Jet Lag - Oder wo die Liebe hinfliegt

Ausführlicher Inhalt

Der Franzose Félix (Jean Reno) ist als Gourmet-Koch und Chef der Tiefkühl-Feinkostfirma "Fine Cuisine" in den Vereinigten Staaten wohlhabend und berühmt geworden. Sein Glück hat er dabei allerdings nicht gefunden. Er führt das ruhelose Leben eines erfolgreichen Singles und deckt seine innere Leere mit Arbeit zu.

Noch immer kommt er nicht los von Nadja, einer Frau, die sich schon lange von ihm abgewendet hat. Als er vom Tod der Großmutter seiner Ex erfährt, setzt er sich in New York kurz entschlossen in eine Maschine nach München, wo die Beerdigung stattfinden soll. Völlig unerwartet landet das Flugzeug dann aber in Paris, auf dem Airport Charles De Gaulle.

Wegen schlechten Wetters ist der Weiterflug auf unbestimmte Zeit verschoben. Der übernächtigte und übel gelaunte Félix irrt, inmitten von Tausenden von Menschen und doch einsam wie ein Astronaut, durch die Gänge des Terminals.

Rose (Juliette Binoche) will Paris so schnell wie möglich verlassen. Seit 12 Jahren hat sie eine Beziehung mit Sergio (Sergi Lopez), einem aufbrausenden Unterdrücker, von dem sich die Kosmetikerin bisher nicht lösen konnte.

Jetzt hat sie all ihren Mut und ihre Schminksachen zusammengepackt und einen Flug nach Mexiko gebucht. Als das Flugzeug wegen eines Fluglotsenstreiks nicht abheben kann, wird sie panisch. Die Flucht nach Acapulco droht zu scheitern - auch sie strandet auf unbestimmte Zeit am Flughafen.

Rose versucht noch, per Mobiltelefon die Übergabe ihres Abschiedsbriefes an Sergio zu organisieren. Sie ist so hektisch, dass sie ihr Handy inmitten des Telefonats mit ihrer Freundin Sabine in eine Flughafentoilette fallen lässt - und herunterspült. Sie mußs das Gespräch unbedingt zu Ende führen, aber auf dem überfüllten Flughafen sind alle Telefonzellen besetzt.

Sie bittet den erstbesten Fremden - Félix - , ihr für ein Gespräch sein Mobiltelefon zu leihen. Es wird ein endlos langes Telefonat und eines ist Félix sofort klar: die aufgedrehte Frau mit dem Schminkkoffer geht ihm gewaltig auf die Nerven. Er zeigt ihr die kalte Schulter, will sich zum Dank nicht einmal auf einen Kaffee einladen lassen. Fast würden sich ihre Wege gleich am Anfang wieder trennen, aber ein Anruf bringt die beiden wieder zusammen.

Roses depressive Mutter ruft auf Félix' Handy an und versucht, ihre Tochter von ihren Reiseplänen abzubringen. Rose ist bewegt, bleibt aber entschlossen. Als sie Félix sein Telefon zurückgeben will, sackt er für kurze Zeit in ihren Armen zusammen. Schon länger nimmt er Tabletten gegen seine Schwächeanfälle.

Der Flughafenarzt diagnostiziert, es sei nichts Organisches. Aber er solle doch ab und zu die Füße hochlegen. Rose sorgt sich um Félix und bietet ihre Hilfe an - aber nach der Handy-Rückgabe verabschiedet er sich rasch von ihr.

Völlig unerwartet kommt ein Anruf von Félix' vergötterter Ex-Freudin Nadja. Er zaubert für kurze Zeit ein Lächeln auf sein Gesicht. Dann aber klopft es an auf dem Handy, er unterbricht das Gespräch mit Nadja. In der Leitung ist wieder Roses' Freundin Sabine. Sie möchte Rose warnen - Sergio ist auf dem Weg zum Flughafen. Genervt bricht Félix ab, aber es ist zu spät. Nadja hat inzwischen aufgelegt.

In einer Cafeteria sieht Félix Rose zufällig wieder, beim Händchen halten und in ein Gespräch mit einem Mann vertieft. In einer ersten Aufwallung von Pflichtgefühl gegenüber Rose tritt Félix an den Tisch und warnt sie, dass ein gewisser Sergio über ihre Abreise-Pläne wütend und aufgebracht und im übrigen auf dem Weg zum Flughafen sei. Ein Riesen-Fettnapf, denn der Mann am Tisch ist Sergio.

Und innerhalb von Sekunden wird er nun tatsächlich wütend und aufgebracht. Beschimpft die verschüchterte, beinahe schon wieder umgestimmte Rose lautstark als Drecksau, Schlampe und Nutte die im übrigen viel zu feige sei, ihn zu verlassen. Rose flieht aus dem Lokal und will fast noch einmal zu Sergio zurückkehren, als er sich bei seinem Wutanfall verletzt. Félix stellt sich dazwischen und schickt sie weg. Sie verlieren sich wieder aus den Augen.

Félix geht erneut an Bord einer Maschine nach München - diesmal verhindert eine Computer-Panne den Abflug. Im Terminal 2 sieht er Rose, die stundenlang durch den Flughafen geirrt ist - und sich nun zum Schlafen auf eine Bank gelegt hat. Erneut meldet sich sein verschüttetes Pflichtgefühl: er bietet ihr eines der Betten in seinem Doppelzimmer im Flughafenhotel an, das ihm als First-Class-Passagier zusteht. Sie nimmt schüchtern aber sichtlich dankbar an.

