Paycheck - Die Abrechnung

Produktionsnotizen

"Ich frage mich beim Schreiben, was ist eigentlich real? Wir werden mit Pseudo-Realitäten bombadiert, die von gut ausgebildeten Leuten mittels hochentwickelter elektronischen Geräten verbreitet werden. Ich misstraue nicht ihren Motiven, ich misstraue ihrer Macht. Es ist eine erstaunliche Macht, die das Universum und die Gedanken beherrschen kann. Ich sollte es eigentlich wissen - ich mache es genauso." (Philip K. Dick, Autor von "Paycheck" einer Kurzgeschichte aus dem Jahr 1953)

Michael Jennings (Ben Affleck) wird gejagt, weiß aber nicht, warum. Er ist ein weltbekannter Spezialist, der von High-Tech-Firmen für Top-Secret-Projekte angeheuert wird. Sobald ein Job erledigt ist, wird sein Kurzzeitgedächtnis ausgelöscht, sodass er keinerlei Geheimnisse weitergeben kann.

Für seinen letzten dreijährigen Job erwartet er einen Scheck über viele Millionen Dollar. Stattdessen erhält er einen Umschlag mit verschiedenen Utensilien und der Mitteilung, dass er damit einverstanden sei. Da sein Gedächtnis vertragsmäßig gelöscht wurde, hat er keine Möglichkeit, dagegen zu klagen.

Er erkennt, dass diese im Umschlag befindlichen Dinge ein Schlüssel zu seiner Vergangenheit sein könnten. Nun versucht er mit Hilfe von Rachel (Uma Thurman), die Frau, die mit ihm die letzten drei Jahre gearbeitet und auch zusammen gelebt hat, das Rennen gegen die Zeit, in der er Stück für Stück seine Identität finden mußs, aufzunehmen, bevor seine früheren Auftraggeber ihn töten.

Durch die Kombination von futuristischer und realistischer Situationen wird in "Paycheck - Die Abrechnung" eine Welt von exotischer Technologie, die es erlaubt, Gedanken zu löschen, Maschinen zu bauen, die das Wetter bestimmen können sowie rauchlose Zigaretten zu produzieren, aufgebaut.

Inspiriert durch den berühmten Science Fiction-Autor Philip K. Dick und seiner Vision einer hochentwickelten Welt von morgen schuf Regisseur John Woo einen großartig choreographierten Action-Film, der von Selbsterkenntnis und Liebe handelt.

Aber Woo ist nicht der erste Regisseur, der von Philip K. Dicks Arbeit gefangen genommen wurde. Seit dem Jahr 1982, als der Autor starb, waren Dicks Geschichten Vorlage für Filme wie "Blade Runner", "Total Recall" und "Minority Report". Dick schrieb zwischen 1952 und 1982 ca. 30 Romane und 100 Kurzgeschichten. Diejenigen, die unter das Genre Science Fiction fielen, revolutionierten diesen Zweig, was zuvor noch keinem anderen Autor gelang.

Es ist Dicks phantasievolle Erkundung der Gedächtnismanipulation und die Art, wie er über den Missbrauch von Technologie und deren Folgen schreibt, die Regisseur John Woo für seinen Film "Paycheck - Die Abrechnung" inspiriert haben.

"Ich bin ein großer Fan von Philip K. Dick. Besonders liebe ich die provokative Moral, die er in "Paycheck - Die Abrechnung" darstellt", sagt Woo. "Seine Helden sind sehr menschlich, führen ein normales Leben und sind keine Superhelden wie in vielen Science Fiction-Geschichten."

Die sich wiederholenden Themen wie Ehre, Loyalität, Rache und Moral, mit denen sich der Filmemacher seit Jahrzehnten befasst, prädestinierten Woo, Dicks Kurzgeschichte auf die Leinwand zu bringen.

Oscar-Gewinner Ben Affleck, der den Jennings darstellt, bot sich die Chance, mit einem Regisseur vom Kaliber John Woos zusammen zu arbeiten. Für ihn war das Grund genug, sofort für das Projekt zuzusagen. Andererseits war er auch neugierig, wie Drehbuchautor Dean Georgaris Philip K. Dicks Story adaptieren würde.

