Bruce Allmächtig

Produktionsnotizen

Manche Partnerschaften scheinen im Himmel gemacht worden zu sein. In diesem Fall ist eine kreative Partnerschaft gemeint: Schließlich kann man sich kaum eine bessere Kombination von Star und Regisseur vorstellen als Jim Carrey und Tom Shadyac.

Ihre erste Zusammenarbeit war "Ace Ventura - Ein tierischer Detektiv". Der Film etablierte Jim Carrey als Komödiensuperstar und Tom Shadyac als vielversprechenden Filmemacher mit einer aussichtsreichen Karriere ...

Ein zweites Mal schlossen sich Jim Carrey und Shadyac für "Der Dummschwätzer" zusammen. Das Ergebnis war einer der größten Filmerfolge des gesamten Kinojahres.

Als man Tom Shadyac also das Konzept für Bruce Allmächtig vorschlug, wanderte es sofort an die Spitze des Stapels für vielversprechende Stoffe bei Shady Acres Entertainment, Shadyacs sehr erfolgreicher Produktionsfirma. Shadyac wusste sofort, mit wem zusammen er dieses Projekt realisieren wollte.

Schließlich gibt es schlicht und einfach nur einen, der einen Mann spielen kann, dem die Mächte Gottes überantwortet werden und der damit in ein hinreißendes Chaos voller komischer Möglichkeiten und emotionaler Dramatik gestürzt wird: Jim Carrey.

Die fundamentalen Themen von Bruce Allmächtig waren den beiden Freunden bestens vertraut, denn sie hatten bereits viele Abende damit verbracht, über die ganz großen Fragen des Lebens zu diskutieren. "Jim ist wie ein Bruder für mich", merkt Shadyac an. "Ein kleiner Bruder in mancher Hinsicht, ein großer Bruder auf eine andere Weise."

Er fährt fort: "Uns verbindet eine tolle Freundschaft. Und Bruce Allmächtig spricht eine Reihe von Dingen an, die uns sehr beschäftigen. Was ist diese Macht, die wir Gott nennen? Wie passen wir in das große Bild? Thematisch geht es in dem Film also vor allem darum, wo wahre Macht ihren Ursprung hat."

Shadyac und Carrey wurden bei ihrer Suche nach einer Antwort auf ihre Fragen von den Shady-Acres-Partnern und Produzenten Michael Bostick und James D. Brubaker unterstützt, die schon bei Der Dummschwätzer mitgearbeitet hatten und mindestens ebenso enthusiastisch angesichts der Möglichkeit waren, diese Geschichte zu filmischem Leben zu erwecken.

"Tom sprachen die Themen des Stoffes ganz persönlich und direkt an", sagt Bostick. "Wenn man sich seine bisherigen Arbeiten ansieht, dann steht dieses Projekt unmittelbar in der Tom-Shadyac-Tradition. Es ist eine High-Concept-Komödie mit großem Star-Appeal, die letztlich mit einer wichtigen Botschaft über den menschlichen Zustand aufwartet. Diese Elemente ziehen sich wie ein roter Faden durch seine Arbeit."

Und Jim Brubaker fügt hinzu: "Alle von Toms Filmen, egal ob Komödie oder Drama, sind ein bisschen persönlich, ein bisschen spirituell und wollen dem Zuschauer in ihrem Kern das Herz öffnen." Bostick findet überdies: "Sowohl Tom als auch Jim hatten gerade dramatische Stoffe abgedreht und wollten unbedingt zurück ins Komödiengenre. Jim kam nicht nur als Star von Bruce Allmächtig mit an Bord, er verpflichtete sich auch als Produzent. Damit ließ er sich ganz eng auf die Entwicklung des Drehbuchs und schließlich auch, Tag für Tag, auf die kreative Arbeit am Set ein."

Versammlung der "Familie" Am Anfang der Vorproduktion begannen Shadyac, Bostick und Brubaker mit der Zusammenstellung eines absoluten Topteams hinter der Kamera. Viele von ihnen hatten für den Regisseur und/oder die Produzenten bereits bei vorangegangenen Filmen gearbeitet. Zu der herausragenden Truppe zählten schließlich der Oscar®-prämierte Kameramann Dean Semler, Ausstatterin Linda DeScenna, Kostümdesignerin Judy Ruskin Howell, Cutter Scott Hill, Requisiteur Brad Eichhorn und viele andere.

