Die Regeln des Spiels

Produktionsnotizen

Über fünfzehn Jahre war Regisseur, Autor und Oscar-Preisträger Roger Avary (Skript: Pulp Fiction, Regie: Killing Zoe) immer wieder damit beschäftigt, mit Die Regeln des Spiels den zweiten 1987 erschienenen Roman von Bret Easton Ellis (Less Than Zero, American Psycho) in unkomprimierter Form auf die Leinwand zu bringen.

Und während die Grenze zum 21. Jahrhundert überschritten wurde, erkannte Avary durchaus überrascht, dass das Buch und die Figuren nicht nur zeitlos zu bleiben schienen, sondern die Motive der Geschichte immer besser mit dem zunehmenden Nihilismus einer ökonomisch besser gestellten Jugend Amerikas korrespondierten.

Folglich strich Avary spezifische achtziger Jahre-Elemente des Plots und erläutert: "Ich sehe Die Regeln des Spiels als Todesstoß ins Herz des Teeniefilm-Genres, denn die koksenden, entpersonalisierten, ambitionslosen Kids aus Brets literarischer Imagination sind in der heutigen Realität präsenter denn je. Um aber nicht das Schwenken der Moralkeule zu riskieren, wollte ich dem Film die allzu direkten Bezüge nehmen und setzte ihn in einer unspezifischen Zeit und fiktiven Topographie an. Damit behält Die Regeln des Spiels deutliche Spurenelemente der Achtziger, in denen der Stoff entstand - aber die Ausstattung kommt aus unserer Gegenwart, und somit spielt der Film - wie Killing Zoe davor - in einem eigenen abgeschlossenen Universum."

Avary fühlte sich ursprünglich von dem Material angezogen, weil er thematische Parallelen zu einer Periode der Sozialgeschichte fand, die schon immer besondere Faszination auf ihn ausgeübt hatte: Die Entstehung und fast folgerichtige Selbstzerstörung der französischen Bourgeoisie in den Dreißigern, die spätestens mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in den Annalen der Historie verschwand.

"Beim Lesen von Die Regeln des Spiels fällt auf, dass der Nihilismus des Materials seinen Ursprung im Frankreich der Dreißiger hat ", sagt Avary, "und diese Ähnlichkeiten setzen sich fort, wenn man die Story mit Jean Renoirs ähnlich betiteltem Klassiker 'Rules of the Game' von 1939 vergleicht. Beide Geschichten skizzieren eine Gesellschaft, deren ultimative Dekadenz bei allen Provokationen und Eruptionen vor allem die schmerzliche Leere ihrer Protagonisten symbolisiert."

Weitere Bezugspunkte von Die Regeln des Spiels sind im Gesamtwerk von Bret Easton Ellis zu finden, der in einer Reihe so irrwitziger wie vergnüglicher Bücher einen Mikrokosmos unverschämt reicher und verschwenderischer Charaktere geschaffen hat, deren Materialismus, Trendhunger und Emotionslosigkeit Ellis sardonisch seziert.

Nicht nur für Ellis-Fans weisen Bücher wie "Less Than Zero", Die Regeln des Spiels, American Psycho, "The Informers" Ähnlichkeiten auf - die Figur des Victor in Die Regeln des Spiels ist beispielsweise die Hauptfigur von "Glamorama", während es sich bei Sean Bateman um den Bruder des American Psycho Patrick Bateman handelt, dessen unrühmliche Geschichte im Jahr 2000 von Regisseurin Mary Harron mit Christian Bale in der Hauptrolle in einem vorzüglichen Film erzählt wurde.

Hinsichtlich der Besetzung von Die Regeln des Spiels setzte Regisseur Roger Avary sein Vorhaben in die Tat um, ein ebenso begabtes wie hippes und verblüffendes Ensemble zu versammeln. "Viele haben es für subversiv und überraschend gehalten ",erläutert der Filmemacher, "als wir ausgerechnet James Van Der Beek in der Schlüsselrolle des Sean Bateman besetzten. Aber 'The Beek', wie wir ihn alle nur nannten, ist einer der coolsten und schauspielerisch wagemutigsten Jungs, die man sich in Hollywood nur wünschen kann - und wer immer ihn mit seiner sensiblen Figur aus Dawson's Creek verwechselt, wird in Die Regeln des Spiels nach drei Nanosekunden eines Besseren belehrt."

