Autofocus

Produktionsnotizen

1999 arbeitete Autor Michael Gerbosi bei Jerry's Deli. Als er gerade unterwegs war, um Bestellungen auszuliefern, erwähnte ein Kunde namens Todd Rosken, dass es eine fabelhafte Idee wäre, aus dem Tatsachenroman "The Murder of Bob Crane" einen Spielfilm zu machen.

Gemeinsam erwarben Rosken und Gerbosi die Option und arbeiteten die Geschichte zu einem Treatment aus, in dessen Mittelpunkt Cranes Bekanntschaft mit John Carpenter stand. "Ganz ehrlich, dies ist eine Moralgeschichte über Bekanntheit und Berühmtheit, denn ich bin fest davon überzeugt, dass Bob nur deshalb in Schwierigkeiten geriet, weil Frauen auf Grund seines Bekanntheitsgrades an ihm interessiert waren", sagt Michael Gerbosi.

Michael Gerbosi mußste schnell feststellen, dass es ein himmelweiter Unterschied ist, ob man lediglich ein Treatment schreibt oder tatsächlich jemanden in Hollywood dazu bringt, es auch zu lesen. "Ich bot das Projekt in der ganzen Stadt an und erhielt die Art von Reaktion, wie man sie nur Verrückten entgegenbringt", erinnert sich Michael Gerbosi.

Er ließ sich dennoch nicht entmutigen. Schließlich wandte er sich an das Autorenduo Scott Alexander und Larry Karaszewski, das sich mit Filmbiografien über bizarre Berühmtheiten wie Ed Wood, Andy Kaufman und Larry Flynt einen Namen gemacht hatte.

Trotz ihrer Vorliebe für "Biopics über Menschen, die sich in den Randbezirken der Popkultur häuslich eingerichtet haben", waren Alexander und Karaszewski zunächst alles andere als begeistert von der Geschichte Cranes.

Alexander erklärt: "Als unser Agent uns mitteilte, dass Michael und Todd sich die Rechte an ,The Murder of Bob Crane' gesichert hatten, mußsten wir lachen. Aber dann ließen wir uns von Michael einige Treatments vorlegen und merkten, dass wir uns mehr und mehr von Bob Cranes merkwürdiger Welt angezogen fühlten."

Alexander und Karaszewski erklärten sich bereit, das Projekt als Produzenten zu betreuen und arbeiteten mit Gerbosi die nächsten eineinhalb Jahre an der Ausarbeitung des Drehbuchs. "Unsere Philosophie ist es", so Alexander, "sich die Geschichten dieser obsessiven Randfiguren, die sich mit ihren Taten völlig gegen die Konventionen der Gesellschaft stemmen, vorzunehmen und sich auf ihre Seite zu stellen."

Während er und Karaszewski sich um die Finanzierung des ungewöhnlichen Projekts bemühten, stolperte Alexander in der "Los Angeles Times" über ein Interview mit Greg Kinnear, das von einem Foto illustriert wurde, auf dem Kinnear haargenau so aussah wie - Bob Crane.

"Greg Kinnear beklagte sich in dem Interview darüber, dass man ihn ständig in diesen leichtgewichtigen Rollen besetzen würde und dass es sein Wunsch wäre, mehr und mehr als ernst zu nehmender Schauspieler akzeptiert zu werden, der auch komplexeres Material meistern kann. Das ist im Grunde nichts anderes, als das, was Bob im Drehbuch ebenfalls sagt", meint Alexander.

Natürlich war den Produzenten bereits aufgefallen, welch überragendes komödiantisches Talent Kinnear besitzt. Karaszewski sagt: "Durch diesen Film ziehen sich einige ziemlich düstere Themen. Gleichzeitig ist er auch sehr humorvoll. Und dazu trägt Greg Kinnear in besonderem Maße bei. Er hat eine großartige leichte Ader, die den Film längst nicht so furchteinflößend wirken lässt, wie es anfangs klingen mag."

Diese clevere Mischung aus Humor und Dunkelheit gab schließlich den Ausschlag für Greg Kinnear, der sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen wollte, einen seiner Kindheitshelden darzustellen: "Als ich aufwuchs, war ,Hogan's Heroes' wie eine Religion für mich. Hogan war so cool, weil er wusste, wie man den Deutschen auf sehr komische und heldenhafte Weise die Stirn bot.

Aber Bob Crane war wie die meisten Menschen: komplex, voller Widersprüche. Und an einem bestimmten Punkt traf seine Libido mit seiner Leidenschaft für Fotografie zusammen. Von da an fiel es ihm zunehmend schwerer, seinen Appetit zu zügeln."

