Long Walk Home

Ausführlicher Inhalt

Perth, Australien, 1931: Mr. A. O. Neville (Kenneth Branagh), Chief Protector of Aborigines in West-Australien, hält im Kreise angesehener Frauen der weißen Gesellschaft einen Vortrag über das Programm der Rassenpolitik, das er seit zehn Jahren beaufsichtigt. Voller Stolz berichtet er, wie Mischlingskinder von ihren Familien getrennt und in Erziehungsheime gebracht werden, wo sie "für ein neues Leben in einer weißen Gesellschaft vorbereitet werden".

Die Kinder erhalten vor Ort eine Ausbildung als Hausangestellte, Dienstboten, Lager- und Farmarbeiter. Mr. Neville ist der festen Überzeugung, dass durch eine konsequente Verminderung des schwarzen Rassenanteils die Ur-Urenkel dieser Generation gewissermaßen "weiß" sein werden, zumindest jedoch der weißen Gesellschaft angehören werden, wenn auch zu deren untersten Schicht.

Am Rande der Gibson-Wüste leben in einem kleinen Dorf namens Jigalong die beiden Schwestern Molly (Everlyn Sampi), 14, und Daisy (Tianna Sansbury), 8, sowie ihre Cousine Gracie (Laura Monaghan), 10. Ihre Mütter Maude (Ningali Lawford) und Mavis (Deborah Mailman) sind Aborigines, ihre Väter weiße Wanderarbeiter.

Sie bauten den Zaun, der nun direkt durch Jigalong und durch die Wüste führt. Dieser Zaun - auch bekannt als No. 1 Rabbit-Proof Fence - wurde als Schutz vor Kaninchenplagen errichtet. Er zieht sich von Norden nach Süden durch den gesamten australischen Kontinent.

Die örtlichen Behörden informieren Chief Protector Neville über die Existenz dieser drei Mischlingskinder. Eine sofortige Überführung in das Erziehungsheim Camp River Moore, nördlich von Perth gelegen, wird angeordnet.

Constable Riggs (Jason Clarke) erhält die Order, die Mädchen in Jigalong abzuholen. Nur mit Gewalt gelingt es ihm, die Mädchen von ihren Müttern loszureißen und ins Auto zu befördern. Molly, Gracie und Daisy trennen bald 1.500 Meilen von ihrem Zuhause. Mit dem Auto, dem Zug und dem Boot werden sie quer durch das Land nach Camp Moore River gebracht.

Camp Moore River ist ein unfreundlicher, trostloser Ort mit Lagerbaracken als Unterkunft. Der Lageraufpasser David Moodoo (David Gulpilil) ist Aborigine und erfahrener Spurensucher. Er achtet streng darauf, dass keines der Kinder flieht. Sollte es dennoch einem gelingen, spürt er es schnell in der ausgedörrten Wildnis wieder auf und bringt es zurück ins Camp.

Die Strafe für Ausreißer bedeutet tagelange Einzelhaft in einer winzigen Zelle, der sengenden Sonne Australiens ausgesetzt. Schon am ersten Tag erkennt Molly, welche Gefahr eine Flucht bedeuten kann. Dennoch beschließt sie, den Versuch zu wagen.

Schon am darauffolgenden Tag bietet sich eine Gelegenheit zur Flucht. Als ein Sturm aufkommt, ruft Molly Gracie und Daisy zu sich und eröffnet ihnen, dass sie jetzt zurück nach Hause gehen werden - und zwar zu Fuß. Gracie und Daisy schauen einander zweifelnd an, doch Molly ist fest entschlossen.

Sie wird gehen, notfalls auch ohne Gracie und Daisy. Aber alleine zurückbleiben wollen die kleineren Mädchen nicht. Also folgen sie Molly. Sie führt sie aus dem Camp heraus, durchquert mit ihnen einen Fluss, um keine Spuren zu hinterlassen. Von dort aus beginnt ihr Heimweg.

Die Flucht der Mädchen bleibt nicht lange unbemerkt. Moodoo wird beauftragt, die Kinder zu finden. Doch was zunächst wie ein Routineauftrag erscheint, entwickelt sich schließlich zu einer breit angelegten Suchaktion. Die Polizei wird eingeschaltet, Flugblätter werden in den Dörfern verteilt, eine Belohnung für die Ergreifung ausgeschrieben.

Am Ende werden die Mädchen drei Monate unterwegs sein und 1.500 Meilen zu Fuß zurückgelegt haben. Während dieser Zeit gelingt es Molly immer wieder, mit allerlei Tricks die Verfolger abzuhängen. Sie wird sich an alles erinnern müssen, was sie über das Leben in der Wildnis gelernt hat. Und sie wird entscheiden müssen, ob die Menschen (Aborigines wie Weiße), die sie treffen, ihnen wohlgesonnen sind oder sie verraten werden.

Molly findet schließlich den Zaun, der die Mädchen nach Hause führen soll. A.O. Neville begreift schnell, dass die Mädchen den Zaun als Orientierung nutzen werden. Nun scheint sicher, dass Moodoo die Mädchen entlang des Zaunes aufspüren wird, doch Molly gelingt es wiederum, Moodoo auszuweichen.

Die einzige Möglichkeit, ihren Verfolgern zu entgehen, ist die Durchquerung der Wüste. Als dies auch Neville klar wird, ruft er seine Männer zurück. Es gibt praktisch keine Überlebenschance in der Wüste. Er ist davon überzeugt, dass die Mädchen dort umkommen werden.

Am Rande der Wüste treffen sie auf einen Lagerarbeiter, der Gracie erzählt, dass ihre Mutter in Wiluna sei und auf sie warte. Molly ist misstrauisch, doch Gracie, am Ende ihrer Kräfte, möchte dem Mann glauben. Ein Streit entfacht zwischen den Cousinen, der damit endet, dass Gracie sich auf den Weg nach Wiluna macht. Molly lässt sie zunächst ziehen, doch dann kehrt sie mit Daisy um.

Sie will Gracie nicht alleine lassen. Als sie in Wiluna ankommen, müssen sie mit ansehen, wie Gracie eingefangen wird. Der Lagerarbeiter hatte sie in eine Falle gelockt. Molly und Daisy können nur hilflos zuschauen. Erschrocken sitzen sie in ihrem Versteck, und zum ersten Mal verlässt Molly der Mut. Nun ist es Daisy, die sie drängt: "Gehen wir jetzt nach Hause, Molly?" Molly sammelt ihre letzten Kräfte und nimmt ihre kleine Schwester an die Hand.

Es gelingt den Mädchen tatsächlich das fast Unmögliche: Sie durchqueren die unerbittliche Wüste, den letzen Abschnitt ihrer Reise. Moodoo, bekannt dafür, jede Spur zu finden und deuten zu können, mußs sich eingestehen, dass Molly ihn immer wieder geschickt in die falsche Richtung geführt hat. Mit Respekt vor dieser Leistung gibt er die Suche auf.

Nach mehr als drei Monaten erreichen Molly und Daisy das Umland von Jigalong. Ein letztes Mal müssen sie einem Polizisten ausweichen, der von Geräuschen angelockt, in der Gegend patrouilliert. Dann endlich können sie ihren Müttern in die Arme fallen. In diesem Augenblick sind sie in Sicherheit. Hunderte von Kilometern von ihnen entfernt legt unterdessen A.O. Neville mit Bedauern den Fall zu den Akten.

Dies ist eine wahre Geschichte.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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