Erste Ehe

Produktionsnotizen

Isabelle Stever über ihren Film: Ein Film, der zeigt, wie wertvoll das Leben sein kann.

Auf ihrer Hochzeitsparty durchleben Dorit und Alex alle Situationen ihrer leidenschaftlichen und destruktiven Beziehung, und das Fest treibt ihr kämpferisches Potential konsequent in die Höhe.


Dorit ist aus gutbürgerlichen behüteten Verhältnissen und malt. Alex wurde von seinen 68er Eltern im Stich gelassen und schreibt. Beide sind hochgradig unsicher und beschäftigen sich in erster Linie mit sich selbst.

Dorit fragt Alex am Anfang des Films: "Würdest du mich auch dann noch lieben, wenn ich keine Arme mehr hätte und keine Beine ...". Hier gibt sie kokett die Richtung vor, in die sich die Figuren bewegen. Die Suche nach immer extremeren Liebesbeweisen und vor allen Dingen die Suche nach dem Mitleid des anderen.

Wer leidet mehr? Man könnte meinen, Alex leidet mehr, wenn er versucht, sich im Bad die Pulsadern aufzuschneiden, weil seine Frau ihm nicht genug Aufmerksamkeit schenkt. Doch Dorit wird im Laufe des Filmes wirklich jede Form von Koketterie verlieren.

Dorit wird das finden, was Alex so verzweifelt sucht. Den Moment, wo das Über-Ich aussetzt, wo der Unterschied zwischen Mensch und Tier verschwimmt, wo nur noch der pure Instinkt regiert.

Der Film versucht diesen lebensgefährlichen Zustand zu beschreiben. Die beiden Hauptfiguren suchen nach Extremen und beobachten sich dabei in immer pathologischeren Zuständen im Spiegel.

Sie experimentieren mit dem eigenen Gehirn. Hierbei helfen auch die enormen Mengen an Alkohol, Nikotin, Haschisch, Kokain, und Ecstasy, die Dorit im Laufe der Party zu sich nimmt.

Irgendwie scheint es so, als könnten Dorit und Alex sich nur für sehr wenige, sehr wertvolle Sekunden in Frieden lieben, wenn einer von beiden ohnmächtig oder beinahe tot ist.

Erste Ehe ist die auf einen Abend komprimierte Wiedergabe einer längeren Beziehung. Durch diese gnadenlose Komprimierung entsteht für diese Figuren ein Überdruck. Es gibt keine Pausen und keine Kompromisse.

Ich denke, die Form von Beziehung, die hier beschrieben wird, ist zwar zeitlos, doch aufgrund dieser Konsequenz und Bodenlosigkeit der Charaktere spielt sie in der Gegenwart.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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