Tricks

Produktionsnotizen

Der Plan "Betrüger faszinieren uns genauso wie Mafiosi - zumindest die erfundenen", sagt Romanautor Eric Garcia, der die Filmrechte zu Tricks bereits verkaufen konnte, als der Drucktermin im Verlag Random House noch gar nicht feststand.

"Irgendwie umgibt sie eine mythische Aura, die uns anzieht - wir möchten verstehen, wie sie vorgehen. Vielleicht liegt das Geheimnis in dem Umstand, dass Gauner für ihren Lebensunterhalt nur ihr Köpfchen einsetzen, während wir anderen uns mühsam abplagen müssen. Ihr Lebensstil gefällt uns wahrscheinlich, weil wir selbst eines Tages unseren Job verlieren oder die Hypothek nicht mehr abbezahlen könnten. Wir bilden uns ein, dass auch wir das Zeug dazu hätten, einmal auf die ,leichte Art' richtig abzukassieren, wenn sich nur die Gelegenheit ergäbe - und sei es einfach nur, um auszuprobieren, ob das funktioniert."

Bekannt wurde Garcia mit seinen fantasievollen Rex-Büchern - sie handeln von einem Privatdetektiv im heutigen Los Angeles, der aber in Wirklichkeit ein mit Latex getarnter Dinosaurier ist. Garcia wird von derselben Künstleragentur vertreten, die auch die Produzenten/Drehbuchautoren Ted Griffin und Sean Bailey betreut. Garcias Agent war vom "Tricks"-Manuskript begeistert und schickte Kopien an Bailey und Griffin, weil er von ihnen eine ähnliche Reaktion erhoffte.

"Sobald die dynamische Story in Gang kommt, ist sie durch nichts mehr aufzuhalten - dabei spricht sie auch sehr tiefe Gefühle an: So etwas erlebt man äußerst selten", sagt Bailey, der als Executive Producer der innovativen HBO-Dokumentarserie Project Greenlight kürzlich für den Emmy nominiert war. "Wir waren beide sofort hingerissen."

Griffin hat mit Bailey bereits den Film noir Best Laid Plans geschrieben und lieferte seitdem auch das Drehbuch zu Steven Soderberghs elegantem Hit Ocean's Elevenvon 2001. Er war wie Bailey sehr angetan von Garcias Buch.

Er nennt es scherzhaft "Paper Moon in Farbe" und beschreibt es "vor allem als Geschichte eines Mannes, der mit sich selbst ins Reine kommen mußs, und zwar durch die Begegnung mit seiner Tochter und die Beziehung, die sich daraus entwickelt. Das Trickbetrügermilieu ist zwar wichtig, aber zweitrangig."

Nachdem Bailey als Produzent zugesagt hatte und Griffin sowohl produzieren als auch das Drehbuch schreiben wollte, kam als Nächster Nicholas Griffin an Bord, um seinen Bruder bei der Arbeit am Skript zu unterstützen - erstmals arbeiteten die beiden offiziell zusammen. Wenn sie von dieser Teamarbeit erzählten, erinnert man sich unwillkürlich an die "Frasier"-Folge, in der Frasier und sein Bruder gemeinsam ein Buch schreiben wollen und am Ende handgreiflich werden.

"Nick ist zwar älter, aber ich bin zehn Kilo schwerer und finde, das Gewicht vor Alter kommt", frotzelt Ted. "Wie wir gemeinsam schreiben? Jedenfalls nicht im selben Zimmer. Immer wenn wir uns mal in einem Raum aufhalten mußsten, sind wir sofort aufeinander losgegangen - wie Kinder, die von einer endlos langen Reise im elterlichen Auto frustriert sind. "Außerdem gibt es da diese einstweilige Verfügung ...", fügt Nicholas hinzu.

Zu Nicholas Griffins Recherchen gehörte ein Gespräch mit zwei FBI-Agenten zum Thema Trickbetrüger. "Das ist gar nicht so abwegig oder altmodisch, wie man glauben könnte", sagt er und räumt so mit der Vorstellung auf, dass es solche Kleinkriminellen nur in den nostalgisch angehauchten 30er-Jahren à la Der Clou gab. "Solche Typen existieren auch heute noch, und sie bedienen sich weiterhin der alten Tricks, allerdings benutzen sie in letzter Zeit auch das Internet und den Telefonverkauf."

Mittlerweile erfuhr der berühmte Filmemacher Robert Zemeckis (Forrest Gump, Cast Away - Verschollen) von dem Projekt und stieg als Executive Producer mit ein. Seine Partner in der gemeinsamen Firma ImageMovers, Jack Rapke und Steve Starkey, kamen als Produzenten an Bord. Jetzt brauchte man nur noch einen Regisseur, der ihren Ansprüchen genügte.

Rapke hatte seinen ersten Film Schatten der Wahrheit im Jahr 2000 produziert, nachdem er 15 Jahre lang erfolgreich als Künstleragent tätig gewesen war. Natürlich reagierte er begeistert, als sein früherer Klient, der schon dreimal für den Oscar nominierte Ridley Scott, Interesse bekundete.

