Sinbad - Der Herr der sieben Meere

Produktionsnotizen

Hoch die Segel Generationen verbinden mit dem Namen Sinbad Bilder von großen Abenteuern auf hoher See. Die vor über 1000 Jahren aus "1001 Nacht" hervorgegangene Gestalt des Sinbad fand schon sehr früh den Weg auf die große Leinwand.

Am nachhaltigsten sind dabei sicherlich die Kultklassiker von Ray Harryhausen mit ihrer Stop-Motion-Technik in Erinnerung geblieben. Sinbad wird dem Kinopublikum nun dank modernster Animationtechnik in nie zuvor dagewesener Form präsentiert.

Produzent Jeffrey Katzenberg sieht es so: "Sinbad ist einer dieser epischen Helden, die uns seit unserer Jugend begleiten. Doch die Story wurde zuvor noch nie als Animationsfilm umgesetzt, und so bot sich uns die aufregende Gelegenheit, etwas Neues mit einer zeitgemäßen Anmutung zu schaffen.

Die Geschichte von Sinbad ermöglichte es uns außerdem, eine atemberaubende Welt mit vielen phantasievollen Kreaturen zu gestalten. Darin besteht nun mal das große Vergnügen bei einem Animationsfilm: Man führt die Zuschauer an Orte, die sie noch nie zuvor gesehen haben."

Als es um das Drehbuch ging, wandten sich die Macher des Films an jemanden, der bereits reichlich Erfahrung darin besaß, Heldenepen der Vergangenheit auf die Leinwand zu bringen: John Logan, der Drehbuchautor des mit fünf Oscars ausgezeichnetem Filmwerks Gladiator (unter anderem auch in der Kategorie Bester Film).

"Nach dem phänomenalen Erfolg von Gladiator waren wir der Ansicht, dass es keinen Besseren für die Adaption der Sinbad-Erzählung gibt", meint Katzenberg, "John machte sich daran, aus dieser üppigen Mythologie zu schöpfen und dabei die Geschichte neu zu erfinden, um sie für ein Publikum des 21. Jahrhunderts passend zu machen. Meiner Ansicht nach ist ihm das absolut gelungen."

John Logan, der noch nie an einem Animationsfilm gearbeitet hatte, erinnert sich, dass er von den Möglichkeiten der Story beeindruckt war. Gleichzeitig gibt er zu: "Ich hatte keine Vorstellung davon, was auf mich zukommen würde. Jeffrey Katzenberg fragte mich, ob ich das Buch für einen Animationsfilm schreiben wollte.

Ich sagte: ?Nun, ich kenne mich in diesem Bereich nicht wirklich aus.' Er versicherte mir: ?Es ist alles ein großer Spaß. Du wirst dich dabei wohl fühlen.' Dabei wusste er genau, dass dieser sogenannte Spaß vier Jahre meines Lebens in Anspruch nehmen würde."

Der Autor fährt fort: "Aber ich mußs wirklich sagen, dass es tatsächlich Spaß gemacht hat. Ich bin mit den alten Sinbad-Filmen groß geworden, in denen Ray Harryhausen die Monster animiert hat und mochte seit jeher Piratenfilme mit ihren turbulenten Actionszenen.

Aber welcher Junge ist da anders? Mich in diesem Genre austoben zu dürfen, empfand ich als sehr aufregend. Animationsfilme haben auch etwas absolut Befreiendes. Sie erlauben es dem Drehbuchautor, sich in phantasievollen Welten zu bewegen.

Wenn ich in einem Realfilm 10.000 Soldaten einen Hügel erklimmen lasse, überlege ich stets, dass diese 10.000 erst einmal gecastet, in Kostüme gesteckt und auch noch erschossen werden müssen. Außerdem mußs man sich auf die Suche nach einem Hügel begeben.

Für einen Animationsfilm hingegen schreibe ich eine Szene, in der ein 30 Meter großes Monster aus den Wellen emporsteigt und über ein Schiff springt, weil ich genau weiß, dass das machbar ist."

Logan empfand auch die für einen Animationsfilm üblich ausgedehnte Teamarbeit als angenehm und merkt an: "Ich habe es genossen, mit talentierten Menschen zusammenzuarbeiten, zu denen die Produzenten, Regisseure, Zeichner sowie die ausgezeichneten Sprecher und all die anderen Künstler gehörten. Der Raum war voller Elektrizität und es entstanden wunderbare Dinge, als wir uns alle aus verschiedenen Richtungen dem Material näherten."

Dazu Produzentin Mireille Soria: "Wir nahmen die Sinbad-Erzählung als Ausgangspunkt und fügten verschiedene Elemente aus der Mythologie hinzu, die unserer Ansicht nach gut zu der Story passten. Es wird sowohl Action als auch Romantik geboten, doch der Kern der Geschichte ist der griechischen Sage von Damon und Pythius entnommen, in der die Freundschaft so weit geht, dass einer für den anderen sein Leben opfern würde."

Regisseur Patrick Gilmore erklärt: "Wir haben uns die verschiedensten Geschichten aus der Mythologie herangezogen und daraus die besten Abenteuer und die tollsten Monster für unseren Helden ausgesucht. Der rote Faden der ganzen Geschichte ist jedoch eine Freundschaft, die auf die Probe gestellt wird.

In unserer Geschichte trifft Sinbad nach zehn Jahren der Entfremdung seinen alten Freund Proteus wieder. Proteus riskiert sein eigenes Leben, als Sinbad in Schwierigkeiten steckt. Wie aber wird sich Sinbad verhalten? Ein Dieb, der sich gewöhnlich die Freiheit nimmt, nur das zu tun, was er will. Wird er sich aus dem Staub machen, oder wird auch er sein Leben für seinen Freund riskieren?"

