Tomb Raider 2 - Die Wiege des Lebens

Produktionsnotizen

Als Videospiel-Heroine erwachte sie zum Leben und im 300-Millionen-Dollar-Hit Tomb Raider erlebte sie vor zwei Jahren ihr erstes Kino-Abenteuer. Aber erst in Tomb Raider: Die Wiege des Lebens zieht Lara Croft in der fabelhaften Verkörperung von Oscar-Preisträgerin Angelina Jolie wirklich alle Register.

"Statt auf Probleme zu reagieren und es wie beim letzten Mal ein wenig zu leicht mit ihren Gegnern zu haben", sagt Jolie, "ist Lara im zweiten Film viel stärker darauf angewiesen, Initiative zu ergreifen, deutlich kompliziertere Rätsel zu lösen und sich gegen wirklich gemeingefährliche Gegner durchzusetzen."

Auch Regisseur und Action-Spezialist Jan de Bont stellt klar, dass Lara Croft bei der Suche nach der todbringenden Büchse der Pandora ihre bisher schwierigste Mission vor sich hat: "Sie wird angeschossen, verliert Freunde und ihre Gefühle bleiben leider auch nicht verschont - doch wenn Sie mich fragen, ist eine wutentbrannt kämpfende Lara Croft viel reizvoller für die Leinwand als eine Art Superheldin. Von der für unmöglich gehaltenen Steigerung von Angelinas Sex-Appeal ganz zu schweigen ..."

Da Tomb Raider durch den ersten Film unzweifelhaft von Angelina Jolie geprägt wurde, sicherten sich die Produzenten Lawrence Gordon und Lloyd Levin bei der Konzeption des Sequels zuerst die Zusage der Star-Schauspielerin - was kein Problem war.

"Ich liebe diese Rolle und hatte mich schon beim Drehen des ersten Filmes für Fortsetzungen erwärmt", meint Jolie, "und als Tomb Raider dann der erfolgreichste Frauen-Actionfilm aller Zeiten wurde, und mich das Publikum auch in dem Part akzeptierte, war der nächste Film nur eine Frage der Zeit. Ich mag Lara, weil sie nicht stereotypisch konzipiert ist, sondern Geheimnisse und Individualität besitzt."

Wer nun glaubt, dass Jolie beim Dreh von Lara Croft Tomb Raider: Die Wiege des Lebens nur ihre Filmkostüme überstreifen mußste und damit in Action-Form war, der unterschätzt ihren Ehrgeiz: "Ich hatte natürlich bei der Produktion des ersten Filmes vieles gelernt, was mir nun zugute kam - Gymnastik und Kickboxen, Waffen- und Fitnesstraining.

Doch zum einen kann man nie in der physischen Form sein, um jeden Morgen aufzuwachen und die perfekte Lara Croft zu sein, und zum anderen gibt es so viele andere Disziplinen oder Kampftechniken, die wir für Lara erforschen wollten - wobei das Tauchen an der Flosse eines Killerhais noch zu den leichteren Übungen gehört ..."

Nachdem der Tomb-Raider-Regisseur Simon West bereits tief in einer anderen Produktion - ein Salvador Dali-Biopic - steckte und es ohnehin zum Konzept der Produzenten gehört, Lara Croft wechselnden Filmemachern und ihren Visionen anzuvertrauen, wurde "Hollywood-Holländer" Jan de Bont als Regisseur angeworben.

"Wir suchten jemanden", sagt Produzent Gordon, "der sowohl die fantastischen als auch die realistischen Elemente der Story visuell vereinen konnte. Denn die Stärke dieser Storys liegt in der breiten Palette der Einflüsse, die von Hightech-Equipment bis zu historischen Relikten reichen, von globalen Schauplätzen bis hin zu Laras persönlichem und abgeschirmtem Mikrokosmos."

