Halb Tot

Produktionsnotizen

Ursprünglich war Halb Tot als "hardcore and ultra-action" konzipiert, als ebenso wilder wie gefährlicher Trip in ein außer Kontrolle geratenes Hochsicherheitsgefängnis. Doch Autor und Regisseur Don Michael Paul sorgte dafür, dass der Film letztlich nicht nur Stunts und Spektakel liefert, sondern auch deutlich mehr Spaß und Fun bereitet als die meisten Actionmovies.

Obwohl der Star des Films, Steven Seagal, vor allem für taffe, kompromisslose Action bekannt ist, wählte Don Michael Paul ganz gezielt einen Ansatz, mit dem er sich von extremer Genre-Ware abwendet.

"Steven Seagal hat eine ganze Reihe von Filmen gemacht, die ultrahart sind. Ich habe aber versucht, einen Film zu drehen, der mehr Unterhaltung bietet, filmischer und ausgewogener ist", erklärt der Regisseur. "Der Film wagt den Balance-Akt zwischen der Realität und einer völlig neuartigen Welt."

Steven Seagal als Sascha Die Rolle des Sascha Petrosevitch sitzt Steven Seagal wie angegossen. Er verfügt als Actionheld mit fast 15 Jahren Filmerfahrung über eine beeindruckend lässige Leinwandpräsenz und ungeschminkte Authentizität, die ihn geradezu für diese Rolle prädestiniert - die eines Mannes, der Sühne fordert für die Ermordung seiner Ehefrau.

"Sascha ist anders als all die anderen Figuren, die ich bislang gespielt habe. Er ist verletzlicher und sensibler", gesteht Steven Seagal. Saschas harter Weg zur Vergeltung und Gerechtigkeit verlangt, dass der Mann zur Strecke gebracht wird, den er als Verantwortlichen für den Tod seiner Frau ausgemacht hat.

Dafür nimmt er sogar seinen eigenen Tod in Kauf, als er von Kugeln eines FBI-Kollegen getroffen wird, die eigentlich für Nick, einen Verbrecher, mit dem er sich jedoch angefreundet hat, bestimmt sind.

Ebenso nimmt er als Undercover-Agent alle mit einer Haftstrafe in einem Hochsicherheitsgefängnis verbundenen Unannehmlichkeiten in Kauf. Hinter Gittern setzt er seine verdeckten Ermittlungen fort, bis er einem skrupellosen Killer gegenübersteht, der das Leben einer Richterin des Obersten Gerichtshofs bedroht.

"Wenn man eine Figur mit einer simplen und direkten Motivation zu besetzen hat, dann braucht man auch einen Darsteller mit großer Leinwandpräsenz. Einen besseren als Steven Seagal wird man unmöglich finden", merkt Don Michael Paul an. "Was diese Figur wirklich benötigt und was Seagal vor allem auszeichnet, ist genau diese seltene Qualität. Man mußs ihn nur ansehen - und ohne ein Wort zu sagen, kann er tatsächlich alles ausdrücken."

"Manchmal entdecke ich Ähnlichkeiten mit den Figuren, die ich spiele", sagt Steven Seagal. "Manchmal weiß ich nicht, wo die Figur endet und der Schauspieler beginnt."

Morris Chestnut als Donny alias 49er One Die Story von Halb Tot verlangte nach einem talentierten Schauspieler, der dem direkten Zusammentreffen mit Steven Seagal standhält und in der Rolle des Donny Johnson hundertprozentig überzeugt - als Soziopath, der sich nahtlos vom ambitionierten Gefängnisangestellten zum Anführer der gewalttätigen Söldnertruppe The 49ers wandelt.

Gezielt besetzte man Morris Chestnut gegen sein Image als sympathischer Frauenliebling, welches er sich mit Filmen wie Boyz N the Hood und Komödien wie The Best Man, The Brothers und Two Can Play That Game erspielt hat. Mit Steven Seagal stand er zuvor bereits in Under Siege 2: Dark Territory (Under Siege 2, 1994) vor der Kamera.

Im Lauf seiner Karriere hatte Morris Chestnut schon so manche dynamische Rolle zu meistern. Doch so wie hier hat man ihn noch nie gesehen. "Der Typ, den ich spiele, hatte einst einen starken Glauben an das System, doch er verliert ihn und offenbart seine dunkle, sehr bösartige Seite", erklärt Morris Chestnut. Im Film ergreift Donny die Möglichkeit beim Schopf, sich seinen Traum von finanzieller Freiheit zu erfüllen und in das Gefängnis einzubrechen.

