Extreme Rage

Produktionsnotizen

Aus den Schlagzeilen auf die Leinwand Das Konzept zu Extreme Rage entstand vor sechs Jahren aus einer Idee des Produzenten Joseph Nittolo und seiner Partner Tucker Tooley und Vincent Newman. Damals ahnte noch niemand, dass sich der Drogenhandel zu einem solch heißen Kinothema entwickeln würde.

Tucker Tooley berichtet von den häufigen Leitartikeln in der Los Angeles Times, die die Drogenkartelle und die Korruption in Mexiko analysierten: Sie lieferten genau den authentischen Hintergrund, den die Produzenten für ihr Konzept benötigten.

Mit den Autoren Christian Gudegast und Paul Scheuring investierten die Filmemacher vier Jahre in die Recherchen und die Entwicklung des Projekts. "Christian und Paul haben sich intensiv in die Materie eingearbeitet, bevor sie sich ans Schreiben machten", stellt Tucker Tooley fest.

Und Christian Gudegast fügt hinzu: "Gute und Böse gibt es nicht - weder bei der DEA noch bei der Polizei oder den Drogendealern. Die Cops mit der weißen Weste, die Drogentypen mit Dreck am Stecken - so läuft das nicht; alles bewegt sich in einer Grauzone.

Und diese Situation wollten wir in all ihren Aspekten zeigen: Die beiden Agenten Sean und Demetrius hätten sich sehr leicht auch in die andere Richtung entwickeln können. Dann wären sie Crack-Dealer geworden. Stattdessen beschlossen sie, für die Polizei zu arbeiten."

Als die Recherchen abgeschlossen und das Drehbuch fertig waren, griffen Vin Diesels Agenten sofort zu. "Die Hauptrolle ist Vin Diesel wie auf den Leib geschrieben", sagt Joseph Nittolo. "Sean Vetter verliert seine Frau in einer persönlichen Fehde mit dem Drogenkartell - deswegen will er nicht nur dem Gesetz Geltung verschaffen, sondern sich vor allem persönlich rächen. Vin leistet genau das, was wir uns wünschen: Er legt die Figur realistisch an und lotet all ihre Untiefen aus."

Für Regisseur F. Gary Gray besteht Vin Diesels außergewöhnlicher Status in der Tatsache, dass Vin Diesel nicht nur als Filmstar überzeugt, sondern auch als Mann der Arbeiterklasse. "Er verbindet beide Welten", sagt Gary Gray. "Der Darsteller des Sean Vetter mußs nicht nur den Cop glaubhaft porträtieren, sondern auch das Kind der Slums", fügt Vincent Newman hinzu. "Es gibt nur wenige Schauspieler, die auf beiden Ebenen überzeugen können, aber Vin Diesel gehört zweifellos dazu."

Vin Diesel begeisterte sich sofort für die Rolle des Sean Vetter, der sich auf dem schmalen Grat zwischen Held und Anti-Held bewegt. "Am Anfang hat Sean alle Sympathien auf seiner Seite, aber im zweiten Teil verändert er sich deutlich", stellt er fest. "Und zwar derart radikal, dass er fast auf das Niveau absinkt, das er doch mit allen Mitteln bekämpft."

Als New Line Cinema das Drehbuch kaufte, erwies sich Vin Diesels enge Beziehung zum Studio als vorteilhaft: Er hatte bereits in den New-Line-Filmen Risiko - Der schnellste Weg zum Reichtum und Knockaround Guys mitgewirkt. Diesels Produktionspartner und Co-Produzent George Zakk berichtet, dass Extreme Rage genau dem anspruchsvollen Rollenfach entspricht, in dem der Schauspieler sich profilieren möchte.

"Die Drogenwelt ist sehr düster und bietet die perfekte Voraussetzung für Spitzenrollen", sagt er. "Als der Mann den Tod seiner Frau verarbeiten mußs, geht er psychisch vor die Hunde. Dem Zuschauer stellt sich die Frage: ,Wie würde ich wohl reagieren, wenn das meine Frau wäre?'"

Ganz oben auf der Regie-Wunschliste der Filmemacher stand der erfolgreiche Film- und Musikvideo-Regisseur F. Gary Gray. Auch er hat beste Erfahrungen mit New Line Cinema gemacht: Seine ersten beiden Spielfilme Friday und Set it off erwiesen sich unter dem New-Line-Label als große Hits.

