100 Schritte

Ausführlicher Inhalt

Nur 100 Schritte liegen zwischen dem Elternhaus von "Peppino" Giuseppe Impastato und dem von Tano Badalamenti, dem Oberhaupt der lokalen Mafia von Cinisi (Palermo, Sizilien). Als Lieblingsneffe von Tanos Vorgänger Cesare soll Giuseppe selbst einmal, wie seinem Vater Luigi, ein ehrenvoller Platz in der lokalen Organisation zustehen.

Als Onkel Cesare einem Sprengstoffattentat zum Opfer fällt, beginnt Peppino zu ahnen, dass sich hinter der Mauer des Schweigens, der Omertà, in seiner Familie die Nähe zwischen Verwandten und Mördern verbirgt. Um die Wahrheit über die Mörder seines Onkels herauszufinden, freundet sich Peppino mit dem Vorsitzenden der lokalen Kommunisten an.

Bei den Kommunisten findet Peppino eine Ersatzfamilie, die es ihm ermöglicht, sich von seiner eigenen Familie und ihren Traditionen zu emanzipieren.

Durch sein politisches Engagement lernt er, dass man sich eine eigene Meinung bilden und diese lautstark vertreten kann. Fasziniert von den Möglichkeiten und Freiheiten, die er für sich entdeckt hat, entwickelt sich Peppino zum Vorreiter im Kampf gegen die lokale Korruption und bricht das jahrzehnte lange Schweigen gegenüber der Mafia.

Zusammen mit seinen Freunden gibt er Zeitungen heraus und gründet ein lokales Radio, mit dem er jeden Tag gegen die Mafia und den Einfluss ihres Kopfs Tano Badalamenti rebelliert. Mit heimlicher Lust am Tabubruch lauscht die ganze Region Peppinos politischen Analysen und intelligenten Sprachspielen gegen die Mafia im Radio.

Auch die Mafiosi der Region sind zunächst irritiert und ratlos darüber, dass sie nun eine Art Hofnarr aus den eigenen Reihen haben, der sie so wichtig nimmt, dass er sogar im Radio über sie berichtet.

Man beschließt das Problem familienintern zu lösen. Immer öfter mußs Peppinos Vater Luigi bei Don Tano erscheinen, der ihn daran erinnert, dass die Mafia jeden Menschen der Region wie eine Familie umschließt und nur eines vom Einzelnen verlangt, dass man sie ehrt oder zu mindestens schweigt.

All das weiß Peppinos Vater aus der eigenen Familientradition, denn schließlich hat er zum Tod seines Schwagers Cesare geschwiegen und sich später mit Unterstützung der Mafia ein kleines Restaurant eingerichtet, mit dem er den Unterhalt der Familie bestreitet.

Der zentrale Konflikt des Films, der Konflikt zwischen Vater und Sohn, ist ein Konflikt zwischen der angepassten Lebensweise Luigis und dem, seinem moralischen Empfinden verpflichteten, Aufbruch Peppinos. Er gipfelt in einer Szene, in der Luigi verzweifelt versucht seinem Sohn eine Grundlage seiner christlichen Erziehung abzubringen: "Ehre deinen Vater."

Luigi weiß, dass er in der Logik der Mafia zwischen seinem Sohn und den Schergen der Mafia steht, dass, bevor sie Peppino zum Schweigen bringen können, erst er selber beiseite geschafft werden mußs. Aber Luigi weiß auch, dass letztlich seine angepasste Lebensweise und sein Schweigen zum Tod seines Schwagers ihn in diese Situation gebracht haben.

Erst als es zu spät ist, begreift Luigi, dass sein Schweigen, das er mit dem Ehren der Tradition gleichsetzt, das Gespräch mit seinem Sohn und seiner Frau unmöglich gemacht hat.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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