Abgezockt!

Produktionsnotizen

Eines wollen der Drehbuchautor Joe Wein und sein Bruder Max, der ihn bei der Entwicklung der Story unterstützte, klarstellen: "Wir haben nie eine Bank ausgeraubt!"

"Eine Menge Leute", erklärt Max, "glauben, dass Abgezockt! auf einer wahren Geschichte basiert und einige haben mich sogar gefragt, ob ich selbst einer dieser Bankräuber war. Doch auch, wenn einige Skeptiker mir das immer noch nicht so recht glauben wollen: Ich bin kein Krimineller!"

Obgleich Max Wein sich niemals widerrechtlich am Inhalt eines Banktresors vergriffen hat, gesteht er jedoch freimütig, dass er während seiner Zeit als Bankangestellter durchaus elaborierte Raub-Pläne geschmiedet hat. Rein hypothetisch natürlich.

"Wir waren damals beide ziemlich unzufrieden mit unseren Jobs", erinnert sich Joe Wein. "Max und ich fingen also an, aus purer Langeweile all diese vermeintlich perfekten Verbrechen auszutüfteln. Die Prämisse war einfach zu verführerisch: Als Angestellter einer Bank hat man Zutritt zu allen Sicherheitsbereichen, weiß, wo wieviel Geld aufbewahrt wird und kann sich eigentlich problemlos bedienen.

Man greift in einem unbeobachteten Moment zu und spaziert mit dem Geld aus der Bank. Die Polizei kann einen nicht mal mittels Fingerabdrücken überführen, da man ja täglich zehn Stunden an seinem Arbeitsplatz verbringt und logischerwiese überall seine Spuren hinterlässt."

Diese Überlegung wurde zur Basis des Abgezockt!-Drehbuchs. Die Figuren von Stu und Max fungierten dabei bis zu einem gewissen Punkt als Alter Egos der Autoren. Dann hatte Joe Wein plötzlich die Idee, die Abgezockt! zu einem solch besonderen Film macht.

"Ich überlegte, was passieren würde, wenn nahezu alle Angestellten dieser Bank unabhängig voneinander beschließen, sie auszurauben. Wenn jeder als Einzeltäter seinen Raub durchzieht und keiner von den kriminellen Aktivitäten seiner Kollegen auch nur etwas ahnt."

"Die Moral der Geschichte", führt der Drehbuchautor weiter aus, "ist, dass man letztlich für sich selbst verantwortlich ist. Wenn du der Typ am Ende der Ernährungskette bist und jeder dich dort auch halten will, gibt dir das nicht nur ein Gefühl der Hilflosigkeit. Du fühlst dich in gewisser Weise auch unbesiegbar.

Denn einerseits ist dein Leben zwar im Eimer, andererseits hast du aber auch nichts zu verlieren und kannst alles wagen. Jeder von uns kommt irgendwann einmal an den Punkt, an dem er erkennt, dass man seine eigenen Entscheidungen fällen mußs. Sonst wacht man eines Tages auf und stellt fest, dass Fremde die Kontrolle über dein Leben übernommen haben."

Obwohl diese Botschaft einen ernsten Unterton hat, konzenztrierten sich die Wein-Brüder dennoch vor allem auf die komischen Aspekte der Story. Der Tonfall ihres Drehbuchs war dermaßen locker, witzig und originell, dass die Produzenten Al Corley, Bart Rosenblatt und Eugene mußso auf die Skript-Debütanten aufmerksam wurden.

"Wir waren gerade auf der Suche nach einem guten Komödienstoff", erinnert sich Al Corley, "und wie einer unserer anderen Filme, Der Fall Mona, sollte es nach Möglichkeit wieder ein Enemble-Film werden. Da entpuppte sich das Drehbuch von Joe Wein natürlich als echter Segen."

Obgleich die Figuren in Abgezockt! sich in einer extremen Situation befinden, war sich Produzent Corley sicher, dass sich das Publikum mit ihnen identifizieren würde.

"Ich glaube", erklärt er, "dass wir alle irgendwann einmal unser Leben betrachten und feststellen, dass nicht alles so gelaufen ist, wie man es sich gewünscht hatte, dass man nicht da ist, wo man eigentlich sein wollte. Und hin und wieder denken wir sogar über so etwas verrücktes nach, wie eine Bank auszurauben.

