Spun

Ausführlicher Inhalt

"Nenn es Speed. Dope. Meth. Crystal. Ice. Zip. Tweed. Egal, wie Du es nennst. Es sind Methamphetamine. Deswegen bin ich hier", ...

... betet der sichtlich nervöse Ross, (Jason Schwartzman), seinen Spruch an der Tür eines Bungalows im Norden von Los Angeles herunter. Bestandsaufnahme: Ross, Mitte 20, ist gerade vom College geflogen und von seiner Freundin Amy (Charlotte Ayanna) verlassen worden. Aber was soll's. Es gibt ja Meth.


Das will sich der Fingernägel kauende, mit den Füßen wippende, sich permanent durch die Haare fahrende Ross jetzt reinziehen - mit seinen Freunden: Spider Mike (John Leguizamo), der seinen Spitznamen aufgrund eines Spinnennetz-Tattoos über seinem Herzen trägt, ist ein paranoider Dealer, der schon wieder vergessen hat, wo er den Stoff versteckt hat.

Außerdem hat er mal wieder Stress mit seiner Freundin, Cookie (Mena Suvari), die rotäugig und überspannt mit den vergilbten Zähnen knirscht. Der pickelige Frisbee (Patrick Fugit) sitzt paralysiert vor dem Fernseher und spielt ein Videospiel: Mit dem Joystick in der Hand schießt er Armeen heranstürmender Penisse ab.

Und auch Nikki ( Brittany Murphy), eine Stripperin aus Las Vegas, hängt in den vermüllten Räumen ab, deren von der Decke hängende Fliegenfänger längst überfordert sind. Sie telefoniert gerade mit ihrem Freund "The Cook" (Mickey Rourke) und berichtet ihm sogleich, dass Ross einen Wagen hat: einen verbeulten, kackbraunen Volvo.

Das kommt dem Cook gerade recht, denn er braucht dringend einen Fahrer, der gewisse Dinge für ihn erledigt. Er hat schließlich genug zu tun: In einem kleinen Labor produziert er Meth, das heißt, er steht in seinen weißen Cowboystiefeln in einem vergammelten Motelzimmer und braut über einem Bunsenbrenner den Stoff zusammen.

Als Anzahlung für seine Botendienste bekommt Ross ein Tütchen mit dem begehrten kristallinen Inhalt - und der Drei-Tage-Trip aus Rasanz und Stillstand kann losgehen. Zeit ist für Meth-Junkies eh ein dehnbarer Begriff.

Ungeduldig macht Ross sich auf den Rückweg, betritt seine Wohnung unter den misstrauischen Blicken seiner Nachbarin (Deborah Harry), aber das ist ihm egal. Alles ist ihm egal. Nur das eine interessiert ihn und darauf konzentriert er sich:

Er schüttet die Kristalle auf eine Kommode. Rollt einen Schein. Inhaliert. Und Kick.

Kurz darauf sitzt er in einem Strip-Schuppen, wo die heißen Bewegungen der Tänzerinnen seine Phantasie anregen und Porno-Comics in seinem Kopf hervorrufen. Und da er jetzt über einen ordentlichen Drogenvorrat verfügt, kommt eine der Tänzerinnen mit in sein Appartement, lässt sich küssen, lecken, fesseln. Es geht ziemlich laut zu - was natürlich auch der neugierigen Nachbarin nicht verborgen bleibt.

Dann klingelt das Telefon: The Cook. Ross lässt alles stehen und liegen, auch die gefesselte Tänzerin, verklebt ihr noch schnell Mund und Augen und dreht die Anlage voll auf. Der erste Auftrag ruft.

Ross soll Nikkis Hund retten! Das Fell des Terriers hat sich von den chemischen Dämpfen im sauerstoffarmen Drogenlabor grün gefärbt. Die Fahrt mit dem grünen Köter und der hysterischen Nikki zur Tier-Klinik kann man dann ja noch mal nutzen, um sich was reinzuziehen, oder? Aber sicher!

Während dessen erleben auch Ross' Freunde so ihre ganz persönlichen, bewusstseinserweiternden Trips: Frisbee kehrt in den voll versifften Wohnwagen seiner fettleibigen Mutter zurück, die gerade eine Reality-TV-Serie namens "Bust" guckt, in der echte Cops bei ihren Ermittlungen live begleitet werden ...

Auf Ross wartet schon der nächste Auftrag: Er fährt seinen Boss, der nun passend zu den Stiefeln noch einen weißen Cowboy-Hut trägt, zu einer Tankstelle. Ein Kerl belästigt gerade die Kassiererinnen und Cook zeigt die Manieren eines guten Cowboys: Er schlägt den Fiesling mit einem Sixpack nieder und tritt sicherheitshalber noch ein paar mal nach.

Mit den spitzen Stiefeln. Weiter geht's. In einen Drugstore. Hier werden frei verkäufliche Asthma-Medikamente, die die Basis für das Speed liefern, im großen Stil eingekauft. Und noch ein Stop, diesmal in einem Porno-Laden.

Während Cook über die Vor- und Nachteile von Hardcore-Videos sinniert, erlebt Ross mal wieder einen Flashback: Cook posiert vor der amerikanischen Flagge, hält eine vor Kraftausdrücken strotzende Rede über die "Macht der Freiheit".

Zurück zu Frisbee: Zwei Cops von "Bust" beobachten den Wohnwagen seiner Mutter, als Frisbee gerade angeradelt kommt. Als er mit seinem Fahrrad einfach umfällt, scheint den beiden Cops der Zugriff unvermeidbar.

