Brown Sugar

Produktionsnotizen

Die Vorbereitungen "Für mich fehlten in all den großartigen Love-Storys einfach die Schwarzen. Ich wollte eine wirklich romantische Geschichte erzählen, die einem zum Ende des Films richtig nahe geht", erzählt Drehbuchautor Mike Elliot über seine Motivation Brown Sugar zu schreiben.

Elliots Buch erzählt die Geschichte von zwei langjährigen Freunden, die erst als Erwachsene ihre Liebe zueinander erkennen. Nachdem das Grundgerüst der Romanze stand, schuf Elliot für Sidney und Dre ein Umfeld, in dem er sich bestens auskannte: die Welt des Hip-Hop. "Mir war es wichtig, eine Liebesgeschichte innerhalb meines Lieblings-Umfelds zu kreieren. Das war mir von Anfang an klar", verdeutlicht Elliot.

Produzent Peter Heller erkannte schnell das Potenzial dieser Handlung. "Wegen der festgefahrenen Strukturen des Genres fällt es mittlerweile wirklich schwer, eine Romantikkomödie zu finden, die noch zu überraschen vermag. Dieser Film aber macht die Zuschauer glauben, dass etwas passieren wird, plötzlich aber finden alle möglichen anderen Ereignisse statt."

Darüber hinaus war Heller von der offensichtlichen Sympathie und dem Verständnis, das Drehbuchautor Elliot für seine Figuren entwickelt hatte, begeistert. "Die Nebenfiguren in Liebeskomödien sind meist dürftig entwickelt. Deshalb weiß man, warum die beiden Hauptfiguren am Schluss zueinander finden", erklärt Heller. "Diesmal aber wirkte alles anders. Jeder der Charaktere ist witzig und vielschichtig, einzigartig und realitätsnah."

Als Fox Searchlight Pictures das Projekt angenommen hatte, begann die Suche nach einem Regisseur, der die beiden ungewöhnlichen Komponenten des Skripts angemessen umsetzen würde. Schnell kristallisierte sich Rick Famuyiwa als idealer Mann für diese Aufgabe heraus.

"Für ihn erschien die Story als Metapher für all diejenigen Menschen, die mit Hip-Hop aufwachsen und die Musik lieben. Er arbeitete die Besonderheiten, das Unverbrauchte, Einzigartige dieser Musik heraus", bemerkt Heller.

Mit The Wood (1999) hatte Famuyiwa sein Spielfilm-Regiedebüt gegeben. Der Film, ein einfühlsames Porträt einer Männerfreundschaft, ließ schon damals seine besondere Begabung erkennen, Musik nahtlos in die Handlung einzubinden. Neben seinen Fähigkeiten als Regisseur hat sich Famuyiwa bereits als anerkannter Drehbuchautor einen Namen gemacht. Nach dem ersten Lesen des Skripts entwickelte er sogleich eigene Ideen, die er in die Handlung einbinden wollte.

Elliot freute sich über die Zusammenarbeit mit dem viel beachteten Regisseur. "Mit jemandem wie Rick Famuyiwa zu arbeiten ist ein Segen. Seine Ideen passten perfekt in meine Vorstellungen, sie transportierten das Skript und den Film auf ein ganz anderes Level."

Famuyiwa bezeichnet Brown Sugar als Traumprojekt, denn es kombiniert einige seiner Lieblings-themen wie Liebe, Romantik, die Hip-Hop-Kultur und beschäftigt sich mit dem zwischenmenschlichen Miteinander.

"Ich liebe es, Geschichten von Menschen zu erzählen, von Freundschaften und Beziehungen und dem Sich-Verlieben. Deshalb wollte ich unbedingt auf diesem Grundgerüst aufbauen, nachdem ich das Drehbuch gelesen hatte. Mir standen sechs Figuren zur Verfügung, von denen ich überzeugt war, sie zu besonderen, faszinierenden Persönlichkeiten ausbauen zu können."

Wie Elliot hörte Rick Famuyiwa in seiner Jugend Hip-Hop. Er erinnert sich gut an die Zeit, als er seine Leidenschaft für diese sich ständig ändernde Musikrichtung entdeckte. "In Los Angeles gab es einen Sender namens K-DAY, der nur Hip-Hop spielte. Es existierte zudem ein Kanal, den man anschalten konnte, wann man wollte; immer gab es Eric B. und Rakim, LL Cool J und Run DMC zu hören. Zu der Zeit hörte ich außerdem all die Sachen aus New York und den Sound, der sich in L.A. mit N.W.A. und Eazy E entwickelte und verliebte mich richtig in diese Musik", schwärmt Famuyiwa.

