Identität

Produktionsnotizen

Ein klassischer Psychothriller - aber ganz anders als sonst "In Identität sind einige besondere Ideen verarbeitet", so Regisseur James Mangold. "Der Film spielt mit den traditionellen Konventionen, die wir mit Suspense und Schockmomenten assoziieren.

Für mich war das die Möglichkeit, mich mit einer Art von Film zu beschäftigen, die ich überaus bewundere: ein Thriller, dessen Drehort auf nur eine einzige Location beschränkt ist - wie es auch bei Alfred Hitchcocks Das Fenster zum Hof (1954), Ridley Scotts Alien - Das Ding aus einer anderen Welt (1979) oder John Carpenters The Thing (1982) der Fall war. Es ist eine Riesenherausforderung, diesen einen Ort über die Laufzeit eines ganzen Films hinweg interessant erscheinen zu lassen."

Diese beklemmende Besonderheit von Michael Cooneys Drehbuch zu Identität war es dann auch, was die Produzentin Cathy Konrad auf den Stoff aufmerksam werden ließ.

"Das ist ein klassischer Puzzlefilm, ein "Whodunit" mit einer völlig überraschenden Wendung am Schluss. Gleichzeitig steckt da etwas ungemein Subversives, etwas Gefährliches in dieser Geschichte", berichtet sie. "Zudem waren die Figuren frisch und ungewöhnlich und sind, wie das in diesem Genre typisch ist, Bestandteil der Handlung. Was hier aber anders ist: Die Figuren sind die Handlung."

James Mangold und Cathy Konrad feilten mit Cooney am Drehbuch, arbeiteten weitere Dimensionen heraus und verliehen den Figuren zusätzliche Tiefe. "Jim legte großen Wert darauf, allen Figuren eine eigene Sichtweise zu verleihen und allesamt an einem Wendepunkt in ihrem Leben zu platzieren", erklärt Konrad. "Das Material hat Wucht, ist aber nicht ohne Subtilität. In einem sehr kurzen Zeitabschnitt erfahren wir sehr viel über diese Menschen."

"Jede einzelne Figur sollte einen wiedererkennbaren Makel und zusätzlich ein Geheimnis besitzen", sagt Mangold. "Etwas, wovor sie Angst haben, das sie beschützen, das sie in die Geschehnisse unmittelbar hineinzieht."

Ein weiterer ausgefallener Aspekt des Drehbuchs von Identität, der den Filmemacher faszinierte, ist eine schockierende Offenbarung, die allerdings nicht erst am Schluss stattfindet, sondern den dritten Akt einleitet.

Mangold vergleicht den Moment mit "diesem schaurigen Gefühl bei einem Albtraum, wenn man den Eindruck hat, es würde einem der Boden unter den Füßen weggezogen werden. Ich konnte es gar nicht erwarten, diese Szenen zu drehen und im Schnitt zusammenzufügen."

"Der Film ist brillant aufgebaut", verspricht Cathy Konrad. "Dem Publikum wird es nicht möglich sein, all die großartigen Wendungen und Überraschungen vorherzusehen. Man erwartet sie an ganz anderen Stellen. Und doch: Die Hinweise darauf finden sich von Anfang an. Darin liegt der Spaß und die große Herausforderung."

Mangold wollte starke Schauspieler für seinen Film. Für den Limousinenchauffeur Ed wählte er John Cusack. "John versieht selbst seine ernsthaftesten Rollen mit einer ganz feinen Menschlichkeit. Das ist ein Talent, das ich als großes Plus für die Geschichte wertete. Immerhin ist es eine streckenweise ziemlich düstere und erschreckende Geschichte", erzählt der Regisseur.

"John hat eine unglaubliche Leinwandpräsenz", fügt Konrad hinzu. "Seine Darstellungen stecken voller Widersprüche, die seine Figuren immer wahnsinnig echt wirken lassen, und dank seines Charmes fühlt man sich sofort zu ihm hingezogen."