Der Schauspieler erklärt, dass seine Fans ihn "als guten Jungen kennen, als netten typischen Amerikaner. Mit dieser Rolle hatte ich die Möglichkeit, endlich mal einen Bösewicht zu spielen und für etwas Bewegung in meiner Karriere zu sorgen."

Und für Bewegung und Unruhe sorgt er in der Tat. Donny hat kein Problem damit, einen anderen Menschen mit einem eiskalten Lächeln im Gesicht umzulegen. Obwohl Morris Chestnut mit diesem Part Neuland betritt, war Regisseur Don Michael Paul davon überzeugt, dass er die perfekte Wahl war - gerade auf Grund der Attribute, die ihn zu einem charmanten Leinwandliebling machen.

"Ich glaube, das Publikum wird seinen Augen nicht trauen. Viele werden denken: ,Mann, ich kann nicht glauben, dass Morris Chestnut das bringt.' Gleichzeitig kommt er ganz cool und lässig rüber. Und wenn man einen Bösewicht oder Erzschurken so auftreten lässt, dann entsteht eine interessante Spannung, weil man nicht weiß, was man von ihm halten soll", meint Don Michael Paul. "Das übliche Böse-Buben-Gehabe wird man in meinem Film nicht finden. Morris Chestnut gibt sich nicht mit Klischees ab."

Auch Morris Chestnut erkannte die extremen Gegensätze zwischen den Anforderungen an einen romantischen Helden und der Darstellung eines feurigen, unberechenbaren Actionbösewichts: "Die rein körperlichen Voraussetzungen waren ganz anders. Ich meine: Wir steckten in einem Knast.

Es war dunkel und schmierig, während romantische Komödien stets gut ausgeleuchtet und farbenfroh sind. In Komödien kommt es ganz auf das Make-up und die Ausleuchtung an. Action gefällt mir irgendwie besser. Es ist mir ohnehin eher egal, wie ich aussehe ... bis zu einem gewissen Punkt zumindest. Aber bei Actionfilmen ist einfach mehr los, und das sagt mir zu."

Ja Rule als Nick Frazier In Halb Tot kann man die Rap-Sensation Ja Rule in der Rolle von Seagals Kumpel Nick sehen.

Der mehrfach mit Platin ausgezeichnete Rapkünstler ist ein Topstar der Musikindustrie und landete in den Jahren 2001 und 2002 einen Hit nach dem anderen. Gleichzeitig hat Ja Rule aber auch unaufhaltsam an seinen Schauspielkünsten gefeilt.

So hatte der Musiker zunächst einen Auftritt in dem Drama Turn It Up und danach eine Gastrolle in dem Blockbuster Fast and the Furious. Aber erst in Halb Tot kann er zeigen, was er als Schauspieler wirklich auf dem Kasten hat.

Ja Rule beschreibt seine Figur Nick als "lässigen Gangster". Er erzählt weiter: "Er ist ein ziemlich glatter und cooler Typ. Es steckt ziemlich viel Gangster in ihm. Grundsätzlich würde ich sagen, dass Nick mir in vielen Dingen ähnlich ist.

Aber ich versuche auch, ein bisschen von mir in die Rolle einzubringen. Er ist ein bisschen sentimental, mußs man wissen. Ein sentimentaler Halunke. Er hat großes Selbstvertrauen, weiß genau, wer er ist. Er ist seinem Kumpel Sascha ein guter Freund, doch der hintergeht ihn."

Über die Arbeit mit Steven Seagal sagt er: "Yeah, Steven Seagal ist ein cooler Typ. Ich mag Steven. Er ist überhaupt nicht so, wie ich es erwartet hatte. Er steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden."

Und in Bezug auf die jüngsten Erfahrungen seines Co-Stars mit anderen afroamerikanischen Schauspielern wie Isaiah Washington oder DMX sagt er: "Man möchte glauben, dass Steven so ist wie die Figuren, die er in seinen Filmen spielt. Aber er versteht sich im Umgang mit anderen ethnischen Gruppen."

Nia Peeples als 49er Six Mit knapp einem Meter sechzig Größe mag Nia Peeples als 49er Six vielleicht von kleiner Gestalt sein. Dennoch ist sie absolut tödlich. Die Schauspielerin ließ sich für den Film in der Kampfkunst Wushu ausbilden, um sich auf die Rolle einer Frau, die sich körperlich alles abverlangt, vorzubereiten.

