Bad Boys II

Produktionsnotizen

Die richtige Chemie "So viel Spaß hatte ich seit dem ersten Teil von Bad Boys - Harte Jungs nicht mehr", verrät Martin Lawrence, den man in Bad Boys II zum zweiten Mal als Marcus Burnett sieht. "Wieder mit Will, Jerry und Michael zu arbeiten - das fühlte sich einfach richtig an."

Acht Jahre verstrichen, bis man das Team, bestehend aus Produzent Jerry Bruckheimer, Regisseur Michael Bay und den Schauspielern Will Smith und Martin Lawrence, wieder vereinen konnte. Mit Bad Boys hatten sie 1995 Geschichte geschrieben, weil der Film der erfolgreichste und profitabelste Film des Jahres für Columbia Pictures gewesen war.

Die Actionkomödie, die sich als Karrieresprungbrett für Bay, Lawrence und Smith erwies, ist all die Jahre ein ungemein erfolgreicher Film auf Video und DVD sowie im Kabelfernsehen geblieben. Weil die Dienste der Protagonisten seither ständig gefragt und ihre Terminkalender komplett ausgebucht waren, hatte es mehr und mehr den Anschein, dass die geplante Fortsetzung niemals gedreht werden könnte.

Bruckheimer nennt die Beharrlichkeit der Columbia-Pictures-Vorsitzenden Amy Pascal als Hauptgrund dafür, dass Bad Boys II schließlich doch noch entstehen konnte. "Amy hat sich wirklich voll reingehängt", sagt er. "Unablässig und unbeirrbar hielt sie den Entwicklungsprozess am Laufen. Als sich dann endlich eine Gelegenheit ergab und Martin, Will und Michael gleichzeitig Zeit hatten, konnten wir direkt loslegen."

Im Jahr 1995 waren Lawrence und Smith große Fernsehstars, die über nicht allzu viel Filmerfahrung verfügten, und Bay war einer der angesagtesten Werbespot-Regisseure des Landes, der auf das richtige Projekt wartete, um den Sprung ins Filmgeschäft zu wagen. Bruckheimer und sein verstorbener Partner Don Simpson waren überzeugt, dass Bay der richtige Regisseur für ihr neues Projekt, Bad Boys, wäre, das sie mit Lawrence und Smith in den Hauptrollen realisieren wollten.

"Michael hatte ein tolles Video für unseren Film Tage des Donners (1990) gedreht", erinnert sich Bruckheimer. "Martin war sehr erfolgreich mit seiner Fernsehserie und einer ausverkauften Konzerttournee. Und Will, den das Publikum als "Fresh Prince of Bel Air" mochte, gefiel uns wegen seines Charismas. Er war smart und hatte einen beeindruckenden Siegeswillen.

Wir erkannten sofort, dass die beiden ein wunderbares Duo sein würden, das gewagte Action und verrückten Humor miteinander verbinden könnte. Michael lieferte einen hervorragenden Film ab, der das Publikum fesselte. Im Lauf der Jahre wurden wir immer wieder gefragt, wann wir sie erneut in ein Filmabenteuer schicken würden. Die Erwartungshaltung war so gewaltig, dass uns klar war, bei einem zweiten Teil in allen Bereichen richtig zulegen zu müssen."

"Wir sind mit Bad Boys erwachsen geworden", sagt Bay über sein Debüt. "Don und Jerry brachten mir viel bei, und meine Partnerschaft mit Jerry begann. Ich habe außerdem viel beim Herumexperimentieren mit Will und Martin gelernt."

"Bei Bad Boys gab es eine ganze Reihe von Debüts", meint Smith. "Martin und ich waren im Fernsehen an der Spitze angelangt. Dennoch war es ein ziemlich neuartiges Konzept, zwei schwarze Jungs in den Hauptrollen eines aufwändigen Studiofilms für ein breites Mainstream-Publikum zu besetzen."

"Das ist witzig, weil wir nicht eine Sekunde über Hautfarbe oder Rasse nachgedacht hatten", überlegt Bruckheimer. "Wir suchten einfach nur nach zwei heißen Talenten, die sich perfekt auf der Leinwand ergänzen würden. Martin und Will passten wunderbar zusammen, weil sie ihren Humor mit völlig unterschiedlichen Ansätzen entwickeln. Was sie gemein hatten, waren ihre Ambition und Energie sowie das ehrliche Bedürfnis, ihr Publikum zu unterhalten. Ihre Beiträge zu beiden Filmen sind von absolut unschätzbarem Wert."

"Beim ersten Film haben wir viel improvisiert", berichtet Michael Bay. "Wir hatten ohnehin kein nennenswertes Drehbuch, mit dem wir arbeiten konnten. Und das Budget war so niedrig, dass uns nicht viel Zeit zum Proben geblieben war. Diesmal haben wir uns viel besser vorbereitet, haben intensiv geprobt und viele Ideen entwickelt, die wir mit ans Set brachten."

Am Anfang von Bad Boys II mußs sich Marcus Burnett (Martin Lawrence) mit den ganz alltäglichen Problemen des Familienlebens herumschlagen: mit seinen jugendlichen Kindern, einer Hypothek und Sorgen über die eigene Zukunft - die durch das verantwortungslose Verhalten seines Partners Mike Lowrey (Will Smith), der einfach nicht erwachsen werden oder zur Ruhe kommen will, verstärkt werden.

"Marcus ist beruflich einfach nicht zufrieden", sagt Lawrence. "Er würde lieber etwas Gesetzteres machen. Es ist ja nicht so, dass er seinen Partner nicht respektiert oder nicht ausstehen könnte, aber er will, dass Mike ihn versteht: Wenn man älter wird, will man mehr Zeit haben, die Früchte seiner Arbeit zu genießen. Marcus will mehr Zeit mit seiner Familie verbringen und der Ehemann und Vater sein, den seine Familie verdient hat.

Aber Mike hört einfach nicht damit auf, die beiden in brenzlige Situationen zu bringen. Das macht Marcus wütend. Dann erkennt er, dass diese Wut völlig destruktiv für sein Leben ist. Er steckt in einem Teufelskreis. Also entschließt sich Marcus, sich von einem Therapeuten helfen zu lassen."