Die Besetzung In der englischen Originalfassung spricht Brad Pitt den Titelhelden Sinbad.

"Ich bevorzuge es, ihn Sin-Brad zu nennen", scherzt der Schauspieler und beschreibt seine Figur folgendermaßen: "Er ist ein kleiner Schurke. Sein Leben besteht aus Abenteuern auf hoher See. Er findet einen kleinen Schatz, kämpft gegen ein paar Monster und jagt den Frauen nach."

Regisseur Tim Johnson stellt fest: "dass wir Brad Pitt für diese Rolle gewinnen konnten, war ein großer Wurf für uns. Brad macht gern Scherze, besitzt Charisma und ist immer auf Zack. Als er seiner Figur Leben einhauchte, hatten wir alle einen Riesenspaß."

"Die Rolle des Sinbad passt zu ihm wie die Faust aufs Auge", fügt Gilmore hinzu, "Brad ist charmant und geistreich. In seiner Gesellschaft fühlt man sich einfach wohl. Er ist genau der Typ, mit dem man gern auf eine Reise gehen würde, und genau das haben wir in Sinbad getan.

Sinbad ist klug, einfallsreich und hat einen gut gebauten Körper. Er kann sich aus allen Schwierigkeiten befreien, doch gleichzeitig hat er damit zu kämpfen, endlich erwachsen zu werden. Genau das hat Brad gut rübergebracht."

Jakob Hjort Jensen, Chef-Zeichner der Sinbad-Figur, ergänzt, dass Pitt weit mehr als eine Sprachleistung erbracht hat: "Brad hat diese besondere Körpersprache, er kommuniziert außerdem viel über seine Hände.

Es hat Spaß gemacht, ihn beim Sprechen seiner Texte zu beobachten und dabei seine Handbewegungen zu studieren. Ich habe kleine Zeichnungen gemacht, um mich vier oder fünf Monate später beim Animieren bestimmter Szenen an seine Gestik erinnern zu können."

Pitt war selbst überrascht, dass er bei seinem ersten Ausflug in die Welt des Animationsfilm den Sprachaufnahmen für seine Figur eine derartige physische Präsenz verleihen konnte: "Ich habe mich wirklich in die Figur hineinversetzt, ging am Ende meiner Arbeit nach Hause und war irgendwie traurig.

Ich hätte den ganzen Ruhm gern allein eingestrichen, aber ich mußs zugeben, dass eine Menge von dem, was die Figur ausmacht, von Jakob und den anderen Zeichnern geleistet wurde. Ihre Fähigkeit, diesen Reichtum an Details in einen Gesichtsausdruck zu legen und Bewegungen derart dynamisch erscheinen zu lassen, hat mich einfach umgehauen. Was sich heute in einem Animationsfilm verwirklichen lässt, ist bemerkenswert."

"Zeichner sind eine seltene und talentierte Spezies", meint Johnson, "wenn ein Zeichner einen Schauspieler beobachtet, achtet er nicht nur auf dessen Stimme. Er hält Ausschau nach Schlüsselgesten, mit denen der Schauspieler seine Worte unterstreicht. Diese nimmt er sich heraus und überhöht sie.

Es ist ein minutiös ausgeführter, fast magischer Prozess. Jakob konnte den ?Bradismus', eben das, was Brad ausmacht und ihn unverwechselbar macht, in die Figur einbauen. Auch wenn Sinbad nicht aussieht wie Brad Pitt, bewegt er sich oft genauso wie er."

Sinbad hat mit seiner Mannschaft die sieben Weltmeere umsegelt und geplündert, was ihm zwischen seine Finger kam. Nun aber streckt er seine Hand nach dem mächtigsten und kostbarsten Schatz aus. Er hat es auf das Buch des Friedens abgesehen.

Unglücklicherweise hat noch jemand ein Auge auf diese Trophäe geworfen, nämlich Eris, die durchtriebene und böse Göttin des Chaos. Ihre größte Freude besteht darin, die Welt in Schutt und Asche zu legen.

Dazu John Logan: "Jeder Autor, der seine Sache halbwegs versteht, wird mit mir übereinstimmen, dass man den größten Spaß beim Schreiben mit dem Schurken hat. In diesem Fall war es ohne Zweifel Eris, denn bei einer Göttin oder einem Superschurken kann man gar nicht dick genug auftragen. Wenn Göttin und Schurke dann auch noch eine Figur ergeben, hört der Spaß gar nicht mehr auf."

Diesen Spaß wollte sich auch Michelle Pfeiffer nicht entgehen lassen, die Eris in der englischen Sprachfassung spricht: "Man brauchte mir nur zu sagen, dass es sich um die Göttin des Chaos handelt, und ich sagte sofort zu", lacht die Schauspielerin.

Und führt fort: "Ich habe nicht versucht, eine Schurkenfigur zu entwickeln, sondern wollte damit spielen. Eris genießt es, Unheil zu stiften, um ihr Leben etwas interessanter und amüsanter zu gestalten, so als wäre es ihre eigene Reality-TV-Show. Wenn alles friedlich abläuft, ist sie schrecklich gelangweilt. Für sie fängt die ganze Sache wie ein Spiel an, über dessen Ausgang sie ziemlich sicher ist. Denn sie hält Menschen für schwach. Sie spielt nur mit Sinbad, wie eine Katze, die eine Maus herumwirbelt."

Gilmore nimmt dieses Stichwort auf und stellt einen Bezug zu einer der unvergesslichsten Rollen der Schauspielerin her: "Eris ist wie Catwoman mit einem Gott-Komplex. Sie bietet eine Kombination aus Verführung, Magie, Spaß und Spielerei, und Michelle hat das alles wunderbar miteinander verknüpft."

