Die wilden Kerle

Produktionsnotizen

Ähnlichkeiten mit echten Personen sind nicht zufällig Die Wilden Kerle ist eine Ode an die schönsten Tage der Kindheit. Der Film erzählt von der Zeit der ersten großen Freundschaften, der ersten wichtigen Entscheidungen, der ersten harten Kämpfe, der allerersten Liebe. Und jener Wildheit, von der sich jeder im Herzen ein wenig bewahrt ...

Seinen Ausgang findet der Film in der Realität - in einer Fußballmannschaft in München-Grünwald, die Joachim Masannek seit gut fünf Jahren trainiert. Masannek, Jahrgang 1960, wollte damals seinem jüngsten Sohn den großen Wunsch erfüllen, Fußball im Verein zu spielen. Doch dort stieß er auf Trainer, die die Sache ein wenig zu ernst nahmen.

"Jedes Mal, wenn die Kinder ein Spiel verloren haben", erinnert sich Masannek, "wurden sie zusammengeschrien. Da habe ich mir gedacht, trainiere ich sie doch selbst. Ich habe schließlich früher auch mal Fußball gespielt. Der Verein hat mich gelassen, und im Nu waren genügend Kids für eine Mannschaft zusammen."

Der Spaß bei der Arbeit mit den jungen Spielern brachte Masannek auf die Idee, ein Kinderbuch zu verfassen: "Die Wilden Fußballkerle". Inzwischen gibt es acht Bände davon, und Schauspieler Rufus Beck, dessen Sohn Jonathan ebenfalls bei den Wilden Kerlen spielt, hat die Hörkassetten dazu besprochen.

Schließlich drängten Freunde Masannek, Absolvent der Filmhochschule München, die beliebten Bücher zu verfilmen. In der Bayerischen Filmförderung FFF, der Filmförderungsanstalt FFA und dem Bayrischen Bankenfonds BBF, fand Erstlingsregisseur Masannek Finanziers für sein Projekt.

Produziert wurde der Film durch die Münchner SamFilm, die sich bereits mit Der Himmel kann warten und Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit einen Namen gemacht hatte. Den Verleih übernahm Buena Vista Deutschland, als Disney-Tochter der Experte schlechthin für Familienfilme.

Am 8. August 2002 begannen die Dreharbeiten in Prag - mit Jimi Blue Ochsenknecht als Wilde Kerle-Anführer Leon, Wilson Gonzalez Ochsenknecht als Leons Bruder Marlon, Rufus Beck in der Rolle des Kioskbesitzers und Fußballtrainers Willi sowie mit Uwe Ochsenknecht und Cornelia Froboess.

Warum ausgerechnet Prag? "Prag hat traditionell große Erfahrung in Sachen Kinderfilm, und wir haben hier ein paar wunderbare Motive gefunden", erklärt Andreas Ulmke-Smeaton, Produzent von SamFilm. Joachim Masannek hatte noch weitere Gründe: "Ich wollte im Ausland drehen, weil ich für die Kids die Idee eines Feriencamps hatte", so der Regisseur. "Der Film sollte nebensächlich sein. Sie haben in einem Hüttendorf gewohnt, mit Wiese und See. Morgens sind sie immer angeln gegangen, und jeden Tag gab es ein Fußballspiel."

Ein Sack voll Flöhe - Und andere Katastrophen Natürlich war auch der Dreh ganz schön wild. 17 Kinder zwischen acht und 13 Jahren tummelten sich am Set, gebändigt durch Kindercoach Adnan Maral, der die Knirpse mit spielerischen Methoden zu konzentrierter Arbeit motivierte, und durch die Kinderbetreuerin Saskia Grabow, die sie aufmunterte, wenn es nach dem aufregenden Dreh an die langweiligen Schularbeiten ging ...

