Fluch der Karibik

Produktionsnotizen

Über die Produktion Fluch der Karibik ist die mitreißende Geschichte einer gewagten Rettungsmission, mit der ein uralter Fluch rückgängig gemacht werden soll. Als die Idee den Produktions-Executives der Disney Studios präsentiert wurde, kam ihnen nur ein Produzent in den Sinn, der das Ausmaß und die Details eines solchen Unternehmens handhaben könnte.

Umgehend traten Michael Eisner, Vorstand und CEO der Walt Disney Company, Dick Cook, Vorstand der Walt Disney Studios, und Nina Jacobson, Präsidentin der Buena Vista Motion Picture Group, an Jerry Bruckheimer heran, der dieses außergewöhnliche Filmereignis orchestrieren sollte. Jerry war sofort Feuer und Flamme: Tatsächlich hatte er schon immer davon geträumt, einen Film über Piraten zu machen.

"Als Kind sah ich mir liebend gern Piratenfilme an", erzählt Bruckheimer. Die Schatzinsel (1934), Unter Piratenflagge (1935) und Der schwarze Pirat (1926) waren einige meiner absoluten Favoriten. Errol Flynn und Douglas Fairbanks waren enorm beeindruckend. Natürlich sind ihre Filme auch heute noch aufregend und sehr sehenswert. Dennoch dachte ich, wir könnten dieses beliebte Genre mit ganz neuem Schwung und mehr Pfiff versehen."

"Ich würde sagen, wir bringen dem Mantel-und-Degen-Genre ein paar neue, ganz moderne Tricks bei", ergänzt er. "Wir bieten dem Publikum all die Thrills und die ganze Romantik, die man sich von einem großen Abenteuer erwarten würde."

Bruckheimer, dem keiner das Wasser reichen kann, wenn es darum geht, solch ein "großes Abenteuer" auf die Leinwand zu bringen, begann sein Team zusammenzustellen. "Wir holten die beiden wunderbaren Autoren Ted Elliott und Terry Rossio hinzu, die mit Shrek einen tollen Hit feiern konnten", fährt er fort. "Sie kamen auf die Idee mit dem übernatürlichen Element, was der Story das gewissen Etwas verlieh, das mich interessierte. Und was ich selbst gern sehen will, will ich auch gern machen."

Es ist ein Markenzeichen der Produktionen von Jerry Bruckheimer Films, dass die Autoren an jedem Schritt des Produktionsvorgangs beteiligt sind. Und so waren Ted Elliot und Terry Rossio während der gesamten Produktionszeit am Set zugegen.

"Die Erfahrung, die Terry und ich bei diesem Film machten, ist eine, von der jeder Autor träumt", sagt Ted Elliot. "Es ist absolut ungewöhnlich für einen Autor, an jedem Drehtag anwesend zu sein. Vom Anfang bis zum Ende war es großartig. Es war eine wunderbare Lerngelegenheit, mit dem Regisseur, dem Produzenten, den Schauspielern und sogar jemandem wie dem Make-up-Künstler zu sprechen, Fragen zu stellen und herauszufinden, weshalb die Dinge in einer bestimmten Weise ausgeführt werden.

Es macht Spaß, den Einfallsreichtum und die Kreativität, die ein jedes Crewmitglied in den Film einbringt, hautnah mitzuerleben. Die Produktion - vom Setdesign bis zu den Kostümen und dem Make-up - von Anfang an am Set zu erleben, war besser als alles, was wir uns erdacht und zu Papier gebracht hatten."

Sein Partner stimmt zu: "Jerry gab Gore Verbinski so viel Freiheit, und Gore mit seinen Ideen war souverän genug, dass er kein Problem hatte, auch auf die Meinung anderer zu hören", berichtet Terry Rossio. "Unsere Herangehensweise war uns einfach klar. Wir wussten, wir wollten diese Figuren und bestimmte Momente in der Geschichte haben. Wir stellten uns eine sehr klassische, Korsett zerreißende Romanze im Jane-Austen-Stil vor."

"Tatsächlich arbeiteten Ted und ich sehr eng mit Jerry, Mike Stenson und Chad Oman zusammen, und sie waren alle maßgeblich an der Entwicklung der Story beteiligt", erinnert sich Rossio. "Nicht oft haben Drehbuchautoren diese Art von regelmäßigem und involviertem Zugriff auf die Produzenten. Und selten sind Produzenten so bewandert in Struktur und Dialog wie sie."

"Dieses Projekt stand von Anfang an unter einem guten Stern", meint Mike Stenson. "Ted und Terry sind absolute Meister dieser Form von Geschichtenerzählen. Es stellte sich heraus, dass sie schon immer eine Spielfilmversion des Disney-Rides machen wollten. Sie sangen sogar die Titelmelodie, als wir uns das erste Mal trafen."

Elliot und Ross sind überzeugt, dass das richtige Timing alles ist. Bereits vor fast zehn Jahren, nachdem sie ihre Arbeit an Aladdin (1992) abgeschlossen hatten, schlugen sie die Idee für einen Piratenfilm vor, doch nicht ein einziges Studio zeigte Interesse. Unbeirrt träumte das Autorenteam seinen Traum weiter. Sie stellten ihr Konzept aufs Wartegleis, überzeugt, dass die Kombination aus Romantik, Abenteuer und Mystery eines Tages wieder populär sein würde.

Schauspieler Johnny Depp war zweifelsfrei überzeugt, dass das Autorenduo die Aufgabe bewältigen und einen Kindheitstraum verwirklichen könnte. "Ist es nicht der Traum eines jeden Jungen, ein Pirat zu sein und mit fast allem ungeschoren davonzukommen?", stellt Depp seine rhetorische Frage. "Wer würde nicht gern einen Piraten spielen?"

Es war nicht ausschließlich jungenhafte Überschwänglichkeit, die Depps Entscheidung beeinflusste, die Rolle des Captain Jack Sparrow anzunehmen. Er war von ganzem Herzen von der Qualität des Projekts überzeugt, als er von der Mitwirkung von Elliot und Rossio erfuhr. "Sobald ich hörte, dass Ted und Terry das Drehbuch schrieben, wusste ich: Uns kann nichts mehr passieren", sagt Depp.

"Mit Jerrys Background und Gores intensivem Fokus war mir klar, dass der Film auf einem soliden Fundament stand. Ich war angenehm überrascht, als ich Teds und Terrys Drehbuch las, sie übertrafen meine Erwartungen. Sie brachten großartigen Humor in die Story ein und legten Grundsteine, auf die die Schauspieler aufbauen und die Figuren wirklich ausarbeiten konnten.

Mit der Fertigstellung des Drehbuchs war es für Bruckheimer an der Zeit, einen Regisseur zu finden. "Mein Agent rief an und fragte: ,Was hältst du von einem Piratenfilm?' Wie oft bekommt man schon einen Anruf dieser Art?", erinnert sich Gore Verbinski, der zuletzt Ring (2002) inszenierte.

Bruckheimer hatte bereits mehrere Jahre zuvor den Versuch unternommen, mit Verbinski zusammen zu arbeiten, doch komplett ausgebuchte Terminkalender kamen dazwischen. "Ich hatte ihn zu Beginn seiner Karriere kennen gelernt und fand, dass er sehr talentiert war, nachdem ich seine Werbefilme gesehen hatte", berichtet der Produzent. "Doch man kam mir zuvor, und er drehte daraufhin Mäusejagd (1997)."

"Wir haben uns während der letzten Jahre ziemlich häufig darüber unterhalten, ein Projekt zu finden, an dem wir zusammenarbeiten könnten", ergänzt Verbinski. "Ich fühle mich von Jerrys Filmen stets absolut gut unterhalten. Ich sitze mit meinem Popcorn im Kino, und jedes Mal, wenn ich mir einen Jerry-Bruckheimer-Film ansehe, hat sich der Eintritt gelohnt."

"Wir hatten Glück, Gore unter Vertrag genommen zu haben, bevor Ring herauskam", kommentiert Bruckheimer. " Fluch der Karibik ist perfekt für ihn, und wir ermutigten ihn, seinen wundervollen Sinn für Humor und seine hervorragende Erzählkunst einzusetzen.

Und da sich übernatürliche Elemente finden, konnte Gore viele visuelle Effekte benutzen. Er hat den Enthusiasmus eines kleinen Kindes. Er liebt es, mit Schauspielern zu arbeiten, und Schauspieler lieben ihn. Wir hatten Glück. Er war wirklich der perfekte Regisseur für dieses Projekt."

Mike Stenson pflichtet Bruckheimers Lob bei: "Gores Kombination aus visuellem Stil, technischem Know-how und Humor machte ihn zu unserer ersten und einzigen Wahl als Regisseur. Und er gab gleich nach dem ersten Treffen seine Zusage."

Als Fan von Unter Piratenflagge, Der rote Korsar, Der schwarze Pirat und weiteren Piratenfilmen aus den jüngeren Tagen des Films war Verbinski von dem Konzept überzeugt. "Piraterie hat etwas Revolutionäres und Rebellisches an sich", meint er.

"Piraten erschienen zu einer Zeit, als die Dinge sehr repressiv waren und die Leute für den Diebstahl eines Stückes Brot gehängt wurden. Man hatte nichts zu verlieren. Für mich geht es in diesem Film um das Brechen von Regeln, darum, wann es angebracht ist, Regeln zu brechen, um zu bekommen, was man will. Alle Figuren versuchen letztendlich, ihre Wünsche durch Piraterie zu verwirklichen - sowohl durch die guten als auch die schlechten Aspekte davon."

Elliot und Rossio präsentierten Verbinski ihren Entwurf, und dem Regisseur gefiel, was er zu hören bekam. Vor allem die Idee des Fluchs in der Story war Verbinskis Worten zufolge "eine echte Gelegenheit, den Film auf den Kopf zu stellen und das Genre völlig neu zu gestalten".

"Als ich erstmals den Pitch von Ted und Terry hörte, gefiel mir, dass es eine großartige Variation einer klassischen Geschichte war", sagt Verbinski. "Ich fragte: ,Was ist die generelle Plotstruktur? Ist es ein Kidnapping? Geht es um einen vergrabenen Schatz?' Tatsächlich finden sich alle diese Qualitäten, eines dieser Prinzipien ist jedoch völlig umgekehrt. Es geht darum, das letzte Stück eines Schatzes zu finden und zurückzubringen.

Barbossa und seine Piraten müssen das letzte Stück des verfluchten Schatzes zurückgeben, damit sie wieder die Freuden der Welt von Fleisch und Blut fühlen können. Der Fluch gestattet es Barbossa und seinen Männern, die Münzen zu behalten und mit ihren üblen Machenschaften fortzufahren, doch sie können dieses Leben nicht genießen."

Verbinski begann anhand von Elliots und Rossios Abriss mit den Vorbereitungen und dem Anfertigen der Storyboards des Films. "Auf diese Weise bereitet man eigentlich keinen Film vor, besonders keinen, der auf dem Wasser gedreht wird", lacht der Regisseur. "Wir haben uns einfach kopfüber in die Sache hineingestürzt. Es war chaotisch."

Das Casting war der nächste Schritt für die Produktion. "Wir versuchen immer, die Rollen in unseren Filmen mit hervorragenden Darstellern zu besetzen", erzählt Jerry Bruckheimer. "In diesem Fall hatten wir das Glück, respektierte, beliebte Veteranen mit einigen aufsteigenden Schauspieltalenten kombinieren zu können. Vorzüglichkeit erzielt Vorzüglichkeit, und mit jedem zusätzlichen Schauspieler, den wir unter Vertrag nahmen, wurde die Latte höher und höher gelegt."

"Wir haben eine Traumbesetzung", sagt Verbinski. "Es kommt nicht oft vor, dass ein Regisseur eine Chance wie diese bekommt. Mit einer Besetzung dieses Kalibers an einem Piratenfilm zu arbeiten, ist die Chance eines Lebens."

"Um das Publikum dazu zu bringen, einen Film wirklich anzunehmen, mußs man gegen den Strich besetzen", erläutert Bruckheimer. "Und so stößt man hier auf jemanden, den das Publikum nie in einem Disney-Film erwarten würde."

"Ich wollte Johnny Depp haben", sagt er mit einem wissenden Grinsen. "Johnny ist ein Künstler, der dafür bekannt ist, eigenartige Projekte anzunehmen. Er ist ein brillanter Schauspieler. Er ist nicht daran interessiert, sich eine Fangemeinde zu schaffen oder seine Arbeit in Hinsicht auf seine Gage auszuwählen. Es ist klar, dass er eine Rolle finden mußs, die ihn künstlerisch herausfordert. Ich glaube, er wollte außerdem speziell etwas für seine Kinder machen."