Nicht minder spannend fand Greg Kinnear die symbiotische Freundschaft Cranes mit John Carpenter: "John ist die Art von Person, die man in seinem Leben besser niemals getroffen hätte. Hätte Bob John damals nicht kennen gelernt, wäre diese Veranlagung vermutlich niemals zum Vorschein gekommen. Er wäre diesem Lebensstil vermutlich nie nachgegangen. Ich glaube, ihr Zusammensein war das, was Bob antrieb. Gleichzeitig hat es ihm einen unendlich großen Schaden zugefügt."

Um sich in die Rolle zu versetzen, ließ sich Greg Kinnear sein Haare schwarz färben und farbige Kontaktlinsen anfertigen. Gleichzeitig arbeitete er sich kistenweise durch Hintergrundmaterial, um mehr über den Menschen Bob Crane zu erfahren. Dazu gehörten Aufnahmen seiner Radiosendung, Zeitungsartikel, Home-Movies mit der Familie und - natürlich - die berühmt-berüchtigten Porno-Aufnahmen, die ihm letztendlich das Rückgrat brachen.

"Ich versuche, diese Figur so wahrhaftig wie nur möglich darzustellen", erklärt Greg Kinnear. "Ich sprach mit vielen Menschen, die Crane gekannt hatten, und machte mich mit seinen Shows vertraut. Aber an einem gewissen Punkt mußs man sich von all dem freimachen und das Drehbuch für sich selbst sprechen lassen."

Mit Greg Kinnear als Hauptdarsteller an Bord, nahmen die Produzenten einen Mann ins Visier, dessen gesamte Karriere auf der Auseinandersetzung mit ewig getriebenen Figuren - von Travis Bickle in Taxi Driver bis Wade Whitehouse in Der Gejagte - beruht.

"Paul Schrader war schon in viele Projekte involviert, die unserem Film in Bezug auf Besessenheit, Abhängigkeit und Absturz in ein Loch, aus dem man nicht mehr herauskommt, ähneln", berichtet Scott Alexander. "Wir hatten die Hoffnung, dass die Kombination aus Greg und Paul, die so etwas wie Yin und Yang darstellen, zu einem sehr düsteren, witzigen und durchweg anspruchsvollen Film führen würde."

Wie die Produzenten vermutet hatten, war Schrader fasziniert von den unterschiedlichen Polen in Bob Cranes Leben. "Ich liebe Menschen, die das Richtige aus den falschen Gründen und das Falsche aus den richtigen Gründen tun", sagt Paul Schrader.

"Was Bob Crane so interessant macht, ist, dass er sein Leben lang ein netter Typ sein und niemanden vor den Kopf stoßen wollte - während er einen stetig wachsenden Rattenschwanz von Dingen hinter sich herzog, der Indiz für das genaue Gegenteil ist - den er aber komplett aus seiner Wahrnehmung verdrängte."

Wie Greg Kinnear sah Paul Schrader gewaltiges dramatisches Potenzial in der Dynamik der Crane-Carpenter-Beziehung, die er durch das Überarbeiten des Drehbuchs noch stärker zur Geltung bringen wollte.

"Das Drehbuch von Michael war eher ein sehr geradliniges Biopic, doch dahinter versteckte sich eine sehr interessante Beziehung zwischen diesen beiden Männern. Durch das Überarbeiten wollte ich mehr eine Folie à deux daraus machen, eine Geschichte über die Macht gewisser Freundschaften, die es uns erlauben, gewisse Dinge zu tun, die wir alleine niemals tun würden."

Um sicherzustellen, dass das Leben von Bob Crane so akkurat wie möglich dargestellt wurde, setzte sich Paul Schrader mit Bob Crane jr. in Verbindung, der als technischer Berater verpflichtet wurde. "Paul und ich arbeiteten uns durch jede einzelne Seite des Drehbuchs.

Wir überprüften Namen, Orte, Dialoge - was mein Vater anders, was er niemals gesagt hätte. Ich habe ein gutes Gefühl, was den Film betrifft, weil er sich mit den guten und schlechten Seiten auseinander setzt."

Nachdem die emotionale Spannung in der für den Film entscheidenden Beziehung stärkere Konturen erhalten hatte, kam Schrader auf eine entsprechende Besetzungsidee, mit der er sicherstellen wollte, dass sich das Geschriebene perfekt auf die Leinwand übertragen lassen würde.

"Eines Tages betrachtete ich Fotos von Carpenter und stellte eine gewisse Ähnlichkeit mit Willem Dafoe fest", erinnert sich Paul Schrader. "Also dachte ich mir: Warum sollten wir nicht ihn besetzen. Das würde die Arbeit um einiges vereinfachen, weil er auch privat ein guter Freund von mir ist."