Katzenberg, der mit Michelle Pfeiffer bereits bei Der Prinz von Ägypten, dem ersten traditionellen Zeichentrickfilm von DreamWorks, zusammenarbeitete, erklärt: "Ich glaube nicht, dass es auf dieser Welt eine Schauspielerin gibt, die all diese ungewöhnlichen Charaktereigenschaften besser unter einen Hut kriegt.

Außerdem glaube ich, dass die Figur eine besondere Herausforderung darstellte, weil Eris nicht an einem physischen Körper gebunden ist, an dem sich Michelle hätte orientieren können. Die allmähliche Entwicklung der Figur wurde zu einem kollektiven Arbeitsprozess. Michelle kam nicht nur einfach vorbei und sprach ihre Zeilen, sondern hat zur Entwicklung der Figur wirklich viel beigetragen."

Gilmore enthüllt: "In einem sehr frühen Stadium haben wir darüber diskutiert, dass Eris das Produkt ihrer eigenen Gedanken wird. Das heißt, sie denkt an etwas und verwandelt sich prompt in dieses Etwas, oder sie denkt an einen Ort und ist sofort dort. Sie kann sich verwandeln, und sie schlüpft in andere Körper."

Alle Möglichkeiten der Animationskunst wurden genutzt, um die ständigen Verwandlungen von Eris zu verwirklichen. Auch wenn das mit viel Mühe verbunden war, wie Chefzeichner Dan Wagner meint: "Das Morphing hat bei der Animation von Eris für den größten Spaß gesorgt. Es war Animation in Reinform. Ich hatte beim Morphing keine Vorgaben und war keinen Einschränkungen unterworfen."

Wagners Vorgehensweise kam der Animation zweier verschiedener Figuren gleich, da er die langen wallenden Haare von Eris wie eine eigenständige Einheit behandelte. "Die Haare waren wie eine zweite Figur", so Wagner, "zuerst animierte ich Eris ohne Haare, und als das ziemlich gut gelungen war, habe ich die Haare einfach oben draufgesetzt.

Ich wollte den Haaren eine Art von Unterwasserstil verleihen. Auch wenn ihr Körper herumspringt, sollten sich ihre Haare ganz anders verhalten. Es ist ein weiteres Charakteristikum der Figur, das jedoch im Hintergrund bleibt. Denn in erster Linie mußs die Aufmerksamkeit auf ihr Gesicht gelenkt werden."

Als sich Sinbad aus persönlichen Gründen dagegen entscheidet, das Buch des Friedens zu stehlen, nimmt Eris die Dinge selbst in die Hand. Frieden kann sie am wenigsten ausstehen, daher stiehlt sie das Buch selbst und schiebt Sinbad die Schuld für diese Tat in die Schuhe.

Sinbad beteuert seine Unschuld, aber er stößt auf taube Ohren und wird zum Tode verurteilt. Zur allgemeinen Bestürzung setzt sich jedoch Prinz Proteus für Sinbad ein. Obwohl alles dagegen spricht, vertraut Proteus darauf, dass Sinbad sein Leben riskieren wird, um das kostbare Buch zurückzubringen und damit dem Prinzen das Leben zu retten.

"Proteus ist ein Mann mit einem hohen Verantwortungsbewusstsein", erzählt Tim Johnson, "er ist der Prinz von Syracusa und fühlt sich angesichts der größten Katastrophe in der Geschichte seiner Stadt persönlich für die Lösung des Problems verantwortlich. Er glaubt als einziger an Sinbads Unschuld und ist sich andererseits sicher, dass allein Sinbad in der Lage ist, das Buch des Friedens zurückzubringen."

Johnson fügt hinzu, dass es die fast schon überirdische Edelmütigkeit des Proteus schwierig machte, diese Rolle mit einem Sprecher zu besetzen. Doch mit Joseph Fiennes wurde die Sache rund. "Proteus ist so edel und aufrichtig, dass die Figur auch leicht hätte platt wirken können", so der Regisseur, "doch Joseph hat ausgezeichnete Arbeit geleistet.

Er hat Proteus eine Dynamik verliehen, durch die vermittelt wird, wie er mit jeder Entscheidung ringen mußs. Man erkennt, dass er sich nicht automatisch und sofort für eine noble Tat entscheidet. Er hat erkannt, dass es manchmal große Opferbereitschaft erfordert, das Richtige zu tun."

Joseph Fiennes stimmt zu, dass Proteus mit den durch seine Position auferlegten Pflichten kämpft und seine eigene Abenteuerlust dadurch gehemmt wird. "Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, dass Proteus tief in seinem Innern, wenn er nicht durch seine höfischen Pflichten gebunden wäre, gern selbst ein Pirat wäre, der Sinbad auf hoher See zur Seite steht", sinniert Fiennes, "in ihm arbeitet ein Yin und ein Yang.

Er sehnt sich danach, so zu sein wie Sinbad, denn das hatten sich die beiden schon als Kinder ausgemalt. Es verbindet sie eine lange Geschichte, und sie haben eine wunderbare Beziehung, die darauf beruht, dass sie in jungen Jahren die besten Freunde waren. Sie versuchen, sich gegenseitig zu übertrumpfen und können dabei in hitzige Streitereien geraten. Dennoch merkt man, dass zwischen ihnen großes Vertrauen und tiefe Zuneigung herrscht."

Die Berufung zum Herrscher hatte auch Einfluss darauf, wie Chefzeichner Rodolphe Guenoden die Figur des Proteus zeichnen würde. "Wir mußsten einen Unterschied zwischen Sinbad und Proteus herausarbeiten, und zwar bezüglich der Art, wie sie sich bewegen und sich ausdrücken", so Guenoden.

