Blue Crush

Produktionsnotizen

Willkommen am Nordstrand von Oahu, wo sich ein sieben Meilen langer Streifen macho-beladener Surfersubkultur von einer neuen athletischen Spezies herausgefordert findet - den Surfer Girls.

Blue Crush wurde vollständig am North Shore, dem Epizentrum des Wellenreitens, gedreht - ohne jegliche Bluescreen oder einen Tiefsee vortäuschenden Wasserbecken-Dreh - und wurde inspiriert durch Susan Orleans Artikel für "Outside Magazine" mit dem Titel "The Surf Girls Of Maui".

Selbst ein eifriger Surfer, kaufte Brian Grazer die Rechte für diesen Artikel, in der Hoffnung, sich einen persönlichen Traum erfüllen zu können: "Die Subkultur des Surfens einzufangen" und ein akkurates Portrait von einer der aufregendsten, gefährlichsten und am meisten missverstandenen Sportarten der Welt zu filmen.

Er fand einen Weg, diese Geschichte von Regisseur und Ko-Autor John Stockwell erzählen zu lassen, der hier seine Interpretation einer sich entwickelnden und noch nicht voll entfalteten "Macht" in dieser Welt liefert - die surfenden Frauen.

"Es basiert auf dieser Kurzgeschichte über surfende Mädchen, die einfach nicht das Geld haben, etwas anderes zu sein als Zimmermädchen. Für sie wäre es ein riesiger Schritt darüber hinaus, wenn sie Surferinnen wären und damit ihre eigene Identität manifestieren könnten," sagte Grazer. "Die Pipeline zu überleben, ist der ultimative Test für jeden Mann und insbesondere für eine Frau geworden."

Während sich die Geschichte des Films um diese jungen Frauen und ihr Auftauchen aus den Wellen dreht, ist im Grunde Mutter Natur die eigentliche Hauptdarstellerin. "Die Brandung ist der Star, und wir mußsten beim Drehen eingestehen, dass wir diesen Star nicht kontrollieren konnten", witzelte Stockwell.

Grazer wählte ein wenig andere Worte: "Was der Tornado für "Twister" war, ist die Brandung für Blue Crush."

Als Stockwell und Weiss damit begannen, in die Subkultur von Oahu abzutauchen und die Geschichte zu entwickeln, wurde ihnen klar, dass es keiner Stars über dem Filmtitel bedurfte. Das Konzept des Films überwog den Bedarf an attraktiven Namen, und so begaben sich Stockwell und Grazer auf die Suche nach glaubhaften Schauspielerinnen, die eher unbekannt waren.

"Es gibt bestimmte Filme, in denen ein profilierter Name eher eine ablenkende Wirkung erzielt, und ein Film übers Surfen fällt in diese Kategorie," merkte Stockwell an, der früher selbst gesurft ist.

"Man schaut einem bekannten Star beim Surfen zu und denkt: 'Wow, auf keinen Fall kann Sarah Michelle Gellar so gut surfen!' Es ist Universal und Imagine zuzuschreiben, dass sie so bereitwillig eine relativ unbekannte Schauspielerin für die Hauptrolle zugelassen haben."

Sie fanden diese Hauptdarstellerin in Kate Bosworth. "Ich dachte, Kate wäre zu elegant und kultiviert und hatte Bedenken, dass sie nicht ausreichend glaubhaft wirken würde als Mädchen, das auf einer Matratze auf dem Boden schläft und sich den furchteinflößendsten Wellen der Welt stellt," erinnerte sich Stockwell.

"Als sie nach Oahu kam, verwandelte sie sich physisch und mental in ihren Charakter, und die professionellen Surfer in unserem Film sagten: 'Ja, sie könnte eine von uns sein.'"

Das lag einfach daran, dass sich Bosworth vorbereitet hatte. "Ich begann bereits Wochen, bevor ich die Rolle bekam, Surfunterricht zu nehmen," sagte Bosworth. "Abgesehen davon, was Brian und John von meinem Talent als Schauspielerin hielten, wollte ich ihnen beweisen, dass ich hart arbeiten kann und entschlossen bin" - die gleiche Einstellung kennzeichnet auch Anne Maries Charakter.

"Meine größte Angst bestand darin, die Rolle nicht zu bekommen, weil ich noch nie gesurft hatte, und ich wollte, dass sie sahen, wie ernst es mir war." Es hat geklappt.

Da Bosworth als Athletin bereits gut in Form war, fiel es ihr nicht besonders schwer, das Surftraining zu absolvieren. Dennoch trainierte sie fast einen Monat lang, surfte und schwamm mit gelegentlichen Unterbrechungen durch Gewichtetraining und Sandläufe.