Wie es schon bei Mangold und Konrad der Fall gewesen ist, war auch Cusack sofort hingerissen von dem Drehbuch. "Ich kann mich an keinen Film erinnern, bei dem die große Überraschung zu Beginn des dritten Akts stattfindet - und man noch ein ganzes Stück Handlung vor sich hat", meint Cusack. "Man wird einfach die ganze Zeit weiter überrascht. Das hat echt Format."

Für die Rolle des undurchsichtigen Polizisten Rhodes griff Mangold auf Ray Liotta zurück, mit dem er bereits an Cop Land (1997) gearbeitet hatte. "Ray erschafft einzigartige Charaktere: Männer voller Witz und Intelligenz und dem gewissen Potential an Gewalt" erläutert Mangold. "Hinter Rays Augen findet man eine ganz eigene Explosivität, ein Feuer - und das war perfekt für diese Rolle."

"Der Hauptgrund für meine Mitwirkung war die Aussicht auf eine erneute Arbeit mit Jim", gibt Liotta zu Protokoll. "Aber sie bedeutete auch einen Ausflug in ein Genre, das Neuland für mich war. Die Figuren sind allesamt spannend. Alle kämpfen darum, ihren Weg durch die Welt zu finden. Und was das Tempo betrifft, ist dieser Film völlig anders. Nach nur ein paar Minuten schalten wir in den höchsten Gang - und gehen dann nicht mehr vom Gaspedal runter."

Eine weitere entscheidende Figur ist Paris, ein ehemaliges Callgirl, die davon träumt, ihr Leben noch einmal von vorn zu beginnen. Amanda Peet "hatte genau die richtige Energie und den nötigen Schmiss für die Rolle", bekennt Cathy Konrad: "Sie ist eine geborene Schauspielerin, und wie John schaltet sie mühelos von komischen zu dramatischen Momenten."

"Ich bekam eine Heidenangst, als ich das Drehbuch las", erinnert sich Amanda Peet. "Ich ging durch meine Wohnung und stellte sicher, dass auch tatsächlich alle Türen und Fenster geschlossen waren. Das Skript ist sehr clever. Und es spukt einem noch lange durch den Kopf."

Jedes weitere Mitglied des Ensembles brachte eine weitere Farbe, ein weiteres Element in den Film ein - und das war von grundlegender Bedeutung für den Erfolg des Projekts. "Es ist den Schauspielern zu verdanken, dass das Publikum dem Film auch dann noch mit Hochspannung folgt und das endgültige Schicksal der Figuren erfahren will, nachdem die erschreckende Wahrheit der rätselhaften Vorgänge offenbart wurde", sagt Cathy Konrad.

Über die Produktion Die dominierende Figur in Identität ist nach Aussage von Regisseur James Mangold keiner der Darsteller, sondern das Motel, in dem die Hauptfiguren des Films gefangen sind.

"Das Motel mußs dem Publikum während des gesamten Films wie lebendig erscheinen", sagt Mangold. "Die Farbpalette und das Aussehen der Räume mußs sich absolut real anfühlen, aber gleichzeitig sollen sie das gesamte Ausmaß des Schreckens widerspiegeln, dem die Figuren ausgesetzt sind."

Weiter erklärt er: "Das richtige Umfeld kann auch bei den Schauspielern eine emotionale Reaktion auslösen. Es geht eine große Verzweiflung von ihnen aus, wie sie da von der Außenwelt abgeschnitten sind. Es ist faszinierend, was geschieht, wenn man Schauspieler auf so engem Raum aufeinander loslässt. Und es gibt kein Entkommen, denn ein gewaltiges Unwetter zwingt die Figuren in diese albtraumartige Situation. Sie sind machtlos. Wenn man diese Art von Klaustrophobie unmittelbar erlebt, kann das bei Schauspielern ungeahnte Kräfte freisetzen."

Um dem Motel am Wegesrand das richtige Ambiente zu verleihen, arbeitete James Mangold zum zweiten Mal - nach Kate & Leopold (2001) - mit dem Ausstatter Mark Friedberg (Der Eissturm (1997), Dem Himmel so fern (2002)) zusammen.

