Adam & Eva

Produktionsnotizen

Von der Idee zum Film - Wie alles begann Die Grundidee zu Adam & Eva basiert auf der gleichnamigen schwedischen Komödie von Mans Herngren und Hannes Holm, die 1997 in Skandinavien einen riesigen Publikumserfolg feierte.

Andreas Eicher und Wiebke Toppel - die bei Frau2 sucht Happy End bereits erfolgreich als Produzent und Ko-Produzentin zusammenarbeiteten - sahen den Film und beschlossen wenig später, den schwedischen Stoff zu adaptieren und auf den deutschen Markt zu bringen.

Sie gaben bei den Berliner Autoren Saskia Kuipers und Manfred Beger eine erste Drehbuchfassung in Auftrag, die sich zunächst noch eng an der Vorlage orientierte. Im Zuge der weiteren Ausarbeitung des Buches, die Ivo Schneider übernahm, entfernte sich die Geschichte dann sukzessive immer stärker von ihrem ursprünglichen Vorbild.

Und im November 2001 fiel schließlich die erste Klappe zu einer Beziehungskomödie, die besonders in stilistischer und dramaturgischer Hinsicht zu eigener Originalität und Raffinesse gefunden hat.

Produzent Andreas Eicher wünschte sich für Adam & Eva einen Regisseur, der Komödien-Erfahrung mitbringen, aber auch ein Gespür für die feineren Nuancen dieses Stoffes besitzen sollte. Er wandte sich daher an Paul Harather, dessen Arbeiten er schon lange mit großem Interesse verfolgte.

Der seit INDIEN international bekannte Österreicher stellt mit seinen Filmen eine große Vielseitigkeit und Genauigkeit unter Beweis und lässt sich nicht gerne auf ein Genre festlegen. Das Buch zu Adam & Eva stieß bei Harather sofort auf Interesse, da es sich hier um einen Stoff handelt, der humorvoll die Alltags- und Liebesnöte seiner Figuren beschreibt, ohne in bloßen Klamauk abzugleiten und die Charaktere zu verflachen.

"Das ist kein reiner Komödienstoff", erzählt Harather im Gespräch, "sondern diese Geschichte hat komische wie ernste Aspekte und im Mittelpunkt steht ein Konflikt, den jeder Zuschauer nachvollziehen kann, weil er ihn kennt.

In Adam & Eva geht es auf eine komische, unterhaltsame Art ans Eingemachte." Besonders gereizt hat es den Regisseur zudem, eine Geschichte zu erzählen, die nicht dem immergleichen Schema "boy meets girl ... boy gets girl" gehorcht, sondern einen originellen neuen Einstieg wählt: "Unser Film setzt da ein, wo die normalen Beziehungsgeschichten, wo die Märchen aufhören.

Das hat mir besonders gefallen, denn diese herkömmliche Art des Erzählens hat sich meines Erachtens totgelaufen, und es gibt viel zu selten Filme, die sich die Missverständnisse, die in Beziehungen häufig zu den Konflikten führen, einmal genauer ansehen."

Thirtysomethings - "Auf eine komische und unterhaltsame Art ans Eingemachte" Das Thema seines Films beschreibt Paul Harather so: "Es geht hier nicht eigentlich um Treue oder Untreue oder darum, wer die Schuld an Seitensprung oder Trennung hat, sondern im Grunde geht es hier um ein Thema, das jeden von uns eines Tages beschäftigt: Welche Einstellung zu Kindern habe ich?

Bin ich ein Familienmensch oder bin ich das nicht? Diese Fragen mußs jeder für sich beantworten. Aber obwohl das ein zentrales, ganz wichtiges Thema für jeden ist - spätestens wenn man die 30 überschritten hat - wird nur sehr selten darüber gesprochen."

Der Regisseur betont auch, dass es ihm nicht darum geht, alte Mann-Frau-Klischees zu bedienen und zu wiederholen, nach dem Motto: Frauen wollen Kinder, Männer gehen fremd. Sein Film schlägt sich weder auf die Seite von Adam noch auf die von Eva, sondern zeigt beide Partner augenzwinkernd in all ihren Facetten: mit ihren Stärken und Schwächen, ihren Wünschen, heimlichen Strategien und Ängsten - und bezieht seine Komik aus den Haken, die beide Hauptfiguren schlagen, wenn sie ihren Problemen auszuweichen versuchen.

Figuren wie du und ich - Die Darsteller über ihre Rollen Mit Simon Schwarz und Marie Bäumer hat der Regisseur zwei perfekte Hauptdarsteller gefunden, die sich ihren Rollenfiguren auch persönlich nahe fühlen. "Simon und Marie verstehen ihren Teil der Geschichte viel besser, als ich es jemals könnte, und ich hatte während der Dreharbeiten häufig den Eindruck, dass bei ihnen ab einem gewissem Punkt ein unbewusster Automatismus einsetzte.

Da die beiden ihre Charaktere gewissermaßen von sich aus verkörpern, können sie die Handlungsweise ihrer Figuren instinktiv nachvollziehen und den Film so auf außergewöhnliche Art bereichern."

Simon Schwarz, der als erster in der Besetzungsliste feststand und auch die verschiedenen Phasen der Drehbuchentwicklung mitverfolgte, empfindet seine Figur in vielerlei Hinsicht als "klassisch männlich" und beschreibt Adams Schicksal als "angenehm greifbar".

