Nicht auflegen!

Produktionsnotizen

Ein Anruf kann Ihr Leben verändern, aber er kann es auch - wie diese Geschichte zeigt - beenden. Schauplatz der gesamten Handlung von Nicht auflegen ist eine New Yorker Telefonzelle.

Stu Shepard (Colin Farrell), ein erfolgloser Medienberater, gerät in eine ausweglose Falle, als ihm ein Anrufer - ein Heckenschütze und Serienkiller - erklärt, er würde erschossen, wenn er den Hörer auflegt.

Was machen Sie, wenn es in einer öffentlichen Telefonzelle klingelt? Sie wissen, jemand mußs eine falsche Nummer gewählt haben, aber instinktiv nehmen Sie den Hörer ab. Das Klingeln eines Telefons verlangt nach einer Antwort. Aber als Stu Shepard den Anruf entgegennimmt, beginnt für ihn ein höllisches Spiel. Leg auf, sagt der Anrufer (Kiefer Sutherland), und du bist ein toter Mann.

Eine plötzliche, schockierende Gewalttat in der Nähe der Telefonzelle ruft die Polizei mit einer Einheit von Scharfschützen herbei. Sie glaubt, dass Stu der gefährliche Mann mit der Waffe ist, und nicht der unsichtbare Anrufer, von dem sie nichts weiß.

Der Einsatzleiter Captain Ramey (Forest Whitaker) versucht Stu aus der Telefonzelle herauszulocken. Aber weder Ramey noch sein Team noch die Schar der herbeigeeilten Journalisten noch Stus Frau Kelly und seine Kundin beziehungsweise Freundin in spe Pamela ahnen, dass der Anrufer sie alle im Visier seines Präzisionsgewehrs hat.

Als sich der Abend nähert, mußs der verantwortungslose, selbstsüchtige Stu einen schnellen, unerwarteten Reifeprozess durchlaufen. Der Anrufer hat ihn emotional entblößt, seine Lügen und Halbwahrheiten helfen Stu nicht mehr.

Jetzt mußs er sein Innerstes umkrempeln und die seelische Kraft finden, um den Anrufer zu überlisten und das Spiel auf ein noch gefährlicheres Niveau zu treiben.

Fox 2000 Pictures präsentiert eine Zucker-Netter-Produktion, einen Joel-Schumacher-Film, Colin Farrell in Nicht auflegen mit Katie Holmes, Radha Mitchell und Kiefer Sutherland.

Regie führte Joel Schumacher, das Drehbuch schrieb Larry Cohen. Produziert wurde der Film von Gil Netter und David Zucker. Matthew Libatique stand hinter der Kamera, Mark Stevens besorgte den Schnitt, und Daniel Orlandi entwarf die Kostüme. Die Musik komponierte Harry Gregson-Williams.

"Seit 20 Jahren versuche ich mir vorzustellen, wie man einen Film drehen kann, der in einer Telefonzelle spielt", sagt Larry Cohen, ein renommierter Regisseur zeitgenössischer Independent-Filme und erfolgreicher Drehbuchautor.

"Das ist ein einzigartiger Ort für eine Falle mitten in der Stadt, umgeben von Tausenden von Menschen. Ich suchte also eine Geschichte, in der es unmöglich ist, aus einer Telefonzelle herauszukommen. Sie würde wie ein gläserner Sarg sein. Jeder kann dich sehen, aber niemand weiß, dass du in dieser Zelle terrorisiert wirst. Sie ist die absolute Falle."

Während er abwechselnd Filme drehte oder an Drehbüchern arbeitete, kehrte Cohen immer wieder zu dieser Idee zurück, bis er schließlich vor drei Jahren die Lösung fand. "Eines Tages tauchte sie dann auf", erinnert sich Cohen.

"Ich dachte, ich stelle einfach einen Heckenschützen in ein Fenster und den Typ in eine Telefonzelle. Dann bringe ich seine Frau und die Freundin ins Spiel, lass' einen Mord geschehen und füge die Polizei hinzu. All diese Einfälle sprudelten plötzlich aus mir heraus, und schließlich konnte ich das Drehbuch in weniger als einer Woche vollenden."

Nachdem Fox 2000 Pictures die Rechte für Cohens Drehbuch erworben hatte, wetteiferten mehrere Topregisseure aus Hollywood um die Gelegenheit, sein neuartiges Konzept umzusetzen. Gleich zu Beginn nahm die Fox mit Joel Schumacher Kontakt auf, aber eine ältere Verpflichtung schloss die Beteiligung des Regisseurs von Tigerland zum damaligen Zeitpunkt aus.

