Master And Commander - Bis ans Ende der Welt

Produktionsnotizen

HMS Surprise, 28 Kanonen, 197 Mann Besatzung, Nordküste Brasiliens, April 1805.

"Das französische Kaperschiff ACHERON ist auf seinem Weg in den Pazifik abzufangen, bevor es den Krieg auf diese Gewässer ausdehnen kann. Es muß versenkt, gebrandschatzt oder als Prise aufgebracht werden."


Einführung Peter Weir, bereits drei Mal für den Regie-Oscar nominiert, und Oscar-Gewinner Russell Crowe schufen mit vereinten Kräften das epische, emotionale Abenteuer MASTER AND COMMANDER - BIS ANS ENDE DER WELT. Der Film spielt während der Napoleonischen Kriege und Crowe verkörpert den hoch dekorierten britischen Navy-Captain "Lucky" Jack Aubrey. Paul Bettany spielt den Schiffsarzt Stephen Maturin.

Bei einem Angriff wird ihr Schiff schwer beschädigt und ein Großteil der Crew getötet oder verwundet und Aubrey mußs sich zwischen Pflicht und Freundschaft entscheiden. Er beginnt eine rasante Verfolgungsjagd über zwei Ozeane, um seinen Feind zu stellen. Die Mission kann ihn zur Legende machen - oder "Lucky" Jack und seine Crew vernichten ...

Im Zuge der strapaziösen Erlebnisse der Hauptfiguren bereist auch der Film die halbe Welt - von der brasilianischen Küste zu den sturmgepeitschten Gewässern vor Kap Horn, südwärts durch Eis und Schnee bis zum anderen Ende der Welt, den entlegenen Küsten der Galápagosinseln - und ist damit der erste Spielfilm, der dort gedreht wurde.

Peter Weir inszenierte MASTER AND COMMANDER - BIS ANS ENDE DER WELT nach einem Drehbuch, das er zusammen mit John Collee auf der Basis mehrerer Patrick-O'Brian-Romane verfasst hatte. Richard Snow bezeichnete O'Brians Aubrey-Maturin-Romane in The New York Times als "die besten historischen Romane, die je geschrieben wurden." In der gleichen Zeitung bezeichnete David Mamet O'Brian als einen der größten englischsprachigen Autoren der letzten 30 Jahre. Zu O'Brians Schöpfung des Captain Jack Aubrey bemerkte die Times später, dass Russell Crowe "dafür geboren scheint, ihn zu spielen".

Die Ursprünge des Films Vor mehr als zehn Jahren nahm das Projekt seinen zaghaften Anfang, als zwei Legenden - Hollywood-Produzent Samuel Goldwyn jr. und der gefeierte Autor Patrick O'Brian - vorbereitende Gespräche darüber führten, einige der Aubrey-Maturin-Geschichten zu verfilmen. Goldwyn erkannte als Erster das kinematografische Potenzial von O'Brians Arbeit und überzeugte den Autor, der seit Jahren nicht mehr im Kino gewesen war, davon, dass das Medium Film den Abenteuern von Captain Jack Aubrey und Dr. Stephen Maturin gut zu Gesicht stehen würde.

Der nun eine Dekade später fertig gestellte Film basiert auf den beiden Hauptfiguren, die O'Brian in seinem Buch Master and Commander einführte, bedient sich jedoch der vielfältigen Handlung des zehnten der zwanzig Aubrey-Maturin-Romane "The Far Side of the World". Peter Weir entschied sich für ihn aus zwei Gründen: Seine Story ist direkter und damit Kinotauglich. Und seine Struktur ist adaptierbar: Die Helden werden von einem übermächtigen Feind angegriffen, der verfolgt werden mußs - aber wie lange und zu welchem Preis?

Die Handlung von "The Far Side of the World" erlaubte es den Filmemachern auch, den Großteil der Geschichte auf See stattfinden zu lassen. Diese einzigartige Herangehensweise war für Peter Weir der Schlüssel, um den Geist und die Details aus O'Brians Romanen einzufangen. Das Team setzte neueste Filmtechniken ein und achtete akribisch auf Authentizität und Einzelheiten, um das Publikum in die Vergangenheit zu versetzen - und nicht, wie derzeit üblich, in irgendeine Science-Fiction-Welt. So kann man heute hautnah ein Abenteuer an Bord eines Schiffs aus Nelsons Armee von vor 200 Jahren erleben. Vom Holzsplitterregen während einer Attacke über die Hitze in den Kalmengürteln bis hin zu einem gewaltigen Sturm vor Kap Horn: All das erlebt das Publikum in MASTER AND COMMANDER - BIS ANS ENDE DER WELT, einem Seeabenteuer, das es so zuvor nie gab.

Doch trotz allen Spektakels ist es die Betonung von Charakteren und Emotionen, die Patrick O'Brian und Peter Weir von anderen Erzählern unterscheidet, die sich je "auf See gewagt" haben.

Patrick O'Brians 20-bändiges Aubrey-Maturin-Werk spiegelt seine lebenslangen Recherchen und Nachforschungen wider und daran orientierte sich auch Weir. Der Regisseur setzte alles daran, Details und Geist von O'Brians Welt einzufangen, womit er dem Werk einen beispiellosen Realismus einhauchte.