Könnte ich das durchziehen? Würde ich mich das trauen? Das mußs nicht einmal eine bösartige Fantasie sein, bloß ein Gedankenspiel. So sind wir Menschen: Wir denken über Dinge nach. Viele von uns fantasieren sich Verbrechen zusammen. Das heißt ja nicht, dass man sie dann auch tatsächlich begeht."

"Was mir vor allem an diesem Drehbuch gefallen hat", ergänzt Produzent Rosenblat, "war der Aufbau. Wie geschickt all diese seperaten Stories und Charaktere im Laufe der Geschichte miteinander verknüpft werden. Die einzelnen Plots laufen erst am Ende richtig zusammen, doch schon sehr früh beeinflußt die Tat jeder einzelnen Figur unbewußt das Schicksal anderer Protagonisten."

Obgleich Gavin Grazer noch keine lange Erfahrung als Regisseur besitzt, hatten die Produzenten keinen Zweifel daran, dass er der Richtige sei, um dieses Drehbuch zu inszenieren. "Gavin ist ein langjähriger Freund", erklärt Al Corley, "und ich wusste schon immer, dass er das Talent hat, ein großer Filmemacher zu werden.

Ich habe schon seit längerem nach einem geeigneten Stoff für Gavin gesucht. Genau wie ich hat er seine Karriere als Schauspieler begonnen und den Prozess des Filmemachens von der Pike an gelernt. Es fiel ihm leicht, mit den Schauspielern zu arbeiten und er hat von Anfang an für eine sehr entspannte Atmosphäre am Set gesorgt.

Außerdem ist ein urkomischer Mensch und hat die Chance verdient, mit einem vernünftigen Budget, hochklassigen Schauspielern und einem wirklich guten Drehbuch endlich zu zeigen, was in ihm steckt. Das ist eines der schönsten Dinge daran, ein unabhängiger Produzent zu sein: Man kann Leuten, an die man glaubt, eine Chance geben."

Gavin Grazer nahm die Chance natürlich liebend gern wahr. "Als ich das Drehbuch las", erinnert er sich, "erkannte ich sofort das enorme Potenzial. Zu aller erst ist die Story natürlich witzig, aber sie hat auch ihre Ecken und Kanten, was mir sehr gefiel. Jeder der Protagonisten kommt im Laufe der Geschichte an einen Wendepunkt und wir lernen sie direkt vor diesem bedeutungsvollen Moment, ihres spirituellen Erwachsens sozusagen, kennen. Da die Geschichte in einem kleinen Kaff mitten in der Wüste spielt, sind die Figuren außerdem nicht nur dramaturgisch, sondern auch räumlich eng zusammen geschweißt."

Als Gavin Grazer und die Produzenten sich an die Besetzung des Films machten, waren sie angenehm überrascht über die positive Resonanz der meisten Schauspieler. "Das Drehbuch war so gut, dass wir am Ende für alle wichtigen Rollen entweder unsere erste oder doch zumindest unsere zweite Wahl verpflichten konnten", erklärt Produzent Corley.

Zu dieser ersten Wahl zählte auch Woody Harrelson, den sich alle Beteiligten in der Rolle des Jason "Woods" Valley wünschten und der tatsächlich ohne zu zögern sofort zusagte.

"Das Drehbuch war einfach witzig", erklärt Harrelson seine spontane Zustimmung. "In den letzten Jahren habe ich mich unbewusst von Komödien weg bewegt, doch eigentlich liebe ich es, Leute zum Lachen zu bringen. Der meiste Spaß, den man im Leben haben kann, besteht darin, andere Leute zum Lachen zu bringen."

Doch nicht nur die Begeisterung für das exzellente Skript bewog Harrelson, bei Abgezockt! eine der Hauptrollen zu übernehmen. Er ist auch ein guter Freund von Regisseur Gavin Grazer. "Gavin und ich sind langjährige Surf-Kumpel", erklärt Harrelson.