"Ich habe lange im Künstlermanagement gearbeitet, weil ich Künstler sehr schätze, gern mit ihnen arbeite und ihnen helfe, ihre Visionen umzusetzen", sagt Rapke. "Nun zahlt sich auf wunderbare Weise aus, dass ich Ridleys Agent war - wir arbeiten jetzt auf der Produktionsebene natürlich ganz anders zusammen."

Zur Bedeutung des Regisseurs in der Branche stellt Rapke fest: "Ridleys Markenzeichen sind phänomenale Superproduktionen, Epen wie Gladiator und Black Hawk Down mit ihren gewaltigen Panoramen. Er gehört eindeutig zu den ganz großen Bildgestaltern. Gleichzeitig kann er aber auch intensiv erzählte Geschichten in kleinem Rahmen inszenieren - so wie Thelma & Louise - die Produktion fällt dabei etwas bescheidener aus, aber filmisch ist sie trotzdem eine ganz große Nummer."

Starkey hat sich mit Produktionen wie Contact, Cast Away - Verschollen und Forrest Gump profiliert - er bestätigt, dass Scott die "Tricks"-Vorgaben mit sicherer Hand in den Griff bekam: "Wenn man sich Ridleys Filmografie anschaut, entdeckt man in all seinen Filmen genau ausgearbeitete Figuren, auch in jenen, die vor allem wegen ihres spektakulären optischen Aufwands im Gedächtnis bleiben. Im Grunde geht es auch in diesen Filmen immer nur um die Figuren und das, was sie antreibt."

Wie üblich bezeichnet Scott vor allem das "ungewöhnlich clevere Drehbuch" als ausschlaggebend für sein Interesse. Anfang dieses Jahres wurde der legendäre Regisseur in seiner englischen Heimat für seine Beiträge zur Kunst geadelt. Er hat bewiesen, dass er alle Genres beherrscht: Science-Fiction (Der Blade Runner; Alien - Das unheimliche Wesen aus einer anderen Welt), Historienfilm (1492 - Die Eroberung des Paradieses), Action (Gladiator, Black Hawk Down), schwarze Komödie (Thelma & Louise), Psycho-Horror (Hannibal) und Fantasy (Legende). So unterschiedlich diese Filme auch sind - in allen Fällen reagierte Scott spontan und instinktiv auf eine Story oder Idee.

"Wenn ich mich für ein Projekt entscheide, spüre ich, wie in meinem Kopf eine Klingel läutet - das ist meine Intuition, auf die höre ich", verrät der Regisseur. Wenn der Prozess dann ins Rollen kommt, "ergeben sich daraus alle anderen Aspekte des Projekts".

Scott beschreibt die Story dem Wesen nach als Komödie, "die von vorn bis hinten mit Humor durchsetzt ist. Aber im Grunde ist es auch eine sehr moralische Geschichte, was die Sache besonders interessant macht, weil es ja um Hauptfiguren geht, die sehr fragwürdige Methoden einsetzen.

Ein erfolgreicher Tag bedeutet für sie, wenn sie eine Hausfrau in einem Waschsalon um ein paar hundert Dollar erleichtern können. Gangster würde man sie nicht gerade nennen, aber viel fehlt daran nicht. Zu ihren Gunsten könnte man anführen, dass ihre Opfer ja ebenfalls Leute sind, die aufs schnelle Geld aus sind oder Unerlaubtes tun - letztlich lassen sie sich mit heruntergelassenen Hosen erwischen."

Bailey formuliert es so: "Wir machen einen ehrlichen Film über unehrliche Leute. Hier geht es nicht um einen fiktiven Raub von Krügerrand im Wert von 100 Milliarden Dollar, den durchgestylte kriminelle Genies ausgetüftelt haben, sondern um normale Menschen, die hier und da den Rahm abschöpfen. Solche Typen gibt es wirklich, und wir berichten, wie sie vorgehen."

"Insgesamt", so Scott, "wird die Story von knochentrockenem Humor geprägt, und der liegt mir sehr. Aber manchmal weiß ich es auch durchaus zu schätzen, wenn jemand auf einer Bananenschale ausrutscht."

Bauernfänger, Geldtaschen und der Onkel Doktor "Wie besessen mußs Roy den letzten Fussel vom Teppich aufsammeln und auch den winzigsten Fleck vom Fenster wischen, weil er sonst nicht ruhig schlafen kann - er hat also echte Probleme, seinen Alltag in den Griff zu bekommen", sagt Starkey. "Er besteht praktisch nur aus nervösen Zuckungen.

Dafür braucht man einen Schauspieler mit gewissem Einfühlungsvermögen, der diese zwanghaften Macken eben gerade nicht vordergründig in naheliegende Gags umsetzt. Genau diesen Instinkt fürs Komische bringt Nicolas Cage mit. Er schafft es, die Figur derart verletzlich darzustellen, dass wir viel Sympathie für ihn entwickeln - was meiner Ansicht nach für die Rolle ganz entscheidend ist."