"Allein die Idee einer Liebeskomödie im Hip-Hop-Umfeld reizte mich. Ich fühlte sofort eine gewisse Verbundenheit. Ich fand es interessant, einen Film zu drehen, in dem die Liebe zur Musik und die Liebe miteinander in Verbindung stehen. Mit dieser Idee wollte ich spielen."

Ihm gefiel die Möglichkeit, verschiedene nebeneinander existierende Elemente des Hip-Hop zu zeigen. "Wenn man an eine Liebeskomödie denkt, kommt einem Hip-Hop nicht sofort in den Sinn. Schließlich schwingt gerade bei den populären Stücken viel Negativität und Gewalt mit. Doch ich empfand die Musik immer auch als romantisch. Hip-Hop wirkte immer glaubwürdig, ob es nun um Gewalt, Liebe oder Freundschaft ging - die Musik hat viele Gesichter ... Ich wollte eine andere Seite meiner Lieblingsmusik zeigen", verdeutlicht Famuyiwa.

Die Besetzung Nach der Fertigstellung des Drehbuchs machten sich die Filmemacher auf die Suche nach den passenden Schauspielern für die diversen Charaktere. Schon bei der Entwicklung der Rollen von Dre und Sidney wusste Famuyiwa, dass er am liebsten Taye Diggs und Sanaa Lathan besetzen würde. "Ich hatte schon zuvor mit ihnen The Wood gedreht und die Chemie zwischen den beiden gespürt. Ich wusste, sie würden ausgezeichnet miteinander arbeiten."

Famuyiwa ist sich sicher, dass viele im Publikum von den neuen Fassetten und Diggs außergewöhnlichem Talent überrascht sein werden. "Die meisten kennen sein komisches Talent gar nicht. Obwohl Taye viele ernste Rollen gespielt hat, besitzt er auch Wärme und Humor, was er zuvor nicht wirklich auslebte."

Diggs arbeitete gerade an einem anderen Projekt, als er von Brown Sugar hörte. "Ricks Projekte interessieren mich immer, denn er geht mit Feingefühl und Verstand an Geschichten heran und berührt damit die Menschen. Deshalb war ich neugierig", erinnert sich Diggs.

Diggs ursprüngliches Interesse wuchs, als er von den Veränderungen erfuhr, die Dre im Laufe der Handlung durchläuft. "Er beginnt als aalglattes Rädchen im Musikbusiness. Doch dann wird ihm klar, dass er das, was ihn ursprünglich an der Musik interessierte, verloren hat. Gleichzeitig passieren in seiner Ehe einige Dinge, die ihn dazu bewegen, ein besserer, bodenständigerer Mensch zu werden. Diese Dynamik gibt einem Schauspieler die wunderbare Möglichkeit, verschiedene Fassetten seiner Rolle herauszuarbeiten", erklärt Diggs.

Auch das Hauptthema des Films reizte Diggs. "Vordergründig ist es eine Liebesgeschichte mit komischen Elementen. Doch dahinter geht es um alte Freunde und ihre Beziehungen. Je mehr Zeit vergeht, desto wichtiger werden viele dieser Dinge für mich. Deshalb wollte ich mich unbedingt an dem Projekt beteiligen. Anschließend erfuhr ich, dass Gespräche mit Sanaa Lathan stattfinden. Mit ihr zu drehen ist immer ein Riesenspaß, zudem ist sie eine der besten Schauspielerinnen, die ich kenne."

Sanaa Lathan spielt die Rolle der Sidney Shaw, einer Journalistin, die erst kürzlich von Los Angeles nach New York kam, um für die Hip-Hop-Zeitschrift XXL zu arbeiten. Famuyiwa über Lathan: "Sidneys Rolle hätte unterschiedlich ausfallen können. Doch Sanaa Lathan spielte die Figur mit solch einer Stärke und Verletzlichkeit und brachte so viel Anmut und Ehrlichkeit mit ... Es erstaunte und motivierte mich jeden Tag aufs Neue, wie Sanaa ihrer Sidney durch ihr nuanciertes Spiel Leben einhauchte."