Doch noch bevor man richtig begonnen hatte, drohte eine Katastrophe den Film zu verschlucken: Nur drei Tage nach Drehbeginn brach die Jahrhundertflut über Prag herein. Das gesamte Team wurde evakuiert, tagelang mußsten wegen gesperrter Brücken umständliche Fahrtwege in Kauf genommen werden. Der Bolzplatz war - ganz wie im Drehbuch - abgesoffen.

Glücklicherweise konnte er nach wenigen Tagen wieder hergerichtet werden. Doch die Brücke für die Mutprobe wurde derart unterspült, dass sie nicht mehr betreten werden konnte. Am schlimmsten aber: Der 150 Jahre alte Baum, auf dem Szenenbildner Winfried Hennig bereits begonnen hatte, das sagenhafte Baumhaus der Wilden Kerle zu errichten, stand nun im Wasser.

Hennig, der auch die coolen Fahrräder der Kids mit BMX-Lenkern und Motorradlampen gebastelt hatte, war verzweifelt: "Ich dachte, so einen Baum finden wir nie wieder." Doch dann erinnerte er sich an einen Garten in Prag, direkt neben der US-Botschaft, in dem eine schöne alte Platane stand. Und nachdem man anfängliche Sicherheitsbedenken der Amerikaner zerstreut hatte, begann Hennig mit einem zweiten Baumhaus - auf drei Stockwerken und komplett mit Strickleitern, Fenstern, Quietschtür und einer Zugbrücke, die als Rutsche und zur Feindabwehr dient.

"Wir haben an die 30 naturgewachsene Baumstämme und locker zwei LKW-Fuhren Bretter verbaut", sagt Hennig stolz. "Aber das Beste: Es wurde kein einziger Nagel in unseren Baum gehauen!"

Ein wildes Familienunternehmen Fast alle Abenteuer der Wilden Kerle schrieb übrigens das Leben selbst. "Ich habe mit den Wilden Kerlen tatsächlich im vorletzten Jahr ein Baumhaus gebaut", berichtet Joachim Masannek. "Und auch die Mutprobe gab es. Wir haben bei einer Radtour mit Rufus Beck an der Aumühle Halt gemacht. Da gibt es eine Brücke, die sechs Meter hoch ist, und wir sind auf die Idee mit der Mutprobe gekommen. Es hat drei Stunden gedauert, bis alle runtergesprungen waren."

dass von den echten "Wilden Kerlen" aus München-Grünwald nur einer sich selbst spielt - nämlich Raban, dessen Vater Klaus Hirschburger für die Filmmusik verantwortlich zeichnet -, hatte verschiedene Gründe.

"Manche Kinder wollten nicht, und bei anderen funktionierte es einfach nicht vor der Kamera", sagt Joachim Masannek. "Also haben wir ein bundesweites Casting gemacht, zu dem auch die Ochsenknecht-Jungs kamen. Und für die haben wir uns dann entschieden, weil sie vom Typ gut passten."

Vater Uwe Ochsenknecht, im echten Leben Masanneks Nachbar, übernahm die Rolle von Maxis strengem Vater, seine Frau Natascha spielt die viel beschäftigte Mutter von Raban. Auch für Rufus Beck waren die Dreharbeiten ein Familienausflug: Sein Sohn Jonathan spielt Juli, seine Tochter Sarah eine der Cousinen, die dem kleinen Raban so schrecklich auf die Nerven gehen. Und Joachim Masanneks Söhne Leon und Marlon, die für die Hauptfiguren Pate standen, sind natürlich auch dabei: als stiller Maxi und als Markus aus dem Waisenhaus.

Highlight der Dreharbeiten für die Kids war fraglos das Baumhaus - neben der Federkanone, mit der sie den Dicken Michi und seine Schergen ins Aus ballern. "Für mich", sagt Joachim Masannek, "war das Tollste, die Kids auf dem Bolzplatz zu sehen, mit Maske, in Kostüm, mit ihren Fahrrädern. Ich merkte, das ist ihre Welt, das ist kein Film für sie, sondern Realität."

Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: Buena Vista © 1994 - 2010 Dirk Jasper