"Diese Frau kann wirklich alles. Sie ist sehr agil, wie eine Katze, springt durch die Luft, liefert wilde Fußkicks und macht auch sonst jede Menge irre Sachen", beschreibt Nia Peeples. "Eine ihrer stärksten Seiten ist, dass sie keine Angst kennt. Aber dies ist gleichzeitig ihr größter Feind, weil sie sich immer ein Stück zu weit vorwagt."

Nia Peeples gefiel die Rolle der 49er Six: "Sie ist einfach durchgeknallt. Und gerade weil sie so verrückt ist, macht es ungeheuer viel Spaß, sie zu spielen. Als ich mich in Ruhe hinsetzte und mir zu erklären versuchte, warum sie so ist, hatte ich nur eine Antwort: Sie liebt die Gefahr und will sich immer in die extremsten Situationen begeben, um herauszufinden, wie weit sie gehen kann, bevor sie ihre Grenze überschreitet.

Ihre Kampfkünste sind unglaublich. Sie steht immer an der Seite von 49er One, nicht des Geldes wegen oder weil sie womöglich eine Affäre mit ihm hat. Letzteres trifft zwar zu, ist aber nicht ihre Motivation. Sie ist dabei, weil sie weiß, dass es gefährlich ist. Und das genießt sie in jedem Moment."

Nia Peeples fallen eine ganze Reihe von Szenen ein - das Messerwerfen, Schießen, das Gefängnis -, die ihr gut gefallen haben. Ihre Lieblingsszene war jedoch die Kampfsequenz mit Ja Rule: "Ich mag es, wenn man mich herausfordert. Und das war die größte Herausforderung des gesamten Drehs."

Ja Rule gesteht, dass Nia Peeples' Aggression während der Szene womöglich mehr als nur gespielt war: "Ich habe sie den ganzen Film über geärgert und ihr Streiche gespielt. Ich habe einfach nur mit ihr geflirtet. Als es also an die Szene ging, wollte sie mir für mein Verhalten so richtig in den Hintern treten."

"Ja Rule ist ein Brüller", lacht Nia Peeples. "Er ist wie ein kleines Kind auf dem Spielplatz. Ich habe mich während der gesamten Kampfszene fast kaputtgelacht."

Kurupt als Twitch Kurupt ist neben Ja Rule der zweite Rap-Superstar, den Halb Tot in der Besetzungsliste führt. Er spielt Twitch, einen Gefängnisinsassen mit sehr nervösem Zeigefinger am Abzug.

Kurupt, dessen Karriere als Protegé von Dr. Dre vor zehn Jahren begann, startet seine Schauspielkarriere mit zwei satten Rollen. Außer in Halb Tot kann man ihn in Kürze mit Kurt Russell in Dark Blue sehen.

Von seinem Part in Halb Tot war er besonders begeistert: "Als ich das Drehbuch las, hatte ich gleich das Gefühl: Dieser Twitch ist genau wie ich. Ich fühlte richtig das Blut durch meine Adern schießen. Jede Figur, die ich spiele, mußs Wesenszüge haben, die ich mit ihr teile.

Twitch ist witzig, aber er hat auch eine ernsthafte Seite. Er ist ein Schwerenöter, aber man kann ihm nichts vormachen. Mir gefällt, was er macht. So bin ich auch, nur in einem anderen Zusammenhang. Wenn ich im Knast wäre, könnte ich mir gut vorstellen, mich genau so zu verhalten. Ich würde auch Witze reißen und herumalbern."

Schauspieler und Rapper Regisseur Don Michael Paul war begeistert von der unverbrauchten Energie, die die Rapper Kurupt und Ja Rule als Darsteller in ihre Rollen einbrachten. "Kurupt und Ja Rule machten die ohnehin schon spannende Erfahrung, die ich als Regiedebütant bei meinem ersten Film hatte, noch viel aufregender.

Und Spaß machte es außerdem", sagt Don Michael Paul. "Ich wusste, dass ich jeden Tag mit ihnen arbeiten würde. Da mußste man ihnen auch ein bisschen Wohlwollen entgegenbringen, weil mir klar war, dass mit ihnen einiges abgehen würde, was es nur bei diesem Film zu erleben gab."

Steven Seagal fügt hinzu: "Wenn der Rapper ein guter Schauspieler ist, dann gibt es eigentlich keinen Unterschied zwischen der Arbeit mit einem Rapkünstler und einem ausgebildeten Darsteller - und Ja Rule ist ein verdammt guter Schauspieler."