Auch wenn er die Lebensphase, in der Adam im Film gerade steckt, für sich selbst schon abgeschlossen hat - er ist bereits Familienvater - hält Simon Schwarz Adams Angst, durch die Verantwortung für ein Kind zu viel von seiner Freiheit einzubüßen, persönlich für nachvollziehbar und in gewisser Weise auch für typisch.

"Deshalb hat es mich gereizt, die Entwicklung, die Adam im Verlauf der Handlung durchmacht, zu zeigen. Das fand ich spannend und interessant, und ich habe mich beim Lesen bereits sehr amüsiert."

Regisseur Harather beschreibt das Spiel seines Hauptdarstellers als sehr körperlich und sehr rhythmisch und streicht vor allem eine Qualität ganz besonders hervor: "Simon verfügt über ein erstaunliches Talent, Gedanken transparent zu machen.

Egal was er spielt, welche Situation er schauspielerisch zu bewältigen hat, immer hat man das Gefühl, in ihn hineinsehen zu können. Das ist wirklich eine großartige Begabung von ihm."

Marie Bäumer fühlte sich von dem trockenen Humor ihrer Rollenfigur sofort stark angesprochen. Gleichzeitig besitzt Eva aber auch eine Art Leichtigkeit, die ein gewisses Maß an Tiefe nicht vermissen lässt.

Sie beschreibt Eva als "eine Frau, die es gewohnt ist, Pläne zu machen und diese dann auch konsequent umzusetzen", die jedoch Probleme bekommt, wenn ihr Gegenüber anders denkt als sie. "Eva rechnet ganz einfach nicht damit, dass Adam in einem Punkt, der ihr ganz klar und auch sehr wichtig ist, anderer Ansicht sein könnte.

Sie hat einen grundlegenden Traum im Leben, eine große Sehnsucht, nämlich die nach einer eigenen Familie, und auch wenn sie ansonsten sehr offen ist: Von diesem Wunsch lässt sie sich nicht abbringen."

Marie Bäumer bezeichnet sich selbst ebenfalls als einen "totalen Familienmenschen" und fühlt sich Eva auch in ihrer Spontaneität und ihrem konstruktiven Umgang mit Problemen, in ihrem gesunden Pragmatismus sehr nahe.

"dass man nach so einem Schlag ins Gesicht wie bei dieser Szene, die an Weihnachten spielt, nicht endlos in die Krise stürzt, sondern wieder aufsteht und seinen Weg weitergeht, das könnte ich mir auch für mich so vorstellen." Siebzig Prozent von sich selbst, sagt sie, hat sie in ihrer Figur wiedergefunden.

Die Darstellerin des Kindermädchens Betty sollte nach Paul Harathers Vorstellungen eine gutaussehende junge Frau sein, die offen und selbstbewusst mit ihrer erotischen Ausstrahlung umgeht, damit es unmittelbar glaubwürdig ist, dass Adam sich in sie verliebt.

Eine unverkrampft offensive und attraktive Verführerin ausfindig zu machen, gestaltete sich zunächst schwieriger als gedacht, doch schließlich fand Harather in der noch sehr jungen, aber bereits kameraerfahrenen Schauspielerin Anna Bertheau genau das, was er sich gewünscht hatte.

Anna Bertheau hat durchaus kein ungebrochenes Verhältnis zu ihrer Rollenfigur, "die andauernd neue Geschichten eröffnet, weil sie immer im Mittelpunkt stehen will", doch gibt sie auch bereitwillig zu: "Ein bisschen was von Betty hat jede Frau in sich."

Der zweite Blick - Die spielerische Erzählweise von Adam & Eva Die Handlung von Adam & Eva zeigt in ihrem Gesamtverlauf mehrere Rückblenden, in denen ein zweiter Blick auf Situationen geworfen wird, die vorher aus der Perspektive einer anderen Figur geschildert wurden.

Diese nicht-lineare Erzählweise, die spielerischen Wechsel zwischen den Perspektiven und Zeitebenen, unterscheidet Paul Harathers Film ganz wesentlich von seinem schwedischen Vorbild. Diese ungewöhnliche erzählerische Strategie führt nicht nur dazu, dass die männliche und die weibliche Sicht auf die Dinge in einem ausgewogenen Verhältnis zur Darstellung kommen.

Sie sorgt gerade in dem Sichtbarmachen von Differenzen oder überraschenden Übereinstimmungen auch dafür, dass das komische Potential der Szenen voll ausgeschöpft werden kann.

Diese dramaturgische Raffinesse kombiniert Harather in Adam & Eva zudem mit gelegentlichen raschen Wechseln zwischen verschiedenen Filmgenres wie Action, Werbefilm, Comedy, Stummfilm etc. und verleiht seinem Film so ein Höchstmaß an Unterhaltsamkeit und Abwechslungsreichtum.

Marie Bäumer erzählt, dass diese ungewöhnlichen spielerischen Elemente allen Beteiligten sehr großen Spaß gemacht haben, und betont, dass diese Arbeitsweise ein großes Vertrauen in den Regisseur voraussetze.

"Paul Harather hat ein besonderes Gespür für ganz knappe, trockene Komik, und es war wichtig und hilfreich für uns, dass er sein Augenmerk darauf lenkte, dass wir nicht zu viel machen, sondern eine einfache, natürliche Spielweise beibehalten. Wir hatten ein sehr offenes, unkompliziertes Verhältnis zueinander."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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