Danach bekundeten Filmemacher wie Mel Gibson, die Hughes-Brüder, Michael Bay, Will Smith und Jim Carrey ihr Interesse an dem Projekt. Doch als Schumacher endlich wieder zur Verfügung stand, machten er und das Studio sich unverzüglich an die Arbeit. Nicht auflegen hatte eine neue und einzigartige Geschichte", erläutert er.

"Was mich besonders interessierte, war die Erkundung einer fundamentalen Angst - der Angst, dass dich jemand beobachtet - und der Verlust der Privatsphäre in der heutigen Welt. Das absolut Furchterregende an der Story ist, dass sie jedem passieren kann. Das ist eine starke Geschichte über urbanen Verfolgungswahn."

"Joel ist der perfekte Regisseur für diesen Film", sagt Cohen. "Er hat einen hervorragenden filmischen Blick und ein großes Gespür für Design. Und er ist ein Schauspieler-Regisseur, was von entscheidender Bedeutung ist, denn die Figur des Stu Shepard bedeutet für jeden Schauspieler eine große Herausforderung. Sie mußs die Spannung und unser Interesse während des gesamten Films aufrechterhalten."

Den Hauptdarsteller wählte Schumacher persönlich aus. Colin Farrell spielt Stu Shepard, einen erfolglosen Journalisten, der zum letzten Besucher einer der wenigen noch existierenden Telefonzellen New Yorks wird.

Nicht auflegen ist Farrells zweite Zusammenarbeit mit Schumacher nach dem hochgelobten Vietnamdrama Tigerland, das ihn zu einem weltweit gefeierten Star machte. "In Tigerland verkörperte Colin einen Helden wider Willen", bemerkt Schumacher. "In Nicht auflegen ist er ein Opfer wider Willen."

"Colin ist Ire, aber er kann alles spielen und jeden Akzent sprechen - den Südstaatendialekt in Tigerland, das neutrale Amerikanisch in Minority Report und den Tonfall der Bronx als Stu", ergänzt Schumacher. "Und Nicht auflegen ist für ihn eine Tour de Force, denn man sieht ihn in jeder Sekunde des Films."

Farrell war sehr erfreut über die erneute Zusammenarbeit mit Schumacher bei so einem ausdrucksstarken Drehbuch. "Die Story war absolut fesselnd, ein echter Reißer", sagt der Schauspieler.

"Aber sie ist mehr als ein großartiger Thriller, sie erforscht einen komplexen Charakter, der um sein Leben, um Erlösung kämpft und dabei dieses schreckliche Martyrium durchläuft."

Stu wird eingeführt als ein Mann, der alles unter Kontrolle hat, jedenfalls glaubt er das. Er ist Ende zwanzig, liebt gestylte Haare und manikürte Nägel, trägt teure Anzüge und hat eine große Klappe.

Wie er mit Anrufen aus zwei Handys jongliert, während er selbstsicher den Broadway abschreitet, und sein glückloser Assistent vergeblich mit ihm Schritt zu halten versucht, das ist schon beeindruckend.

"Er verfügt über das Talent, Leute an der Nase herumzuführen", sagt Farrell. "Aber unter dem äußeren Glanz ist er ziemlich oberflächlich. Er spinnt ständig Lügen und merkt nicht, welche Wirkung diese Lebenslügen auf andere entfalten. Und er hat sich so an diese Spinnereien gewöhnt, dass er die Wahrheit nicht mehr erkennt."

"Stu hat Dingen, die wenig Wert besitzen, zu viel Bedeutung beigemessen", ergänzt Farrell. "Er ist total von sich selbst eingenommen und trägt Scheuklappen. Er lebt in seiner eigenen Welt und denkt, alles würde sich nur um ihn drehen."

Aber an einem schicksalhaften Tag, als Stu instinktiv den Hörer eines klingelnden Telefons abhebt, wird seine Lebenseinstellung durch einen unsichtbaren Anrufer "korrigiert". Der Unbekannte weiß scheinbar alles über Stu und will eine Art jüngstes Gericht über seine zahlreichen Verfehlungen abhalten.