Die Rapper waren begeistert von der Inszenierung ihres Regisseurs, der als ehemaliger Schauspieler genau weiß, wie man aus Darstellern ein Maximum an Leistung herausholt. Kurupt gab dem Regisseur den Spitznamen "Uncle Don", während er von Ja Rule immerzu "Don Corleone" genannt wurde.

"Don Michael Paul kann sein Ego völlig beiseite lassen und den Schauspielern ein gutes, entspanntes Gefühl vermitteln", meint Kurupt. "Das machte mehr Spaß, als ich gedacht hatte, es war ein richtiges Abenteuer."

Ja Rule stimmt seinem Kollegen zu: "Manche Regisseure wollen jedem am Set zeigen, dass sie der tolle Hecht sind. Aber Don ist nicht an seinem Ego interessiert und überträgt seine entspannte Haltung auf die Schauspieler, sorgt dafür, dass sie sich groß und gut fühlen. Es ist toll, wenn jemand so etwas hinkriegt. Man mußs ein großer Mann sein, um das zu schaffen."

Doch nicht nur mit dem Filmemacher kamen die Rapper gut aus. Sie schlossen auch miteinander Freundschaft. Kurupt merkt an: "Ja Rule war exzellent. Bei diesem Film hatte ich erstmals die Gelegenheit, mich in Ruhe mit ihm zusammenzusetzen und mich mit ihm zu unterhalten. Das war eine gute Sache.

Das gefällt mir an Filmen: Da kommen die unterschiedlichsten Leute zusammen, unterhalten sich miteinander, treffen sich, verstehen einander. Wir haben viel Zeit miteinander verbracht und einfach nur gequatscht. Eine Spitzenerfahrung. Ja Rule entpuppte sich als richtig cooler Typ."

Ja Rule und Kurupt gingen mit großer Begeisterung an ihre Actionszenen, sowohl was die Kampfsequenzen als auch was das Hantieren mit Feuerwaffen betrifft. Kurupt war begeistert, dass er eine Bazooka abfeuern durfte, während Ja Rule seinen Kampf mit der von Nia Peeples gespielten 49er Six als persönlichen Höhepunkt bezeichnet.

Kurupt nahm seine Actionszenen ernst: "Am besten gefiel mir das Geballer. Das mit der Bazooka - das wollte ich unbedingt machen. Und mit einem Hubschrauber fliegen. Uncle Don erfüllte mir diese Träume."

"Ich fand die Kampfszene mit Nia Peeples Spitze", erklärt Ja Rule. "Allzu viele Filme sieht man ja nicht, wo ein Kerl mit einem Mädchen in den Ring steigt. Ich glaube, das ist ziemlich cool für die Ladies im Kino, wenn sie miterleben, wie das Mädel ausnahmsweise mal die Oberhand behält."

Michael "Bear" Taliferro als Little Joe Michael "Bear" Taliferro ist ein ehemaliger Footballspieler, der sich längst auch als Komödiendarsteller einen Namen gemacht hat.

Seine Figur, Little Joe, mußs hin und wieder eingreifen, wenn der von Kurupt gespielte Twitch in brenzlige Situationen gerät. "Little Joe kann dein bester Freund sein", sagt Michael "Bear" Taliferro, "und er ist so etwas wie Twitchs Bodyguard."

Michael "Bear" Taliferro beschreibt Little Joe als "sanften Giganten - bis er hintergangen wird. Dann sieht man, dass auch ein echter Mandingo-Krieger in ihm steckt." Außerdem sieht er Little Joe als einende Kraft im Gefängnis: "Joe liebt es einfach, alles beieinander zu halten und dass sich die Leute nahe stehen."

Das neue Alcatraz Eine weitere Hauptfigur von Halb Tot ist das Gefängnis selbst. Das "neue Alcatraz" des Films öffnet seine Pforten, nachdem sie 30 Jahre zuvor wegen der inhumanen Behandlung der Gefangenen eigentlich für immer geschlossen bleiben sollten. Dieses Supergefängnis ist extra neu ausgestattet worden, um die gefährlichsten Verbrecher des Landes beherbergen zu können.

"Wenn man das Wort ,Alcatraz' hört, läuft bei jedem ein eigener Film ab, egal ob man die Gefängnisinsel schon einmal besucht hat oder nicht", sagt Don Michael Paul. "Dieses Gefängnis hat eine legendäre Qualität, die dem Film unbedingt zugute kommt."

