Die Journalistin

Produktionsnotizen

"Die Geschichte von Veronica Guerin ist keine kleine Geschichte. Sie ist nicht nur für die Leute in Irland wichtig. Ihre Geschichte erklärt, warum Leute Journalisten werden wollen", sagt Jerry Bruckheimer, der Produzent von Die Journalistin. Bruckheimer ist einer der Top-Produzenten Hollywoods - zu seinen jüngsten Produktionen gehören u. a. Fluch der Karibik, Pearl Harbor, und Black Hawk Down.

"Sie war jemand, der sich nie fürchtete - egal, womit die Leute, über die sie berichtete, ihr drohten", sagt er weiter. "Diese Tapferkeit, dieser Mut hat letztlich ihr Land enorm verändert - ohne sie würde es ganz anders aussehen." Guerin war eine der Top-Journalistinnen Irlands in den neunziger Jahren. Ihre Berichte lenkten die Aufmerksamkeit ihres Volkes auf das zunehmende Problem des Heroinmissbrauchs in Dublin.

Sie malte ein klares Bild einer gefährlichen Welt, die vorher der Aufmerksamkeit vieler entgangen war, und wurde dadurch zum Erzfeind der Dubliner Unterwelt. Schließlich mobilisierte sie Antidrogenkräfte, was zu strengeren Betäubungsmittelgesetzen in Irland führte. "Ich erzähle gern Geschichten über Individuen, die in dieser Welt etwas ausrichten und als Vorbild für zukünftige Generationen dienen", sagt Bruckheimer.

"Für mich ist Veronica Guerin so ein Individuum. Sie veränderte Irland, indem sie die Art und Weise, in der die Menschen dort über Drogen dachten, änderte. Sie ist jemand, über den andere Generationen Bescheid wissen sollten." "Ich meine, dass wir unsere Fantasien ausleben, indem wir ins Kino gehen und Filme sehen, in denen die Helden und Heldinnen außergewöhnliche Dinge tun, die wir selbst gern tun würden - und in diesem Fall ist die Geschichte sogar wahr", sagt Joel Schumacher, der Regisseur des Filmes.

"Wir hören viel über Leute, die etwas bewegen wollen. Veronica Guerin hat es in die Tat umgesetzt." "Ich glaube nicht, dass Veronica sich selbst als etwas Besonderes sah", sagt Cate Blanchett, die im Film die Journalistin spielt. "Ich glaube, sie hatte unglaublich viel Respekt vor dem, was sie tat. Das, was sie so toll machte, war ihre Menschlichkeit. Aber der Mensch hat nun mal Fehler, und gerade das macht sie so sympathisch."

"Es ist eine globale Geschichte", sagt Schumacher. "Der Krieg gegen die Drogen ist global, und jede Geschichte mit einem Helden oder einer Heldin ist universal, unabhängig davon, wo und wann die Geschichte spielt. Die Geschichte Veronica Guerins erzählt von jemandem, der nicht nachgibt und etwas tut, was nicht vergessen wird".

"Es ist eine Geschichte über persönlichen Mut", stimmt Drehbuchautorin Mary Agnes Donoghue zu. "Veronica Guerin sagte: ?Nein, ich laufe nicht weg.' Hinterher sagten viele, dass sie äußerst tapfer, eine Art Heilige war; andere behaupteten, sie sei naiv und töricht gewesen. Ich meine, sie war nichts von alledem. Sie war eine, die den Kampf annahm."

Die Hauptrolle in Die Journalistin spielt Cate Blanchett, die schon einmal für einen Oscar® nominiert wurde.

"Cate Blanchett war unsere einzige Wahl für Veronica", sagt Joel Schumacher. "Sie ist in dieser Rolle so perfekt - ich glaube, ich hätte den Film vielleicht nicht gemacht, wenn sie nein gesagt hätte - ich hatte keine zweite Wahl im Kopf."

"Sie vollbringt eine Glanzleistung", sagt Jerry Bruckheimer. "Sie hat wahnsinnig viel für diese Rolle geforscht. Die Fähigkeit, das zu tun, deutet auf eine wirklich großartige Schauspielerin hin". Zu dem Zeitpunkt, als man sie wegen der Rolle fragte, wusste die in Australien geborene Schauspielerin sehr wenig über die irische Journalistin. Im Laufe ihrer Forschung aber entdeckte Blanchett einen "komplexen, leidenschaftlichen und außergewöhnlichen Menschen", sagt sie.

