kompliment zurück: "War ich unsicher oder trug etwas zu dick auf, sagte Burr nur: Hör einfach genau auf Susan."

Seine erfahrenen Darsteller hätten das Selbstbewusstsein von Debütant Steers auf eine harte Probe stellen können. Aber Steers zeigte sich unempfindlich für solche Anfechtungen. "Außerdem gab mir Kameramann Wedigo von Schulzendorff, erfahren in Werbe- und Spielfilmen, einen Crashkurs in Sachen Bildsprache. Mag er auch ein sehr versierter Bildgestalter sein, liegt Wedigos Augenmerk immer auf der Geschichte und wie man diese optisch am besten transportieren kann."

Auch die eigene Berufserfahrung als Schauspieler kam dem Regieneuling zugute. "Für mich war das der beste Zugang zum Inszenieren", findet Steers. "Ich habe gelernt, was effektiv ist und was man als Regisseur nicht tun sollte mit seinen Darstellern. Für jeden Darsteller mußs man ein eigenes Vokabular entwickeln und ihm bei der Arbeit vertrauen, dass er am besten weiß was wirkt. Das hat bei IGBY hervorragend funktioniert."

Nachdem Steers sich mit den Figuren und der Geschichte so lange Zeit beschäftigt hatte, freute er sich, wie seine Darsteller Igbys Welt noch bereicherten. "Sie eigneten sich die Rollen vollkommen an und machten den Film noch treffsicherer und besser."

Mit dem Ergebnis ist Burr Steers hochzufrieden, "auch wenn es das am schwierigsten zu realisierende Projekt darstellte, an dem ich jemals beteiligt war. Dafür war der Dreh wunderbar. All das was diesen Film so schwierig machte, lässt ihn auch so wunderbar sein. Jeder, der an diesem Film beteiligt war, hat mitgemacht, weil er sich in dieses Projekt verliebt hat."

"Wenn für einen so kleinen Film Leute dieses Kalibers zusammenkommen, dann tun sie das aus Leidenschaft für das Projekt", fasst Produzent Weber zusammen. "Ich habe neun Filme produziert, aber noch bei keinem ein so großes Zusammengehörigkeitsgefühl erlebt. Und daraus ist ein toller Film entstanden."

Was soll das Publikum aus IGBY mit nach Hause nehmen? "Wenn sie nach der Vorstellung glauben, einen Film ohne Kompromisse gesehen zu haben, in dem sich ein anderer Mensch auf unterhaltsame und ehrliche Weise öffnet, dann habe ich meine Aufgabe erfüllt."

Szenenfoto
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