Sie rufen das Kamerateam, ziehen sich noch schnell 'ne Line und stürmen den Wohnwagen. Frisbees Mutter erlebt nun, wie Fernsehen und Realität eins werden: Live sieht sie im Fernseher die Polizisten in ihrem eigenen Wohnzimmer stehen. Das ist fast besser als jeder Trip.

Cook ist nun auf der Suche nach etwas Entspannung und schleppt Ross in einen Strip-Schuppen. Apropos Strip-Schuppen! Da fällt Ross plötzlich ein, dass bei ihm zu Hause ja noch die Stripperin gefesselt und geknebelt herumliegt. Er ruft an und beruhigt die ans Bett gebundene Frau über den laut gestellten Anrufbeantworter: er käme gleich nach der Arbeit nach Hause ...

Die Wände sind dünn in L. A. und so hört die neugierige Nachbarin Ross' Ansage und auch die unter dem Klebeband hervorgebrüllten Flüche der geknebelten Blondine. Aber Ross macht sein Versprechen wahr: "Honey, I'm home."

Als er die Knebelung entfernt, geht das Geschrei richtig los und gibt der misstrauischen Nachbarin nun endlich Anlass für nachbarschaftliche Sorge. Doch Ross kann sie gerade noch abwimmeln: der Fernseher sei ziemlich laut. Sorry! Als Entschädigung spendiert Ross eine Line für sich und die gepeinigte Stripperin und der Sex geht in die nächste haftige Runde.

Ebenfalls wenig zimperlich gehen die beiden Cops von "Bust" bei ihrem Verhör mit Frisbee um. Der picklige Schwächling wird weich und erzählt von Spider Mike und seinen Geschäften ...

Inzwischen haben Nikki und ihr Lover Cook Streit und sie verlässt wütend sein Chemielabor. Und Ross, der immer wieder seiner Ex hinterher telefoniert, spricht einmal mehr auf ihren Anrufbeantworter. Sie könnte ran gehen, tut es aber nicht. Es scheint, als gerate alles ein wenig außer Kontrolle. Aber wann immer das passiert, gibt es Rettung:

Nenn es Speed. Dope. Meth. Crystal. Ice. Zip. Tweed. Egal, wie Du es nennst. Es sind Methamphetamine. Der Nachschub mußs stimmen.

Und darum machen sie sich alle wieder auf zu Spider Mike. In dessen Bungalow angekommen, trifft Nikki eine Entscheidung. Sie will zurück nach Vegas und sich wieder mehr um ihr Kind kümmern, dass sie weggegeben hatte. Der Cook ist wenig begeistert, doch Ross fährt Nikki zum nächsten Bus-Terminal und ihre Verabschiedung fällt zärtlich aus, sehr zärtlich. Vielleicht zu zärtlich?

Zärtlichkeit wollen auch Spider Mike und Cookie und beschließen, mal wieder miteinander zu schlafen. Super Idee, oder? Ja, super Idee. Doch bevor es dazu kommt, mußs Cookie noch mal aufs Klo. Die Sitzung dauert an.

Bei Spider Mike wächst der Druck und in seiner Not ruft er eine Telefonsex-Agentur an, nicht ohne sich vorher eingeschlossen und eine Socke über seinen Schwanz gestülpt zu haben. Man will ja keine Spuren hinterlassen. Wie es der Zufall so will, ist am anderen Ende der Leitung Ross' Nachbarin, auch sie mußs schließlich ihre Miete zusammen bekommen.

Cookie hämmert nun genervt gegen die Tür, gleichzeitig klopft es auch an der Eingangstür. Frisbee steht, verwanzt und aus der Distanz vom "Bust"-Kamerateam beobachtet, vor dem Bungalow. Cookie öffnet die Tür und zerrt ihn hinein.

Sie will auf der Stelle mit ihm vögeln - ersatzweise - schließlich ist er gerade da und Spider Mike ein blöder Wichser. Sie reißt Frisbee das Hemd vom Leib und die Tarnung fliegt auf. Die "Bust"-Cops müssen jetzt handeln, Gefahr ist im Verzug. Sie stürmen den Bungalow. Und dann gerät wirklich alles, alles, alles außer Kontrolle.

Nenn es Speed. Dope. Meth. Crystal. Ice. Zip. Tweed. Egal, wie Du es nennst. Es sind Methamphetamine. Sie helfen nicht wirklich.

Denn dann, Cook ist überarbeitet und völlig übermüdet, gerät sein Labor in Brand. Er hat gerade noch Zeit, das Überlebensnotwendige einzupacken, seinen Hut, sein Geld. Als er das Haus verlässt, flammt hinter ihm ein gigantischer, chemischer Feuerball auf.

Aber ist nicht kleinzukriegen und auch ein kurzer Aufenthalt im Knast, wo er Spider Mike und seine Freunde trifft, kann ihm nichts anhaben. Schließlich gibt es da noch diesen Freund (Eric Roberts), der als schillernde schwule Eminenz im Hintergrund für den Drogen-Cowboy einige Fäden zieht.

Mit neuer Ausrüstung ruft Cook bei Ross an - einen letzten Auftrag hätte er noch für ihn. Doch Ross wird langsam müde. Einzig wach hält ihn die Aussicht, nun doch seine Ex-Freundin wiederzutreffen und sie zurückzugewinnen. Allerdings will die erst einmal das Geld sehen, dass er ihr schuldet.

Was kann man da machen? Am besten erst mal etwas Meth schniefen. Kann nicht schaden, oder? Auch wenn die Mittelstreifen auf der Straße irgendwie komische Formen annehmen. Es ist der letzte Job! Und es steht einiges auf dem Spiel: eine Liebe und einige Leben ...

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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