"Grundsätzlich setzt sich unser Team aus Leuten zusammen, die genauso schnell beim Adaptieren sind wie Tom", meint Brubaker. "Ein solches Team ist absolut notwendig, denn das sind genau die Leute, nach denen man sucht. Leute, die einen unterstützen, die positiv denken und die sich jeder Herausforderung stellen."

Entsprechend begeistert zeigt sich Shadyac von seinem Team: "Dean Semler ist ein Kameramann, der Komödie ernst nimmt, aber auch einen hervorragenden Sinn für Humor hat. Wenige arbeiten besser mit Licht als er. Linda DeScenna verleiht ihren Sets stets Wärme, Vielfalt und eine Realität, die es Schauspielern erlaubt, in diesem Rahmen aufzublühen.

Judy Ruskin Howell berücksichtigt die Charaktere und die Symbolik, wenn sie Kostüme entwirft, was sich in wunderbaren Details äußert, die man auf den ersten Blick gar nicht wahrnimmt. Bei einem Film mit Jim Carrey ist der Requisiteur oft ebenso wichtig wie der Regisseur, denn Jim liebt die Arbeit mit ,Spielzeugen', weil sie ihn inspirieren und ihm Ideen geben.

Für Brad Eichhorn würde ich wichtigste Entscheidungen in meinem Leben verschieben. So gut ist er. Brad nach Möglichkeit aus dem Tritt zu bringen, entwickelte sich regelrecht zu einem Spiel am Set. Jim und ich verlangten alle möglichen unglaublichen Dinge von ihm - und er antwortete immer nur ganz lässig: ,Klar, gebt mir ein paar Stunden', und dann legte er uns das Gewünschte vor. Alles, was in irgendeiner Form aus Masse besteht oder von Substanz ist, ist irgendwo in seinem Requisitenlaster versteckt."

Nun stellte sich die Frage, wer mit Jim Carrey vor der Kamera agieren sollte, vor allem in den entscheidenden Rollen von Grace, der hingebungsvollen, aber selbstbewussten Freundin von Bruce, und dem Einen, der allein für die Mächte von Bruce verantwortlich ist ... der große Mann selbst ... Gott.

"Ich bemühe ungern das altbekannte Klischee", sagt Shadyac. "Aber Jennifer Aniston gehört zu den heißesten Leuten im Showgeschäft. Man kann diese Menschen, männlich oder weiblich, an einer Hand abzählen, die Schönheit, Stärke, Intelligenz, Verletzlichkeit und Sinn für Humor in sich vereinen. Jens Rolle, Grace, ist nicht passiv. Sie ist stark, und deshalb wollten wir Jennifer."

Michael Bostick sagt dazu: "Jennifer ist als Rachel in der Serie ,Friends' seit neun Jahren regelmäßig willkommen in den Wohnzimmern Amerikas. Ich bin mir sicher, dass die Kinogänger begeistert sein werden, sie neben Jim Carrey auf der Leinwand zu erleben. Jennifers Komödien-Timing ist perfekt. Gleichzeitig verleiht sie ihren Figuren eine beeindruckende emotionale Tiefe."

Aniston selbst hatte nicht den geringsten Zweifel, dass sie die Grace spielen wollte, als sie von Tom Shadyac angesprochen wurde: "Tom schlug mir diese fantastische Geschichte vor, die mir sehr nahe ging. Ich fand sie einfach großartig. Es ist immer schwierig, Spiritualität in einen kommerziellen Film einfließen zu lassen. Aber Tom und die Autoren hatten sich genau das vorgenommen, allerdings ohne den Zuschauer mit der Botschaft zu erschlagen."

Shadyac und Carrey sahen sich schließlich noch vor die ganz große Frage gestellt: Wer sollte Gott spielen? Ja, gab es überhaupt einen Schauspieler, der Gott spielen könnte? "Als ich das Drehbuch in Händen hielt", erinnert sich Tom Shadyac, "kam für mich nur einer für diese Rolle in Frage. Das war Morgan Freeman."

