Hulk

Produktionsnotizen

Der Charakter des Hulk tauchte zuerst 1962 in einer Serie von sechs Marvel-Comics auf, als eine Schöpfung von Autor Stan Lee und Zeichner Jack Kirby. Zwei Jahre später kämpfte die Kreatur gegen Giant-Man in der 59. Ausgabe von "Tales to Astonish" und in der nächsten Ausgabe der Serie bekam sie ihre eigene Story.

1968 beherrschte der Hulk das gesamte Comic und so wurde es umbenannt in "The Incredible Hulk". Diese Serie lief bis zur Ausgabe 474 und wurde 1999 eingestellt, um kurz darauf wiederbelebt zu werden (erst unter dem Titel "Hulk" und dann ab Ausgabe 12 wieder als "The Incredible Hulk"). Die Serie wird weiterhin veröffentlicht und es gibt keine Anzeichen, dass sich das ändern könnte.

In der Welt der Helden (Super-, Anti- und andere) scheint es schwer zu fallen, den großen Grünen zu Fall zu bringen. Die immense Beliebtheit der Kreatur brachte unter anderem auch eine erfolgreiche CBS-Fernsehserie hervor (1977 - 1982), in der Bill Bixby den Wissenschaftler Bruce Banner und Bodybuilder Lu Ferrigno den Hulk spielte.

Nach Einstellung der Serie sorgte die anhaltende Hingabe der Fans für die Geschichten um einen sorgenvollen Wissenschaftler und sein zorniges Alter Ego für eine Rückkehr des Hulk auf den Fernsehschirm. Insgesamt drei Fernsehfilme wurden in den späten 80ern gedreht und ausgestrahlt. Die Hoffnungen auf einen vierten Teil wurden zerstört als Bill Bixby 1993 an Krebs starb.

In seiner Karriere als Marvel-Comicfigur hat sich der Hulk mehrfach verändert (anfangs war er grau und ein Nachtwesen). Immer jedoch war er mit seinem zweiten Ich Bruce Banner verbunden und beide standen in einer ständigen, verstörenden Beziehung zueinander. Genau diese Beziehung scheint der Grund für die anhaltende Treue der Fans zu Banner/Hulk zu sein, und genau diese Yin-Yang-Dynamik hat ihn auch reif für seinen Kinoauftritt gemacht.

Stan Lee, ausführender Produzent und Miterfinder des Hulk, erinnert sich: "Als ich jung war, liebte ich den Film "Frankenstein" mit Boris Karloff als Monster. Und ich mochte "Dr. Jekyll and Mr. Hyde".

Eines Tages dachte ich mir, dass es ziemlich cool wäre, wenn ich diese zwei in einem Charakter vereinen könnte und damit ein Wesen bekäme, das sich von einem normalen Menschen in ein Monster verwandeln könnte. Meiner Ansicht nach war "Frankenstein" das Monster eigentlich immer der Gute.

Er wollte niemanden verletzen - er wurde nur immer von diesen Idioten mit den Fackeln gejagt und rannte durch die Gegend. ?Warum also kein sympathisches Monster?', dachte ich mir. Und es sollte sich hin und her von Monster zu Mensch verwandeln können. So wurde der Hulk zum ersten Superhelden, der auch ein Monster ist."

Produzent und Drehbuchautor James Schamus, Ang Lees langjähriger Partner, erklärt dazu: "Im Gegensatz zu den meisten anderen Superhelden ist der Hulk ein Superheld, ein Monster und ein Mensch. Und die zahlreichen Hulk-Comics beinhalten das Schicksal von Generationen von Familien, die Suche nach seinem Ursprung, wie er zu dem wurde, was er ist, und das Geheimnis, wer er ist?all diese Dinge."

Auch für Produzentin Gale Anne Hurd waren es die inneren Konflikte und die dramatische Zwickmühle der Figur, die sie gereizt haben. "Ich habe in der Story des Hulk, wie sie in den Marvel-Comics erzählt wird, immer auch Elemente einer Shakespeare-Tragödie mit großem Kinopotential gesehen", erklärt Gale Anne Hurd.

"Dieser Charakter ist in sich ein reales und elementares Drama. Ich mochte immer an ihm, dass er zwar ein Held ist, aber kein wirklicher Superheld, zumindest wenn man ihn mit den anderen Verbrechensbekämpfern des Marvel-Universums vergleicht. Der Jekyll-Hyde-Konflikt hat mich fasziniert.