Alcatraz Island, gelegen in der San Francisco Bay, erhielt seinen exakten Namen "La Isla de los Alcatraces" (Insel der Pelikane) von dem spanischen Entdecker Juan Manuel de Ayala im Jahr 1775. Die Insel, die von trügerischen Meeresströmungen eingerahmt ist, war damals nicht mehr als ein unfruchtbarer Felsen mit minimaler Vegetation und Fauna und blieb mehr als 70 Jahre unbewohnt.

1847 begann die US-Armee geologische Untersuchungen auf der Insel und gab sechs Jahre später den Bau einer Militärbasis in Auftrag. Die Merkmale, die die Insel für die zivile Bevölkerung so unnutzbar machten, waren ideal für eine militärische Festung.

Während der kalifornische Goldrausch in vollem Gange war, war Alcatraz der letzte Stützpunkt des amerikanischen Westens und diente als perfekter Schutz für das wertvolle Gold, das von "49ern" aus der ganzen Welt wie verrückt geschürft wurde. Halb Tot zollt diesen legendären Minenarbeitern Tribut, indem den Söldnern, die in das Gefängnis einbrechen, der Name "49ers" gegeben wurde.

Alcatraz wurde das erste Langzeitmilitärgefängnis der Vereinigten Staaten, als 1861 die ersten Bürgerkriegsgefangenen dort untergebracht wurden. Erst 1934 wurde daraus ein ziviles Gefängnis.

In diesem Jahr überließ das Militär dem Justizministerium die Kontrolle über die Insel. Das setzte Alcatraz nicht nur für die Unterbringung von Schwerverbrechern ein, sondern nutzte die Insel während der Großen Depression auch als nationales Symbol für das eisenharte Durchgreifen gegen das organisierte Verbrechen.

Das Gefängnis, mittlerweile mit speziellen "gun galleries" ausgestattet, die es den bewaffneten Wachen erlaubten, die Sträflinge bei ihren Aktivitäten zu beobachten, wies zahlreiche technologische Verbesserungen auf.

Es wurde mit elektromagnetischen Metalldetektoren und besonderen Tränengasbehältern im Speisesaal ausgestattet. Die eigentliche Struktur des Gefängnisses wurde ebenfalls verbessert. Mögliche Fluchtwege wurden mit Beton aufgefüllt, und keine einzige Zelle lag an einer Außenwand.

Wenn es einem Gefangenen dennoch gelang, die Mauern von Alcatraz zu überwinden, mußste er sich immer noch gegen das eiskalte Wasser der San Francisco Bay behaupten. Während der Geschichte von Alcatraz als Staatsgefängnis wagten 36 Insassen die Flucht.

Obwohl nur zwei von ihnen offiziell für ertrunken erklärt wurden, geht man davon aus, dass fünf weitere auf dem zwei Kilometer langen Weg zur Küste den Fluten zum Opfer fielen. Sechs der Ausbrecher wurden bei der Flucht von Wachen erschossen, 23 während der Flucht wieder gefangen genommen.

Der Ruf der Unbezwingbarkeit verlieh dem Gefängnis eine geradezu mythische Qualität, die von Filmen immer wieder zelebriert wurde. Von King of Alcatraz (1938) mit Anthony Quinn über Seven Miles from Alcatraz (1942) zu Clint Eastwoods Escape from Alcatraz (Flucht von Alcatraz, 1979) und Terror on Alcatraz (Terror in Alcatraz, 1986) - immer ging es nur um eines: die Flucht von Alcatraz.

Als einer der besten Filme über das Inselgefängnis gilt Birdman of Alcatraz (Der Gefangene von Alcatraz, 1962) mit Burt Lancaster. Dieser Klassiker dreht sich allerdings nicht um einen Fluchtversuch, sondern um den Ruf des Gefängnisses, langjähriges Zuhause einiger der unverbesserlichsten Häftlinge der amerikanischen Geschichte gewesen zu sein.

Im Mittelpunkt steht nämlich einer der berüchtigtsten Verbrecher, der auf der Insel inhaftiert war: Robert Stroud. Zu den berühmtesten Insassen gehörten außerdem Al Capone und George "Machine Gun" Kelly.

Erst vor kurzem spielte die Insel eine wichtige Rolle in dem Actionhit The Rock mit Nicolas Cage.

Halb Tot hält sich an die Konventionen des Gefängnisfilms. Gleichzeitig wird die Form aktualisiert und auf den heutigen Stand der Dinge gebracht. Der Lärm von in ihren Zellen rebellierenden Gefangenen steht in krassem Gegensatz zu High-Tech-Sicherheitsstimmen und durch Fingerabdrücke kontrollierte Türen, die dem Schwedische-Gardinen-Genre einen brandaktuellen Look verleihen.