Die ersten, frostigen Worte des Anrufers - "Ist es nicht komisch? Sie hören ein Telefon klingeln, und es könnte irgendjemand sein. Ein klingelndes Telefon mußs beantwortet werden, nicht wahr?" - stürzen Stu in einen Kampf um Leben und Tod, der ihn zwingt, sein Leben und seine Ziele neu zu überdenken.

Bei der Rolle des Anrufers entschied sich Schumacher für Kiefer Sutherland, mit dem er zuvor schon drei Filme gedreht hatte: THE LOST BOYS, FLATLINERS und A TIME TO KILL ("Die Jury"). "Kiefer ist ein hervorragender Schauspieler mit einer umwerfend verführerischen Stimme, die für den Charakter des Anrufers notwendig war", sagt Schumacher.

Der Regisseur bezeichnet die Figur als "Sachverständigen für moralische Schäden", der mit Hilfe eines Präzisionsgewehrs seine eigenen Brandmarken in großstädtischer Justiz setzen will. "Der Anrufer hält sich selbst für unbesiegbar.

Er hat für sich beschlossen, dass er das Recht hat zu entscheiden, wer Sitte und Moral verkörpert und wer nicht. Und er bestimmt die dafür angemessene Strafe. Der Anrufer ist ein Beobachter, ein Voyeur, eine extrem intelligente Person mit schwarzem Humor und ausgeprägtem Sadismus."

Bei Stu hat der Anrufer mehr im Sinn als bloßen Terror. "Er verfolgt einen ausgeklügelten Plan und es gibt viele Gründe, weshalb er Stu dazu ausgewählt hat", sagt Schumacher. Und Colin Farrell fügt hinzu: "Stu ist die Puppe, und der Anrufer ist der Puppenspieler. Er zieht die Fäden, er isoliert Stu aus Gründen, die Stu anfänglich nicht verstehen kann."

Stu und seine Reise bilden den Kern der Geschichte, aber Nicht auflegen ist auch ein Ensemble-Film. Dutzende von Haupt- und Nebenfiguren bevölkern die Story, und die Handlung kreist ständig um die Ränder von Stus unmittelbarem Universum: der Telefonzelle. Schumacher füllt den Rahmen mit Polizisten, Stripperinnen, Bettlern, Fahrzeugen und der typischen Geräuschkulisse einer Großstadtstraße.

Im Zentrum der Figuren, die in Stus Martyrium verwickelt werden, stehen Captain Ramey, der harte, aber sympathische Polizist, der die volle Verantwortung für den Einsatz übernimmt und dabei seine eigene Hintergrundgeschichte offenbart; Pamela McFadden, eine naive, aufstrebende Schauspielerin, mit der Stu ins Bett gehen will, sowie Kelly, Stus treue Ehefrau, die keine Ahnung hat von den Umständen, die ihren Gatten in diese Telefonzelle gebracht haben.

Die Schauspieler, die diese Rollen übernommen haben, waren alle fasziniert von der Frische der Geschichte und ihrer Dramatik. "Sie ist sehr intensiv", sagt Katie Holmes, die die Pamela verkörpert. "Ich liebe ihre psychologischen Aspekte und den verwickelten Humor. Irgendwie macht es Spaß zu sehen, wie Stus Leben auseinanderfällt."

Und Radha Mitchell (Kelly) fügt hinzu: "Mir gefiel die Tatsache, dass in dem Moment, in dem der Anrufer Stus Leben verändert, er auch Kellys Leben verändert. Sie steht im Mittelpunkt dieser Krise - aber sie erkennt überhaupt nicht, wie das passieren konnte oder warum."

Forest Whitaker, der Captain Ramey spielt, bemerkt, dass es neben dem Humor und der Spannung etwas Allgemeingültiges in den Themen der Geschichte gibt. "Was Stu im Lauf des Films erkennt, ist etwas, dass jeder Mensch irgendwann in seinem Leben erkennt, nämlich dass er ab und zu in den Spiegel schauen und das eigene Leben überprüfen sollte." Nicht auflegen spielt in der Stadt New York und viele Elemente der Handlung, der Figuren und des Milieus sind typisch für den Big Apple. "Das ist eine echte New- York-Story", erklärt Larry Cohen, selbst gebürtiger New Yorker.

"Ich habe die Geschichte in Manhattan angesiedelt, weil dort so viel los ist. Ich wollte als Schauplatz eine Stadt, die ständig auf den Beinen ist. Je mehr Menschen, desto besser. Du bist nur eine Glasscheibe von Hilfe entfernt - aber dennoch ist nirgends Hilfe zu finden."