"dass Nic die Rolle spielen mußs, war von vornherein klar", stellt Scott fest. "Ich beobachte seine Karriere seit Jahren - Linksaußen, Rechtsaußen, Mittelstürmer: Er kann einfach alles, ist verblüffend wandlungsfähig. Immer verleiht er seinen Figuren überzeugende Tiefe, Sympathie, Pathos und große Kraft.

Der Schauspieler und Oscar-Preisträger gibt das Kompliment postwendend zurück und berichtet, er habe die Rolle unter anderem deswegen angenommen, weil Scott im Regiestuhl saß. Seit er vor kurzem mit dem Liebesfilm Sonny sein eigenes Regiedebüt gab, war Cage sehr daran interessiert, "einen Meister bei der Arbeit" an "Tricks" zu beobachten. Er beschreibt Scotts stromlinienförmige Technik vor allem "als Methode nach dem Motto: ,Wenn's nicht völlig daneben geht, braucht man's nicht noch mal zu machen.'

Ridley hat seine Szene nach zwei oder drei Wiederholungen im Kasten. Für einen Schauspieler ist das sehr angenehm, weil er sich nicht so verausgaben mußs. Beim Drehen einer Szene machte er ein paar scheinbar ganz einfache Vorschläge - wie Pinselstriche - und plötzlich wird die ganze Szene so lebendig, wie ich mir das überhaupt nicht habe vorstellen können."

Cage beschreibt seine Vorgehensweise bei der Darstellung des Roy als "Balanceakt. Roy benimmt sich häufig sehr unbeholfen - darin steckt natürlich eine Menge Komik", erklärt er. "Aber gleichzeitig spürt man genau, wie sehr ihn dieser Umstand frustriert. Er ist all diesen merkwürdigen Ritualen und komplizierten Verhaltensmustern ausgeliefert. Eigentlich könnte er ein ganz einfaches Leben leben, wenn ihm nicht praktisch jede Verrichtung so unendlich viel Mühe bereiten würde."

Unerklärlicherweise kann Roy immer dann seine zwanghaften Macken für kurze Momente überwinden, wenn er sich voll und ganz auf seine Betrügereien konzentriert. Wenn er richtig in Fahrt ist, tritt er derart konzentriert auf, dass er jedermann davon überzeugt, er habe massenweise Werbeprämien zu verschenken oder er sei ein Vertreter der Bundeshandelskommission.

Dazu Scott: "Sobald er im Büro den Hörer abnimmt, erleben wir einen ganz anderen Roy. Klar, er schafft es nur mit Mühe vom Auto bis zur Haustür, dann mußs er die Klinke abwischen und den Telefonhörer desinfizieren, aber wenn er dann in seinem Element ist, beherrscht er die Situation vollkommen. Er ist ein ganz anderer Mensch."

Doch normalerweise leidet Roy schrecklich. "Er hat Angst vor offenen Flächen, er wagt sich kaum aus dem Haus", beschreibt Scott Roys Neurosen. "Sicher fühlt er sich nur in der Trutzburg seines Hauses oder in seinem Wagen - wenn die Fenster hochgekurbelt sind. Seine Unterwäsche und seine Socken müssen sauber gestapelt sein. Er ernährt sich vorwiegend von Tunfisch, den er direkt aus der Dose isst, um möglichst kein Geschirr zu beschmutzen."

"In vielen von Roys Eigenarten erkenne ich mich selbst wieder", gibt der Regisseur zu und verzieht das Gesicht. "Manchmal bin ich zwanghaft pingelig. Wenn ich allein zu Hause bin und Hunger bekomme, würde ich mir kaum selbst etwas kochen, weil ich damit die Küche in Unordnung bringe und später wieder aufräumen müsste. Da gibt es also Parallelen zwischen Roy und mir - je länger wir an dem Projekt arbeiteten, desto leichter konnte ich mich mit ihm identifizieren, was mich zunächst verblüffte und seitdem regelrecht amüsiert."

Cage und auch Scott vermieden sorgfältig, Roys Zwangsneurosen und Phobien für billige Gags zu missbrauchen oder zu übertreiben. "Manchmal stellt Roy Dinge an, die in anderem Zusammenhang gar nicht unbedingt lustig wären, aber wir versuchen sie so darzustellen, dass der Zuschauer die Komik bemerkt. Wir bewegen uns dabei auf einem sehr schmalen Grat", berichtet Cage.

Er nennt Jack Nicholson sein Vorbild, denn der spielte in Besser geht's nicht einen Mann mit ähnlichen Problemen: "Jack sorgt für sehr unterhaltsame Momente, ohne sich über Menschen lustig zu machen, die unter solchen Zwängen leiden. Genau das haben wir in Tricks auch versucht. Der Humor ergibt sich aus der Wirklichkeit. Wenn Roy beobachtet, wie ein Blatt in den Swimmingpool geweht wird, mußs er es auf der Stelle herausfischen. Er kann den Anblick nicht ertragen."

Grundsätzlich beschreibt Cage Roy als "einsamen Menschen. Er hat sich mit seiner Existenz als Trickbetrüger abgefunden. Seine Scheidung liegt 14 Jahre zurück - seitdem hat er mit keiner Frau zusammengelebt. Er vergräbt sich im alltäglichen Trott, haut ältere Leute übers Ohr, Paare, die überhaupt nicht darauf gefasst und wahrscheinlich genauso einsam sind wie er selbst. Deswegen plagt ihn sein schlechtes Gewissen, und auch das trägt nicht unerheblich zu seinen Neurosen bei."