"Ich bilde mir nie ein Urteil über die Figuren, die ich spiele", sagt Blanchett weiter. "Ich verliebe mich in sie so wenig, wie ich sie verachte. Es hat keinen Wert, das zu tun. Im Nachhinein glaube ich, dass die Leute, die nicht direkt dabei sind, die das Ganze nur am Rande miterleben, es sehr einfach haben, moralische Urteile über diejenigen Leute zu fällen, die mitten im Leben stehen. Aber ich finde etwas, was Veronica einmal in einem Interview sagte, zutiefst inspirierend: ?Man kann erst dann ein Problem lösen, wenn man es verstanden hat.' Für mich ist das ein Schlüssel zu ihrem Charakter."

Blanchett verbrachte vor dem Dreh dieses Films einen Monat in Dublin: Dabei traf sie sich mit Freunden und Kollegen von Veronica Guerin und sprach mit Familienmitgliedern. Sie schaute sich Filmmaterial der Journalistin an, las die von Guerin geschriebenen Artikel aus den Archiven, hörte sich Radiointerviews an und perfektionierte ihren Dubliner Akzent. Peu à peu kam sie näher daran, die Motivation Veronica Guerins, ihre Entschlossenheit und ihr Engagement zu verstehen.

"Sie war ein Mensch für die Menschen und glaubte fest an ihre Überzeugungsfähigkeiten. In einem der Interviews sagte sie, jeder habe eine menschliche Seite, jeder habe eine Familie, die einen zum Menschen macht. Sie hatte also diesen ganz festen Glauben, der sie letztendlich an sehr gefährliche Orte führte, aber sie glaubte, sie könnte mit Argumentation jeder schwierigen Lage entkommen."

Bei ihrer Vorbereitung auf die Rolle von Veronica Guerin mußste Blanchett eine Reihe von komplizierten Beziehungen untersuchen. "Veronica hatte eine phänomenale Lebenskraft. Ich habe noch nie so viele Leute getroffen, die sagten: ?Ich lernte Veronica kennen', oder: ?Ich habe einmal mit ihr zusammen gegessen', oder: ?Sie und ich waren so eng befreundet.' Alle haben eine Meinung über sie, und für mich als Schauspielerin ist das unheimlich positiv. Irgendwo zwischen den ganzen verschiedenen Meinungen über sie liegt die Wahrheit darüber, wer Veronica Guerin war."

Mit Hilfe von Joel Schumacher bastelte Blanchett sich ein Porträt von Veronica Guerin zusammen, und zwar in der Form einer Geschichte über eine zähe, kompromisslose Journalistin, die keine Heilige war, nur jemand, der über das, was in ihrer Heimatstadt passierte, entsetzt war: Verbrecher überschwemmten die Straßen mit Heroin und konnten alles machen, was sie wollten.

"Veronica war absolut empört über das Versagen des Rechtssystems, diejenigen, die so offensichtlich schuldig waren, zu verurteilen", sagt Blanchett. Sobald Blanchett einmal engagiert war, wandten sich die Filmemacher an das Heimatland Guerins, um das Ensemble zu vervollständigen.

Die Journalistin wurde vor Ort mit einer überwiegend irischen Besetzung gefilmt. "Das war wirklich höchst interessant", sagt Bruckheimer. "Es gibt so viele exzellente irische Schauspieler, sowohl auf der Bühne als auch auf der Leinwand, die in den USA kaum oder gar nicht bekannt sind. Ich habe sehr viele Schauspieler gesehen, mit denen ich noch einmal zusammenarbeiten möchte".

"Die Stadt hat einiges an hervorragender Architektur, aber - was für mich wichtiger ist - sie ist auch eine der besten Quellen für Schauspieler auf der ganzen Welt", sagt Joel Schumacher.

Während ihrer ganzen Karriere als Reporterin über Verbrechen steuerte Guerin einen gefährlichen Kurs zwischen ihrer Arbeit und ihrem Familienleben. "Ein sehr liebevolles, starkes Leben zu Hause wird im Film aufgebaut, damit klar wird, dass so viel auf dem Spiel steht, so viel, das verloren gehen könnte", sagt Barry Barnes, der Veronicas Ehemann Graham spielt. "Veronica zieht dies in Betracht, kann ihre Arbeit aber nicht aufgeben."