"Es gibt eine Million Wege, wie man Gott darstellen kann", fährt der Regisseur fort. "Man kann ihn aus einem brennenden Busch oder von einem Berg oder aus einem Sonnenuntergang reden lassen. Unser Ansatz war es, einen vollkommenen Menschen zu finden, der Würde, Macht, etwas Humor und Kantigkeit ausstrahlt. Morgan verkörpert Menschlichkeit und Göttlichkeit auf eine Weise, die uns perfekt für den Film erschien. Also gab es von vornherein keine zweite Wahl."

Dankenswerterweise dachte Morgan Freeman ebenso, und Bruce Allmächtig hatte seinen Gott gefunden.

Um das talentierte Triumvirat Carrey, Aniston und Freeman platzierte man eine Gruppe hervorragender Darsteller aus Film, Fernsehen und Theater. Dazu zählen Lisa Ann Walter aus "Ein Zwilling kommt selten allein", die bildschöne Catherine Bell aus der Serie "JAG", der Charakterdarsteller Philip Baker Hall, der versierte Komödiant Steve Carell aus "The Daily Show", Nora Dunn vom "Saturday Night Live"-Team und die Golden-Globe-Gewinnerin Sally Kirkland.

Ironischerweise verlangte das Drehbuch für die Rolle einer einsamen Diner-Kellnerin nach einem "Typ wie Sally Kirkland". Also löste Shadyac diese Aufgabe, indem er ganz einfach bei der richtigen Sally Kirkland anfragte, die ohne zu zögern zusagte. "Jim und ich haben schon immer die Ansicht vertreten, dass eine gute Komödie einen glaubhaften Kern braucht", erläutert der Regisseur. "Selbst wenn man eine weit hergeholte Prämisse für die Story hat, wirkt man ungemein glaubwürdig, wenn alle Rollen auf den Punkt genau besetzt sind."

Hosianna am Set: Der Dreh von "Bruce Allmächtig" Kaum hatten die Dreharbeiten von Bruce Allmächtig an einem heißen Tag im frühen August auf einem gewaltigen Außenset des Universal-Studiogeländes begonnen, das Ausstatterin Linda DeScenna und ihre kleine Armee von Handwerkern und Künstlern in einen ganzen Abschnitt von Buffalo, New York, verwandelt hatten, ging auch schon das Gelächter los.

Schließlich ist es ziemlich einfach, beim bloßen Anblick von Jim Carrey in der Rolle des Bruce Nolan lachen zu müssen, der als TV-Journalist darüber berichtet, dass gerade ein Schokoladenkeks gebacken wird, der die Größe eines Hauses hat.

Aber der Dreh von Bruce Allmächtig bestand nicht nur aus Spaß, sondern auch aus konzentrierter, harter Arbeit von allen Beteiligten vor und hinter der Kamera. Immerhin ging es darum, ein ungewöhnliches Drehbuch überzeugend zu filmischem Leben zu erwecken.

Die völlig unterschiedlichen und stets mit ganz eigenen Schwierigkeiten verbundenen Elemente wurden von Jim Brubaker, einem der erfahrensten Produzenten, die an diesem Film arbeiteten, zusammengeführt. "Wenn man Bruce Nolan als Das-Glas-ist-halbleer-Typen bezeichnet", überlegt Tom Shadyac, "dann ist Jim ein Das-Glas-ist-halbvoll-Typ. Bei unseren gemeinsamen Filmen hatte ich Wünsche wie ,Hey Bru, da drüben bräuchte ich eben mal einen Berg, dahinter mußs die Sonne untergehen. Ich brauche einen Stamm Eingeborener, Aliens, ein Flugzeug' - egal was es ist, Bru hat immer eine Lösung parat."

Und tatsächlich: Zu den endlos vielen Leistungen bei früheren Filmprojekten der beiden zählen die Beschaffung eines Flugzeugs, dem Jim Carrey am Ende von "Der Dummschwätzer" hinterherjagen konnte, und eines kompletten Stammes von südamerikanischen Yanomami-Eingeborenen, die er nach Hawaii einfliegen ließ, wo man eines ihrer Dörfer für den Dreh von "Im Zeichen der Libelle" nachgebaut hatte.