F. Gary Gray ließ sich nicht zweimal bitten, einen Film über den Drogenhandel mit überzeugenden Figuren und einem raubeinigen Spitzenstar zu inszenieren - immerhin bezeichnet er Brian De Palmas Scarface als einen seiner Lieblingsfilme.

Die Dreharbeiten lagen bereits vor Vin Diesels Aufstieg zum Superstar mit xXx - Triple X, und Gray stellt fest: "Mir war voll bewusst, dass ich hier die einmalige Gelegenheit bekam, mit einem kommenden Star zu arbeiten, der sich als Schauspieler in einem derart harten und realistischen Sujet bestens bewähren würde."

"F. Gary Gray ist ein Meister seines Fachs, hat ein untrügliches Auge für Situationen, er weiß wirklich, was er tut", berichtet Produzent Tucker Tooley begeistert. "Er engagiert sich leidenschaftlich für seine Filme, und das gilt für jeden einzelnen Drehtag. Dadurch ist der Qualitätsmaßstab unseres Projekts um einiges gestiegen." Und Vin Diesel fügt hinzu: "Diese kompromisslose Wahrhaftigkeit verdanken wir allein Gary."

Als Vetters Partner Demetrius Hicks engagierten die Filmemacher den vielversprechenden jungen Darsteller Larenz Tate, der sich mit gefeierten Auftritten in so unterschiedlichen Filmen wie Menace II Society und Why Do Fools Fall In Love profiliert hat. "Wir wollten einen Gegenpol zu Vins Persönlichkeit schaffen. Sein Partner mußs im Ballwechsel mit ihm bestehen können, denn die Beziehung der beiden hält die Story zusammen", berichtet Tucker Tooley.

Larenz Tate kannte sowohl Vin Diesel als auch Gray von früher - er entsprach allen Anforderungen. "In gewisser Weise ist Extreme Rage ein Buddy-Movie, allerdings mit einer ungewöhnlichen Aussage und einem anderen Ansatz", sagt der Schauspieler. "Ich empfand die Rolle wie für mich maßgeschneidert."

Laut Regisseur F. Gary Gray mußs Demetrius als ehemaliges Kind der Straße absolut überzeugend wirken. "Wir müssen dem Darsteller seinen Slum-Hintergrund abnehmen, er soll die ganze Bandbreite der Empfindungen ausdrücken und bei der Zusammenarbeit auch Verständnis für Sean Vetter aufbringen. Larenz Tate hat die Rolle intensiver ausgestaltet, als ich mir das hätte wünschen können. Er ist ein guter Freund", sagt F. Gary Gray.

"Vin Diesel weiß Larenz' Leistungen schon seit Jahren zu schätzen", berichtet Co-Produzent Zakk. "Larenz Tate beherrscht die Leinwand wie der junge Denzel Washington", fügt Vin Diesel hinzu. "Ich vertraue ihm völlig - was der Beziehung der beiden Filmfiguren zugute kommt."

Eine Schlüsselrolle bei der Jagd auf Diablo nimmt der charismatische Hollywood Jack Slayton ein: Er besitzt einen Fitness-Club in Beverly Hills. Möglicherweise dealt er mit Drogen, vielleicht ist er sogar Diablo selbst. Den Slayton spielt der Nachwuchsstar Timothy Olyphant, der sich mit seiner außergewöhnlichen Darstellung als Drogendealer in Doug Limans Go einen Namen machte.

Timothy Olyphant gibt zu, dass er Hollywood Jack Slayton zunächst nicht durchschaut hat. "Beim Überfliegen des Drehbuchs sah ich ihn als gefährlichen Schurken im Drogenmilieu vor mir", erinnert er sich. "Erst später kapierte ich, dass F. Gary Gray ihn komisch anlegen wollte, was mir bei der ersten Lektüre nicht aufgefallen war. Also habe ich das Skript unter dieser Voraussetzung noch einmal gelesen, und plötzlich wollte ich die Rolle unbedingt spielen. Gary hat mir bei der Gestaltung eine Menge Freiraum zugestanden."

Begeistert reagierte Timothy Olyphant auch auf sein Kostüm. "Das hatte ich nicht erwartet", erzählt er. Denn er glaubte, die übliche Bösewicht-Uniform ganz in Schwarz tragen zu müssen. "Stattdessen steckten sie mich in blaue Gucci-Schuhe, blaue Armani-Hosen, ein blaues Hemd. Ich trage eine Ray-Ban-Brille und fahre einen Porsche Carrera.