"Proteus hat durch seine Geburt eine gute Bildung erhalten und ist daher sehr kontrolliert und zurückhaltend. Er weiß sich zu benehmen, und ich mußste auf spontane Gesten verzichten, und stattdessen auf exakte und ausdrucksvolle Bewegungen achten. Das war die schwierigste Aufgabe, weil man als Zeichner noch immer eins draufsetzen will.

Bei Proteus war jedoch weniger mehr. Joseph Fiennes hat mir die Arbeit erleichtert, weil er ein sehr eindringlicher Schauspieler ist und über eine klassische Ausbildung verfügt, sodass die Darstellung bereits vorgegeben war. Ich mußste diesen Weg nur nachzeichnen."

Fiennes entgegnet, dass die Inspiration für seine Figur durch einen Austausch in beiden Richtungen zustande kam. "Über die Vision des Künstlers erhält man einen phantastischen Einblick in die Figur. Es war mein erster Ausflug in das Reich der Animation, und ich war von dieser Gelegenheit absolut begeistert.

Allein die Vorstellung von dieser Welt, in die ich eintauchen konnte. Welcher Schauspieler hätte sich dem verschließen können? Diese minutiöse Kunstfertigkeit war einfach überwältigend. Ich habe unendlich viel Respekt für die Leute, die über einen Zeitraum von Jahren an den Figuren gezeichnet haben. Das ist wirklich eine außergewöhnliche Leistung."

Wie sich zeigt, ist Proteus Vertrauen in Sinbad unverdient. Seine Geliebte Marina, die Botschafterin von Thracia, macht sich keine Illusionen bezüglich Sinbad, und dieser Instinkt zahlt sich letztendlich aus.

Statt Kurs auf das Domizil von Erisin Tartarus zu setzen, wendet Sinbad sein Schiff Chimera in Richtung Fidschi Inseln, um sich einen Strandurlaub ohne festgesetztes Ende zu gönnen. Er ahnt nicht, dass ein ungebetener Gast an Bord ist.

Marina hat sich als blinder Passagier an Bord geschlichen und will mit allen Mitteln verhindern, dass Sinbad seine Abmachung bricht, die auch in ihrem Interesse liegt. "Marina besitzt einen extrem starken Willen, der Sinbad gehörig zusetzt", erläutert Gilmore, "Sinbad sieht sich selbst als Herrscher über die sieben Weltmeere und ist es gewohnt, alles auf seinem Schiff unter Kontrolle zu haben.

Plötzlich wird seine Welt auf den Kopf gestellt und er sieht sich mit dieser starrköpfigen Frau konfrontiert, die sich nicht nur ohne Furcht mit ihm anlegt, sondern ihm ebenbürtig ist. Es macht einfach Spaß, wenn die Funken fliegen und sich die beiden im Clinch befinden."

Catherine Zeta-Jones, die englische Stimme der Marina, sieht es genauso: "Marina ist sehr lebhaft und eigensinnig. So gesehen, ist sie aus dem gleichen Holz geschnitzt wie Sinbad, obwohl beide aus völlig verschiedenen Welten stammen.

Das Gezanke zwischen den beiden zu spielen, war eine Wonne, weil es sich dabei nicht um die üblichen Dialoge zwischen einer Prinzessin und einem Gauner handelte. Marina ist hart im Nehmen, aber sie kann auch austeilen.

Irgendwie haben sie aber auch ein sehr humorvolles Verhältnis zu einander, weil ihr Sinbad die Dinge, die sie sagt und macht, keinesfalls zutraut.

"Catherine war die erste Sprecherin, die wir für diesen Film verpflichteten. Denn ihr Auftreten hat uns von Anfang an gefallen", erklärt Johnson, "wir haben die gesamte Figur, die Dialoge und sogar das Aussehen der Marina in der Hoffnung so festgelegt, dass Catherine die Rolle übernehmen würde."

Catherine Zeta-Jones sagt, dass ihre eigene Erziehung dabei geholfen hat, sich mit der Rolle zu identifizieren: "Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der Jungs stets in der Überzahl waren. So mußste ich mir ständig anhören, was Mädchen alles nicht können oder nicht tun sollten.

Aber ich selbst war ziemlich munter und glaubte daran, dass Mädchen die Dinge ebenso gut anpacken können wie Jungs. Genau das verbindet mich mit Marina. Ich hoffe, dass nicht nur junge Mädchen, sondern Frauen aller Altersklassen genauso viel Freude an Marina haben, wie ich es hatte. Sie ist intelligent, witzig, aufrichtig und stark. Das sind Charaktereigenschaften, die ich hoffentlich auch meiner Tochter mit auf den Weg geben kann."

Catherines Nähe zu ihrer Figur kam auch William Salazar, dem Chefzeichner der Marina zugute. "Catherine trifft mit ihrer Stimme Marinas Entschlossenheit und Mut", sagt Salazar, "ihre Art, sich der Figur zu nähern, hat mich inspiriert, und ich habe einige ihrer Bewegungen und Posen verwendet, um Marinas Haltung zu verdeutlichen."

Zu Sinbads größter Bestürzung stellt Marina ihren Mut rasch unter Beweis und gewinnt die Gunst der Besatzung. Dabei verdient sie sich sogar den Respekt des Sinbad treu ergebenen ersten Maats Kale, der in der englischen Fassung von Dennis Haysbert gesprochen wird.

"Kale ist Sinbads erster Maat", erklärt Haysbert, "er sorgt dafür, dass die Mannschaft die Befehle befolgt. Bei dem geringsten Anzeichen von Meuterei, würde ein Blick von Kale ausreichen, um sie bereits im Keim zu ersticken. Aber er mußs auch andere Aufgaben erfüllen.

Kale ist ein großer Kämpfer, mit dem man beruhigt in jede Schlacht ziehen kann. Sinbad ist sein Freund, und er hält ihm den Rücken frei. Darüber hinaus ist er Sinbads Gewissen, dass den großen Abenteurer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt, wenn er wieder einmal zu weit geht."