Auch für die Auswahl der weiblichen Hauptrolle brauchte Avary nicht lange. "Ich traf Shannyn Sossamon bei ihr zu Hause", erinnert Avary, "und ein kurzes informelles Treffen wurde zu einer mehrstündigen Diskussion über das Projekt, was fast einer Therapie-Stunde ähnelte. Das hatte ich mir erhofft, und ich wusste instinktiv, dass ich meine Lauren gefunden hatte, die eine Art wandelnder Widerspruch zwischen Selbstbewusstsein und Unsicherheit ist. Hinzu kam Shannyns Improvisationstalent - es gibt kaum eine Szene in Die Regeln des Spiels, die sie nicht mit intuitiven Entscheidungen stärker gemacht hat."

Während sich Neuentdeckung Ian Somerhalder in der Rolle des flamboyanten Paul Denton wenige Tage vor Drehbeginn gegen eine Reihe ungleich bekannterer Kandidaten für den Part durchsetzen konnte, wurden die sublime Schönheit Jessica Biel (Eine himmlische Familie)und der charismatische Kip Pardue (Driven) von Avary gewählt, um "sie gegen den Strich zu besetzen und ihre sauberen Images zu zerstören".

Abgerundet wird das Ensemble mit Vertretern des Young Hollywood wie Thomas Ian Nicholas (American Pie) und Clifton Collins jr. (Traffic)sowie durch erfahrene Cracks wie Avary-Spezialist Eric Stoltz (Killing Zoe) und Grande Dame Faye Dunaway (Chinatown, Oscar-Preisträgerin für Network). Hinter der Kamera versammelte sich laut Avary "der beste Haufen kreativer Größen und unermüdlicher Crew-Mitglieder, die man sich für einen Kinofilm überhaupt nur wünschen kann".

Namentlich handelt es sich dabei um den deutschstämmigen Kameramann Robert Brinkmann, Produktionsdesignerin Sharon Seymour und Kostümdesignerin Louise Frogley, die Avary allesamt nicht zuletzt dabei unterstützten, Die Regeln des Spiels mit äußerst innovativem Einsatz von Split-Screens oder Zeitraffern zu einem visuellen Trip "zwischen Brian De Palma und David Fincher" (Los Angeles Times) zu machen.

Die achtwöchigen Dreharbeiten begannen in der Augusthitze des Jahres 2000 in Kaliforniens San Bernardino County, wo die University of Redlands das kühlere Camden College New Englands aus dem Film doubelte. Avary erklärt: "Wir haben vielfach diskutiert, warum ich einen Ostküstenfilm im Großraum Los Angeles drehen wollte, aber meiner bescheidenen Meinung nach haben wir hier die fähigsten und enthusiastischsten Crews der Welt." Avary weist bei dieser Gelegenheit auch darauf hin, dass schon sein Debüt Killing Zoe, von zwei Außendrehtagen in Paris abgesehen, komplett in L. A. inszeniert wurde, obwohl der Film nur in der französischen Hauptstadt spielt.

Zu den Drehorten von Die Regeln des Spiels gehörten die Gebäude der University of Redlands, die teilweise 1907 gebaut wurden und Einflüsse griechischer Architektur aufweisen. Um freilich das Ostküstenklima zu kreieren, mußste die Crew um jeden Preis das Auftauchen kalifornischer Palmen im Bild vermeiden, während Special Effects-Koordinator Ron Bolanowski aus 55.000 Pfund Trockeneis den Eindruck von frisch gefallenem Schnee erweckte. Weitere Locations im Großraum Los Angeles fanden sich schließlich in Pasadena, Marina del Rey, Sunland, Downey und Central L. A.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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