Ich kam mir buchstäblich wie Batman vor: Das Kostüm und die Requisiten machen einen Großteil der Rolle aus. Wer diese Art Anzug trägt und solch einen Wagen fährt, kann auf der Leinwand gar nicht langweilig erscheinen, verstehen Sie? Ein derart extremer Look wirkt regelrecht befreiend. Und äußerst komisch."

Unterstützt werden die Hauptdarsteller durch altgediente Schauspieler wie Geno Silva als inhaftierter Drogenkartell-Boss Memo Lucero. "Da Scarface zu meinen Lieblingsfilmen zählt und Geno Silva darin Al Pacino am Ende erschießt, war es echt komisch, ihn jetzt in diesem Part meines Films zu erleben", sagt F. Gary Gray, der dem Schauspielveteran bescheinigt, die Rolle umfassend ausgelotet zu haben: "Er ist zwar der Drogenboss, dennoch müssen wir eine gewisse Sympathie für ihn entwickeln. So ähnlich wie bei Anthony Hopkins als Hannibal Lecter. Es ist extrem schwierig, einen skrupellosen Schurken darzustellen und gleichzeitig die Zuschauer für sich einzunehmen."

In der entscheidenden Produktionsphase verließ F. Gary Gray sich auf das Können des renommierten Kameramannes Jack N. Green, A.S.C., der bereits über 30 Filme gedreht hat, darunter auch Clint Eastwoods Erbarmungslos. In Extreme Rage betont Greens dynamische Ausleuchtung der dramatischen Szenen vor allem die atemberaubende Action und die düstere Atmosphäre des Sujets.

Von der Produktionsdesignerin Ida Random erwartete Gray einen unverwechselbaren optischen Stil. "Also verwendete ich knallige, intensive Farben, um das dramatische Umfeld unseres Film-Drogenkartells zu betonen", erklärt sie.

Als technischer Berater fungierte Sergeant Richard B. Valdemar, der seit langem als Polizist im Sheriff's Department von Los Angeles tätig ist, und zwar in der Abteilung für Kapitalverbrechen mit Schwerpunkt auf Bandenwesen und Drogen. Er setzte sich in der Vorbereitungsphase mit den Autoren zusammen. Auch für die Dreharbeiten holten ihn die Filmemacher an Bord, um das Milieu möglichst realistisch zu gestalten.

"Wann immer die Polizei ins Bild kommt, nehme ich die Szenen ab und mache Vorschläge", erklärt er. "Wichtig ist das vor allem in den Massenszenen mit großen Polizeieinsätzen." Genau wie Vetter ist Valdemar auf dem heißen Pflaster von Los Angeles aufgewachsen und erlebte mit, wie die Drogen sein Viertel infizierten, bevor er zur Polizei ging.

F. Gary Gray erklärt, dass er bei einem Film wie Extreme Rage keine einzige Szene drehen würde, ohne sich vorher mit einem Fachmann wie Valdemar zu beraten. "Bei diesem Film ging es mir nicht nur um Experten, die sich mit Drogen und der DEA auskennen, sondern auch in den Slums zu Hause sind", sagt Gray.

"Richard stammt aus dieser Szene, er kennt die Welt der Drogen, hat Kontakte nach Mexiko. Auf jede meiner Fragen wusste er eine Antwort, ob nun über die Bosse im Drogenkartell oder das einfachste Bandenmitglied - und alles dazwischen. Er weiß Anekdoten zu erzählen, die unsere Geschichte entscheidend bereichert haben."

F. Gary Gray hofft, dass sich Zuschauer aller Schichten von seinem Film berühren lassen: "Ich glaube, es gibt in Amerika kaum eine Familie, die nicht selbst oder über Freunde mit Drogen in Kontakt gekommen ist - deshalb hat dieser Film jedem etwas zu sagen. Alle können sich darin wieder erkennen. Aber wir erzählen das nicht so düster wie ein Dokumentarfilm. Vor allem wollen wir unterhalten. Was unsere Hauptfiguren erleben, soll Spaß machen, denn wir entführen das Publikum in die unterschiedlichsten Bereiche der Gesellschaft."

"Die Zuschauer bekommen einen spannenden und düsteren Film zu sehen, der von der Welt der Drogen erzählt und uns auf emotionaler Ebene anspricht", sagt Vin Diesel.

