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François Ozon über
Unter dem Sand
"Ich habe mich durch ein Ereignis
inspirieren lassen, dessen Zeuge ich als Kind geworden bin. Ich war
damals neun oder zehn Jahre alt und verbrachte mit meinen Eltern
den Sommerurlaub in den Landes. Am Strand begegneten wir
tagtäglich einem holländischen Ehepaar so um die 60, bis
eines Tages der Mann zum Baden ins Wasser ging und nicht mehr
zurückkehrte. Wir beobachteten, wie der Hubschrauber das Meer
absuchte und wie die Frau mit den Rettungsschwimmern redete.
In meinem Film entwickelte ich somit Variationen über ein Thema aus meiner Erinnerung, wobei der folgende Gedanke im Mittelpunkt steht: Wie ist Trauerarbeit möglich, wenn doch gar keine Leiche da ist. Durch das Nicht-Vorhandensein eines Leichnams bekommt der Tod eine quälende Ungewissheit: Es fällt schwer, sich mit ihm abzufinden, auch wenn die Umstände von Jeans Verschwinden kaum Raum für Zweifel lassen. Somit erhält der Tod jene Qualität zurück, die sonst angesichts der brutalen Offenkundigkeit eines Leichnams nur allzu oft in Vergessenheit gerät - ich meine damit das Rätselhafte, das dem Tod stets anhaftet. Das Problem, mit dem ich Marie den ganzen Film hindurch konfrontiere, besteht darin, innerlich ein ebenso schmerzhaftes wie unerklärliches Ereignis zu verarbeiten. Da man sich für den weiteren Verlauf der Geschichte viele verschiedene Fortsetzungen hätte vorstellen können - dass der Mann vielleicht doch noch lebt, dass er nur geflohen ist ...- schien es mir reizvoll, einfach so mit den Dreharbeiten zu beginnen, ohne überhaupt das Ende zu kennen. Erst während der Aufnahmen zum ersten Teil des Films sollte also über dessen Fortsetzung nachgedacht werden, die sich aus dem bisherigen Drehverlauf, im Dialog mit den Darstellern und bei der Arbeit am Schneidetisch wie von selbst ergeben würde." |
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