The Transporter

Produktionsnotizen

Ein etwas undurchschaubarer Kurierfahrer legt sich mit seinen Auftraggebern an, um einer jungen Asiatin zu helfen. Das ist in sehr knappen Worten das Abenteuer, das Frank, der junge "Transporter", in diesem Film erlebt.

Allerdings mußs man dem noch eine gehörige Portion Spannung, einige spektakuläre Verfolgungsjagden, viele genial choreographierte Kampfszenen und einen explosiven Rhythmus hinzufügen.

Regisseur Louis Leterrier erzählt: " Luc Besson und Robert Mark Kamen haben das Drehbuch geschrieben. Es hat alle Zutaten eines echten Actionfilms, gleichermaßen unterhaltsam, visuell überraschend und gestützt auf zwei starke Charaktere. Ein weiterer Trumpf: wir hatten Cory Yuen als Regisseur für die Kampfszenen."

Cory Yuen verrät: "Ich habe zuvor mit Luc Besson bei Kiss of the Dragon zusammengearbeitet. Anschließend bin ich sofort nach Hongkong zurückgekehrt, um meinen eigenen Film zu machen. Luc kam eines Tages zu mir und sagte, dass er eine neue Geschichte hat.

Er bot mir an, mich bei diesem Projekt noch mehr einzubinden, indem ich auch Regisseur der Kampfszenen sein sollte. Das Drehbuch gefiel mir. Der zentrale Held war originell und dessen Geschichte bot ein großes Potential. Also habe ich akzeptiert."

Louis Leterrier fährt fort: "Wir hatten alle große Lust, den Film zu machen. Ich vielleicht noch ein bisschen mehr, als die anderen. Dies ist mein erster Spielfilm als Regisseur. Luc Besson hatte mir von der Geschichte erzählt, und mir die Regie angeboten.

Ich hatte schon als Assistent mit ihm zusammen an seinen Kino- und Werbefilmen gearbeitet. Ich denke, man mußs die guten Gelegenheiten, die uns das Leben bietet, am Schopf ergreifen. Mit einem so bedeutenden Film anzufangen, von Luc Besson produziert und unter der Mitwirkung von Cory, das ist eine Riesenchance!"

Zwei Regisseure, ein Set Louis Leterrier verrät: "Wir haben sehr viel mit Luc über den Film und die Charaktere geredet. Er ist ein aufmerksamer Produzent. Sobald die Dinge klar sind, stellt er alle Mittel zur Verfügung, um arbeiten zu können.

Er hat mir vollkommen vertraut und interessierte sich für das, was wir machten, aber hat sich niemals eingemischt. Er äußert sich nur, um zu helfen. Es ist ebenso hilfreich, wie auch einschüchternd bei einer ersten Regie, aber alles ist gut gegangen.

Cory und ich, wir hatten unsere klar definierten Bereiche. Er kümmerte sich um alle Kampfszenen, was nicht gerade wenig war, und ich drehte die Charakterszenen und Stunts. Wir haben uns sehr gut verstanden und perfekt ergänzt."

Cory Yuen fügt hinzu: "Louis ist ein sehr höflicher und offener Mensch. Er weiß, was er will, und er kann zuhören. Wir hatten beide dieselbe Herangehensweise an den Film und unsere Rollen waren klar definiert. Es gab überhaupt keine Probleme."

Es wäre schwierig gewesen, einen einzigen Regisseur zu finden, der sowohl die Kampfszenen beherrscht, als auch die klassischen Schauspielszenen und die Logistik einer solchen Produktion. Die außergewöhnliche Erfahrung von Cory und die erfindungsreiche Vitalität von Louis Leterrier kommen dem Film sehr zugute.

Das Herz des Films Auch wenn es ein Actionfilm ist, lebt er ebenso von den Charakteren. Sie haben alle eine Vergangenheit und eine echte Persönlichkeit, und sie haben gute Gründe, um zu kämpfen.

Louis Leterrier erzählt: "Wir haben mit jedem Schauspieler einzeln gearbeitet. Wir diskutierten über seine eigene Geschichte, und über die Art und Weise, wie er auf das reagiert, was er durchmacht. Jeder entwickelt und entdeckt sich.

Von Anfang an war das Casting international. Shu Qi und Jason Statham waren als Erste ausgewählt. Für die Rolle von Tarconi wollte ich jemanden mit einer sehr sympathischen Ausstrahlung, mit einem Columbo-Touch, ebenso gegensätzlich wie nah dran an Frank.