Willem Dafoe ließ sich nicht zweimal bitten, nach Der Gejagte und Light Sleeper erneut mit Paul Schrader zu arbeiten. "Mit Paul fühle ich mich immer ausgesprochen wohl, weil ich immer darauf vertraue, dass für ihn persönlich viel von seinen Stoffen abhängt", meint Willem Dafoe. "Selbst wenn ich nicht sofort eine Verbindung zu dem Material verspüre, höre ich ihm gerne zu, was er darüber zu sagen hat. Dann sage ich fast immer zu."

Diesmal mußste man ihn nicht weiter überzeugen: Nachdem Willem Dafoe das Drehbuch gelesen hatte, sagte er sofort zu. "Dieses Material las sich wie Szenen einer Ehe - mal abgesehen davon, dass es sich hier um zwei heterosexuelle Männer dreht, die eine starke Intimität und Abhängigkeit voneinander verspürten.

Ich sah mir Aufnahmen von Carpenter aus der Zeit an, als er 1992 wegen des Mordes an Bob Crane vor Gericht stand, und hatte den Eindruck, dass er die Persönlichkeit eines Vertreters hatte: wohlmeinend, warmherzig, gut gelaunt. Ich glaube, seine Kreativität fand in seinem sozialen Verhalten und seinen Beziehungen zu vielen verschiedenen Frauen Ausdruck."

Das Duo Willem Dafoe und Greg Kinnear, die in ihrem Auftreten und ihrer Haltung gar nicht unterschiedlicher sein könnten, verlieh dem Unterfangen einen zusätzlichen Hauch von Wahrhaftigkeit.

"Greg und ich haben völlig unterschiedliche Hintergründe", weiß Willem Dafoe. "Deshalb geben wir vor der Kamera ein gutes Team ab, weil eben auch Bob und John völlig unterschiedliche Hintergründe hatten." Paul Schrader fügt hinzu: "Greg hat diese Forschheit und das Auftreten, wie es Menschen aus Los Angeles haben, während Willems Wurzeln und kreatives Leben im experimentellen Theater von New York zu finden sind. Das ist ein guter Mix."

Für die Rolle der Anne Crane, die mit Bob 21 Jahre lang verheiratet war, wandten sich die Filmemacher an Rita Wilson, die sich von den komplexen Themen des Projekts sofort angesprochen fühlte.

"Eines der interessanten Motive des Films ist die Untersuchung, welche Nebeneffekte Popularität und Bekanntheit haben können. Ich glaube, dass Bob und Anne am Anfang womöglich gedacht haben: ,Ist es nicht toll, einen Job in Hollywood zu bekommen?' Aber niemand kann vorhersehen, wie der Einzelne auf Berühmtheit reagieren wird."

Um sich auf die Rolle vorzubereiten, ergriff Rita Wilson die Gelegenheit beim Schopf, als Anne Crane ihr anbot, sich mit ihr zu treffen: "Wenn sich die Gelegenheit bietet, sich mit der Person zu treffen, die man spielen soll, dann mußs man genau abwägen, ob das eine gute oder eine schlechte Sache ist. In diesem Fall dachten wir, dass es uns zum Vorteil gereichen würde, weil Anne eine ganz eigene Eleganz und Integrität ausstrahlt, die ich unbedingt in meiner Darstellung rüberbringen wollte."

Anders als Wilson hatte Maria Bello nicht das Glück, ihr reales Gegenüber kennen zu lernen: Cranes zweite Ehefrau Patricia zog es vor, sich nicht an diesem Filmprojekt zu beteiligen. Glücklicherweise fand die Schauspielerin im Drehbuch genügend Anhaltspunkte für die Darstellung ihrer Figur. "Patricia ist im Skript sehr genau definiert", berichtet Bello. "Von Anfang an bekommt man das Gefühl, dass sie ein Freigeist ist. Sie ist echt und witzig und voller Leben."

Diese Offenheit erstreckte sich bis ins Sexualleben des Paares. Maria Bello stellte sich diesen Szenen mit ihrer typischen Unerschrockenheit: "Ich habe ein oder zwei Szenen, die ein bisschen haarig sind und nackte Haut erfordern. Das macht mir allerdings nichts aus, denn das spiegelt nur die damalige Zeit wider, als man unbedingt an freie Liebe und die Freiheit des Körpers glaubte. Ich liebe es, dass alle Schauspieler diesem Umstand in diesem Projekt Rechnung tragen. Wir haben die Figuren und Ereignisse nicht im Entferntesten nach heutigen moralischen Standards betrachtet."