"Ich finde Patrick O'Brians Schreibstil einfach wunderbar", schwärmt Weir. "Er gehört zu den Spitzenautoren. Natürlich bestand darin auch die größte Schwierigkeit in der Adaption seiner Arbeit. Sobald man ein Buch verfilmt, mußs man die Wörter durch Bilder ersetzen. Diese Geschichte bildlich nachzuerzählen, so, dass sie O'Brians Wörtern gerecht wurde, erwies sich als große Herausforderung."

Als Vorbereitung zum Drehbuch-Schreiben sortierten Weir und Collee O'Brians Bücher nach Themengebieten wie "Divisionen", "Crew", "Jack-und-Stephen-Dialoge" etc. Diese Referenzen fassten die beiden anschließend zu eigenen Büchern zusammen -"praktische Wegweiser für das Team und die Schauspieler", bemerkt Weir.

"Während meiner Arbeit am Drehbuch umgab ich mich mit lauter Gegenständen aus der Ära - Schwertern, Gürtelschnallen, Seekarten -, um mich zu inspirieren", gesteht Weir. "Auch Musik half mir immens dabei, den Weg in die Vergangenheit zu finden."

Laut Kodrehbuchautor John Collee funktioniert MASTER AND COMMANDER - BIS ANS ENDE DER WELT, der hauptsächlich an Bord der Surprise spielt, vor allem wegen Weirs einzigartiger Fähigkeit, lebendige, in sich geschlossene Welten zu erschaffen. "Darin ist Peter einfach brillant, wie man zum Beispiel an WITNESS ("Der einzige Zeuge", 1985) oder THE TRUMAN SHOW ("Die Truman Show", 1998) erkennt."

Das Casting Im Zentrum von Patrick O'Brians Romanen stehen die Figuren von "Lucky" Jack Aubrey und Dr. Stephen Maturin sowie ihre Freundschaft, die ein Beweis dafür ist, dass Gegensätze sich anziehen. Diese Freundschaft zählt zu den lebendigsten und überraschendsten in der modernen Literatur. Die beiden sind einzigartige Charaktere und der Hauptgrund dafür, dass 20 Aubrey-Maturin-Romane existieren.

Jack vereint die besten Eigenschaften verschiedener authentischer Kapitäns-Typen: Er ist brillanter Seemann und genialer Kriegsstratege zugleich, auch wenn er nur ungern Befehle befolgt; darüber hinaus ein überschwänglicher, lauter Mann, der zudem eine Unmenge schlüpfriger Witze kennt. Stephen dagegen ist ein herausragender Chirurg, Naturkundler und eigentlich eine echte Landratte. Sein Mut steht dem von Jack in nichts nach.

Man brauchte einen Star mit imposanter Erscheinung, wie Russell Crowe, um den beeindruckenden Jack Aubrey zu verkörpern. Ein Großteil der Magie von O'Brians Werken besteht in der Interaktion des Captains mit seinem Counterpart, einem Wissenschaftler, dessen Courage der von Jack ebenbürtig ist: Stephen Maturin, gespielt von Paul Bettany.

Insbesondere Peter Weirs gefeierte Arbeiten faszinierten Russell Crowe. "Ich bewundere Peters Filme schon seit langem", erzählt der Schauspieler, "und ich wollte schon immer mit ihm arbeiten. Ich bin mit Peters Arbeiten aufgewachsen. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, dass ich als Kind noch nie zuvor so viel Angst hatte wie im Kino, als ich mir THE LAST WAVE ("Die letzte Flut", 1977) ansah."

Auch die Figur des "Lucky" Jack weckte Crowes Interesse. "Er gehört zu der Sorte Männer, die es heutzutage nicht mehr gibt, es existiert keine Vorlage für Jack Aubrey", erläutert Crowe. "Gegenüber seinen Vorgesetzten, der British Royal Navy, ist er ein ziemlich aufmüpfiger Untergebener. Dennoch, wenn man seine Mission im Ganzen betrachtet, mag er zwar nicht unbedingt genau das tun, was man ihm aufträgt, dennoch werden die Ergebnisse die Erwartungen mehr als befriedigen."

Weir empfand Crowe als den geborenen "Lucky" Jack. "Russell besitzt diese natürliche Energie und Autorität und er übernahm von Anfang an die Kontrolle über dieses Schiff."

Manche Vorteile seiner Aufgabe lernte auch Crowe schnell zu schätzen. "Jeden Tag hörte ich auf dem Weg zwischen meinem Trailer und dem Set zwischen 70- und 80-mal ?Guten Morgen, Captain'", schmunzelt der Schauspieler. "Mir fiel es ehrlich schwer, die Uniform wieder abzulegen, sie wuchs mir richtig ans Herz."

Crowe genoss die erneute Möglichkeit, mit Paul Bettany zusammenzuarbeiten, der - unvergesslich - Crowes imaginären Zimmergenossen in A BEAUTIFUL MIND ("A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn", 2001, Regie: Ron Howard) gespielt hatte. Ihre bereits bestehende Arbeitsbeziehung erwies sich beim Aufbau der Filmbeziehung in MASTER AND COMMANDER - BIS ANS ENDE DER WELT als sehr wertvoll. Crowe erinnert sich: "Bei A BEAUTIFUL MIND entwickelten wir so etwas wie eine kreative Zeichensprache, die uns beim Aufbau der Jack-Stephen-Dynamik sehr zugute kam. Peters Entscheidung, Paul zu besetzen, machte mich sehr glücklich. Es gibt gewisse Rhythmen und Einzelheiten, die wir untereinander einfach verstehen. Mit einer anderen Person hätte man Szenen oft abbrechen und Dinge erklären müssen. So aber erreichten Paul und ich ein derart tiefes Verständnis, das man mit jemand anderem zehnmal so hart erarbeiten müsste, um es auch nur annähernd zu erreichen."