Teilweise ist es natürlich ein lehrreiches Märchen, in dem es nicht nur um die Bewältigung unser eigenen Dämonen geht, sondern auch um einen Kommentar, der sich mit den Auswirkungen auseinander setzt, dass wir die Technologien haben, um einen Hulk zu erschaffen. Die Comics handelten von Themen des Kalten Krieges, aber wir waren in der Lage, es upzudaten. Es ist relevant für das Heute, vielleicht sogar noch relevanter."

Das menschliche Element Die erfolgreichsten Formeln entstehen oft durch einen zufälligen Funken aus einer ungewöhnlichen Kombination von Elementen - fragen sie Bruce Banner - und als es um die Besetzung von Hulk ging, konnten die Filmemacher eine Reihe außerordentlicher Schauspieler versammeln, die den Film zu einem wahren Ensemble-Ereignis machen.

Der filmische Balanceakt, der Lees Herangehensweise an seine Arbeit und an Hulk charakterisiert, begann selbstverständlich mit der gespaltenen Hauptpersönlichkeit des Filmes.

Auch wenn die Zauberer von ILM letztlich den "grünen Goliath" zum Leben erwecken würden, war es entscheidend einen Schauspieler zu besetzen, der seine menschliche Erscheinung spielen kann und dabei nicht nur den inneren Konflikt und die Bedrückung zeigen mußs, sondern am Ende auch sein Mitgefühl.

Der australische Schauspieler Eric Bana, ein relativer Newcomer, bekam die Rolle vor allem aufgrund seines ersten Filmes "Chopper", einer verstörenden Erzählung über einen charmanten Killer.

"Eric spielte ein menschliches Monster in "Chopper", jemanden der so monströs war, weil er eben auch so menschlich war", beschreibt Ang Lee. "Mit nur einem einzigen Blick konnte er eine Art übermenschlicher Wut und Intelligenz transportieren. Es wäre wundervoll, ihn als Bruce Banner zu sehen, dachte ich mir, wie er all die Energie unterdrückt, bis sie dann doch überkocht."

Die innere Aufruhr von Banner hat Eric Bana natürlich fasziniert, aber es gab noch einen entscheidenderen Grund, warum er die Rolle annahm. "Am Wichtigsten war für mich die Tatsache, dass Ang Lee Regie führt", erklärt der Schauspieler.

"An der Figur des Hulk hat mich besonders gereizt, dass er ein zögerlicher Held ist. Und der Hulk kann nicht kontrollieren, wann er der Hulk wird. Batman geht in seine Höhle, Superman geht in eine Telefonzelle, doch den Hulk überkommt es einfach. Das hat mich als Schauspieler gereizt."

Ein Teil der Herausforderung für Bana bestand in der Kanalisierung nicht nur der emotionalen Nuancen des Charakters, sondern auch der prismatischen, manchmal bruchstückhaften Vision von Banner und seiner Welt.

"Ich wusste, dass alles, was Ang versuchen würde, völlig einzigartig und unvorhersehbar wäre. Es war zudem sehr schwer, sich auf die Rolle vorzubereiten, weil der Charakter selbst ständig auf der Suche nach seinem Inneren ist.

Es war schwer, überhaupt herauszufinden, worauf man sich bei ihm stürzen sollte, aber ich habe genau das dann benutzt, denn die Unsicherheit und Ungewissheit ist Teil des Dilemmas von Bruce Banner. Am Ende war es wichtig, einfach Angs Vision zu vertrauen. Ich habe versucht, offen zu sein und aufzupassen. Als ich das Drehbuch das erste Mal las, hat es mich einfach umgehauen.

Es war vielschichtig und komplex, aber ich wusste auch, dass Ang noch sehr viel mehr im Kopf hatte, was sich nicht auf den Seiten des Drehbuchs finden ließ. Mir war klar, dass alles, was er noch hinzufügen würde, unglaublich sein und meine kühnsten Träume übertreffen würde. Und genau das ist auch eingetroffen", so Bana.

Weil der Hulk ein völlig im Computer entstandenes Geschöpf sein würde, mußste sich Bana keine Sorgen darüber machen, wie er groß und grün werden könnte. Seine Darstellung aber mußste den Weg ebnen für den CGI-Hulk. Bana mußste mehrfach die Kreativen von ILM konsultieren, um mit ihnen die Haltung und Gesichtsausdrücke abzusprechen, die an der Schnittstelle der Mensch-zu-Hulk-Verwandlung stehen würden.

