September

Ausführlicher Inhalt

Ganz unterschiedlich erleben Menschen in September die Katastrophe des 11. September 2001. Für alle aber ist das Datum ein Einbruch, eine Erschütterung in ihrem Lebensrhythmus.

Als die ersten Bilder der einstürzenden Türme des World Trade Center über die Fernsehschirme jagen, wird im Hause Scholz Kindergeburtstag gefeiert. Julia (Catharina Schuchmann) versucht, die Party in Gang zu halten, die Nachrichten vor den Kindern zu verbergen.

Währenddessen routiert ihr Mann, der Börsenmakler Philipp Scholz (Justus von Dohnányi), in seinem Büro am Telefon: Die Aktien seiner Firma stürzen ins Bodenlose.

Zu Hause herrschen Schweigen und Unverständnis zwischen den Ehepartnern. Philipp will die Scheidung von seiner schönen, eleganten Frau Julia, die sich allerdings weigert, sein Ansinnen zu akzeptieren und die Scheidungspapiere ignoriert.

Für sie gehört die Familie mit den Kindern Isabell und Gregor zusammen. Doch als sein kleiner Sohn von der Schule wegläuft und unerwartet in seinem Büro auftaucht, wird auch Philipp klar, was ihm seine Familie bedeutet.

Während er wieder auf seine Frau zugeht, verliert Julia mehr und mehr den Boden unter den Füßen. Ihre heile Welt ist erschüttert, sie findet keinen Weg, mit dem Schrecken umzugehen und in ihrem Mann keinen Gesprächspartner. Als Philipp endlich bemerkt, in welch düstere Abgründe Julia gestürzt ist, kann er sie nicht mehr erreichen.

Der junge Autor Felix Baumberger (Moritz Rinke) zählt zum Kreis der Meinungsbildner, sein Kommentar ist nach dem Anschlag bei der Presse gefragt. Routiniert will er ans Wek gehen, doch der Versuch, wie üblich Stellung zu beziehen, scheitert.

Wo steht der linksliberale Intellektuelle in einer solchen Situation? Soll/mußs er Amerika verdammen? Nachdem ein erster Artikel erschienen ist, ringt er sich, im Dauerstreit mit seiner forschen Geliebten Natascha (Stefanie Stappenbeck), zu einem eigenwilligen Standpunkt durch.

Als der Chefredakteur der Zeitung seine Amerika-Schelte nicht drucken will, provoziert er einen Eklat in den Redaktionsräumen, der das Ende seiner Karriere bedeuten könnte. Und auch der erhoffte Eindruck bei Natascha bleibt aus, denn seine Freundin ist längst auf einem anderen Trip.

Für die Nachrichtensprecherin Sandra (Anja Kling) dagegen scheinen goldene Zeiten angebrochen: Ihre Sendung erfährt enormen Zuspruch, ihre Karriere einen Push. Doch wenn die professionelle Fassade bröckelt, zeigt sich dahinter eine einsame Frau, die unter der Trennung von ihrem Kind leidet, das von ihrer Mutter großgezogen wird.

Helmer (Jörg Schüttauf) ist Leiter des Mobilen Einsatzkommandos der Polizei und überzeugter Verfechter klarer Devisen: sich nicht kleinkriegen lassen, solidarisch sein. Am liebsten würde er an vorderster Front mitkämpfen.

Mit seinem überzogenen Patriotismus geht er seinem US-Kollegen vom FBI mächtig auf die Nerven. Auch zu Hause hat er mit seiner Haudrauf-Mentalität nur Probleme. Zu seinem Sohn Robert, einem sensiblen Künstlertypen, findet er keinen Zugang, seine Frau Susanne (Sólveig Arnarsdóttir) ist herzkrank, das Haus verschuldet.

Doch Helmer weigert sich, seine desolate Situation zu erkennen. Als Robert, der endlich vom übermächtigen Vater anerkannt werden will, bei einer waghalsigen Mutprobe dessen geliebte Corvette zu Schrott fährt, brennen bei Helmer die Sicherungen durch. Das Ende vom Lied: von seiner Familie verlassen, bleibt er allein zurück.

Auch wenn sich Ashraf (René Ifrah), der eine Pizzeria betreibt, als Italiener ausgibt, weil es gut fürs Geschäft ist: er ist und bleibt Pakistani. Und Lena (Nina Proll), seine hochschwangere deutsche Freundin, die im Lokal mithilft, versteht ihn nicht mehr.

Mit keinem Wort kommentiert er den Anschlag, lädt vielmehr "Freunde" zum "Feiern" ins Restaurant ein. Lenas Misstrauen wächst: ist der Vater ihres Kindes vielleicht auch ein Terrorist? Die Zweifel nagen an ihr, können nicht besprochen, nicht ausgeräumt werden.

Nachdem sich Ashraf von einem deutschen Mann bei der Schwangeren-Atemgruppe provozieren lässt, kommt es zum Krach. Lena wirft Ashraf aus der Wohnung. Er geht, verletzt. Um wiederzukommen: Das Leben geht weiter, er will mit Lena leben, eine Familie haben, ein neues Restaurant eröffnen, Geld verdienen - eben ein ganz normales Leben führen.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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