Ironischerweise ist Depps Figur nicht gerade der Typ, von dem man will, dass seine Kinder ihm nacheifern. "Jack Sparrow ist die Art von Figur, bei der es Spaß macht, zuzusehen, wie er einer alten Dame Geld stiehlt", sagt Verbinski.

"Im Wesentlichen ist er ein Schwindler - er ist faul, er ist ein großartiger Pirat, aber er kämpft nicht, wenn es nicht sein mußs. Er wählt immer den einfachsten Weg. Ich glaube, das Wichtigste für Captain Sparrow ist sein Mythos. Er ist sein eigener und bester Agent - er vermarktet sich selbst ausgezeichnet."

"Jack Sparrow ist ein Draufgänger, aber er hat kein schlechtes Herz", ergänzt Orlando Bloom, der die Rolle des Will Turner übernahm. "Er ist ein Mann, der versucht, mit Integrität zu leben."

Depp war von der Gelegenheit angezogen, eine völlig neue Figur von der Pike auf zu kreieren: "Es war eine ganz andere Art von Rolle für mich. Es war eine tolle Möglichkeit, diesen Piraten von Grund auf zu erfinden und eine Art von Pirat zu erschaffen, wie man ihn nie zuvor gesehen hat."

Die Filmemacher gaben dem Schauspieler die Freiheit, kreativ mit seiner Figur umzugehen. "Johnny ist dafür bekannt, seine eigenen Charaktere zu erschaffen", berichtet Bruckheimer. "Er hatte eine definitive Vision für Jack Sparrow, die völlig einzigartig ist. Wir ließen ihm freie Hand dabei, und er erdachte diesen ungewöhnlichen, schrägen, zugleich aber sehr gewitzten Piraten.

Er kann nicht so recht seine Balance halten, seine Sprechweise ist leicht unartikuliert, woraufhin man annimmt, dass er entweder betrunken, seekrank oder zu lange auf einem Schiff gewesen ist. Doch das ist alles nur eine Show, die er voll auskostet. Und so seltsam es auch scheint, das macht zum Teil den Charme von Captain Jack aus."

Depp schätzte auch die verschmitzte Natur und todesmutige Art seiner Figur: "In Jack sah ich einen Typ, der zwischen den Regentropfen rennen kann. Er kann über die entmilitarisierte Zone laufen, die Truppen unterhalten und dann zur anderen Seite zurückhüpfen, um dem Feind die genau gegenteilige Geschichte zu erzählen. Er versucht, mit allen gut auszukommen, da er klug genug ist zu wissen, dass er seine Kontakte möglicherweise in der Zukunft benötigen könnte."

"Egal wie schlecht die Dinge stehen, er hält immer diesen bizarren Optimismus aufrecht", fährt der Schauspieler fort. "Ich fand auch die Idee für seine Motivation sehr schön und ergreifend. Er will einfach nur sein Schiff zurückbekommen, das für ihn nichts mehr repräsentiert als pure Freiheit. Natürlich klaut er bei Gelegenheit und hat auch sonst keine weiße Weste, doch letztlich ist es sein Hauptziel, die Black Pearl um jeden Preis zurückzubekommen."

"Jacks Mission ist es, sein Schiff zurückzubekommen", wiederholt Verbinski. "Nochmals, es geht um die Einfachheit der Figur: Seine große Liebe und seine große Freiheit ist sein Schiff. Er ist nicht der Bösewicht und er ist nicht der romantische Held, obwohl er sich einbildet, eine Chance bei Elizabeth zu haben.

Jack Sparrow ist ein komischer Kauz. Johnnys Figur ist der von Lee Marvin in Cat Ballou - Hängen sollst du in Wyoming (1966) nicht unähnlich. Eigentlich schwebt er lediglich durch die Story, und während er seinem Ziel folgt, beeinflusst er alle um sich herum."

Depp, der die Ideen für seine Rolle entwickelte, während er in seiner Sauna das Drehbuch las, hatte klare Vorstellungen von Jacks Einstellung und Erscheinung. Seine Inspirationen für die Figur waren unterschiedlicher Natur: Einen großen Teil modellierte er nach dem legendären Rolling-Stones-Gitarristen Keith Richards, dazu fügte er ein wenig von der Comicfigur Pepe Le Pew und rundete das Ganze mit einem modernen Rastafari ab. "Piraten waren die Rockstars ihrer Zeit", sagt Depp.

"Jack hat diese kleinen Ornamente in seinem Haar hängen, dies war eine von seinen Inspirationen. Mir gefällt, dass jedes dieser kleinen Stücke eine äußerst lebhafte und extrem wichtige Erinnerung für Jack bedeutet", erläutert Depp.

Obwohl erst 40, fand sich Depp in der ungewöhnlichen Rolle wieder, der erfahrene Veteran im Vergleich zu seinen jüngeren Costars zu sein, die damit aufgewachsen sind, ihn in Filmen wie Cry-Baby (1989), Edward mit den Scherenhänden (1990) und Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa (1993) zu sehen.

"Ich kann nicht genug Gutes über Johnny sagen", erzählt Keira Knightley, die die Elizabeth spielt. "Es war ein Traum, es war ein Vergnügen. Ich meine, er war durchgeknallt. Absolut cool."

"Johnny ist ein wunderbarer Mensch", sagt Orlando Bloom. "Ich fragte ihn in allen möglichen Belangen nach Rat. Ich fühlte mich echt privilegiert, so eng mit jemandem zusammenzuarbeiten, den ich von weitem seine gesamte Karriere hindurch verfolgt und bewundert habe."

Geoffrey Rush spielt neben Depp die Hauptrolle als Jack Sparrows bösartiger Widersacher Captain Barbossa. Oscar ®-Gewinner Rush, der dafür bekannt ist, psychologisch ausgereifte Figuren in bedeutsamen Projekten zu porträtieren, hob das gesamte Projekt auf eine neue Ebene, als er sich den Mantel von Barbossa überwarf. Der intrigante Bandit mit seinem pompösen Gehabe ist gezwungen, in einer Geisterwelt zwischen menschlichem Leben und der Existenz als untotes Skelett zu vegetieren.

"Wir benötigten einen ebenbürtig fähigen Schauspieler als Johnnys Widersacher", erklärt Bruckheimer. "Geoffrey Rush ist enorm talentiert und bekannt dafür, eine große Bandbreite von Figuren spielen zu können.

Glücklicherweise hatte er eine Lücke in seinem Terminkalender und wollte Teil dieser Produktion sein. Geoffreys Barbossa ist der quintessenzielle Schurke; es ist ein Vergnügen, ihn in die Rolle schlüpfen zu sehen."

Um herauszufinden, was die antreibende Motivation des boshaften Barbossa ist, erdachte Rush eine reichhaltige Hintergrundgeschichte für die Figur, während er sich auf die Rolle vorbereitete. "Er erlangte die Position des Kapitäns als meuternder erster Maat, der die Black Pearl in seine Gewalt bringt und seinen Besitzanspruch erklärt", sagt er.

"Ich dachte mir, dieser Kerl müsste ein ausgezeichneter Schwertfechter und ein ausgesprochen hinterlistiger und unfairer Kämpfer sein. Er ging nicht mit einem Epée (einem doppelschneidigen Degen mit stumpfer Spitze) auf eine feine Schule, sondern hat wahrscheinlich ein Schwert an seinem Gürtel hängen, seit er 13 Jahre alt ist, und weiß genau, wie man Köpfe abhackt."

"Barbossa ist tatsächlich ziemlich smart", fährt Rush fort. "Er hat wahrscheinlich deshalb überlebt, weil er instinktiv und intuitiv handelt, um seine Pläne zu schmieden und Leute zu betrügen. Er gibt vor, ein Ehrenmann der See zu sein, doch er ist ein dreckiger und gerissener alter Schurke."

Rush spekuliert, dass Barbossa in seinen früheren Lebensjahren "den sehr aufrichtigen Wunsch gehabt haben könnte, ein Mann der See sein zu wollen. Doch er stellte recht bald fest, dass man sehr viel mehr erreichen kann, wenn man die Regeln bricht, die Leute belügt, ein paar Leute umbringt und die Macht an sich reißt. Dies ist vielleicht die eigentliche Vorstellung, die die Leute davon haben, ein Pirat zu sein."

Rush und Johnny Depp gingen auf ähnliche Weise an das Material heran. Beide schöpften den Vorteil voll aus, die Drehbuchautoren am Set zugegen zu haben. Beide Schauspieler, die in ihrem Piratenkostüm für Passanten unerkennbar waren, verbrachten einen Großteil ihrer Zeit zwischen Kamera-Setups vor der Bühnentür, wo sie mit Elliot und Rossio Szenen diskutierten.

Obwohl Depp und Rush während der sechsmonatigen Drehzeit nur eine Hand voll gemeinsamer Szenen hatten, ist anhand ihrer Interaktion umgehend klar, dass zwischen Jack Sparrow und Barbossa eine lange und schmutzige Geschichte - und eine gegenseitige Bewunderung zwischen den Schauspielern - besteht.

"Geoffrey ist ein interessanter Schauspieler, ein Abtrünniger, ein Rebell", sagt Depp. "Ich liebe seine Arbeit. Er geht Risiken nie auf dieselbe Art ein. Er liebt es, mit Ideen anzukommen und neue Sachen auszuprobieren, so wie ich auch. Fluch der Karibik war für Geoffrey genauso wichtig wie andere wirklich ernsthafte und tiefgründige Filme, er hat sich in keiner Weise zurückgehalten. Er ist voll involviert, was einer der Gründe war, weshalb ich mich freute, mit ihm zu arbeiten."

"Jack ist wohl die Art von Pirat, die jeder sein will. Er ist vogelfrei, absolut auf sich selbst gestellt, er ist zum Schreien komisch - er ist wie Johnny", erzählt Rush. "Es war bemerkenswert, Johnny bei der Kreation dieser Figur zu beobachten. Es war eine coole Performance, meisterhaft ausgeführt. Er ist ein brillanter Schauspieler."

In der Rolle des attraktiven Schmieds Will Turner besetzte Bruckheimer Orlando Bloom, nachdem er ihn bei seinem Film Black Hawk Down (2001) kennen gelernt hatte. Am Anfang von Fluch der Karibik wird der zehnjährige Will aus dem Karibischen Meer gefischt, wo er zwischen der ermordeten Mannschaft und den brennenden Wrackteilen eines britischen Schiffs, das von Piraten angegriffen worden ist, treibt.

An diesem Tag an Bord der H.M.S. Dauntless nimmt sich Elizabeth von dem bewusstlosen Will ein Souvenir - ein Medaillon mit dem Totenkopf-Symbol einer Piratenflagge - und hofft, damit sein Leben zu retten.

"Als wir Orlando für Black Hawk Down engagierten, wusste ich, dass seine Zeit kommen würde", berichtet Bruckheimer. "Ich hatte bloß keine Ahnung, wie viel Glück wir hatten, ihn uns vor dem Wahnsinn mit den HERR DER RINGE-Filmen zu schnappen. Ich sprach mit ihm über die Rolle des Will, während wir Black Hawk Down drehten, und er fand, dass es nach einer wunderbaren Rolle klang."

Bloom erinnert sich an ein kurioses Gespräch über Piraten in Australien, das er mit dem Oscar ® -Gewinner Geoffrey Rush bei der Fertigstellungsparty für ihren gemeinsamen, außerhalb des fünften Kontinents noch unveröffentlichten Film Ned Kelly (2003), führte. "Geoffrey erzählte, er sei mit diesem Film beschäftigt", sagt Bloom. "Und dann fand ich heraus, dass Johnny dabei war. Ich meinte bloß noch: ?Wo unterschreibe ich?'"

Bloom sah den Film als Mittel, dem Publikum, das noch dabei ist, ihn als Schauspieler kennen zu lernen, ein Stück näher zu kommen. Er war zudem enthusiastisch, erneut mit Jerry Bruckheimer zusammenzuarbeiten. "Ich versuche, kluge Entscheidungen zu treffen", gesteht er.

"Ich war bereits mit der Weise vertraut, wie Jerry arbeitet. Er ist sehr direkt, straff organisiert, tut sein Bestes, damit jedes Detail unter Kontrolle ist, und stellt sicher, dass alles auf die richtige Weise getan wird. Diese Arbeitsauffassung sieht man bei jedem in seiner Firma. Das ist erstaunlich und verleiht einem Schauspieler Sicherheit. Dieses Projekt hatte einfach die richtigen Elemente."

Ebenso wie Depp sah der junge Schauspieler die Rolle von Turner als Mittel, sich einen Kindheitstraum zu erfüllen. "Es ist so aufregend, bei einem Piratenfilm mitzuwirken. Das ist der Traum eines jeden Jungen", begeistert er sich. "Den Traum auf dem offenen Meer auszuleben, ist ein toller Spaß gewesen."