"Es war ein Vergnügen, Paul dabei zuzusehen, wie er seine Figur annahm und für sich zurechtlegte, gleichzeitig aber Patrick O'Brians Vorlagen extrem treu blieb", verdeutlicht Weir. "Russell und Paul gleichen sich gegenseitig aus und man glaubt ihnen die Freundschaft. Es wirkt, als wäre Maturin, so wie Paul ihn spielt, der Inbegriff des modernen Mannes, während Russell als Jack einer anderen Ära angehört."

Zwei Elemente waren es, die Bettany an MASTER AND COMMANDER - BIS ANS ENDE DER WELT faszinierten: Action und Charaktere. "Jeder Fan von Patrick O'Brians Romanen weiß, dass man einfach nicht aufhören kann zu lesen", schwärmt Bettany. "Ich sehe das Werk als Actionfilm mit dem Hauptthema einer genau beschriebenen Freundschaft, die einige lebensverändernde Situationen übersteht. Und das fand ich extrem fesselnd."

Die Freundschaft zwischen Stephen Maturin (Paul Bettany) und "Lucky" Jack (Russell Crowe) gerät in eine Krise nach dem Überraschungsangriff der Acheron. Captain Aubreys Schiff ist schwer beschädigt, der Angriff forderte zahlreiche Todesopfer und Verwundete. Obwohl (oder vielleicht gerade weil) das Schicksal sich gegen ihn wendet, zeigt sich Jack entschlossener denn je, seine Mission zu beenden und die Acheron unschädlich zu machen. Seine Fixierung auf das Schiff des Feindes macht Stephen Sorgen.

"Stephen studiert Menschen ebenso, wie er Tiere wissenschaftlich untersucht; und Jack ist mit Sicherheit eines seiner Studienobjekte", verdeutlicht Bettany. "Meiner Meinung nach findet Stephen die Tatsache faszinierend, dass Jack die Ausnahme der Regel bestätigt, nach der Macht korrumpiert, denn Jack setzt seine Macht klug ein. Doch diese Tugend wird im Film auf eine harte Probe gestellt. Stephen befürchtet, dass Jacks Ziel, die Acheron zu kapern, sich zu einer Obsession entwickelt und er damit seine Crew in Gefahr bringt."

Für die Besetzung der Nebenrollen arbeitete Weir eng mit der englischen Casting-Agentin Mary Selway zusammen. Sie suchten nach Spitzen-Schauspieltalenten mit dem nötigen Stehvermögen für einen strapaziösen Sechs-Monats-Dreh und einem körperlichen Erscheinungsbild, das an eine andere Ära erinnert. Zu diesen herausragenden Darstellern zählen Billy Boyd, der bereits LORD OF THE RINGS ("Der Herr der Ringe") unter Peter Jacksons Regie gedreht hatte, James D'Arcy, Bryan Dick, Lee Ingleby, George Innes, Mark Lewis Jones, Chris Larkin, Richard McCabe, Ian Mercer, Robert Pugh und David Threlfall.

Weir besuchte zur Vorbereitung das Greenwich Naval Museum, die HMS Victory, die USS Constitution und unternahm zwei Seereisen mit der Replik der Endeavour vor der australischen Küste. Und da gab es natürlich auch noch die ständig wachsende Büchersammlung, die er zu lesen hatte - unschätzbare Erlebnisberichte aus erster Hand - und als beinahe wichtigstes Element die zahlreichen Gemälde von Seeschlachten. "Nachdem ich die Bilder gesehen hatte, wusste ich, dass ich unbedingt Gesichter finden wollte, die jenen aus dieser Zeit ähnelten", erklärt Weir. Deshalb begab er sich zum Casting nach Polen, "um Menschen zu finden, die so weit entfernt wie nur möglich von westlicher Ernährung, mit allzeit bereitem Kodak-Lächeln oder dem Ausdruck von Weltverdrossenheit auf dem Gesicht aufgewachsen sind".

Die Besetzung der Nebenrollen, knapp 130 Männer, beanspruchte ebenso viel Aufmerksamkeit wie die der Hauptfiguren. Die Suche nach "alten" Gesichtern überließ man Judy Bouley, die unglaublicherweise mehr als 7.000 Aspiranten castete. "Als Anleitung hatten wir Kopien von Gemälden und Zeichnungen aus der Zeit und - das Wichtigste - einen Stapel seltener Fotografien von englischen Fischern aus den Jahren um 1840 von David Octavius Hill und Robert Adamson dabei", erzählt Weir.

"Wir sind bis ans Ende der Welt gereist, um diese Leute zu finden", erinnert sich Produzent Duncan Henderson. "Wir rekrutierten Leute aus Polen, Senegal, Australien und dem Sudan - Menschen, die aus aller Welt kamen, um mit uns an diesem Film zu arbeiten."

Einige der im Hintergrund arbeitenden Künstler waren selbst langjährige Hochmast-Segler. Mühelos überwanden sie die Schwerkraft, während sie die Takelage auf und ab kletterten, und verhalfen so dem Film zu zusätzlicher Authentizität.