Im Film ist sich Guerin schon ihrer Verantwortung gegenüber ihrem Mann Graham, ihrer Mutter Bernadette und ihrem Sohn Cathal bewusst. Sie hat aber auch einen Beruf. "Graham sieht, was vor sich geht, weiß offensichtlich, wie gefährlich das ist, sieht aber ein, dass er Veronica nicht aufhalten kann", sagt Barnes.

"Er merkt, dass sie von ihrer Arbeit geradezu besessen ist und auf keinen Fall damit aufhören wird. Er könnte ihr vielleicht ein Ultimatum stellen, aber er würde Angst haben, sie dann zu verlieren. Die Alternative besteht darin, zu akzeptieren, dass sie ihre Arbeit auf jeden Fall machen wird und dabei versucht, sich vom Rande des Abgrunds fernzuhalten."

Für Barnes stellte der geschlechtliche Rollentausch eine Verlockung zu dieser Rolle dar. "Wir haben schon Hunderte von Filmen gesehen, wo ein Mann sich mit den Bösewichtern anlegt und seine Frau um ihn bangt. Wir als Zuschauer empfinden viele unserer Sorgen um ihn durch sie. Es kommt selten vor, dass man dies umgekehrt sieht - und genau darum geht es in diesem Film."

Ein weiterer wichtiger Einfluss im Leben Veronica Guerins war ihre Mutter Bernadette, die von Brenda Fricker, Gewinnerin eines Oscar®, gespielt wird. Obwohl sie immer auf ihre tapfere, furchtlose Tochter stolz war, versuchte Bernadette trotzdem, Veronica von der Einsicht zu überzeugen, dass es "doch manchmal tapferer ist, wegzugehen".

Nach Veronicas Tod unterstützte ihre Mutter die Kampagne der Journalistengewerkschaft, der National Union of Journalists, für eine Reform des Verleumdungsgesetzes mit dem Hinweis darauf, dass Journalisten im allgemeinen Interesse handeln und nicht durch repressive Gesetze daran gehindert werden sollten.

Guerins Hauptansprechpartner in der Unterwelt war John Traynor, ein Mann, der in den schäbigen Glanz seines ausgewählten Berufs vernarrt und von seinem zweifelhaften Promi-Status verführt worden war. Der irische Schauspieler Ciaran Hinds spielt Traynor, das wichtigste Zahnrad im Getriebe seines Chefs John Gilligan.

"Es ist das Spiel mit dem Ruhm," sagt Hinds. "Traynors Ego sehnt sich nach dem Rampenlicht. Es ist ein Zeichen für Traynors völlige Inkompetenz bei diesem Spiel: Wenn er nur ein Minimum an Scharfsinn hätte, wäre er unsichtbar wie Gilligan. Gilligan wirft Traynor vor, ein Filmstar sein zu wollen, und holt ihn von seinem hohen Ross herunter."

Traynor war eine Schlüsselfigur in Gilligans Gang. "Traynor hatte mit einigen Gangs zu tun, weil er für die Geldwäsche zuständig war," sagt Hinds. Traynor war für die Polizei kein unbeschriebenes Blatt - er war bereits wegen Einbruchs, Betrugs, Waffenbesitzes und des Handels mit gestohlenen Waren verurteilt worden. "Er hatte offensichtlich einen scharfen Sinn für solche Sachen, und die verschiedenen Gangs brauchten ihn. Er legte sich gelegentlich mit Gilligan an - obwohl er wusste, wie verrückt Gilligan war."

Trotzdem erwähnte Traynor Gilligan und die anderen Gangmitglieder immer wieder in seinen ?Beichten' gegenüber Guerin, die jeden Sonntag schwarz auf weiß erschienen. "Er war ein Prahler und sehr eitel", sagt Hinds. In absolutem Gegensatz zu Traynor stand John Gilligan, ein Berufskrimineller, der zum ersten Mal mit fünfzehn verurteilt wurde. Über die Jahre hatte er eine Gang effizienter, brutaler Verbrecher um sich gesammelt und durch seine Drogenaktivitäten ganz allmählich ein Vermögen verdient.

Er hatte auch eine äußerst ausgeprägte Gewaltbereitschaft. Gilligan verabscheute jegliche Verbindung mit Journalisten oder den Medien überhaupt. Trotz wiederholter Bitten von Seiten Guerins lehnte er es ab, interviewt zu werden - er warnte Traynor wiederholt davor, mit der Journalistin in Kontakt zu bleiben. Gilligan wollte nichts weniger als seinen Namen in der Zeitung.