Roys Komplize Frank Mercer, gespielt von Sam Rockwell, leidet dagegen unter keinerlei Gewissensqualen. Er ist vielmehr ein Bauernfänger, wie er im Buche steht, wirkt weltgewandt, charmant, optimistisch und voller Ideen. Wenn Roy morgens ins Büro kommt, hängt Frank bereits am Telefon. Frank hat von Roy unschätzbar viel gelernt, andererseits verdankt Roy Frank, dass er überhaupt noch etwas zustande bringt, vor allem wenn ihm die Platzangst wieder zusetzt und er aus seinem eigenen Haus gerettet werden mußs. Die beiden sind eng befreundet, ihre Partnerschaft funktioniert reibungslos.

"Wahrscheinlich hat Roy Frank einst entdeckt", überlegt Cage. "Er schloss ihn in sein Herz, erkannte Franks Potenzial, hat ihm all seine Schliche beigebracht und ist heute sicher stolz darauf, wie Frank sich entwickelt hat. Die beiden sind unzertrennlich - wobei Roy die Rolle des Mentors übernimmt."

"Frank treibt die Handlung voran", stellt Bailey fest. "Ständig entwickelt er neue Ideen. Sam Rockwell spielt ihn völlig überkandidelt - wenn er auf der Leinwand erscheint, wird's lustig. Roy mußs für seinen Erfolg offensichtlich einen hohen Preis zahlen, während Frank sich in seiner Haut absolut wohl fühlt. Dadurch wirkt er so umwerfend: Er verkörpert den Spaß an seinem Beruf. Ihm gefällt es, seinen Grips anzustrengen und sich im Dschungel durchzusetzen. Dieser Typ bewährt sich in der Welt allein durch sein einnehmendes Wesen."

"Natürlich verbergen alle Betrüger ihr Anliegen hinter ihrer charmanten Persönlichkeit", wirft Starkey augenzwinkernd ein. "Darin sind sie den Filmproduzenten sehr ähnlich."

Rockwell verbuchte kürzlich begeisterte Kritiken als rätselhafter Fernsehpionier Chuck Barris in Geständnisse - Confessions Of A Dangerous Mind. Die Rolle des Frank hat ihm rundum Spaß gemacht - "Er ist der auffälligere der beiden". Rockwell beschreibt ihn als Roys respektvollen Aufpasser: "Frank spielt in Roys Leben eine wichtige Rolle - seit Jahren hat Roy mit keinem anderen Menschen wirklich Kontakt gehabt."

Über seinen Leinwandpartner sagt Rockwell: "Nic liebt das Spontane, den Augenblick - dadurch können wir uns die Bälle zuwerfen, Dinge ausprobieren. Natürlich war der Dialog derart gut ausgearbeitet, dass wir nicht improvisieren mußsten, aber wir durften unsere eigenen Ideen auf andere, subtilere Art mit einbringen. Um einen Exzentriker realistisch und interessant darzustellen, mußs man schon ein sehr unkonventioneller Schauspieler sein."

"Frank stellt nicht nur privat den Ausgleich in Roys Leben dar, sondern erscheint auch in ihren betrügerischen Coups als Gegenpol, wenn sie nämlich als Bösewicht und scheinbarer Retter auftreten", erklärt Scott. "Sam beherrscht jeden emotionalen Ausdruck, kann ausflippen oder seriös, ruhig, laut oder ungehalten auftreten. Als wir die beiden erstmals persönlich bei einem Gaunerstück erleben, wirken sie wie zwei Evangelisten."

"Unterm Strich", so Scott, "sehen die beiden sich selbst nicht als Betrüger oder Kriminelle, sondern als Trick-Künstler, besonders Roy, der seine Fähigkeiten als große Kunst einstuft." Nach ihrer Philosophie werden auch ihre Opfer von Habgier gesteuert - sie wollen mit einem schnellen Deal absahnen, bei dem es ganz klar nicht mit rechten Dingen zugehen kann.

"Ich habe ihm sein Geld nicht genommen, er hat es mir gegeben", sagt Roy mehr als einmal, um sich von jenen zu distanzieren, die er als gemeine Diebe bezeichnen würde. Bauernfänger wenden keine Gewalt an, brechen in kein Haus ein, sehen ihr Tun also nicht als Diebstahl an.

Ein Mann, der diesen Standpunkt sicherlich nicht teilt, ist der leichtgläubige Millionär Chuck Frechette, gespielt von Bruce McGill, der zu den Tricks-Dreharbeiten stieß, nachdem er gerade seine Darstellung des CNN-Korrespondenten Peter Arnett in dem preisgekrönten HBO-Docudrama Live aus Bagdad abgeschlossen hatte.