"Die neue Geschichte setzt acht Jahre nach dem letzten Filmabenteuer der beiden ein", fügt Smith hinzu. "Marcus und Mike haben Karriere gemacht. Ihr Privatleben hat ebenfalls Fortschritte gemacht. Na ja, meine Figur vielleicht nicht: Mike ist immer noch ein Playboy. Marcus ist das ewige Gerenne, das Herumspringen und Geballere im Job allerdings leid. Mike steht immer noch drauf und klammert sich an seinen Zwanzigern fest. Er feiert ohne Unterlass, spielt mit Frauen und Knarren herum und sucht Streit, wo er ihn finden kann. Kurz gesagt: Die beiden entfernen sich mehr und mehr voneinander."

Als sich auch noch Captain Howard (Joe Pantoliano) auf Marcus' Seite schlägt und sich dessen neuer Lebensphilosophie verschreibt, werden die Spannungen langsam unerträglich. "Der Captain und Marcus unterziehen sich Wut-Therapien", erklärt Smith. "Sie versuchen sich zusammenzureißen und unter allen Umständen Ruhe zu bewahren. Für Mike ist das hart, denn sein Verhalten erscheint auf einmal inakzeptabel."

Noch komplizierter wird es für die beiden Cops, als Marcus' jüngere Schwester Syd (Gabrielle Union) auf der Bildfläche erscheint. "Marcus übertreibt ein bisschen damit, auf seine Schwester aufzupassen", erläutert Lawrence. "Das trifft vor allem zu, wenn Mike mit dabei ist. Als er entdeckt, dass sich Mike und seine Schwester schon mehrfach getroffen haben und miteinander flirten, kann er kaum damit umgehen. Denn keiner weiß besser als er, was für ein Hallodri Mike ist."

Aber das Verhältnis zwischen Mike und seiner Schwester ist nicht die einzige Entdeckung, die Marcus machen mußs. Er findet auch noch heraus, dass sie als verdeckte Beamtin für die Drogenfahndung arbeitet. Das macht seine Sorgen um ihre Sicherheit nur noch größer. "Während einer wilden Verfolgungsjagd trifft ihn diese Erkenntnis mit voller Wucht", sagt Lawrence. "Obwohl das ein ernster Moment ist, wird er mit viel Humor aufgelöst. Das ist eine der großen Stärken der Bad Boys-Filme: Der Humor blitzt immer dann auf, wenn man nicht im geringsten damit rechnet."

"Es ist manchmal unmöglich zu definieren, was genau eine Szene oder einen Moment komisch werden lässt", überlegt Bay. "Bei Martin und Will ist alles eine Frage des Timings. Ihre Komödie entsteht aus der Art und Weise, wie sie reden, ihre Kadenzen, ihr Rhythmus. Wenn man die Schnitte in der Postproduktion nicht richtig setzt, sind die beiden auf einmal nicht mehr komisch. Alles hängt davon ab, wie sie aufeinander reagieren, wie sie ihre Pointen setzen. Und bei Martin kommen natürlich noch diese unbezahlbaren tollen Grimassen dazu, die viel von seinem komischen Genie ausmachen."

Während des Drehs trafen sich Bay und seine Schauspieler immer wieder an arbeitsfreien Sonntagen, um am Tempo ihrer Dialoge und den korrekten Bildkompositionen zu feilen. Bay zeichnete dieses Sessions auf Video auf und übertrug die besten improvisierten Dialoge in das vorliegende Drehbuch, das am nächsten Tag in der neuen Fassung an die Mitwirkenden verteilt wurde. Die Improvisationen, so Bay, halfen, nicht allzu komische Szenen mit Humor zu versehen und den Figuren ungeahnte Schrullen zu entlocken.

"Beim ersten Bad Boys-Film hatte ich versucht, eine alte, müde Buddy-Cop-Geschichte mit Hilfe meines visuellen Stils und durch den Schnitt sowie natürlich dank der großartigen Chemie zwischen Martin und Will neu und frisch wirken zu lassen", erinnert sich Bay. "Tatsächlich war es aber die Chemie, die den Film so einzigartig werden ließ."

Jerry Bruckheimer hat in seinen zahllosen Erfolgsfilmen eins gelernt: "Wenn man zwei außergewöhnliche Talente in einem Film besetzt, dann spornen sie sich gegenseitig zu Höchstleistungen an. Wenn man Glück hat, und die beiden respektieren und mögen sich, wie das bei Martin und Will der Fall ist, dann entsteht eine wunderbare Kameradschaft. Schon bei den Proben war das ersichtlich - ein faszinierender Prozess. Der eine ließ sich tolle Ideen für den anderen einfallen. Zu keinem Moment war einer der beiden darauf bedacht, sich einen Vorteil zu verschaffen oder in den Vordergrund zu drängen."

Für Bad Boys II strebte Michael Bay einen anderen Ton an als im Original. "Im ersten Film war alles mehr auf den Effekt angelegt", meint Bay. "Der zweite Teil sollte mehr Kanten haben, sollte sich realer anfühlen. In der gleichen Weise, wie ich Sean Connery und Nicolas Cage in The Rock - Fels der Entscheidung (1996) mit echten Navy S.E.A.L.S. umgab, platzierte ich Will und Martin zwischen echten Cops. Das machte den Unterschied aus."

Die meisten Mitglieder des T.N.T. werden im Film von echten Mitgliedern der Polizei des Bezirks Miami-Dade dargestellt. Außerdem halfen echte Undercover-Polizisten (die aus offensichtlichen Gründen nicht vor der Kamera mitwirkten) beim Training der Schauspieler. Harry Humphries, den Bruckheimer und Bay beim Dreh von The Rock - Fels der Entscheidung kennen gelernt hatten, trat als leitender technischer Berater in Erscheinung, während Lt. William Erfurth, ein ehemaliger Beamter der T.N.T.-Einheit der Polizei von Miami-Dade, den Drehbuchautoren und Schauspielern bei jeder Phase der Produktion mit Rat und Tat von unschätzbarem Wert zur Seite stand.

Erfurth brachte seine Expertise nicht nur beim Schreiben der Dialoge und bei Fragen nach den korrekten Abläufen ein, er koordinierte außerdem die Terminpläne der besten T.N.T.-Leute, sodass die Filmemacher auf die Mitwirkung realer Polizeibeamter bei der Besetzung von Marcus' und Mikes perfekt ausgebildeter Einheit vertrauen konnten.

