Luther

Martin Luther und der Ablasshandel

An den Ablassbriefen entzündete sich einer der wesentlichen Konflikte zwischen Martin Luther und der Kirche. Im 16. Jahrhundert bestand ein Ablassbrief aus einem Stück Papier, das man bei einer Pilgerfahrt nach Rom oder zu einer örtlichen Kirche oder aus geringfügigem Anlass gegen einen kleinen Obolus kaufen konnte.

Die von Rom in Umlauf gebrachten Ablassbriefe sollten dem Käufer einen garantierten Platz im Himmel sichern, ohne dass er für seine Sünden Buße tun mußste (wobei ein grundsätzlich guter Charakter des Sünders vorausgesetzt wurde). Darüber hinaus konnte man sich einen Ablassbrief auch für verstorbene Verwandte ausstellen lassen um ihre Seelen aus dem Fegefeuer zu retten.

Ihren Ursprung hatten die Ablassbriefe im 11. Jahrhundert. Sie fanden seit 1095 weite Verbreitung, als Papst Urban II. verkündete, dass allen Kreuzfahrern nach ihrem Tod ihre Sünden vergeben werden und dass sie sofort in den Himmel kommen, wenn sie gebeichtet und bereut haben.

Dies war eine wichtige Änderung der kirchlichen Praxis, die bis dahin stets einen Akt der Buße verlangt hatte, bevor eine gebeichtete Sünde vergeben werden konnte. Diese Buße konnte sehr schwer sein - etwa wochenlanges Fasten bei Brot, Salz und Wasser.

Wer starb, ohne seine Buße abgeleistet zu haben, mußste im Fegefeuer leiden oder war, wenn er eine Todsünde begangen hatte, sogar der Verdammnis preisgegeben. Der Ablass war also, wie das Wort schon andeutet, ein Ersatz für die Strafe, - die Buße wurde durch die finanzielle Zuwendung ersetzt.

Im Lauf der Jahrhunderte nahm der Ablasshandel immer mehr zu. Ablässe wurden nun auch für die Teilnahme an einem Jubiläum, für eine Pilgerfahrt nach Rom oder zu einer örtlichen Kathedrale und für Spenden an die Kirche gewährt. Der Preis für einen Ablassbrief wurde niedrig gehalten, damit möglichst viele Menschen ihn erwerben konnten.

Natürlich war diese Praxis anfällig für Korruption, denn die armen und ungebildeten Christen wurden in dem Glauben gehalten, sie könnten sich das Seelenheil ?kaufen'. Zu Luthers Zeiten wurden unter Papst Leo X. Ablassbriefe ungeniert in Umlauf gebracht, um Geld für den Neubau des Petersdoms und den Krieg gegen die Türken zu scheffeln.

Luther fand den Handel mit Ablassbriefen nicht nur verwerflich, er bekämpfte ihn auch aus theologischen Gründen. Als junger Mönch gab es für ihn nur den gerechten Gott, der die Sünder straft. Erlösung und Vergebung waren auch durch untadeligen Lebenswandel nicht zu erlangen.

Nach intensivem Studium der Bibel fing er an, "die Gerechtigkeit Gottes zu verstehen, durch die der Gerechte als durch ein Geschenk Gottes lebt, nämlich aus Glauben heraus" (Martin Luther). Worte, Taten und Werke der Menschen zählen nicht, sondern einzig der Glaube an Gott. Daher waren Ablassbriefe nicht nur sinnlos, sondern von Übel, da sie die Leute vom wahren Weg zum Heil ablenkten und den Armen das Geld nahmen, das sie für Kleidung und Essen brauchten.

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Dirk Jasper FilmLexikon

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