Das kann Brad Pitt nur bestätigen: "Das Problem sieht folgendermaßen aus: Sinbad verfügt über ein ziemliches Ego, und manchmal steht ihm dieses Ego einfach im Weg. Daher hat er sich Kale an seine Seite geholt, damit der ihn wieder auf den richtigen Weg bringt."

"Ich kann gar nicht oft genug betonen, was für ein Vergnügen es war, als wir Dennis die Rolle des Kale gaben," merkt Patrick Gilmore an, "als wir mit der Arbeit an der Story anfingen, war Kale noch ein Typ, der zu allem Ja sagte. Er tat alles, was Sinbad wollte.

Dann stieß Dennis dazu und spielte den Kale wie Sinbads Gewissen, und zwar als diese kleine, leise Stimme, die Sinbad auffordert, das Richtige zu tun, seiner Freundschaft zu Proteus gerecht zu werden und auch gegenüber Marina Recht walten zu lassen.

Dennis verlieh der Figur so viel Herz, Edelmut und Selbstsicherheit, dass die Rolle des Kale schließlich ausgeweitet wurde. Es wurden ganze Szenen nur auf der Grundlage dessen geschrieben, was Dennis in den Part eingebracht hatte."

Im Laufe der Entwicklung der Figur änderten die Macher des Films und Chefzeichner Bruce Ferriz das Aussehen von Kale, um es bessser auf Haysberts Darstellungsweise abzustimmen. Gilmore erklärt: "Kale war von Anfang an ein großer, starker Kerl. Nachdem wir aber Dennis sprechen hörten, haben wir einige Änderungen an der Figur vorgenommen.

Dabei ging es in erster Linie um die Art seiner Bewegungen. Kale wirft sich nicht in einen Kampf und hüpft herum, um sich zu verteidigen. Er spaziert einfach ins Getümmel und entwaffnet seine Gegner auf sanfte und höfliche Weise. Dabei hinterlässt er eine Spur von ohnmächtig gewordenen Körpern."

Ein weiteres Besatzungsmitglied, dessen Sympathie Marina sofort erobert, ist Rat. Im Gegensatz zu Kale ist Rat ein eher kleiner, drahtiger Typ, der sich beim Klettern in der Takelage wohler fühlt als an Deck. Rat wird in der englischen Fassung von Adriano Giannini gesprochen, dem Sohn des legendären Schauspielers Giancarlo Giannini.

Tim Johnson erinnert sich: "Adriano ist die Sache mit einer ungeheuren Energie angegangen. Selbst bei seiner Arbeit vor dem Mikrofon in einem kargen Raum machte er auf mich den Eindruck, er würde sich von Mast zu Mast schwingen oder sich kopfüber hängen lassen, um sich Sinbad in den Weg zu stellen."

Doch egal, was da kommen mag, Sinbad weiß, dass er sich zumindest immer auf den besten Freund des Menschen verlassen kann, nämlich auf seinen geliebten Hund Spike. "Vielleicht aber auch nicht", räumt Johnson ein, "Spike hat bei all den Abenteuern stets an Sinbads Seite gestanden.

Als nun aber die wunderschöne Marina auftaucht, kann selbst er sich nicht erwehren, in ihr etwas Besonderes zu sehen. In gewisser Weise schiebt Spike die Freundschaft zwischen den beiden erst an."

"Spike und Marina verbindet eine wunderbare Beziehung," grinst Catherine Zeta-Jones und führt fort, "der Gedanke, mit einem Hund die Koje zu teilen, ist für sie anfangs aber noch ziemlich befremdlich.

Doch allmählich entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen ihnen. Damit gewinnt auch Spikes Rolle im Film an Bedeutung. Sozusagen übernimmt er den Film," scherzt sie, "wir Schauspieler sind da sehr skeptisch, denn es ist verdammt schwer, mit einem derart charismatischen Tier mitzuhalten.

Als ich neulich Brad Pitt traf, sagte ich zu ihm, dass ich gern mal einen Film mit ihm machen würde, in dem uns Spike nicht die Show stiehlt."

Die Macher haben sich viele Gedanken darüber gemacht, wie der Hund von Sinbad wohl aussehen müsste. Dazu Gilmore: "Anfangs war Spike ein sehr gepflegter und hübscher Akita. Dann warfen wir einen Blick auf das Design und sagten uns: ?Nein, das kann nicht Sinbads Hund sein.'

Wir fingen also wieder von vorn an und stießen auf die Beschreibung eines Bullmastiffs vom American Kennel Club. Das sind sehr große und kräftige Hunde, die sogar zum Kampf gegen Elefanten eingesetzt wurden. Wir waren uns einig: ?Okay, das ist genau die Rasse, die zu Sinbad passt.'"

Reichte bei den menschlichen Figuren jeweils ein Schauspieler als Sprecher aus, waren es nicht weniger als acht Hunde, die für Spike zum Einsatz kamen. Beide Regisseure sind sich einig, dass der ?Hundetag' der witzigste Tag im Synchronstudio war.

Johnson erinnert sich: "Es war einer der wildesten und unberechenbarsten Tage, die wir je vor einem Mikrofon verbrachten. Wir hatten für Spikes Stimme Hunde in allen Größen und Formen, weil wir Laute für die verschiedensten Situationen benötigten. Genauer betrachtet, hat Spike sogar mehr ?Dialogzeilen' als so mancher Mensch im Film.

Wir benötigten also acht Hunde, vier Stunden und etliche Schüsseln mit Wasser. Das lag aber nur daran, dass einige Aufnahmen wegen unseres eigenen Gelächters unbrauchbar waren."