"Bill Erfurth hat einen unantastbaren Ruf bei der Polizei von Miami-Dade und darüber hinaus", sagt Bruckheimer. "Bei unseren Recherchen fanden wir heraus, dass die Verhaftungen und auch die Verurteilungen von Verbrechern während seiner Zeit bei der T.N.T. raketengleich nach oben schossen.

Er und Harry Humphries trugen Sorge dafür, dass wir bei dem Einsatz der S.W.A.T.- und T.N.T.-Teams so nah wie nur möglich an der Realität blieben. Wenn wir vom Kurs abkamen, holten sie uns wieder zurück. Jedes Mal, wenn man einen Beamten in Uniform in diesem Film sieht, stehen die Chancen ziemlich gut, dass es sich um einen tatsächlichen Polizisten aus den Inspektionen der Stadt oder der Gemeinde handelt."

Während der Vorproduktion verschmolzen Kunst und Realität. Ausgestattet mit kugelsicheren Westen verbrachten Bruckheimer und Bay einen Abend auf Patrouille mit Lt. Erfurth. Während der Teilnahme am so genannten "Ride Along"-Programm trug Bay entscheidend zu der Festnahme eines gesuchten Schwerverbrechers bei, der ihm in einer Gruppe normaler Passanten aufgefallen war, weil er der Beschreibung eines Mannes entsprach, nach dem die Polizei fahndete. Seither wird er von den Beamten in Miami einfach nur "Captain Bay" genannt.

Humphries und Erfurth erarbeiteten gemeinsam eine kurze aber intensive Ausbildung für Lawrence, Smith und ihre Ko-Stars Yul Vásquez, Jason Manuel Olazábal und Gabrielle Union. Lawrence und Smith verbrachten den ersten Tag mit einer Gruppe von Waffenspezialisten, die sich ein paar bissige Kommentare darüber nicht verkneifen konnten, wie die beiden im ersten Bad Boys-Film mit ihren Waffen umgegangen waren.

"Martin und Will steckten das Gefrotzel gut weg", lacht Erfurth. "Sie nahmen es mit dem nötigen Humor. Dieses Mal stellten wir sicher, dass sie wussten, wie man eine Waffe behandelt. Das ist alles nur eine Frage davon, sich die richtigen Abläufe zu verinnerlichen: die Waffe ziehen, wieder einstecken, sich mit dem Spannhebel und der Waffe selbst vertraut machen, ein Gefühl dafür bekommen, wie sie in der Hand liegt. Wir brachten ihnen die Technik des Nachladens und des Durchladens bei, wie man eine Kugel in den Lauf befördert und das Laden des Magazins, sodass es zur Routine wird.

Es ist alles eine Frage der Wiederholung und der Verinnerlichung. Man mußs sich mit der Waffe wohl fühlen und darf keine Angst vor ihr haben. Was man in der Ausbildung lernt, mußs zur zweiten Natur werden, auch oder gerade wenn man sich einer Stress-Situation befindet. Man darf nicht den Moment einer Sekunde nachdenken müssen. Alles mußs völlig automatisch ablaufen. Wir nennen das Muskel-Erinnerung."

Die Mitglieder von T.N.T. und S.W.A.T. verbringen Zeit am Schießstand mit einer Reihe von Waffen. Sie üben monatlich und bisweilen zweiwöchentlich Taktiken, Zugangs-Szenarien und Angriffe auf Vehikel, um sich in ihrem Job absolut sicher zu fühlen. Training ist der Schlüssel zum Erfolg bei ihrer Arbeit. Im Sinne dieser Philosophie wählte jeder Schauspieler eine Waffe aus, mit der er sich am wohlsten fühlte. Während der gesamten Drehzeit blieb er dann bei dieser Waffe, die er schon bei der Ausbildung ausgewählt hatte.

Joe Pantoliano, den man in den USA zuletzt als launischen Ralphie in der Serie The Sopranos erlebte, sieht man erneut als Captain Howard. Über die Entwicklung seiner Figur seit dem ersten Teil sagt der erfahrene Schauspieler: "Captain Howard versucht verzweifelt, seine Methoden zu ändern. Er hat sich der weicheren, gemütlicheren Seite des Lebens verschrieben und ermutigt nun Marcus, es ihm gleichzutun. Mir gefiel besonders, wie sich die Autoren über den aktuellen Trend zur Selbsterkenntnis lustig machten."

Außerdem ist er voll des Lobes für den Regisseur und den Produzent. "Nichts war ihnen wichtiger, als den zweiten Film deutlich besser werden zu lassen als den ersten", erkennt Pantoliano. "Ihnen ging es stets um Zusammenarbeit, und sie ließen mich eigene Ideen einbringen wie beispielsweise einen buddhistischen Touch, das Ausziehen der Schuhe, das Aufhängen von Kristallen und das Abbrennen von Räucherstäbchen. All das hilft, um die Verwandlung von Captain Howard mit einfachen Details zu verdeutlichen. Ich fand das interessant. Und sie stimmten mir zu."

Gabrielle Union spielt die bildschöne D.E.A.-Agentin Syd Burnett. Als der erste Teil von Bad Boys in die Kinos kam, ging sie noch aufs College. "Diese Szene mit Will, der mit aufgeknöpften Hemd und nackter Brust die Straße entlang lief, war ziemlich nett", sagt sie augenzwinkernd. "Das war das erste Mal, dass man den Begriff Sexsymbol mit ihm in Verbindung brachte."

Smith kann sich ebenfalls noch an diese Szene erinnern: "Das erste Mal, als Frauen auf mich in dieser Weise reagierten, saß ich ganz hinten im Kino und hörte dem Publikum zu. Ich war völlig verblüfft, als ein Mädchen ausrief: ,Um hmm, Süßer - Weiter so, Will! - Du hast es drauf, lauf los!' Das war komisch, weil ich davor immer nur der alberne, ulkige Komiker gewesen war. Michael Bay hat mich sexy gemacht!"

Als Syd und Mike mit ihren Dates beginnen, entwickelt sich mehr als nur eine sehr lockere Beziehung. Mike erkennt, dass er mit diesem Mädchen nicht einfach nur so rummachen kann und er sich womöglich mit dem Gedanken anfreunden mußs, zur Ruhe zu kommen.