"Das Drehbuch war sehr klug, interessant kompliziert und sehr gut geschrieben", sagt Affleck. "Wenn man höchst konzeptionelles Science Fiction-Material von Philip K. Dick, dessen Arbeit sich auf der Leinwand schon als gelungen erwies, mit einem Meister des visuellen Mediums, so wie John Woo, kombiniert, kann nur etwas ganz Außergewöhnliches dabei herauskommen".

Seinen Charakter, den er darstellt, beschreibt Affleck nicht nur als Genie, sondern auch als sehr emotionalen Menschen hinsichtlich seiner Beziehung zu Rachel.

"Wenn man beobachtet, wie er mit Rachel flirtet, bemerkt man seine Verletzbarkeit. Aber als wir ihm zum ersten Mal begegnen, erscheint er einem wie ein Genie, das nur darauf aus ist, das große Geld zu machen. Doch plötzlich fängt er an, über seine Arbeit nachzudenken, vor allem, als er statt des erwarteten Schecks einen für ihn vorerst wertlosen Umschlag erhält," bemerkt Affleck. "Er ist nicht der Superagent, der Superspion oder Superheld", sagt Affleck. "Er ist ein Spezialingenieur, ein Mann, der sein Hirn benutzt, um Probleme in seiner Arbeit zu lösen. Nun kommt er in die Situation, den Sinn seines Lebens und seine eigene Person zu entdecken."

Affleck hat das Gefühl, dass die Geschichte sehr interessante, höchst ethische Fragen aufwirft: "Was macht eigentlich das Leben wirklich lebenswert? Ist es wirklich wichtig, sich an kleine Einzelheiten im Leben zu erinnern? Und wenn es möglich wäre, unsere Zukunft zu bestimmen, was würden wir versuchen, zu ändern?"

Auf der anderen Seite, der Jennings in dieses moralische Dilemma bringt und ihm den größten Scheck aller Zeiten anbietet, steht der milliardenschwere Unternehmer Jimmy Rethrick, dargestellt von Aaron Eckhart, der einen modernen Dreh in die Rolle des Bösewichts einbringt.

"Rethrick und Jennings waren Freunde, die die Welt mittels Technologie retten wollten", erklärt Eckhart. "Aber auf ihrem Weg dorthin änderte Rethrick seine idealistische Vision in persönliche Macht und Ambitionen. Er will nun die Technologie nutzen, um die Welt zu ändern. Tatsächlich hat dieser Mann einen machiavellistischen Charakter. Er sieht die Maschine, die seine Company entwickelt hat, als Legalität an, Einfluss auf den gesamten Kurs der Erde zu nehmen."

Produzent Terence Chang vergleicht Rethrick mit Woos vorherigen Bösewichten, die er eigentlich als ganz normale Menschen beschreibt. "Das ist der Grund, warum wir uns für Eckhart für diese Rolle entschieden haben", erklärt Chang. "Er hat das richtige Charisma und eine einzigartige Art und Weise, eine gute Seele, die sich aber zum Bösen wendet, darzustellen."

Im Gegensatz zu Jennings, bei dem man denkt, er geht ohne Gefühl durch die Welt, bis er Rachel Porter, porträtiert von Uma Thurman, trifft. Diese Rolle ist ein Teil des Schlüssels, der zu Jennings ethischer Wendung führt.

"Uma besitzt eine beruhigende Intelligenz und eine starke physikalische Präsenz. Diese beiden Merkmale sind perfekt für den Charakter der Rachel", bemerkt Woo, der diese Rolle nicht gerade als brillante Kollegin von Jennings aber als intelligente Partnerin, die ihm auf der Suche nach seinem Weg zur Seite steht, transformiert.

Genauso wie Affleck war Thurman schon immer ein großer Fan von Regisseur Woo und wollte unbedingt mit ihm arbeiten. Bei einem ihrer ersten Treffen erklärte ihr Woo die Wichtigkeit der Liebesbeziehung. "Er sagte, dass dies der wichtigste Teil des Films für ihn sei - die Idee, wie Liebe in der Lage sein kann, dein Schicksal zu ändern", erinnert sich Thurman. "Ich liebte es, wie dieser außergewöhnliche Action-Regisseur diese wunderschöne Liebesgeschichte in diesen Film eingebaut hat. Das macht ihn zu einem wahrhaft romantischen Action-Thriller."