"Jeder trainierte Hund kann auf Kommando bellen", weiß Gilmore, "durch Brumm- und Knurrlaute tritt aber erst der Charakter in den Vordergrund. Sie hätten miterleben müssen, mit welchen Tricks wir bestimmte Laute aus den Hunden heraus kitzelten. Wir haben ihnen Teller mit Mayonnaise vorgesetzt, um diese feuchten und sabbernden Leckgeräusche zu bekommen.

Wir haben ihnen ein Spielzeug vorgehalten und es dann wieder weggenommen, um ein frustriertes Wimmern zu erzeugen. Im Grunde genommen, saßen wir im Aufnahmeraum und haben mit den Hunden gespielt, um die vielfältigen Laute einzufangen, die für Spike nötig waren.

as war wirklich wichtig, denn zu diesem Zeitpunkt wussten wir schon, dass wir Sinbad einen ?echten' Hund zur Seite stellen müssten. Also keine Comicfigur, und kein Hund, der sprechen kann. Spike vollbringt viele außergewöhnliche Dinge im Film. Es sind jedoch Dinge, die ein trainierter Hund tatsächlich leisten könnte. Zumindest wenn er so einen Halter wie Sinbad hätte."

Kleine und große Kreaturen Nicht nur Sinbad besitzt ein Haustier, sondern auch Eris, die gleich über eine Menagerie von Kreaturen verfügt, die jedoch alles andere als zahm sind. Diese werden von der Göttin häufig ausgesandt, um das Chaos zu verbreiten, dem sie ihr Leben verschrieben hat.

Als Inspirationsquelle für die Monster der Erisdiente der Nachthimmel. Viele der dort sichtbaren Konstellationen sind aus der Mythologie entstanden. Die Macher des Films integrierten sie kurzerhand in den Mythos von Sinbad.

Johnson, ein bekennender Astronomie-Fan, merkt an: "Diese astronomischen Symbole in Form von Kreaturen zum Leben zu erwecken, damit sie von einer Göttin wie ?Haustiere' gehalten werden, war ein toller Ansatz. Wir hatten viel Spaß, ohne dabei ihre große Macht aus den Augen zu verlieren."

Gilmore verdeutlicht diesen Sachverhalt: "Das Sternbild Cetus wurde unser Seeungeheuer, Aquila inspirierte uns zu der Figur des riesigen Raubvogels Roc, und dann sind da noch Scorpius und Draco. Sie alle gehören zu Eris' kosmischem Reich des Chaos."

Das gigantische Seeungeheuer ist das erste von Eris?Haustieren', mit dem sich Sinbad herumschlagen mußs. Ähnlich groß wie seine Anstrengungen war die Leistung der CGI-Animatoren, die für die Bewegungen der computeranimierten Kreatur zu sorgen hatten.

Das Seeungeheuer verfügt über viele bewegliche Teile wie Kopf, Schwanz, Tentakel, Ohren, Beine, Zunge und vieles mehr. All diese Teile wurden unabhängig voneinander gesteuert, sodass daraus ein äußerst komplexer Vorgang wurde."

Der computeranimierte Schneevogel Roc stellte eine Herausforderung ganz anderer Art dar. Roc hat nicht nur die Größe eines Passagierflugzeugs, sondern zieht einen andauernden Schneesturm in seinem Luftstrom hinter sich her.

Dazu der 3D-Effect Supervisor Doug Ikeler: "Überall auf seiner Flugroute folgt ihm ein Schneesturm, der aber nicht einfach aus fallenden Schneeflocken bestehen konnte. Es ist Schnee, der durch den gewaltigen Luftzug seines Flügelschlags aufgewirbelt wird. Wir wollten einen Wirbel, der wie hangemalt wirken soll, was eine sehr herausfordernde Arbeit für uns alle wurde."

Auch wenn die Sirenen nicht das Aussehen von Monstern boten, gehören sie zu den gefährlichsten Gegnern, mit denen es Sinbad, Marina und die Mannschaft der Chimera zu tun haben. Dementsprechend waren sie kompliziert zu animieren.

Johnson erklärt: "Sirenen sind Frauen aus der Mythologie, die mit ihrem Gesang die Seeleute einlullen, sodass die Schiffe auf Felsen laufen und die Mannschaft ertrinkt. Wir wollten unseren Sirenen keine irdische Anmutung verleihen, sondern sie so erscheinen lassen, als wären sie vollkommen aus Wasser.

Wir haben viel an der Entwicklung dieser Wesen gearbeitet und dabei zunächst weibliche Figuren genommen, die wir dann in lebende Fontänen verwandeln. Sie gleiten wie Wellen aus dem Wasser, schweben dann in der Luft und zerfallen schließlich in Millionen von Wassertropfen, um die Männer vom Deck ihres Schiffes zu spülen."

Für die Choreografie der anmutigen Bewegungen dieser Sirenen haben die 3D-Künstler unter der Führung von Michelle Cowart die Bewegungsmuster der rhythmischen Sportgymnastik, des Balletts und des modernen Tanzes studiert.

Sie haben außerdem Unterwasseraufnahmen betrachtet, um einen Eindruck von fließenden Wesen zu bekommen, die dazu noch verführerisch wirken mußsten. Die ursprünglichen 3D-Figuren sahen aus wie nackte, silberne Plastikfrauen, bis die Effekt-Abteilung die Sache übernahm. Mit einem Partikelsystem erzeugte das Team den fließenden Umhang aus Wasser, der den Sirenen ihr flüssiges Aussehen verleiht.

Die ätherische Anmutung wurde durch das Haar der Sirenen noch verstärkt, und um das zu animieren, brauchte es die längste Zeit. Jede Sirene bekam 16 Haarsträhnen, von denen jede mindestens sieben eigenständige Steuerelemente hatte, um die Form zu ändern. Das Problem bestand darin, dass eine Strähne, auch wenn sie sich perfekt bewegte, nicht mit den anderen Strähnen harmonisierte.