"Marcus denkt, dass Syd an einem Schreibtisch im Büro des Bezirksstaatsanwalts arbeitet und nur deshalb nach Miami kommt, um Urlaub zu machen", erklärt Union. "Aber tatsächlich ist sie eine verdeckt arbeitende Agentin der Drogenfahndung und ist einem Ring von Ecstasy-Schmugglern auf der Spur. Sie will sich mit der Lösung des Falls empfehlen, aber übernimmt sich dabei gehörig."

"Mir gefiel Gabrielles Energie", sagt Bay. "Man erkennt sofort, dass sie sehr gebildet ist, dass sie smart ist. Und man glaubt sofort, dass sie eine aufstrebende D.E.A.-Agentin ist."

Wie im wahren Leben überlappen sich die Jurisdiktionen verschiedener Verbrechensbekämpfungseinheiten in diesem Film bei ihrer Arbeit immer wieder. Zum Teil liegt das daran, so Bruckheimer, dass sie ihre Anstrengungen nicht miteinander koordinieren oder koordinieren können.

"Manchmal stoßen sie zufällig aufeinander. Genau das passiert Syd, die seit längerem von New York aus an ihrem Fall arbeitet. Dabei entdeckt sie einen Drogenring in Miami - und gleichzeitig stoßen Mike und Marcus eher zufällig auf genau dieselben Verbrecher. Was passiert, als die beiden Parteien aufeinander treffen, ist völlig unberechenbar und überraschend."

Der assoziierte Produzent Don Ferrarone, ein ehemaliger Chefinspektor der U.S. Marshals und Abteilungsleiter der D.E.A. an der Grenze zwischen den USA und Mexiko, hielt Recherchen seiner langjährigen Ermittlungen über Kartelle bereit, die die Umgebung von Miami als Umschlagsplatz für ihre Transaktionen nutzen.

Trotz leidenschaftlicher Versuche lokaler und staatlicher Regierungsbüros, den Fluss von Designerdrogen einzudämmen, ist Drogenmissbrauch in jeder größeren Stadt der USA weiterhin ein ernst zu nehmendes Problem. Obwohl es sich bei Bad Boys II um reine Fiktion handelt, beruhen viele der im Drehbuch thematisierten Situationen, auch einige der komischen Szenen, auf tatsächlichen Fällen.

In Bad Boys II führt Tapia, gespielt von Jordi Mollà, eines der größten Kartelle an der Ostküste. Bis Mollà an der Seite von Johnny Depp in dem kontroversen und packenden Drama Blow (2001) gespielt hatte, war er nur wenigen Leuten außerhalb seiner Heimat Spanien ein Begriff.

Dort gilt der talentierte Schauspieler mit der unglaublichen Bandbreite allerdings als einer der größten Stars. "Jordi war in Blow ein unglaublich interessanter Typ", meint Bay. "Er steckt voller jugendlichem Übermut, und seine Persönlichkeit hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Er ist als Schauspieler wie ein Chamäleon und sehr talentiert, sehr cool."

"Etwa drei Tage vor Drehbeginn erwähnte Michael ganz beiläufig die Idee, ich könnte meine Figur mit einem kubanischen Akzent spielen", erinnert sich Mollà. "Er fand, das könnte witziger sein, weil ich diesen Akzent nicht gewohnt bin. Zunächst lehnte ich ab. Aber dann dachte ich kurz darüber nach und versuchte es einfach. Ich rief Yul Vásquez (der in Kuba geborene Schauspieler ist in Bad Boys II als Detective Reyes zu sehen) an und fragte ihn um Hilfe. Wir nahmen ihn auf, wie er meine Dialogzeilen auf Englisch und Spanisch sprach, und ich lernte davon. Dieser Prozess funktionierte ziemlich gut. Binnen zwei Tagen hatten wir die Figur ganz neu gestaltet."

Folgende signifikante Eigenschaften fielen ihm auf: "Kubaner gestikulieren viel, also betonte ich die Bewegungen meiner Hände. Meine Stimmlage änderte sich. Eigentlich änderte sich alles ein bisschen. Ich bat Yul, mir ein paar Schimpfworte und Flüche beizubringen, ein paar Phrasen, die man benutzt, wenn man wütend ist. Gleichzeitig dachte ich immer daran, dass das Publikum immer verstehen mußs, was ich rede. Diese Erfahrung machte mir immer mehr Spaß. Michael hatte Recht. Der kubanische Akzent änderte wirklich alles."

Mollà war sich der typischen Klischees bewusst, die man von Drogenbaronen gewohnt ist. Er hatte den Eindruck, dass deren Wirkung durch den komischen Ton des Films abgeschwächt werden konnte. Also nutzte er jede sich bietende Gelegenheit, den Humor in seiner Figur hervor zu heben. "Der Film ist vor allem eine Komödie", meint er. "Also kann ich auch ein bisschen Spaß haben, obwohl ich der schlimme Finger, der Böse bin."

Außerdem nutzte er Tapias Hintergrund, um seiner Figur eine zusätzliche Dimension zu verleihen. "Obwohl Tapia ein Imperium mit Villen, Privatflugzeugen, teuren Autos und schönen Frauen errichtet hat, ist ihm seine Familie immer noch am Wichtigsten", erläutert Mollà. "Nichts geht ihm über seine Tochter und seine Mutter. Das ist typisch Latino. Obwohl er unglaublich mächtig und gefährlich ist, ist er letzten Endes doch nur ein Familienmensch, der jeden Tag seines Lebens in Angst zu verbringen hat. Er misstraut einfach jedem."

Gleichzeitig kann sich Tapia ein Leben ohne Gefahr nicht vorstellen. Mollà fährt fort: "Er schätzt Syd, weil er Menschen mag, die volles Risiko eingehen. Er bietet ihr sogar einen Job an. Es ist eine merkwürdige Beziehung. Es ist, als würde er das Spiel mit der Gefahr genießen."

Tapia hat einen Geschäftspartner, der schon bald sein Hauptkonkurrent wird. Peter Stormare, der für Jerry Bruckheimer schon in Armageddon - Das jüngste Gericht (1998) und Bad Company (2002) vor der Kamera stand, spielt den russischen Mobster Alexei.