Thurman sieht ihre Rolle ebenso als Schlüsselfigur, die hilft, Jennings nach seinem letzten Dreijahresjob seinen Lebensweg wieder zu finden. "Er mußste mich finden, damit er herausfinden konnte, was mit ihm passierte und wer er wirklich ist", erklärt Thurman. "In einer Szene erkennt er mich überhaupt nicht, weiß nicht, dass ich die Frau bin, die er eigentlich liebt. So nach und nach kommt seine Erinnerung in Bruchstücken zurück. Es ist ein faszinierender Film."

Paul Giamatti spielt Shorty, Jennings Freund und professioneller Manager, in einer Welt, in der Top-High Tech-Ingenieure Repräsentationen wie ein Hollywoodstar brauchen. "Shorty ist ein mütterlicher, sensitiver und sich kümmernder Typ", sagt Giamatti. "Er zeigt Jennings die Realität und ist gleichzeitig seine Verbindung zur Vergangenheit, ebenso der Anker in der Gegenwart."

Der Mann, der Jennings am liebsten gänzlich auslöschen würde, ist Rethricks Assistent und Kumpan, Wolfe, der von Colm Feore dargestellt wird. Er ist der Unter-Bösewicht in der Story und verantwortlich für die Verfolgung und die Tötung des schwer fassbaren Genies, der Rethricks Company vernichten könnte.

"Mein Charakter mußs die Drecksarbeit für Rethrick durchführen, der sich mit manchen Sachen die Hände nicht schmutzig machen will", erklärt Feore. "Wolfe und die Regierungsagenten, die hinter Jennings her sind, gehören zum Höhepunkt in den Action- und Verfolgungsszenen des Films. Und ich kann versichern, es war etwas ganz Besonderes, in einer Actionszene von Woo dabei zu sein. Ich meine, diese Actionszenen sind wie Ballett. Sie lassen dir das Herz stehen."

Die zwei Agenten, die neben Rethricks Männern, auf der Jagd nach Jennings sind. sind von der Regierung und vom Generalstaatsanwalt beauftragt. Joe Morton spielt FBI-Agent Dodge und Michael C. Hall stellt Agent Klein dar. Beide haben den Auftrag, Jennings gefangen zu nehmen, koste es, was es wolle. "Wir bestimmen das Tempo für das Auffinden der Maschine", sagt Morton. "Wir verhindern, dass diese in falsche Hände gerät".

Regisseur John Woo und Produzent Terence Chang verpflichteten einige ihrer langjährigen Mitarbeiter bei der Verfilmung von "Paycheck - Die Abrechnung", einschließlich Chefkameramann Jeffrey L. Kimball, Waffenkoordinator Rock Galotti und die Stunt-Brüder Gregg und Brian Smrz. Aber es war die Idee der Produzenten John Davis und Michael Hackett, Drehbuchautor Dean Georgaris anzufragen, Philip K. Dicks Geschichte in ein Drehbuch umzuschreiben, damit John Woo sie auf die Leinwand bringen konnte.

"Deans cinematisches Verständnis von Dicks Kurzgeschichte, verbunden mit John Woos außergewöhnlicher Art Regie zu führen, war genau das, was dieser Film brauchte."

Produzent Hackett kann dem nur beipflichten: "Dean legte uns ein großartiges Drehbuch vor, voll von Actionszenen, die Woo sensationell umsetzen würde. Ihre Energie und die Crew, die sie mitbrachten, machten den Film schließlich zu dem, was er am Ende war."

Der Film wurde gänzlich in Vancouver, Kanada, gedreht, was im Film eigentlich Seattle darstellt. Das Produktionsteam baute ihre Basisstation in den Vancouver Film Studios für vier Monate auf.

Während Woo mit Kimball, Galotti und den Smrz-Brüdern schon zuvor zusammen gearbeitet hatte, war es zum ersten Mal, dass Produktionsdesigner William Sandell dabei war. Der wiederum hatte vorher schon mit renommierten Regisseuren wie Wolfgang Peters an "Der Sturm" oder mit Peter Weir an "Master and Commander" gearbeitet. Sandell sagt, dass er davon beeindruckt war, wie Woo diese wunderschöne Liebesgeschichte in den Rahmen des Sci-Fi-Actionfilms eingebaut hat.

