Rosenstraße

Produktionsnotizen

So bemerkenswert und beinahe unglaublich die Ereignisse waren, die sich vor rund 60 Jahren in der Berliner Rosenstraße abspielten, so aufregend und spannend verlief auch die Entstehungsgeschichte des gleichnamigen Films von Margarethe von Trotta. Am Anfang stand ein Gespräch zwischen Richard Schöps, Markus Zimmer und Henrik Meyer, Produzenten von Rosenstraße, und dem Dramaturg .

Schöps erinnert sich: "Im Jahr 2000 traf ich in Berlin zum ersten Mal mit Margarethe von Trotta zusammen. Sie erzählte mir von der Rosenstraße, von der ich bis dahin noch nie etwas gehört hatte. Ich war richtig angetan, fand den Stoff toll. Mir gefiel vor allem der Protest der Frauen, was wirklich einzigartig war."

Bereits 1995 hatte Volker Schlöndorff, damals Geschäftsführer der Babelsberger Filmstudios, versucht, das Projekt anzuschieben. Nachdem von dessen Seite keine Einwände kamen, sich ein weiteres Mal mit dem Stoff auseinander zu setzen, wurde im Oktober 2000 bei der FFA Drehbuchförderung eingereicht, die prompt auch bewilligt wurde.

In der Tele-München-Gruppe fand man außerdem den idealen Produktionspartner. Dazu Richard Schöps: "Henrik Meyer hatte ein Treffen in München vorbereitet und wir trugen unser Anliegen Markus Zimmer vor. Er war sofort sehr angetan von der Idee und hat spontan zugesagt."

Keine Kompromisse beim Budget Bei den Produktionsvorbereitungen stellte sich sehr schnell heraus, dass man ein derart aufwändiges Projekt nicht allein mit deutschen Fördermitteln würde stemmen können. Trotzdem versuchten die Filmemacher zunächst, das Budget so überschaubar wie möglich zu gestalten, was bei einer derartigen Protestgeschichte, die ja auch im Bild sichtbar werden sollte - sprich: man benötigte viele Komparsen und Kleindarsteller -, eine Herausforderung war.

Keine leichte Aufgabe also für die Produzenten: "Es war auch kompliziert, ein geeignetes Motiv zu finden. Wir haben in einem Ort, der früher viel Textilindustrie beherbergte, dann doch Motive gefunden. Und es stand natürlich die Straße in Babelsberg, in der Sonnenallee und Der Pianist gedreht wurde.

Und das war von Trottas liebstes Motiv. Darüber hinaus mußsten wir einmal die heile Rosenstraße haben und dann eben auch die zerstörte, weil im März 1943 die ersten Bomben auf Berlin fielen. Margarete von Trotta wollte das schon ziemlich realistisch festhalten. Am Budget war also nicht zu rütteln."

Schließlich gelang es Markus Zimmer, die holländische Firma Get Reel Productions, hinter der sich die beiden jungen Produzenten Errol Nayci und Volkert Struycken verbergen, für das Rosenstraßen-Projekt zu begeistern. Ende Mai 2002 stand der Etat von nunmehr 6,5 Millionen Euro felsenfest und man konnte in die konkrete Vorbereitungsphase eintreten.

Während die Hauptbesetzung - Katja Riemann und Maria Schrader galten stets als Topfavoriten der Produktion - schon seit geraumer Zeit feststand, mußsten die weiteren Haupt- und zahlreichen Nebenrollen besetzt werden.

Dazu bemerkt Schöps: "Es gab ein umfangreiches Casting mit Sabine Schroth. Dabei sind wir schnell auf Jürgen Vogel gekommen. Und dann sind auch die kleineren Rollen besetzt worden - absolut hochkarätig. Auch das unterstützt die Qualität des Films."

Man ließ sich auch bei der Bildgestaltung für Rosenstraße etwas Besonderes einfallen. Die vierziger Jahre sollten in einem anderen Farbton als die heutige Zeit gezeigt werden. Da hatte Franz Rath, langjähriger Kameramann von Margarethe von Trotta, die Idee, die Szenen ausgebleicht zu kopieren.

Da war auch der Mut der Produzenten gefragt, die sich mit einem gewissen Schaudern erinnern: "Für dieses Verfahren gibt es natürlich keine Garantie der Kopierwerke und des Rohfilmlieferanten. Wir sind dieses Risiko dennoch eingegangen. Im ersten Moment war ich etwas vorsichtig, habe mich aber dann von den ersten Mustern überzeugen lassen. Denn genau das erzeugt ja diesen einzigartigen Look des Films."