Für diesen jungen Mann ist Tarconi so etwas wie ein Onkel oder großer Bruder. François Berléand hat sich quasi aufgedrängt. Er konnte diese Mischung verkörpern. Erst nachdem ich ihn ausgewählt habe, machte ich mir Gedanken, ob er überhaupt englisch sprechen konnte!

Für die Rolle des Bösen habe ich Matt Schulze gewählt, wegen seines Charismas und seiner ebenso verführerischen wie gefährlichen Seite. Man soll sich fragen, was seine Beziehung zu Lais Vater ausmacht.

Das Trio Shu Qi/Jason Statham/François Berléand ist das Herz des Films. Jason Statham war hochmotiviert. Er mochte das Drehbuch und zum ersten Mal hatte er eine Hauptrolle. Was ich besonders an ihm schätze, ist seine Stimme. Sie ist heiser, ernst.

Wenn man ihn hört, fragt man sich, ob er ein böser Mensch ist, oder ein vom Leben gebrochener Mann. Seine Stimme gibt ihm eine ambivalente Ausstrahlung. Sie kann uns denken lassen, er sei gefährlich und gleichzeitig einen versteckten Knacks offenbaren. Ich finde das für die Rolle von Frank sehr interessant.

Für Shu Qi ist dieser Film auch ein Wendepunkt. Es ist ihre erste Rolle außerhalb Asiens, wo sie ein großer Star ist. François Berléand bringt sich immer stark in seine Rollen ein. Die fremde Sprache hat ihn hier noch ein bisschen mehr Arbeit gekostet als sonst."

Bei manchen Dialogszenen mußste Louis Leterrier seine Darsteller und das Team in drei Sprachen anweisen. "Einerseits gab es die Stunts mit ihren technischen Schwierigkeiten," verrät er, "andererseits die reinen Spielszenen mit ebenfalls ihrem Teil an technischen Bedingungen!

Jason Statham sprach nur englisch, François Berléand gab sich alle Mühen dieser Welt, um englisch zu sprechen und Shu Qi brauchte einen Dolmetscher, um diese Sprache zu verstehen!

Jede Anweisung mußste jedem Einzelnen auf individuelle Art erklärt werden, so ruhig und so schnell wie möglich. Ein echter Alptraum, der bei uns so manchen Lachanfall ausgelöst hat. Eine erste Probe ermöglichte es, das, was ich vom jeweiligen Darsteller erwartet habe, dem gegenüber zu stellen, was er mir angeboten hat.

Wir redeten darüber und dann habe ich sie ihr Spiel verfeinern lassen. Im Zuge der Arbeit hat sich die Anzahl der einzelnen Takes verringert. Die Gruppe hat ihr Zusammenspiel gefunden und ich konnte immer besser inszenieren, trotz der sprachlichen Probleme. Sechs Kameras zu platzieren und eine Action-Szene mit zehn Autos zu koordinieren, ist letztendlich einfacher."

Mehr als nur Kämpfe Louis Leterrier erinnert sich: "Ich konnte es einrichten, dabei zu sein, wenn Cory an den Kampfszenen gearbeitet und gedreht hat. Es ist ein großes Glück, einem Mann mit seiner Erfahrung bei der Arbeit zuzusehen. Im Drehbuch gab es keinerlei Anweisungen, die Kämpfe waren lediglich erwähnt. Cory hat Meisterstücke daraus gemacht."

Cory Yuen erklärt: "Wir waren uns alle einig, dass die Kämpfe nicht nur Prügeleien sein sollten, die der Geschichte in einer anekdotischen Art und Weise Farbe geben. Ihr Verlauf mußste der Erzählung dienen, und sie vorantreiben.

Wir haben hart arbeiten müssen, um einen visuellen Stil zu erzeugen und einen gewissen inhaltlichen Reichtum. Mein erstes Ziel war es, Jason Statham und seine körperlichen Talente aufzuwerten. Er hat konstanten, guten Willen bewiesen und echten Mut.

Das war nicht selbstverständlich. Ich habe ihn angeleitet, wie ich Schauspieler in Hongkong anleite, aber er ist ja keiner von ihnen. Er hat oft versucht, meine Gestik zu imitieren oder typische Figuren der asiatischen Kampfkunst nachzumachen. Ich habe ihn dazu gebracht, das gar nicht mehr zu versuchen.

Ich habe ihm geraten, seinen eigenen Stil zu entwickeln, anstatt dem nachzueifern, was er nicht ist. Das Resultat ist erstaunlich. Es ist ein Zusammenfluss zweier Arten, er ist leicht wie die Luft, nur stärker, er ist katzenartig, nur stämmiger."