"John versteht es, die kleinsten Dinge magisch erscheinen zu lassen", erinnert sich Sandell, der ein Team von Illustratoren und Modellbauern mitbrachte. "Wir entschieden uns dafür, die Ausstattung stylisch und mystisch erscheinen zu lassen, nicht das durchschnittliche hochkonzeptionelle futuristische Design, das artifiziell aussieht. Wie wählten einen glatten, kühlen Look, der unserer Meinung nach die sophisticated Aussage der Story besser rüberbringt."

Jeffrey L. Kimball, ASC, der schon seit "Mission Impossible 2" für Woo die Filme fotografierte, warnte schon sehr früh Sandell, dass er unbedingt genügend Raum in den Sets lassen müsse, da er wusste, dass der Regisseur eine gewisse Freiheit braucht, sich in diesen zu bewegen.

"Jeffrey erklärt mir, dass es sehr aktiv am Set zugehen würde, so machte ich es möglich, dass man jeden Set wie ein Puzzle auseinandernehmen und wieder zusammensetzen konnte", erinnert sich Sandell. "John wollte, das er sich frei bewegen konnte, so wurden die Sets wahnsinning weitläufig."

Kimball weiß aus Erfahrung, dass die Kameras bei Woo ständig in Bewegung sind, was nicht immer einfach für ihn ist. "Es ist jedes Mal eine Herausforderung für mich, das richtige Licht zu setzen, bei all den verschiedenen Regieanweisungen, aber es macht mir auch wirklich Spaß."

Sandell baute viele Sets im Studio, einschließlich Rachels Apartement, die FBI-Büros, die Verhörräume und Rethricks Büro. Außerdem nutzte er die Studiobühne für, wie er es nannte, "crowning achievement", die massive Laboranlage, in der auch Jennings Labor beheimatet war.

Als großartiger konkreter stählerner Monolith in perfekter Harmonie mit den Themen von Philip K. Dicks Story, stellt sich das Biolabor auch für die erdverbundene, menschliche Wärme von Jennings und Rachels sich entwickelnder Liebe dar. Es steht im Kontrast zu den grünen und wuchernden Pflanzen in Rachels Umweltschutz-Biolabor.

Außer dem Labor-Set gehörte die Inneneinrichtung zu Rachels Apartement zu Sandalls Lieblingssets. "Es ist ein wunderschöner kleiner Juwel, umrahmt von einem Transparentlicht eines Lokals, das ein sehr sophisticated Gefühl aufkommen lässt", erinnert sich Sandell.

Sandell mußste sich außerdem der Herausforderung stellen, innerhalb von drei Wochen ein Undergrundbahn-System zu bauen. Unter einem riesigen Zirkuszelt bauten der Produktionsdesigner und sein Team einen 250 Meter langen Tunnel, um die Verfolgungszenen so spannend und realistisch wie möglich zu gestalten.

Um John Woos Zukunftsvision auch bei den Kostümen zu entsprechen, wählte Kostümdesignerin Erica Edell Phillips sehr stylische und elegante Modelle in zeitgenössischer Ästhetik. "John wollte nicht mittels der Garderobe ein Statement abgeben", sagt Phillips. "Eher wollte er, dass die Charaktere eine kühle moderne Ausstrahlung haben sollten."

Was auch immer wichtig ist, dass bei John Woo Filmen die Designer darauf achten, dass die Garderobe einiges aushalten mußs, da viel Action und Stunts die Kleidung in Mitleidenschaft ziehen. So mußs jedes Kleidungsstück doppelt vorhanden sein, da manchmal zwei Units gleichzeitig drehen.

Ben Afflecks Look im Film wurde Cary Grants Kleidung in Hitchcocks "Der unsichtbare Dritte" nachempfunden. Genauso wie Grant verbringt Affleck eine große Zeit im Film im gleichen grauen Anzug. Um das möglich zu machen, verarbeitete Phillips 47 identische graue Anzüge, alle im klassichen und eleganten Design, mit schmalen Aufschlägen und Bügelfalte, so wie sie ein seriöser Geschäftsmann tragen würde.

Das Khakigrün und die Farben in der Kleidung der Allcom-Biologen zeigten auf, in welchem Umfeld sie den ganzen Tag verbrachten. Als Kontrast dazu wiederum, tragen die beiden Bösewichte, Rethrick und Wolfe, sportliche dunkle Anzüge - seriös und finster.