Bloom sieht den jungen Will als zunächst recht spießig an, doch dann "entwickelt er sich beträchtlich. Er ist ausgesprochen ernsthaft, voller Standhaftigkeit - plötzlich findet er sich ohne Vorwarnung inmitten eines aufregenden sowie gefährlichen Abenteuers wieder. Dies ist die Coming-of-Age-Geschichte von Will."

"Orlando war erstaunlich", beteuert Depp. "Er hatte wahrscheinlich die schwierigste Rolle im Film, da er den geradlinigen, aufrichtigen und gehemmten Typ spielt, der in vielerlei Hinsicht die Augen und die Ohren des Publikums darstellt. Ich fand, dass er es hervorragend hingekriegt hat."

Die Besetzung von Depp und Bloom in den Rollen von Jack und Will hob die interessante Dynamik hervor, die sich zwischen den Figuren ergibt. "Jack und Will sind definitiv ein seltsames Paar", sagt Jerry Bruckheimer. "Doch Will lernt ganz unbeabsichtigt eine Menge dabei, seine Zeit mit einem Piraten zu verbringen. Trotz Wills bester Versuche, sich an die gängige soziale Klassenstruktur zu halten, erkennt er, dass manche Regeln zum Brechen gedacht sind."

Orlando Bloom pflichtet dem bei: "Will ist ohne eine Vaterfigur aufgewachsen, daher sieht er sich nach Vorbildern in seiner Umgebung um. In Port Royal sind dies Marineoffiziere. Als Will und Jack zusammentreffen, öffnet Jack Will die Augen, was es bedeutet, ein Mann zu sein. Er bringt ihm bei, dass er nicht blind unsinnigen Regeln folgen kann; ein Mann mußs seine eigenen Entscheidungen treffen, richtig oder falsch, und sich nehmen, was er sich im Leben wünscht."

Johnny Depp sieht die Beziehung zwischen Jack und Will schlicht als die von "zwei Figuren, die zusammen eine vollständige ergeben".

Sowohl Jack Sparrow als auch Will Turner verändern Elizabeths Vorstellungen von Liebe und Abenteuer für immer. Als Tochter von Port Royals Gouverneur kann Elizabeth ihre aristokratische Ahnenlinie Hunderte von Jahren zurückverfolgen. Sie steht mehr als nur ein, zwei Ränge über einem einfachen Schmiedelehrling.

Doch trotz ihres von Männern regierten Hintergrunds und einer ziemlich behüteten Erziehung ist Elizabeth kein zartes Pflänzchen. Wie Darstellerin Keira Knightley gern sagt: "Elizabeth ist ein Mädchen des 21. Jahrhunderts, das in der Welt des 18. Jahrhunderts feststeckt."

"Sie ist bemerkesnwert", erklärt Knightley. "Elizabeth hat moderne Ansichten. Sie ist stark und sehr unabhängig. Als sie mit einigen Grauen erregenden Schwierigkeiten und entmutigenden Entscheidungen konfrontiert wird, geht sie in die Offensive!"

Bruckheimer und Verbinski verwandten viel Sorgfalt auf die Auswahl der richtigen Schauspielerin für die Rolle der Elizabeth Swann. Sie zogen jede erdenkliche weibliche Hauptdarstellerin in Betracht, von bekannten Gesichtern hin zu völlig unbekannten. Als sie Knightley kennen lernten, sahen sie in ihr das gewisse Etwas. Die 17-Jährige strahlte eine unbeschreibbare Qualität aus, die an die Filmstars aus Hollywoods Glanztagen erinnerte.

"Natürlich waren wir auf der Suche nach einer schönen jungen Frau", bekennt Bruckheimer. "Aber Schönheit allein war nicht genug. Wie viele der anderen Figuren im Film ist Elizabeth komplex, und was man an der Oberfläche sieht, ist nicht alles. Es war unerlässlich für die Schauspielerin, die zahlreichen Facetten ihrer Figur zu verstehen und nicht nur die Liebesgeschichte zwischen ihr und Will."

"Für ein Mädchen aus London war es ziemlich nett, dass meine erste Hollywood-Erfahrung die volle Jerry-Bruckheimer-Hollywood-Behandlung war", erzählt Knightley überschwänglich. "Es war unglaublich. Es hat mir wirklich viel Spaß gemacht."

"Keira sagt gerne, dass Fluch der Karibik ,ein Film über Elizabeth und ihre Jungs' sei", lacht Bruckheimer. "Und zu einem gewissen Grad hat sie Recht. Elizabeth hat zu jeder der männlichen Hauptfiguren eine Verbindung, und sie findet sich in ziemlich gefährlichen Situationen mit ein paar von Barbossas Schurken wieder. Sie ist es gewohnt, ihren Willen durchzusetzen.

Doch sie erkennt schnell, dass ihre übliche direkte und freimütige Art in diesem Fall nicht funktioniert. Daher ist sie nicht abgeneigt, ihre weiblichen Listen einzusetzen, wenn es sein mußs. Wenn nötig kann Elizabeth eine raffinierte kleine Schauspielerin sein. Es war großartig, Keira zuzusehen, bei ihr wirkt alles so einfach. Sie ist wahrlich begabt."

"Keira steigt in den Ring und greift an", beschreibt Depp die Herangehensweise der Schauspielerin am Set. "Sie ist total süß und hat einen großartigen Sinn für Humor. Ihre Darstellung war perfekt, absolut professionell, sie ist verblüffend. Ich war sehr beeindruckt."

"Elizabeth hat ein morbides Interesse an Piraten", sagt Verbinski. "Sie hat zu viele Bücher über das Thema gelesen und ist jetzt eine Art Piraten-Groupie. Doch statt den Jon Bon Jovi der Piraten zu treffen, mußs sie Sid Vicious entgegentreten. Und obwohl sie glaubt, eine Menge über Piraten zu wissen, mußs sie bald feststellen, dass alle Regeln, an die sie glaubt, gebrochen werden müssen."

Knightley stimmt ihrem Regisseur zu. "Sie romantisiert das ganze Piraten-Ding, es ist ehrlich gesagt eine Obsession. Daher ist der Wandel von Elizabeths romantischer Vorstellung zur Erkenntnis der mörderisch-dreckigen Realität der Piraterie sehr interessant. Doch auch in ihren Adern steckt ein kleiner Pirat", sagt Knightley mit einem Glitzern in ihren Augen. "Geht es nicht allen so?"

Knightley war jedoch enttäuscht, dass sie sich nicht wie ihre Costars einem Fechttraining unterziehen konnte. "Das einzige Ding, worum ich gebeten hatte, war ein Schwert", entrüstet sie sich mit einem Lächeln.

"Ich kämpfe mit Kerzenstangen, Stäben und sogar mit einer Bettpfanne ... bloß nicht mit einem Schwert. Keiner gibt mir ein Schwert!" Verschmitzt fügt sie hinzu: "Ich habe Jerry und Gore das Versprechen abgenommen, dass sie mir ein Schwert geben müssen, falls wir einen weiteren Film zusammen machen."

Gouverneur Weatherby Swann, der von Schauspielveteran Jonathan Pryce dargestellt wird, hat alle Hände voll zu tun, seine eher unkonventionelle, kühne und manchmal geradezu unverfrorene Tochter großzuziehen. Sein Plan ist es, ihre Heirat mit dem neu ernannten Befehlshaber der britischen Seeflotte in Port Royal, Kommandant Norrington, gespielt von Jack Davenport, zu arrangieren.

"Elizabeths Vater erwartet, dass sie jemanden ihres eigenen Standes heiratet", berichtet Verbinski. "Jonathan Pryce leistet exzellente Arbeit. Er ist nicht nur der arrogante britische Gouverneur, sondern darüber hinaus auch der besorgte Vater, der nur das Beste für seine Tochter will."

"Es ist klar, dass ich sie nicht gut erzogen habe", sagt Pryce in der bedauernden Stimme seiner Figur. "Elizabeth ist abenteuerlustig und weigert sich zu gehorchen. Und aus unerfindlichen Gründen fühlt sie sich zu Piraten hingezogen. Wills Zukunftsaussichten sind nicht sonderlich gut. Ich wäre wesentlich glücklicher, wenn sie Norrington heiraten würde, da sie eine ausgezeichnete Zukunft als Frau eines Kommandanten hätte."

Wie viele der anderen am Film beteiligten Schauspieler war Pryce von dem Skript begeistert, das "eine gute Portion Witz und Intelligenz ... und eine tolle Story" beinhaltet - und nicht zuletzt begeistert von den Drehorten in der Karibik. "Ich habe hier über die Jahre immer wieder Ferien gemacht. Es ist eine Freude, dort zu arbeiten", meint er. "Und das goldene Zeitalter des Piratentums spielte sich genau hier ab."

Jack Davenport ist groß, dunkelhaarig und attraktiv und damit die Verkörperung des schnittigen Soldaten in seiner Rolle als Kommandant Norrington. Der englische Darsteller erwarb sich mit seiner Rolle als Steve Tyler in der beliebten englischen Komödienserie Coupling eine Fangemeinde.

"Jack erfasste mit seiner Darstellung genau, was es bedeutet, sich für die richtige Sache zu verschwören, doch zu wissen, dass dies nicht unter den richtigen Umständen vollzogen wird", erläutert Verbinski. "Eigentlich ist er eine der stärksten Figuren im Film, und er dient zudem als Zielscheibe in vielen der komischen Momente."

Davenport war von der Komplexität der Figur beeindruckt, die sehr leicht klischeehaft und eindimensional hätte ausfallen können. "Norrington ist im Wesentlichen die Geißel der Piraterie in der Ostkaribik. Wenn mich ein Pirat kommen sieht, dann darf er Angst haben", erklärt er. "Mir gefiel an meiner Rolle, dass er nicht nur ein schnarrender englischer Bösewicht ist. Hinter ihm steckt mehr als bloß ein grimmiges Aussehen."

Davenport, einem Witz nie abgeneigt, räumt in Bezug auf sein Kostüm ein: "Es ist auch gar nicht so einfach, Brokat grimmig aussehen zu lassen. Ich sah ein Foto von Johnny mit seinem Stirnband und Dreadlocks. Die Piraten sahen einfach so cool aus", lacht er. "Ich habe diese lächerliche Kluft an und sehe wie Eiskrem aus."

Nachdem die Hauptdarsteller versammelt waren, rundeten die Filmemacher die Besetzung mit einer bunten Ansammlung von Nebendarstellern ab. Während des Besetzungsprozesses ist es gang und gäbe für Filmemacher, viele Anfragen von Agenten und Managern, die sich nach Anstellungen für ihre Klienten erkundigen, zu erhalten.

Doch beim Casting eines Piratenfilms schien sich das Ausmaß des Interesses exponentiell zu erhöhen. Das Besetzen von Barbossas Mannschaft war besonders zeitaufwendig und führte die Filmemacher und die Besetzungsleiterin Ronna Kress um die halbe Welt, von Los Angeles über New York nach London.

"Ronna hat nicht nur ein Geschick, interessante Gesichter aufzuspüren, sondern auch, ungeschliffenes Talent zu entdecken", sagt Bruckheimer. "Sie ist beim Casting jeder einzelnen Figur peinlich genau und investiert äußerste Sorgfalt und größten Aufwand selbst in die kleinsten Rollen. Ronna war bei vielen unserer Projekte ein unschätzbarer Gewinn. Und sie macht uns auch weiterhin auf vielversprechende neue Schauspieler aufmerksam."

. "Wir erhielten viele Anrufe", erzählt Verbinski. "Wir wollten neue Gesichter, da diese Figuren dem gesamten Film einen unverbrauchten Glanz verleihen. Wenn man sich jeden dieser Kerle ansieht, hat man das Gefühl, der Film könnte einfach loslegen und anfangen, die Geschichte dieser jeweiligen Person zu erzählen."

Barbossas Mannschaft umfasst Isaac C. Singleton Jr. als Bo'sun, Lee Arenberg als Pintel und Mackenzie Crook als Pintels Kumpan Ragetti. Treva Etienne ist Koehler an der Seite seines mörderischen Partners Twigg, der von Michael Berry Jr. gespielt wird. Trevor Goddard mimt Grapple und sein Sidekick Mallot wird von Brye Cooper darstellt.

So wie die Darsteller von überall herkommen, besteht auch Barbossas Mannschaft aus einer Ansammlung von Unruhestiftern aus aller Welt. Barbossa findet seine Männer in den gefährlichen Häfen, die er besucht, und auf den mysteriösen Inseln, die er überfällt. Sie kommen von überall her: Eine Figur ist aus dem Orient, eine andere aus der Karibik, einer ist aus Dover und eine weitere stammt aus Afrika - und damit ist die Liste noch lange nicht vollständig.