Von dem mit allen Wassern gewaschenen Gefängnisdirektor El Fuego, der von Tony Plana gespielt wird, bis zu den knüppelharten Wachen ruft Halb Tot all die bekannten und beliebten Elemente vergangener Gefängnisfilme wach.

Don Michael Pauls Vision bestand jedoch darin, die Konventionen gleichzeitig zu sprengen und einen glaubwürdigen Zukunftsentwurf eines Gefängnisses abzuliefern. "Wir wollten ein Gefängnis zeigen, von dem man sich vorstellen kann, dass es im Hier und Jetzt existieren könnte", sagt der Regisseur.

Zum Teil spiegelt sich dieses Gefängnis der Zukunft in seiner gespenstischen Todeskammer mit dem Spitznamen "Slaughterhouse Five" wider. Dort können sich die zum Tode verurteilten Sträflinge ihre Exekution aus fünf Optionen auswählen: Tod durch Erhängen, Exekutionskommando, tödliche Injektion, Gas und elektrischer Stuhl.

Die "alten" und "neuen" Aspekte des Strafvollzugs laufen bei dem bereits erwähnten El Fuego zusammen. Dieser Gefängnisdirektor hat fast sein gesamtes Leben als Erwachsener mit der Arbeit hinter Gittern verbracht. Er hat keine Bedenken, auch mal einen Revolverschuss abzugeben, um die Aufmerksamkeit der Strafgefangenen auf sich zu lenken.

Obwohl er nach außen "knüppelhart rüberkommt", wird er von den Insassen zugleich respektiert, weil er weiß, wann es besser ist, nachsichtig zu sein. Twitch zum Beispiel ist nicht nur im Verursachen von Chaos die ungeschlagene Nummer eins - er ist auch ein begabter Künstler.

El Fuego erkennt das und gibt ihm den Auftrag, ein gewaltiges Graffiti im Stil der Sixtinischen Kapelle zu erstellen, das sich über den gesamten Zellenblock erstrecken soll, um damit positive Energien bei den Mitinsassen zu wecken.

Zeit für Action Auch der Regisseur gibt den spektakulären Kampf zwischen Ja Rules (Nick Frazier) und Nia Peeples (49er Six) als seine Lieblingsactionszene an. Sie wurde von der Hongkong-Legende Xin Xin Xiong choreografiert und ist voll gepackt mit irrwitzigen und spannenden Momenten.

Nia Peeples erinnert sich: "Das war hochinteressant, weil Xin Xin Xiong die alte Hongkong-Schule vertritt. Und das geht dann so: ,Wirf dich da rüber und steh auf, spring hoch, fall hin, steh wieder auf und schau, was passiert.' Wir haben auch ein bisschen mit Drahtseilen gearbeitet, was ich ungeheuer aufregend fand.

Nachdem ich bereits ein paar Jahre Martial Arts ohne diese hinter mir habe, machte es richtig Spaß, sich an den Seilen aufhängen und bei Stuntangelegenheiten assistieren zu lassen, die etwas ausgefallener sind als das, was man gewohnt ist."

Nia Peeples' enge Zusammenarbeit mit Xin Xin Xiong basierte voll und ganz auf professionellem Vertrauen: "Es war ungeheuer interessant, ihm bei der Arbeit mit seiner Crew zuzusehen. Man glaubt ja, man sei völlig sicher, weil man an Drähten hängt.

Aber wenn man sich dann fünf Stockwerke über dem Boden befindet und einen Blick nach unten oder zur Seite wirft, wird einem klar, dass man da gerade von ein paar Typen festgehalten wird, die gleichzeitig lässig an ihren Zigaretten ziehen. Da kann einem schon angst und bange werden. Aber ich hatte viel Spaß daran."

Über die bloße Action hinaus ist die Kampfsequenz auch bedeutsam in Bezug auf die Figurenentwicklung. "Die Kampfszene ist ungeheuer wichtig, weil man Ja Rules Figur danach noch viel mehr mag", erklärt Regisseur Don Michael Paul.

"Da haben wir einen Typen, der gerade von einem Mädchen besiegt worden ist. Aber er steht einfach wieder auf, klopft sich den Staub aus den Klamotten und mußs darüber lachen. Auf eine ganz komische Weise fliegen ihm dadurch die Herzen regelrecht zu."