"Jahrelang kam er morgens um Sechs zu mir zum Haus, weckte mich und wollte mit mir Surfen gehen. Ich protestierte stets halbherzig, ging dann aber doch immer mit ihm mit. Sowie wir am Strand waren, brachte er mich zum Lachen. Gavin hat unglaublich viel Humor, einen sehr ungewöhnlichen obendrein. Ich wusste, dass er immer davon träumte, einen großen Spielfilm zu inszenieren und es war mir eine Freude, ihn bei seinem Debut zu unterstützen."

dass die Figur, die Woody Harrelson in Abgezockt! verkörpert, den Spitznamen "Woods" trägt, war ein zusätzlicher Anreiz. "Es ist sehr hilfreich, wenn ich Leute spiele, die Wood oder Woody oder so ähnlich heißen", grinst der Star. "Dann weiß ich bei den Dialogszenen immer, dass ich gemeint bin und verpatze nicht meine Einsätze."

Als einer der Partner von Woody Harrelson tritt ein echter Comedy-Superstar auf: John Cleese!

"Ich war sehr angetan von der Vorstellung, wieder mit Woody zusammen zu arbeiten", erklärt der britische Mime. "Wir haben vor einigen Jahren bereits für eine Episode von ?Cheers' gemeinsam vor der Kamera gestanden und ich schätze Woody als einen sehr angenehmen Menschen. Die Tatsache, dass er bei diesem Projekt involviert war, war Grund genug, dass ich mich mit dem Drehbuch beschäftigte.

Und siehe da: Es gefiel mir! Es basiert auf einer extrem cleveren Idee und es ist sehr sorgfältig und originell konstruiert. Und dass die Figur, die ich zu spielen hatte, ein absoluter Mistkerl ist, ein echter Bastard, einer der fiesesten Typen der Welt, war natürlich ein zusätzlicher Reiz. Solche Rollen mache einfach Spass."

Auch für Alicia Silverstone war die Tatsache, dass Woody Harrelson bereits als Darsteller zugesagt hatte, ein echter Anreiz. Und dass, obwohl sie in dem kompletten Film kaum eine gemeinsame Szene haben.

"Ich fand von Anfang an, dass dieses Drehbuch einen sehr charmanten und gleichzeitig sehr eigenen Touch hat. Und dass die Figur, für die man mich engagieren wollte, gleichzeitig witzig und liebenswert ist, war natürlich auch nicht zu verachten. Doch ich will nicht lügen: Wirklich ausschlaggebend war die Tatsache, dass Woody bereits als einer er Hauptdarsteller fest stand. Das erhob dieses Projekt auf eine ganz besondere Ebene."

Auch die anderen Darsteller sind ausnahmslos voll des Lobes über die Qualität des Skripts. "Das Bemerkenswerteste an diesem Drehbuch", sagt beispielsweise Rachael Leigh Cook, "ist, dass es komisch ist, ohne dass es bemüht wirkt."

Und Paulo Constanzo ergänzt: "Dieses Drehbuch hat einfach einen sehr coolen, ganz eigenen Erzählstil." "Nachdem ich das Skript gelesen hatte", erinnert sich schließlich Ivan Sergei, "rief ich sofort meinen Agenten an und sagte ihm, dass ich unbedingt in diesem Film mitspielen wollte. Egal in welcher Rolle! Ursprünglich hatte ich für die Rolle von Max vorgesprochen, doch dann besetzte man mich als Mark. So durfte ich Alicia Silverstone küssen und ich wäre blöd, wenn ich mich da beschweren würde."

Abgezockt! wurde sowohl in der abgelegenen, kleinen Gemeinde von Palmdale in Kalifornien als auch im Studio in Los Angeles gedreht. Während Palmdale in den Außenaufnahmen für das nötige triste Ambiente sorgen durfte, hatten die Produzenten und der Regisseur ganz spezifische Vorstellungen über den Look der Innenaufnahmen.

"Wir wollten zeigen, dass die Figuren sich wirklich in einer Sackgasse befinden", erklärt Produzent Rosenblatt. "Wir befürchteten, dass ein Dreh an Originalschauplätzen dem Film nicht komplett die nötige Aura an Trostlosigkeit verleihen würde. Deshalb entschieden wir uns, bestimmte Kulissen im Studio aufzubauen. Beim Design der Bank zum Beispiel hielten wir alles in derselben Farbe.

Alles sieht gleich aus: Die Wände, die Einrichtungsgegenstände, die Uniform des Wachmanns, die Kleidung der Angestellten. Für den Zuschauer wird es so völlig verständlich, dass alle Protagonisten sich danach sehnen, aus dieser entsetzlich monotonen Welt auszubrechen."