Nachdem die Besetzung komplett war, machten sich Schrader und sein Produktionsteam daran, das Los Angeles der damaligen Zeit nachzustellen - alles andere, als eine leichte Aufgabe, da die meisten Locations von damals längst nicht mehr existieren.

Herstellungsleiterin Alicia Allain sagt: "Digital Film Lab klemmte sich hinter den Film und unterstützte uns, den Sunset Strip der 60er Jahre mit Hilfe von CGI zu neuem Leben zu erwecken. Wir waren in der Lage, Kontakt zu der Frau aufzunehmen, deren verstorbener Ehemann den Classic Cat Club besaß. Sie fand ein Foto des Clubs, das uns bei der digitalen Auferstehung des Clubs als Vorbild diente."

Auch bei den Innenaufnahmen erlaubten sich die Filmemacher einige Freiheiten. Dazu gehörten nicht nur die Clubs, sondern auch zahllose Hotelzimmer, in denen Crane und Carpenter ihre sexuellen Eskapaden auf Video aufzeichneten.

"Die Besitzer des The Deep an der Ecke Hollywood Boulevard und Vine Street sind Freunde von mir. Sie gestatteten uns, ohne offizielle Erlaubnis bei ihnen zu drehen", erklärt Alicia Allain. "Und wir nutzten das Ambassador Hotel in der Innenstadt als Ersatz für das Salome's und den Classic Cat. Unsere Designer leisteten hervorragende Arbeit. Sie nahmen sich diese heruntergekommenen Räume vor und hauchten ihnen wieder Leben ein."

Wie es der Zufall - und das Internet - wollte, gelang es dem Produktionsteam, genügend alte Videogerätschaften aufzutreiben, um der gewaltigen Sammlung von Bob Crane zumindest ansatzweise gerecht zu werden. Allain sagt: "Wir gingen online und stöberten einen Mann in San Jose auf, der sich bereit erklärte, uns ein paar großartige alte Kameras zu spenden. Und dann fanden wir bei jemandem in Tucson den ersten Farbprojektor, den Sony jemals hergestellt hatte."

Weil sich Autofocus in besonderem Maße mit dem Niedergang von Bob Cranes Leben befasst, war eine ganz spezielle Abstufung der visuellen Darbietung vonnöten, die den jeweiligen Stand der Degeneration widerspiegeln sollte.

Paul Schrader erläutert: "Die Idee war, die Qualität des Filmmaterials Stück um Stück herabzusetzen. Das sollte aber jeweils an Stellen stattfinden, die vom Zuschauer nicht wahrgenommen werden können. Dann ging es nur noch darum, die verschiedenen Stadien dieses Bogens genau festzulegen und herauszufinden, wie sich das jeweils auf die Farben, die Beleuchtung, die Kameraarbeit und die Garderobe auswirken sollte."

Was Letztere anbetrifft, setzte sich Paul Schrader mit der Kostümdesignerin Julie Weiss in Verbindung, die bereits mehrfach mit dem Regisseur gearbeitet hat und ihr Handwerk überaus philosophisch sieht: "Wenn man diese Figuren anzieht, stellt man sich die gleichen Fragen, die man sich auch bei einem zeitgemäßen Stoff stellen würde.

Denn unabhängig von meinen Interessen als Designerin müssen die Kostüme letztendlich wie eine glaubwürdige Garderobe wirken. Also betrachte ich jede einzelne Figur sorgfältig und frage mich, für wen sie sich anzieht, was sie verdient, wie innovativ sie ist, wie sie gesehen werden will und so weiter."

Weiss kam zu der Überzeugung, dass Bob und Anne Crane auch dann noch den Inbegriff des Konservativen verkörperten, als sich ihr Privatleben vor ihren Augen aufzulösen begann: "Bob war ein Mann, dem es stark auf seine Erscheinung ankam, also kleidete er sich auch so, wie es die Öffentlichkeit von ihm erwartete. Er trug Alpaca-Pullover, gestrickte Hemden, Khakihosen und wechselte langsam über zu Polyesterhosen, bedruckten Nylonhemden und ausgetretenen Loafers.

Er gehörte nicht zu den Leuten, die mit ihrer Kleidung einen visuellen Präzedenzfall setzen wollten, weshalb sein Lebensstil so unvereinbar mit seinem Aussehen war. Anne hingegen nahm ihre häusliche Verantwortung sehr ernst. Also machte sie sich für ihren Ehemann schick und wollte ihren Kindern mit gutem Beispiel vorangehen.