Der sagt, dass seine Hauptaufgabe darin bestand, "das Hauptset interessant genug zu gestalten, damit das Publikum den gesamten Film über gebannt bleibt - man darf nicht vergessen, dass man es in einem Film üblicherweise mit 50 verschiedenen Sets zu tun hat".

Das komplette Motel wurde in Stage 27, der zweitgrößten Studiohalle des Sony-Geländes in Culver City, errichtet. Gleichzeitig baute man auch ein Außenset in der kalifornischen Wüste etwa 20 Meilen außerhalb von Palmdale, welches für die Szenen, in denen die Ankunft der Figuren zu sehen ist, und für Panoramaeinstellungen genutzt werden.

Da fast der gesamte Film während eines gewaltigen Regenbruchs spielt, waren sich Mangold und seine Produzentin Cathy Konrad einig, dass sich dieses Umfeld besser kontrollieren ließe, wenn man dies im Studio filmen würde. Zudem gingen die beiden davon aus, dass das klaustrophobische Unwohlsein der Beteiligten durch diese Entscheidung noch verstärkt werden würde.

Friedberg und seine Crew benötigten acht Wochen, um das Motel zu errichten, das fast die gesamte höhlenartige Halle einnahm. Nicht nur das Design war wichtig: Auch von Ingenieursseite her war das Set eine Meisterleistung. Man mußste ausgesprochen sorgfältig vorgehen, denn die Bauten hatten absolut wasserdicht zu sein.

Gleichzeitig mußste man sicherstellen, dass der ständige Regen gut abfließen und schnell trocknen würde, um einer Beschädigung der Halle und ihres Bodens entgegenzuwirken. Dazu legte man das Studio komplett mit einer Gummischicht aus und errichtete darauf das Motel. Als Material wurde in erster Linie Gunit eingesetzt, das man sonst vor allem beim Bau von Swimming Pools verwendet.

"Ich wollte, dass das Wasser die Schauspieler und das komplette Kamerafeld einhüllt", sagt Friedberg. "Der Regen ist das wichtigste Hindernis für die Flucht der Figuren. Und es ist gar nicht so einfach, ihn echt aussehen zu lassen", sagt Cathy Konrad. "Mit der Installation eines Sprenkelsystems über dem Set wollten wir sicherstellen, dass wir Stärke und Menge des Regens stets nach Belieben regulieren konnten."

"Der Regen legte eine einheitliche Grundstimmung fest, die ziemlich gut zum Inhalt unserer Geschichte passte", meint John Cusack. "Wir kamen jeden Morgen ans Set, suchten nach Kaffee, um langsam wach zu werden, und dann ließen wir uns den ganzen Tag lang mit Wasser besprenkeln. Dabei aufmerksam und konzentriert zu bleiben, war echt kein Problem."

Aber Cusack hat ja auch gut lachen: Als einzige Figur im Film trägt der von ihm dargestellte Limousinen-Chauffeur einen Regenmantel! Die Kollegen sahen das mit gemischten Gefühlen. "Warum weiß denn nur Ed, dass es regnen würde?" lacht Ray Liotta. "Klar, der Regen war ziemlich ungemütlich, aber er sorgte für die richtige Stimmung. Das war, als würde man den ganzen Tag lang eine kalte Dusche nehmen. Manchmal war das auch reizvoll."

Ausstatter Friedberg verstärkte die angesprochene Stimmung mit Hilfe eines ausgeklügelten Innendesigns. Das mag dem Publikum nicht auffallen, aber die Tapete in einigen Räumen, auf der Rosen in einem Gitternetz angeordnet sind, "sieht aus der Entfernung fast ein bisschen aus wie ein Stacheldraht", berichtet die Produzentin. Andere Zimmer sind mit einer gestreiften Tapete ausgestattet, "die wir gezielt wie Gitter aussehen ließen: Die Menschen sollen gefangen aussehen".

So genau sind die Details ausgearbeitet, sagt Cathy Konrad, "dass alle Besucher des Sets unisono das gleiche Gefühl beschrieben: Sie hatten einen Eindruck, der mit ihren schlimmsten Ausflügen ins Hinterland vergleichbar sei".

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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