Ausführlicher Inhalt zu Sprich mit ihr

Szenenfoto Der Journalist Marco (Darío Grandinette) verliebt sich Hals über Kopf in die Stierkämpferin Lydia (Rosario Flores). Scheinbar gelingt es ihm ihre Zuneigung zu gewinnen. Insgeheim aber versöhnt sich Lydia wieder mit ihrem alten Liebhaber, dem Matador El Niño de Valencia (Adolfo Fernández).

Noch bevor sie mit Marco über eine Trennung reden kann, wird sie bei einem Stierkampf lebensgefährlich verletzt und bewusstlos in eine Klinik eingeliefert. Marco hält tagtäglich Wache an ihrem Krankenbett und lernt dort Benigno (Javier Cámara) kennen, der nur ein paar Zimmer weiter die junge Tanzelevin Alicia (Leonor Watling) pflegt. Alicia ist nach einem Autounfall vor vier Jahren ins Koma gefallen. Benigno hatte sich bereits vor dem tragischen Unfall in Alicia verliebt, die von der Tiefe seiner Zuneigung aber nichts ahnen konnte.

Die Leidenschaft entflammte aus der Distanz: Von seinem Fenster aus konnte Benigno die Tanzschule sehen, in der Alicia täglich ihre Ballettübungen absolvierte. Als gelernter und routinierter Krankenpfleger - seine gesamte Jugend verbrachte er damit, daheim seine bettlägerige Mutter zu betreuen - gelang es ihm schließlich, mit der Pflege Alicias betraut zu werden. Von seiner Kollegin Rosa (Mariola Fuentes) assistiert, pflegt Benigno also seit vier Jahren Tag für Tag die Frau, die er liebt und findet das Glück, das ihm die wache Alicia vermutlich nie gewährt hätte. Er wäscht und massiert sie, er schneidet ihr die Haare, er schminkt sie und reinigt ihren Unterkörper, wenn sie ihre Periode hat.

Szenenfoto Alicias Vater (Helio Pedregal) bemerkt diese Intimität mit einem gewissen Mißtrauen, beruhigt sich aber, als Benigno ihm vorlügt, er sei homosexuell. Benignos eigentlicher Liebesbeweis aber ist, dass er unentwegt mit Alicia spricht, als könnte sie ihn verstehen. Er erzählt ihr alles, was er erlebt - für sie erlebt. Und auch der Hinweis des Arztes, dass dies sinnlos sei, kann ihn nicht davon abhalten. Wer weiß das schon genau, denkt er und macht weiter wie bisher. Angesichts der im Koma dahindämmernden Geliebten, verfällt Marco dagegen ins Schweigen und verliert jede Bindung zu Lydia. Benigno aber mußs nicht mehr fürchten, abgewiesen zu werden und steigert sich tiefer und tiefer in die Liebe zu seiner Patientin Alicia hinein.

Szenenfoto Eines Tages erzählt Benigno Alicia von dem Stummfilm "Der schwindende Liebhaber", den er am Abend zuvor im Kino gesehen hat. Darin trinkt der Liebhaber Alfredo (Fele Martínez), um seiner geliebten Wissenschaftlerin Amparo (Paz Vega) zu imponieren, ein von ihr gebrautes, aber noch unerforschtes Elixier und schrumpft daraufhin zum Däumling. Eines Nachts krabbelt der kleine Mann verzückt vor das Geschlecht der schlummernden Geliebten und verschwindet darin auf alle Ewigkeit. Über das Gesicht der Schlafenden geht in diesem Moment ein Ausdruck größten Glücks.

Als Marco von Lydias vermeintlichen Exliebhaber El Niño erfährt, dass Lydia eigentlich kurz vor ihrem tragischen Unfall zu ihm zurückkehren wollte, reagiert Marco fast erleichtert. Er überlässt nun dem Stierkämpfer die Krankenwache und reist nach Jordanien, um sich wieder gänzlich auf seine Arbeit, das Schreiben, zu konzentrieren. Im Ausland liest er wenig später in der Zeitung von Lydias Tod. Sofort ruft er im Krankenhaus an und verlangt nach Benigno. Dieser, so wird ihm berichtet, arbeite dort nicht mehr. Er säße in Untersuchungshaft unter dem Verdacht, Alica vergewaltigt zu haben.

Szenenfoto Marco kehrt sogleich nach Spanien zurück und findet heraus, dass Alicia ein totes Kind zur Welt gebracht hat und durch den Schock der Geburt aus dem Koma erwacht ist. Benigno aber hat in seiner Zelle von all dem nichts erfahren. Marco begreift, dass er nun Benignos einziger Freund ist. Er besucht ihn im Gefängnis. Dort findet er Benigno der Verzweiflung nah. So sehr Benigno ihn auch um Informationen über Alicia anfleht - Marco wagt es nicht, ihm von ihrer wundersamen Heilung zu erzählen.

Benigno nimmt schließlich eine Überdosis Tabletten, um der vermeintlich noch bewusstlosen Geliebten im Koma nahe zu sein. Die Dosis war jedoch zu hoch, und so steht Marco nun an Benignos Grab und redet mit ihm, so wie sein Freund all die Jahre mit Alicia geredet hatte. Und vielleicht wird dieser Mut zur Offenheit am Ende sogar aus Marco und Alicia jenes Paar machen, das weder Marco und Lydia noch Benigno und Alicia jemals hätten werden können.

Dirk Jasper FilmLexikon
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