Wrong Turn

Produktionsnotizen

"Können Sie sich erinnern, wie Sie sich damals davor gescheut haben, wieder ins Wasser zu gehen, nachdem Sie Der weiße Hai gesehen hatten?", fragt Produzent Stan Winston mit einem geheimnisvollen aber lebhaften Funkeln in den Augen.

"Wenn Sie Wrong Turn gesehen haben, wird es Ihnen mit dem Campen im Wald ebenso gehen ... Das verspreche ich."

Und wenn eine lebende Hollywood-Legende wie Winston, der es sich im Lauf seiner einzigartigen Karriere bereits seit 30 Jahren zur erklärten Aufgabe gemacht hat, Menschen Angst einzujagen, eine solche Aussage trifft, dann sollte man besser zuhören.

"Stan liebt es, erschreckt zu werden. Und er liebt es, andere zu erschrecken", meint Rob Schmidt, der Regisseur von Wrong Turn, lächelnd.

"Stan ist ein wandelndes Paradox. Für viele bei dieser Produktion ist er so etwas wie eine Vaterfigur, ein absolut liebenswerter Kerl, der nicht von den geringsten Problemen belastet wird, weil er all das verarbeiten kann, indem er im Film Menschen zu Tode kommen lässt. Er liebt das Horrorgenre. Und diese Leidenschaft ist es, die die Zusammenarbeit mit ihm so aufregend macht."

So ist es nicht verwunderlich, dass Schmidt und viele seiner Mitstreiter und Schauspieler unter anderem gerade deshalb diesen Film machen wollten, weil sie Winstons Arbeit und seinen Ruf als "Gentleman-Produzent" schätzen.

"Stan ist ein unglaublicher Typ", begeistert sich Jeremy Sisto, der im Film in der Rolle des Scott zu sehen ist. "Die von ihm über die Jahre erbrachten Leistungen garantieren ein qualitativ hochwertiges Projekt, das mit Enthusiasmus und Präzision gemacht wurde. In diesem Film gibt es einige Szenen, die die Zuschauer noch lange nach dem Abspann beschäftigen werden. Dafür zeichnet Stan verantwortlich."

"Stan ist der Grund, warum ich in diesem Film mitspiele", erklärt Sistos Kollegin Eliza Dushku. "Anfangs war ich geneigt abzuwinken, denn die erste Fassung des Drehbuchs wirkte auf mich wie die Vorlage für einen ganz normalen Monsterfilm. Das habe ich Stan bei einem Treffen auch gesagt.

Naja ... dann hielt er Bilder der Mountain Men hoch und erläuterte, dass es sich bei ihnen um Menschen wie du und ich handelt. Sie sind keine Monster. Sie sind real. Sie existieren tatsächlich.

Das ganze Konzept von Inzest und die daraus resultierenden Verformungen und Entstellungen fand ich völlig beängstigend. Da wurde mir dann auch klar, dass ich in diesem Film eine sehr ehrliche und emotional aufwühlende Darstellung geben können würde."

Vielleicht ist es Co-Star Kevin Zegers, der es am besten zusammenfasst: "Unterm Strich gilt: Wer Stans Arbeit kennt, der weiß, dass er sich zu Tode fürchten wird."

Über den Beginn des Projekts Das Projekt nahm seinen Ausgang, als der Autor Alan McElroy das Drehbuch seinem ebenfalls aus Cleveland stammenden Freund Brian Gilbert vorlegte, der als Senior Vice President bei Stan Winston Productions arbeitet und Winstons Produktionspartner ist. Gilbert las es, war begeistert und gab es weiter an Winston.

"Ich hatte Gänsehaut, war aufgeregt und hin und weg von Alans Skript", erinnert sich Stan Winston. "Das war eines der furchterregendsten Drehbücher, die ich jemals gelesen habe. Mir war sofort klar, dass Stan Winston Productions diesen Film machen würde."

Wenig später hörte auch Erik Feig von Summit Entertainment, der mit McElroys Arbeit ebenfalls seit längerem vertraut war, von dem Projekt und sprach Winston und Gilbert an, um sich als Produktionspartner anzubieten. Diese Partnerschaft führte wiederum dazu, dass Rob Schmidt als Regisseur an Bord kam.

"Kombiniert man Robs Begeisterung für das Genre mit der kreativen Gestaltung seiner vergangenen Filmarbeiten und seinem perfekten Verständnis für den vorliegenden Stoff, dann kann man sich eigentlich keinen Besseren für die Regie von Wrong Turn vorstellen", sagt Winston.

"Er hatte eine große Leidenschaft, einen solchen Film zu drehen. Sein Austausch mit den Schauspielern ist außerordentlich. Er bringt viel Zeit damit zu, mit ihnen über alle Aspekte des Projekts zu reden und sie auf ihre Rollen einzustimmen.

Visuell hat der Film eine Eleganz, wie man sie von Hardcore-Horrorfilmen eigentlich nicht kennt. Rob hat die Latte für das Genre mit dieser Arbeit wirklich hoch gelegt. Der Film ist ein, zwei Stufen höher angelegt, als man es von einem derart gewalttätigen und erschreckenden Stoff erwarten würde."

Als dann Produzent Robert Kulzer und Constantin Film einstiegen, konnte grünes Licht erteilt werden. Als letzter Partner konnte Media Cooperation One (MC One) gewonnen werden. Am 6. August 2002 begann der Dreh in und um Toronto.

