Mona Lisas Lächeln

Ausführlicher Inhalt

1953, Amerika auf der Höhe der Eisenhower-Ära. Eine Zeit, in der Konformität und Traditionsbewusstsein überlebensnotwendig sind. Das Land hat gerade den Koreakrieg überstanden, McCarthy und das House of Un-American Activities verbreiten mit ihrer Kommunistenhatz Angst und Schrecken, erst im nächsten Jahr wird Elvis Presley seine erste Single aufnehmen und die Welt mit Rock 'n' Roll für immer verändern. In dem Elite-College Wellesley erhalten Mädchen aus der weißen Oberklasse die beste Ausbildung - allerdings nicht, um auf erfolgreiche Berufslaufbahnen, sondern auf ihr Leben als ideale Hausfrau an der Seite ihrer Männer vorbereitet zu werden.

Als die junge und frei denkende Berkeley-Absolventin Katherine Watson (Julia Roberts) eine Stelle als Dozentin für Kunstgeschichte in Wellesley annimmt, ahnt sie nicht, wie stark reglementiert die moralischen und traditionellen Werte tatsächlich sind, mit denen sie es aufnehmen mußs. Als leidenschaftliche Lehrerin sieht sie ihre Aufgabe darin, ihre Schülerinnen in ihren intellektuellen und individuellen Freiheiten zu bestärken und sie zu ermutigen, ihre Talente zu entfalten und mehr im Leben anzustreben, als es die Gesellschaft vorschreibt.

Bereits bei der Suche nach einer Unterkunft mußs Katherine feststellen, dass ihre selbst gestellte Aufgabe keine leichte sein wird. Die wellesleyschen Traditionen verbieten auch im Haus der Kollegin Nancy Abbey (Marcia Gay Harden) laute Musik und Herrenbesuche. Nancy ist ein Vorbild an Anstand und Sitte für jede Studentin. Als Professorin für Hauswirtschaftslehre ist sie mit Pumps und Perlenkette stets unfehlbares Beispiel und bereitet die Mädchen auf alle Pflichten und Fertigkeiten vor, die sie in ihrem Leben nach Wellesley benötigen.

Dabei ist Nancy selbst unverheiratet und hat mit dem Ruf der bemitleidenswerten "alternden Jungfer" zu kämpfen. Während des Kriegs von ihrem Freund verlassen, teilt Nancy nun ihr Haus in der Nähe des Campus mit Dr. Amanda Armstrong (Juliet Stevenson), der Schulärztin - einer fortschrittlich denkenden Mittvierzigerin, die bis zum Tod ihrer Lebensgefährtin in einer lesbischen Beziehung lebte. Eine Tatsache, die im Jahr 1953 in einem Ort wie Wellesley kritisch beäugt wird. Bei ihrem Einzug gibt Amanda Katherine einen Rat für ihren ersten Unterrichtstag: "Sie riechen, wenn jemand Angst hat."

Und meint damit die Studentinnen, denen Katherine kurz darauf in den heiligen Hallen von Wellesley gegenübersteht, um sie in die Welt der Kunst einzuführen. Scheinbar haben die Mädchen tatsächlich nicht vor, es der jungen Frau leicht zu machen, der der Ruf vorauseilt, ihrer Zeit voraus zu sein.

Ganz besonders Betty Warren (Kirsten Dunst) hat sich offensichtlich vorgenommen, Katherine in ihre Schranken zu weisen. Als populärste Studentin ihrer Fakultät stammt die 20-Jährige aus einer wohlhabenden und privilegierten Ostküsten-Familie. Als Tochter einer ehemaligen Wellesley-Absolventin hat Betty die Normen der exklusiven Gesellschaftsschicht nie in Frage gestellt. Bissig und zickig nutzt Betty ihre Rolle als Redakteurin der Universitätszeitung, um aufrührerische, konservative Artikel gegen subversive Einflüsse an ihrer Schule zu verfassen, die den Status quo ihrer engstirnigen Alma Mater in Frage stellen. Wie es ihre Eltern und die Moral verlangen, steht Betty zu Beginn des Semesters kurz vor der Hochzeit mit einer guten Partie aus einer angesehenen Familie.

Zu Bettys besten Freundinnen gehört die hübsche und ruhige Joan Brandwyn (Julia Stiles). Sie zählt zu den besten Schülerinnen in allen Fächern und ist obendrein eine hochbegabte Athletin und Rednerin. Sie ist mit Tommy (Topher Grace) verlobt, einem zukünftigen Harvard-Studenten mit fantastischen Karriereaussichten, der mit Bettys Zukünftigem Spencer (Jordan Bridges) eng befreundet ist.