Frechette ist genauso habgierig wie sein Kopf hohl. Noch nie hat er einer krummen Tour widerstehen können. Jetzt ist er dabei, einen wesentlichen Beitrag zu Roys Altersversicherung zu leisten - wenn alles klappt. Sam Rockwell hat schon 1997 in Heimliche Freunde mit Bruce McGill gemeinsam vor der Kamera gestanden - er bringt den Charakter des extravaganten Frechette auf den Punkt: "Frechette ist reich, arrogant und ein Idiot - er ist einfach dran."

Bei der Lektüre des Drehbuchs war McGill davon beeindruckt, wie natürlich sich die Komik der Geschichte entwickelt, "ohne auf eigentlichen Witzen aufzubauen. Tricks unterhält uns durch die magische Wirkung menschlicher Verhaltensweisen. Wenn man diesen Typen bei ihren Kungeleien zuschaut, kommt man sich vor wie in einem Restaurant, wo man unwillkürlich von einem Gespräch am Nebentisch fasziniert ist."

Die Rolle des sympathischen Psychiaters Dr. Klein vertrauten die Filmemacher Bruce Altman (Spurwechsel) an. Als Roys bisheriger Arzt wegzieht, übernimmt Dr. Klein die Behandlung. Doch während der Vorgänger Roy immer nur Tabletten verschrieb, besteht Klein bei jeder Sitzung auf der Therapie, er ermuntert seinen verschlossenen und hypernervösen Patienten, einen intensiven Blick in den Spiegel zu wagen.

In Bezug auf Roys zahllose Macken und Phobien zeigt sich Altman erstaunt über "seine körperlichen Reaktionen, egal wie energisch er sie in den Griff bekommen will. Ganz tief drinnen bekommt es dieser Gauner nicht nur mit seinem Gewissen, sondern auch mit seinem Selbstverständnis zu tun. In seinem Beruf mußs er zwar ständig die Kontrolle behalten, aber es gelingt ihm nicht, die Motorik seines Körpers in den Griff zu bekommen. Ein klassischer Fall. Jedem von uns ist schon Ähnliches passiert, wenn uns bei einem wichtigen Ereignis plötzlich die Knie schlottern."

Weil Dr. Klein sanft insistiert, gesteht Roy schließlich, dass er einst verheiratet war und seine wahrscheinlich schwangere Frau ihn verlassen hat - seit 15 Jahren fragt er sich, ob er Vater ist. Weil er selbst nicht den Mut aufbringt, seine Ex-Frau anzusprechen, überredet Roy Dr. Klein, den Kontakt für ihn herzustellen. Panik mischt sich mit Begeisterung, als er erfährt, dass er eine Tochter hat, die ihn unbedingt kennen lernen möchte.

Die 14-jährige Überraschung Dr. Klein hat zwar das erste Telefonat geführt, aber jetzt ist es an Roy, seine endlich gefundene Tochter Angela zu treffen. Die aufgeweckte, quirlige 14-Jährige wird von Alison Lohman gespielt, die im vergangenen Jahr viel Lob für ihre Hauptrolle in dem zu Herzen gehenden Drama Weißer Oleander erntete.

Rapke erinnert sich: "Als wir ihren Namen ins Gespräch brachten, sagte ich zu Ridley: ,Du hast doch diesen Weißer Oleander gesehen - sie ist wirklich umwerfend.' Sie beherrscht die ganze Bandbreite zwischen kindlicher und reifer Darstellung, und genau das brauchen wir für Angela."

"Alison spielt völlig mühelos", sagt Cage voll echter Bewunderung. "Ich merke nie, dass sie spielt, sie wirkt so selbstverständlich, lebendig - man schaut einfach nur fasziniert zu. Sie kann jederzeit auf ihre emotionalen Ressourcen zurückgreifen und immer mit einem echten Gefühl aufwarten."

Als Angela ihren von Platzangst verstörten Vater erstmals trifft, findet die Begegnung ausgerechnet in einem Park statt - er bekommt die Situation also überhaupt nicht in den Griff. "Am Anfang findet sie ihn ein bisschen vertrottelt mit seinen Klamotten und seinem ständigen Augenzucken; sie weiß nicht, was sie von ihm halten soll", sagt Lohman. "Aber als die beiden sich besser kennen lernen, wird er ihr immer sympathischer. Ich glaube, sie findet ihn toll. Er bringt sie zum Lachen."

Gerade Roys zahllosen Eigenarten gefallen seiner Tochter besonders. Trotz der anfechtbaren Methoden, mit denen Roy seinen Lebensunterhalt bestreitet, schätzt Angela laut Lohman "Roys Aufrichtigkeit. Er schenkt ihr reinen Wein ein, und das ist wahrscheinlich das Wichtigste, was Kinder von ihren Eltern verlangen - offen und ehrlich zu sein. Angela ist jung, und sie langweilt sich während ihrer Sommerferien. Als sie erfährt, dass ihr Dad ganz in der Nähe wohnt, packt sie die Gelegenheit beim Schopf. Sie will mehr über ihn erfahren. Als sie kapiert, dass er ein Trickbetrüger ist, wirkt das wie ein Bonus. Denn das passt zu ihrer rebellischen Grundhaltung. Natürlich will sie ganz genau wissen, wie das läuft."

