Standing in the shadows of Motown

Ausführlicher Inhalt

"Music has been one of the main vehicles of Free Expression of the Negro during his long struggle for human dignity. We are proud to be part of this movement." Hitsville, U.S.A., Werbeslogan, 1963

1983 feierte die Plattenfirma Motown Records ihr 25-jähriges Bestehen. Der legendäre Bassist James Jamerson kaufte sich eine Eintrittskarte, um an einer Live-Übertragung der Jubiläumsgala teilzunehmen. Niemand hatte ihn eingeladen. Niemand hatte sich an ihn erinnert. Zwei Monate später starb James Jamerson.

Ihre Musik ist weltbekannt, aber ihre Namen kennen die wenigsten. 1959 brachte Berry Gordy Detroits beste Jazz- und Bluesmusiker zusammen, um Songs für seine neue Plattenfirma Motown Records aufzunehmen. In den kommenden 14 Jahren bildeten diese Musiker den Backbeat für "My Girl", "Bernadette", "I Was Made To Love Her" und jeden anderen Hit der Motown-Ära in Detroit.

Diana Ross and the Supremes, The Temptations, Marvin Gaye, The Four Tops, Stevie Wonder, Smokey Robinson and the Miracles - um nur einige zu nennen - sie alle spielten ihre Hits bei Motown ein - und sie alle spielten sie zusammen mit der immer selben Gruppe von Studiomusikern ein.

Der bald unverwechselbare "Motown-Sound" wurde Sinnbild und Ausdruck einer ganzen Generation. Die Songs begleiteten die Bürgerrechtsbewegung, den Protest gegen den Vietnamkrieg und die sozialen Unruhen der damaligen Zeit.

Am Ende ihrer phänomenalen Serie hatte diese Gruppe unbekannte Musiker mehr N° 1 Hits herausgebracht als Elvis, die Rolling Stones, die Beach Boys und die Beatles zusammen. Es machte sie zur größten "Hit-Fabrik" in der Geschichte der Popmusik. Sie gaben sich den Namen The Funk Brothers.

41 Jahre nach ihrer ersten Aufnahme für Motown und drei Jahrzehnte nach ihrer Trennung kamen die noch lebenden Funk Brothers, Eddie Willis, Joe Messina, Johnny Griffith, Joe Hunter, Bob Babbitt, Jack Ashford und Uriel Jones in Detroit zusammen, um ihre Musik zu spielen und ihre Geschichte zu erzählen.

Der Regisseur Paul Justman hat dieses Zusammentreffen gemeinsam mit Sandy Passman und Allen Slutsky in Standing in the shadows of Motown dokumentiert.

Basierend auf dem gleichnamigen Buch von Allen Slutsky kombiniert Standing in the shadows of Motown exklusives Interviewmaterial, Archivfotos, nachgestellte Szenen, Erinnerungen und mitreißende Konzertaufnahmen der wiedervereinigten Funk Brothers.

Im Royal Oak Music Theater in Detroit performen herausragende zeitgenössische Sänger wie Ben Harper, Joan Osborne, Meshell NdegeOcello, Gerald Levert, Bootsy Collins und Chaka Khan gemeinsam mit den Funk Brothers und lassen einige der größten Hits noch einmal lebendig werden.

Standing in the shadows of Motown wurde an den Originalschauplätzen in Detroit gedreht. Der Film begleitet die Funk Brothers bei der Rückkehr an die Stätte ihrer Glanzzeit: das legendär gewordene Studio A, auch bekannt als "Hitsville U.S.A."

Von den Insidern einfach nur "Schlangengrube" genannt, entstanden hier "Heat Wave", "Ain't Too Proud To Beg", "My Guy", "Dancing In The Streets", "Tears Of A Clown", "Stop In The Name Of Love" und Hunderte von anderen Hits.

Nach einem harten Studiotag, der bis zu 14 Stunden dauern konnte, tauchten die Funk Brothers meist direkt in Detroits Club-Szene ein, wo sie dann bis zum Morgengrauen gemeinsam ?jammten'. Die Ideen, die hier entstanden, brachten sie am nächsten Tag dann mit ins Studio - und nicht selten entstand ein weiterer N° 1 Hit.

Das Ende kam für die Funk Brothers überraschend und völlig unerwartet. Nur durch ein Schild an der Tür "Heute gibt's hier nichts zu tun" wurden die Musiker davon unterrichtet, dass Motown Records nach Los Angeles umzieht. Zwar versuchten noch einige der Funk Brothers ihr Glück in L.A., doch die Zeiten von "Hitsville U.S.A." waren unwiederbringlich vorbei.

Die Geschichte der Funk Brothers ist eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht und trotzdem in Vergessenheit geriet. Den Gitarristen Eddie Willis, Joe Messina und Robert White, den Keyboardern und Pianisten Johnny Griffith, Joe Hunter und Earl Van Dyke, den Bassisten James Jamerson und Bob Babbitt, den Percussionisten Jack Ashford und Eddie "Bongo" Brown und den Schlagzeugern Uriel Jones, Richard "Pistol" Allen und Benny "Papa Zita" Benjamin, die sich selbst die Funk Brothers nannten, blieb die verdiente Anerkennung ihrer einzigartigen Leistung bislang verwehrt.

Standing in the shadows of Motown führt die Funk Brothers nun endlich dahin, wo sie hingehören - ins Rampenlicht.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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