"Wir konnten keine Rolle für Peter finden, also versprachen Michael und ich ihm, dass wir uns eine für ihn einfallen lassen würden", lacht Bruckheimer. "Das ist das Wunderbare an der Arbeit mit Michael Bay. Wenn er einen Schauspieler wie Peter findet, den er für talentiert hält, dann wird er ihn überzeugen, eine Rolle zu übernehmen, die ursprünglich vielleicht nur drei Sätze umfasst - und auf einmal wird aus der kleinen Rolle eine wichtige Figur für den Film. Peter hat nur wenige Szenen. Aber an seine Figur und seine Darstellung wird man sich erinnern."

Stormare nahm die Rolle an, weil er sich mit Bay bei der Arbeit an Armageddon so wunderbar verstanden hatte. "Ich wollte keinen Russen spielen, wie man ihn normalerweise spielen würde", sagt Stormare.

"Es war toll, Lev in Armageddon darstellen zu dürfen, weil er die Amerikaner rettet und ich das so ungewöhnlich fand. Ich erhalte immer noch speziell wegen dieser Rolle jährlich mehr als 1000 Briefe von Fans. Also versuchte ich der Rache, mit der Alexei seinen Feind Tapia überziehen will, in Bad Boys II auch eine ganz besondere Geschmacksnote zu geben, als käme ich direkt aus dem Wilden Westen. In Miami findet sich noch ein bisschen vom alten Westen. Es war toll, eine Figur zu spielen, die dem Cocktail eine extra Note verleiht, wie ein Spritzer Zitrone."

Jason Manuel Olazábal (Detective Vargas) und Yul Vázquez (Detective Reyes) sind zwei neue Gesichter im zweiten Bad Boys-Abenteuer. Als Mitglieder des T.N.T.-Teams befinden sich Vargas und Reyes in ständigem Konkurrenzkampf mit Burnett und Lowrey. "Ich habe diese beiden tollen Burschen besetzt, damit Will und Martin jemanden haben, mit dem sie sich messen können", berichtet Bay.

"Oft versuchen Schauspieler, sich an der Seite von Will und Martin humorvoll zu geben - und scheitern daran. Selbst bei den Proben versuchen sie, genau so komisch zu sein, aber das ist nicht ihre Aufgabe. Yul und Jason haben es begriffen. Ich wollte Will und Martin mit ernsthaften Figuren umgeben und den Humor aus ihrer schrägen Sensibilität entstehen lassen."

"Im Film sind wir frustriert wegen Marcus und Mike", fügt Vázquez hinzu. "Obwohl wir zum selben Team gehören, befinden wir uns im ständigen Wettbewerb und versuchen uns gegenseitig zu übertreffen. Je mehr Unfug sie anstellen, desto besser sehen wir aus."

"Das ist pure Hassliebe", meint Vázquez. "Reyes und Vargas haben kubanische Wurzeln. In dem Moment, in dem jemand über etwas spricht und es mit Kuba in Zusammenhang bringt, hört für meine Figur der Spaß auf. Wir improvisierten ständig, und immer wenn der Regieassistent "Schnitt" rief, bogen sich die Leute vor Lachen. Das war eine ganz instinktive Reaktion, also wussten wir, dass es komisch ist."

Eine der wichtigsten Figuren in Bad Boys II ist Miami selbst. Oder besser gesagt: die verschiedenen Regionen im Süden von Florida, die Miami ausmachen, darunter Miami Beach, Coral Gables und Coconut Grove, sowie weiter im Norden gelegene Städte wie Ft. Lauderdale, Hallandale und Hollywood.

"Miami ist ein internationaler Anlaufpunkt", sagt Jerry Bruckheimer, dessen Erfolgsserie "C.S.I.: Miami" ebenfalls in dieser Stadt spielt. "Unsere Kontakte in den diversen Verbrechensbekämpfungseinheiten berichteten uns, dass eine gewaltige Menge Geld durch Südflorida geschleust wird, vieles davon illegale Schmuggelware - mehr Geld, als durch legale Geschäfte umgesetzt wird. Ich glaube nicht, dass diese Statistik etwas über die Menschen oder die ansässige Regierung aussagt. Es ist lediglich eine Tatsache, mit der die Polizei tagtäglich konfrontiert wird in dieser wachsenden, kosmopolitischen Gemeinde."

Über die Dreharbeiten Zu den Drehorten in Florida zählten der weltberühmte Viscaya Estate (das Museum und die Gärten) und die Carrolton School of the Sacred Heart in Coconut Grove, das Versace-Mansion in Miami Beach, der Oleta State Park in North Miami Beach, die Biscayne Shopping Plaza, McArthur Dairy, das Van Orsdel Funeral Home, die Greenwich Studios und eine Anzahl von Straßen, Durchgängen und Kreuzungen in der Innenstadt von Miami.

Die Produktion reiste weiter an den nördlich von Miami gelegene Del Ray Beach, um die Szenen in Tapias Anwesen an der Route #1 zu drehen. Nach vier Monaten in Florida wurden die Dreharbeiten nach einem kurzen Trip nach San Juan in Puerto Rico zu einem einwöchigen Dreh abgeschlossen.

Eine der kniffligsten Autoverfolgungsjagden durch die Straßen eines kleinen Pueblo wurden in einer fiktiven Stadt gedreht, die von dem talentierten Bauteam der Konstruktionsabteilung errichtet wurde. Das Team setzte außerdem Sonys Bühne #27 für diverse Aufnahmen ein und nutzte auf der Big Sky Ranch im südkalifornischen Simi Valley die atemberaubende Kulisse, um Szenen abzuwickeln, die auf der Gitmo Marine Base spielen sollen.

"Ich erinnere mich noch, wie ich durch das Objektiv blickte", denkt Michael Bay an den Dreh des ersten Teils zurück, bei dem er auch selbst die Kamera bediente. "Will sprang gerade über die Kühlerhaube des Autos. Ich sagte: ,Der Kerl sieht aus wie ein Filmstar.' Was wusste ich schon? Eine andere Sequenz, die so etwas wie mein Erkennungs-Shot geworden ist, ist die spiralenartige Kamerafahrt um Will und Martin, die sich mit den Gebäuden im Hintergrund erheben. Alle dachten, ich sei verrückt und dass wir nicht genug Zeit für diese Szene hätten, aber ich beharrte darauf: ,Vertraut mir. Das wird die Trailerszene.' Ich behielt recht."