Surfen ist kein einfacher Sport," sagte Brian L. Keaulana. Hawaiis bekanntester Surfer agierte für den Film als Wasser- und Sicherheitsspezialist und trainierte mit den Schauspielern das Surfen. "Man benutzt völlig andere Muskeln als in den meisten anderen Sportarten, und die Kraft des Ozeans wirkt auf die Psyche einschüchternd."

Für Bosworth war die Konfrontation mit den riesigen Wellen "zunächst beängstigend. Dies ist in der Tat ein Sport zwischen Leben und Tod. Menschen begeben sich dort aufs Wasser hinaus, stellen sich den Wellen und sterben," sagte sie. "Ich hatte das beste Sicherheitsteam hinter mir, aber als ich zum ersten Mal zu diesen Wellen von 16 bis 18 Fuß Höhe raus mußste, hatte ich so viel Angst wie noch nie zuvor. Ich habe eine Menge Wasser geschluckt."

Bosworth war in gleichem Maße beeindruckt von Anne Maries innerem Wandel. "Ihr Lebensgeist war auf vielen verschiedenen Ebenen gebrochen. Es war mehr als das, was ihr auf der Pipe widerfahren war, als sie fast ertrank", sagte Bosworth.

"Sie war von einer der wichtigsten Personen in ihrem Leben, wenn nicht gar von DER wichtigsten Person in ihrem Leben, verlassen worden - ihrer Mutter. Sie mußste nicht nur die Eltern für ihre kleine Schwester ersetzen, sondern auch für sich selbst, denn als ihre Mutter ging, war sie noch ein Teenager.

In meinem eigenen Leben ist meine Mutter meine beste Freundin. Sie ist diejenige, die mir immer zuhört und immer für mich da ist. Ich mußste mir vorstellen, wie beängstigend es wäre, ohne sie zu leben, um Anne Marie wirklich zu verstehen, die mit dieser Angst stets lebt.

Was Anne Marie und ich gemein haben ist unsere Stärke, die Gewissheit, dass es einer Menge bedarf, unseren Willen zu brechen, und ich kann behaupten, dass ich diese Kraft von meiner Mutter geerbt habe. So habe ich mich da hineinversetzt ... zu versuchen, ohne diese Unterstützung zu leben und obendrein für einen weiteren Menschen da zu sein."

Der Analyse letzter Schluss ist, dass "Anne Marie den größten aller Wettstreits in ihrem Innern austragen mußs," fügte sie hinzu. "Es ist dieser innere Kampf, den sie einfach gewinnen mußs. Und ich möchte behaupten, dass sie diesen Sieg ganz allein erlangt, ohne einen Mann oder gar die Freunde, welche sie von Herzen lieben. Sie mußs gewinnen oder sie wird deswegen untergehen."

Nach Bosworth pickte sich Stockwell Michelle Rodriguez für die Rolle der Eden heraus, die Surfbretter schleift, Jetski fährt und selbst surft. Bedenkt man, dass die in New Jersey aufgewachsene Michelle bislang für ihre kernigen Rollen als toughes Stadtkind in The Fast and the Furious und Girlfight bekannt ist, würde man sie als unwahrscheinlichste aller Kandidatinnen für diese Rolle als Strandwesen einstufen. Aber wiederum waren es die natürlichen, athletischen Fähigkeiten der Schauspielerin, die zum Vorschein kamen und der Rolle Authentizität verliehen.

Rodriguez fühlte sich eher auf einem Jetski wohl als auf einem der Surfbretter, die sie im Film schleift. Auf dem Jetski schleppt Eden Anne Marie in riesige Wellen hinaus, die zu groß sind, um in sie hinein zu paddeln und wendet scharf bevor die Welle herunterbrescht. Und obwohl die professionelle Surferin Megan Abudo in manchen Szenen als Rodriguez' Double eingesetzt wurde, hat Rodriguez eine Menge dieser Schleppszenen auf dem Jetski selbst gedreht.

"Michelle liebt Motoren. Sie mag Kraft," sagte Grazer. "Der Motor ist dem urbanen Hip-Hop-Typ näher, den sie in sich trägt. Sie steigt auf diesen Jetski und lässt es richtig krachen. Sie ist ein toughes Mädchen."

Sanoe Lake für die Rolle der Lena, dem dritten Teil des Freundinnen-Dreiergespanns zu besetzen, war naheliegend, obwohl sie kaum schauspielerische Erfahrung mitbrachte. Die gebürtige Hawaiianerin, die seit jeher surft und ansonsten modelt, brachte diese unkonventionelle Perspektive und einzigartige Energie ein, die sich für den Film als besonders wertvoll entpuppte.