"Es war eine Menge, was ich im Kopf behalten mußste", sagt Bana, "aber es war gleichzeitig eine Menge Spaß. Es forderte eine besonders hohe Konzentration und es half zu wissen, dass ich es nicht bis zum Ende durchziehen mußs.

Ich war nicht gehemmt davon, auf einmal aufhören zu müssen, um zum Make-up zu müssen oder in einen grünen Anzug zu schlüpfen. Außerdem erlaubte es mir, einfach alles zu geben und mich voll und ganz an die Ideen von Ang zu halten: einfach nur vom emotionalen und physischen Ausdruck zum Monster zu werden."

Jennifer Connelly bekam die Rolle der Betty Ross, Kollegin, Freundin und ehemalige Liebe von Bruce Banner, die zur einzigen menschlichen Verbindung zwischen Banner und dem Hulk wird. Wie der ursprüngliche Marvel-Hulk hat sich auch Betty Ross im Laufe der Comicserie verändert, aber ihre tiefe Liebe und Sympathie blieb während der ganzen Zeit, und erfüllt so auch den Charakter in Lees Film.

Am Anfang der Produktion von Hulk gewann Jennifer Connelly den Oscar als Beste Darstellerin für ihre Darstellung von Alicia Nash in "A Beautiful Mind", aber es war ein anderer Film, mit dem sie Ang Lees Aufmerksamkeit erregt hatte.

"Ich habe Jennifer im Laufe der Jahre in vielen Filmen gesehen", erinnert sich der Regisseur, "aber ihre Darstellung in "Requiem for a Dream" hat mich sehr tief berührt, sowohl durch ihre Tragik als auch durch ihre Intelligenz. Sie ragte heraus als perfekte Wahl für Betty."

Schamus fügt hinzu, dass "Requiem for a Dream" - ein verstörender Film über den Verlust des Selbst an Süchte - Connellys Furchtlosigkeit bewiesen hat, auch heimtückische Gefühle zu spielen, wie sie wichtig für die Rolle der Betty waren. Genauso entscheidend waren, so bemerkt er, ihre scharfe Auffassungsgabe und ihre Intelligenz.

"Ang wollte Betty nicht als die "Mädchenrolle" besetzen. Der erste Schritt war, jemanden zu finden, der glaubwürdig eine Frau spielen kann, die so klug - vielleicht noch klüger - ist wie Banner und die selbst eine autarke Wissenschaftlerin ist. Intelligenz war die erste Anforderung für die Rolle. Darüber braucht man sich bei Jennifer keine Sorgen machen, denn sie war in Yale und Stanford", so Schamus.

Jennifer Connelly erinnert sich: "Als ich davon hörte, dass Ang bei diesem Projekt die Regie führt, hat es mich sofort fasziniert. Ich dachte, ?Wow, was für eine interessante Kombination.' Als Kind der 70er, konnte ich mich noch an die Fernsehserie erinnern. Und dann, als ich mit Ang sprach, sagte er mir, er wolle daraus ein psychologisches Drama machen, die Beziehungen innerhalb der Familien ausloten - zwischen Bruce und seinem Vater und zwischen Betty Ross und ihrem Vater.

Ich fand diesen Gegensatz unheimlich interessant. Auf der einen Seite diese menschlichen Charaktere, die versuchen ihre Beziehungen untereinander zu klären und auf der anderen Seite diese unvorstellbaren ?dieser-Typ-wird-grün-und-groß'-Comic-Elemente."

Wenn man die Intelligenz und Stärke des Charakters von Betty Ross mal beiseite nimmt, war für Jennifer Connelly der Schlüssel zur Rolle, "dass man spürt, dass es eine sehr verletzliche Seite in ihr gibt. Etwas fehlt, etwas wirkt zerbrochen in ihrer Beziehung zu Bruce. Sie hatten mal eine romantische Beziehung, die nicht funktioniert hat, aber sie sind immer noch Kollegen. Und Betty liebt Bruce immer noch sehr."

Es ist diese Liebe, die es noch komplizierter macht, als die Auswirkungen von Banners heldenhafter Entscheidung, sich selbst der Gammastrahlung auszusetzen, deutlich werden. Betty bemerkt sehr wohl, dass ihr Partner mit seinen dunklen Emotionen kämpft, und sie ist die erste, die die Verbindung zieht zwischen Banners Wutanfällen bei einigen Gelegenheiten, der Kombination aus Nanomeds (submolekulare Maschinen) und Gammastrahlen, der er ausgesetzt war, und der daraus resultierenden Verwandlung zum Hulk.