Auch Jan de Bont brauchte nicht lange zum Mitwirken überredet zu werden und sagt: "Ich war schon immer ein Fan von Lara Croft und Sie werden in jedem meiner bisherigen Filme starke Frauen finden. dass Angelina bereits besetzt war, und ich mich auf ihr Talent und ihren Wagemut verlassen konnte, machte die Entscheidung noch leichter - mit ihr wusste ich, dass es keine Grenzen geben würde und wir ein absolut originäres Abenteuer auf die Leinwand bringen könnten."

In der männlichen Hauptrolle des ehemaligen MI5-Agenten Terry Sheridan, der Lara Croft einst bitter betrog, aber dennoch für die Suche nach der Büchse der Pandora rekrutiert werden mußs, ist der Schotte Gerard Butler zu sehen.

Sheridan hatte in der Vergangenheit eine romantische Affäre mit Lara", erläutert Butler, "was ihr Leben nun noch weiter verkompliziert. Denn er ist ein gefährlicher, unberechenbarer Mann, dessen Anziehungskraft Lara wider Willen verletzlich macht. Die ganze Zeit, in der sie zusammen sind, wird das Publikum rätseln, ob er sie erneut hintergeht oder sich für Lara ändern kann. Und die Aufklärung dieser Frage wird ein Schock für alle sein, das kann ich garantieren."

Die zweite männliche Hauptrolle spielt der Ire Ciarán Hinds im Bösewicht-Part des geisteskranken Wissenschaftlers Dr. Jonathan Reiss. "Er ist ein sehr kalter und skrupelloser Charakter", so Hinds, "der die Büchse der Pandora als ultimative Waffe der Zerstörung missbrauchen will.

Doch weil ihm Lara auf die Schliche kommt, entwickelt sich zwischen beiden ein globales, blitzgescheites Katz-und-Maus-Spiel, das durch die Kontraste beider Figuren fein verstärkt wird. Wo Reiss rücksichtslos und kalkulierend vorgeht, besitzt Lara Vitalität, Leidenschaft und Dynamik - alles Qualitäten, die Angelina auch im wahren Leben auszeichnen."

In einer weiteren Rolle ist "Gladiator"-Star Djimon Hounsou als Masai-Krieger und ehemaliger Studienfreund Laras zu sehen, der ihr in Afrika bei der Suche nach einem Gebiet hilft, das "Die Wiege des Lebens" genannt wird und die Büchse der Pandora beherbergen soll.

"Wir drehten in Kenia und in Tansania", erinnert sich Hounsou, "und obwohl sich meine Stunts auf das Fahren eines Jeeps beschränkten, war es ungeheuer aufregend, das Leben der Masai zu studieren und auf dem so genannten Berg Gottes zu drehen - immerhin einem aktiven Vulkan!"

Abgerundet wird das Ensemble von Lara Croft Tomb Raider: Die Wiege des Lebens durch Noah Taylor und Christopher Barrie als Bryce und Hillary, die damit erneut ihre Rollen als Laras loyale Freunde aus dem ersten Film übernehmen.

Und als Bösewicht an der Seite von Dr. Reiss ist Deutschlands beliebtester Kinostar Til Schweiger zu sehen, der über den Job sagt: "Meine Figur des Sean ist eine brutale Killer-Maschine, und Bösewichte machen jedem Schauspieler unverschämten Spaß. Wobei dieser Kerl auch viele wunderbar witzige Sprüche klopfen darf!"

Zum kreativen Team von Jan de Bont zählen neben dem dreifachen Oscar-Gewinner Michael Kahn als Cutter und David Tattersall hinter der Kamera auch diverse Kollegen des ersten Tomb Raider-Filmes.

Darunter Produktionsdesigner Kirk M. Petruccelli, der zu Protokoll gibt: "Die Sets dieses Filmes reichen von einem klassischen Unterwasser-Tempel über ein gläsernes Underground-Laboratorium bis hin zu den verwunschenen Grabstätten der fürchterlichen Schattenkrieger. Um all diesen Anforderungen gerecht zu werden, bauten wir insgesamt 102 Bühnen auf drei Kontinenten - Afrika, Asien und Europa."