Lathan verlässt sich bei der Rollenauswahl stets auf ihre Intuition. Sie bezeichnet den Prozess als "Bauchgefühl - es kommt darauf an, wie ich mich fühle, wenn der letzte Satz gelesen ist." Die Schauspielerin bezeichnet ihre Rolle als "ganz normale Frau, die Musik liebt und ihren Job gut macht. Als Workaholic hat sie Beziehungen schon lange aufgegeben. Zudem trifft sie nie die richtigen Typen. Zu Beginn der Handlung konzentriert sich Sidney voll auf ihre Arbeit."

Mit Diggs hatte Sanaa Lathan bereits in Hochzeit mit Hindernissen - The Best Man (1999, Regie: Malcolm D. Lee) zusammengearbeitet. "Man kann eine Freundschaft nur bis zu einem gewissen Grad spielen. Doch seit Taye und ich zum ersten Mal zusammengearbeitet hatten, sind wir die besten Freunde und fühlen uns miteinander wohl. Wir können Blödsinn machen und uns locker geben."

Ihre Filmfreundschaft begleitet die Entwicklung von Hip-Hop-Musik und -Kultur. Schon als kleine Kinder trafen sie sich bei einem Rap-Freestyle-Kontest und wurden Freunde. Ebenso wie Sidney und Dre entwickelt sich auch die Musik. Vorlieben ändern sich, Trends veralten, doch die Menschen und die Musik wachsen und entwickeln sich. Sidney liebt den Hip-Hop, doch diese Liebe verhindert, dass sie ihre tiefen Gefühle zu Dre erkennt.

Neben der Freundschaft zwischen Mann und Frau erforschte Lathan zudem die Beziehung, die sich zwischen Sidney und Dres Frau Reese, gespielt von Nicole Ari Parker, entwickelt. Parker beschreibt Reese als "ziemlich direkt. Sie liebt ihren Mann, ihren Job und das Leben. Es kommt ihr nicht einmal in den Sinn, irgendetwas nicht zu schaffen. Die Art, wie sie einen Raum betritt oder eine Party in Gang bringt, macht sie zu einem richtigen Tausendsassa und einer Kämpfernatur. Sie wirkt durch ihre energische und fordernde Art gleichzeitig unschuldig."

Nach und nach aber stört die ambitionierte und engagierte Anwältin die Zeit, die Sidney und Dre miteinander verbringen. "Reese kann nicht damit umgehen, dass Dre Sidney bestimmte Dinge zuerst erzählt", erklärt Lathan, "oder sie mitten in der Nacht anruft. Dre und Sidney besitzen etwas, dass in ihrer Ehe fehlt. Deshalb kommt es zu Streit ..."

"Reese", verdeutlicht Heller, "spielt eine wichtige Rolle in diesem Film. Schließlich will man erst zum Schluss erfahren, wer im Endeffekt mit wem zusammenkommt. Reese ist im Drehbuch als richtig starke Persönlichkeit beschrieben, deshalb brauchten wir jemanden, bei dem Dre der Atem wegbleibt. Wir hatten Glück. Nicole ist so schön und gleichzeitig solch eine tolle Schauspielerin. Sie wirkt in diesem Film sexy und ganz wunderbar."

Obwohl Boris Kodjoe bereits für seine Rolle neben Nicole Ari Parker in der beliebten Fernsehshow Soul Food bekannt wurde, waren es ganz andere Dinge, die ihn für die Rolle als Sidneys Schwarm Kelby prädestinierten. "Wir interessierten uns für Nicole und Boris unabhängig voneinander, doch es machte Spaß, ihre Dynamik in Soul Food zu beobachten. Leider haben sie nur einen kleine Szene im Film zusammen", bedauert Heller.

Kelby spielt in Brown Sugar eine ähnliche Rolle wie Reese. Als Sidneys Schwarm steht er zwischen ihr und Dre. Deshalb mußste jemand gefunden werden, der als Dres ebenbürtiger Rivale glaubhaft wirkt - jemand, nach dem sich Sidney auf der Straße umdrehen würde. "Boris Kodjoe erfüllt all diese Voraussetzungen. Zudem hat er Grips und wirkt deshalb auch auf eine Frau wie Sidney attraktiv. Boris schafft das mit einem Fingerschnippen", verdeutlicht Heller.