"Schon vor dem Unfall erkennt Betty, welche Auswirkungen Wut oder besser die Unterdrückung von Wut auf Bruce hat", erklärt Jennifer Connelly. "Und sie ist die erste, die nach dem Unfall die Teile des Puzzles richtig zusammenfügt.

Im Hulk erkennt sie Bruce und flüchtet eben nicht. Während andere mit einer Eskalation von Gewalt reagieren, steht sie einfach nur vor ihm und schaut ihn an, als wolle sie sagen: ?Ich bin hier, ich verstehe dich. Ich liebe dich und ich kann dich erkennen ... und es wird alles gut werden." Im Spiel mit Connelly hatte Bana eine fast spiegelbildliche Erfahrung bei der Begegnung zwischen dem Hulk und Betty.

"Ich wusste, dass wir mit Jennifer immer ins Herz der Szene kommen würden", fügt Bana hinzu. "Ich wusste von Anfang an, dass ich an der Seite einer unglaublich talentierten Schauspielerin spielen würde. Mehr kann man nicht verlangen."

Ein Wesen in grün Es war klar, dass die Hulk-Hälfte von Banner eine Schöpfung modernster Filmtechnologien sein würde (beispielsweise CGI), aber der junge Schauspieler, der seine andere Hälfte spielt, sollte der Ausgangspunkt für die Kreatur sein.

Banners Eigenheiten mußsten in der Kreatur erkennbar sein - wenn auch vielleicht nur für Betty Ross - und Bana mußste in den Szenen, in denen sich Banner auf dem Weg zum ?Hulksein' befindet, gewisse körperliche Anzeichen darstellen. Den Grundstock dafür legte der Stuntkoordinator Charlie Croughwell in einigen Sessions während der Vorproduktion. Diese Trainingseinheiten für Bana sollten ihn nicht nur körperlich, sondern auch mental und emotional vorbereiten.

Croughwell nannte die Stunden mit Bana "Hulk-Schule" und der Schauspieler kam so oft er konnte in die Schule, selbst als die Dreharbeiten schon angefangen hatten. Weil der Regisseur wollte, dass der Hulk sowohl agil als auch stark ist, wurde eine Reihe von Trainingstechniken angewandt, um die Kraft des Schauspielers auszubauen und gleichzeitig seine Bewegungsabläufe eleganter, fast tänzerisch zu machen. Das Ziel war, den Bewegungen des Monsters einen physischen Ursprung in Banner zu geben.

"Ich habe noch nie bei einem Film mit CGI gearbeitet. Schon gar nicht mit den Besten ihres Faches wie ILM und Dennis Muren und seinem Team", erklärt Bana. "Es war, als würde ich bei zwei verschiedenen Filmen gleichzeitig arbeiten, was die Arbeit ebenso interessant wie aufregend machte. So drehten wir beispielsweise einige Tage lang eine sehr intensive Szene und ich habe das Gefühl, als wäre ich in einem intimen Drama gelandet.

Und dann nach ein paar freien Tagen bin ich zurück an den Set gekommen und war völlig baff: ?Wow, was ist denn hier passiert? Was ist mit dem düsteren, dunklen Drama, an dem ich gearbeitet habe?' Auf einmal wurden die Wände eingeschlagen und die Sets zerstört. Es war faszinierend."

Banas Darstellung wurde zur Vorlage für die Gefühle und Reaktionen des Hulk, aber letztendlich war es Bana dann doch natürlich nicht möglich, sich den gigantischen Bewegungsabläufen und der kolossalen Zerstörungskraft des Hulk anzunähern.

"Obwohl der Hulk ein paar menschliche Züge hat, kann er sich nicht wie eine Person bewegen. Zum einen ist dafür zu enorm und zum anderen ist er ganz einfach ein Monster", so der neunmal mit dem Oscar ausgezeichnete Visual Effects Supervisor Dennis Muren von ILM. "Diesen Charakter im Computer zu erschaffen, war angemessener und der Vorlage sehr viel näher."

So war es also von vornherein klar, dass der buchstäblich größte Star des Filmes trotz seiner vielen Szenen mit allen anderen Darstellern niemals am Set auftauchen würde. Also mußsten sich das Produktionsteam und die Zauberer von ILM Alternativen einfallen lassen, wie sie das Geschöpf an den Drehort bringen.

