Rosenstraße

Zeittafel

In der Berliner Rosenstraße erreichten Hunderte von Frauen, jüdische wie nicht-jüdische, im Frühling 1943 durch friedliche Proteste das Unfassbare: In den dortigen Lagerhallen inhaftierte Juden aus "Mischehen", so genannte "arisch versippte", wurden von der Gestapo wieder freigelassen, teilweise holte man bereits nach Auschwitz deportierte Gefangene wieder zurück und entließ sie in die Freiheit.

Hier ein genauer Überblick der Geschehnisse, die sich vor kurzem zum 60. Mal jährten:

• 26. Februar 1943, Freitag: Der Leiter der Jüdischen Gemeinde wird zum "Judenreferat" der Gestapo in die Burgstraße beordert: Die Gemeinde soll Schreibkräfte und Erste-Hilfe-Gruppen bereitstellen.

• 27. Februar 1943, Samstag/Sabbath: Die "Fabrikaktion" nimmt ihren Lauf. 5.000 Berliner jüdischer Herkunft werden aus ihren Wohnungen und von ihren zentralisierten Arbeitsplätzen durch die SS und die Gestapo verhaftet und an folgenden Orten interniert: Wehrmachtskaserne in Berlin-Reinickendorf, Kasernenreitstall Rathenower Straße, ehemalige Synagoge Levetzowstraße, ehemaliges Vergnügungslokal Clou in der Mauerstraße/Zimmerstraße, Lager Große Hamburger Straße 26, ehemalige Behörde für Wohlfahrtswesen und Jugendfürsorge der jüdischen Gemeinde Rosenstraße 2-4.

Die Inhaftierten werden nach Nazi-Kriterien erfasst, Juden aus "Mischehen" und "Mischlinge" von den restlichen Häftlingen getrennt. Die "Mischlinge" unterteilt man in "Privilegierte" und "Einfache". Die "Einfachen" bewertet man wiederum als "Geltungsjuden" und "Mischlinge 1. Grades". "Mischehepartner" und "Mischlinge" werden in die Rosenstraße 2-4 transportiert. Per Telefon verbreitet sich die Nachricht über den Aufenthaltsort der Inhaftierten. Erste Demonstranten finden sich in der Rosenstraße ein.

• 28. Februar 1943, Sonntag: Der Protest weitet sich aus. Es befinden sich 1.500 bis 2.000 Internierte in der Rosenstraße.

• 1. März 1943, Montag: Die Behörden leiten den Verkehr um die Rosenstraße herum und schließen den S-Bahnhof "Börse". In der Levetzowstraße findet der Abtransport der Gefangenen zum Güterbahnhof Quitzowstraße statt. Von dort fährt der erste Deportationszug der so genannten "Fabrikaktion" mit 1.736 Juden nach Auschwitz ab. Berlin erlebt in der darauffolgenden Nacht den ersten schweren britischen Luftangriff.

• 2. März 1943, Dienstag: Immer mehr Angehörige und Freunde der Gefangenen versammeln sich in der Rosenstraße. Immer wieder zerstreuen SS und Polizei die Demonstrierenden mit gezogenen Waffen, doch die Menschen strömen sofort zurück.

Goebbels notiert in seinem Tagebuch: "Wir schaffen die Juden endgültig aus Berlin heraus. Sie sind am vergangenen Sonntag schlagartig zusammengefasst worden und werden nun in kürzester Frist nach dem Osten abgeschoben."

• 3. bis 4. März 1943, Mittwoch und Donnerstag: Die Berliner Gestapo verhaftet einige der demonstrierenden Frauen. Später stellt sich deren Unversehrtheit heraus. Aus der Großen Hamburger Straße deportiert die Gestapo 13 Berliner Juden aus "Mischehen", aus der Rosenstraße holt man fünf Frauen. Keiner der Gefangenen kehrt zurück. Neu festgenommene Juden aus "Mischehen" sowie "Geltungsjuden" bringt man im Lager der Großen Hamburger Straße unter. Davor versammeln sich Hunderte Frauen, Mütter, Männer und Kinder. Auch sie bedroht die Gestapo mit Maschinengewehren.

• 5. März 1943, Freitag: Die SS richtet Maschinengewehre auf die größer werdende Demonstrantenschar in der Rosenstraße. Das wird mit "Mörder"-Rufen quittiert. Plötzlich werden die Maschinengewehre abgezogen.

• 6. März 1943, Samstag/Sabbath: 25 Inhaftierte aus der Rosenstraße deportiert man nach Auschwitz. Nach der Ankunft bringt man sie gesondert unter. Zwölf Tage später kehren sie nach Berlin zurück und werden von dort aus in das "Arbeitserziehungslager" Großbeeren geschickt. Die Behörden deportieren 690 Menschen jüdischer Herkunft vom Bahnhof Putlitzbrücke nach Auschwitz, wohin man seit Beginn der "Fabrikaktion" bereits 7.031 Juden verschleppte.

Goebbels befiehlt, alle inhaftierten Juden aus Mischehen, "Geltungsjuden" und "Mischlinge 1. Grades" freizulassen. Er notiert im Tagebuch: "Gerade in diesem Augenblick hält der SD es für günstig, in der Judenevakuierung fortzufahren. Es haben sich da leider etwas unliebsame Szenen vor einem jüdischen Altersheim abgespielt, wo die Bevölkerung sich in großer Menge ansammelte und zum Teil sogar für die Juden etwas Partei ergriff. Ich gebe dem SD den Auftrag, die Judenevakuierung nicht ausgerechnet in einer so kritischen Zeit fortzusetzen. Wir wollen uns das lieber noch einige Wochen aufsparen; dann können wir es umso gründlicher durchführen."

(Quelle: www.rosenstrasse-protest.de)

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Dirk Jasper FilmLexikon

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