"Ich spiele ständig Actionszenen vor meinem geistigen Auge durch, wenn ich nach Drehorten suche", sagt Bay. "Ich inszeniere gerne Action, die ich selbst für interessant halte. All meine Actionszenen schreibe ich selbst. Ich gehe an Action heran, indem ich mir Gedanken darüber mache, was ich noch nicht gemacht habe.

Ich überlege mir, wie ich die Dinge noch komplizierter machen kann, um sie aufregender zu gestalten. Actionszenen sind wie das Malen eines Gemäldes. Ich suche Drehorte, um neue Ideen zu bekommen. Ich schieße tausende von Fotos und nehme sie als Startpunkt für meine Szenen. Oft kommt es vor, dass sich eine Actionszene sogar aus der Location selbst ergibt."

Bei Bad Boys II wurde Bay von Miamis MacArthur Causeway, der mit der Julia Tuttle Bridge und dem Venetian Causeway die City of Miami mit der Halbinsel, die man als City of Miami Beach kennt, verbindet, inspiriert.

Die Produktion sorgte dafür, dass alle nach Osten führenden Spuren des MacArthur Causeway vom Biscayne Boulevard zur Fountain Street (Palm und Hibiscus Islands) vier Tage lang stillgelegt wurden. Die Produktion stellte bewegliche Informationsschilder auf, um alle Fahrzeuge (Passagierfahrzeuge ebenso wie kommerzielle Vehikel) sicher zur I-195 umzuleiten. Der Anwohnerverkehr wurde über den Venetian Causeway umgeleitet.

Für die Dauer der Stilllegung zahlte die Produktion den Brückenzoll für alle Fahrzeuge, die auf dem Causeway fuhren. Die Polizei der City of Miami und von Miami Beach sowie Metro Dade und die Florida Highway Patrol standen bei, um den Verkehrsfluss zu garantieren. Die Marine Patrol achtete auf den Wasserverkehr. Die Produktion arbeitete eng mit dem Verkehrsministerium von Florida zusammen, um die Unannehmlichkeiten auf ein Minimum zu reduzieren.

"Ich habe versucht, es beiden Städten so einfach wie möglich zu machen", berichtet Michael Bay. "Wann auch immer die Kameras nicht rollten, ließen wir den Verkehr fließen. Das Verkehrsministerium hatte einen kniffligen Verkehrsplan ausgetüftelt. Und mehr als 90 Polizeibeamte, sowie diverse Teams der Feuerwehr wurden engagiert, um uns beizustehen.

Wir haben alle erdenklichen Anstrengungen unternommen, um sicherzugehen, dass die Öffentlichkeit sicher war und so wenig negativ von unserer Arbeit belastet wurde wie nur möglich. Leider regnete es oft, während wir auf der Brücke arbeiteten. Das machte den Dreh sehr schwierig. Schlimmer noch: Der Verkehr hatte noch stärker darunter zu leiden."

"Das Schließen des Causeway war ein unglaubliches Beispiel für perfektes Teamwork", erzählt Jerry Bruckheimer. "Wir streben immer nach dem Optimum und hoffen, dass wir nahe rankommen, ohne die Realität der Situation aus den Augen zu verlieren - und niemals vergessen, wie viel wir tatsächlich unserer Location-Abteilung abverlangen, damit unser Film so gut wird, wie er werden kann. Als alle Behörden und Beteiligten an der Stilllegung des Causeways - der Staat Florida, Miami Beach, die Stadt Miami, das Verkehrsministerium und diverse andere Gruppen - ihre Einwilligung gaben, die Autobahn vier Tage lang immer wieder zu schließen, waren wir mehr als froh.

Wir wussten nicht nur, dass das von enormer Wichtigkeit für die Action sein würde, sondern auch, dass wir der Welt beide Städte von ihrer besten Seite zeigen können würden. Wenn das Publikum den Caustic Freeway sieht und ihn mit den Autos des Films überquert, dann gibt es keinen Zweifel daran, dass man sich im Süden von Florida befindet."

Beim Dreh der komplexen Autoverfolgungsjagd auf der Brücke war Stuntkoordinator Andy Gill, der einen klassischen Mustang durch das organisierte Durcheinander lenkte, gezwungen, den Wagen von der Straße und in eine Ampel zu fahren, um einen potenziell lebensgefährlichen Zusammenstoß mit dem Auto der Helden, einem rauchgrauen 575 Maranello Ferrari, zu vermeiden.

In verschiedenen Nachrichtensendungen und Zeitungen wurde von einem Stunt berichtet, der auf schreckliche Weise schief gelaufen war. Tatsache ist aber, dass Gill mit seiner wagemutigen Reaktion die Situation und den Ferrari rettete, indem er den Mustang aus der Gefahrenzone steuerte.

"Wir haben damit gerechnet, womöglich ein paar Kameras zu verlieren", gesteht Bay. "Aber wir haben nie damit gerechnet, dass ein Ferrari draufgehen könnte. Bei den hohen Geschwindigkeiten war die Gefahr relativ groß, aber Andy war es, der die Situation rettete."

Bay ist bekannt für seine unglaublich intensiven Actionszenen. Mit Bad Boys II wollte er alles übertreffen, was er im ersten Teil vorgelegt hatte. Das Konzept, Autos von einem Autotransporter herunterstürzen zu lassen, entstand, als Bay und sein langjähriger Storyboardzeichner Robbie Consign Ideen für eine Verfolgungsjagd sammelten, die so sein sollte, wie keine Verfolgungsjagd jemals zuvor.

"Wir nahmen einen Laster, den man Doolie nennt, und bauten dafür eine Dreifachplattform", erklärt Bay. "Der Laster wurde von drei Stangen im Stil einer Triangel eingeschlossen, die den Fahrer umgaben. Dann versteckten wir fünf Kameras in der vorderen Stoßstange. Während der Jagd lösen sich die Autos bei Tempo 100 von diesem gigantischen Transporter und regnen auf die Straße.

Das Ziel für die Stuntfahrer war es, diese Autos zu treffen. Während also die Autos vom Transporter auf die Straße segeln, rasen die Vehikel dahinter also in diese Autos oder können gerade noch ausweichen, während das Auto der Helden sich durch das Chaos hindurchmanövriert. Wir erzielten einige unglaubliche Aufnahmen, aber wir wussten, dass dabei einige Kameras auf der Strecke bleiben würden."