Die talentierte und lustige Gruppe verbrachte unzählige Stunden miteinander, vor laufender Kamera wie auch in ihrer Freizeit. "Sie waren großartig. Am Set war ich jedes Mal in Begleitung von 20 Piraten", erläutert Geoffrey Rush. "Wir waren eine Art verrückte Bande während der Dreharbeiten. Viele dieser Kerle wohnten zusammen in einem Wohnblock in der Karibik. Sie lebten wie Piraten."

"Eine Gruppe wie diese zu besetzen, ist mit dem Kochen einer Suppe vergleichbar", fährt Verbinski fort. "Jeder Charakter ist unverkennbar und trägt zur Gesamtgeschmacksrichtung bei."

"Der Fluch, mit dem sie geschlagen sind, bringt ihre Frustration in einer Fußball-Hooligan-klebstoffschnüffelnden Art von Wahnsinn zu Tage", fügt er hinzu.

"Pintel und Ragetti sind Dick und Doof auf LSD. Sie sind gefährliche Schurken, doch man mag sie, weil sie komisch sind", lacht der Regisseur. "Koehler und Twigg sind ein Paar von Mördern, und Mallot und Grapple runden die Grundmannschaft ab. Bo'sun ist Barbossas erster Maat, er führt das Schiff. Auf ihre Weise sind sie alle verrückt."

Jacks Mannschaft ist ein unauffälligerer Haufen. Sein unerschrockenes Team umfasst Kevin R. McNally als Joshamee Gibbs, David Bailie als Cotton (zusammen mit seiner besseren Hälfte, einem Papageien) und Zoe Saldana als Anamaria.

"Sie sind die letzten Heuler", sagt Verbinski. "Es ist wie in Einer flog übers Kuckucksnest (1975). Sie werden sich kaum in eine richtige Schlägerei verwickeln lassen oder sich mit Barbossa messen. Sie sind schlicht ein großartiger Kontrast zu Barbossas kunterbunter Truppe."

Aus unerfindlichem Grund wählt Norrington Lieutenant Gillette, gespielt von Damian O'Hare, und zwei tollpatschige Untergebene, Mr. Mullroy und Mr. Murtogg, die von Angus Barnett und Giles New gespielt werden, als seine Mannschaft aus. Obwohl Barnett und New sich zuvor nicht kannten, verstanden sich die beiden Schauspieler auf Anhieb. Ein neues Komödiantenteam war geboren.

Dann waren da natürlich die Tier-Schauspieler, die ihre eigenen speziellen Bedürfnisse hatten. Barbossas Affe wird von zwei identisch aussehenden Tieren dargestellt, einem Männchen und einem Weibchen. Ihr von Natur aus weißes Gesichtsfell mußste mit Pflanzenfarben dunkel gefärbt werden, um sie teuflisch und gespenstisch aussehen zu lassen.

"Der Affe verkörperte in gewisser Weise mein psychologisches Es", lacht Geoffrey Rush. "Der Affe ist die schlaueste Person im Film, da er nie das Ziel aus den Augen verliert. Alle anderen haben eine menschliche Schwäche und stecken voller Verrat und Eifersucht und Eitelkeit, nur der Affe weiß, dass wir sämtliche Münzen zurück in die Truhe bekommen müssen."

Doch der Affe hatte mehr zu tun, als nur Zeit mit Rush zu verbringen. Das Tier mußste den Schauspieler bei jeder Phase seiner Kostümierung beobachten, damit es verstand, dass es Geoffrey war, der im Kostüm steckte. Dies war nur ein Aspekt eines sehr spezifischen Trainingsprozesses.

"Mir wurde gesagt, dass ich keine Beziehung zu dem Affen aufbauen dürfe, auch wenn es im Film so aussieht, als ob wir ein tiefes, ziemlich symbiotisches Verständnis füreinander haben", erläutert Rush. "Der Affe arbeitete immer mit seinem Trainer - es war ihm egal, ob ich existierte. Ich dachte: Na toll, mein Costar ist schwierig!"

Der auf der Schulter des stummen Piraten Cotton sitzende Papagei wird von drei Vögeln dargestellt: einem Sitzer, einem Sprecher und einem Flieger. Einer von ihnen war besonders davon angetan, an Bailies Ohr zu knabbern, weil ihm die Textur gefiel.

Nur wenige Tage bevor der gecharterte Flug aus Los Angeles abfliegen sollte, erfuhr die erstaunte Produktion, dass die Zollbehörden die Einfuhr der Papageien in die Karibik nicht gestatten würden. Eine tödliche Krankheit hatte kurz zuvor die Vogelpopulation in diesem Teil der Welt dezimiert, was zudem die gesamte Geflügelindustrie in Mitleidenschaft gezogen hatte. Obwohl eine weitere Ansteckungsgefahr eingedämmt worden war, war das Risiko zu groß, die gefiederten Freunde der Produktion in den Süden reisen zu lassen.

Die Tiertrainer Mark Harden und Ursula Brauner versuchten verzweifelt, einen Vogel mit ähnlichen Farbmarkierungen wie ihre eigenen Papageien aufzutreiben, der sich bereits auf den Westindischen Inseln befand. Wie Menschen benötigen Tiere Zeit, um Vertrauen aufzubauen, daher beschleunigte Harden den Bindungsprozess mit dem neuen Vogel so gut wie möglich.

Er hielt den Vogel nonstop, trug ihn Tag und Nacht auf seiner Schulter und auf seinem Arm herum, streichelte ihn, sprach mit ihm und beruhigte ihn ununterbrochen. Es funktionierte - und Harden besitzt die mit Krallennarben und Vogelkot bedeckten T-Shirts, es zu beweisen. Immer gutmütig und um das Wohl des Tieres besorgt, machte ihm diese Arbeit jedoch nichts aus, da er einen neuen Freund gefunden hatte.

Historie und Piratenschule Obwohl es sich bei Fluch der Karibik nur um eine Fantasy-Geschichte handelt, waren die Filmemacher gnadenlos in ihrem Bestreben, so viel als möglich über echte Piraten in Erfahrung zu bringen. Zu diesem Zweck engagierte das Studio den angesehenen Historiker Peter Twist.

Twist ist besonders interessiert am und bewandert im Piratentum der Zeitspanne zwischen 1500 und 1900. Er bot Orientierung und Rat und versorgte jede Abteilung der Produktion mit historischen Informationen zu damaligen Sitten, Details bezüglich des Kleidungsstils, einfachen Aspekten des alltäglichen Lebens, bis hin zu nautischen Kleinstdetails und Militärgeschichte.

"Ein Pirat ist jeder Einzelne, der auf hoher See ein Verbrechen begeht, ein sehr weitläufiger Begriff also", bemerkt Twist. "Diebstahl, Besitzbeschädigung, Dinge dieser Art werden als Piraterie angesehen." Obwohl die Piratenrollen nicht auf echten Piraten basieren, ist der Film "eine Sammlung aus vielen Dingen, die von echten Piraten begangen wurden, und echtem Piratenkodex. Daher basiert er also auf Fakten", betont er.

"Piraterie gibt es, seitdem der Mensch erstmals in See stach", merkt Twist an. "Julius Cäsar wurde von Piraten gefangen genommen, und die Geschichte aller antiken Kulturen, wie Ägypten, erwähnt Piraten. Sie haben schon immer existiert."

"Die ersten Piraten operierten als Individualisten, waren willkürlich und undiszipliniert", sagt er. "Im Laufe der Zeit wurde Piraterie ausgeklügelter. Zu Kriegszeiten beispielsweise stellte eine Regierung manchen Leuten einen so genannten Letter of Mark, einen ,Zielscheiben-Brief', aus, damit sie die Schifffahrt des Feindes angreifen konnten. Die Matrosen und die Regierung teilten sich dann das Geld, und es war völlig legal."

Jede Menge Schiffsbesitzer und Matrosen empfanden dies als profitable Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. So profitabel, dass sie diese Praxis auch nach Kriegsende fortführten, als es nicht mehr legal war. "Das ist Piraterie", sagt Twist.

Die Karibikinseln waren besonders wertvoll, erklärt er. "Neben dem Gold und Silber waren die Erntegüter und andere Produkte, die dort produziert wurden, hoch geschätzt. Es lohnte sich sehr, sie zu stehlen. Daher war die Karibik für Piraten ein selbstverständlicher Ort für die Ausübung ihrer Taten."

Twist hebt hervor, dass die legendäre Piratenbeute, der vergrabene Schatz, schlichtweg ein Mythos ist. "Das Vergraben von Schätzen fand so gut wie nie statt. Die Geschichte lehrt uns, dass typische Piraten ihre Beute aufteilten und dann den nächsten relativ piratenfreundlichen Hafen anliefen. Dort hielten sie dann wilde Zechgelage ab und jagten Frauen hinterher, sodass nichts zum Vergraben übrig blieb."

Die berühmtesten Piraten hatten Twist zufolge "eher kurze und gewalttätige Karrieren, doch sie häuften riesige Geldbeträge an. Es war der Reiz des schnellen Geldes, weswegen sich die Leute der Piraterie zuwandten."

Trotz des Rufs von Piraten, schnell zu leben und jung zu sterben, sieht Verbinski eine moralische Zweideutigkeit in ihrem Geschäft. "Dies wird illustriert, wenn man sich ansieht, was im Kern der Piraterie liegt", sagt Verbinski. "Nach wessen Regeln lebt die Gesellschaft? Wer sind die Leute, die diese Regeln gemacht haben? Sind dies lediglich Regeln, um die Massen und die herrschende Klasse in ihren Stellungen zu halten? Und gilt für den Piraten letztlich wirklich nur, dass er nichts zu verlieren hat?"

Die Filmemacher machen kein Geheimnis daraus, dass sie sich mit der Zeitperiode, in der ihre Geschichte sich abspielt, Freiheiten nahmen. "Es ist eine Fantasie, daher mußsten wir uns auf keine bestimmte Periode festlegen", erläutert Bruckheimer. "Wir wollten jedoch dem Gesamtgefühl der Ära treu bleiben. In unserem Bemühen, eine Annäherung zu finden, richteten wir unsere Aufmerksamkeit insbesondere auf die Jahre zwischen 1720 und 1750."

"Ich denke, unsere Geschichte trägt sich gegen Ende des goldenen Zeitalters der Piraterie zu, als die Morgans lebten", bemerkt Verbinski. "Vielleicht in den späten 1720ern. Barbossa gehört zum letzten verbleibenden Abschaum der Piraterie, der entfernt werden mußs, und ist folglich mit am schwierigsten loszuwerden. So geraten wir in eine Welt, in der der Mythos der Piraten den eigentlichen Figuren weit voraus ist. Das Spiel damit machte viel Spaß."

Um die Authentizität des Films zu maximieren, verbrachten alle Piratendarsteller und einige der Schauspieler, die britische Marineoffiziere mimen, mehrere Trainingswochen mit dem Stuntkoordinator George Marshall Ruge und seinen Schwertmeistern Robert Anderson und Mark Ivie. Ruge hatte Anderson und dessen Protegé Ivie ursprünglich bei der Arbeit an Die Maske des Zorro (1998) kennen gelernt.

"Bob ist ein legendärer Schwertmeister", sagt Ruge. "Als er in Los Angeles ankam, war die Kampfchoreographie bereits weitgehend abgeschlossen. Doch ich wollte den Schauspielern die Chance geben, ihn kennen zu lernen und mit ihm zu arbeiten, nur um ihnen die extra zehn Prozent zu vermitteln, die nur Bob geben kann, weil er dies seit 50 Jahren macht. Keiner hat diese Erfahrung oder Energie. Es hat sich total gelohnt. Allein die Idee, dass die Darsteller Bobs Geschichte kannten, und der Umstand, dass er einer der Besten im Geschäft ist, ein legendärer Schwertmeister, machte sie auf ihr Training gespannt."

Jeder echte Pirat hat Narben und oftmals ein oder zwei fehlende Körperteile vorzuweisen, was seinen Umgang mit dem Schwert beweist. Für die Piratendarsteller waren die Stunden mit den Schwertmeistern äußerst wichtig, vergleichbar mit "Piratenschule 101 (Grundkurs)".

Da er vor einigen Jahren bereits Hauptdarsteller in Don Juan De Marco (1995) gewesen war, hatte Johnny Depp bereits etwas Unterricht in der Kunst des Fechtens erhalten. "Ich erinnerte mich an das Fechten, das ich gemacht hatte, als totales Körpertraining", meint Depp.

"Es ist ein wunderschöner Sport, sehr balletthaft und präzise. Bei diesem Film war die Schwertarbeit, bei der man sich richtig in den Angriff legt, wesentlich komplexer. Es war viel mehr Arbeit, und es gab mehr Bewegungsabläufe zu lernen. Ein paar Kämpfe schienen zehn Minuten lang zu dauern. In diesen Szenen drehte sich alles um die Choreographie, die Worte kamen später."