Die Sirenen sahen eher wie Medusa aus. Dazu kam das Problem, dass die Animatoren nicht genau absehen konnten, wie das Endergebnis nach der Abnahme durch die Effekt-Abteilung aussehen könnte. Es entstand ein Hin und Her zwischen den Abteilungen, und oft mußste noch einmal von vorn angefangen werden, bis alles perfekt war.

Nachdem Sinbad und Marina die Sirenen abgeschüttelt haben, wollen sie auf einer kleinen, tropischen Insel eine Ruhepause einlegen. Doch das gelingt ihnen nicht, denn die Insel entpuppt sich als riesiger Fisch, neben dem selbst der größte Wal zwergenhaft wirkt.

In einer spannenden Fluchtszene nimmt der riesige Fisch die Chimera ins Schlepptau, und die Besatzung erlebt eine wilde Fahrt, auf der selbst der Mut der erfahrensten Seeleute auf die Probe gestellt wird.

Doug Ikeler beschreibt es so: "Das relativ kleine Schiff wird hinter einem mehrere hundert Meter langem Fisch hergezogen, der eine gewaltige Kielwelle erzeugt. Das Schiff ist in dieser Welle gefangen und vollführt Bewegungen wie auf einem Surfboard.

Wir mußsten riesige Spritzer und weißes Wasser rendern, wie es in einer derartigen Kielwelle zu erwarten ist. Außerdem war noch ein Wassernebel nötig, um die Dimensionen zu verdeutlichen. 50 Ebenen waren für diese Szene nötig, um all die Dinge zu erfassen, die dem Wasser ein realistisches Aussehen geben."

Trotz aller Fortschritte in der Animationstechnik, stellt Wasser nach wie vor eine große Herausforderung dar. Gemäß dem Titel Sinbad - Der Herr der sieben Meere" spielt der Film auf dem Meer, und wenn eine Geschichte nahezu vollständig auf dem Wasser spielt, steigen auch die Anforderungen.

Patrick Gilmore weist darauf hin, dass die Effekt-Abteilung mit Hilfe der Firma Hewlett-Packard (der bevorzugte Technologie-Lieferant von DreamWorks) einen genialen Weg gefunden hat, den ganzen Vorgang zu beschleunigen.

"Anstatt den Ozean über einzelne Einstellungen zu erstellen, hat man sich dazu entschlossen, den Ozean als Gesamtbild aufzubauen und in Prozeduren durchlaufen zu lassen. Wir hatten diesen gesamten rollenden Ozean zu unserer Verfügung, sodass wir beliebig viele Wasseraufnahmen für den Film umsetzen konnten."

Dazu Ikeler: "Wir mußsten einen Weg finden, den Ozean in nahezu jede Filmszene einbauen zu können. Daher haben wir ziemlich viel Zeit damit verwendet, eine Software zu entwickeln, die wie eine Ozean-Sammlung funktioniert, in der man sich einloggen kann, um damit zu spielen.

Als unsere Ozeansimulation fertig war, ließen wir einfach nur um die 1000 Bilder davon ablaufen und hatten so einen Ozean im großen Maßstab. Wir erzählten dann allen: ?Es ist geschafft, der BRaten ist fertig. Euer Ozean läuft. Haltet einfach eine Kamera drauf und nehmt ihn aus jedem Winkel auf, den ihr benötigt.'

Die Layout-Abteilung konnte dann die Grundform des Wassers übernehmen, mit einer Kamera drüber fahren und die Einstellung samt eines vorgefertigten Ozeans realisieren. Als sie dann die Grundkomposition fertig hatten, kamen wir wieder ins Spiel und fügten die Elemente hinzu, die zu dem jeweiligen Ort gehörten.

Um den Film in 3D aufzunehmen, konnte die Layout-Abteilung wie nie zuvor über Computermodelle für Szenenelemente verfügen, die Animatics genannt werden. Animatics sind in dem Bereich Animation zwar nicht neu, aber bisher wurden sie bei keinem anderen Film von Anfang bis Ende eingesetzt.

Dazu Layout-Supervisor Damon O'Beirne: "Durch die Animatics war es uns möglich, 3D-Szenen im Computer zu erstellen. Das Tolle daran ist, dass man Szenen in Echtzeit abspielen kann, so dass wir eine perfekte Vorlage für die Handlung hatten.

Es gibt eine Reihe großartiger Action-Szenen in ?Sinbad', bei denen es uns mit Hilfe der Animatics möglich war, den besten Kamerawinkel zur Unterstreichung einer Szene zu finden und dem ganzen Film einen starken Stil hinsichtlich der Bildführung zu verleihen.

Wir können mit Animatics sogar fertiges Material drehen und dem Schnittmeister somit zusätzliche Szenen zur Verfügung stellen, aus denen er auswählen kann."

"Das war wirklich eine große Hilfe", meint der für den Schnitt verantwortliche Tom Finan, "früher haben wir anhand der Storyboardzeichnungen geschnitten. Die Animatics ermöglichen es, die Bewegungen der Kamera und der Figuren in den einzelnen Einstellungen schon vorher betrachten zu können, was mit einem Storyboard nicht machbar ist. Die Möglichkeit, anhand bewegter Bilder zu schneiden, kommt eher der Methode bei Realfilmen gleich."

Innovationen in der Animationstechnik kommen in so kurzen Abständen, dass die Filmemacher in Bezug auf die Technologie den Wagen sogar vors Pferd spannen konnten. Jeffrey Katzenberg bestätigt: "Im Gegensatz zu allen Filmen, an denen ich bisher gearbeitet habe, mußste bei ?Sinbad' die Technologie aufholen, um mit unseren Ansprüchen mithalten zu können, und nicht andersherum."