Die Hip-Hop-Legende Queen Latifah spielt Sidneys beste Freundin Francine. Doch den Filmemachern lag daran, Francine anders anzulegen, als die stereotypischen "besten Freundinnen". "Sie wollten keine ?laute, übertriebene, unrealistische' Francine", erklärt Famuyiwa. "Ich weiß, dass Latifah eine gewisse Subtilität besitzt, die sie für Francine prädestiniert. Sie darf auch mal aufdrehen, doch es wirkt nie wie eine Sitcom."

Latifah beschreibt ihre Rolle als "Party-Girl", verweist aber auch auf ihre Funktion als Mahnerin für Sidney, mehr auf ihre Gefühle zu achten und das Leben zu genießen. "Francine merkt es, wenn Sidney ihre Gefühle zu verstecken versucht. Ständig mußs sie Sidney von Tatsachen überzeugen, die diese eigentlich bereits weiß."

Als talentierter, aber abgebrühter Rapper Chris überzeugt Mos Def, der mehr als seine authentischen Hip-Hop-Verdienste mit ans Set brachte. "Er ist ein Naturtalent", schwärmt Famuyiwa. "Er fügte seiner Rolle einige völlig unerwartete Nuancen hinzu. Mos Def ist einfach ein Genie. Er beherrscht acht Instrumente, spielt und singt - ihm gelingt einfach alles." Als Schauspieler beschreibt ihn Famuyiwa folgendermaßen: "Völlig automatisch versteht er die Arbeit und weiß, was zu tun ist. In jeder seiner Szenen liegt die Aufmerksamkeit auf ihm, weil er so präsent wirkt."

Auch Mos Def nahm das Rollenangebot freudig an. "Mir gefiel die Aussicht, mit Rick Famuyiwa, Sanaa Lathan und Taye Diggs zu arbeiten. Darüber hinaus interessierte es mich auch, in einer Liebeskomödie mitzuspielen." Wenn er auch anfangs einige Bedenken hatte. "Natürlich ist es schwierig, einen Rapper zu spielen, auch wenn man das nicht erwartet. Dennoch wollte ich keine Figur verkörpern, die mir ähnelt. Mich interessierte eine Rolle, die sich von mir unterscheidet", erklärt er.

Die Ähnlichkeit zwischen Mos Def und seiner Figur lassen sich jedoch nicht von der Hand weisen. "Beide rappen und besitzen eine genaue Vorstellung davon, mit wem sie zusammenarbeiten und wie ihre Musik vermarktet werden soll." Dennoch bemüht sich Mos Def, die Unterschiede herauszustellen. "Chris besitzt zwar Talent, aber wenig Ehrgeiz. Er geht lieber den einfachen Weg. Chris hat wenig Lust auf eine Karriere. Er ist einfach ein herausragender, aber abgebrühter und von der Musikindustrie abgeschreckter Künstler. Solch eine Figur zu spielen macht Spaß."

Chris symbolisiert den uralten Konflikt zwischen Kreativität und Kommerz. Als er Dres Plattenvertrag ablehnt, zwingt er Dre, zu einer unverfälschten Art Musik zurückzukehren. Doch anders als seine Rolle sieht sich Mos Def nicht als Traditionalist. "Ich finde es schon wichtig, von der Geschichte zu lernen und die überlieferten Traditionen zu neuen Musikrichtungen weiterzuentwickeln. Einer der Nachteile derzeitiger Popkultur liegt im völligen Fehlen eines Bezugs zu irgendetwas Vorhergegangenem."

Heller lobt Famuyiwa für seine Fähigkeit, auf dem Set eine entspannte Atmosphäre zu schaffen. Er erklärt: "Ricks Selbstbewusstsein und seine Visionen brachte die Schauspieler dazu, sich zu öffnen. Sie konnten sich entspannen und voneinander profitieren." Kodjoe stimmt zu: "Er ermächtigte uns, kreativ zu arbeiten und uns auszudrücken. Famuyiwa erlaubt es einem, sich innerhalb seiner künstlerischen Vorstellungen völlig zu entfalten. Diese Fähigkeit halte ich bei einem Regisseur für sehr wichtig."

Die Dreharbeiten Brown Sugar ist eine der ersten Produktionen, die nach den tragischen Ereignissen des 11. September 2001 in New York gefilmt wurden. "Es hat gut getan, einen Film zu drehen, der die Stadt in einer derartigen Weise feiert wie dieser", gesteht Famuyiwa.