Über die Dreharbeiten Eine Reihe der Stadtparks von Toronto und vor der Stadt liegende Wildnisabschnitte kamen zum Einsatz, um die unberührten Wälder von West Virigina nachzustellen. Der Großteil der relativ knapp bemessenen Dreharbeiten wurde allerdings an zwei konstruierten Sets abgewickelt: die Berghütte und die Baumwipfel des Waldes - jeweils konstruiert von Ausstatterin Alicia Keywan.

"Alicia kann es mit jedem Ausstatter aufnehmen, mit dem ich bisher gearbeitet habe. Und das sage ich nicht einfach so dahin", berichtet Stan Winston. "Der Terror in diesem Film geht über die drei Mountain Men hinaus.

Alicias Hütten-Set ist so furchterregend, weil es so real und mit fürchterlichen Details angefüllt ist, die uns viel über diese schrecklichen Männer erzählen. Obwohl es nicht das größte Set ist, das ich jemals gesehen habe, ist es doch ohne jeden Zweifel eines der wunderbarsten."

Winston fährt fort: "Ganz großartig ist, dass man nie den Eindruck hat, dass man sich an einem Filmset befindet, wenn man es betritt. Die Hütte ist eine voll funktionale Hütte, mit verschiedenen Räumen und Eingängen und Ausgängen. Alle vier Wände sind da. Es war wirklich, als würde man eine Familienresidenz in West Virginia betreten.

Wir errichteten die Hütte sogar draußen in einem Park von Toronto, eingebettet zwischen einem Kiesweg und einem Flussbett. Wenn man die Hütte im Film sieht, zweifelt man nicht eine Sekunde, dass sie schon seit Jahren tatsächlich da steht. Ich bin mir sicher, dass die Wände blutrünstige Geschichten zu erzählen hätten. Erstaunlich ... erschreckend erstaunlich ..."

"Die Hütte ist meine Lieblingsfigur in diesem Film", gesteht Regisseur Schmidt. "Entsprechend sind mir auch die Szenen in der Hütte die liebsten. Das ist so ein bisschen wie mit dem Haus in Amityville Horror. Alicia Keywan hat einen tatsächlichen Charakter entworfen, indem sie diesen Ort mit gruseligen und grausamen Flohmarktstücken ausgestattet hat.

Dies ist ein Ort, bei dessen Anblick das Publikum sofort das Wort ,gefährlich' assoziieren wird. Man mußs die Hütte nur aus der Weite sehen und schon sagt man sich: Da sollte man besser nicht näher kommen. Auf diese Weise entwickelt man in Horrorfilmen Spannung. Und deshalb macht es auch so viel Spaß, sie sich anzusehen."

Das Waldgipfel-Set wurde in einer Studiohalle südöstlich der Innenstadt von Toronto errichtet. Ausstatterin Keywan und ihre talentierten Art-Direction-, Setausstattungs- und Konstruktionsteams bauten einen regelrechten Wald, indem sie ein Drahtgeflecht aus zentimeterdicken Stahlröhren einsetzten, die von Borken umhüllt wurden.

Das machte es leichter, einzelne Äste und Zweige abzubrechen, damit man die Beleuchtung, die Kameras, die Schauspieler und Stuntleute günstiger platzieren konnte.

"Jeder Baum, den man in dieser Sequenz sieht, befindet sich tatsächlich etwa 25 Meter in der Luft", erklärt Keywan. "In dieser Höhe spielt sich die Action ab. Oben in den Baumwipfeln und nicht am Boden."

"Das Kinopublikum ist es gewohnt, Dinge in Filmen zu sehen, die am Boden stattfinden", berichtet Stan Winston. "In unserem Film ist alles ein gutes Stück beängstigender, weil es sich oben in den Bäumen mitten in der Wildnis abspielt."

Realität war beim Entwurf der im Drehbuch beschriebenen Szenen ein erklärtes Hauptbestreben der Filmemacher. Realität war aber nicht minder wichtig beim Entwurf, der Ausarbeitung und dem Einsatz des Special Effect Make-ups der drei Mountain Men.

Winston und sein von Shane Mahan angeführtes Team von Special Make-up Designern in den Stan Winston Studios verbrachten zahllose Stunden damit, die Appalachen und sämtliche Einzelheiten über die Folgen von Inzucht zu recherchieren.

Sie wälzten unzählige Medizinbücher und Fachzeitschriften, um die Genetik der Inzucht in Einklang mit den verschiedenen körperlichen und geistigen Verformungen, Behinderungen und Entstellungen, die ihre Folge sein können, zu bringen.

Drei talentierte (und sehr geduldige) Schauspieler - Julian Richings, Garry Robins und Ted Clark - ließen endlose Stunden im Make-up-Stuhl über sich ergehen, während der Leiter der Special Effect Make-up-Abteilung, Shane Mahan, sie in ihre Figuren verwandelte: "Three-Finger", "Saw-Tooth" und "One-Eye".

"Ich bin stolz zu sagen, dass wir uns bei unserer Arbeit in den Stan Winston Studios immer an der Realität orientieren", sagt Winston. Unsere Dinosaurier sind beispielsweise die paläontologisch korrektesten, die jemals für die Leinwand entworfen wurden.

Da macht es doch nur Sinn, dass wir uns auch im Fall der Mountain Men nach der menschlichen Realität gerichtet haben, auch wenn sie wie in diesem Fall sehr grausam und grotesk ist. Aber so bezieht man das Publikum mit ein, das sich regelrecht in die Figuren hineinversetzen kann."

Das geheimnisvolle und quicklebendige Glitzern ist in Stan Winstons Augen zurückgekehrt. "Soll das womöglich heißen, dass wir alle Darsteller des Films über den Jordan schicken?" fragt er. "Könnte sein, könnte sein ..."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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