Der mit Abstand größte Set wurde für die Anfangssequenz des Filmes auf der 007-Bühne der Londoner Pinewood-Studios errichtet. "Hier", so Petruccelli, "entstand der gigantische Luna-Tempel, der von einer meterhohen Bronzestatue Alexanders des Großen dominiert wird und dessen Boden sich in einer Schieflage von 45 Grad befindet, da er im Film von einem Erdbeben getroffen wurde. Außerdem mußsten wir in der Lage sein, den Set teilweise oder komplett zu fluten, da er am Ende der Szene für immer am Grunde des Ozeans versinkt."

Ebenfalls auf dem Pinewood-Gelände entstand ein detailgetreuer orientalischer Marktplatz, der im Film in Shanghai liegt und Schauplatz einer wilden Verfolgungsjagd wird, bei der Hubschrauber und Motorräder in Aktion sind und Angelina Jolie sich mit der Akrobatik einer Hochleistungssportlerin von einem Gebäude zum nächsten schwingen mußs.

So genau nahmen es die Macher mit der Rekonstruktion dieses so genannten Blumenpagodenplatz-Sets, dass sogar ein Kalligraph aus Hongkong beschäftigt wurde, der die Beschriftungen der Geschäfte in Mandarin anfertigte.

Ein weiterer Kollege aus dem Team der ersten Tomb Raider-Produktion ist Stunt-Koordinator Simon Crane (Terminator 3), der auch dieses Mal voll des Lobes über Angelina Jolies körperliche Arbeit ist.

"Sie wusste, was auf sie zukommt und war vom ersten Trainingstag an extrem fit und lernte mühelos zum Beispiel mit Bambusstöcken zu kämpfen, Wasserski-Stunts zu übernehmen oder beim rasanten Reiten eines Pferdes ihre Waffen zu laden und auf Ziele zu feuern."

Nur einen zentralen Stunt durfte Jolie zu ihrem Bedauern nicht selbst ausführen. Für eine Fluchtsequenz in den Shanghai-Szenen des Filmes springen Lara Croft und Terry Sheridan scheinbar todessehnsüchtig von einer Klippe und landen erst im letzten Moment sicher, dank ihrer Gleitschirme. Zwanzig Mal sprangen Stunt-Leute für den Dreh der Sequenz aus Hubschraubern - und weitere acht Mal vom 84. Stock (und damit aus knapp 400 Metern Höhe) des International Financial Center Towers in Hongkong - im übrigen das dritthöchste Gebäude der Welt.

"Nachdem unser chinesischer Produzent Philip Lee unglaublicherweise eine Drehgenehmigung ergattern konnte", so Crane, "erwies es sich als besonders schwer, zwei Leute mit speziellen Wing-Suits springen zu lassen, die zusammen fliegen und ihre Schirme erst siebzig, achtzig Meter über dem Boden öffnen sollten.

Zudem mußste ein dritter Mann mitfliegen, um ihren Fall zu drehen. Doch dank eines schwedischen Experten-Teams bekamen wir diese vielleicht spektakulärste Sequenz des Filmes in den Kasten und erreichten damit unser Ziel, alles noch intensiver und aufregender zu inszenieren als beim ersten Tomb Raider-Film."

Die Oscar-gekrönte Designerin Lindy Hemming war zum zweiten Mal für die Kostüme zuständig und beschloss zusammen mit Angelina Jolie und den Produzenten, die Outfits des ersten Filmes fast vollständig einzumotten. Darunter auch die berühmt-berüchtigten Hot-Pants von Lara Croft, die aber durch ebenso ausgefallene wie aufsehenerregende Designs ersetzt wurden.