Was auch immer in ihrem Leben vorging: Sie hatte diese Fassade, hinter der sie sich verstecken konnte." Wenn es eine Figur in Autofocus gibt, deren Outfit die freigeistige Haltung der 70er Jahre auf den Punkt bringt, dann ist das Bobs zweite Frau Patty.

Weiss erklärt: "Es war eine Zeit, in der man sich selbst feierte. Entsprechend fällt auch die Mode aus, für die Patty steht. Dabei geht es nicht darum, ihre Brüste mehr zum Vorschein zu bringen oder viel Haut zu zeigen. Aber ihre Mode hat eine sehr lässige, fast nachlässige Qualität, die es ihr erlaubt, sich frei zu fühlen und andere mit ihrem Auftreten zu verzaubern."

Nachdem Paul Schrader sich um all die nötigen Designelemente gekümmert hatte, wandte er sich an den erfahrenen Kameramann Fred Murphy, um der Ästhetik des Films den letzten Schliff zu verpassen. Durch einen ständigen Wechsel des Filmmaterials, der Entwicklungstechniken und der Ausleuchtungsstrategie gelang es Murphy, den inneren Wandel Cranes visuell zu reflektieren.

Fred Murphy sagt: "Paul wollte, dass der Anfang ganz klar und hell ist wie in einem Technicolorfilm. Also benutzten wir sehr sattes, saturiertes Filmmaterial und offene Schatten. Als Bob dann beginnt, Strip-Clubs zu frequentieren, wird der Film dunkler, die Kontraste werden stärker.

Das erreichten wir, indem wir hellere Scheinwerfer einsetzten und lichtempfindlicheres Filmmaterial benutzten. Für die abschließende Szene, in der Bobs Leiche gefunden wird, wurde das Negativ einem Bleichungsverfahren unterzogen, das einen ausgebrannten, monochromen Look erzeugt."

"Meine visuelle Strategie war ziemlich simpel", gesteht Fred Murphy, "und doch ist sie sehr effektiv: einfach der Übergang von sauberen Linien zum Durcheinander, von einer stabilen, beinahe unbewegten Kamera zu verwackelten Aufnahmen, von gesättigten zu entsättigten Farben. Ein vollständiger schrittweiser Übergang: Die Welt wird immer unstabiler, weniger vorhersehbar."

Erstmals in seiner Karriere setzte Schrader hierfür eine Handkamera ein: "Ich habe anfangs so gedreht, wie ich es immer mache: von Schnitt zu Schnitt, organisiert, durchgeplant. Aber dann kamen Szenen, die wir quasi aus der Hüfte geschossen haben, in denen wir dem Zufall eine Chance gaben. Wir filmten einfach mit der Handkamera und ordneten das Durcheinander erst im Schneideraum."

Für die Szenen, in denen Crane und Carpenter ihre sexuellen Abenteuer auf Video bannen, besorgten sich Paul Schrader und Fred Murphy eine alte Röhrenkamera, die der Kamera, die Crane damals tatsächlich benutzte, sehr ähnlich war.

Diese ließ man Seite an Seite mit der regulären Kamera laufen. "Das Bild war wirklich fürchterlich - verzerrt und verschwommen", sagt der Kameramann. "Und wir setzten noch einen Diffusionsfilter vorne drauf, um den Effekt zu verstärken, weil wir nicht wollten, dass das Publikum die Bilder klar erkennen kann."

Für den Filmscore arbeitete Schrader mit dem langjährigen David-Lynch-Mitstreiter Angelo Badalamenti zusammen, der dem Regisseur bereits die Musik für Der Trost von Fremden, Witch Hunt und Forever Mine komponiert hatte.

Paul Schrader berichtet: "Bisher haben Angelo und ich ein Jazzscore und zwei klassische Filmscores miteinander gemacht. Betrachtet man all die Scores, die er für mich geschrieben hat, dann kommt dieser am ehesten an das heran, wofür er bekannt ist: Es ist eine Art Synthesizermusik wie für einen Lynch-Film, eine Mischung aus Jazz und Synth."

dass die Filmemacher innerhalb der knapp bemessenen Drehzeit von 33 Tagen so viel leisten konnten, ist laut Allain vor allem der akribischen Vorbereitung und dem teamorientierten Arbeitstil von Paul Schrader zu verdanken: "Paul ist ungeheuer präzise. Er weiß, wann er die Aufnahmen im Kasten hat, die er braucht.

Er versteht die Zurückhaltung, die man auf Grund von Budgetbedürfnissen walten lassen mußs. Gleichzeitig ist er sehr fair und hört auf die Meinung seines Teams - erst dann trifft er die endgültigen Entscheidungen."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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