Im Laufe der Vorproduktion durchstreiften die Filmemacher die Stadt auf der Suche nach den perfekten Drehorten, die die Geburt des Hip-Hop und dessen anhaltende Entwicklung unterstreichen. "Es gibt eine gewisse Stimmung in der Stadt - irgendein hochtouriges, kosmopolitisches, städtisches Flair, das es nur in New York gibt und nirgendwo anders. Diese Energie wollten wir einfangen", erzählt Heller.

Die Dreharbeiten in New York erwiesen sich als Glückstreffer für Famuyiwa. "Ich wollte der Stadt einen riesigen Liebesbrief schreiben. Mir war es wichtig, meinen ganz persönlichen Blick auf New York zu schildern und was die Stadt mir bedeutet." Weil er aus Los Angeles stammt, war sich Famuyiwa sicher, einen neuen Aspekt zu finden. "Ich denke, ich habe einen anderen Blick und eine andere Perspektive auf die Stadt als jemand, der hier geboren und aufgewachsen ist."

Als sich zwei Tage nach der Tragödie des 11. September das in Queens angesiedelte Produktionsbüro für den Großteil der in Manhattan ansässigen Crew als unerreichbar erwies, trafen sich Heller, Hofmann und Famuyiwa mit den Abteilungsleitern zur Lagebesprechung.

"Wir redeten lange. Jedem stand es offen zu sagen, er wolle mit dem Projekt nicht weitermachen, er hätte Angst, wäre zu erschüttert oder empfände es nicht als die richtige Zeit für eine Komödie", erinnert sich Heller. Doch niemand hatte das Bedürfnis. "Jeder bis auf den letzten Mann bestand darauf, weiterzumachen", erzählt Famuyiwa. "Dank des unbändigen Lebenswillens dieser Stadt konnten wir drehen."

Laut Famuyiwa spielte Earvin "Magic" Johnson eine große Rolle darin, die letzte Entscheidung zu fällen. "Er kam und hob die Moral. Seine Besuche halfen enorm. Wir empfanden unsere Aufgabe schon zuvor als wichtig und speziell, doch ihn und seine Anwesenheit brauchten wir zu der Zeit am dringendsten."

Doch bis die Entscheidung getroffen war, hatten alle eine schwere Zeit. "Damals existierten viele Einschränkungen, die den Dreh unmöglich gemacht hätten. Dennoch mußsten wir einfach davon ausgehen, dass die Beschränkungen mit der Zeit gelockert würden", erinnert sich Heller. Ihr Optimismus wurde belohnt. Dreh- und Zugangsgenehmigungen erfolgten nach Wunsch. "Letztlich durften wir alle gewünschten Locations nutzen, selbst einen Drehort in Tribeca, für den wir eine spezielle Genehmigung des Bürgermeisterbüros brauchten."

Die Dreharbeiten fanden in Manhattan, Brooklyn, Queens und der Bronx statt. "Wir benutzten die spezielle Atmosphäre der New Yorker Hip-Hop-Gemeinde als Hintergrund einer beginnenden Liebesgeschichte", verdeutlicht Famuyiwa. "Darüber hinaus drehten wir in Fort Green Park sowie Teilen von Williamsburg und Brooklyn und konnten so das Bild von New York vermitteln, das wir wollten."

"Für jeden, der täglich zur Arbeit kommen und etwas tun konnte, wirkten die Dreharbeiten wie Medizin", erinnert sich Lathan an die Tage nach dem 11. September. "Hin und wieder drehten wir im Central Park und die Leute blieben stehen, um uns dafür zu danken, dass wir in der Stadt blieben und einen Film produzierten."

Kodjoe erinnert sich an die familiäre Atmosphäre, die sich zwischen den Teammitgliedern entwickelte. "Für eine stimmige Chemie müssen sich die Schauspieler auf dem Set wie im Privaten verstehen. Das hat sofort geklappt ... Wir waren wie eine große Familie und haben uns über das Leben abseits der Filmarbeit unterhalten. Wir kümmerten uns umeinander und das sieht man auf der Leinwand."

Schon während der Vorbereitung entwickelte sich zwischen Famuyiwa und Kameramann Enrique Chediak eine "unglaubliche Zusammenarbeit". "Rick bestand auf einer Vorgehensweise, wie sie in Komödien sonst nur selten praktiziert wird: Bei Drehbeginn stand bereits vorab eine Aufnahmeliste fest, weshalb später kaum diskutiert wurde. Alles lief reibungslos", schwärmt Chediak.