Schiffe und Kulissen Eine weitere Schlüsselaufgabe der "Casting"-Leute bestand darin, das ideale Gefährt zu finden, um Captain Aubreys 28-Kanonen-Kriegsschiff HMS Surprise darzustellen. Bereits sehr früh während der Pre-Production besuchte Weir während eines Europa-Aufenthalts die HMS Victory, die Lord Nelson in der Schlacht von Trafalgar befehligte.

Im Jahr 2000 schloss sich Weir Captain Chris Blake (einem der vielen bekannten technischen Berater des Projekts) für eine Kreuzfahrt mit der Endeavour an, einer museumsfähigen Replik des berühmten Klippers von Captain Cook. Im Jahr darauf unternahm Weir eine zweite Reise auf der Endeavour und brachte dieses Mal Produzent Duncan Henderson, den Ausführenden Produzenten Alan Curtiss und Kameramann Russell Boyd mit an Bord. "Ich wollte, dass sie auch diese hautnahen Erfahrungen mit mir teilten, sobald es Zeit für unsere ?Reise' werden würde", erklärt der Regisseur.

Weirs Suche führte ihn schließlich zu dem amerikanischen, im Hafen von Rhode Island ankernden Großsegler Rose. Die dreimastige Holz-Fregatte, einst das größte Segelschulschiff des Landes, ist die Kopie eines Schiffs der Royal Navy aus dem 18. Jahrhundert und wurde im 20. Jahrhundert gebaut.

Twentieth Century Fox erstand den Klipper und schenkte ihn nach den Dreharbeiten einer wohltätigen Organisation, die sich mit Seefahrtsgeschichte beschäftigt. Die Rose fuhr auf ihrer Route von Rhode Island an die Westküste durch den Panamakanal, wo sie einen Hurrikan und einen Mastbruch überstand, bevor sie in einem Trockendock in San Diego ankam, um die Verwandlung zur HMS Surprise zu erleben.

In ihrer zweiten Funktion als HMS Surprise nutzte das Hauptteam und die Second Unit die Rose mehrere Wochen lang für Dreharbeiten auf See. Diese einzigartige "Kulisse" baute man gemäß der Zeit um und versorgte sie mit Räumlichkeiten für Hauptdarsteller, Kameraleute, Frisöre, Make-up, Garderobe, Requisiten und andere für die Dreharbeiten nötige Unterabteilungen. Die eigentliche Crew der Rose übernahm das Ruder für die Aufnahmen des fahrenden Schiffes in den Gewässern der Baja California. Und ebenfalls auf der Rose lernte Russell Crowe segeln und übernahm bei mehreren Gelegenheiten "das Kommando".

"Wir haben uns für die historische Unverfälschtheit wirklich ins Zeug gelegt", erinnert sich der Schiffszimmermannsmeister Leon Poindexter, der ebenfalls zum Stab der technischen und historischen Berater zählt. Poindexter beteiligte sich zudem zusammen mit 20 weiteren Schiffszimmermännern am Umbau der Rose in San Diego und half bei der Überführung des Schiffs an den mexikanischen Produktionsstandort Ensenada. "Wir bekamen vom britischen Marineministerium detaillierte Konstruktionspläne und verwendeten mathematische Formeln, um die richtige Größe des Ankers zu bestimmen", verdeutlicht Poindexter. "Jeder Zentimeter des Schiffs bis hin zur Positionierung der Vertäuung wurde erst nach genauen Nachforschungen festgelegt."

"Ich liebte die Zeit auf der Rose", schwärmt Russell Crowe, der zuvor mit einem Boot, das zufälligerweise auch "Surprise" hieß, durch die stürmischen Gewässer vor Fidschi gesegelt war, um sich für seinen Einsatz als Jack Aubrey vorzubereiten. "Mein persönliches Highlight bestand darin, auf See den knapp 42 Meter hohen Mast der Rose zu erklimmen. Diese Zeit bedeutet mir viel, ich genoss ein unglaubliches Gefühl der Freiheit, weil wir nicht mit dem Land verbunden waren."

Über einen Zeitraum von vier Monaten bauten die Filmemacher eine zweite, 60 Tonnen schwere HMS Surprise für die Studioaufnahmen. Man ließ das Schiff in einem 26.300 Quadratmeter großen Becken auf dem Gelände der Fox Studios Baja (in Mexiko) zu Wasser - ehemals Heimat der TITANIC ("Titanic", 1997, Regie: James Cameron). Man errichtete diese Surprise von Grund auf neu und achtete auf jede Kleinigkeit, bis hin zu den Laternen, Hängematten und den Zeichen des Alters an dem Schiff und seinen Segeln.

Währenddessen konstruierte die neuseeländische Special-Effects-Schmiede Weta Workshop, die schon bei LORD OF THE RINGS mitgewirkt hatte, detailgenaue Schiffsminiaturen. Ihre Surprise war knapp acht Meter lang. Die Visual-Effects-Spezialisten der Firma Asylum errechneten weitere Modelle am Computer.

Das mexikanische Schiff wurde auf einer speziell angefertigten, beweglichen Aufhängung, einem so genannten Gimbal, fixiert. Es war das größte Gimbal, das je in einer Filmproduktion eingesetzt wurde. Eine kraftvolle Hydraulik bewegte den monströsen Mechanismus, der einen gewaltigen, den Bewegungen des Schiffs auf See angepassten Spielraum ermöglichte. "Wir schwankten und rüttelten in diesem Becken von Brasilien bis zu den Galápagosinseln", lacht Weir.