"Die Arbeit mit Tom ist immer eine Herausforderung und eine Belohnung, weil ich niemals weiß, was er sich als Nächstes einfallen lässt", erklärt Brubaker. "Eines von Toms größten Talenten ist es, am Morgen aufzuwachen und eine noch bessere Idee als tags zuvor zu haben. Dann spielen wir das gemeinsam durch - und setzen es um."

Während des Drehs von Bruce Allmächtig sorgte der stetige Ideenaustausch von Tom Shadyac und Jim Carrey dafür, dass Brubaker wieder einmal Zauberkünstler spielen mußste. So setzte er in letzter Minute Gastauftritte eines der berühmtesten Sänger der Welt und der berühmtesten Kaffee-Ikone aller Zeiten in die Tat um ... doch mehr dazu später.

Die erste Herausforderung war es jedoch, Buffalo, New York, an der Westküste neu zu errichten - und das mit gewaltiger Unterstützung des wahren Buffalo. "Ich bin überzeugt, dass jeder Einwohner von Buffalo stolz auf diesen Film sein wird", sagt Brubaker. "Wir erhielten unglaublich viel Unterstützung von den Menschen in Buffalo und im Staat New York. Alle verbogen sich regelrecht, damit wir alles hatten, um ihre Stadt so echt wie möglich nachzubauen."

Ein zweites Drehteam von Bruce Allmächtig reiste nach Buffalo und filmte unzählige Totalen der Stadt, machte Luftaufnahmen und lieferte Grundaufnahmen für spätere Effektsequenzen von allem Erdenklichen, von Stadtbildern bis zu den Niagarafällen. Sie alle wurden in der Postproduktion von den Cuttern und Spezialeffekt-Leiter Bill Taylor nahtlos in den Film eingebaut.

Großer Verantwortung bei der Errichtung einer Ostküstenstadt vor südkalifornischem Hintergrund fiel Ausstatterin Linda DeScenna zu, die zu den wichtigsten Mitgliedern in Tom Shadyacs Team zählt und mit ihm bereits an drei Filmen gearbeitet hat. Sie errichtete mit ihrer Crew zwar etwa 100 Szenenbilder vor Ort, gab aber auch einem großen Teil des gewaltigen Universal-Studiogeländes einen völlig neuen Anstrich.

Unter anderem unterzog sie Brownstone Street, New York Street und was man als Zurück-in-die-Zukunft-Platz kennt, einem kompletten Make-over. "Weil ich jetzt schon zum vierten Mal für Tom arbeite, weiß er ziemlich genau, wie ich funktioniere", berichtet DeScenna. "Umgekehrt ist es nicht anders ...

Tom, Jim Carrey und ich haben ständig Ideen ausgetauscht - Jim hatte als Star und Produzent einen beachtlichen Input in viele Aspekte des Films." "Wir begannen unsere Arbeit, indem wir Buffalo studierten", sagt DeScenna.

"Wir schauten uns die Stadt an, wie sie aussieht, wie sie sich anfühlt, welche Herausforderungen die verschiedenen Jahreszeiten mit sich bringen würden. Wir versuchten die Architektur, Farbe, Atmosphäre und selbst die Straßennamen in unsere Designs einzuarbeiten. Und wir erhielten sogar die Erlaubnis, das Kürzel eines tatsächlich existierenden lokalen Fernsehsenders, für den Bruce Nolan im Film arbeitet, zu benutzen."

Über die zu verrichtende Arbeit auf dem Universal-Studiogelände sagt DeScenna: "Das war eine gewaltige Unternehmung. Bisher hatte ich immer nur vereinzelte Abschnitte dieser Straßen in Filmen benutzt - jetzt war die Komplettbehandlung angesagt." Das Innenstadt-Set von Buffalo war unglaublich detailliert. Straße über Straße wurde von DeScenna, Art Director Jim Nedza, Setdekorateur Ric McElvin und ihren jeweiligen Teams bearbeitet ...