Giselle Levy (Maggie Gyllenhaal) dagegen gilt gegenüber den zwei traditionsbewussten Musterschülerinnen eher als Rebellin und ist die sexuell Erfahrenste der Mädchen. Geboren und aufgewachsen an der Upper West Side, zeichnet sich Giselle durch ihre (sexuelle) Reife und Unverfrorenheit aus. Sie hat es sich zum Hobby gemacht, die moralischen Grenzen ihrer Umgebung herauszufordern, wann immer sie kann. Weswegen sie mit Betty oft und gerne aneinander gerät. Diese kann Giselles sexuelle Abenteuer nur als schlimmstes Vergehen betrachten.

Und dann ist da noch Connie Baker (Ginnifer Goodwin): Leicht korpulent und doch lebhaft und fröhlich, akzeptiert sie ihre Außenseiterrolle als hässliches Entlein und die privilegierte Position ihrer besten Freundin Betty, deren scharfe Zunge Katherine bereits nach wenigen Minuten zu spüren bekommen soll: Die Elevinnen haben sich auf den Unterricht bestens vorbereitet und nehmen ihrer Lehrerin nicht nur Antworten, sondern selbst die Fragen vorweg. Bis sie angesichts der herrschenden Langeweile beschließen, die Vorlesung vorzeitig für beendet zu erklären.

Niedergeschlagen telefoniert Katherine am Abend mit ihrem Freund Paul Moore (John Slattery), einem Professor an der Oakland State University, der von Katherines Entscheidung, nach Wellesley zu gehen, enttäuscht und wenig begeistert ist. Beim späteren gemeinsamen Abendessen bestätigt Amanda Armstrong die Vermutung Katherines: Die Mädchen haben scharfe Krallen unter ihren weißen Handschuhen.

Die gar nicht so unschuldigen Handschuhträgerinnen machen sich zur selben Zeit Gedanken über ihre neue Lehrerin und über Katherines Gründe, die Stelle in Wellesley angetreten zu haben. Betty ist der Meinung, dass keine Frau wie Katherine freiwillig unverheiratet bleibt. Giselle zaubert zur Überraschung aller ein Diaphragma aus ihrer Tasche. Sie erklärt, man bekäme Verhütungsmittel problemlos bei Dr. Armstrong. Betty ist empört. Und stellt in der nächsten Ausgabe der Studentenzeitung die Schulärztin an den Pranger. Die Folge: Die Direktorin Mrs. Carr (Marian Seldes) verlangt von Amanda eine öffentliche Stellungnahme, zu der diese nicht bereit ist. Kurz darauf mußs Amanda ihre Koffer packen.

Während Nancy den Schülerinnen und zukünftigen Hausfrauen Benimmkurse und Manieren beibringt, zieht es Katherine vor, den Blue Ship Inn im Ort aufzusuchen. Dort trifft sie auf den attraktiven Italienischprofessor Bill Dunbar (Dominic West). Bill ist ein attraktiver Mittdreißiger, der als Frauenschwarm an dem reinen Mädchen-Institut für Aufregung sorgt, insbesondere bei Giselle, der nachgesagt wird, eine Affäre mit ihm zu haben. Katherine hält ihn für einen egoistischen und oberflächlichen Opportunisten - für ihn ein Grund mehr, sich für die unbeeindruckte junge Lehrerin zu interessieren.

Tags darauf bittet Katherine Joan in ihr Büro. Sie möchte der Schülerin vorschlagen, sich um einen der begrenzten Studienplätze für Frauen in Yale zu bewerben. Joan erklärt, sie hätte vor zu heiraten. Katherine findet, dass das kein Hindernis sein mußs. Und steckt ihr in der nächsten Vorlesung heimlich ein Antragsformular für die begehrte Universität zu.

Bei Bettys Hochzeit sorgt Bill dafür, dass Katherine an seiner Seite sitzt. Giselle beobachtet das Paar und wird eifersüchtig. Sie fordert Bill zum Tanz auf - und erinnert ihn an ihre gemeinsame Zeit. Doch Bill ist im Gegensatz zu Giselle der Meinung, dass ihre Beziehung nicht mehr als eine Affäre war. Ausgerechnet Connie scheint dagegen auf dem besten Weg zu sein, sich zu verlieben, und tanzt ausgelassen mit Bettys schüchternem Cousin Charlie (Ebon Moss-Bachrach).

In einer ihrer nächsten Stunden bietet Katherine den Schülerinnen Anschauungsunterricht in einem Atelier. Dort wird ein Gemälde enthüllt: ein Jackson Pollock! Die Aufgabe der Mädchen: Anschauen!

Als Connie später im Übungsraum vor ihrem Cello sitzt, hat sie einen unerwarteten, heimlichen Zuhörer: Es ist Charlie. Zum ersten Mal wird sie von einem Jungen geküsst.