Produktionsdesignerin Kalina Ivanov machte es sich zum Ziel, die Lebenslust des Hip-Hop auch im Design des Films auszudrücken. "Hip-Hop stammt als Kunstrichtung ursprünglich rein aus New York und entwickelte sich von dort aus. Er startete als verbotene Rebellion und wuchs sich anschließend zum internationalen Phänomen aus. Rick und ich versuchten dies auch in den Farben und Locations auszudrücken."

Die Ereignisse des 11. September trugen mit zu dieser Herangehensweise bei. "Der Film entwickelte sich zu einer Liebeserklärung an New York und den Hip-Hop. Ich versuchte, Wärme und Liebe beizusteuern", erklärt Ivanov.

Famuyiwa und Heller bestanden auf der Einbindung echter Kultobjekte in den Film. "Jede Referenz in der Handlung existiert auch in Wirklichkeit. Sidney etwa arbeitet nicht bei einer erfundenen Zeitschrift sondern bei XXL, einem waschechten Hip-Hop-Magazin", erzählt Heller.

Ivanov lenkt die Aufmerksamkeit zudem auf den Dreh in der Webster Hall - Austragungsort vieler öffentlicher Hip-Hop-Duelle - für die Szene, in der Dre erstmals Chris performen sieht, oder etwa die Szenen im Radiosender Hot 97. Jogginganzüge, Adidas-Turnschuhe Modell "Gazelle", Kangol-Kappen und Goldketten gehören zu den Erkennungszeichen der Kultur, ebenso wie Breakdance und das umstehende Publikum, die das Werk erst zu einer wahrhaftigen Ode an Hip-Hop machen.

Kostümdesigner Darryle Johnson wusste, wie wichtig das richtige Outfit ist. "Hip-Hop besteht aus Uniformen. Viele Rapper legen Wert darauf, ihren Erfolg auch nach außen zu präsentieren. Sie sind Trendsetter." Johnson war sich bewusst, dass die Outfits auch in Hip-Hop-Kreisen authentisch wirken mußste. In einer Kultur, die derart viel Wert auf das Erscheinungsbild und deutlich erkennbare Persönlichkeiten legt, mußste man den Erfolg auch sehen können. "Der Zuschauer sollte glauben, jede der Figuren könnte sein Nachbar sein."

Für die Kleidung von Sidney ließ sich Johnson von Sylvia Rhone, einer Veteranin im Musikbusiness, inspirieren. "Ich fragte mich, wie Sylvia Rhone wohl in jungen Jahren aussah", erinnert sich Johnson. Insbesondere versuchte er, Sidneys Verwandlung von einem Kumpel zu einer attraktiven Frau, die weiß, was sie will, zu unterstreichen.

Dre hingegen durchläuft auch in seiner Kleidung eine völlig andere Wandlung. In der Führungsebene der Musikindustrie angekommen, entdeckt Dre deren Reglementierung und die Einschränkungen in Kreativität und Risikolust. Diese Phase verdeutlicht Johnson, indem er Dre in Thierry-Mugler-Anzüge mit schlanken Silhouetten kleidete. Nachdem er Millenium Records verlassen hat und seine eigenen Wege beschreitet, trägt Dre hingegen weitere, legerere Kleidungsstücke.

Die Musik Hip-Hop-Ikonen wie Doug E. Fresh, Slick Rick, Dana Dane, Big Daddy Kane, Kool G. Rap, De La Soul, Talib Kweli, Common (sense), ?uestlove, Black Thought, Jermaine Dupri und Pete Rock treten in der Eröffnungssequenz des Films in Erscheinung. Sie verdeutlichen durch ihre Antworten auf die Frage "Wann haben Sie Ihre Leidenschaft für Hip-Hop entdeckt?" ihre tief gehende und echte Liebe zu dieser Musik.

"Ich fand es interessant", erklärt Famuyiwa, "echten Rappern diese Frage zu stellen, schließlich stehen sie als Metapher für den ganzen Film. Ich bestand zudem darauf, die Hip-Hop-Kultur nicht nur als Hintergrund zu benutzen, sondern richtige Legenden des Genres einzubinden. Die Arbeit mit Doug E. Fresh, Slick Rick und Mos Def erwies sich als echter Segen", schwärmt Famuyiwa. "Selbst Russell Simmons absolviert einen Cameo!"