"Auch wenn Sanoe keine Surferin gewesen wäre, hätte ich sie für die Rolle besetzt," erklärte Stockwell. "So gut war sie in dieser Rolle." Er lehnte ihren Charakter an Lakes wahres Leben an, in welchem sie danach strebt, Designerin für Surfmode zu werden.

Er fügt hinzu: "Es war toll durch Lake jemanden mit Kate und Michelle im Wasser zu haben, der ihnen flüstern konnte, wie man richtig paddelt, auf dem Board sitzt oder unter einer Welle hertaucht. Sanoe hat ihnen da draußen mehr Sicherheit gegeben."

Eine einzigartige Erfahrung für die Schauspielerinnen und eine willkommene Überraschung für das Drehteam war, wie gut sich die Frauen auch privat verstanden. Das Leben begann die Kunst zu imitieren, als die drei auf Stockwells Wunsch hin gemeinsam eine Strandhütte bewohnten.

"Ich wollte, dass sie sich wie in einem Surfer-Trainingslager fühlten, aber ich wollte auch, dass sie sich quasi einem sozialen Training unterzogen, in welchem sie sowohl diese Kultur in sich aufnehmen konnten als auch Bindungen untereinander formen, die sich dann in ihren Szenen widerspiegelten."

Es war ein Glücksspiel, das sich lohnte - zum Teil. "Es war hilfreich in dem Sinne, dass ich sie in jede erdenkliche Situation bringen konnte, und ihr Ausgang würde nie gekünstelt oder erzwungen wirken," sagte Stockwell.

"Geschadet hat es insofern, dass, wenn eine von ihnen die Nase voll hatte, sich die beiden anderen sofort anschlossen. Ich konnte keine Disharmonie zwischen ihnen zu meinen Gunsten ausnutzen, denn sie waren eine vereinte Kraft." Trotzdem, sagt er, war es das wert.

Wenn die Mädchen nicht gerade drehten, trainierten oder ihre Texte für den nächsten Tag vorbereiteten, sahen sie sich ununterbrochen Surf-Videos an. "Die Videos liefen immer. Sie gehörten einfach dazu", sagte Bosworth.

Rochelle Ballard ist einer der besten Surferinnen überhaupt, und es war so atemberaubend, ihr zuzusehen."

Ballard und die professionelle Surferin Megan Abudo doubelten Bosworth und Rodriguez in den besonders gefährlichen Surfszenen. Abgesehen von Ballard und Abudo verpflichtete Keaulana außerdem die hochkarätigen Surferinnen Keala Kennelly, Layne Beachley und Kate Skarratt>, die als Teilnehmerinnen des Pipe Masters Wettkampfs im Film sich selbst spielen.

Die Arbeit dieser Profis verleiht Blue Crush ein so glaubhaftes Portrait von weiblichen Surfern, wie man es bislang im Kino noch nie gesehen hat. Das gilt besonders in Hinsicht auf die immensen Schwierigkeiten, denen sie sich in dieser von Männern dominierten Sportart ausgesetzt sehen - eine Tatsache, die nach wie vor Bestand hat.

"Dies ist ein Männersport, und das lassen sie dich wissen," sagte Bosworth. "Ich hatte ja den Vorteil, in einem Film mitzuspielen, aber ich habe die Mädchen darüber reden gehört. Sie müssen sich da draußen definitiv beweisen.

Ich meine, es spielen sich viele scherzhafte Sticheleien zwischen den Mädchen und den Jungs ab, aber es steht außer Frage, dass es einem ernst sein mußs mit dem Surfen, wenn man dazu gehören möchte. Es ist der ganz normale Chauvinismus, wie in jedem Sport und auch wie im realen Leben. Aber was mich betrifft? Ich denke, ich war nicht gut genug, um eingeschüchtert zu sein!"

"Im Wasser geht es barbarisch zu," sagte Grazer. "Es gibt sehr strenge Regeln, wann man aufsteigt und wann man paddelt und wann man nicht paddelt. Wenn man gegen sie verstößt, folgen Konsequenzen. Die Jungs, die dieser Subkultur angehören, sind sehr hart. Sie machen dich fertig. Sie holen dich aus dem Wasser. Sie verprügeln dich."

"Du hast also mit diesen Konsequenzen zu tun, und du stellst dich täglich auf Leben und Tod den Wellen entgegen und versuchst, sie zu überleben. Wobei sich diese Variable der Wellen ständig verändert," sagte er. "Ich denke, wir haben in Blue Crush die Konsequenzen in beiderlei Hinsicht eingefangen."