Wie es der Zufall wollte, hatte Orlando Bloom bereits mit Ruge sowie Anderson bei Der Herr der Ringe trainiert. "Es war toll, wieder mit Bob zu arbeiten", sagt Bloom. "Ich hatte ein wenig Fechtunterricht, während ich die Schauspielschule in London besuchte, doch mit jemandem zu arbeiten, der so fähig ist wie Bob, ist eine völlig andere Sache. Was soll ich sagen - dies ist der Mann, der Errol Flynn unterrichtet hat!"

"Ich sah mir Der Freibeuter (1953) an, in dem er als Double von Errol fungiert", fährt Bloom fort. "Es war umwerfend. Was so toll an Bob ist, ist dass er die Figur kennt. Er versteht die Notwendigkeit, einen Kampf glatt und sauber aussehen zu lassen, ohne das Gespür für den Charakter zu verlieren."

"Bob versteht das Schauspielen mit dem Schwert", stimmt Geoffrey Rush zu, der vorwiegend mit einem Krummdegen trainierte. "Er sagte: ,Nur weil es schneller wird, heißt es nicht, dass es besser ist.' Die Pausen dazwischen und die Szenen, in denen man Auge zu Auge spielt, sind genauso wichtig wie die schnellen, blenderischen Aspekte. Es war großartig, ihn mit an Bord zu haben."

Während der kurzen Zeit, die Anderson mit den Schauspielern verbrachte, stellte Ruge sicher, dass er ihnen das Grundwissen beibrachte und ihnen so viel als möglich von seinen technischen Fähigkeiten vermittelte. Beim Lernen, ein Pirat zu sein, ging es nicht nur darum, das Gehabe und Benehmen eines Banditen zu imitieren, sondern auch darum, im ernsthaften Studium zu erlernen, ein Krummschwert oder ein Rapier zu führen.

"Piratenfilme sehe ich am liebsten", sagt Anderson. "Modernes Fechten, wie die Wettkämpfe, die man bei den Olympischen Spielen sieht, ist ausgesprochen technisch und präzise in seinen Aktionen. Leinwandkämpfe werden im Gegensatz dazu so choreographiert, dass die Kämpfer die Action für die Kamera so beeindruckend wie möglich aussehen lassen. Doch ob es nun antike oder moderne Schwertkunst ist, man beginnt damit zu lernen, wie man das Schwert richtig hält und es für Angriff und Defensive führt. Und obwohl wir Repliken aus Aluminium benutzen, steht Sicherheit bei mir an allererster Stelle, da das Handhaben eines jeden Schwertes gefährlich ist."

"Schwertkunst ist eine Konversation", erläutert er. "Die Gegner sprechen miteinander durch ihre Klinge. Der Kampfstil variiert für jede Rolle. Wenn es mir gelingt, das Schwert sagen zu lassen, was im Skript passiert, in derselben Art, wie der Dialog die Story vermittelt, dann habe ich das Gefühl, erfolgreich gewesen zu sein."

Die Produktion beginnt Die Dreharbeiten zu Fluch der Karibik begannen am 9. Oktober 2002. Die ersten beiden Wochen der Produktion wurden in Studios verbracht. Die Abteilungen für Bühnenbau und künstlerische Gestaltung errichteten den atmosphärischen Innenraum der Kapitänskabine der Black Pearl bei KABC, einem lokalen Nachrichtensender in Glendale, Kalifornien.

In den Raleigh Studios in Manhattan Beach bauten sie einen beträchtlichen Teil der kunstvollen Villa des Gouverneurs - Esszimmer, Schlafzimmer, Gänge, Wäscheschrank, ein Foyer im ersten und zweiten Stock sowie einen Treppenaufgang, den die Crew prompt mit Kanonenfeuer zerstörte.

Das drei Morgen große Klippengelände in Palos Verdes, auf dem früher die beliebte Touristenattraktion Marineland stand, ist jetzt ein leeres, völlig flaches Gelände. Es befindet sich auf der Spitze einer spektakulären Hügelanhöhe mit einer unbezahlbaren 180-Grad-Aussicht auf den Pazifik. Seit der Schließung des Parks hat jedes große Studio diesen Platz und das atemberaubende Panorama zu seinem Vorteil genutzt.

Die massive suburbane Auswucherung hat es für Produktionen so gut wie unmöglich gemacht, noch unbebautes Land mit Panorama-Hintergrund zu finden, das sich für historische Stoffe eignet. Da in Palos Verdes keine Stromleitungen, hochragende Gebäude am Horizont oder Straßen zu entdecken sind, war es der perfekte Ort, das Fort Charles von Port Royal zu errichten.

Mit mächtigen Brüstungen auf stattlichen Steinwänden und einem herrlichen gewölbten Glockenturm mit einem ausgeprägten spanischen Flair, das jeden strahlenden Sonnenuntergang zur Schau stellen ließ, erweckte das als Militärbasis des 18. Jahrhunderts gedachte Set eher den Anschein eines Ausflugsziels. Die große künstliche Festung umfasste zudem den Amtsraum des Kommandanten, einen feuchten Gefängniszellenblock und im Innenhof des Forts einen Galgen, um den "Einheimischen" in Erinnerung zu rufen, wo sie sich befanden.

Dieselbe Location beherbergte noch etliche weitere Setteile, inklusive der Innenräume und der Fassade der Gouverneursvilla, der Bucht von Port Royal und des Raums für die Arbeit mit dem Blue-Screen-Background.

Der Einfallsreichtum, die Kunstfertigkeit und das technische Know-how von Produktionsdesigner Brian Morris und seinem ausführenden Team, bestehend aus dem leitenden Art Director Derek R. Hill, Bautenkoordinator Bob Blackburn und Requisiteur Larry Dias sowie ihrem engagierten Team von Handwerkern, ließ die Kollegen vom Drehteam immer wieder staunen. Der erste Schritt ans Set war damit vergleichbar, die Schwelle eines Zeitkontinuums zu überschreiten und eine neue Welt zu entdecken.

Für die tropischen Szenen zogen die Filmemacher zunächst in Betracht, auf der Santa-Catalina-Insel vor der Küste von Long Beach zu drehen, um so Zeit und Geld zu sparen. Doch es wurde ihnen schnell bewusst, dass sie ein realistischeres Aussehen für ihren Bildhintergrund wollten.

"Wir hätten in Erwägung ziehen können, uns Locations in Australien und Thailand anzusehen", sagt der ausführende Produzent Bruce Hendricks. "Doch es wäre als das zu erkennen gewesen, was es ist - das Südchinesische Meer. Wir wollten unbedingt den Look der Karibik beibehalten, ähnlich in der Art, wie wir Pearl Harbor machten - dafür mußsten wir nach Pearl Harbor gehen. Im Moment drehen wir The Alamo, und es wäre Betrug, wenn wir nicht nach Texas gingen. Wir wollen dem Thema immer treu und akkurat verbunden bleiben, weil das auf der Leinwand zu erkennen ist."

"Das Wasser, der Sand und die Palmen haben eine ganz eigene Qualität in der Karibik - wir wussten, dass wir dort drehen mußsten", berichtet Verbinski.

"Es ergab sich, dass wir die ganze Karibik für mehrere Monate absuchten", fährt er fort. "Ich bin sicher, wir haben uns mindestens 20 verschiedene Inseln angeschaut."

"Es ist erstaunlich, wie schnell man bei der Locationsuche eines Films dieser Art feststellt, dass die Welt wahnsinnig überbevölkert ist", lacht der Regisseur. "Man sucht nach einer üppigen, tiefen, wohlgeformten Bucht, an der kein Hotel genau in der Mitte von deiner Aufnahme liegt. Es gibt keine unbewohnten Inseln mehr da draußen. Sie existieren einfach nicht."

St. Vincent ergab sich aufgrund seiner geographischen Aspekte als die offensichtliche Wahl für den Basispunkt der Produktion. Es finden sich dort zwar keine weißen Strände, doch dafür konnten die Filmemacher nach Petite Tabac und den Grenadines gehen, um den gewünschten Look für bestimmte Szenen zu bekommen. Die Außeninseln der Grenadines eigneten sich besonders gut für die verlassene Insel, auf der Jack und Elizabeth von Barbossa zurückgelassen werden.

Im August 2002 zog eine kleine Gruppe von 30 Mitarbeitern los, um die Produktionsbüros zu errichten und mit den Bauarbeiten in der Karibik zu beginnen. Die Hauptbesetzung und die Hauptcrew folgten erst am 18. Januar 2003, als alle voll bepackt eine gecharterte Boeing 747 bestiegen, dann auf eine wilde Fährenfahrt umstiegen und tief in den Süden reisten.

Da St. Vincent kein bedeutendes Urlaubsziel ist, wurde die Produktion zur Hauptattraktion der Stadt, als die Firma jedes Hotelzimmer - insgesamt über 325 - sowie jedes freie Apartment und Haus auf der Insel anmietete.

Die Einwohner und die Regierung von St. Vincent und den Grenadines waren unglaublich entgegenkommend und hilfreich. Es dauerte nicht lange, bis die Crew aus Hollywood (bestehend aus Amerikanern und Engländern) sich entspannte und sich den Lebensrhythmus der Inseln zu Eigen machte. Alles andere hätte sich als Zeitverschwendung erwiesen.

Das Leben auf den Westindischen Inseln dreht sich einfach nicht um Tagesordnungen und Abgabetermine. Selbst die lokalen Fluggesellschaften operieren nach ihrem eigenen Zeitplan, Taxifahrer verlangen, was immer sie wollen oder wie viel Kleingeld man eben aus der Tasche graben kann, die meisten Geschäfte schließen am Nachmittag, und viele Läden bleiben am Samstag oder Sonntag ganz geschlossen.

Dem Anliegen, einen Film zu drehen, der sich vorwiegend in, auf oder an Wasser abspielt, stand die Gastfreundlichkeit des Drehorts keineswegs in entmutigender Weise entgegen. Die karibischen Sets waren im Grunde über 36 Meilen auf offener See verteilt, so dass Boote nicht nur zum Filmen, Tauchen und Arbeiten, sondern auch als Transportmittel benutzt wurden. Bis zu 400 Leute pro Tag unternahmen den Hin- und Rückweg zu Wallilabu und den umliegenden Meeresarmen per Boot.

Während eines zweiwöchigen Zeitraums stach die Company in See und filmte auf den offenen Gewässern der Karibik, zwischen acht und 13 Meilen von den beruhigten Ufern von Wallilabu entfernt, wo die künstlerische Abteilung Port Royals Hafen und ein komfortables Basiscamp für die Crew errichtet hatte. Bei Wellen, die zwischen zwei und drei Metern groß waren, schluckte ein Großteil der Besetzung und Crew Pillen gegen Seekrankheit.

Vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang kein Land in Sicht zu haben, erwies sich als bedeutende Last und fundamentales Hindernis für die Produktion. "Alles ist wahr, was über das Filmen im Wasser gesagt wird", berichtet Verbinski.

"Alles, was schief laufen kann, geht schief, das ist einfach so. Sobald man das Boot in der richtigen Position hat, dreht der Wind. Selbst wenn man die Dinge verankert, bewegt sich alles, die Entfernung zwischen Gegenständen verändert sich. Die Kamera ist an einem Punkt und wir stellen die Aufnahme für einen Darsteller ein, und dann treibt alles davon. Endlich ist der Wind richtig, um die Segel zu füllen, aber dann kommt die Sonne aus der falschen Richtung. Wenn man andersrum gutes Hinterlicht haben möchte, passen die Segel wieder nicht ..."

"Wir warteten darauf, eine wirklich substanzielle, aussagestarke, dialoglastige Szene auf Deck zu drehen", erklärt Rush, "und dann drehte der Wind und der Rauch wehte aus der falschen Richtung. Dann mußste man warten, bis sechs Boote zur anderen Seite herumkamen. Wir arbeiteten mit peinlichster Detailsorgfalt - so, wie es sich gehört."

"Man beginnt morgens mit den Dreharbeiten", erläutert Verbinski, "und am Nachmittag ist man vier Meilen weit draußen. Plötzlich hat man diese Armada hinter sich, die aufzuschließen versucht und einen mit Sandwiches jagt."

Produktionsdesign und Kameraarbeit: Von Los Angeles Harbor zu St. Vincent und den Grenadines Unter eher unkonventionellen Produktionsumständen begannen die Filmemacher mit dem Entwerfen und Herstellen vieler Setbauten sowie der Locationsuche bereits vor der Fertigstellung des Drehbuchs. "Ich konnte bereits Storyboards anfertigen, bevor viele der Szenen fertig gestellt waren, da vieles vom Gerüst bereits vorhanden war", sagt Verbinski. "Ausstatter Brian Morris und ich begannen mit der Erforschung von Ideen, diskutierten sie mit den Autoren, und einige davon landeten im Drehbuch."