Die plötzliche Nähe im Hotelzimmer trägt nicht gerade dazu bei, die Atmosphäre zwischen den beiden zu entkrampfen. Sie sitzt, anfangs noch komplett angekleidet und mit Schminkköfferchen, auf ihrem Bett. Ihm ist die Klima-Anlage zu heiß, ihr zu kalt. Nach einem erneuten Schwäche-Anfall im Bad stürzt er sich mit Handy und Laptop in die Arbeit.

Einen Gesprächsversuch von Rose blockt er ab, indem er sich durch das Fernsehprogramm zappt. Er will sich nicht einmischen in das Leben anderer. Und er ist angespannt wegen der anstehenden, wichtigen Präsentation seiner Tiefkühl-Delikatessen in der nächsten Woche.

Sie lassen sich Essen aufs Zimmer kommen. Ohne Handy, Laptop oder TV-Fernbedienung in Reichweite lässt sich Félix nun doch ein auf eine vorsichtig tastende Plauderei über französische Küche. Das Gespräch wechselt allmählich über ins Intime: die Beziehungsprobleme, seine sexlose Zeit (9 Monate!) und ihre gespielten Orgasmen. Rose formuliert die Chance dieser Nacht: Man kennt sich nicht und werde sich nie wieder begegnen.

Also kann man sich auch alles sagen. Er habe sie doch nur in das Hotelzimmer gebeten, weil er das Alleinsein nicht ertrage, aber auch keinen Menschen an seiner Seite. Die aufkommende Nähe wird unsanft unterbrochen, als ein Anruf von Félix' Ex in einer der üblichen Grundsatzdiskussionen endet und er auflegt. Durch ein Missgeschick von Félix landet die Vinaigrette für den Salat in Roses Gesicht. Sie verschwindet ins Bad.

Als sie frisch geduscht wieder im Zimmer auftaucht, wandert ein Licht über das graue Gesicht von Félix. Ihre nassen Haare sind offen, ihre Schminke verschwunden. Roses' Maske ist gefallen und für Sekunden ist Félix von ihr fasziniert. Dann holt ihn wieder seine Larmoyanz ein. Er denkt laut über sein verpfuschtes Beziehungsleben nach - und bricht in Tränen aus. Rose jedoch bezwingt erstmals den Reflex, ihn zu trösten - ein Fortschritt, wie sie meint.

Und seine Offenheit bringt auch sie dazu, Dinge zu sagen, die sie angeblich sonst nie gesagt hätte. Sie ist ebenso verwirrt wie er - und verunsichert. Deshalb packt sie kurz entschlossen ihre Sachen zusammen, verlässt das Hotelzimmer und bestellt sich in der Lobby ein Taxi. Sie will zu ihrer Mutter fahren.

Im letzten Augenblick stürmt Félix aus dem Hotel und zieht sie energisch aus dem Taxi. Rose wehrt sich, beruhigt sich aber nach seinem Hinweis, sie könne ihr Gepäck ja nicht alleine nach Mexiko fliegen lassen. Nach dem verpatzten Essen im Zimmer hat Félix noch immer Hunger, doch die Küche des Hotelrestaurants hat schon geschlossen. Félix selbst stellt sich an den Herd und zaubert zu mitternächtlicher Stunde ein erstklassiges Menü für zwei Personen. In der verlassenen Hotelküche löst sich seine Starre und Verschlossenheit.

Er erzählt, wie ihn die Ignoranz und Kälte seines Vaters, auch ein erfolgreicher Koch, früh aus dem Elternhaus und in die Ferne getrieben hat. Selbstbestätigung fand er in der Arbeit. Auch Rose hat eine Karriere gemacht, die in der Verleihung des "Pinsels in Gold" für die beste Visagistin gipfelte. Sie wurde nie von ihrer Akademiker-Familie akzeptiert. Gerade als Félix sich zu dem mutigen Bekenntnis durchringt, er fühle sich für Rose irgendwie verantwortlich, wird das romantische tête à tête unterbrochen: Sein Flug nach München wartet.

In großer Eile verlässt Félix das Hotel. Rose versucht, in seinem Zimmer Schlaf zu finden. Vergeblich. Um fünf Uhr morgens nimmt sie ein Bad im Hotelpool. Plötzlich taucht Félix wieder auf - sein Flug wurde erneut verschoben. Die beiden fallen sich in die Arme, können die gegenseitige Anziehung nicht mehr verbergen. Aber auch beim Austausch der ersten Zärtlichkeiten können sie sich noch nicht fallen lassen.

Erneut kommt ein Handy-Klingeln dazwischen. Es ist Félix' Ex Nadja, die nun plötzlich nichts mehr dagegen zu haben scheint, dass er zur Beerdigung ihrer Mutter nach München kommt. Er freut sich darüber. Das bringt nun Rose aus der Fassung. Jetzt beschimpft sie ihn dafür, dass er unfähig sei, unter seine Vergangenheit einen Strich zu ziehen. Aber beide sind nun offen genug, sich die Gefühle füreinander einzugestehen und entschlossen, aus den beiden Stunden, die ihnen noch bleiben, das beste zu machen.

Der neue Tag bricht an. Beide erwachen bekleidet, aber eng umschlungen im Hotelzimmer. Sie möchten noch gemeinsam in der Cafeteria des Flughafens frühstücken. Während er weg ist und Zeitungen kauft, trifft sie eine Entscheidung. Sie lässt Croissants und Cafe stehen und eilt zu ihrem Flug nach Mexiko. Félix rennt ihr nach - zu spät. Oder haben sie doch noch eine gemeinsame Zukunft?

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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