Die künstlerische Abteilung dekorierte etwa 30 Ladenfassaden in einem zehn Blocks umfassenden Areal. Etwa 1.200 Fenster mußsten mit entsprechenden Details, also Vorhängen, Lichtern und Dekoration, versehen werden. McElvin merkt an: "Die gesamte Idee war, dass die Sets nicht wie auf einem Studiogelände aussehen sollten."

Am Ende sah das Studio aus wie eine Stadt, die man gern besuchen würde und in der man vielleicht sogar leben wollte. Es gab völlig realistische Ladenfassaden für eine Pizzeria, einen Käseladen, ein Reformhaus, ein Möbelgeschäft, eine Eisdiele, ein Reisebüro, einen Kiosk, ein Antiquariat, eine Uhrenwerkstatt, eine Tanzschule, einen chinesischen Kräuterladen, eine Bäckerei, eine Tierhandlung, einen Waschsalon, einen Supermarkt und sogar für ein Museum über die Ureinwohner Amerikas, das auf Buffalos indianische Ursprünge verweist.

Zu den zahllosen Details gehörte sogar ein Original-Nahverkehrsplan Buffalos in einem Busunterstand ... und natürlich der dazugehörige echte Bus aus Buffalo.

Kameramann Dean Semler und sein Team erdachten einzigartige Methoden, wie man die Beleuchtung bei dem ständig wechselnden Licht in Los Angeles konstant halten konnte. Dazu gehörte ein gewaltiges Sonnenkontrollsystem, das von dem Chefelektriker William "Bear" Paul ausgedacht wurde.

Was die Crew als "The Bear Cover" bezeichnete, war ein 13 mal 20 Meter großes Stück weißes Material, das auf einem 450 Kilo schweren Rahmen gespannt und schließlich von einem 135-Tonnen-Kran mit vier Kettenmotoren 35 Meter in die Luft gehoben wurde.

In dieser Umgegend fand sich auch eine Fassade des Fernsehsenders. Gleichzeitig hatte DeScenna das dazugehörige Innenset, natürlich authentisch bis zur letzten Heftklammer und bis zu jedem einzelnen Videomonitor, in einer Universal-Halle errichtet. Unmittelbar daneben fanden sich das komplette Innere und Teile des Äußeren von Bruces und Graces Wohnung in Buffalo.

Außerhalb des Studiogeländes kam eine große Anzahl weiterer Drehorte zum Einsatz, wie das gewaltige Anwesen, auf dem der Sender Bruce zu Ehren eine Party veranstaltet, sowie das völlig weiße Äußere und Innere von Omni Presents, Inc., wo Bruce und der Allmächtige zum ersten Mal aufeinander treffen.

Um die Pflege der "praktischen" Sets kümmerten sich der Leiter der visuellen Effekte, Bill Taylor, und der Koordinator der praktischen Effekte, Dave Kelsey, deren Aufgabe es war, jede Menge ungewöhnlicher Ereignisse für die Geschichte zu realisieren. "Ich hatte großes Glück, das best denkbare Effektteam um mich zu haben", sagt Tom Shadyac.

"Wenn ich den Wunsch äußerte, dass Asteroiden auf die Erde stürzen oder Bruce und Tom über den Eriesee laufen oder auf dem Mount Everest sitzen sollten, dann sagten sie immer nur: ,Kein Problem.'"

"Tom wollte nicht, dass wir Effekte einsetzen, wie man sie bereits kennt", bestätigt Taylor. "Er wollte, dass die visuellen Effekte lustig sind. Und er wollte unmögliche Bilder, die aber dennoch glaubwürdig sein mußsten. Tom wollte auch, dass wir blitzschnell denken und neue Ideen ebenso flink umsetzen.

Wir mußsten improvisieren und uns dem Rhythmus und Tempo der Produktion anpassen. Ein herkömmlicher Effektfilm wird im Vorfeld fast wie eine militärische Aktion vorgeplant, aber so arbeiten Tom Shadyac und Jim Carrey einfach nicht ... Ihre Vorgehensweise ist faszinierend - und sorgt dafür, dass man ständig mit dem Unmöglichen rechnen mußs."

