Bruce Allmächtig

Ausführlicher Inhalt

Für Bruce Nolan (Jim Carrey) gibt es als Nachrichtensprecher eines kleinen Lokalsenders in Buffalo, New York, keine noch so absurde Story, die er nicht mit gutem Humor und einem Hang zur Selbstironie annimmt.

Denn Bruce hat große Ziele: Mit seinem bedingungslosen Einsatz hofft er, seinen direkten Konkurrenten beim Sender auszustechen und sich bei seinem Vorgesetzten Jack Keller (Philip Baker Hall) derart zu empfehlen, dass nur er, Bruce, die begehrte Stelle des in Kürze scheidenden Nachrichten-Anchorman des Senders bekommen wird.

Bruce macht alles mit, auch als er gezwungen ist, vom größten jemals in Buffalo gebackenen Keks zu berichten, dazu das denkbar albernste Haarnetz zu tragen und die wirklich nicht ganz helle Bäckerfamilie zu interviewen.

Wie immer fiebert Bruces Freundin Grace (Jennifer Aniston) Zuhause mit, dass Bruce auch diese wieder einmal unmögliche Aufgabe meistert. Seit Jahren liebt sie ihn aufrichtig. Grace unterstützt Bruce bei seinen Missionen, wie und wo sie nur kann. Sie weiß, wie wichtig ihm die Erfüllung seiner beruflichen Träume ist.

Sie weiß, dass sich hinter der bisweilen aufschäumenden Art ein zärtlicher, liebenswerter Kerl steckt. Sie weiß, dass Bruce ihr ihren größten Traum erfüllen wird, wenn er sich erst einmal den seinen erfüllt hat: Endlich will sie den Kindskopf heiraten und eine Familie gründen, die über ihren notorisch nicht stubenreinen Hund Sam hinausgeht.

Doch dann kommt alles anders als geplant, an Bruce Nolans schlimmstem Tag seines Lebens, der sich zunächst so gut anlässt. Nachdem Jack Keller bei einem Sendermeeting die Enttäuschung in Bruces Gesicht sieht, weil er bei einer vorüber gehenden Personalentscheidung den Kürzeren gezogen hat, nimmt er sich den jungen Mann beiseite und überträgt ihm mit ausdrücklichem Lob einen wichtigen Außenjob: Er soll von den Niagarafällen von einer Jubiläumsfahrt des legendären Passagierboots Maid of the Mist berichten.

Mit Feuereifer macht sich Bruce an die Arbeit. Er spürt es einfach: Diese Story wird über seine Karriere entscheiden ... aber nicht so, wie Bruce sich das ausgemalt hat. Live vor der Kamera, an Bord des Schiffs, erfährt er, dass ausgerechnet sein ärgster Konkurrent das Rennen um den Anchorman-Posten gemacht hat. In diesem Moment des nackten Entsetzens bricht für Bruce die Welt zusammen ...

... und er rastet völlig aus vor der Kamera, live, für die ganze Region zu sehen, bis der Sender gar keine andere Wahl mehr hat, als die Übertragung zu unterbrechen. Doch das ist erst der Anfang der Katastrophe. Gekränkt lässt es Bruce tatsächlich auf ein Kräftemessen ankommen und zieht natürlich den Kürzeren. Er wird gefeuert.

Auf dem Büroparkplatz erlebt er mit, wie eine Gang bedrohlicher Kids einen harmlosen alten Obdachlosen belästigen. Bruce eilt ihm zur Hilfe und wird selbst vermöbelt, sein Auto demoliert. Und zu allem Überfluss setzt er es auf dem Nachhauseweg auch noch gegen einen Lichtmast. Alles hat sich gegen Bruce verschworen, so scheint es.

Und der mußs seiner aufgestauten Wut, all seiner Frustration endlich freien Lauf lassen. Also beschimpft er den, den er für verantwortlich hält für seine Misere: den lieben Gott. Was Bruce nicht ahnt: Gott hört zu. Er ist wenig angetan von der gottlosen Art seines Schäfchens in Buffalo, New York, USA. Er beginnt, Bruce Nachrichten zukommen zu lassen.

Zunächst auf sehr subtile Weise, doch als Bruce diese ignoriert, wird Gott deutlicher: Über Bruces Pager lässt er ihn wissen, er solle sich in einem Lagerhaus in einer einsamen Ecke der Stadt einfinden. Aber Bruce übersieht die Nachrichten geflissentlich, bis er den Pager aufgebracht über die aufdringlichen Meldungen auf dem Boden zerdeppert - und die Nachrichten danach immer noch ankommen.

