Die Journalistin

Ausführlicher Inhalt

Dublin, 26. Juni 1996. Die irische Journalistin Veronica Guerin (Cate Blanchett) steht wegen wiederholter Geschwindigkeitsüberschreitung vor dem Naas Courthouse und kommt mit 100 Pfund Strafe noch einmal davon.

Überglücklich braust sie nach Hause und ruft von unterwegs ihre Mutter Bernadette (Brenda Fricker) und ihren Mann Graham (Barry Barnes) an. An einer roten Ampel greift sie erneut zum Hörer ihres Autotelefons, um auch Inspektor Chris Mulligan (Don Wycherly), ihrem Freund bei der Gardai, die freudige Nachricht zu überbringen, als neben ihr ein Motorrad hält. Auf ihm zwei Männer in Motorradkluft. Im nächsten Moment zersplittern die Scheiben ...

Zwei Jahre zuvor. Veronica Guerin ist das journalistische Aushängeschild der Sunday Independent in Dublin. Mit ihren kämpferischen Artikeln über den Moloch Dublin, die Armut der sozial Schwachen und die Machenschaften gerissener Politiker und Krimineller hat die ehrgeizige Journalistin das Blatt ganz an die Spitze gebracht. Mit Entsetzen stellt sie fest, dass es in Dublin 1994 mehr als 15.000 meist jugendliche Heroinabhängige gibt, und beschließt, die Hintermänner zu entlarven und vor Gericht zu bringen.

Bei ihren Recherchen trifft sie auf den abhängigen, labilen Teenager Timmy (Laurence Kinlan) und dessen Freunde. Doch ihr Versuch, den süchtigen Kids Geheimnisse über ihre Dealer und deren Hintermänner zu entlocken, scheitert. In einem schmierigen Hinterzimmer einer Sozialwohnung irgendwo im Ghetto Dublins tobt der wahre Drogenkrieg: Der zwielichtige Martin Cahill (Gerry O'Brien) und seine finsteren Handlanger machen kurzen Prozess mit einem nicht länger vertrauenswürdigen Dealer.

Drogenboss Cahill, den alle ehrfurchtsvoll den "General" nennen, lässt sich nicht aufs Kreuz legen, schließlich kontrolliert er große Bereiche der Dubliner Drogenszene. Währenddessen recherchiert Veronica Guerin weiter im Milieu. Sie erfährt von "Eltern gegen Drogen"-Demonstrationen, die ein kleiner Kreis Betroffener jede Woche organisiert, und stößt bei ihren Gesprächen immer wieder auf den Namen Martin Cahill.

Schließlich sucht sie den undurchsichtigen und eitlen Gangster John Traynor (Ciaran Hinds) auf, der ihr schon in der Vergangenheit mit Tipps behilflich war und dem sie mit ihren Artikeln zu zweifelhaftem Ruhm in der Szene verholfen hat. Doch Traynor schaltet auf stur: Weder Martin Cahill noch er hätten etwas mit Drogen zu tun, sagt er. Also sucht sie den General in seinem Haus auf, doch der unscheinbare Mann verschanzt sich.

Veronica mußs an anderer Stelle weitersuchen und erhält Hilfe von Chris Mulligan, der ihr heimlich Einblick in die entsprechenden Akten gewährt. In der Zwischenzeit macht sich John Traynor, der spöttisch nur "der Coach" gerufen wird, auf den Weg zum Landsitz von John Gilligan (Gerard McSorley). Offiziell als Pferdezüchter auftretend, hat Gilligan einiges auf dem Kerbholz: Neben Martin Cahill kontrolliert der brutale Mann die Drogenszene Dublins.

Gilligan seien Gerüchte über Kontakte zwischen Traynor und der Journalistin Veronica Guerin zu Ohren gekommen, zischt er den Coach an. Er droht Traynor: Sollte die Journalistin jemals auch nur ein Wort über ihn verlieren, würde der Coach dafür büßen. Und Gilligan plant bereits seinen nächsten Schachzug: Er will Cahills Reviere übernehmen.

In der Folgezeit wird Dublin von einer Reihe mysteriöser und brutaler Morde in Cahills Dunstkreis heimgesucht, an deren Ende auch der General sein Leben lassen mußs. Die Polizeiführung ist ratlos. Auf einer Pressekonferenz mit aufgebrachten Journalisten äußert sie Vermutungen, dass hinter den Attentaten die IRA stehen könne, aber noch nichts bewiesen sei. Aus der Menge der Reporter hebt sich eine Hand.

Ob es nicht viel wahrscheinlicher sei, dass es eher um interne Machtkämpfe der Drogenbosse gehe, fragt Veronica Guerin. Doch sie erhält keine zufrieden stellende Antwort und sucht weiter. Gemeinsam mit Inspektor Mulligan nimmt sie an der Beerdigung von Martin Cahill teil, zu der sich viele Größen der Drogenszene eingefunden haben. Heimlich macht Mulligan sie auf eine weitere finstere Gestalt der Dubliner Unterwelt aufmerksam: Gerry "The Monk" Hutch (Alan Devine).

Während sie den eleganten Mann noch in Augenschein nimmt, klingelt ihr Handy: Hinter den Morden würde Gerry "The Monk" Hutch stehen, raunt ihr John Traynor durch den Hörer zu, dahinter stünde auf keinen Fall die IRA allein. Endlich eine neue Spur, hofft Veronica. Nach der Beerdigung passt sie Hutch vor seinem Haus ab und konfrontiert ihn mit Traynors Behauptung. Doch Hutch lässt sie eiskalt abblitzen und droht ihr sogar: Solle sie noch einmal sein Haus besuchen, würde er ihres aufsuchen.