Für die Sequenz, in der Bruce Nolan live im Fernsehen auf dem Maid-of-the-Mist-Boot, das seine Passagiere ganz nah an die Niagarafälle heranbringt, völlig durchdreht, wurde auf den Psycho Flats des Universal-Studiogeländes (direkt im Schatten des erschreckenden Hauses von Norman Bates und nur einen Steinwurf entfernt von den Überbleibseln von Whoville aus dem Jim-Carrey-Hit "Der Grinch" eine riesige, kreisförmig gebogene Green-Screen-Anlage errichtet.

Ein fast kompletter Nachbau der Maid of the Mist wurde auf ein in alle Richtungen bewegliches, mechanisches Podest montiert. Taylors Aufgabe bestand darin, alle Elemente übergangslos mit den Effektgrundbildern, die man an den Niagarafällen gedreht hatte, zu verbinden. Absoluter Realismus war die Maßgabe für seine Arbeit.

Ungewöhnlich war auch, dass die Mehrzahl der Szenen mit visuellen Effekten - auch die mit Green Screen - außerhalb und nicht in dem leicht zu kontrollierenden Umfeld einer Studiohalle gedreht wurden. "Tom Shadyac und unser Kameramann Dean Semler waren begeistert von der Vorstellung, so viel wie möglich von den Aufnahmen, die man später zusammensetzen mußste, außen bei natürlichem Sonnenlicht zu drehen", berichtet Taylor.

"Die schiere Größe einer Szene wie der, in der Bruce und Gott auf dem Eriesee gehen, kann man in einer Studiohalle eigentlich unmöglich erzielen. Noch unmöglicher wäre es allerdings, sie als Innenaufnahme mit dem wunderbaren weichen Ambiente auszuleuchten, wie es Dean gemacht hat. Das trägt maßgeblich zum Realismus der Aufnahmen bei."

Zu Bill Taylors weiteren Effektaufgaben gehörten ein Teller mit Tomatensuppe, die sich nach dem Vorbild des Roten Meers in "Die zehn Gebote" teilen sollte, und Bruces Erklärung seiner Allmacht auf der Spitze eines Wolkenkratzers, während er von einem Unwetter umtost wird.

Das kleine einmaleins der Leinwandchemie Der filmischen Magie kam die Leinwandchemie gleich, die sich zwischen Jim Carrey und dem Rest der Besetzung entwickelte. Die Kombination aus Carreys komödiantischem Genie und Morgan Freemans gewaltiger Erfahrung und Gravität war Grundlage einer faszinierenden Arbeitsbeziehung, die sich auch über den Drehschluss hinaus fortsetzte.

"Morgan kann mit einem Lächeln auf eine Lebenszeit voller menschlicher Erfahrungen blicken - und genau das brachte er mit an den Set", berichtet Tom Shadyac. "Jim fragte oft bei Morgan um Rat, um herauszufinden, wie man emotional an einen gewissen Punkt in einer Szene kommen könnte. Und Morgan erklärte ihm geduldig seine Herangehensweise und Technik.

Interessant war, dass Morgan bei Fragen nach komödiantischen Dingen immer zu Jim ging. Es war Wahnsinn, diesen beiden Experten ihres Handwerks zuzusehen, wie sie sich einander annäherten und sich vom anderen inspirieren ließen."

"Sich einmal in der Gegenwart von Morgan Freeman aufhalten zu können, war einer dieser Träume, die wahr wurden", erzählt Jennifer Aniston. "Und er war göttlich - allein dieses markante Gesicht im weißen Anzug zu sehen! Er war phänomenal."

Freeman war in seinem "allmächtigen" Auftreten so überzeugend, dass Tom Shadyac am Ende eines Drehtags ankündigte: "Eine halbe Stunde nach der letzten Klappe des Tages steht Morgan für die Beichte zur Verfügung."

Doch im Mittelpunkt des Films steht Jim Carrey, ein gnadenlos kreativer Perfektionist, dem jedes erdenkliche Mittel recht ist, um bei dem perfekten Moment vor der Kamera anzukommen, egal ob komisch oder dramatisch.