Jason Statham präzisiert: "Ich praktiziere die Kampfkunst schon seit Jahren und dachte, eine gewisse Erfahrung auf diesem Gebiet zu haben. Cory hat mir bewiesen, dass ich noch wahnsinnig viel lernen mußste. Er hat mich umgehauen!"

Viel Action und eine komplizierte Logistik Neben den Kämpfen hat das Drehbuch viele Action-Szenen vorgesehen. Louis Leterrier erzählt: "Der Dreh erstreckte sich von Ende Oktober 2001 bis Februar 2002. Wir haben in der Altstadt von Nizza angefangen, weiter auf der Promenade des Anglais, die wir per Sondergenehmigung für eine Autojagd sperren durften.

Das hatte es noch nie gegeben. Die Action fand auf der Straße statt, aber auch auf den Fußwegen. In Cannes sind wir die Croisette in entgegengesetzter Richtung entlang gerast. Auch dafür brauchten wir eine Sondergenehmigung der Stadt, die auch hier niemals zuvor erteilt wurde. In Marseille und dessen Hinterland, haben wir das nächtliche Ballett der Container im autonomen Hafen gedreht und alle Szenen, die in den Gebirgsstraßen spielen.

Wir durften einen ganzen vierspurigen Landstraßenabschnitt 14 Tage, jeweils von 9:00 bis 16:00 Uhr absperren. An diese Zeiteinteilung mußsten wir uns genau halten, weil wir sonst diesen Ort für den nächsten Tag verloren hätten. Das hat alles verkompliziert, da manchmal das Licht zehn Minuten vor Schluss der genehmigten Zeit ganz wunderbar war. Es gab ein Gefühl der Eile, manchmal der Frustration.

Michel Julienne hat sich um die Autos gekümmert. Er hat eine unglaubliche Arbeit vollbracht. Pascal Lavanchy, das Double von Frank, ist für mich der beste Fahrer der Welt. Er war ein wahrer Mentor für Jason Statham, und es wäre ungerecht, die Leistung von Pierre Morel zu unterschlagen, der ein mehr als effektiver Kameramann war."

Flugzeuge, Helikopter, Autos und riesige Explosionen Louis Leterrier erzählt: "Manche Szenen haben uns echte Probleme bereitet. Beim Dreh auf der Autobahn waren wir bis zu 300 Leute, die gleichzeitig gearbeitet haben. Eines Tages saß ich in einem Helikopter, der einem Flugzeug folgte, das wiederum einem Konvoi von 2 Lastwagen, drei Mercedes und anderen Autos folgte ...

Ein Mann sprang im Sturzflug aus einem Flugzeug und ich folgte ihm mit dem Helikopter. Von der Koordination her war das sehr komplex zu leiten. Vier Kameras filmten aus allen erdenklichen Winkeln. Man mußste aufpassen, dass keiner dem anderen im Bild war. Der Dreh dieser Szene dauerte, dank guter Vorbereitung im Vorfeld, nur zwei Tage.

Die Einstellungen waren sehr präzise, was das Licht und das Starten der Helikopter betrifft. Natürlich mußs man sich beim Dreh an die Umstände anpassen, um von einem bestimmten Licht zu profitieren, einer Wolke beispielsweise, die sich gerade vor die Sonne schiebt.

Wir wollten erreichen, dass die Schusswechsel einen besonders intensiven Eindruck beim Publikum hinterlassen. Normalerweise, wenn ein Schuss fällt, hört man ein lautes "bang" und dann nichts mehr.

Hier streifen, schneiden, regnen die Kugeln im wahrsten Sinne des Wortes. Das erlaubt dem Zuschauer, sich noch mehr in die Gefahr, in die sich der Protagonist begibt, hineinzuversetzen. Das ist ästhetisch und dramaturgisch von Nutzen."

Eine der schwierigsten Szenen war die Zerstörung des Hauses von Frank. Louis Leterrier weiter: "Für die Explosionen wollte ich keinen Modellbau, keine synthetischen Bilder. Das Haus ist eine Dekoration von vierzehn Metern Höhe, die Explosionen sind eine Abfolge. Georges Demetrau hat sie realisiert. Wir baten ihn, sie so beeindruckend wie möglich zu machen, und das hat er getan!

Er ist ein genialer Pyrotechniker. Er hat insgesamt sieben Explosionen für diesen Film durchgeführt, aber die des Hauses ist mit Abstand die Wichtigste. Die Feuerkugel hatte einen Durchmesser von über zwanzig Metern."

Szenenfoto
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