Also mußsten Doubles für den Hulk herhalten. Das einfachste war eine grobe Zeichnung des Hulk-Kopfes, die an einer Teleskopstange angebracht war und auf den Namen "Elvis" getauft wurde. Darüber hinaus fertigte ILM eine Reihe anderer Gegenstände und Instrumente, die Auskunft geben sollten, wie die Kreatur im Bild zu sehen sein würde und wie das Licht vom enormen Umriss der Kreatur reflektiert oder geschluckt werden würde.

Diese Objekte nannte man die "Referenz-Parade", zu der eine große grüne Hulk-Büste gehörte, eine Kugel mit einer matten und einer glänzenden Oberfläche und großes, ovales smaragdgrünes Stück Hulk-?Haut'.

Fantastische Wissenschaft Der wissenschaftliche Berater Underkoffler half Lee, den Schauspielern und der Crew bei den Launen der Wissenschaft, die zu der Entstehung eines Hulks führen könnten, und dabei lernte Lee die winzigen Teile kennen, die so ein enormes Monster schaffen würden. Underkoffler kümmerte sich vornehmlich darum, dass die Story ihre Wurzeln in akkurater Wissenschaft hat und der wissenschaftliche Jargon zumindest realistisch wirkt.

"Zunächst sollte ich eine Erklärung für die Forschungen der Wissenschaftler im Film finden, die schließlich zu dem Unfall führen, aus dem der Hulk entsteht", erklärt Underkoffler. "Ang Lee wollte außerdem, dass alle Techniken und Gesten so realistisch wie möglich sind, vom Anfassen eines Becherglases bis zu theoretischeren Überlegungen. Das Publikum ist bei solchen Dingen zunehmend empfindlich. Denn obwohl den meisten Menschen diese Welt zwar fremd ist, erkennen sie doch, ob der Rhythmus stimmt oder nicht."

Die Kunst kopiert das Leben, doch manchmal ist es auch umgekehrt. Die Covergeschichte der Time vom 17. Februar 2003 lautete "Secret of Life: Cracking the DNA Code Has Changed How We Live" und enthielt Kommentare und Vermutungen führender Wissenschaftler zur Genforschung.

Darin stellte Nancy Gibbs beispielsweise fest, "dass die Gentherapie es Ärzten erlaubt, ein nützliches Gen in den Körper zu bringen, das wie eine Rettungseinheit wirken kann..." und Schäden auf subzellularem Level beheben kann - kurzum ist das der tatsächliche Hintergrund für die Forschungen von Bruce Banner und seinen Kollegen.

Gibbs führt weiter aus: "Die anhaltende Debatte darum, ob Natur oder Erziehung das Wesen eines Menschen maßgeblich bestimmt, würde sich völlig verändern, wenn Wissenschaftler Gene fänden, die einen Menschen schüchtern, rücksichtslos oder traurig machen."

Die Entschlüsselung des genetischen Codes könnte tatsächlich das Leben, wie wir es kennen, verändern und wenn auch nicht unbedingt einem Hulk, doch zumindest der Reparatur von Genen den Weg bahnen. Dieses Thema wird in den wissenschaftlichen und ethischen Gemeinden der Welt heftig diskutiert.

Ein weiterer Aspekt des hulkschen Comicvermächtnis - die Gammastrahlung - machte ebenfalls kürzlich Schlagzeilen in der New York Times vom 29. April 2003. Der Artikel erklärte die Verwendung eines so genannten "Gamma-Messers", das einen chirurgischen Eingriff ohne Skalpell erlaubt und Hirntumore mit "hunderten hochenergetischen Strahlen in einer einzigen Sitzung" zerschießt.

Chirurgische Eingriffe durch Bestrahlung wurden 1987 eingeführt und haben in letzter Zeit stark zugenommen, so "dass sie 1999 knappe zehn Prozent der Gehirnoperationen ausmachten."

In einer Welt, in der die Kluft zwischen Science-Fiction und medizinischen Fakten immer kleiner wird, vermittelte Underkoffler praktische Fakten und gab den Schauspielern einen wissenschaftlichen Crashkurs. Er begleitete Lee und die Hauptdarsteller vor den Dreharbeiten an die Cal Tech.