"Joel Schumacher, der Jim in "Batman Forever" inszenierte, nannte ihn den am härtesten arbeitenden Mann im Showgeschäft", sagt Tom Shadyac. "Jeder, der mit Jim arbeitet, weiß das. Er hat ein beeindruckendes Arbeitsethos. Er strebt ständig danach, noch besser zu sein. Ich liebe es, Jim dabei zuzusehen, wie er einfach loslässt und sich vom Moment inspirieren lässt. Das ist eine echte Gabe. Und wenn es dann hinhaut, gibt es nichts Aufregenderes, dem man zusehen könnte."

Aniston ist Komödie - mit neun Staffeln "Friends", einem Golden Globe und einem Emmy im Rücken - alles andere als fremd, und doch empfand sie die Arbeit mit Carrey "als wunderbare Herausforderung. Es ist schon wirklich wundersam, ihm bei der Suche nach dem eigenen Genie zuzusehen und dabei zu sein, wenn er es findet".

"Ich bewundere Jims Arbeit seit langem", lobt auch Kostar Philip Baker Hall, der zwar in "Die Truman Show" gespielt, dort aber keine gemeinsamen Szenen mit Jim Carrey gehabt hatte. "Mit ihm arbeiten zu können ist ein Traum, der in Erfüllung geht.

Jim arbeitet auf eine Weise, dass durch Improvisation und seine schiere Liebe am Spiel am Set alles frei und offen bleibt. Ich würde ihn als Jungen beschreiben, der einfach nur froh ist, zum Arbeiten an den Drehort kommen zu können. Er strahlt diese Freude regelrecht aus. Und das hat einen starken, positiven Einfluss auf alle anderen."

"Man mußs auch sagen, dass Jim ein sehr großzügiger Darsteller ist", fährt Hall fort. "Er ist immer am Input anderer interessiert. Wenn er findet, dass die Vorschläge im Kontext der Szene angebracht sind, arbeitet er sie sofort ein. Für einen Schauspieler in seiner Position ist das eine bemerkenswerte Eigenschaft."

Hall gefiel aber auch die Arbeit mit Aniston: "Sie war toll, so angenehm und liebenswert vor wie hinter der Kamera." Lisa Ann Walter, die in Bruce Allmächtig als Graces Schwester Debbie zu sehen ist, meint: "Meine Freundinnen und ich haben im wahren Leben einen Spruch, wenn wir jemanden kennen lernen, den wir mögen. Wir sagen: ,Sie wird dir gefallen, sie ist eine von uns.'

Nun, Jennifer ist eine von uns. Sie ist immer voll dabei bei typischen Mädchengesprächen, und sie ist liebenswert und sehr süß." Über Jim Carrey sagt Walter: "Es ist ungerecht, in dieser Industrie so reich und mächtig und dabei immer noch so verdammt nett zu sein."

All you need is love Obwohl im Verlauf der viermonatigen Dreharbeiten ungemein hart gearbeitet wurde, waren manche Tage am Set von Bruce Allmächtig regelrechte Fiestas.

Da gab es beispielsweise den Morgen nach den Emmy-Awards-Feierlichkeiten, an dem Jim Carrey und Tom Shadyac die komplette Crew dazu animierten, eine von Freudentränen überströmte Jennifer Aniston mit Applaus und Umarmungen zu begrüßen, nachdem sie den begehrten Fernsehpreis für "Friends" gewonnen hatte.

Und dann war da noch das eine Mal, als Carrey die Rolle von Buster - einem einjährigen, aus dem Tierheim geretteten Mischling, der Bruces und Graces Hund Sam spielt - übernahm und in einer Szene mit Jennifer Aniston hinter der Kamera dessen Bellen nachahmte.

Dann gab es einen Tag, an dem sich ein gewisses internationales Sinnbild für Kaffee aus Südamerika herabließ, einen Gastauftritt in Bruce Allmächtig zu absolvieren. Selbst Veteranen in der Crew, von Jim Carrey ganz zu schweigen, befanden sich in einem Zustand koffeinierter Aufregung, als der Kaffeemeister (mitsamt Muli) ankam. Niemand in der gesamten Gruppe ließ es sich nehmen, sich mit ihm bei dessen eintägigem Gastspiel fotografieren zu lassen.