Johnson stimmt dem zu: "'Sinbad' ist in einem Zeitraum von über drei Jahren entstanden. Bei der Planung eines Films, dessen Premiere derart weit in der Zukunft liegt, mußs man darauf vertrauen, dass die Fortschritte der Filmtechnologie eine Umsetzung dessen ermöglichen, was bisher nur in unseren Köpfen existierte.

Uns war nicht klar, wie genau wir es anstellen sollten, aber wir wussten, dass wir Zeit und außergewöhnlich talentierte Mitarbeiter hatten, sodass wir schon eine Lösung finden würden."

Phantasiewelten Die Filmemacher haben sich die Fortschritte im Bereich der Animation auch bei der Erstellung von Tartarus, Eris Heimatstadt, die am Ende der Welt liegt, zunutze gemacht. Tartarus wird wie ein sich permanent veränderndes Meer aus Sand dargestellt. Doch das war nur durch die enge Zusammenarbeit der Abteilungen Produktionsdesign und Effekte möglich.

Produktionsdesigner Raymond Zibach erzählt: "Tartarus stellte als Land des Chaos, in dem Eris ihren Wohnsitz hat, eine große Herausforderung für uns dar. Wir gingen verschiedene Versionen durch, bis Tim Johnson die Idee von Sand einbrachte, der sich wie Wasser bewegen sollte. Ein chaotisches Terrain, auf dem man zwar stehen kann, aber keine Standfestigkeit hat."

Ikeler meint dazu: "Wir haben Sandwellen gerendert, die sich wie Wasser bewegen. Beim Auf- und Abschwanken geben die Wellen den Blick auf die Ruinen antiker Städte frei. Wir mußsten viele Partikeleffekte einsetzen, um den Sand über die Oberfläche fegen oder an den Flächen der durch den Sand freigegeben Dinge herabrieseln zu lassen."

Hauptschauplatz des Films ist jedoch die Chimera, das Schiff, auf dem Sinbad, Marina und die Besatzung von einem Abenteuer zum nächsten segeln. Zibach und seine Art-Direktoren Seth Engstrom und David James hatten viel Freude beim Kreieren des Schiffes mit seinen nützlichen kleinen Einbauten. Das Team der Designer behandelte die Chimera sogar wie eine echte Filmfigur.

"Die Chimera ist mehr als nur ein Schiff. Sie ist ein wunderbares Werkzeug für Sinbad", stellt Zibach fest, "unser Ziel war es, ihm eine einfache, stämmige Form zu geben und die Aufbauten hinzuzufügen, ohne dass das Ganze zu futuristisch aussah. Alles sollte gemäß der Zeit wirken, in der die Geschichte spielt."

Auch die schöne alte Stadt Syracusa sollte sich nicht an einer bestimmten Kultur orientieren. John Logan merkt an: "Die Sinbad-Geschichte wurde des öfteren neu interpretiert. Wir haben Elemente aus diesen verschiedenen Geschichten entnommen und eine vollkommen neue und phantastische Welt geschaffen.

Wir wollten eine Welt von Menschen und Monstren haben, einen Ort, an dem Mythen wahr werden. Daher orientierten wir uns nicht an existierende Orte, sondern bauten Syracusa nach unseren eigenen Vorstellungen auf. Es gibt weder einen Bezug zu der Stadt Syracusa in Italien, noch einen zu der Stadt Syracuse, die sich im US-Staat New York befindet."

Mireille Soria meint: "Wir wollten in unserem Syracusa die Romantik Venedigs mit der Exotik Damaskus' kombinieren, und um das zu erreichen, haben sich Raymond, Seth und David lange mit Kunst und Architektur beschäftigt. Sie brachten Elemente des Mittleren Ostens, Griechenlands und Italiens ein und schüttelten dann alles gut durch, um schließlich eine völlig neue Umgebung zu kreieren."

Auch für die Filmmusik ließ sich der Komponist von verschiedenen kulturellen Einflüssen inspirieren. "Die Musik ist zwar orchestral, aber nicht traditionell", bemerkt Gregson-Williams, "der Schauplatz der Geschichte ist nicht festgelegt, sodass ich die Möglichkeit hatte, verschiedene ethnische Instrumente einzusetzen."

Brad Pitt ist sich sicher, dass der Film alle Altersgruppen ansprechen wird: "Ich liebe diesen Film. Er ist ein einziger großer Spaß.

Ich dachte ursprünglich, dass ich ihn machen würde, um meinen Nichten und Neffen eine Freude zu bereiten. Aber auch ich als Erwachsener bin von diesem Film begeistert. Die Filmemacher wollten etwas schaffen, mit dem jeder etwas anfangen kann, und das ist ihnen gelungen. Eltern sehen sich gewöhnlich bestimmte Filme nur an, um ihren Kindern einen Gefallen zu tun. Nun können sie dabei endlich auch einmal selbst Spaß haben."

John Logan meint: "All die alten Geschichten und Filme über Sinbad zeichnen sich durch Verwegenheit und Spaß aus. Genau das wollten auch wir mit unserem Abenteuer erreichen. Mich überrascht es jedoch, wie erwachsen der Film geworden ist. Er besitzt die unbeschwerte Freude eines Trickfilms, transportiert in seinem Kern aber die Geschichte eines Mannes, der sein besseres Ich entdeckt."

Katzenberg stimmt dem zu: "Während Sinbad seine Abenteuer erlebt, lernt er, dass man bestimmten Dingen nicht aus dem Weg gehen kann. Wenn es um Liebe oder auch um tiefe Freundschaft geht, kann man versuchen, wegzulaufen. Man kann sich aber niemals davor verstecken. Es haftet einem stets an. Das ist eine wichtige Erkenntnis."


Dirk Jasper FilmLexikon

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