"Gleichzeitig versucht Roy verzweifelt, seinen Beruf mit diesem neuen Element in seinem Privatleben unter einen Hut zu bekommen", berichtet Ted Griffin. "Er möchte Vater sein und gleichzeitig seine Gaunereien weiter betreiben. Natürlich kann er diese beiden Rollen nicht säuberlich trennen."

Angelas lockere Lebensphilosophie bildet einen scharfen Kontrast zur angstbestimmten Existenz ihres Vaters - das wird schon deutlich, als sie sein Haus betritt und in Schuhen über seinen makellosen Teppich läuft. Als sie dann lange Wochenenden mit ihm verbringt, kommt Roy nach Hause und entdeckt Pizzaschachteln und andere Spuren ihres Lebens über das ganze Haus verstreut, während sie es sich am Pool bequem macht. Seit Roy das Haus bezogen hat, ist sie die Erste, die tatsächlich im Pool schwimmt.

"Aus seiner Sicht wirkt Angelas Eindringen in seine Welt wie eine Invasion", lacht Scott. "Was für eine schreckliche Unordnung! Seine Trutzburg gerät völlig aus den Fugen." Und Lohman fügt hinzu: "Als ob man einen Welpen im Haus loslässt." Doch trotz des fürchterlichen Durcheinanders möchte Roy eine Beziehung zu dem Mädchen aufbauen und arbeitet an seiner ungewohnten Vaterrolle ebenso ernsthaft wie an allem anderen.

Cage beschreibt Roys Wandlung so: "Als Roy seine Tochter aus der früh gescheiterten Ehe kennen lernt, ändert sich alles. Zunächst reagiert er sehr zögernd - engagiert, aber hypernervös. Wie soll man plötzlich für einen Teenager die Vaterrolle übernehmen, zumal wenn man schon die größten Schwierigkeiten hat, das eigene Leben in den Griff zu bekommen? Aber Roy wirkt eben deshalb so sympathisch, weil er sich diesem Problem stellt.

Er liebt Angela vom ersten Moment an, und er will die Verantwortung für sie übernehmen, auch wenn er darauf denkbar schlecht vorbereitet ist. Mit Angelas Auftritt verändert sich Roys Leben Schritt für Schritt. Er bemüht sich, öfter das Haus zu verlassen und seine Mitmenschen zu begrüßen. Er blüht ein bisschen auf." Doch nicht nur Roy verändert sich durch diese Beziehung. "Wahrscheinlich steckt in jedem Kind ein Dieb", sagt Starkey.

"Als Angela erfährt, dass ihr Dad ein Trickbetrüger ist, findet sie das absolut faszinierend. Davon können Kids nur träumen. Das ist toll, so etwas kennen sie aus dem Kino. Und sie lässt nicht locker: ,Ach, Daddy, nimm mich doch mit bei einem Coup, zeig mir, wie du das machst, und wenn's auch nur eine ganz kleine Sache ist, bitte, bitte, das würde doch so viel Spaß machen.' Na ja, im Kino mag das ja lustig sein, aber im wahren Leben ist das ein hartes Geschäft, und Roy will sie da heraushalten.

Doch sie lässt einfach nicht locker, und schließlich überredet sie ihn. Denn wahrscheinlich ist er auch stolz auf sie, obwohl er doch selbst sehr widersprüchlich über seine Arbeit denkt. Tatsache ist, dass er seine Tätigkeit beherrscht, und irgendwie möchte er ihr auch zeigen, was er drauf hat. Aber natürlich bereut er diesen Entschluss sehr schnell."

"Die Konsequenzen dieser ungewöhnlichen Vater-Tochter-Partnerschaft könnten die bisher unschuldige Beziehung sehr leicht in eine gefährliche Richtung drängen", warnt Ted Griffin - und er meint damit nicht nur das Verhältnis der beiden zueinander, sondern auch Roys langjährige Partnerschaft mit Frank Mercer.

"Frank befürchtet, dass ihr Team durch das Mädchen verwundbarer wird. Er hat nichts für einen dritten Partner übrig, und für einen Amateur schon gar nicht", beschreibt Scott Mercers Zurückhaltung dem Mädchen gegenüber. "Als Duo funktionieren Frank und Roy tadellos, und in Franks Augen ist das Duo einem Trio immer vorzuziehen. Mit einem weiteren Spieler steigt auch das Risiko, dass etwas daneben geht."

Der nette Gauner von nebenan "Tricks spielt im Nirgendwo", verrät Romanautor Eric Garcia. "Ich habe der Stadt bewusst keinen Namen gegeben und vermeide auch alle erkennbaren Wahrzeichen, weil ich zeigen möchte, dass es solche Situationen, solche Figuren überall geben kann. Ob es sich um Großstädte wie Miami oder Los Angeles oder einen kleinen Vorort von Topeka/Kansas handelt, spielt keine Rolle - egal wo wir uns aufhalten, wir können ständig auf Betrüger hereinfallen. Jederzeit kann sich unser Leben nachhaltig verändern."

