Wilbur wants to kill himself

Produktionsnotizen

"Nachdem die Figuren der zwei Brüder Form angenommen hatten, begann sehr schnell meine Sorge um die Beiden. Wenn ihr kleines Universum ´North Books´ tatsächlich existieren würde (und nicht 1050 Kilometer von Kopenhagen entfernt wäre), hätte ich die Zwei mit Sicherheit regelmäßig besucht.

Durch Wilbur und Harbour und die zerbrechliche Heldin Alice glaubt man, sich der wahren Liebe ein Stück nähern zu können. Im Laufe der denkbar größten menschlichen Herausforderungen und moralischen Dilemmas betrachten sie Wilburs Todesplan mit Humor und einer inneren Stärke, die mich am meisten unterhält, und die einer der Gründe dafür ist, warum die Arbeit an diesem Film so eine einzigartige und wundervolle Erfahrung war.

Dogma hinter mich zu lassen und zurückzukehren zu der weit schwierigeren klassischen Filmsprache, erlaubte mir das Budget und die Freiheit, den Film hinsichtlich Ausstattung, Licht, Kamera und Musik persönlicher zu inszenieren." (Lone Scherfig)

Der Anfang ... Lone Scherfig über Wilbur wants to kill himself von Jacob Neiiendam, Screen International:

"Ich wollte ein größeres Instrument und viel stärker in die Tasten hauen, als ich es vorher getan hatte", sagt Filmemacherin Lone Scherfig über ihren neuen Film Wilbur wants to kill himself.

"Ich wollte zugleich melancholischer und lustiger sein, als ich es zuvor versucht hatte. Die Idee befand sich in meinem Kopf schon vor dem Kinostart von "Italienisch für Anfänger". Ich wollte, dass der Film den hier nur an der Oberfläche angesprochenen Problemen tiefer auf den Grund geht - Leben, Tod und Liebe.

"Italienisch für Anfänger" steht für Glück und Unglück, während Wilbur wants to kill himself für Leben und Tod steht. Es ist ein stärkerer Cocktail und ich habe mir erlaubt, sehr viel lauter zu sein als in "Italienisch für Anfänger"."

"Italienisch für Anfänger", Gewinner des Silbernen Bären, ist die bittersüße Geschichte einer Gruppe einsamer Individuen, die Trost ineinander und in einem abendlichen italienischen Sprachkurs finden. Obwohl sie bereits zwei Filme zuvor gedreht hatte, "The Birthday Trip" 1991 und "On Our Own" 1998, etablierte sich Lone Scherfig erst mit ihrem dritten Spielfilm, der sich weltweit verkaufte, als eine der gefragtesten Fremdsprachlichen Regisseurinnen.

Wilbur wants to kill himself ist ihr erster Film in englischer Sprache, der an Drehorten in Glasgow und am Set in Filmbyen in Kopenhagen produziert wurde.

Obwohl sie weiß, dass das Drehen in englischer Sprache der einzig mögliche Weg für jeden kommerziell interessierten Regisseur ist, gefällt Scherfig die Dynamik, die die Atmosphäre des Films bestimmt, wenn sie in Dänemark dreht.

"Ich denke, es ist unvermeidbar, dass mehr Filme in Englisch gedreht werden. Obwohl ich einige englischsprachige Drehbücher erhalte und sie alle lese, müssen diese schon ganz außergewöhnlich gut sein, damit ich dafür ins Ausland gehe. In Dänemark zu arbeiten, ist perfekt für mich.

Ich genieße hier eine Freiheit und eine Kompetenz, die ich woanders nicht bekomme und wenn ich internationale Filme in Englisch hier drehen kann, warum sollte ich mein gemachtes Bett aufgeben, meinen final cut und mein Recht, zugleich Autorin und Regisseurin zu sein. Das einzige, wobei ich kein Mitspracherecht habe, ist der Verkauf und das Marketing und das ist okay für mich."

Hinter dem scheinbar traurigen Titel Wilbur wants to kill himself verbirgt sich eine romantische schwarze Komödie, die sich vor Ernsthaftigkeit nicht fürchtet. Scherfig ist Co-Autorin gemeinsam mit dem angesehenen jungen Autor und Regisseur Anders Thomas Jensen, der zuvor unter anderem bereits bei den Dogma-Hits Open Hearts und Mifune als Co-Autor fungierte.

Der Film erzählt die Geschichte zweier Brüder - des selbstmordgefährdeten Wilbur und des optimistischen Harbour - sowie einer alleinstehenden Mutter, Alice. Jeder der Charaktere repräsentiert eine ganz unterschiedliche Sicht auf das Leben.

"Wilbur glaubt, dass er es nicht verdient, zu leben, während es Harbour zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat, ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Man könnte sagen, dass der Film das gleiche Anliegen verfolgt wie Harbour, um zu beweisen, dass es für Wilbur einen Grund gibt, zu leben.

Es geht um Leben, Tod und Liebe, und wenn du daraus ein gutes Drama machen möchtest, schreibst du einen Protagonisten, der alle drei ablehnt. Die Charaktere sind mir und Anders Thomas Jensen sehr ähnlich. Wir hassen beide Streit, sehnen uns nach Harmonie und schreiben über die denkbar schlimmsten Probleme," erklärt sie lachend.