Auch Chefkameramann Russell Boyd gibt zu, dass ihm der Gimbal bisweilen das Gefühl gab, auf See zu drehen. "Die Aufhängung sorgte für ein Schwanken und Neigen, so dass sich das gesamte Set tatsächlich wie ein Schiff auf dem Meer bewegte", erinnert sich Boyd. "Wir mußsten uns gleich am Anfang den Matrosengang angewöhnen, um überhaupt auf dem Schiff arbeiten zu können." Boyd und sein Team benutzten einen Kran mit einem Libra Head; die Kamera war auf drei Achsen beweglich - horizontal, vor/zurück und geneigt -, womit die Bewegungen des Schiffs ausgeglichen werden konnten.

Ein zum Kanonendeck der Surprise umgebautes Set wurde ebenfalls mit einem Gimbal ausgestattet und auf dem Gelände der Fox-Studios Baja auf einer Klippe mit Blick aufs Meer aufgebaut. Ebenso wie das Schiff im Becken konnte auch dieses Set rotieren. Einen dritten Gimbal setzte man für das in Studio 3 aufgebaute Schlafdeck ein, die niedrigen und beengten Quartiere, in denen die Matrosen in Hängematten schliefen und ihre Mahlzeiten einnahmen. Das Orlopdeck, das unterste Deck der Surprise, baute man in Halle 4 auf, die später das Acheron- Kanonendeck beherbergte, wo einige der wichtigen Faustkämpfe der entscheidenden Schlacht stattfanden.

In den Fox-Baja-Studios brachte man andere Sets unter, die verschiedene Decks der Surprise darstellten, darunter in Halle 2 die Kapitänskajüte. Darin befanden sich Captain Aubreys relativ luxuriöse Privaträume, in denen Dinner-Partys für den Captain und seine Offiziere stattfanden und in die Aubrey sich zurückzog, um schwierige Entscheidungen zu fällen. Die Kapitänskajüte diente zugleich als Treffpunkt für Aubrey und Maturin, die dort zur Entspannung Geige und Cello spielten.

Über einen Zeitraum von mehreren Monaten errichteten die Filmemacher darüber hinaus die Acheron auf einem Parkplatz in der Nähe des Studioeingangs. Nach deren Fertigstellung zerlegte die Crew den Segler vorsichtig in vier Teile und transportierte sie mit einem gewaltigen Kran für den Dreh der letzten Schlacht die Straße hinunter in das Becken. Als die Sets nahezu fertig waren, unterzogen sich die Schauspieler, die die Offiziere und Crew darstellten, einem Training, um sich in die Strapazen des Lebens an Bord hineinzuversetzen. Sie lernten das Segeln mit der Rose auf offener See, erklommen die Takelage und navigierten, benutzten Handfeuerwaffen sowie Kanonen und übten den Schwertkampf. Sie wurden in militärischer Etikette unterwiesen und darin, die jeweiligen Aufgaben ihrer Figur durchzuführen.

Wie dreht man den realistischsten Sturm der Filmgeschichte? Peter Weir bestand beim Einsatz der modernsten Visual Effects, die mehr als 750 Einzeleinstellungen umfassten, darauf, dass sie nicht zu "sehen" sein sollten - ungeachtet des Rechercheaufwands, der Entwicklungskosten, der Kunstfertigkeit und den Arbeitsstunden, die für diese Einstellungen aufgebracht werden mußsten. "Peter bestand darauf, dass MASTER AND COMMANDER - BIS ANS ENDE DER WELT nicht wie ein Effekte-Film aussehen durfte", erzählt der Visual Effects Supervisor Stefen Fangmeier von ILM. "Wenn das Publikum die Effekte nicht erkennt, sondern einfach nur mitgeht und das Spektakel genießt, dann haben wir unsere Arbeit gut gemacht."

Fangmeier und ILM genossen die Herausforderung, die visuellen Effekte für einen Historienfilm zu generieren. "Es ist erfrischend, endlich wieder an einem Film zu arbeiten, der in der Realität spielt", verrät er. "Das Publikum ist so an Laser-Kanonen, Weltraumschlachten und all das Zeug gewöhnt. Bei MASTER AND COMMANDER - BIS ANS ENDE DER WELT durften wir eine Welt neu beleben, die viele von uns vergessen haben. Da geht es um mehr als um eine galaktische Weltraumschlacht."

Die gewünschten "unsichtbaren" Effekte von MASTER AND COMMANDER - BIS ANS ENDE DER WELT trugen maßgeblich zur Erschaffung einer gigantischen Taifun-Sequenz bei, wie man sie noch nie zuvor im Kino erlebt hat. In der Geschichte verfolgt Jack Aubrey die Acheron, die Surprise umrundet Kap Horn und das Wetter verschlechtert sich, die See wird rau, der Sturm unerbittlich. Die größte Herausforderung in Jacks Leben liegt vor ihm: Er mußs es mit der Gewalt eines mit voller Macht daherbrausenden Sturms aufnehmen - und dies mit einem 36 Meter langen Rahsegler.

Modernste visuelle Effekt-Techniken wurden mit aufwändigen "echten" Effekten verbunden. Zum ersten Mal überhaupt wurden Originalaufnahmen eines Sturms vor Kap Horn verwendet, um den Taifun so echt wie möglich zu gestalten.