Darüber hinaus traf er sich mit Schauspielern und arbeitete mit ihnen am Hintergrund ihrer Charaktere. So wurden Ausbildungen, Laufbahnen und wissenschaftliche Disziplinen abgesteckt. Und in Cal Tech bekamen die Schauspieler praktische Unterweisungen, wie man Laborequipment anwendet und sie konnten Wissenschaftler bei ihrer Arbeit beobachten.

Natürlich hat auch die ursprüngliche Hulk-Genesis eine spezifische wissenschaftliche Erklärung in der Gammastrahlung, die Bruce Banner in den Hulk verwandelt. Trotzdem wollte Regisseur Ang Lee etwas, das über die Gedanken und Vorstellungen von Gamma-Strahlung und ihren Folgen aus den 50er Jahren hinausgeht.

"Wie im Comicoriginal gibt es einen Unfall", erläutert James Schamus. "Selbstlos versucht Bruce jemanden zu retten, und wird von einer Dosis Gammastrahlen erwischt, die für einen Menschen mit normaler genetischer Disposition tödlich wäre. Der Unfall löst als Folge der Mutationsselbstversuche seines Vaters und seiner dementsprechenden genetischen Prägung einen speziellen Vorgang auf Zellebene aus.

Bruce Banners mutierte DNS widersteht der Gammastrahlung und wird von ihr sogar zu einem besonderen Leben erweckt. Wenn er in Wut gerät, treten seine Jahre voller unterdrückter Emotionen aufs Gaspedal und schicken seine aufgepeppte DNS in den Hochleistungsmodus. Der Hulk erwacht."

Die Filmmacher mußsten keinen wissenschaftlichen Katalysator erfinden, der die Verwandlung von Bruce auslöst. Studien, Artikel und Bücher wurden über die unglaublichen Auswirkungen verfasst, die eine einfache Dosis Adrenalin im Blutkreislauf von Menschen und Tieren hat.

Beispielsweise gab es 1993 einen Artikel in dem Wissenschaftsmagazin IPC, der die Entdeckung des molekularen Schlüssels für die natürliche "Kampf oder Flucht"-Reaktion durch amerikanische Wissenschaftler bekannt gab, die die Verbindung zwischen der Freisetzung der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin in den Blutkreislauf und die darauf folgende Beschleunigung oder Verlangsamung des Herzschlages herstellte, die es Lebewesen erlaubt, zu bleiben und zu kämpfen oder wegzurennen und sich zu verstecken.

Sobald diese Hormone freigesetzt werden, lösen adrenerge Rezeptoren eine Kettenreaktion aus, die die Arterien entweder verengt oder weitet und den Herzschlag verlangsamt oder beschleunigt. Diese plötzlichen Reaktionen können einem gefährdeten Wesen für kurze Zeit so etwas wie "Superkräfte" verleihen und dementsprechend zu einer kurzen "Hulk-Episode" führen (z. B. die 60 Kilo schwere Mutter aus Florida, die ein 1,5 Tonnen schweres Fahrzeug anhob, das ihr Kind eingeklemmt hatte, oder der kalifornische Siebtklässler, der seinen 90 Kilo schweren bewusstlosen Vater aus einer 50 Meter tiefen Schlucht hochzog, ihn in einen Truck lud und dann 15 Meilen fuhr, um ihn in Sicherheit zu bringen).

Schuld an Banners Verwandlung ist die kuppelartige Gammasphäre. Zwar ist die Funktion der Gammasphäre im Film fiktiv, aber das Gerät ist dennoch inspiriert von dem einzigartigen echten Vorbild, das in der University of California in Berkeley steht.

"Unsere Gammasphäre war rein äußerlich ein fast exaktes Duplikat der echten im Lawrencre Berkeley Labor, auch wenn sie sehr viel weniger wog", so Underkoffler. "Als Ang und Rick Heinrichs Berkeley besuchten, sahen sie das fantastische Objekt, das für empfindliche Experimente geschaffen wurde, die sich mit nuklearen Wechselwirkungen und Zerfall beschäftigen, und das die Gammaspuren dieser Reaktionen aufzeichnet.

Es ist ein wirklich bemerkenswert schönes Objekt. Ein echter Kinostar mit seinen lebendigen Farben und den Metallverankerungen. Es schien, als wäre die Gammasphäre extra für uns geschaffen, und so konnten wir sie dank der Leute am Lawrence Berkeley Labor in unseren Film einbauen. Unsere Sphäre sendet Gammastrahlen aus, während die echte sie auffängt. Aber davon abgesehen basiert sie auf der echten Gammasphäre in Berkeley."


Dirk Jasper FilmLexikon

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