Obwohl all die Verfolgungsszenen in "Paycheck - Die Abrechnung" visuell überwältigend sind, war die dramatischste Arbeit für die Stunt-Leute die Verfolgungsjagd mit dem Motorrad durch die Straßen von Vancouver. In dieser Szene findet Jennings trotz des immensen Verkehrs zu sich selbst - gemeinsam mit Rachel auf einem Motorrad. Regisseur der zweiten Unit, Brian Smrz, und sein Bruder, Stunt-Koordinator Gregg Smrz, bereiteten diese Szene sehr detailliert auf dem Storyboard vor.

Um die Action intensiver zu erleben und die Zuschauer näher in die Bewegungsabläufe mit einzubringen, benutzte Brian Smrz eine scharfe Schnittfolge, entfernte die mechanischen Kameraausrüstungen, hing die Kameras in großer Höhe an Kabel und baute die Kameras parallel zu den Straßen sowie auf den Dächern auf.

Woos Action-Szenen sind legendär, anerkannt, oft kopiert und meistens verbunden mit einer Gewehrschlacht. Diese Gewehrschlachten sind Herausforderungen für die Waffen-Koordinatoren. Sicherheit ist ein wichtiger Punkt, denn diese Schlachten enthalten zahlreiche und verschiedene Explosionen zur gleichen Zeit, während multiple Kameras sich bewegen während der manchmal außerordentlich langen Szenen.

Robert "Rock" Galotti ist seit mehr als 11 Jahren Woos Waffenspezialist, und sein Job ist es, alle Feuerwaffen in Schuss zu halten und zu bewahren. Er trainiert die Schauspieler im Gebrauch der Waffen und ist zuständig für die gesamte Sicherheit.

"Die Leute glauben, dass die Waffen im Film keine echten sind, dass es nur Nachahmungen sind, die speziell für diesen Film hergestellt werden, aber das ist nicht wahr. Sie sind echt, entwickelt von Profis, zwar mit Platzpatronen, aber die Funktion ist die von echten Waffen", sagt Galotti. "Aber Platzpatronen sind gefährlich, da die Leute ringsum denken, sie seien sicher, das stimmt nicht."

Neben dem Waffenlager von John Woo gehört die klassische Szene dazu, in der zwei Schauspieler sich gegenseitig eine Waffe an den Kopf halten. Das ist ein angespannter Moment für den Waffen-Koordinator - denn da ist kein Platz für einen Fehler.

"Ich mag diese Szenen", sagt Galotti. "Ich mag Dinge, von denen die Leute sagen, die können nicht sein, aber es gibt immer Wege, diese Schießereien wirklich gefährlich aussehen zu lassen. Man mußs nur Vertrauen in sein Equipment haben und es vorher gründlich testen."

Ironischerweise hat Woo, der für all diese Explosionen und Gewehr-Actionszenen bekannt ist, niemals eine eigene Waffe besessen oder auch nur mit einer operiert. "Ich habe John unzählige Male gefragt, ob er auf den Schießstand gehen wolle, um Zielübungen zu machen, aber er hat immer abgelehnt", sagt Galotti. "So wurde er berühmt für seine Actionfilme mit all diesen Waffenexplosionen und er selbst hatte niemals den Wunsch, jemals eine Waffe abzufeuern."

Galotti bemerkt auch, dass es äußerst wichtig sei, den Schauspielern beizubringen, wie man eine Waffe richtig hält, damit es glaubhaft für die Zuschauer ist. "Eine Waffe seitwärts zu halten, wie man es oft in Musikvideos sieht, ist einfach falsch. Leute, die ihre Waffen abfeuern, würden niemals so ihre Waffen tragen."

Außerdem wählt er sehr sorgfältig die Waffen für jeden einzelnen Charakter in jedem Film aus. "Die Waffen sind alle unterschiedlich", sagt er. "Eine der Waffen, die wir in einem John Woo-Film haben, ist die Beretta Handwaffe. John benutzt sie in seinen Filmen seit Hongkong, er liebt ihr Aussehen."

Wolfe, Rethricks Partner, benutzt in "Paycheck - Die Abrechnung" solch eine Waffe. Schauspieler Colm Feore, der ihn spielt, verbrachte einige Zeit, den Umgang mit der zweifarbigen Waffe (schwarz und rostfreier Stahl) zu lernen.

