Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen

Die Sieben

Es gibt die mathematischen Zahlen und die Urzahlen. Die mathematischen Zahlen haben keine Bedeutung. Die Urzahlen sehr wohl. Weil sie schon vor der Zeit existierten.

Stell dir die "Zeit" vor der Zeit vor: Das unendlich kleine Ur-Weltall war wie ein Samenkorn im Vakuum. Voller potenzieller Energie. Und mit all den Informationen versehen, die das spätere Universum zu seiner Entfaltung benötigte. Diese Informationen waren nach Urzahlen geordnet. Oder: Informationen und Zahlen waren identisch.

Die potenzielle Energie des Ur-Samenkorns wuchs im Vakuum die Zahlen hinauf bis zur Sieben, dann "knallte" es. - Warum bis zur Sieben? Weil sie diejenige Urzahl ist, die ins Wirkliche drängt, die sich verwirklichen will.

Wie die virtuellen Zahlen sich im Vakuum von einer zur nächsten hochhangeln, so tun das nach dem Urknall die realen Zahlen: Da die Eins Einheit ist, also Gott, und nicht Vielheit, fängt das Universum mit der Zwei an. Jetzt beginnt die Entwicklung.

Von nun an entsteht ein neues Universum, das zur realen Sieben strebt. Denn die Sieben ist das Ziel, die Summe aus der Drei und der Vier. Die Drei aber ist in das spätere Universum eingeschrieben als das in die Welt gekommene Göttliche, die Trinität. Während die Vier die Ordnung der Dinge beschreibt. Sie ist die Ordnung der Materie, der - vier - Elemente.

Als einem frühen babylonischen Herrscher in einem Traum die tiefe universelle Bedeutung der Sieben gezeigt wurde, bestimmte er daraufhin, die Woche habe sieben Tage zu haben und nicht zehn oder zwölf.

Auch den Juden hatte Gott gezeigt, dass die Sieben die Welt ordnet: in der Schöpfung, die sieben Ur-Tage dauerte; am sichtbaren Himmel, an dem der Mond sieben Tage für eine Phase benötigt; und in des Pharaos Traum von den sieben fetten und den sieben mageren Kühen, den Joseph deutete. Doch erst im babylonischen Exil wurde den Hebräern klar, dass der Schabbat, der Tag, an dem Gott ruhte, wirklich dem Universum (und nicht nur ihnen) Ordnung gab.

Sie begriffen aber auch, wie wenig göttlich die geheiligte Sieben war. Denn jede Zahl, in der die irdischen Dinge enthalten sind, die also dem Werden zugehört, ist gut und schlecht zugleich. Ins Universum sind eingeschrieben die siebenfältige Gnade genauso wie die sieben Todsünden, die sieben Teufel ebenso wie die sieben Tugenden, von denen der siebenarmige Leuchter erzählt.

Die Hebräer lernten, dass selbst der Mensch sich nach der Sieben entwickelte. Zum Ende des ersten Jahrsiebts kamen die zweiten Zähne, mit vierzehn die Geschlechtsreife, im dritten Jahrsiebt spross beim Mann der Bart, im vierten war die Blüte des Lebens und so weiter. So heißt es in den Psalmen: "Des Menschen Leben währet siebzig Jahre".

Es wird gesagt, dass die sieben Wissenschaften des späten Hellas, die Artes liberales, von Gott gegeben waren. An ihnen, den Ur-Wissenschaften, kann man ebenfalls die tiefere Bedeutung der Sieben begreifen. Die drei Fächer des göttlichen Logos, Grammatik, Dialektik und Rhetorik, standen den vier Fächern der Realität: Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie, gegenüber und ergänzten sie zugleich.

Die Sieben ist folglich in den Kosmos eingeschrieben als Zahl der Universalität, als Zahl des Alles. Wenn der Mensch seine Siebensachen packt, dann nimmt er demnach seine gesamte Habe mit. Denn er geht fort von diesem Ort. Doch er kann niemals den Gang der Dinge verlassen, den Weg der Sieben.

Dr. Volker Berbüsse

Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: 20th Century Fox © 1994 - 2010 Dirk Jasper