"Weder Anders Thomas noch ich selbst bin ungehalten, selbstmordgefährdet oder nicht kompromissbereit wie Wilbur, aber wir teilen ein wenig davon. Wir vergrößern diese Veranlagung hier nur. Das bedeutet, wenn ich ein Nahtoderlebnis von vielleicht zehn Minuten selbst erfahren habe, kann ich einen Charakter mit diesen Gefühlen schreiben.

Ein Charakter wie Moira repräsentiert einen Teil von mir, der die langweilende bemutternde Seite vertritt, immer jedem bei seinen Problemen helfen zu wollen, was hier viel extremer zum Vorschein kommt. Genau so verhält es sich mit allen anderen Charakteren."

dass der Film einen schwärzeren Humor hat als Italienisch für Anfänger, findet Scherfig angesichts des Inhalts ganz normal: "Die Leute fragen mich immer: ´Warum machst du nicht eine komplett blutige Tragödie?´ - aber danach fühle ich mich gar nicht. Ich möchte etwas Lustiges machen. Vielleicht ist eine Tragödie anspruchsvoller, aber ich möchte die Menschen gerne zum Lachen bringen."

Scherfig und Jensen haben das Drehbuch ursprünglich in Dänisch verfasst, fanden jedoch einige Probleme mit dem Umzug der Geschichte von Kopenhagen nach Glasgow, als sich die Möglichkeit zu einer Dänisch-Schottischen Co-Produktion ergab. "Es wurde ernster, als wir nach Schottland umzogen, wo viel mehr auf dem Spiel steht.

Die dänische Gesellschaft ist eine der gleichförmigsten der Welt, während es in Schottland einen ganz deutlichen Abstand zwischen Reich und Arm gibt. Ich denke, dass das Thema deshalb noch klarer wurde."

Sie sieht daneben einige Ähnlichkeiten in der Mentalität der kleinen Länder, im Selbstwertgefühl und in der Ernsthaftigkeit der Bewohner, verbunden mit Selbstironie. "Wie Anders Thomas Jensen sagt: ´Wir können unsere Filme genauso gut in Schottland drehen, weil's dort auch nur Menschen gibt, mit denen du nachher in der Bar sitzt.´

Wir haben viel gemeinsam und wir lachen sehr viel zusammen. Am Ende haben wir eine Kleinigkeit am Buch geändert, aber einige sehr dänische Elemente in der Geschichte beibehalten. Hoffentlich lassen diese die Brüder spezieller wirken."

Einen Film in Englisch zu drehen bedeutet, dass er international anders wahrgenommen wird, als Scherfigs voriger Film. "Das stimmt, aber das großartig - mit seinen Filmen in weltweitem Vergleich gesehen zu werden. Meine Filme werden nicht mehr nur als interessante dänische Produktionen gesehen, doch das ist nur normal und okay für mich.

Als Filmemacher solltest du mit jedem Film etwas anderes machen. Italienisch für Anfänger war ein Dogma-Film, der auf DV gedreht wurde und Wilbur wants to kill himself ist ebenfalls visuell auffallend mit seinen 35mm-Cinemascope-Bildern und seinem ausgefeilten Soundtrack."

"Ich war so froh, dass ich mit meinen letzten Filmen stets eine Idee hatte, sie geschrieben habe und dann mit den Dreharbeiten beginnen konnte. Das ist genau das, was die Arbeit in Dänemark so angenehm macht. Die Distanz vom Gedanken zur Tat ist kurz.

Die Art und Weise, auf die meine Filme sich entwickeln, bedeutet, dass ich an einem Film non stopp vom Anfang zum Ende gearbeitet habe, und es gibt diesem den Flow und die Energie, an die ich glaube. Von Film zu Film bin ich weniger vorsichtig geworden und besser und besser darin, den Arbeitsprozess im Griff zu haben." schließt Scherfig.

"Nun habe ich aufgehört zu glauben, dass es reines Glück ist, wenn alles gut geht. Regie in einer fremden Sprache zu führen, ist nach all dem nicht so schwierig: Einige Dinge lassen sich sogar leichter in Englisch als in Dänisch erklären."

Wilbur wants to kill himself wurde in englischer Sprache im schottischen Glasgow und in den Filmstudios von Filmbyen in AvedØre in Dänemark gedreht.

Für die Produktion zeichnen Sisse Graum Olsen, sowie als ausführender Produzent Peter Albæk Jensen von Zentropa Entertainments6 und für die Co-Produktion Gillian Berrie für Sigma Films in Schottland verantwortlich.

Das Budget lag bei ungefähr 4,2 Millionen Euro und wurde unter Mitwirkung von Scottish Screen, dem Glasgow Film Office, dem Danish Film Institute, dem Nordic Film- & TV Fund, TV2/Danmark, Sveriges Television AB-SVT Fiktion finanziert, in Zusammenarbeit mit Les Films du Lossange, Trust Film Sales2, Nordisk Film Biografdistribution verliehen und mit Unterstützung des Media Programme of The European Union realisiert.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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