Standing in the shadows of Motown

Hintergrund

"The formula was the musicians." Uriel Jones in Standing in the shadows of Motown

Alles begann mit Allen Slutskys preisgekröntem Buch "Standing In The Shadows of Motown: The Life And Music of Bassist James Jamerson" (1989). Slutsky, Autor vieler erfolgreicher Bücher mit Gitarren-Transkriptionen, erhielt den Auftrag, Basslines von James Jamerson zu transkribieren: "Wie fast jeder habe ich nie viel über die Musiker von Motown nachgedacht. Ich hörte mir Marvin Gaye, Diana Ross oder Stevie Wonder an.


Diese Musik wurde einfach weltberühmt, ohne dass irgend jemand sich fragte, wer sie geschaffen und gespielt hat. Ich fuhr nach Detroit und traf mich mit der Witwe von Jamerson, um mit ihr über die Verwertungsrechte für die Transkriptionen zu sprechen. Sie stellte mir einige der Musiker von Motown vor und als sie mir ihre Geschichten erzählten, wurde mir klar, wieviel wichtige und erzählenswerte Information brach liegt.

Von da an begann das Projekt zu wachsen - zuerst kam das Buch und nun der Film", erinnert sich Slutsky, der u.a. selbst als Studio-Gitarrist arbeitet.

Slutsky bildete für den Film ein Team mit Paul Justman, Regisseur-Veteran für Musik-Videos und Dokumentarfilme, und Sandy Passman, der sich seit vielen Jahren zwischen der Musik- und der Filmwelt bewegte.

Es kostete sie elf Jahre, das Budget von $ 3 Millionen zusammen zu tragen. Über viele Jahre zeigte die Filmbranche überhaupt kein Interesse an diesem Projekt. Erst als "Buena Vista Social Club" 1999 erfolgreich in den Kinos startete, trat eine Veränderung ein. Die Filmbranche wurde hellhörig und aufmerksam, wie sich Paul Justman erinnert. Offensichtlich wurde klar, dass es für diese Art von Film ein Publikum gibt, sogar ein recht großes.

Als sie die Nachricht vom Tod von Robert White erreichte, der als Gitarrist der Funk Brothers Pop-Klassiker wie "My Girl" und "You Can't Hurry Love" eingespielt hatte, wurde allen klar, dass Eile geboten war.

"Ich mag es nicht so sehen, aber uns lief die Zeit davon. Nach Robert Whites Tod dachte ich, wenn wir das Geld nicht schnell zusammen bekommen, dann drehe ich diesen Film auch mit einer Mini-DV-Kamera. Ich mußste einfach etwas tun, ich wollte etwas für sie tun", erzählt Justman. Im Winter 2000 konnten Slutsky, Justman und Passman endlich mit den Dreharbeiten beginnen. Sechs Wochen lang drehten sie mit den Funk Brothers an Originalschauplätzen in Detroit.

Ein Highlight des Filmes ist die Rückkehr der Funk Brothers in die Räume von Motowns berühmtem "Hitsville U.S.A.", 2648 West Grand Boulevard. Nach über drei Jahrzehnten betreten sie ihr legendäres Studio A, das wegen der harten Konkurrenz unter den Komponisten, Arrangeuren und Musikern auch als "The Snakepit" (Schlangengrube) bezeichnet wurde.

Mit einer digitalen Kamera filmt Paul Justman diesen Moment: "Etwas abseits bemerkte ich Jack Ashford und sah, wie sehr ihn diese Szenerie berührte. Er stand im Flur und es wirkte so, als wolle er gar nicht richtig in das Studio schauen."

Ashford, dessen Tamburin und Vibraphon Songs wie "Where Did Our Love Go", "War" und "What's Going On" den besonderen Touch des Motown-Sounds gaben, erinnert sich: "Nach all den Jahren mit den anderen Jungs dort wieder hinein zu gehen, hatte etwas Gespenstisches. Ich konnte es spüren, ich roch es, alles kehrte zurück und war wieder präsent. Ich denke, allen ging es so."

Uriel Jones, Schlagzeuger bei Songs wie "Papa Was A Rolling Stone" und "Ball Of Confusion" sagt: "Alles, was man vergessen hatte, kam in dem Moment zurück, als man das Studio betrat. Ich kann das nicht erklären, aber es war ein phantastisches Gefühl." Und Bassist Bob Babbitt fügt hinzu: "Es war, als trete man eine Zeitreise an, es war wie Zauberei."

1959 gründete Berry Gordy in Anlehnung an den Spitznamen von Detroit "Motor-Town" das Plattenlabel "Motown Records". Die Legende erzählt, dass er sich hierfür $700 Startkapital von seiner Familie leihen mußste.

In kürzester Zeit machte Berry Gordy aus Motown einen der erfolgreichsten Plattenkonzerne für schwarze Musik. Er schuf Hit für Hit mit extravaganten Produktionen, verblüffenden Stimmen und Pop-Appeal - mehr als 78 Top Ten Hits allein zwischen 1959 und 1969.