Morris genoss die Zusammenarbeit mit seinem Regisseur. "Das Ausmaß von Gores Filmschaffen war sehr ansprechend und diesem Projekt genau angemessen", meint er. "Gores Arbeitsweise ist unglaublich visuell. Selbst in seiner privaten Umgebung kann man sofort sehen, dass er Stil und Geschmack besitzt. Er gab mir das Gefühl, mir bei der Handhabung meines Jobs zu vertrauen, was immer großartig ist."

Die Geschichte präsentierte kontrastierende Motive. Auf der einen Hand waren der Fluch und ein durchdringendes Gefühl von Boshaftigkeit die vorherrschenden Themen. Auf der anderen Seite gab es die gelackte Ordnung der steifen, vornehmen Briten.

Dariusz Wolski, der mit Gore Verbinski zuvor schon an The Mexican (2000) gearbeitet hatte, übernahm bei Fluch der Karibik erneut die Kameraleitung.

"Er war die perfekte Wahl", sagt Verbinski über Wolski. "Ich habe bereits mit ihm gearbeitet, doch in einer völlig anderen Weise. Bei Fluch der Karibik geht es um die Schöpfung eines bestimmten Stils und Designs, bei The Mexican ging es um die völlige Abwesenheit von Stil."

Wie die meisten Crewmitglieder empfand Wolski den Dreh auf dem Wasser als gewaltige Herausforderung. "Der schwierigste Teil aus der Sicht eines Kameraleiters waren die Tagesaußenaufnahmen", erläutert Wolski.

"Normalerweise weiß man bei Tagesaußenaufnahmen, wie die Sonne am Himmel wandert, und man dreht sich entsprechend, um ein Gefühl der Kontinuität bei der Ausleuchtung im Laufe des Tages beizubehalten. Jetzt fügten wir ein weiteres Element hinzu, nämlich das Boot. Und das Boot kann sich nur in einer bestimmten Weise bewegen - in die Richtung, in die der Wind bläst."

Doch Wolski machte seine Arbeit Spaß. "Es war fantastisch. Es war herausfordernd - man versucht mit aller Kraft, alles so gut wie möglich zu machen; es ist ein großartiger Film. Aber ich bin echt froh, dass ich es gemacht habe."

Während Morris Gemälde der damaligen Periode genauestens studierte, verbrachten Wolski und Verbinski so viel Zeit wie möglich damit, sich alte Piratenfilme anzusehen und die Storyelemente und visuellen Aspekte großer Abenteuerfilme zu studieren. Sie beschlossen, einen noch majestätischeren und ausgeschmückteren Weg als ihre Vorgänger einzuschlagen.

Ein Beispiel dieser Extravaganz ist die Piratenhöhle, in die Barbossa viele seiner Reichtümer gebracht hat, die er mit seiner Mannschaft erplündert hat. Dies war das Hauptstück der vielen in den Walt Disney Studios in Burbank gebauten Sets. Die größte Bühne auf dem Disneygelände, Bühne Nr. 2, war derselbe Raum, den das Studio 1997 überarbeitet hatte, um das enormen Asteroidenset für Bruckheimers Armageddon - Das jüngste Gericht (1998) unterzubringen.

Die frisch vergrößerte Bühne war der perfekte Ort für eine üppig ausgeschmückte Höhle, die mit windenden Wasserwegen, einem Wassergraben, kleinen Grotten und trügerischem Felsgelände ausgestattet wurde.

Produktionsdesigner Brian Morris hatte völlig freie Hand beim Entwurf des perfekten Piratenverstecks. "Brian und Gore pendelten von einem Ende des Spektrums zum anderen", sagt Bruckheimer.

"Ein Piratenlager ist ein ausgesprochen mystischer Ort. Einen Drehort wie diesen zu kreieren, ist der wahr gewordene Traum eines jeden kreativen Kopfs. Natürlich mußsten Brian und Gore bestimmte Action- und Storypunkte in Betracht ziehen, doch da die Höhle als arbeitsmöglicher Raum gebaut war, hatten sie Carte blanche."

100 Handwerker bauten fünf Monate an dem Höhlenset. Anschließend wurde er in einem drei- bis viertägigen Prozess mit 1,2 Millionen Liter Wasser gefüllt und über einen Zeitraum von drei Wochen ausgestattet.

Innenrequisiteur Larry Dias und sein Team verbrachten geraume Zeit damit, die Ära zu recherchieren, in der der Film spielen sollte, und nach den passenden Gegenständen zur Dekoration des weitläufigen Sets zu suchen. "Es war eine gewaltige Arbeit, auch nur zu versuchen, sowohl der Zeitperiode als auch dem Stil des Films, den Gore machte, treu zu bleiben", erzählt Dias.

"Wir mußsten versuchen, die Sets authentisch aussehen zu lassen, da der Film ein sehr dramatisches Flair hat. Zugleich ist er aber komisch, daher versuchten wir eine Stimmung zu erzeugen, die realistisch, gleichzeitig aber auch filmgemäß war."

"Die Schatzhöhle war sehr groß und sehr dunkel", führt Dias weiter aus. "Daher war es ein ziemliches Unterfangen, die Quantität und Qualität der Sachen, die diese Piraten dort seit Jahren hingebracht hatten, zusammenzutragen."

Verbinski wollte überall Gold haben. Er wiederholte der künstlerischen Abteilung seinen Wunsch bei jeder Gelegenheit: Piraten sind keine Kunstsammler - sie sind nur hinter dem Geld her. "Gore erinnerte uns daran, dass Piraten nur am baren Wert eines jeden Gegenstands interessiert sind", erinnert sich Dias.

"Wir bemalten Hunderte Quadratmeter von Gestein, um es wie Goldklumpen aussehen zu lassen, und sammelten Hunderte Meter von falschen Perlenketten. Wir fanden eine Menge von seltsamen Objekten, die von Piraten hätten erplündert sein können. Es war kniffelig, wir versuchten, eine gewisse Textur zu erzielen, ohne dass es zu lächerlich wurde. Wir waren sehr sorgfältig, Unordnung zu schaffen und die Höhle willkürlich aussehen zu lassen. So als ob die Piraten Schiffsladungen ihrer Beute genommen und einfach abgeladen hatten, wo immer sich Platz fand."

Dias trieb zwei Hersteller von Imitationsmünzen auf. Einen in New Orleans, der normalerweise Schmuckstückchen für Mardi Gras herstellt, und eine weitere Firma in Kanada. Er bestellte annähernd eine Million Dublonen, die in drei Farben geprägt waren, allesamt Nachahmungen des "Piece of Eight", des spanischen Silberdollars.

Die Schiffe: Real und erdacht Kein Piratenfilm ist vollständig ohne die richtigen Piratenschiffe. Drei Schiffe dominieren die Action in Fluch der Karibik. Die Filmemacher konzentrierten sich auf zwei Schiffe innerhalb der britischen Armada - die Interceptor, ein schnittiger, zweimastiger Klipper, der als das schnellste Schiff im Dienste Seiner Majestät gilt, und die H.M.S. Dauntless, eines der bedeutendsten Kriegsschiffe des Imperiums. Ein drittes Schiff mit einer mysteriösen Vergangenheit ist das (Original-)Titelschiff, die Black Pearl, eine Galeone, die Captain Jack mehrere Jahre zuvor von Barbossa und seiner teuflischen Mannschaft gestohlen worden war.

Nur wenige Schiffe, die heute noch existieren, könnten für ein Schiff gehalten werden, das aus dem 18. Jahrhundert stammt. Anfangs hatten das Studio und die Produzenten angenommen, dass sie jedes in der Story vorkommende Schiff bauen müssten. Sie hätten nie im Leben geahnt, dass sie geradezu über einen Schatz an Informationen und Kontaktpersonen, die wussten, wo man brauchbare Stand-ins finden könnte, stolpern würden, als sie Marinekoordinator Matt O'Connor engagierten.

O'Connor ist ein Bootsfahrt-Enthusiast und Meeresspezialist, der seit 15 Jahren im Filmgeschäft arbeitet. Er kontaktierte einen Mitarbeiter in Seattle und überredete ihn, seinen Direktorenverband zu überzeugen, der Produktion ihr wertvolles Segelschiff, die Lady Washington, zur Verfügung zu stellen. Inklusive seiner voll besetzten Mannschaft und an einem Drehort, der um die halbe Welt herum von seinem Heimathafen entfernt lag - und das für einen ungewöhnlich langen Zeitraum.

Davor mußsten aber auch noch beträchtliche strukturelle Veränderungen an dem Schiff vorgenommen werden. Les Bolton, Executive Director der historischen Hafenbehörde von Grace Harbor, die die Lady Washington besitzt und betreibt, nahm die Herausforderung an - unbeirrt von den Schwierigkeiten, die ein solches Unternehmen mit sich bringen würde. Das Angebot war zu verlockend, um es abzulehnen, und so wurde die Lady Washington in der Rolle der Interceptor ein weiteres geschätztes Element der Ausstattung.

Die Lady Washington ist eine zeitperioden- und maßstabsgetreue Reproduktion des Schiffs, das 1789 erstmals im pazifischen Nordwesten anlegte. Bolton zufolge ist die Lady Washington eine sehr angemessene Wahl für den Einsatz als Interceptor. Schiffe ihrer Art wurden als sehr praktisch und manövrierbar angesehen und beschleunigten schnell. Sie können blitzschnell einfallen und leicht größere und kraftvollere Schiffe schikanieren - genau das, wofür die Interceptor im Film benutzt wird.

Mehrere Modifikationen waren notwendig, nicht nur um die Lady Washington in die Interceptor zu verwandeln, sondern auch um das Schiff seetüchtig genug zu machen, damit es die 6.500-Kilometer-Fahrt von Port Townsend, Washington nach Long Beach und anschließend in die Karibik bewältigen konnte. Diese Veränderungen umfassten alles von neuen Planken für Teile des Decks über die Installation von Gitterdeckeln für die Verschläge, um beim Segeln in wärmerem Klima für Ventilation zu sorgen, bis zum Einbau von Schusslöchern und zu einem neuen Anstrich für das Schiff.<<P> Die Lady Washington verließ Long Beach in Richtung St. Vincent und den Grenadines am 2. Dezember und machte ihren ersten Stopp in Acapulco, um Treibstoff und Proviant aufzustocken. Am Weihnachtstag durchquerte sie den Panamakanal. Sie fuhr gegen schwere Handelswinde zur denkbar schlechtesten Zeit des Jahres.

Während sie durch besonders schlimmes Wetter segelte, wurde der Klüverbaum komplett abrasiert. Nachdem die Mannschaft das über Bord gegangene Equipment ersetzt hatte, lief das Schiff den nächsten Hafen in Cartagena, Kolumbien, an. Sobald die Lady Washington wieder seetüchtig war, segelte sie weiter nach St. Vincent, wo sie am 12. Januar 2003 ankam.

Die Mannschaft der Lady Washington wurde auch vor der Kamera eingesetzt. Sie bestand aus Frauen und Männern, erfahrenen Professionellen sowie Auszubildenden, im Alter von 16 bis Mitte 50. Alle von ihnen können jetzt stolz behaupten, in einem Piratenfilm mitgewirkt zu haben, wobei die Damen gelegentlich sogar mit Barthaaren ausgestattet waren.

Da sie scheinbar ohne eine Möglichkeit, Barbossa zu verfolgen, gestrandet sind, haben Jack und Will Turner keine andere Wahl, als sich ein Schiff "auszuleihen". So springen sie an Bord der Interceptor, um sich auf offene Gewässer zu begeben. Als die Crew Segelaufnahmen der Interceptor vom Deck der Dauntless aus filmte, beschloss Verbinski, dass Jack Sparrow am Steuerrad stehen und das Schiff führen sollte, während Will die Segel hisste und einholte.

Unglücklicherweise hatten die Schauspieler keine Ahnung, wie man diese Dinge macht. Verbinski erklärte der Mannschaft der Lady Washington, die die Interceptor segelte, sie solle sich ducken und verstecken, damit nur die beiden Schauspieler zu sehen wären, wenn die beiden Schiffe einander passierten.

"Die Kameras rollten, sie hatten gerade an den Masten hantiert. Als nächstes verschwand der Kapitän sozusagen, und ich stand allein am Steuerrad. Mir blieb nichts anderes übrig, als es zu ergreifen", erzählt Depp ungläubig.

