Hero

Produktionsnotizen

Hero geht auf eine Idee seines Regisseurs zurück. Schon immer wollte Zhang Yimou, weltberühmt für seine brillante Erzählkunst und seine prägnanten Porträts vom Leben in China, einen Martial-Arts-Film inszenieren. Als Kind war er begeisterter Leser von Martial-Arts-Romanen, die man in China als Wuxia-Literatur kennt.

Eine dieser Vorlagen für das Kino zu adaptieren, interessierte ihn aber nicht. Stattdessen entwickelte er in drei Jahren die Geschichte von Hero, der, so Zhang, "nicht nur ein Martial-Arts-Film ist, sondern auch eine Legende von Ereignissen aus dem alten China."

"Wenn man die Geschichte der chinesischen Martial-Arts-Literatur zurückverfolgt", erklärt Zhang Yimou, "dreht sich in der Handlung alles um Rache... Über Jahre hinweg hat dieser Schwerpunkt auch die Martial-Arts-Filme bestimmt, ob nun Bruce Lee oder Jackie Chan deren Stars waren.

Ich wollte das Genre in eine andere Richtung lenken. In meiner Geschichte ist das Ziel die Reduzierung von Gewalt. Das Motiv der Figuren ist die Sehnsucht danach, den Krieg zu beenden. In der Welt der wirklichen Martial-Arts-Helden hat das Herz einen weit größeren Stellenwert als das Schwert."

Für die Schauspieler bot sich mit Hero eine einzigartige Chance: Ein Martial-Arts-Film, dem Handlung und Action gleichermaßen wichtig war. "Für mich ist Hero mein Traumprojekt", schwärmt Jet Li. "Zweimal habe ich beim Lesen des Drehbuchs geweint. Das ist mir in meiner nun 24-jährigen Filmkarriere noch nie passiert. Die Story ist unglaublich und der Film stellt wichtige Fragen, was einen Helden wirklich ausmacht."

Jet Lis Kollegin Zhang Ziyi ist von ihrer Rolle in Hero ähnlich begeistert: "Die meisten Filme, die mir angeboten werden, enthalten viele Kampfszenen. Ich aber habe immer gehofft, mich einmal mit meinem Herzen und nicht mit meinen Fäusten ausdrücken zu können. Es gibt natürlich auch einige Kampfszenen in Hero, aber meine Figur ist sehr interessant, vielschichtig und hat eine ausgeprägte Persönlichkeit.

Zhang Yimou ist ein weltweit bekannter Geschichtenerzähler, aber für ihn als Filmemacher bedeutete Martial-Arts Neuland. "Eine Schwertbewegung, die Kraft und die Geschwindigkeit ", erläutert Zhang die Schwierigkeiten in der Inszenierung von Action, "kann in einem Wuxia-Roman beschrieben werden. Das ist beim Lesen aufregend und lässt genug Raum für die eigene Fantasie. In einem Film aber hat man weniger als eine Sekunde, um diese Schwertbewegung zu illustrieren. Das ist eine echte Herausforderung."

Dieses Gefühl, sich einem anderen Genre stellen zu müssen, fand der Regisseur aufregend - wie auch die Chance mit Actionregisseur Tony Ching Siu-Tung zusammenarbeiten zu können, den er seit über zehn Jahren zu seinen Freunden zählt. "Und dann diese Besetzung", fügt Zhang begeistert hinzu. "Jet Li, Tony Leung Chiu-Wai, Maggie Cheung Man-Yuk, Zhang Ziyi und Donnie Chen, das sind fünf der größten Talente, die der chinesche Film zu bieten hat.

Es war eine einzige Freude und sehr befreiend, mit Darstellern, die solche Fähigkeiten aufweisen können, zu arbeiten". Ein Kompliment, das Donnie Yen gerne zurückgibt: "Für jemanden, der noch nie Action inszeniert hat, besitzt Zhang ein ausgeprägtes Gespür für kleine Nuancen, für bestimmte Pausen und Abwechslungen. Den Überblick verliert er trotz seiner Liebe zum Detail nie."