"Gleichzeitig", fährt er fort, "mag man Nias Figur danach umso weniger. Sie ist genau der Typ, den das Publikum mit großer Begeisterung hassen darf. Und natürlich ist es sehr spannend, wenn sie die nächsten Male danach auftritt, weil man nie weiß, was man von ihr zu erwarten hat."

Natürlich hat Halb Tot noch zahlreiche weitere fulminante Actionsequenzen. Morris Chestnut steht im Mittelpunkt eines Kampfes in atemberaubender Höhe, bei dem er an Ketten hin- und herschwingt, während er sich mit Steven Seagal bekriegt. Morris Chestnut bezeichnet die Szene als "interessant, um es mal ganz bescheiden auszudrücken.

So etwas hatte ich noch nie davor gemacht, also war ich auch nicht sicher, was dabei herauskommen würde." Steven Seagal fügt hinzu: "Wir hatten Yien Yien extra aus China eingeflogen, der sich die Choreografie der Kämpfe zurechtlegte. Wir haben hart miteinander gearbeitet und trainierten sechs Monate lang."

In einer weiteren bemerkenswerten Szene stürzt ein Hubschrauber in das Gefängnis. Ja Rule und Filmemacher Paul zählen diese Sequenz zu ihren Favoriten, in der Ja Rule am Steuerknüppel des Helikopters sitzt. "Yeah, der Helikopter war cool", meint er. "Es war nur ein Modell, aber ich fühlte mich absolut super."

Es war eine große Herausforderung für die Filmcrew, das Helikoptermodell an der Decke des Gefängnisses zu befestigen. "Das war ziemlich haarig. Wir mußsten das Teil in 22 Stücke zerlegen und dann im Deckengefüge wieder zusammensetzen", sagt Don Michael Paul. "Allein den Hubschrauber in die Dachsparren zu hieven, war ein Mordsakt. Ihn dann so zu befestigen, dass man ihn kontrolliert abstürzen lassen konnte, war eine technische Meisterleistung."

"Besser unterhalten, als man es sich jemals vorstellen könnte" Halb Tot gelingt es, eine simple Geschichte über Rache und Erlösung mit verblüffender Action zu kombinieren. Kein Wunder also, dass der Filmemacher und seine Besetzung das Endergebnis als hochgradig unterhaltsam empfinden.

"Ich hoffe, dass das Publikum besser unterhalten wird, als es sich das jemals vorstellen könnte", vermutet Morris Chestnut. Ja Rule sieht es ähnlich: "Schließlich und letztendlich will man doch nur, dass die Zuschauer blendend unterhalten werden."

Kurupt fügt hinzu: "Ich hoffe, dass sich das Publikum einfach zurücklehnt und den Film voll und ganz genießt. Man darf nicht vergessen, dass in Halb Tot Rapgeschichte geschrieben wird: Kurupt und Ja Rule stehen gemeinsam vor der Kamera. Und das ist deep, Mann."

Autor und Regisseur Don Michael Paul fasst zusammen: "Ich will, dass das Publikum Spaß hat. Der Film soll nicht allzu ernst oder tiefgründig sein. Das ist einfach grundsolides, ehrliches Entertainment. Das wollte ich hinkriegen: Das Publikum soll für ein paar Stunden unterhalten sein und den Nonsens, der auf der Welt abgeht, vergessen können."

Die Produktion Halb Tot ist ein actiongeladener Film, der fast ausschließlich auf einer einsamen Gefängnisinsel spielt. Wie die Schwerverbrecher im Drehbuch waren die US-Besetzung und -Crew während der Produktion allerdings weitgehend isoliert.

Der Dreh begann vor Ort am 9. Oktober 2001 in Berlin. Die Schauspieler mußsten sich mit der bitteren Kälte des deutschen Winters und der Abwesenheit von Familie und Freunden am Thanksgiving Day arrangieren.

Obwohl der Film auf Alcatraz spielt, wurde in erster Linie in einem stillgelegten Gefängnis in Berlin gedreht. Regisseur Don Michael Paul war höchst angetan davon, Filmmagie in Übersee entstehen zu lassen. "Das machte die Sache besonders spannend", meint der Regisseur. "Man mußs sich überlegen: Wie stelle ich das jetzt an, dass mir Millionen von Menschen glauben, der Film spiele tatsächlich auf Alcatraz?"