Gerard McSorley spielt den Verbrecherboss. Der Schauspieler überlegte sich kurz, John Gilligan im Portlaoiser Gefängnis zu besuchen, entschied sich aber schließlich dagegen, weil er meinte, seine Darstellung sollte eher ein Eindruck als eine Nachahmung sein. "Ich dachte, auch wenn ich eine Perücke tragen würde, um genau auszusehen wie John Gilligan, täte das nichts zur Sache", sagt er.

"Es war sinnvoller, zu versuchen, die Psychologie des Mannes und ein bisschen von seinem Hintergrund zu verstehen - dadurch wurde mir geholfen, die extreme Unberechenbarkeit seiner Natur zu begreifen. Schließlich handelt es sich um einen Film und nicht um eine Dokumentarsendung, und man spielt nach dem Drehbuch." Der irische Schauspieler Colin Farrell hat ebenfalls einen kurzen Auftritt.

Für Joel Schumacher wurde die Stadt Dublin zur anderen Schlüsselfigur beim Erzählen der Geschichte Veronica Guerins. "Ich kann es mir nicht vorstellen, diese Geschichte an einem anderen Ort als Dublin zu erzählen", sagt er. "Man mußs am Ort des Geschehens sein, wenn man versuchen will, den Zuschauern einen Sinn für das, was wirklich passiert ist, zu vermitteln".

"Man mußs ehrlich sein, seiner Story treu bleiben", sagt Bruckheimer. "Und um das zu erlangen, mußs man dem Ort treu sein. Diese Geschichte fand in Dublin statt; Dublin ist der einzige Ort, wo wir den Film drehen konnten. Und dazu kommt auch, dass wir es mit einer irischen Besetzung und einer irischen Filmcrew gemacht haben. Die einzigen Ausländer bei dieser Produktion waren Cate, Joel und ich. Die anderen kommen entweder von hier oder sie haben schon hier gearbeitet".

Insgesamt wurde Die Journalistin an 92 Orten gedreht - von schäbigen Bordellen und verkommenen Gegenden, in denen Deals abgeschlossen und Gangmitglieder ermordet wurden, bis hin zu der gediegeneren Welt, in der Veronica Guerin arbeitete und mit ihrer Familie lebte. Dies stellte für Produktionsdesigner Nathan Crowley eine ungewöhnliche Herausforderung dar.

"Wir haben ungefähr dreimal so viele Drehorte wie bei den meisten Filmen, an denen ich mitgearbeitet habe", sagt er. "Das war eine echte Herausforderung. Wir haben dieses Problem überwunden, indem wir versucht haben, möglichst viele Drehorte in bestimmten Gegenden zu gruppieren. Sonst hätten wir täglich mit der ganzen Ausrüstung hin und zurück gemußst, und das für über 90 Drehorte."

"Der Großteil dieses Films findet draußen statt, also wollten wir die Vorstellung vermitteln, dass wir uns in einer Großstadt befinden", sagt Crowley. "Das war sehr wichtig. Wir wollten auch eine wirklich finstere Seite von Dublin zeigen, eher als die Georgianische Architektur und der Liffey und dieses Touristenimage, das man normalerweise von der Stadt hat. Es war wichtig, in den Nordteil der Stadt zu gehen - dort befinden sich die meisten Drehorte, und dort hat auch Veronica Guerin gearbeitet."

Crowley arbeitete zusammen mit Brendan Galvin (Kamera) daran, einen rauen Look zu erreichen. "Der Stil des Films entstand aus der Notwendigkeit heraus, die Geschichte realistisch zu erzählen", sagt Galvin. "Für einige Leute heißt ?rau' Arbeit mit einer Handkamera und Dreharbeiten wie bei einem Dokumentarfilm. Ich glaube nicht, dass das für diesen Film richtig gewesen wäre. Wir hatten die ganze Zeit zwei Kameras während der Dreharbeiten, und das hat den Schauspielern, der Kontinuität und der Story geholfen. Das war eine sehr effiziente Art und Weise, diese Geschichte zu erzählen".

"Wir wollten trübes Wetter", fügt Crowley hinzu. "Wir schauten immer nach sehr reflektierenden Oberflächen und suchten nach Straßen und Orten, die Dublin die Atmosphäre einer Großstadt verleihen würde. Wir wollten die Stadt in einem anderen Licht erscheinen lassen".