"Keiner hatte mir gesagt, dass ich das Schiff steuern würde. Es war eine Feuerprobe. Bei der zweiten Aufnahme dachte ich, wir würden die Dauntless rammen. Dann sagt Gore zu mir: ,Johnny, komm näher, bring das Boot näher'. Und ich dachte: ,Oh, Mann, ich habe gerade zum ersten Mal ein riesiges Schiff mit scheinbar halsbrecherischer Geschwindigkeit gesteuert! Komm näher?'", lacht er. "Doch wir haben überlebt."

Orlando erinnert sich gut an die Szene. "Wir segelten dieses riesige Schiff auf offenem Meer", sagt er. "Irgendwann blickte ich über meine Schulter, und da steht Johnny am Steuer mit seinem Hut und seinen Goldzähnen. Und ich ziehe an einem Tau und denke mir: ,Ich kann einfach nicht glauben, dass ich dies mache.'"

Das Schiff von Kommandant Norrington, die Dauntless, sollte dem britischen Kriegsschiff The Victory ähneln. Als berühmtes 100-Kanonen-Schiff, das zu seinen Glanzzeiten zahllose Schlachten gewann, war die Victory der Stolz der englischen Flotte. Da heute keine Schiffe dieser Art mehr existieren, war die Produktionsfirma gezwungen, Teile des Schiffs nachzubauen, indem Modelle von seinem Oldtimer-Vorbild benutzt wurden.

Um das Schiff zu bauen, wurden schließlich Teile davon auf einem Treibkahn errichtet, der am Pier C in Los Angeles angedockt war. Konstruktionskoordinator Bob Blackburn und seine Crew begannen dort mit dem Bau der Dauntless, bevor für das Filmen der Auslauf zum Hafen von Los Angeles verlegt wurde.

Die Dauntless ist eines der innovativsten Filmsets, die je hergestellt worden sind. Der Bau begann schon, bevor die Pläne für das Schiff fertig gestellt waren. An einem Punkt arbeiteten 150 Leute an der Konstruktion des schwimmenden Sets. Der Bau dauerte dreieinhalb Monate, bei Regen oder Sonnenschein. Das Set selbst sah aus wie ein teilweise seziertes Schiff, bei dem ein Teil aus seiner Backbordseite herausgeschnitten worden war.

Bei seiner Fertigstellung war das Schiff 55 Meter lang und elf Meter breit, bestand aus etwa 20.000 Kilogramm Stahl und verfügte über 1.000 Quadratfuß an Segeln. Sieben Mobiltelefone, fünf Männer, drei Schweißmasken, zwei Dutzend Maßbänder, eine Metallsäge und zahllose Werkzeuge fielen während der Konstruktionsarbeiten über Bord.

Die Herstellung der Black Pearl im Long Beach Dome neben der Queen Mary war ein wenig harmloser. Der stationäre Set wurde auf einer beweglichen Rotationsscheibe gebaut. Blackburns Crew arbeitete drei Monate an diesem Set.

Gore Verbinski meint: "Die Black Pearl ist ein Geisterschiff. Wir haben es in Abschnitten gefilmt, einige auf der Bühne und einige auf einem Kahn, der ins offene Wasser gezogen wurde." Oftmals wurde die Black Pearl von einem Schleppkahn gezogen, der beim Visuelle-Effekte-Prozess aus dem Bild entfernt werden mußste.

Wie jeder Luxussportwagen mit allen Extras auf den Straßen heutzutage, ist auch die Black Pearl mit allem Drum und Dran "aufgemotzt" - mit allem, was zu einem guten Piratenschiff gehört. Es mußs schließlich einen Grund dafür geben, weshalb sowohl Captain Jack als auch Barbossa Anspruch auf das Schiff erheben.

"Die Black Pearl mußste die Quintessenz eines Piratenschiffs sein", sagt Bruckheimer. "Gore und ich waren uns einig, dass es wie eine Ikone sein sollte. Denn dieses Schiff ist die Ursache für den lebenslangen Streit zwischen Jack und Barbossa, dem Sieger gehört die Beute. Das Schiff ist ein Symbol für jeden Schatz, den sie je ins Auge gefasst haben."

Visuelle Effekte: Die Kreation der lebenden Untoten "Wir haben ein zusätzliches Element in diesem Film", sagt Bruckheimer. "Und das ist der übernatürliche Aspekt der Geschichte, der nach unglaublichen visuellen Effekten verlangt. Daher gingen wir zu ILM, die bereits in der Vergangenheit tolle Jobs für uns geleistet haben."

"Der Effekt, der die Piraten bei Mondlicht in lebende Skelette verwandelt, erhöht die mit Spannung aufgeladene Stimmung auf der Leinwand", sagt Verbinski. "So hatten wir noch mehr Spaß mit dem Genre und den Figuren."

"Das erste Mal, dass elektronisch kontrollierte Puppen verwandt wurden, war bei der Disney-Vergnügungsparkattraktion", fährt der Regisseur fort. "Wenn man die bellenden Hunde und die sprechenden Skelette sah, fragte man sich, ob sie echt waren oder nicht. Das heutige Publikum ist aufgrund von fortgeschrittenen Filmeffekten viel abgebrühter. Wir benutzen computergenerierte Animation, um so dieselbe Realität für die heutigen Zuschauer zu kreieren."

John Knoll und sein Expertenteam bei Industrial Light & Magic wurden mit der Aufgabe betraut, die skelettierten Piraten zum Leben zu erwecken. Unter Druck eines unerhört knappen Fertigstellungstermins begannen Knoll und der Animations-Supervisor Hal Hickel mit Skizzen und einem animatronischen Sample.

Knoll, Bruckheimer, Verbinski und Bruce Hendricks verbrachten unzählige Stunden mit der Diskussion, wie die Piraten illustriert werden sollten, um die perfekte Balance zwischen Lebendigkeit und Verwesung zu erreichen.

Visuelle Effekte werden nicht nur dann eingesetzt, wenn sichtbar ist, wie die Schauspieler sich in Gerippe verwandeln, sondern auch dann, wenn eine Figur komplett zu einem animierten Skelett wird. Die Filmemacher wollten keine Stop-Motion oder ähnliche Effekte, wie sie häufig in mystischen Geschichten verwandt werden.

"John Knoll und sein Team dachten sich einige einzigartige Bilder aus, die uns sehr beeindruckten", erzählt Bruckheimer. "Der Zeitdruck, unter dem ILM arbeiten mußste, war unbeschreiblich. Die Detailgenauigkeit und Sorgfalt, die verwandt wurden, sind erstaunlich."

Für Knoll und seine Crew unterteilten sich die visuellen Effekte des Films in drei Kategorien: die Maskenmalerei für die Einführung der Umgebungen, die Schiffe zu See (da es für die Black Pearl und die Dauntless keine vollständigen Schiffe gab) und die Skelettpiraten.

Das Kreieren der Skelettpiraten war für Knoll der aufregendste Aspekt des Jobs: "Es ist solch ein kraftvoller Eindruck. Man sieht sie nur im Mondlicht als Gerippe, es fängt also schon mit gespenstischen Umständen an. Dies sind coole Aufnahmen."

Der Designvorgang für die Skelettpiraten begann mit dem Fotografieren der Schauspieler mit Make-up und in ihren Kostümen. "Dann malte VFX Art Director Aaron McBride von jedem eine Version in Skelettform", erläutert Knoll. "Wir durchliefen ein paar Revisionen, bis wir von Gore die Zustimmung erhielten, wie diese Figuren auszusehen hätten."

Anschließend holte sich das Team einen 3-D-Scan von allen Schauspielern. "Von jedem der Schauspieler hatten wir also einen Ganzkörper-Scan, und wir haben einen detaillierteren Kopf-Scan gemacht", fährt Knoll fort. "Wir kreierten ein sehr detailliertes Skelett, das über alle Knochen verfügte. Da das Skelett von jedem ein wenig anders ist, war der erste Schritt, das Skelett zu nehmen und es richtig in den 3-D-Abzug der jeweiligen Person einzufügen. Wir mußsten viel mit den Maßstäben herummanipulieren und herumzerren, damit alles passte."

Daraufhin wurden ein paar Schichten Haut hergestellt. Die Designer scannten dafür getrocknete Truthahnstreifen, um so laut McBride den "Look von ausgetrocknetem und ausgelaugtem Fleisch" für die Haut der Skelettpiraten nachzustellen. Um ein komplexes Aussehen zu erzielen, wurde die Haut dann mit verschiedenen Texturen und transparenten Effekten bemalt.

Selbstverständlich verfügen alle Figuren über Haare, Kleidung und passende Requisiten. "Die Garderobe ist vielschichtig, daher müssen wir sie so simulieren, dass der Stoff richtig fällt und korrekt mit dem Zubehör interagiert. Viele von ihnen tragen Schärpen und Musketen und Schwerter und Halsketten und alle möglichen Sachen, um die herum der Stoff richtig fallen mußs."

Viel Aufwand wurde in den Entwurf der einzelnen Figuren gesteckt, damit sie sowohl während der Live-Action wie auch als Gerippe erkennbar waren. "Ein paar haben bestimmte Kostümteile oder Gesichtsausdrücke, die wir versuchen rüberzubringen", sagt Knoll.

"Ragetti hat ein Holzauge und ist dürr mit Tränensäcken unter den Augen. Pintel hat lange Haare mit einer kahlen Stelle obendrauf, also ist viel von seinem oberen Schädel freigelegt. Koehler hat interessante Dreadlocks; wenn er sich bewegt, schwingen sie überallhin mit. Twigg hat einen Bart und trägt eine Strickmütze mit einem großen Loch drin, das seinen Schädel bloßlegt. Jacoby hat einen sehr langen Bart, der in einer Art Dreadlockform ist, und er hat Zündschnüre in seinem Bart eingeflochten. Wenn er kämpft, sind sie angezündet und rauchen somit."

"Wenn man die Figuren als Skelette sieht, weiß man sofort, um welche Piraten es sich handelt", meint Verbinski. "Selbst wenn sie hundertprozentig computergeneriert und ihre Klamotten in Fetzen sind, ist es klar. Nicht nur wegen der Stimme des Schauspielers, sondern aufgrund jeder Nuance. Dies ist der Grund, weshalb wir komplette Szenen nur zur Referenz für die Effektabteilung gefilmt haben."

Die problematischste Anforderung für die Filmemacher war das Illustrieren der Kampfsequenzen, wobei Verbinski und Kameraleiter Dariusz Wolski gezwungen waren, sich auf eine Kombination von Können und Raten zu verlassen.

"Es war nicht nur für uns schwierig, sondern es war auch für unsere Stuntmänner, für unseren Stuntkoordinator und letztlich für unsere Kameraleute anspruchsvoll", sagt Verbinski. "Während der Schwertgefechte mußsten sie viele Szenen mit handgehaltenen Kameras drehen. Zuerst nahmen wir die britische Marine und die Piraten beim Kampf auf. Dann filmten wir eine Referenz nur mit der Marine, gefolgt von einer weiteren nur mit den Piraten. Die Jungs kämpfen im Prinzip nur mit der Luft, was für sich gesehen ziemlich albern aussieht."

"Wir filmten also Luft", fährt der Regisseur fort, "um dann zu einem Skelett, das nicht vorhanden war, zu schwenken, das seine Dialogzeile aufsagt, und dann zu einem anderen Skelett. Wir führten viele technische Diskussionen darüber, wie man den Fokus auf einen fiktionalen Referenzpunkt lenkt, während man die Aufregung der Kampfszenen aufrechterhält. Wir wollten nicht auf Bewegungskontrolle und diese Art von statischer, steriler Komposition zurückgreifen."

Immer darum bemüht, technisch an vorderster Front zu arbeiten, erwiesen sich die Handwerker bei ILM als der Herausforderung gewachsen.

Die Stunts "Die größte Überraschung für George und sein Stuntteam war, wie bald wir damit begannen, die Skelette zu filmen", sagt Verbinski. "Weil unser Fertigstellungstermin so wahnsinnig war, mußsten wir alles völlig außer Reihenfolge drehen und loslegen, bevor wir herausgefunden hatten, wie genau wir die Kampfsequenzen in den Rest der Action einfügen würden. Dies ist auch der Grund, weshalb wir manche Schiffe auf Bühnen und andere vor Ort in der Karibik bauen mußsten. Alle diese Faktoren bedeuteten viele Herausforderungen für die Probephase."

Anfang November 2002 wurde die Produktion nach San Pedro verlegt, um mit den Aufnahmen im Hafen von Los Angeles und am Dock mit der Interceptor und der Dauntless zu beginnen. Teile von komplizierten Schiff-zu-Schiff-Schlachten und ausführliche Kampfszenen wurden in der Südbucht inszeniert, wovon einige dann in der Karibik fertig gestellt wurden.