Zwar drehte Schumacher mit einem kleinen Team um Colin Farrell einen Tag lang mitten auf dem Times Square, doch logistische Probleme führten dazu, dass die meisten Szenen von Nicht auflegen in einem historischen Viertel von Downtown Los Angeles entstanden.

Die Architektur dort ähnelt sehr den Gebäuden Manhattans, und Schumacher verließ sich ganz auf das Können des Kameramannes Matthew Libatique und des Produktionsdesigners Andrew Laws, um einen Straßenblock in Los Angeles in die 53. Straße Manhattans zu verwandeln. Zuvor hatten Libatique und Laws bereits mit Schumacher kooperiert, um Tigerland seine stark dokumentarische Wirkung zu verleihen.

Für Nicht auflegen schuf Libatique eine bemerkenswerte Balance aus fest installierten Lampen und reflektierenden Folien an Gebäuden, um das einheitliche Licht zu bewahren, das während des eintägigen New-York-Drehs entstanden war.

Libatique: "In New York gibt es sehr viel Licht, das von den Spitzen der Gebäude gebrochen wird, sodass die Straßen dunkel wie Höhlen wirken. Das mußsten wir mit der kleineren Skyline von Los Angeles nachstellen."

Produktionsdesigner Laws leistete Ähnliches, um den einzigartigen Look und die Stimmung des Times Square zu erzeugen. "Wir wollten eine intensive, konsumorientierte Umgebung", erklärt er. "Überall wo man hinsieht, gibt es Blickfänge, die als ein Teil New Yorks erkennbar sind."

Die leuchtenden Neonfarben tragen ebenso zum dynamischen New-York-Gefühl bei wie die Werbeplakate, die Markisen und andere Elemente, die von der Produktion eingebracht wurden.

Um räumlich voneinander entfernte Ereignisse gleichzeitig einzufangen, choreografierte Libatique ein "Kameraballett", bei dem bis zu vier 35-mm-Kameras auf einmal zum Einsatz kamen. Die Vielzahl der Kameras erlaubte Schumacher Schnittoptionen, die beim herkömmlichen Dreh mit einer Kamera nicht möglich gewesen wären.

Eine Kamera konnte auf Farrell gerichtet sein, eine andere auf Whitaker und eine dritte und vierte auf Mitchell und Holmes. Bei so viel Action vor laufenden Kameras ließ Schumacher alle Schauspieler Kopfhörer tragen, damit sie die Stichworte der anderen hören konnten. "Jeder war ständig auf Sendung", sagt Schumacher.

Um mit allen vier Kameras einen gleichmäßigen Look einzufangen, mußste Libatique die Beleuchtung so flexibel wie möglich gestalten. "Ein oder zwei Kameras zu choreografieren ist schon schwierig genug", stellt Schumacher fest, "drei oder vier ist nahezu unmöglich, aber Matti schaffte es.

Es ist eine totale Herausforderung, die Kontrolle über das Licht aufrechtzuerhalten, wenn mehrere Kameras gleichzeitig laufen." Darüber hinaus verwendet Libatique auch verschiedene Kamerawinkel und subjektive Einstellungen um die Spannung zu steigern.

Der Einsatz mehrerer Kameras, die Nachschöpfung eines New Yorker Häuserblocks auf der anderen Seite des Landes und das Drehen von zehn oder mehr Dialogseiten pro Tag gehörten zur alltäglichen Arbeit für Schumacher und das gesamte Team von Nicht auflegen.

Während er noch den letzten Schliff zu einem der anspruchsvollsten Filme seiner umfangreichen Karriere anlegt, bemerkt Schumacher: "Ich sehe Nicht auflegen als totales Entertainment. Es ist ein gewaltiger Film, was Umfang und Ambition betrifft. Das Publikum wird eine richtige Achterbahnfahrt erleben."

Und Drehbuchautor Larry Cohen fügt hinzu: "Das ist einer der Filme, bei denen man nicht aufsteht, um Popcorn oder Cola zu holen. Joel vermittelt dir wirklich das Gefühl, mit Colin in derselben Falle zu stecken und dort bleibst du auch bis zum Schluss. Solche Filme gibt es nur selten."

Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: 20th Century Fox © 1994 - 2010 Dirk Jasper