"Für die Sturmsequenz mußsten wir das gesamte Kamera-Equipment so präparieren, dass es patschnass werden durfte", verrät Chefkameramann Russell Boyd. "Wir benutzten Hydroflex-Schutztaschen und verpackten die Kamera, gerade so, dass man sie bedienen konnte. So konnten wir drehen, trotz der Hektoliter Wasser, die die Spezial-Effekte-Jungs über uns gossen." Nachdem Ensemble und Team auf dem Schiff untergebracht waren, erweckten die Filmemacher den Sturm zum Leben. Zuerst aktivierten sie den Gimbal, der das Schiff bewegte. Dann traten Wind- und Wellenmaschinen in Kraft und man pumpte Wasser vor zwei enorme Turbinen, die es in einen nebligen Schleier verwandelten.

Vier Ventilatoren hinter Regenmaschinen sorgten für peitschenden Regen und schließlich schütteten riesige Tanks über 35.000 Liter Wasser aus, das sich über das Schiffsdeck ergoss und Schauspieler wie Crew komplett durchnässte. Dabei machten die Turbinen, Wind- und Wellenmaschinen, Ventilatoren und Wassertanks einen ohrenbetäubenden Lärm.

Obwohl die massiven Effekte maßgeblich zur Erzeugung der gigantischen Szenen beitrugen, gebührt ein großer Teil der Ehre auch den Aufnahmen eines echten Sturms, die Paul Atkins einige Monate zuvor gedreht hatte, als er mit der Endeavour Kap Horn umschiffte. Zum ersten Mal integrierte man Original-Aufnahmen eines Sturms in eine solche Sequenz - mit dem Effekt, dass die Szene mächtiger und realistischer wirkt und das Publikum das Gefühl hat, die Urgewalt hautnah zu erleben.

Für Asylum erwies sich das Zusammenfügen der Endeavour-Aufnahmen mit CG- und Effekt-Material als größte Herausforderung. "Wir waren begeistert von diesem tollen Material - die Endeavour-Sturmaufnahmen waren sehr wichtig für uns", verrät Visual Effects Supervisor Nathan McGuinnes von Asylum. "Peters Anweisung lautete, alles so naturgetreu wie möglich zu gestalten; wir sollten all diese Elemente, also echte Effekte und die Aufnahmen mit CG-Modellen der Surprise auf glaubwürdige Weise miteinander verschmelzen."

ILM generierte zudem die Effekte für eine weitere wichtige Sequenz - die finale Schlacht zwischen der Surprise und der Acheron. Digitale und Miniatur-Modelle ermöglichten dynamische Kamerabewegungen, die während der Dreharbeiten auf See unmöglich gewesen wären.

Das Visual-Effects-Team arbeitete eng mit dem Special-Effects-Department und der künstlerischen Abteilung zusammen, um die computergenerierten Modelle nahtlos den Miniaturschiffen aus dem Weta-Workshop anzupassen. Sowohl die CG-Schiffe als auch die Miniaturen mußsten den Details des Schiffs im Studiobecken entsprechen, die wiederum zu den Hunderten Kopien passen mußsten, die man für dessen Bau herangezogen hatte.

Ein Großteil der Effekte-Arbeit bestand in Details, wie etwa dem "Entfernen" der mexikanischen Küste, die während des Drehs in den Becken-Szenen natürlich zu sehen gewesen war. Computerkünstler entfernten sie und andere Bilder Frame um Frame. Eine andere "Reparaturarbeit", die das Visual Effects Department übernahm, bestand darin, die Masten zu ergänzen. Wegen des Gewichts des Schiffs, das auf dem Gimbal lastete, waren die Filmemacher gezwungen gewesen, Großmast und Fockmast zu verkürzen. Das Visual-Effects-Team mußste Masten, Takelage und Segel also "verlängern" ...

Die Erforschung der Geschichte und Charaktere Peter Weir wollte dem Publikum mit MASTER AND COMMANDER - BIS ANS ENDE DER WELT den bestmöglichen Eindruck vom Leben an Bord eines Kampfschiffs vermitteln. Er und sein aus Geschichtsexperten bestehendes Beraterteam wurden nie müde, die größtmögliche historische Authentizität zu erreichen.

Kleine Jungen, manche erst acht Jahre alt, setzte man früher als Diener oder "Pulver-Knaben" ein. Sie mußsten den Mannschaften an den Kanonen Schießpulver bringen. Im Falle der Offiziere existierte ein Trainingsregiment, in dem junge Männer, viele davon Adelige, unter Aufsicht des Kapitäns als Seeoffiziersanwärter an Bord gingen und dort wie an einer Privatschule studierten und gleichzeitig das maritime Handwerk erlernten.

Es gab Seeoffiziersanwärter, die erst zwölf Jahre alt waren, so wie die Figur des Lord Blakeney, gespielt von der Neuentdeckung Max Pirkis. Weir achtete darauf, die Figuren der jungen Schauspieler so darzustellen, dass das Publikum auch merkt: Sie werden an Bord wie Gleichberechtigte behandelt. "Sie mußsten ihre Verletzungen ertragen, das Schiff segeln, in den Kampf ziehen und Seite an Seite mit den Männern kämpfen", erklärt Weir.