Als Veronica und ihr Mann Jimmy abends ihren Sohn Cathal (Simon O'Driscoll) zu Bett bringen, fällt ein Schuss und die Kugel durchschlägt ein Fenster ihres Hauses. Panisch kauert sich die Mutter mit ihrem Sohn im Arm auf den Boden - hatte Traynor Recht?

Bei ihrem nächsten Besuch auf dem Polizeirevier präsentiert ihr Inspektor Mulligan ein Foto, auf dem John Gilligan zu sehen ist. Veronica traut ihren Augen nicht: Im Hintergrund taucht klein, aber sehr deutlich der Kopf vom Coach auf! Ihr Informant, der bis dato vehement jeglichen Kontakt mit der lokalen Drogenszene geleugnet hat, steht in engem Kontakt mit einem der Drogenbosse!

Aufgeregt konfrontiert sie Traynor mit dem Foto. Für einen Moment irritiert angesichts ihrer Entdeckung gewinnt er seine Fassung zurück und weist sie ab. Er könne ihr nicht helfen, sagt er. Nachdem sie ihn verlassen hat, greift Traynor zu seinem Handy und beichtet Gilligan von Veronicas Fund. Gilligan flippt völlig aus und sieht rot ...

Heiligabend. In den Redaktionsräumen der Sunday Independent herrscht feierliche, fröhliche Stimmung. Inmitten all der Reporter und Journalisten warten Graham und Sohn Cathal auf ihre Veronica. Auch an diesem Tag hat sie über ihrer Gangsterjagd wieder völlig die Zeit vergessen. Hektisch schlüpft sie zu Hause in ihr Festtagskleid, als es an der Tür klingelt. Sie öffnet, und noch ehe sie reagieren kann, stürmt ein maskierter Mann in den Hausflur und bedroht sie mit einem Revolver.

Voller Panik sinkt die Journalistin an der Hauswand zu Boden und starrt angsterfüllt auf den Mann, der wortlos abdrückt. Entsetzt blickt Veronica auf ihren rechten Oberschenkel, in dem eine große Schusswunde klafft. Mit letzter Kraft und vor Angst zitternd ruft sie mit ihrem Handy einen Krankenwagen.

Die Familie und die Kollegen in der Redaktion sind geschockt, als sie von dem Attentat erfahren. Inständig flehen sie sie an, mit den Recherchen aufzuhören. Veronica jedoch kann und will es unter keinen Umständen zulassen, dass ihre Gegner gewinnen. Unter Polizeischutz gestellt, macht sie sich auf, die Hintermänner des perfiden Attentats zu entlarven. Mit Hilfe weiterer Informanten gelingt es ihr, die Netze immer enger um John Gilligan als den Drogenboss von Dublin zu ziehen.

Siegessicher fährt sie auf seinen Landsitz hinaus, um ihn zu befragen - und landet erneut im Krankenhaus: Rasend vor Wut prügelt Gilligan mit bloßen Fäusten auf die wehrlose Journalistin ein. Endlich mußs Veronica sich eingestehen, dass sie sich auf ein lebensgefährliches Unterfangen eingelassen hat. Ihren Gegnern Stärke demonstrierend, gibt sie Interviews im Fernsehen und lässt sich mit ihrem zerschundenen Gesicht für die Sunday Independent fotografieren.

Mit so viel Gegenwehr hätte Gilligan nicht gerechnet. Beinahe verzweifelt bedroht er Veronica abends am Telefon: Wenn sie nicht sofort aufhören würde, über ihn zu berichten, werde er erst ihren Sohn entführen und ihm Gewalt antun und anschließend sie selbst töten. Die Journalistin bricht zusammen. Worauf hat sie sich nur eingelassen?

Sie gesteht ihrem Mann, dass sie entsetzliche Angst habe, ringt ihm aber zugleich das Versprechen ab, nichts von ihrer Panik zu verraten, weil der Bastard Gilligan dann gewonnen hätte. Ihr wird immer mehr bewusst, dass Traynor ein doppelbödiges Spiel spielt. Mit einem Trick lockt sie ihn zu einem einsamen Platz am Dubliner Hafen und zieht ihren letzten Trumpf: Sie werde ihn und Gilligan namentlich in der Sunday Independent angreifen, droht sie ihm und bittet ihn, sich umzudrehen und freundlich in die Kamera des Zeitungsfotografen zu lächeln.

Langsam begreift Traynor, dass es ihr mehr als ernst ist. Panisch greift er zu seinem Handy und informiert Gilligan. Und er erzählt ihm auch von ihrem Termin vor Gericht, der am nächsten Morgen wegen ihrer Strafzettel für zu schnelles Fahren ansteht. Der entscheidende Hinweis, der Gilligan zum Handeln zwingt ...

Mit sechs Schüssen aus einem Trommelrevolver wird die irische Journalistin Veronica Guerin am Morgen des 26. Juni 1996 in Dublin in ihrem Auto an einer roten Ampel erschossen. Irland, das bis zu diesem Zeitpunkt in einer Art Dornröschenschlaf verharrt hatte, begann fortan zu brodeln: Riesige Antidrogendemonstrationen wurden organisiert, die die Regierung schließlich innerhalb einer Woche nach Veronica Guerins Tod zu umfassenden, neuen Antidrogengesetzen zwangen.

Bereits im Jahr darauf konnte das Land einen Rückgang der Zahl Drogenabhängiger um 15 % verzeichnen. Die Mörder Veronica Guerins wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Auch Drahtzieher John Gilligan sitzt heute noch in einem irischen Gefängnis, aber sein Revisionsantrag läuft ...

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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