"Angelina hat einen fantastischen Körper", erklärt Hemming, "und man mußs nicht hart arbeiten, um sie fabelhaft aussehen zu lassen. Wichtig war uns nur, schnörkellose und moderne Materialien und Designs zu benutzen und dabei Laras ikonographischen Look zu bewahren. Für ihren silbernen Taucheranzug benutzten wir beispielsweise einen Stoff aus Japan, weil sich dieser bei der Unterwasserarbeit als konkurrenzlos elastisch erwies."

Zu den weiteren Kostümen zählen ein schwarzer La Perla-Bikini, der Lindy Hemmings vorangegangenem Design von Halle Berrys "Die Another Day"-Zweiteiler in keiner Weise nachsteht.

Außerdem trägt Lara Croft ein Safari-Outfit für die Afrika-Szenen, eine Art Luxus-Army-Outfit für die Befreiungssequenz von Terry Sheridan in Korea und die Hosen und Boots aus dem ersten Tomb Raider für die Motorradjagd auf der Chinesischen Mauer. Nur eines wird man in Lara Croft Tomb Raider: Die Wiege des Lebens vergeblich an Angelina Jolie suchen: Ein Kleid, "denn da reagieren Lara und Angelina gleichermaßen allergisch" (Hemming).

Die sechsmonatigen Dreharbeiten begannen auf und vor der paradiesischen Insel Santorini, wo in den ersten Minuten des Filmes ein Erdbeben den unterirdischen Eingang zu einem Versteck Alexanders des Großen freilegt. Abwegig ist die Wahl dieser Location übrigens keineswegs. 1450 vor Christus formte ein Erdbeben die Form Santorinis und unter Experten wird gemeinhin vermutet, dass Atlantis in dieser Gegend versunken sei.

In den walisischen Bergen von Snowdonia drehte die Crew im Anschluss all jene Szenen, die in China spielen und errichtete an einem pittoresken See nicht nur ein chinesisches Dorf, sondern heuerte asiatische Komparsen bis aus dem Umkreis von Liverpool an. In Wales drehte Jan de Bont auch eine besonders haarsträubende Szene, in der Jolie und Butler (und keine Doubles!) auf der Flucht vor chinesischen Häschern eine fünfzig Meter tiefe Schlucht hinabrasen - mit den Köpfen nach vorn.

Danach zog die Crew-Karawane nach Kenia, wo man mit dem Stamm der Pokot arbeitete und Teile des Hell's Gate National Parks als Kulisse des titelgebenden "The Cradle of Life" dienten. Eine kleine Einheit des Teams flog im Folgenden nach Tansania und drehte auf einem aktiven Vulkan, der von den Masai als Ol Doinyo Lengai bezeichnet wird - der Berg Gottes, mehr als 3000 Meter über dem Meeresspiegel gelegen und somit Schauplatz, im wahrsten Sinne des Wortes, atemberaubender Dreharbeiten.

Zurück in England drehten Jan de Bont & Co. Innen- und Außenaufnahmen des Hatfield House in Hertfordshire, das wie schon im ersten Film als Anwesen von Lara Croft dient. In den Pinewood Studios entstanden neben dem Luna-Tempel noch das Laboratorium von Dr. Reiss und ein finsteres Waldgebiet, in dem zum Ende des Filmes die Schattenkrieger zu unseligem Leben erwachen.

Ebenfalls in Pinewood wurden die Sequenzen mit Rekonstruktionen der berühmten chinesischen Terrakotta Soldaten von Xian in Szene gesetzt. Als letzte Station des weltweiten Kommandounternehmens Lara Croft Tomb Raider: Die Wiege des Lebens diente Hongkong als exotische Vereinigung von West und Ost, Wolkenkratzern und Hütten, christlicher und taoistischer Religion - eine symbolkräftigere Kulisse für die Universalität des TOMB-RAIDER-Mythos hätte sich wohl kaum finden lassen ...

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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