Nach einer langen und intensiven Suche ("Wir wählten herum, drehten jeden einzelnen Stein um, um den richtigen Drehort zu finden", sagt Don Michael Paul) entdeckte der Filmemacher einen geeigneten Ersatz für "The Rock". Der Film wurde in einem finsteren, höhlenartigen Gefängnis gedreht, das einst von der Stasi benutzt worden war - der ideale Doppelgänger für Alcatraz.

Ja Rule sagt über den Dreh in Deutschland: "Das war eine wahrhaftige Erfahrung, die Arbeit in Berlin. Ich hatte mein Heimatland davor nie länger als eine Woche verlassen. Zwei Monate in Deutschland zu arbeiten, war also ein echt abgefahrenes Erlebnis. Man mußste sich an viele Dinge erst einmal gewöhnen - aber ich bin ein Nomade, ich gewöhne mich schnell an neue Umstände. Wo auch immer ich hinreise, ich fühle mich sofort zu Hause. Also hatte ich eine gute Zeit."

Nia Peeples war in höchstem Maße angetan von der deutschen Hauptstadt: "Berlin war ein wunderbarer Ort, um zu arbeiten. Alles ist so neu in Berlin. Alles, was man brauchen könnte, gibt es dort. Ich hatte Spaß und lernte sogar ein bisschen Deutsch: Toiletten! Wo sind die Toiletten?"

Kurupts Erinnerungen an den Dreh in Deutschland haben weniger mit der Location als mit den Leuten zu tun, mit denen er arbeitete: "Die Atmosphäre war hinreißend. Für einige war es wie Schule, für andere Training. Und alle hatten ihren Spaß. Der Besuch in Deutschland war eine Spitzenerfahrung. Don hat ein perfektes Team von Schauspielern zusammengestellt. dass mir das schon bei meinem zweiten Film passierte, war einfach traumhaft."

Nachdem man den Drehort festgelegt hatte, mußsten die Produzenten eine Crew zusammenstellen, um den Film auch dort realisieren zu können. "Wir fanden ein wirklich hervorragendes, hart arbeitendes deutsches Team, das sich mit dem Konzept des Films völlig identifizierte", berichtet Don Michael Paul.

So großartig und leidenschaftlich die Crew auch gewesen sein mag, die Sprachbarriere stellte ein Problem dar. Obwohl die meisten deutschen Crewmitglieder keine Schwierigkeiten mit der englischen Sprache hatten, gab es dennoch manche Kommunikationshürde am Set zu überwinden.

"Steven Seagals Stuntdouble und ein weiteres Darstellerdouble sprachen kein Englisch", erinnert sich Don Michael Paul. "Einer war Pole, der andere Deutscher. Einem Darstellerdouble, das weder Englisch noch Deutsch spricht, zu erklären, wie und wohin es sich bewegen soll, ist gar nicht so einfach. Ich mußste mit einem Dolmetscher arbeiten und mich ganz besonders präzise ausdrücken, weil der Stuntjunge ein paar ziemlich gefährliche Sachen abzudrehen hatte."

Morris Chestnut erinnert sich ebenfalls an die Sprachhürden am Set: "Ich fand das sehr interessant. Wir haben in Deutschland gedreht, und da ist vieles anders. Obwohl die meisten Crewmitglieder Englisch konnten, hatten manche richtige Probleme mit der Sprache. Da fällt es schwer, die richtige Chemie herzustellen. Ich kam mit allen gut aus, aber die Kameradschaft, die ich beim Drehen in den Staaten entwickle, war nicht so leicht zu erreichen."

Michael "Bear" Taliferro stellte ein weiteres großes Problem dar, mit dem sich die deutsche Crew herumschlagen mußste. Wegen der Sprachbarriere mußsten ihm die Crewmitglieder mit Zeichensprache zu verstehen geben, wo er sich hinzustellen hatte. "Wenn ich ihnen im Weg stand, haben sie mich einfach weggeschoben", lacht Michael "Bear" Taliferro. "Also: Herzlichen Dank, Crew in Berlin. Ihr habt einen Spitzenjob gemacht."

Die Darsteller profitierten von der sehr familiären Atmosphäre am Set. Am Thanksgiving-Wochenende lud Morris Chestnut seine von Heimweh geplagten Kollegen beispielsweise zu einem großen Truthahnfest ein. "Er ist ein toller Typ, ein echter Familienmensch. Es war gut, jemanden wie ihn am Set zu haben", freut sich Nia Peeples.

Kurupt fasst die Verbindung zwischen den Darstellern zusammen: "Halb Tot war reines Teamwork. Jeder von uns hat alles für die anderen getan, damit der bestmögliche Film dabei herauskam."

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