Katherine wird wenig später von der Direktorin zu sich gebeten. Mrs. Carr hat Schwierigkeiten mit Katherines unorthodoxen Unterrichtsmethoden. Sie solle weniger modern sein, denn es habe schon einige Beschwerden über sie gegeben. Eine Aussage, über die Katherine an den Weihnachtsfeiertagen nachdenken kann.

Für Betty verläuft das Fest anders als erhofft: Nach dem gemeinsamen Weihnachtsessen mit Joan und ihren Männern packt Bettys frisch gebackener Ehemann aus beruflichen Gründen, wie er behauptet, die Koffer und reist früher als geplant nach New York ab. Eine glücklichere Wendung nimmt der nächste Tag für Katherine, die von Paul überrascht wird. Als sie am Abend im Blue Ship Inn einkehren, treffen sie dort auf Giselle - und Bill. Ausgerechnet in dem Moment, in dem Paul Katherine einen Heiratsantrag macht. Doch Paul erhält nicht die erhoffte Antwort. Als Katherine zudem nicht möchte, dass er die Nacht bei ihr verbringt, reist Paul enttäuscht ab.

Einige Zeit später wird Katherine von ihren Studentinnen feierlich in deren Verbindung aufgenommen. Aufnahmebedingung ist die Auskunft über ihren zukünftigen Ehemann und ihre Beziehung zu Bill Dunbar. Katherine erklärt, die Verlobung mit Paul sei geplatzt. Betty stellt die Lehrerin vor allen mit ihrem Wissen bloß, dass diese Joan heimlich einen Studienplatz in Yale vermitteln und deren Hochzeit verhindern wolle.

Was die ganze Fakultät kurz darauf in der Studentenzeitung lesen kann, in der Betty verkündet, Katherine sei gegen die Ehe. Katherine ist außer sich und erteilt den Mädchen eine Lektion: Sie führt ihnen das zeitgemäße Bild der Frau in der Gesellschaft anhand von Zeitungsanzeigen vor, die Frauen in der Rolle der Hausfrau zeigen - und stellt sie vor die Wahl, ob sie sich tatsächlich so ihre Zukunft vorstellen und nichts weiter vorhätten, als diese Aufgaben auszufüllen.

Wie befürchtet, trifft Katherines Aktionismus nicht unbedingt auf offenes Gehör bei der Direktorin. Bill versucht, Katherine zu beruhigen. Er ist überzeugt, dass Wellesley sie braucht und ihr sicherlich nicht umgehend gekündigt wird. Als er ihr ein Weihnachtsgeschenk überreicht, küsst er Katherine. Kurz darauf finden sich beide vor dem romantisch knisternden Kaminfeuer wieder, wo Bill Katherine von seinen Heldentaten als Soldat in Italien erzählt.

Connie genießt mit Charlie einen Sonntag am Meer. Als sie in einem Café einkehren, benimmt sich Charlie merkwürdig und versteckt sich vor einem Paar am Nebentisch - er will von den angeblichen Eltern eines Freundes nicht gesehen werden. Tags darauf erklärt Betty Connie, dass es sich dabei um die Eltern von Charlies Verlobter handeln würde und Charlie Connie nur ausnutzen würde, denn er sei tatsächlich einer anderen versprochen.

Charlie erscheint zum Frühlingsball mit einem anderen Mädchen. Eine neue Freundin, nicht jene, die Connie vermutet hat. Denn mit dieser hatte Charlie bereits Schluss gemacht, bevor er Connie kennen lernte. Ein Schock für Connie! Auch Katherine wird überrascht: Joans Verlobter Tommy erzählt ihr, dass er in Philadelphia an der Universität angenommen worden sei und Joan mit ihm kommen würde, anstatt nach Yale zu gehen. Und Betty sucht derweil erneut verzweifelt nach Spencer: Doch der hat für sein Fehlen wieder nur eine mehr als fadenscheinige Ausrede und Bettys Verdacht erhärtet sich, dass sie betrogen wird. Verzweifelt sucht sie Trost im Haus ihrer Eltern. Doch ihre Mutter weist sie zurück.

Am nächsten Morgen versucht Katherine, Joan davon zu überzeugen, doch noch den Studienplatz in Yale anzunehmen. Joan erklärt ihr, sie hätte bereits geheiratet. Es sei ihr Wunsch, Hausfrau zu sein, eine Rolle, die sie mehr ausfüllen würde als das Studium.

Katherines Vorstellungen von den Wünschen und Träumen ihrer Schülerinnen und dem, was sie ihnen zu vermitteln versucht, geraten ins Wanken. Als sie dann noch erkennen mußs, dass Bill seit Jahren vorgibt, mehr zu sein, als er ist, und als ihre Weiterbeschäftigung am College an strenge Bedingungen geknüpft wird, die auch die Beziehung zu Bill in Frage stellen, mußs sich Katherine entscheiden, wo eigentlich ihr eigener Weg im Leben hinführen soll ...

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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