Der Look Der hohe Anspruch an die Geschichte und die Actionsequenzen war auch für die visuelle Gestaltung des Films maßgebend. Jede der drei Versionen, in der die Story aus unterschiedlicher Perspektive erzählt wird, ist von einer einzigen Farbe dominiert. So gibt es eine rot, weiß und blau akzentuierte Variante der Handlung.

"Die Ästhetik des Films ist untrennbar verbunden mit dem Plot", erläutert Zhang Yimou. "Die Idee, die Geschichte mit Farben zu erzählen, entstand bereits zu einem frühen Zeitpunkt während der Herausarbeitung des visuellen Konzepts. Das Design, die Kostüme, der ganze Look wurde auf das Drehbuch abgestimmt. Die Bilder hatte ich schon lange im Kopf und ich beschäftigte mich dann in Gesprächen mit meinem Team, wie diese Details realisiert werden konnten."

Als Perfektionist reiste Zhang Hunderte von Kilometern, um für jede Szene den idealen Drehort zu finden. Die 300 Mann starke Crew zog von Dunhuang, im Nordwesten der Provinz Gansu, nach Jiuzhaikou im nördlichen Setschuan und baute anschließend in den Hengdian Studios spektakuläre Sets auf - nur drei Stunden entfernt von Hangzhou, einer der berühmtesten historischen Städte Chinas.

Das Team ließ sogar alles stehen und liegen, um eine Kampfszene zwischen Maggie Cheung Man-Yuk und Zhang Ziyi in einem uralten Eichenhain zum Höhepunkt der herbstlichen Färbung drehen zu können. "Ich habe eigens einen Mann angestellt", sagt Zhang Yimou, "der die Blätter beobachten mußste. Er dokumentierte auf Video, wie sie sich von grün zu gelb verfärbten." Sobald ein goldener Ton erreicht war, zog die Crew im Eiltempo nach Norden.

"Wir benutzten drei oder vier Kameras, die gleichzeitig aus verschiedenen Perspektiven Bilder lieferten", führt Zhang weiter aus. "Wir dachten uns sogar ein Klassifizierungssystem für die Blätter aus. Ausgesprochen schöne Exemplare konnten in die Gesichter der Akteure geblasen werden, erstklassige Blätter tauchten vor ihnen, zweitklassige im Hintergrund auf, und dritte Wahl wurde auf dem Boden verteilt." Die herunter fallenden Blätter wurden aufgesammelt, gesäubert, klassifiziert und wieder vor der Kamera eingesetzt.

Mit vergleichbarem Perfektionismus entwarf auch Oscar®-Preisträgerin Emi Wada, die Zhang Yimou sehr bewundert, die Kostüme. Dafür testete sie nicht weniger als 30 Farben, färbte jedes Muster mit der Hand. Als man aber ihren Farbvorschlägen zugestimmt hatte, stand Wada vor einem unvorhersehbaren Problem. "Einige der Farben konnten mit dem Material und dem Wasser, das uns in Peking zur Verfügung stand, nicht hergestellt werden", erinnert sich die Kostümdesignerin noch immer mit Bedauern.

"Deshalb importierten wir Farbstoffe aus England und Japan, benutzten Mineralwasser für die Einfärbung einiger Stücke. Am Ende hatten wir tausende Meter Stoff verarbeitet." Wadas Anspruch an ihre Arbeit war so hoch, dass für die roten Kostüme 54 Farbschattierungen entwickelt wurden. Verschiedene Stoffe charakterisierten dabei die einzelnen Figuren, wobei sich Wada von historischen Kostümen in China, Korea und Japan inspirieren ließ. "Weil aber Hero auch ein Actionfilm ist", so Emi Wada abschließend, "mußste die Kleidung so leicht wie ein Ballettkostüm sein."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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