1805, im 45. Regentschaftsjahr des britischen Königs George III., stand die gefeierte Karriere des heldenhaften Lord Nelson kurz vor ihrem Ende, denn Nelson sollte in der Schlacht von Trafalgar den Tod finden. Der Krieg zwischen Großbritannien und Frankreich gehörte als Konstante zu Nelsons Leben und zog sich schließlich bis 1815 hin.

Russell Crowe gehört wie Peter Weir zu den leidenschaftlichen Verfechtern historischer und charakterlicher Authentizität. "In Wahrheit bedeutet die Situation für Jack, dass er einen sehr einsamen Job hat", verdeutlicht Crowe. "Jeder Kapitän, mit dem ich mich vor den Dreharbeiten unterhielt, schnitt dieses Thema an und riet mir, mich darauf vorzubereiten. Einer vertraute sich mir an und sagte: ?Du hast nicht immer Recht, sei aber immer überzeugend.' Damit umschrieb er, dass man in einer lebensbedrohlichen Situation der Mannschaft als Kapitän keinerlei Unsicherheit vermitteln darf."

Crowe befasste sich intensiv mit nautischer Geschichte, Seemannsgarn und den Fähigkeiten, die man als British Royal Navy Captain der damaligen Zeit mitbringen mußste. Darüber hinaus lernte er das Schiff in- und auswendig kennen und wurde mit der Zeit ziemlich geschickt darin, die Takelage bis zur Spitze emporzuklettern. Der Segellehrer Captain Andrew Reay-Ellers gehörte zum Beraterteam, das Crowe bei seinen Recherchen unterstützte.

"Wir halfen Russell dabei, Jack Aubreys 20-jährige Kapitänslaufbahn wieder auferstehen zu lassen", erinnert sich Reay-Ellers. "Jede Woche arbeiteten wir stundenlang zusammen. Wir haben bei Adam und Eva angefangen, jedes Tau auf dem Schiff durchgenommen sowie Segelmanöver, Strategie und die Art, wie ein Captain seine Kommandos gibt, erläutert. Russell war bewusst, dass Jack, obwohl er als Captain ein Segel nicht mehr persönlich anfassen mußs, als Seeoffiziersanwärter begonnen hat und sich damit also auch auskennt. Russell wollte alles wissen, was ich seinen Männern beibrachte, und so durchlebten wir die komprimierte Version eines Lebens voller Erfahrungen auf See."

Reay-Ellers war von Crowes Feuereifer für das Training und die Nachforschungen beeindruckt. "Stundenlang brütete er über Diagrammen, las ziemlich anspruchsvolle Bücher über Seefahrt-Strategie und bereitete sich auf die Herausforderung vor. Gleichzeitig lernte er das Geigenspielen und eine nur in dieser Zeit und in seinem Dienstrang angewandte Art zu fechten. Allein der Gedanke an all die verschiedenen Dinge, die er gleichzeitig lernte, macht einen ganz schwindlig. Doch er wollte diese Selbstsicherheit ausstrahlen, diese lässige Gewissheit, dass er jedes Tau auf dem Schiff kennt, ebenso wie es Jack Aubrey getan hätte."

Crowe erlernte das Geigenspiel wegen "Lucky" Jacks Vorliebe für das Instrument und seine gelegentlichen Duette mit dem Cellisten Stephen Maturin. Mehrere Monate lang übte Crowe zusammen mit seinem langjährigen Freund, dem australischen Geigenvirtuosen Richard Tognetti, der sich später am Soundtrack als Komponist beteiligte, sowie mit Robert E. Greene, mit dem er zuvor schon an A BEAUTIFUL MIND zusammengearbeitet hatte.

Als Vorbereitung für seinen Einsatz als Stephen Maturin unternahm auch Paul Bettany eine ganz besondere Studienreise. "Zusammen mit Peter Weir fuhr ich ins Royal College of Surgeons nach London, um mich dort mit dem Chirurgen und Geschichtswissenschaftler Mick Crumplin zu treffen", erzählt Bettany. "Mick half mir beim Verständnis der damaligen medizinischen Vorgehensweisen, damit ich eine Ahnung davon bekam, wie ich sie im Film darstellen sollte." Bettany versuchte sich während seines Aufenthalts am Scripps Institute of Oceanographic Study in La Jolla auch im Sezieren, um sich mit dem vor-darwinistischen Wissen über Insekten, Tiere und Fische vertraut zu machen.

Bei dem Versuch, diese Ära wieder aufleben zu lassen, nutzten Weir und Co. neben ihrem Beraterstab auch Unmengen historischer Quellen und verschiedene Museen. Die Filmemacher nahmen dabei historische Artefakte, Gemälde, Tagebücher, Illustrationen, Logbücher und Original-Baupläne zur Hilfe - und natürlich die detaillierten Beschreibungen der damaligen Welt aus Patrick O'Brians Romanen. Man brachte eine umfassende Bibliothek voller Nachschlagewerke auf dem Studiogelände unter, die man Ensemble und Stab zur Benutzung wärmstens ans Herz legte.

Kostüme, Haare und Make-up Kostümbildnerin Wendy Stites und ihr Stab fertigten über 2.000 Uniformen für die Offiziere, die Matrosen und Marinesoldaten der Surprise sowie für die französischen Offiziere und die Crew der Acheron. Stites bezog detaillierte Beschreibungen der Kostüme aus O'Brians Romanen in ihre Entwürfe ein.