Die Neugier siegt. Bruce findet sich in dem scheinbar verlassenen Gebäude ein, nicht ohne davor eben noch mal in eine tiefe Pfütze zu treten. Niemand scheint da zu sein, der ihm Auskunft geben könnte - bis auf einen schwarzen Putzmann (Morgan Freeman), der damit beschäftigt ist, den Boden des gewaltig großen Großraumbüros zu wienern.

Er bittet Bruce um Hilfe, doch der lehnt dankend ab und kämpft sich in den siebten Stock, wo er auf den geheimnisvollen Sender der Pager-Nachrichten zu treffen hofft. Doch auch im siebten Stock ist niemand - außer wieder dem selben Putzmann, diesmal im Aufzug des Hausmeisters. Bruce ist irritiert. Dann verwickelt ihn der Hausmeister in ein Gespräch, in dem er ein verblüffendes Wissen über Bruces Leben offenbart.

Und schließlich rückt der Hausmeister mit der Wahrheit raus. Er ist Gott, der Allmächtige, und er will Bruce ein Angebot machen. Natürlich glaubt Bruce zunächst einmal kein Wort, auch als der entspannte Mann, der mittlerweile einen strahlend weißen Anzug trägt, einige verblüffende Tricks vollbringt, hält Bruce alles nur für eine große Verschwörung und die Tricks für Spezialeffekte.

Doch Gott lässt sich nicht beirren. Er berichtet Bruce von seinen immensen Aufgaben - und davon, dass er einmal eine Pause bräuchte und Bruce der Auserwählte wäre, dem er in dieser Zeit seine Allmacht überträgt. Er soll selbst die große Verantwortung, die große Last spüren und im Sekundentakt wichtige Entscheidungen fällen. Soll Krisen meistern, ohne den freien Willen der Menschen berühren zu können - denn der ist heilig.

Mittlerweile befinden sich die beiden nicht mehr in dem Lagerhaus, sondern mitten auf dem Eriesee. Und dass Bruce auf einmal auf dem Wasser laufen kann, ist ein ziemlich überzeugendes Argument, dass es sich bei dem merkwürdigen Mann tatsächlich um Gott handelt.

In einem kleinen Diner erprobt Bruce erstmals die neu gewonnene Allmacht. Und tatsächlich: Zucker und Kaffeemilch gehorchen seinen Befehlen. Eine Tomatensuppe teilt sich vor ihm auf dem Teller, wie einst das Rote Meer vor Moses. Oh mein Gott, denkt sich Bruce, ich bin tatsächlich Gott! Und das nutzt er erst einmal aus. Zunächst rächt er sich genüsslich an der Gang, die ihn erst vor kurzem so gedemütigt hat. Welch Triumph!

Er schenkt sich neue Klamotten, einen neuen Sportwagen; und als er damit im Stau steht, regelt er den Verkehr auf seine Weise. Zu Hause wird Sam erst einmal stubenrein gemacht. Und Grace wundert sich am Morgen nach einer gewaltigen Liebesnacht, dass ihre Brüste tatsächlich größer geworden zu sein scheinen.

Aber vor allem setzt Bruce seine neuen Gotteskräfte erst einmal ein, bei seinem Sender verlorenen Boden wieder gut zu machen. Wo auch immer er auftaucht, geschehen die unglaublichsten Nachrichten. Bei einer harmlosen Reportage ist Bruce dabei, wie - ganz zufällig natürlich - die seit mehr 25 Jahre gesuchten Gebeine des Gewerkschaftsbosses Jimmy Hoffa gefunden werden. Ausgerechnet in Buffalo!

Ein andermal wird Bruce Zeuge, wie ein Komet einschlägt - und nur er hat Aufnahmen davon. Und um all dem die Krone aufzusetzen, sorgt Bruce noch dafür, dass sich der einstige Konkurrent vor laufender Kamera absolut lächerlich macht.

Alles läuft wie am Schnürchen für Bruce Nolan, alles ist bestens. Nur zwei Dinge übersieht er: Auch andere Menschen brauchen Gott und geben dem mit Gebeten Ausdruck, die in Bruces Kopf zu einem immer lauteren Crescendo anschwellen. Und Grace ist auch noch da, die endlich auf einen Fingerzeig von Bruce wartet, was die gemeinsame Zukunft anbetrifft - denn langsam reißt ihr der Geduldsfaden.

Fragt sich nur, ob Bruce gerade jetzt, wo es seiner Karriere so himmlisch gut geht, Zeit und Gespür dafür hat, das Wichtige vom Unwichtige zu trennen ...

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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