Viel Mühe wurde in das Design der Büros der Sunday Independent investiert - diese sehen nämlich nicht aus wie die meisten Nachrichtenredaktionen, die man in heutigen Filmen sieht. In Zusammenarbeit mit wichtigem Personal der Sunday Independent rekonstruierte Crowley das Labyrinth der damaligen Büros.

"Normalerweise betrachtet man Nachrichtenredaktionen als Großraumbüros, wie man sie so oft in Filmen sieht, aber die Redaktion der Sunday Independent war ein Labyrinth von Trennwänden, Büros, Röhren und Kabeln", sagt er. "Es sieht eher aus wie im Film Brazil. Wir wollten das Durcheinander und das Gefühl von Chaos überall zum Ausdruck bringen. Es ist unglaublich, wenn man in das Büro der Sunday Independent hineingeht - da liegen überall Haufen von Papier herum."

Der Großteil der Dreharbeiten, die nicht im Büro anstanden, fanden auf der Straße statt. Die Dreharbeiten enthielten auch kurze Einblicke in die Wohnungen der Gangster und die Innenräume von Casinos und Bordellen. "Überall,wo wir mit der Kamera waren, gibt es Einblicke in diese Unterwelt - Casinos, Bordelle, Keller", sagt Crowley.

Weit entfernt von der Front, den Unterschlupfen der Gangster, lag das Landhaus Gilligans. Es war das Reitzentrum Jessbrook - ein 6-Millionen-Gebäudekomplex, der sich über 120 Hektar erstreckte -, das klebrige Paradies des Gangsters. "Ich habe versucht, etwas ganz Grelles zu finden", sagt Crowley über Gilligans Zuhause. "Diese Leute hatten viel Geld, aber keine Werte und überhaupt keinen Geschmack."

Diese Leute waren u. a. "Fatso" Mitchell, Paul "Hippo" Ward, "The Monk", "Dutchy" Holland - Gangmitglieder, deren Modegeschmack genauso grell war wie ihre cartoonmäßigen Pseudonyme. Die Herausforderung für Kostümdesignerin Joan Bergin, die sich sehr deutlich an diese Zeiten erinnern kann, bestand darin, die jüngste Vergangenheit wiederzuerschaffen, ohne die Grenze zu überschreiten, bei der Charakterisierung zur Karikatur wird.

Um die Gangster richtig zu bekleiden, stürzte sie sich in Geschichten über das wirkliche Leben der Gilligan-Gang hinein. "Bei Gangsterfilmen mußs man vermeiden, die Gangster alle wie Mafiosi aussehen zu lassen. Es gibt einige sehr gute Bücher über die Gilligan-Gang und deren Hintergrund. Im Film gibt es eine große Beerdigungsszene, die auf eine Art und Weise der ultimative Ausdruck dessen ist, was die Gangster sich anzogen. Der echte Gilligan hat sich sehr aufgeregt, wenn seine Leute grelle Kleidung anhatten und sich nicht nach seinen Vorstellungen des konservativen, guten Geschmacks bekleideten. Er fühlte, dass man dadurch unerwünschte Aufmerksamkeit an sich zog."

Bergin entdeckte ein paar interessante Details, als sie ihre Forschung über die Gang betrieb - wie sie dachten, wie sie sich anzogen, welche Unterschlupfe sie bevorzugten. "Wir fanden heraus, dass die Gangster in bestimmten Bekleidungsgeschäften in den Gegenden um die Henry Street und Talbot Street herum einen Batzen Geld ließen. Diese Typen haben dann ?Looks' für die verschiedenen Gangmitglieder zusammengestellt - und zwar nach ihrer ganz eigenen Vorstellung und nicht nach dem tatsächlichen Modegeschmack der Gangster."

Image war für Veronica Guerin, die mit Verbrechern, Politikern und der Polizei zusammenarbeitete, sehr wichtig. "Veronica hat früher in der PR gearbeitet und zog sich sehr sorgfältig an", sagt Bergin.

"Ich habe mit vielen verschiedenen Leuten gesprochen, die sie kannten, und sie ging nie zur Sunday Independent ohne Hosenanzug oder Kostüm. Das war ein Teil ihres Charmes und brachte die Leute dazu, sie sich zu merken. Wenn sie auf einer Überwachung war und von Hähnchen und Pommes lebte, trug sie Jeans. Die Leute sagten: Alle anderen Journalisten erledigten ihre Arbeit per Telefon; sie war aber wie der Held in einem alten Chandler-Roman - immer dabei. Ich habe versucht, ihr Charisma durch ihre Bekleidung auszudrücken."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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