Außerdem war da noch der Tony-Bennett-Tag, ein für alle Beteiligten erfreulicher Tag, an dem der große Sänger in einer Restaurantszene einen kleinen Auftritt hat. Selbst mit allen Wassern gewaschene Veteranen schmolzen dahin, als Bennett für die Bruce Allmächtig-Kameras "If I Ruled the World" croonte.

Nach dem ersten Durchlauf sprang Jim Carrey auf einen Stuhl und rief unter großem Applaus der Anwesenden: "Ja, Tony, DU regierst die Welt!"

Schließlich und letztendlich geht es nur um eines: um Liebe. Die Liebe, einen Film zu machen. Und die Liebe zwischen Menschen, um die es in dem Film geht, sowie um die Liebe von Menschen für denjenigen, der uns erschaffen hat. Die Atmosphäre am Set war stets beeinflusst vom Thema des Films.

"Tom ist ein wundervoller Kapitän dieses Schiffs", sagt Jennifer Aniston. "Es gibt niemanden in diesem Team, der ihn nicht liebt ... Das Drehen von Filmen kann eine richtige Folter sein. Aber mit Tom ist es ein großes Vergnügen und macht viel Spaß."

Nora Dunn fügt hinzu: "Nach meiner Erfahrung sind die besten Regisseure die, die einem Schauspieler ein Umfeld schaffen, in dem er sich wohl fühlt. Genau das macht Tom. Er ermöglicht ein angenehmes Umfeld, ermutigt einen zur Improvisation, gibt die nötigen Anweisungen und liebt es, immer wieder verschiedene Ansätze auszuprobieren. Selbst bei einem gewaltigen Unterfangen wie Bruce Allmächtig macht er eine angenehme, intime Atmosphäre möglich."

Produzent Michael Bostick sagt über seinen Partner: "Tom ist umgänglich, gütig, großzügig, witzig und ermöglicht seinen Schauspielern eine wunderbare Arbeitsgrundlage. Als Filmemacher spürt er ganz instinktiv, was beim Publikum funktioniert, was es direkt anspricht. Und diese Geisteshaltung findet sich in jedem einzelnen Bild des Films."

"In erster Linie haben wir eine Komödie gemacht", erklärt der Produzent weiter. "Wir haben uns vorgenommen, gutes Entertainment zu produzieren. Aber natürlich geht es auch um Gott, um Beten, um die Idee des freien Willens. Das war es, was Jim, Tom, Bru und mich an dem Projekt faszinierte - und letztlich ist das der emotionale Unterbau aller Filme von Tom Shadyac. Letztlich gibt er ein Statement über die condition humaine ab.

Wir predigen nicht. Aber wenn die Zuschauer sich die Seele aus dem Leib gelacht haben, was unsere Hoffnung ist, und aus dem Kino gehen, dann ist da die Möglichkeit, dass sie angeregt werden, darüber nachzudenken, welcher ihr Platz im Kosmos ist, wie sich ihr Glaube an was auch immer in ihrem Leben äußert."

"Es wird immer irgendeine Gruppierung geben, die ein Problem damit hat, wie man sich mit Gott auseinander setzt", meint Jennifer Aniston. "Sie beharren auf der Ansicht: Wenn es nicht auf ihre Weise dargestellt ist, dann ist es falsch dargestellt. Aber ich bin mir sicher, dass das Publikum Spaß bei Bruce Allmächtig haben wird. Das Einzige, was wir uns auf die Fahnen geschrieben haben, ist die Verbreitung von Liebe."

Abschließend berichtet Tom Shadyac: "Wir stellen uns in diesem Film Fragen, die von Zauberern, Weisen, Heiligen und dem einfachen Mann seit Anbeginn der Zeit gestellt werden. Ganz ehrlich: Wir haben keine Antworten.

Wir haben Bruce Allmächtig nicht gedreht, um dogmatische Statements abzugeben. Wir wollen nur Fragen stellen und den Menschen eine unterhaltsame Zeit bereiten. Eine moderne Parabel, wenn Sie wollen ... mit Sinn für Humor."

Szenenfoto
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