Grenzgänger: Schauplätze an der Drogenroute Am ersten Drehtag zu Extreme Rage filmte das Team in einem Privathaus am Zuma Beach in Malibu - dort ist Sean Vetter zu Hause. Die Gartenparty für Sean, seine Familie und Freunde verwandelt sich schnell in eine tödliche Falle, als der neue Drogenboss Diablo ihn und seine Frau aufs Korn nimmt. Das Haus liegt direkt am Strand des Pazifik - eine traumhafte Kulisse für den langsamen Salsa-Tanz bei Sonnenuntergang, den der bekannte Salsa-Lehrer Alex Da Silva mit Vin Diesel und Jacqueline Obradors einstudierte.

Die anschließenden Dreharbeiten dauerten zehn Wochen - gedreht wurde an etlichen Schauplätzen in Los Angeles County.

In San Pedro, dem Viertel um den Hafen von Los Angeles, dient der Parkplatz des Fischrestaurants Utro als Location für eine Drogenrazzia, bei der sich die Agenten mit Hondo und Pomona Joe eine blutige Schießerei liefern.

Das repräsentative Rathaus in Pasadena, errichtet im spanischen Kolonialstil, dient als Hintergrund für ein politisches Attentat.

Im Nachtclub Fais Do-Do im historischen Viertel West Adams kommt es zu einer bleihaltigen Auseinandersetzung zwischen Vetter, Hicks und ihrem ungestümen, aber gutartigen Unterwelt-Freund Big Sexy, den der Charakterdarsteller George Sharperson spielt.

In einem Privathaus im Wohnviertel von South Central Los Angeles wohnt laut Drehbuch der Polizeispitzel Overdose.

Mehrere Häuserblocks der Avalon Avenue in der kalifornischen Stadt Wilmington wurden so präpariert, dass sie die Einkaufsmeile des mexikanischen Tijuana doubeln konnten: Dort entstanden die Anfangsszenen des Films, in denen Memo Lucero überwältigt wird, aber auch Teile des Showdowns am Schluss. Jede Nacht bevölkerten Hunderte von lateinamerikanischen Statisten die Szene als Händler, Passanten und Verkäufer.

Ida Random und ihr Team malten mexikanische Schilder und Werbetafeln und verpassten etliche Häusern einen neuen Anstrich in den Farben Türkis, Orange und Lila. Random war mit dem Ergebnis sehr zufrieden: "Das sieht wirklich wie Tijuana aus!"

Demetrius Hicks wohnt im Film nahe beim Dodger-Stadion im östlichen Teil von Los Angeles, der Echo Park genannt wird. Big Sexy residiert dagegen in dem Nobelviertel Baldwin Hills.

Der Mord an Luceros Frau wurde in Los Feliz gedreht: dort befindet sich das Kloster Convent of the Immaculate Heart auf einem Hügel mit einem prachtvollen Blick über die ganze Stadt.

Zwei Wochen lang arbeitete das Filmteam in den Lone-Star- und Delfino-Studios in Sylmar: Dort entstanden der Hochsicherheitstrakt, in dem Lucero einsitzt, und Luceros Hauptquartier inklusive Nachtclub und unterirdischem Tunnel.

Für den Club in Luceros Hauptquartier entwarf Produktionsdesignerin Ida Random eine kreisförmige Anlage. "Ich ließ mich vom tropischen Klima in Ländern wie Bolivien und Kolumbien inspirieren", berichtet sie. "Und dann habe ich mir toskanische und römische Villen genauer angesehen: Marmorsäulen und Fresken an den Wänden."

Im zweiten Stock von Luceros Hauptquartier befindet sich ein Schrein, den Ida Random als Hommage an den Mexikaner Jesus Malverde gestaltete: Er ist der "Schutzheilige" der Drogendealer, als Krimineller wurde er 1909 aufgehängt. Im mexikanischen Drogenmilieu wird er heute oft mit Robin Hood verglichen.

"Teufelsbilder haben wir im Film bewusst vermieden - sie würden übertrieben wirken", behauptet Random. "Dennoch ist der Teufel im Film präsent - in der düsteren Atmosphäre und vor allem im Malverde-Schrein, den wir mit einer Menge Voodoo-Symbolen ausgestattet haben."

Fünf Tage lang diente der Inyokern Airport inklusive Hangar im kalifornischen Indian Wells Valley bei der Stadt Ridgecrest als Wüstenversteck der Schmuggler an der mexikanischen Grenze. Hier kommt es zur explosiven Konfrontation zwischen Vetter, Hicks und Hollywood Jack Slayton, mit der die Dreharbeiten zu Extreme Rage abgeschlossen wurden.

Szenenfoto
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