Für nahezu zwei Wochen, während Nachtdrehs, bei denen die Temperatur unter zehn Grad Celsius sank, erkletterten Stuntmänner sowie Schauspieler das Tauwerk des Schiffs und stiegen über sein Bollwerk auf das Deck, um einen Überraschungsangriff darzustellen.

Plötzlich kämpften Dutzende von Piraten und Matrosen auf Leben und Tod und duellierten sich immer und immer wieder, bis Verbinski, sein Kameraleiter und der Stuntkoordinator zufrieden waren. Dann suchte Verbinski einen neuen Winkel für seine Kamera, und die gesamte Action ging wieder von vorn los. Bis Sonnenaufgang wurde gefilmt.

"Es gibt da ein paar Momente, wenn die Piraten loslegen, in denen es ein wenig brutal wird," erläutert Verbinski. "Es war schwierig, die Balance zu finden, denn ich möchte, dass auch mein siebenjähriger Sohn all dies sehen kann."

Als Keira Knightley erstmals das Drehbuch überflog, hatte sie keine Ahnung, welch körperliche Meisterleistungen von ihr verlangt werden würden. "Ich erinnere mich, wie ich mir dachte: ,Oh, das wird einfach! Ich sitze hinten in Kutschen, werde schöne Kleider tragen, werde ein bisschen schmollen, und es wird Spaß machen'", witzelt sie selbstironisch.

"Ich hatte keine Ahnung vom Ausmaß der Stuntarbeit, die ich machen würde. Und für jemanden, der so faul ist wie ich, war das recht anstrengend."

Für jeden Piratenfilm ist es Pflicht, dass einer "über die Planke laufen" mußs. Für Fluch der Karibik verbrachten Johnny Depp und Keira Knightley fast drei gesamte Drehtage damit, am Ende eines langen Bretts zu stehen, das von der Seite der Black Pearl fünf Meter über den rollenden Meereswellen vorsteht.

afür brauchte sich keine Stuntperson, kein Körperdouble oder Doppelgänger zum Dienst zu melden. Es waren Johnny und Keira, die auf dieser Planke balancierten.

"Ich hatte zwei Tage lang auf dieser Planke gestanden, und um mich herum waren nichts als dünne Luft und unterhalb das Wasser. Ich war absolut wie versteinert", erinnert sich Knightley. "Die Planke ist ziemlich schmal, wie ein Sprungbrett, daher federt sie auf und ab, wenn man sich bewegt - und auch dann noch, wenn man nur darauf steht."

"Als es so weit war, vom Brett zu springen, sagte mir Gore, dass ich es nicht tun müsse, sondern er dafür mein Stuntdouble Sonia einsetzen könne", fährt sie fort. "Ich sagte: ,Ich habe seit zwei Tagen hier oben rumgestanden! Glaubst du wirklich, dass ich jetzt nicht von diesem Ding runterspringen werde?' Also bin ich in diesem langen Kleid reingesprungen. Ich war völlig verängstigt. Ich fragte Gore, ob ich schreien solle, und er meinte nur: ,Alles, was rauskommt.'

Ich schrie wie am Spieß. Das einzig Interessante daran war, dass mein Kleid über meinen Kopf rutschte und meine Unterwäsche zu sehen war, als ich ins Wasser eintauchte. Ich war so mädchenhaft, aber ich war stolz auf mich. Ich weiß nicht, wie ich ausgesehen haben mag", lacht sie. Trotz ihrer anfänglichen Angst kam sie mit einem Lächeln und ungeschoren davon.

"Zu versuchen, voll bekleidet in Piratenausrüstung mit an den Beinen festgeschnallten Stiefeln zu schwimmen, war schwieriger, als ich es mir vorgestellt hatte", pflichtet Depp bei. "Die Stuntarbeit an diesem Film war wesentlich intensiver als andere Stunts, die ich zuvor gemacht hatte.

Und ich bin bei Sleepy Hollow (1999) von einem Gespann von Pferden mehrere Straßenzüge weit über den Boden gezogen worden", sagt er augenzwinkernd. "Zum Glück hatte ich mit Tony Angelotti ein großartiges Stuntdouble, der sich meiner angenommen hat und mich gut aussehen ließ. Ich bin dann nur eingesprungen und habe Grimassen geschnitten."

Kostüme, Make-Up und Haare: Der Piratenlook Gore Verbinski hatte eine klare Vorstellung davon, wie er seine Piraten aussehen - und riechen - lassen wollte. "Ich wollte nicht, dass diese Piraten ähnlich aussahen, wie wir es alle schon zuvor gesehen hatten", erklärt Verbinski. "Keine Haken für fehlende Hände oder überall Augenklappen. Ich wollte keine Faschingsgürtel oder gestreiften Hemden sehen. Das Nachlesen über diese Zeitperiode verdeutlicht, dass die Leute damals nicht sehr lange lebten; im Wesentlichen faulten sie dahin.

Die Schiffe waren leck, es gab keine medizinische Versorgung und nicht viel Körperhygiene. Die Dinge waren ziemlich ekelhaft. So seltsam es klingt, es hat Spaß gemacht, diese Ekel erregenden Qualitäten und Texturen zu finden, als wir begannen, die Statistenrollen zu besetzen und das Aussehen für alle Piraten zu entwerfen. Einige der Statisten waren so intensiv mit dabei, dass man es riechen konnte", lacht er.

"Letztendlich dreht sich alles um die Zähne", fährt der Regisseur fort. "Solange man die Zähne richtig hinkriegt, ist alles okay."

Aus eigenem Antrieb ließ sich Johnny Depp von seinem Zahnarzt vier Zähne überkronen: einen in 14 Karat Gold, einen in 18 Karat Gold, einen weiteren in 22 Karat Gold und schließlich einen in Platin. "Das kann man sich doch an den eigenen Fingern abzählen. Er ist ein Pirat. Man erwartet es. Ich wollte noch mehr, aber Jerry war nicht sonderlich hingerissen", lacht er.

Kostümdesignerin Penny Rose besuchte Porträtgemäldegalerien und Schifffahrtsmuseen und zog noch andere Quellen heran, um etwas über Kostüme aus der Zeit zu erfahren. "Ich verbrachte drei Wochen nur damit, Ideen aufzusaugen", erklärt sie. Sie konsultierte auch den englischen Piratenexperten David Cordingly, Autor von Büchern wie "Under the Black Flag: The Romance and Reality of Life Among the Pirates".

Sie berichtet: "David kam ans Set und verbrachte den Tag mit uns. Wir bombardierten ihn mit Fragen wie ,Port Royal, Jamaika - wer hätte damals dort gelebt?' Daraufhin nahm er eine Liste aus seiner Geldbörse mit Informationen darüber, wie viele Schmiede, wie viele dies, wie viele jenes - er hatte diesen Stoff bereits zigmal recherchiert! Er hat zudem an mehreren Filmen gearbeitet. Daher verstand er, dass uns nicht an einer historischen Reproduktion gelegen war. Es waren die kleinen Nuancierungen, mit denen er wirklich hilfreich war."

Rose wollte viel Bewegungsfreiheit in den Kostümen haben, da der Film mit Action quasi voll gepackt ist. Ein paar typische Kostümstücke des Films umfassten Hemden mit sehr großen Ärmeln, die an Errol Flynns Look erinnerten. Außerdem erklärt Rose: "Die Jacken hatten alle sechs oder acht Falten im Rücken, hatten also viel Bewegungsraum und saßen gleichzeitig auch richtig."

Rose war über die karibische Hitze während der Dreharbeiten besorgt, daher war "alles aus Seide, Leinen oder Baumwolle hergestellt, damit niemand etwas Schweres oder Kratziges tragen mußste. Und die Kleidung erlaubt extreme Bewegungen. Man sieht die Schauspieler bei den Filmkämpfen, und sie haben viel Bewegungsfreiheit."

Die Crew strengte sich an, die Authentizität von Kopf bis Fuß zu erhalten. Jack Sparrows Schwert ist ein Original aus den 1750ern. Viele der im Film benutzten Schwerter sind in London erworbene Originale.

Für Johnny Depp fügte sich seine Figur bei den Kostümproben, Make-up- und Haartests, die traditionell ein paar Wochen vor jedem Drehbeginn stattfinden, in jeder Hinsicht zusammen.

"Am ersten Tag, als ich in vollem Make-up und Kostüm war und den Kerl das erste Mal sah, war ich sehr zufrieden, da ich wusste, dass es Captain Jack war", sagt er. "Gore kam rein und sagte: ,Ja, das ist es.' Er hat es sofort erfasst, er verstand, was ich mit der Figur vorhatte. Er unterstützte es, er verstand es und kapierte den Humor. Es war der Beginn einer großartigen Beziehung."

Jack Davenport, in seinem selbst beschriebenen "Eiskrem"-Kostüm, gibt zu: "Mein Kostüm übernahm viel meiner Arbeit für mich. Es ist ein einfacher Lacher, besonders wenn man eine Autoritätsfigur mimt, die andauernd ihre Autorität verliert."

Will Turner hat als Schmied einen viel einfacheren und saubereren Look, obwohl seine Gesamterscheinung sich gegen Ende des Films verändert. "Will hat eine Identitätskrise", erläutert Verbinski.

"Als er Jack Sparrow trifft, verwandelt er sich von diesem liebenswerten, ernsthaften Schussel in einen romantischen Helden. Er schüttelt sein Haar aus, wird lässiger, seine Körpersprache ändert sich - alles aufgrund seiner Beziehung zu Jack und der Wirkung, die sie aufeinander ausüben."

Elizabeth Swann durchläuft nicht nur eine emotionale Wandlung im Verlauf des Films, sondern sie macht auch die dramatischste äußerliche Veränderung durch. "Ich habe das beste aus beiden Welten", sagt Keira Knightley.

"Ich spiele zunächst eine feine und propere junge Dame in schönen Kleidern, wenn auch in einem eng geschnürten Korsett, und dann trage ich ein freizügigeres Gewand, sehr sexy, das von Barbossa selbst ausgesucht worden ist. Danach habe ich kaum ein Hemdchen an, bin nass und friere. Dann habe ich die Gelegenheit, eine Soldatenuniform zu tragen. Meine Kostüme waren total vielseitig. Arme Jungs, sie mußsten sechs Monate lang dasselbe Outfit tragen", kichert sie.

Nahezu 400 in London angefertigte Perücken und Haarteile wurden im Film benutzt. Orlando Bloom war der einzige Hauptdarsteller, der keine Perücke trug, doch er kam nicht völlig davon - er bekam Haarextensionen, deren Befestigung zwischen fünf und sechs Stunden in Anspruch nahm.

"Ich würde sagen, dies ist ein Film für alle, die auf packende, ausufernde Abenteuer stehen", meint Gore. "Er steckt voller Action, Romantik, Verschwörungen. In jedem von uns steckt ein Kind, das derartige Filme liebt. Sie sind aufregend und unterhaltsam, haben verrückte Figuren, Konflikte und eine wunderbare Auflösung."

Es mag komisch klingen, aber das Attribut "ausufernd" war für Johnny Depp eine echte Überraschung. Obwohl er das Drehbuch gelesen hatte und liebte und sich über alle Kleinigkeiten und Kniffe seiner Figur Gedanken gemacht hatte, war ihm nie klar gewesen, wie groß die Produktion selbst und die Reaktion der Öffentlichkeit darauf sein würden.

"Ich habe das Projekt nie in irgendeiner Form als besonders gigantisch angesehen", gesteht er. "Merkwürdigerweise dauerte es, bis ich den ersten Trailer gesehen hatte, dass mir klar wurde: ,Oh, mein Gott, das ist ja riesig!' Es fühlte sich beim Dreh so an, als würden wir einen kleinen Piratenfilm drehen. Es war ein freundlicher, entspannter Set, alle zogen an einem Strang. Da hatte ich nie den Eindruck, dass es sich um eine solch enorme Produktion handeln würde."

Nachdem Depps vierjährige Tochter den Trailer gesehen hatte, "lief sie überall herum und erzählte allen, was ihr Vater beruflich macht: ,Yeah, mein Daddy ist ein Pirat!' Ich war ganz schön stolz", berichtet Depp.

"Die Elemente, die man benötigt, um ein Abenteuer zusammenzufügen, das überlebensgroß sein soll, sind für sich betrachtet zumeist nicht allzu sexy", erklärt Jerry Bruckheimer. "Unser Job ist es, all die harte Arbeit und minutiösen Details mühelos aussehen zu lassen. Wir wollen das Publikum begeistern, es soll sich in dem Film verlieren und all seine Sorgen vergessen können."

Und das ist es auch, was dem Publikum gefallen wird. "Es gibt Romantik, es gibt Abenteuer, und es gibt viel Humor in unserem Film", freut sich der Produzent. "Freuen Sie sich auf einen aufregenden, bewegenden Ritt."

Szenenfoto
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