Eingefangen, so Stockwell, bedeutete Einwohner von North Shore zu engagieren, die diese Subkultur quasi atmen. So war es für den auf Oahu geborenen Chris Taloa das Schauspieldebüt. Er ist einer der Welt besten Bodyboarder und tritt auf professioneller Ebene bei Wettkämpfen als Chris Won Ton an.

Stockwell fand Ruben Tejada, der den JJ spielt, als er vor einem Lebensmittelgeschäft auf North Shores Hauptstrasse herumhing. Zu Stockwells Überraschung entpuppten sie sich, wie auch alle anderen Surfer, als ganz natürlich vor der Kamera. "Andererseits ist es viel einfacher, jemandem das Schauspielen beizubringen als das Surfen," sage er. "Die Nicht-Schauspieler sind eher geneigt, die professionellen Schauspieler ernst zu nehmen."

Aber es gab auch Schauspieler am Set, die sich beim Surfen nicht so wohl gefühlt haben. Zwei von ihnen waren Matthew Davis, der Anne Maries Freund spielt, und Faizon Love, der Matts schrillen Teamkollegen Leslie darstellt. Love ist Nichtschwimmer, was es für ihn doppelt gefährlich machte, das Surfen zu lernen. Ironischerweise hatte Love, laut Keaulana, eher Angst vor Haien als vor dem Ertrinken - "alles drehte sich um Haie."

Davis Zwiespältigkeit gegenüber dem Surfen stellte sich als echter Glücksfall für seine Rolle heraus ... Football, nicht Surfen war sein Spiel - im Film wie im richtigen Leben. "Ich spiele in diesem Film wirklich das Gegenteil von allen meinen vorangegangenen Rollen - der Mann, der zu seiner Frau steht.

Als Athlet versteht mein Charakter die Leidenschaft für das, was sie macht und bestärkt sie darin. Ich glaube, durch seine Unterstützung für sie bestätigt er auch seine eigenen Entscheidungen. Aber dies ist wirklich eine Geschichte, die durch Frauen ihre Stärke erhält. Mein Charakter versucht nicht, sie um seiner selbst Willen von ihrer Leidenschaft abzubringen. Er liebt sie und deshalb hilft er ihr."

"Aber eigentlich habe ich diese Rolle angenommen, weil es mich interessiert hat zu erfahren, was Schauspielerinnen durchmachen," fügte Davis hinzu. "Ich habe den Druck gespürt, über den ich Schauspielerinnen habe reden hören, wenn es darum ging, die Nebenrolle als Gegenstand der Bewunderung zu spielen. Man mußs auf seine Figur achten und in Form bleiben und in allen Lebenslagen gut aussehen. Ich habe diese Aspekte inzwischen wirklich verstanden."

Grazer und Stockwell hegen die Hoffnung, dass Blue Crush nicht nur in Hinsicht auf die Charaktere wirkt, sondern dass er auch dem Sport den verdienten Tribut zollt, der ihm bislang durch das Kinopublikum nicht zuteil geworden ist.

"Ich möchte, dass Surfer aus dem Kino kommen und sagen 'Das ist echt. Dieser Film geht ab," sagte Grazer. "Es hat andere Surferfilme gegeben, denen es aus verschiedenen Gründen nicht so gegangen ist. Allein schon die Filmtechnik hat sich sehr verändert seit "Tag der Entscheidung", einem der prägendsten Filme über das Surfen.

Aber in früheren Filmen konnte das Publikum nicht in die Welle hineingebracht werden. In Blue Crush kannst du in die Physik des Wassers eindringen," erinnert er sich.

"Du trittst in die Welt dieser Surfer ein, dieser Subkultur. Du kannst sie reden hören, sie atmen hören, ihren Herzschlag hören. Wenn sie unter Wasser gezogen werden, bist du mit der Unterwasserkamera dabei, eine rotierende Kamera, die dich in diese Waschmaschinenerfahrung transportiert, die gnadenlos ist, und das kannst du fühlen.

Vor zwanzig Jahren war das unmöglich. Heutzutage haben wir die filmischen Möglichkeiten, so etwas zu verwirklichen. Alles was wir nun noch brauchten, war ein Regisseur, der sich für die Wahrheit interessierte. Das war John Stockwell."

Der Film begann mit seinen Hauptdreharbeiten im Dezember 2001. Nach der Weihnachtspause ging es im Januar weiter am North Shore. Aber der Drehplan mußste flexibel bleiben und sich quasi den Gegebenheiten anpassen, die die Natur vorgibt.

Aber Stockwell und Kollegen waren entschlossen, die Sache durchzuziehen, und sie taten es - genau wie Anne Marie. Letztendlich und auf vielen Ebenen hat das Leben in Blue Crush die Kunst imitiert.


Dirk Jasper FilmLexikon

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