Mit modifizierten Scharfschützen-Gewehren, MP5 Maschinengewehren, Walter P5s und anderen Neunmillimeter-Gewehren werden echte Waffenfans oder Zuschauer, die Woos Waffenschlachten-Szenen lieben, sicherlich nicht enttäuscht werden. Es lag an Special Effects Koordinator Alfred DiSarro, diese riesigen Feuerbälle mit elektrischen Funken und splitterndem Glas zu unterstützen.

Di Sarro, der auch die Special Effects für Filme wie "Der Anschlag" und "2 Fast 2 Furious" koordinierte, war nicht nur für die Pyrotechnik in "Paycheck - Die Abrechnung" verantwortlich, sondern auch für die verschiedenen umweltmäßigen Konditionen, wie Regen, Wind und den Rauch in der Biolabor-Szene.

"Das war eine der dramatischsten Szenen im Film", erinnert sich DiSarro, als dadurch William Sandells ganzes Set vernichtet wurde. "Wir mußsten sicherstellen, dass die Filmemacher jedes Fitzelchen von Material, das sie vom Biolabor-Set brauchten, bekommen hatten, denn es gab kein Zurück, nachdem dort die Explosion stattgefunden hatte."

Für die Visuell Effects war Gregory L. McMurry verantwortlich. John Woo ließ ihn wissen, dass er möglichst viel physikalische Stuntarbeit statt am Computer nachgestelltes Material vorziehen würde. "John gab mir da eine schwere Aufgabe," erinnert sich McMurry, der schon für Ridley Scott an "Blade Runner" arbeitete. "Wenn wir nicht die Möglichkeit hatten, etwas mit der Kamera oder mit einem Schauspieler zu machen, lag es an mir, einen Weg zu finden, etwas zu entwickeln, das ihm gefiel und in seinen visuellen Stil passte."

So arbeitete er mit extremen Closeups, bearbeitet mit dem Computer, die eine herkömmliche Kameralinse niemals schaffen würde. So wurde auch Jennings Visionen von der Zukunft und seine Gedanken an die Vergangenheit sowie seine "fortune-telling"-Maschine, die er kreiert hatte, dargestellt.

John Woo wollte, dass diese einzigartige Maschine typische Palm-Schrifttypen hat. Die Bilder stellten eine Reflektion der Zukunft aus der Perspektive der Person, die eingescannt war, dar. "Um das so glaubhaft wie möglich zu machen, versuchten wir, die futuristische Technologie auf ein Minimum zu halten und bauten die Sequenz in der heutigen Technik, soweit es möglich war."

Um zusätzliche Bilder aus Jennings Erinnerung zu gestalten, bezog er einige Mitglieder des Produktionsteams mit ein, die über ihre Träume reden sollten. "Es ist schon merkwürdig, manche sagen, sie würden im Traum sich selbst sehen, wie sie sich wiederum selbst beobachten", lacht McMurry. "Das heißt, es befinden sich eigentlich zwei von ihnen selbst in ihren Träumen!"

Es ist sehr wichtig, was McMurry bei seinen Untersuchungen herausfand. Die Menschen träumen und haben Erinnerungen in ganz verschiedenen Wegen.

"Erinnerungen zeigen sich nicht immer aus einem individuellen Blickwinkel, Erinnerungen sind oftmals Eindrücke und nicht unbedingt wahre Begebenheiten", bemerkt McMurry. "Deshalb haben wir uns die Freiheit genommen, im Film beides zu benutzen."

Als absoluter Fan von Philip K. Dick empfindet McMurry es, dass der Autor die Leute auf eine sehr persönliche Art berührt, nicht nur, was die Zukunft betrifft, sondern auch, was jeden einzelnen angeht.

"Viele der Science Fiction-Geschichten erzählen von den großen Ideen wie man von Planet zu Planet gehen kann, aber Dicks Geschichten fragen nach, wer wir sind und was uns antreibt", sagt McMurry. "Ich sehe "Paycheck - Die Abrechung" als Story darüber, dass wir nicht wissen, was uns die Zukunft bringt, aber wie wir, als individuelle Menschen, die Zukunft handeln können."

Szenenfoto von Doug Curran
Szenenfoto von Doug Curran
Szenenfoto von Doug Curran
Szenenfoto von Doug Curran
Szenenfoto von Doug Curran
Szenenfoto von Doug Curran
Szenenfoto von Doug Curran
Szenenfoto von Doug Curran
Szenenfoto von Doug Curran

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: UIP / Doug Curran © 1994 - 2010 Dirk Jasper