Einzigartige Ästhetik bei Bild und Ton Der Tonästhetik wurde ebenfalls spezielle Aufmerksamkeit gewidmet. Denn die Mischung ist in den Rückblenden nicht so realistisch angelegt, wie man es vielleicht gewohnt ist. Das hängt damit zusammen, dass die Filmemacher der Meinung waren, dass man in der Erinnerung Töne, Laute, Atmosphäre anders wahrnimmt.

Deshalb schlagen Türen in der Rosenstraße möglicherweise lauter zu, als dies realistisch wäre. Hier geht es sozusagen um erinnerte Bilder. Damit wollten die Regisseurin und ihr Team unter anderem den Beweis antreten, dass man ein Thema nicht nur historisch-dokumentarisch, sondern auch ästhetisch-künstlerisch aufarbeiten kann.

Die Rosenstraße wurde auf dem Freigelände der Babelsberger Studios zwar nicht originalgetreu, jedoch im entsprechenden Stil der vierziger Jahre nachgebaut. Dort wurden die Filmemacher mit einer weiteren Herausforderung konfrontiert, nämlich der Lichtgestaltung, schließlich konnte man nicht ständig den Vollmond scheinen lassen. Also griff man auf mit Helium gefüllte Ballons zurück, die der Straße in der Nacht "ein ganz dezentes, weiches Licht" verleihen.

Wie bei einer Produktion dieser Größenordnung nicht anders zu erwarten, hatte das Rosenstraße-Team auch mit den Widrigkeiten des Wetters zu kämpfen. Dazu Schöps: "Es war Oktober 2002. Mal Regen, mal Sonne. Wir hatten einen Straßenzug, bei dem die untergehende Sonne bei einem bestimmten Winkel jeden Tag direkt auf das Set schien.

Da mußste jedes Mal unterbrochen werden, was umso schlimmer war, da zu dieser Jahreszeit ab vier Uhr nachmittags praktisch kein Tageslicht mehr vorhanden war. Aber das Team hat auch dieses Problem hervorragend gemeistert."

Bis zu 500 Komparsen mußsten bisweilen an einem einzigen Drehtag von Rosenstraße bewegt werden. Maske und Garderobe mußsten bereits um 5 Uhr morgens anfangen, um ihr Pensum überhaupt schaffen zu können.

Margarethe von Trotta griff auch hier auf Mitarbeiter zurück, mit denen sie schon bei früheren Projekten erfolgreich zusammengearbeitet hatte. Dazu zählte auch die Kostümbildnerin Ursula Eggert, die sich auch dieses Mal bewährt hat.

Meisterleistung an Organisation und Logistik Weil der Film von fast allen wichtigen deutschen Förderanstalten mitfinanziert wurde, mußsten besondere logistische Überlegungen angestellt werden. Schöps erinnert sich: "Wir wollten unbedingt eine geschlossene Crew haben. Insofern haben wir von vornherein ein Team aus Leuten zusammengesetzt, die aus München, Hamburg und Berlin stammen.

Nur in ganz wenigen Positionen haben wir das Personal ausgewechselt. Nach New York ist nur ein ganz kleines Team gefahren, aber Maskenbildner und Ausstattung waren immer mit dabei. Es war wirklich ein gewaltiges Puzzle zu lösen, um sämtliche Regionaleffekte erfüllen zu können."

Auch die holländischen Co-Produzenten brachten sich auf vielfältige Weise in das Projekt mit ein. Sie besetzten nicht nur einige prägnante Nebenrollen mit ihren Landsleuten, auch die Musik zum Film steuerten sie bei. Eingespielt wurde sie vom 90 Mann starken Hilversum Orchester. Innerhalb von nur drei Tagen waren die Aufnahmen abgeschlossen.

54 rote Rosen für die Regisseurin Die Dreharbeiten zu Rosenstraße wurden am 18. Dezember 2002 nach exakt 54 Drehtagen planmäßig in München abgeschlossen. Für diesen Tag hatten sich die Produzenten etwas ganz Besonderes einfallen lassen: "Wir wollten Margarethe von Trotta 54 rote Rosen und eine weiße überreichen.

Also haben wir den Aufnahmeleiter gebeten, er solle uns informieren, wann die letzte Klappe fallen würde, weil wir da unbedingt dabei sein wollten. Am letzten Tag rief er uns dann schon um 11 Uhr an und meinte, die letzte Klappe wäre in fünf Minuten dran. Und wir hatten mit 19 Uhr gerechnet. Wir haben ihn gebeten, das ganze noch ein wenig hinauszuzögern, und dann haben wir den riesigen Rosenstrauß schließlich feierlich überreicht."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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