Komponist Robert Hurst genoss die Aufgabe, eine Musik zu kreieren, die die diversen musikalischen und emotionalen Schichten des Films akzentuiert und vereint. Er ließ sich zudem von der Leinwand-Action inspirieren. "Die Schauspieler übertrugen ihre Stimmung und ihre Gefühle hervorragend auf den Film", erinnert er sich. "Ich schaute ihnen dabei einfach zu und belauschte Rick dabei, wie er die Handlungsfäden verknüpfte. Musik liegt überall verborgen und ein Musiker weiß, was er wie verwenden mußs."

Hurst glaubt an die Verbindung des Scores mit den Originalstücken, um die Vision des Regisseurs für jede Szene und jeden Dialog angemessen zu unterstützen. Einen Vorteil hat diese Vorgehensweise auf jeden Fall: Man kann "vertraute Originalstücke, eigens komponierte Popsongs und zahlreiche unterlegte Melodien während des Films genießen."

Famuyiwa beteiligte sich intensiv an der Herstellung der Musikelemente seines Films. Er erklärt: "Hip-Hop fungiert in der Handlung wie eine eigenständige Figur, deshalb arbeitete ich auch bei der Musikauswahl wie ein Regisseur. Wenn man bedenkt, wie viel die Musik zu einzelnen Szenen und zu den gesamten Dreharbeiten beigetragen hat, erkennt man die Wichtigkeit einer sorgfältigen Auswahl."

Wie es zu einem Film, der Hip-Hop als eigenständige Figur behandelt, passt, ist die Musik auch in Brown Sugar omnipräsent. Die musikalische Leitung übernahmen Barry Cole und Christopher Covert.

Sie kombinierten Old-School-Stücke mit aktuellen Hip-Hop-Tracks sowie Jazz-Elementen und herkömmlichen Instrumentals, um einen reichhaltigen und vielschichtigen Sound zu erreichen. "Innerhalb der Handlung existieren zwei völlig verschiedene musikalische Welten", erklärt Cole. "Zum einen gibt es die Musik, mit der die Figuren direkt konfrontiert sind, zum anderen begleitet die Musik den emotionalen Werdegang der Protagonisten."

Der Soundtrack, der neben eigens für den Film geschriebenen Stücken auch Klassiker und bisher unver-öffentlichte Songs enthält, erscheint am 24. September bei MJM/MCA UMG Soundtracks. Dem Titeltrack Brown Sugar (Extra Sweet) von Mos Def und Faith Evans folgt Love Of My Life (An Ode To Hip-Hop) von Erykah Badu featuring Common. Des Weiteren sind Angie Stone mit Bring Your Heart enthalten sowie Black Star mit Brown Sugar (Raw).

Die weiteren Tracks sind Jill Scotts Easy Conversation, Blackalicious' It's Going Down, Mos Defs Breakdown, Hi-Teks No One Knows Her Name, Eric B. and Rakims Paid in Full (Seven Minutes Of Madness), Rahsaan Pattersons You Make Life So Good, Mary J. Bliges Never Been und Cassandra Wilsons Version von Time After Time. Darüber hinaus werden Brown Sugar (Extra Sweet) von Mos Def und Faith Evans sowie Erykah Badus Song Love Of My Life (An Ode To Hip-Hop) mit Common als Singles mit begleitendem Video veröffentlicht.

"Die Musik ist ein Liebesbrief an den Hip-Hop, wie er von den Darstellern definiert wird. Sie soll nicht als Greatest-Hits-Sammlung der letzten 25 Jahre missverstanden werden. Viel mehr spiegelt sich darin der Zeitgeist des Hip-Hop der ersten Stunde wider, dessen Einfluss auf die Jugendkultur und wie die Fans mit dem Genre erwachsen wurden", verdeutlicht Cole.

Cole und Covert freuten sich über die Zusammenarbeit mit einem derart musikbegeisterten Regisseur. "Es war schön, zu wissen, dass man auf der selben Seite steht."

Famuyiwas Gesamtziel lässt sich schnell erklären. "Ich möchte, dass die Leute das Kino gut gelaunt verlassen. Man soll sich verlieben wollen. Falls irgendetwas existiert, was man leidenschaftlich liebt, sei es nun Musik, Kunst, eine Person oder ein Job, möchte ich, dass man nach diesem Film diese Liebe zu schätzen weiß", stellt Famuyiwa fest.

Szenenfoto
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