Gemeinsam mit den Stuntkoordinatoren Andy Gill und Steve Picerni zogen die Filmemacher einen Test nach dem anderen durch, um für die Sicherheit von Darstellern und Stab garantieren zu können. Die Ferraris, die von dem angesehenen Stuntman Henry Kingi gefahren wurden, wurden auf einer Flughafenlandebahn auf ihr Verhalten bei Beschleunigung und ihre Genauigkeit beim Steuern und Manövrieren getestet.

Auch der Autotransporter wurde diversen Versuchen ausgesetzt, damit man festlegen konnte, wie die Autos von dessen Plattform rutschen und wie lange sie sich auf der Straße drehen und überschlagen würden. Zudem wollte man herausfinden, wie sehr die Wucht, mit der Autos von den Plattformen geschleudert wurden, die Geschwindigkeit und Stabilität des Transporters beeinflussen würde - von den Stuntleuten und Technikern, die man mit Sicherheitsgeschirren an den Transporter geschnallt hatte, ganz zu schweigen.

Viel Planungszeit wurde darauf verwendet, die nötigen Entfernungen zwischen dem Transporter, dutzenden von Stuntfahrern in anderen Wägen und dem Kameratruck, auf dem eine sperrige Kameraplattform montiert war, auf der sich neben einer 30 Kilo schweren Panavision-Kamera auch noch der Regisseur und acht Kamera- und Tontechniker befanden, zu bestimmen. Techniker vom Department of Transportation des Staates Florida bestanden auch auf eine Reihe von Tests, mit denen sichergestellt werden sollte, dass die Brücke selbst beim Dreh nicht beschädigt werden konnte.

Picerni und Gill haben mit Bay und Bruckheimer schon an einer Reihe von Projekten gearbeitet. Sie wussten, dass es ihre Aufgabe war, einen Stunt durchzuführen, der förmlich ins Auge springen sollte. Um das gewünschte Ergebnis zu erzielen, wurden für den viertägigen Dreh 25 bis 30 weitere Stuntfahrer eingeflogen.

"Alle mußsten weit übers Ziel hinausschießen", sagt Gill. "Was immer auch im Skript steht, für Michael mußs man beim Dreh mindestens das Zehnfache bringen. Ein Stunt mußs auf den anderen folgen. Was den Job etwas einfacher macht, ist die Tatsache, dass Michael genau weiß, wie man Action dreht. Er kennt die richtigen Winkel. Die eigentliche Aufgabe ist es, ihm immer ein Stück voraus und perfekt vorbereitet zu sein, denn vieles von dem, was er später verlangt, spielt sich erst einmal bei ihm im Kopf ab. Bis die Kameras aufgestellt sind, kann man bestenfalls erraten, was genau auf einen zukommen wird."

Picerni sieht die Dinge genauso: "Michael denkt sehr visuell. Aber anders als andere Regisseure, kennt er sich auch mit Stunts aus. Er weiß, was eine Zündladung ist, er weiß, was Pirazell ist. Wenn man sich mit ihm über die technischen Feinheiten eines Stunts austauscht, dann weiß er, wovon man spricht, worin die Schwierigkeiten bestehen. Im Drehbuch umfasst die Causeway-Szene eine Seite. Der Dreh dauerte vier Tage. Aber wir erschufen die Illusion, die er sich vor dem inneren Auge ausgedacht hatte."

Vier Tage mag nach viel Zeit für den Dreh einer Seite Drehbuch klingen. Aber die Logistik war unglaublich und die Umsetzung mußste Schlag auf Schlag gehen. "Wir hatten etwa 60 Autos, die wir nach jeder einzelnen Klappe wieder auf ihre Ausgangsposition zurückbefördern mußsten", merkt Picerni an. "Dann mußste die Crew alle Trümmer, die bei der vorangegangenen Aufnahme auf der Brücke liegen geblieben waren, beseitigen, bevor man aufs Neue drehen konnte. Das nahm viel Zeit in Anspruch."

"Jede Aufnahme ist eine große Aufnahme", erzählt Gill. "Bei Michael steckt das Geheimnis in der Vorbereitung. 15 Autos standen bereit, die wir nach Belieben schrotten oder vom Transporter werfen konnten. 25 weitere Autos warteten mit Fünf-Punkt-Gurten, weil wir nicht wussten, wie oft Michael den Stunt wiederholen lassen wollte."

Um die Action hautnah einfangen zu können, kam ein kleines Gocart zum Einsatz, das, mit einer 35-mm-Kamera bestückt, auf bis zu 160 Stundenkilometer beschleunigt werden konnte, neben dem Transporter fuhr und für atemberaubende Aufnahmen aus einem ganz niedrigen Winkel sorgte. Aber um das Optimum an schneller, supernaher Intensität aus erster Hand zu erzielen, setzte Bay ein eigens dafür hergestelltes Vehikel ein, das von der Crew "Bay Rammer" getauft wurde.

Innen wurde der Wagen völlig skelettiert und Außen auf das absolut Notwendige reduziert. Die Karosserie wurde von der Stuntabteilung stabilisiert, indem das Innere zu einem regelrechten Käfig für den Fahrer umfunktioniert wurde (wie das bei gefährlichen Autostunts an der Tagesordnung ist) - und überdies wurde ein ähnlicher Schutz für die drei außen angebrachten Kameras montiert.

"Der Wagen sah aus, als hätten wir ihn aus Mad Max 2 (1983) importiert", lacht Picerni, der den Rammer steuerte. "Das war ein regelrechter Panzer, komplett von einem Käfig eingefasst. Wir versuchten, die Illusion zu erzielen, dass der Rammer tatsächlich der Ferrari ist. Wenn man ein Auto herumfliegen sieht, das mich entweder rammt oder über mich hinwegsegelt, dann sind das die Momente, die wir dem richtigen Ferrari ersparen wollten."

"Michael will richtig niedrige, wackelige, schnelle Winkel, bis zum Moment des Zusammenpralls", erklärt Gill. "Das Publikum soll jeden Zusammenstoß, jede Berührung von zwei Autos in der Magengrube spüren, als würde es mit Martin und Will in diesem Ferrari sitzen. Ich behaupte einfach mal, dass uns das mit dem Video-Rammer auch gelungen ist."