In der Zeit ihrer größten Erfolge waren sich die Musiker von Motown, die fast alle als Jazz- oder R&B-Musiker in den Bars und Jazzclubs von Detroit begonnen hatten, nicht wirklich bewusst, welche Reichweite ihr Tun hatte und haben würde.

"Wenn wir Radio hörten, hörten wir die Jazz-Sender. Wir hatten keine Ahnung, welchen Einfluss Motown-Songs hatten, bis wir feststellten, dass sie nur noch uns im Radio spielten", berichtet Jack Ashford und Babbitt fügt hinzu: "Ich wusste nicht, welche Bedeutung Motown hatte, bis ich Detroit verließ. Als ich an der Ostküste ankam, wurde ich von vielen Leuten angesprochen, weil sie viel über Motown wussten und noch mehr erfahren wollten."

Vor dem ersten Konzert, das die Funk Brothers gemeinsam nach so langer Bühnenabsenz im Royal Oak Music Theater gaben, machte sich leichte Nervosität unter den Musikern breit. "Nach so vielen Jahren waren wir etwas unsicher, ob das Zusammenspiel noch funktionieren würde. Aber nach einer Woche Proben waren wir selbst überrascht. Wir hatten noch immer den Motown-Sound", erinnert sich Schlagzeuger Uriel Jones.

Ihr Spiel hatte sich nicht geändert, aber dafür etwas anderes: "Früher waren Rauch- und Schnapspausen während der Proben üblich, heute machen wir Pausen, um unsere Medikamente einzunehmen."

Während einer Drehpause im Royal Oak konnte sich Allen Slutsky, der die Arrangements für die Konzertsequenzen geschrieben hatte, zum ersten Mal zurücklehnen und stellte verwundert fest, was um ihn herum passierte: "Ich war 15 Jahre mit dieser Geschichte beschäftigt und hatte mindestens ein Dutzend Jobs ausgeschlagen, wie übrigens jeder im Team", erinnert sich Slutsky, "und es gab noch immer sehr viel zu tun, aber um nicht trotz aller Arbeit die außergewöhnlichen Momente zu verpassen, lehnte ich mich für eine Minute zurück.

Um mich herum standen fünf Kameras, Lichtkräne, ungefähr 100 Leute arbeiteten, während diese grandiosen Musiker auf der Bühne standen. Und mit einem Mal wurde mir bewusst, wie weit ich gekommen war, seit ich 1986 James Jamersons Witwe aufgesucht hatte, weil ich ein Buch über ihren verstorbenen Mann schreiben wollte."

Nun standen die Funk Brothers wieder auf der Bühne und spielten ihre alten Hits, begleitet von Gastsängern wie Joan Osborne, Ben Harper, Meshell NdegeOcello, Chaka Khan, Montell Jordan, Gerald Levert und Bootsy Collins.

Seit der Film auf Festivals präsentiert wurde und in den Kinos angelaufen ist, touren die Funk Brothers durch die Welt, spielten in den USA in ausverkauften Häusern. Im Sommer touren sie auch in Europa und kommen im Herbst noch einmal wieder, um in der Londoner Royal Albert Hall aufzutreten.

dass 30 Motown-Songs in Standing in the shadows of Motown integriert werden konnten, verdanken die Filmemacher einer persönlichen Intervention von Berry Gordy.

Im Regelfall werden maximal zwei bis drei Motown-Songs für ein Projekt lizensiert. In diesem Falle aber brachte Gordy den gesamten Motown-Katalog und sagte zu den Filmemachern: "Take what you need."

Die Entdeckung der Geschichte der Funk Brothers und dafür zu arbeiten, dass sie nach all den Jahren endlich die verdiente Anerkennung erfahren, war Slutsky, Passman und Justman eine eindrucksvolle Erfahrung.

"Ich bin unglaublich stolz auf diesen Film", sagt Passman, "diese Musik ist so reich und bedeutet mir, wie Millionen anderen Menschen, sehr viel. Die 60er Jahre waren eine turbulente Zeit, unser Land im radikalen Auf- und Umbruch. Den Menschen, die in dieser Zeit groß geworden sind, sprach diese Musik aus der Seele. Auch für den Fall, dass ich keinen anderen Film mehr machen werde, mein Name wird auf immer mit diesem verbunden bleiben. Ich bin glücklich, all diese Jahre dafür gearbeitet zu haben."

Auf die Bedeutung von Motown Records hinweisend, fügt Justman hinzu: "Für mich ist es ein wichtiger Teil amerikanischer Geschichte. Schalte Dein Radio ein und Du hörst Motown. Betrete einen Flughafen oder ein Einkaufszentrum und Du hörst Motown.

Motown ist überall. Aber niemand denkt an die Jungs, die die Musik machten. Es sind die besonderen Umstände, die ihre Musik weltweit berühmt machte, aber sie selbst nicht. Meines Wissens ist dies einmalig."

Irgendwo auf der Welt hören just in diesem Moment Menschen die Funk Brothers.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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