Für den Film siedelt Ridley Scott die Story in Los Angeles an, aber er trug Garcias Sichtweise Rechnung, indem er ein Viertel aussuchte, das zahllosen amerikanischen Städten gleicht: unauffällige Häuserzeilen, Einkaufszentren, Bowlingbahnen, Coffee-Shops und Waschsalons in einer gemütlichen Vorort-Atmosphäre: das kalifornische San Fernando Valley.

Bei der Suche nach optischen Zuckerstücken jenseits der häufig benutzten Motive verließ der Regisseur sich auf seinen langjährigen Motiv-Spezialisten Stuart Barter. Barter arbeitete eng mit der erfahrenen Motivexpertin Janice Polley zusammen. Gemeinsam entdeckten sie für Scott eine Reihe von Originalschauplätzen.

Zum Beispiel die Autowaschanlage Toluca Lake Car Wash in North Hollywood, die Magnolia Park Arcade in Burbank, die Apotheke De Soto Pharmacy in Canoga Park und den Westhill Market in Woodland Hills. Hinzu kamen der Spearmint Rhino Gentlemen's Club im Zentrum von L.A., der Parkplatz am Dodger-Stadion, das Bowling-Zentrum AMF Eldorado in Venice und das Anaheim Convention Center im benachbarten Orange County.

Produktionsdesigner Tom Foden (The Cell, One Hour Photo) entwarf eigens Dr. Kleins Praxis und das Interieur von Roys aseptisch blitzsauberem Haus.

Neben den im Studio errichteten Innenräumen wurde Roys Haus auch von zwei realen Gebäuden in Los Angeles gedoubelt: ein aufwändiges, im Ranchstil errichtetes Haus in Woodland Hills sowie eines der 52 einzigartigen Gebäude, die der modernistische kalifornische Architekt Gregory Ain 1948 für den Vorort Mar Vista im Westen von Los Angeles entworfen hat.

Übrigens wohnt Kameramann Mitch Dubin, der als Assistent von Kameramann John Mathieson am Film mitwirkte, nur einen Steinwurf vom letztgenannten Haus entfernt, und zwar auch in einem von Ains unverwechselbaren Häusern. "Stuart meinte, mir würde das strenge Design des Pools gefallen", sagt Scott in Bezug auf den Schauplatz in Woodland Hills. "Wir schauten uns das Haus an, das auch durch seinen fantastischen, aus Naturstein errichteten Kamin auffiel." Laut Scott war Nicolas Cage von dem Eigenheim und seiner friedlichen Atmosphäre derart begeistert, dass er es kaufen und in den Hollywood Hills neu aufbauen lassen wollte.

"Von Anfang an war klar, dass Roy in einer kargen und sehr ordentlichen Umgebung wohnen mußs", berichtet Foden. "Nicht nur, weil er einen Putzfimmel hat, sondern auch wegen seines Berufs. Denn falls es Schwierigkeiten geben sollte, mußs er von einem Moment zum anderen aus seinem Haus verschwinden können und nie wieder zurückkehren. Dieser Ansatz, der auf alles Überflüssige verzichtet, passt gut zum modernen Stil.

Ridleys erste Skizze zeigte ein Mitte des Jahrhunderts gebautes Haus auf Stelzen mit Blick auf die Innenstadt von Los Angeles. Aber unter anderem auch wegen der Häuser, die wir in Woodland Hills und Mar Vista entdeckten, änderten wir das und entschieden uns schließlich für ein Ende der 50er-, Anfang der 60er-Jahre entstandenes Eigenheim mit Parkgelände drum herum."

"Seit langem schätze ich die Gemälde von John Register", fährt Foden fort. "Er legt Wert auf lange Schatten, auf intensives Nachmittagslicht und verwendet zeitgenössische Motive. Davon ließ ich mich bei der Atmosphäre für den Film inspirieren. So lassen sich Ordnung und Chaos klar voneinander trennen - womit wir schon Roys Charakter definiert hätten."

Weil er sich auf fast einen Monat Dreharbeiten in Roys Haus einstellen mußste, baute Fodens Team die filmisch ideale Version im Studio nach. Scott spricht aus Erfahrung, wenn er berichtet, dass eine Filmcrew von den Bewohnern eines realen Hauses "am ersten, zweiten Tag begeistert willkommen geheißen wird, weil die Filmleute und all die Kabel schon sehr aufregend sind. Aber ab dem dritten Tag stören die Eindringlinge nur noch und werden innig gehasst. Dreieinhalb Drehwochen in dem Haus hätten die Bewohner in den Wahnsinn getrieben. Also haben wir das Haus im Studio nachgebaut, und das schließt auch den Pool mit ein."

Das Pool-Set in der Halle 16 der Culver Studios war genauso breit und lang wie der tatsächliche Pool, hatte aber nur 75 cm Wassertiefe, wirkte jedoch scheinbar sehr viel tiefer. "Für Roy stellt der Pool ein Zentrum der Ruhe und Entspannung dar - nachts spiegelt sich die Wasseroberfläche in seinem Wohnzimmer", sagt Scott, der ihn auch als "fantastische Gelegenheit für das Spiel mit dem Licht" bezeichnet: "Jede Nacht sitzt Roy auf seiner Couch, raucht seine Zigarette und starrt auf das stille Wasser wie auf einen Fernseher ohne bewegtes Bild."