Neben der Bank und dessen Tresor- und Schließfach-Räumen wurden auch ein Diner, das Haus, in dem Max, Stu, Shmally und Doleman leben, das Bekleidungsgeschäft, in dem Shmally arbeitet und die Luxussuite eines Hotels in Las Vegas im Studio nachgebaut.

Obwohl es ursprünglich das Drehbuch war, dass die Schauspieler vor allem an Abgezockt! gereizt hat, ging nach der siebenwöchigen Drehzeit das größte Lob an den Regisseur. "Er hat fantastische Arbeit geleistet", schwärmt Woody Harrelson von seinem alten Freund. "Ich bin wirklich stolz auf ihn. Er hat geschafft, was er sich vorgenommen hat."

John Cleese ergänzt: "Es ist sehr angenehm, mit jemandem zu arbeiten, der die Schauspieler wirklich zu motivieren versucht. Jemanden, der selbst als Schauspieler angefangen hat, und verstehen kann, wie ich versuche, das meiste aus meiner Rolle herauszuholen. Jede Figur, die man spielt, mußs glaubwürdig sein. Wenn sie nicht glaubwürdig ist, ist sie auch nicht komisch."

"Gavin ist völlig mit dem Herzen dabei", führt Rachael Leigh Cook aus. "Er hat viel Gefühl für uns Darsteller und er liebt es auch, etwas zu wagen. Er hat keine Angst, die Darsteller auch einmal improvisieren zu lassen. Das macht ihn zu einem großartigen, ganz besonderen Regisseur."

Paulo Constanzo beteuert: "Ich hatte noch nie so viel Spaß am Set. Es ist einfach wunderbar, wenn man am Drehort erscheint und dort von solch einem wunderbaren, warmherzigen, völlig offenen und ehrlichen Menschen wie Gavin begrüßt zu werden."

"Gavin war wie ein Fels in der Brandung", erklärt schließlich David Krumholtz. "Immer, wenn ich nervös zu werden drohte, ahnte er es instinktiv und war mit einem breiten Grinsen und ein paar aufmunternden Worten für mich da. Gavin kann allem, auch der Arbeit, eine leichte, humorvolle Seite abgewinnen."

Bleibt nur zu hoffen, sagen die Macher und Schauspieler, dass das Publikum nun denselben Spaß haben wird, sich Abgezockt! anzuschauen, wie sie ihn beim Drehen hatten.

"Ich hoffe natürlich nicht, dass unser Film die Leute dermaßen beeindrucken wird, dass sie unverzüglich losrennen und die nächste Bank ausrauben", lächelt Regisseur Gavin Grazer, "aber ich hoffe natürlich, dass sie ihren Spaß im Kino haben. Nicht zuletzt wäre das ja auch für meine Karriere ganz hilfreich."

"Was das Publikum von diesem Film erwarten kann?", grinst David Krumholtz. "Nur eines ist sicher: Er kostet acht Dollar Eintritt, zehn in New York. Wenn ich etwas prophetischeres sagen könnte, wäre ich ein Genie und würde das ganze Jahr lang einen Film nach dem anderen drehen."

"Was ich am meisten am Filmemachen liebe", erklärt John Cleese abschließend, "ist ganz sicher nicht die Arbeit. Das Dumme ist nur, dass man, wenn man nicht arbeitet, auch nicht diese kleinen grünen Zettelchen bekommt, die man in Geschäften gegen Waren eintauschen kann.

Hin und wieder also zwinge ich mich zu diesem Ding namens Arbeit. Es ist stets lästig, furchtbar, enervierend, besonders bei Dreharbeiten, weil man da so entsetzlich viel Zeit verbringen mußs, aber am Ende, speziell bei Interviews, tue ich dann immer so, als ob ich eine super Zeit gehabt hätte. Bei diesem Film waren die Dreharbeiten ein ganz klein bisschen weniger schlimm als sonst.

Es war wirklich eine sehr interessante Erfahrung, Rat Race zu drehen und ich kann nur wärmstens empfehlen, dass Sie sich diesen Film im Kino ... Oh, Sie meinen diesen Film. Wie heißt er noch mal? Scotched? Oh, ja: Abgezockt! Prima Film, doch, doch. War das okay? Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?"

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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