Eine weitere Extravaganz für das Stunt- und Spezialeffekt-Team war die Zerstörung eines kompletten, direkt am Strand gelegenen Anwesens in Del Ray Beach. Das niemals fertig gestellte Anwesen, das drei Geschäftsmänner von einem Coca-Cola-Erben erworben hatten, sollte ohnehin abgerissen werden, um dann in drei verschiedene Besitze aufgeteilt zu werden. Um die Kosten des Abrisses zu minimieren, hatte einer der Besitzer die Idee, eine Anzeige in dem Branchenmagazin The Hollywood Reporter zu schalten, indem er das Gebäude einer interessierten Produktion anbot. Als Bay die Anzeige las, wusste er, dass er die Villa für Tapia gefunden hatte.

"Ich arbeitete an einem Film in Hawaii, als ich einen Anruf von Michaels Assistentin Carolyn erhielt, die mir berichtete, dass sie mir Fotos eines Hauses schicken würde", erinnert sich Spezialeffektleiter John Frazier. "Ich dachte erst, Michael würde in Florida nach einem Haus für sich suchen. Also meldete ich mich bei Carolyn und erzählte, dass ich es für zu groß für Michael hielt. Aber Carolyn sagte: ´Oh, er will nicht darin leben, er will es in die Luft sprengen'."

Frazier, ein erfahrener Mann, was Effekte und Explosionen anbetrifft, gesteht, dass die Sprengung von Tapias Villa nicht unbedingt die größte Herausforderung in seinem Leben war, dafür aber die angenehmste.

"Was man als allererstes lernt, wenn man mit Michael Bay arbeitet: Das Wort ´klein´ existiert in seinem Wortschatz nicht", erläutert Frazier. "Und weil Martin und Will immer weitermachen und auf keinen Fall aufhören wollen, denken sie sich immer neue Situationen aus, die einen Arbeitstag interessanter gestalten. Bei diesem Trio mußs man nicht ein einziges Mal ins Drehbuch schauen. Man mußs einfach nur mit dem kompletten Spielzeug am Set erscheinen."

Wie das Stuntteam schwört auch Frazier auf absolute Sicherheit. Das 10.000-Quadratmeter-Anwesen ist aus solidem Beton gebaut. Bevor die Produktion anrückte, um mit den Vorbereitungen für die Szene zu beginnen, hatten die Besitzer bereits begonnen, all die teuren und unersetzlichen Details zu entfernen. Die reich verzierten Simse und Zierleisten aus Holz sowie die getönten, mit Doppelglas versehenen Fenster, die vom Boden bis zur Decke reichten, und weitere Inneneinrichtungsgegenstände waren bereits abmontiert und verkauft worden.

Monatelange Planungen der Produktion gemeinsam mit Stadt und Staat, Naturgruppen und der ansässigen Filmkommission garantierten eine sichere Abwicklung der Sequenz und die absolute Sicherheit für jede Person und jedes Tier in dieser Gegend.

"Wir fingen schon früh mit den Vorbereitungen für das Anbringen der Sprengsätze an", sagt Frazier. "Man mußs viel schneiden, sägen und bohren. Wir wechselten die jeweils etwa 15 Kilo schweren Terracotta-Ziegel aus und ersetzten sie mit Attrappen aus Karton, die deutlich leichter waren. Dann brachten wir hunderte von Sprengsätzen im gesamten Inneren des Hauses an.

Das Dynamit kommt erst unmittelbar vor dem Dreh dazu, weil immer viel zu viele Leute anwesend sind und vorbeilaufen, weil sie glauben, alles sei sicher, da man die Sprengsätze nicht sehen kann. Unser Vorteil war, dass sich das Haus am Strand befand, also konnten wir die Explosion in Richtung Ozean ausrichten."

Während der spektakulären Zerstörung von Tapias Anwesen liefen parallel zehn Kameras, um den Zusammensturz des Hauses aus jedem erdenklichen Winkel zu filmen.

Eine der unbequemsten Locations während des Drehs von Bad Boys II war der Oleta State Park, wo die Produktion an zehn Tagen die Anfangsszenen filmte, in denen Mike und Marcus in eine Versammlung des Ku Klux Klan platzen. Selbst in der Nacht hatte man mit Temperaturen um die 35 Grad zu kämpfen. Die Luftfeuchtigkeit war entsprechend hoch. Die Action spielte sich in einem Sumpfgelände ab, womit sich die ansässigen Insekten auf ein Festmahl freuen durften. Zahlreiche Kameras wurden in Booten und auf schwimmenden Docks aufgestellt, um die Szene in ihrer vollen Pracht festhalten zu können.

Der fünfmonatige Dreh kulminierte schließlich in dem Umzug der Produktion von Miami nach San Juan in Puerto Rico, wo eine der gefährlichsten Sequenzen gedreht werden sollte. Bei diesem Stunt mußste ein Team von Fahrern einige Wägen durch die engen, verschlungenen Straßen einer Barackensiedlung manövrieren, die die künstlerische Abteilung in das unkultivierte, felsige Terrain eines steilen Hügels gebaut hatte.

Die Stuntfahrer eines Hummers und eines anderen Lastwagens verließen sich auf Spotter, die NASCAR-Headsets trugen und ihnen Anweisungen für das Lenken durch die unübersichtlichen Wege gaben. Die Sequenz wurde dadurch noch weiter verkompliziert, dass das Wetter so unfreundlich war, dass man die Produktion sogar länger als einen vollen Tag stilllegen mußste.

"Die Fahrer waren praktisch blind, wenn sie erst einmal mit der Fahrt durch die Baracken begonnen hatten", sagt Michael Bay. "Weil sie nichts sehen konnten, mußsten sie sich auf den Mann verlassen, der ihnen die Anweisungen gab. Da gab es einen Moment, als die Fahrer bei dem durcheinander verwechselt wurden, also erhielten sie die falschen Koordinaten. Als wir uns das Ergebnis auf Band ansahen, sah alles großartig aus. Diese Szene haben wir tatsächlich an eineinhalb Tagen unter Dach und Fach gebracht. Das war ein Filmwunder."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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