Außerdem investierte Foden viel Mühe in die filmgerechte Ausstattung der ausgewählten Originalschauplätze, zum Beispiel den Waschsalon im Strandvorort Venice, wo Angela den Gaunertrick mit dem Lottoschein ausprobiert; den Supermarkt mit den auffällig geometrisch gestalteten Fenstern ganz im Westen des San Fernando Valley, wo Roy sich nachts mit Tunfisch-Dosen eindeckt; und die Apotheke DeSoto Pharmacy, wo sich der Tresen nicht, wie üblich, im hinteren Teil des Ladens befindet, sondern im rechten Winkel zum Eingang, was die Platzierung der Kameras erheblich erleichterte.

Weil Dreharbeiten im International Airport von Los Angeles (LAX) immer große Probleme in puncto Sicherheit und Logistik mit sich bringen, verließen sich die Filmemacher lieber auf Foden, der das fünfstöckige Anaheim Convention Center aus Glas und Stahl für eine Schlüsselszene in einen glaubhaften LAX-Ersatz verwandelte.

Barter erinnert sich: "Ich hatte mir das Kongresszentrum früher schon bei einer anderen Motivsuche angesehen und wartete seitdem sehnsüchtig auf eine Gelegenheit, es als Airport-Terminal zu verwenden, bevor ein anderer Motivsucher auf die Idee kommen würde." Durch Scotts Entscheidung für diesen Drehort ist das vor drei Jahren eingeweihte Zentrum jetzt erstmals in einem Hollywood-Film zu sehen.

"Der neue Anbau des Kongresszentrums ist sehr modern und wirkt von der Architektur her fast europäisch", sagt Foden. "Lange Korridore und hohe Decken gibt es genug, also mußsten wir nur entsprechende Schilder anbringen, Abfertigungsschalter aufstellen und sie mit Gepäckträgern und Fluggästen bevölkern. An dem vorhandenen Informationsschalter brachten wir eine Aluminiumverschalung an und verwandelten ihn so in einen Abfertigungsschalter. Aus ein paar Sitznischen und Tischen entstand eine der üblichen Airport-Bars."

Der Evergreen Take Me Out to the Ballgame wird zwar nicht auf dem Soundtrack zu hören sein, aber Scott bestellte sein Team trotzdem für einen Drehtag zum berühmten Baseball-Stadion des Starclubs Dodgers, um dort auf dem endlos riesigen Parkplatz (Sektion 24) zu drehen: Hier entstand die Szene an der Bushaltestelle mit Blick auf die Innenstadt.

"In der Weitwinkeleinstellung können wir erkennen, wie ungeheuer groß der Parkplatz ist. Wir gingen davon aus, dass es dort etliche überdachte Haltestellen für die Shuttlebahn zum Eingang des Stadions gibt", berichtet Foden. "Ridley hatte nämlich ganz präzise Vorstellungen, wie die Szene aussehen sollte. Das unbarmherzig blendende Sonnenlicht bildet den Kontrast zum Schatten unter dem Dach der Haltestelle - hier führen Roy und Frank ein hitziges Streitgespräch." Und er fügt hinzu, dass sich der Stil des Regisseurs ganz typisch in derart durchstrukturierten Bildkompositionen und optischen Wirkungen ausdrückt.

"A Summer Wind" Scott erzählt, dass Roy zwar keinen Fernseher besitzt, aber einen Plattenspieler, auf dem er "seine umfangreiche Sammlung von Vinyl-LPs abspielt. Für moderne Musik hat er nicht viel übrig. Interessanterweise erinnerte ich mich beim Lesen des Drehbuchs ständig an die 50er-Jahre und an Frank Sinatra. Und beim zweiten Treffen mit Nic Cage sagte er dann: ,Wenn Roy Musik auflegt, glaubst du, dass er Sinatra hört?' Da wurde mir schlagartig klar, dass wir dieselbe Wellenlänge hatten. Roys Musikgeschmack passt voll und ganz zu seiner Kleidung und zu seinem Haus."

Die coole, minimalistische Filmmusik stammt von dem weltberühmten Filmkomponisten Hans Zimmer, der schon häufig für Ridley Scott komponiert hat und vor kurzem mit Gladiator seine sechste Oscar-Nominierung verbuchte (er gewann den begehrten Goldjungen 1994 mit Der König der Löwen).

Laut Starkey "suchte Ridley außerdem eine Reihe von Songs aus, die Roy gern hört. Dadurch bekommt die Handlung eine hippe, schicke, jazzige Atmosphäre. Zu den Stücken, bei denen sich Roy nach einem stressigen Tag entspannen kann, zählen Frank Sinatras Klassiker "A Summer Wind" und "This Town", Bobby Darins Versionen von "Beyond the Sea" und "The Good Life" sowie ein paar Titel jener Band, die wie kaum eine andere die 60er-Jahre definiert hat: "Tijuana Taxi" und "The Lonely Bull" von Herb Alpert and the Tijuana Brass.

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