Aus O'Brians Arbeiten und Forschungsergebnissen erfuhr Stites, dass die Matrosenuniformen der damaligen Zeit aus Hanf gefertigt waren, einem Material, das seit 15 Jahren eine Renaissance erlebt.

Auch das britische National Maritime Museum erwies sich als unschätzbare Quelle für Informationen über zeitgenössische Uniformen. Dort, in einem klimatisierten Raum, besichtigten die Filmemacher Original-Kapitänsuniformen und erfühlten deren Gewicht und Textur.

Man notierte und vermaß für die Uniformen verwendete Epauletten (Schulterstücke), Knöpfe, Stoffe und Goldzöpfe, um für den Film Duplikate anzufertigen.

Die Kostümabteilung bezog Stoffe aus Pakistan, Indien, Schottland, Irland, England und China und ließ die Offiziersuniformen und Matrosenanzüge in England schneidern. Bis zum letzten Moment wartete man allerdings mit der Anprobe für die Kleidung der jungen Darsteller, die die Seeoffiziersanwärter spielten, denn man konnte ihnen quasi beim Wachsen zusehen. Gegen Ende der Dreharbeiten waren tatsächlich viele von ihnen beinahe aus ihren Kostümen herausgewachsen.

Der ehrwürdige britische Textilhersteller Abimelech Hainsworth, dessen Manufaktur bereits seit 1783 Wollstoffe herstellt, lieferte den Stoff für die Offiziersjacketts. Die berühmte Londoner Firma M.B.A. Costumes schneiderte sie. Kirsti Buckland, eine Waliserin, deren Familie bereits seit dem 18. Jahrhundert Matrosenmützen strickt, schuf mehr als 150 Strickhüte des Modells "Monmouth" nach Original-Anleitungen.

Die Fertigung und Pflege der Kostüme erwies sich als große Herausforderung. "Die Kostüme mancher Schauspieler haben wir künstlich gealtert, je nach ihrer Persönlichkeit und dem Berufsbild", erklärt Stites.

"Wir überlegten uns, was sie zu tun hatten, wie die Arbeit ihre Kleider beanspruchen würde und wo Risse oder abgewetzte Stellen auftreten würden." Stoffexperten arbeiteten gruppenweise in Schichten, sieben Tage die Woche, um die von der Story benötigten Alters- und Abnutzungserscheinungen an den Kostümen sichtbar werden zu lassen.

Eine veritable Landkarte von Narben überzieht Jack Aubreys Körper. Zur Vorbereitung auf eine bestimmte Szene erforschten Russell Crowe und sein Make-up-Spezialist genauestens die Wunden, die sich der Captain während seiner Abenteuer bis zu dem Zeitpunkt von The Far Side of the World zugezogen hatte.

Der Leiter des Make-up-Departments, Edouard Henriques, und sein Team untersuchten und kreierten das Aussehen der 26 wichtigsten Darsteller sowie der über 100 Nebenfiguren. Sie studierten Gemälde und durchforsteten O'Brians Romane auf Personenbeschreibungen.

Da sich die Figuren ständig an der frischen Luft bewegten, passte Henriques die Make-up-Techniken an, um den Einfluss des im Roman beschriebenen extremen Wetters deutlich zu machen. "Wir entwarfen für die Darsteller eigens eine Art durchsichtige Lasur, ein wasserfestes Make-up, das wir verwendeten, um den Gesichtern eine gewisse Rauheit zu verleihen und die roten Sonnenbrand-Spuren auf den Körpern darzustellen", erklärt er. "Wir röteten ihre Nasen und die Ohrläppchen. Im Laufe der Reise veränderte sich das Aussehen der Figuren entsprechend der Reisedauer ins Bräunliche."

Darüber hinaus verpassten die Visagisten den Schauspielern fleckige, abgewetzte Zähne. Für die Hauptdarsteller fertigte man aus extrem dünner Plastikfolie Abdrücke an, die man anschließend bemalte. So konnten die Schauspieler die Teile einfach einsetzen und vermieden so das tägliche Bemalen der einzelnen Zähne.

Sechs Monate lang kümmerte sich die Maske täglich um 120 Leute, denen sie die Zähne schwärzten, künstlich schmutzige Fingernägel und Gesichter aufmalten und Narben betonten. Für die finale Schlacht stieg diese Zahl auf etwa 400 Personen an, da die französischen Matrosen als Nebendarsteller hinzukamen.

Die für die Frisuren zuständige Künstlerin Yolanda Toussieng studierte Porträts, Gemälde und Fotos von Perücken, Kämmen und Rasiermessern, die man aus gesunkenen Schiffen der damaligen Zeit hatte bergen können. Doch auch in diesem Bereich dienten Patrick O'Brians Romane als unerschöpfliche Informationsquelle. "Aus seinen Büchern erfuhren wir, wie sie sich auf See pflegten", erinnert sich Toussieng. "Die Männer flochten sich manchmal gegenseitig die Haare und verwendeten Teer, um die Zöpfe zusammenzuhalten. Sie rasierten sich ein- oder zweimal die Woche und wuschen sich etwa wöchentlich die Haare. Frisches Wasser mußste sparsam verwendet werden und das diktierte teilweise ihre Körperpflegegewohnheiten."

Toussieng schätzt, dass sie während des Drehs etwa 400 Haar-Bündel verbrauchte, da sie pro Person fünf Bündel verwendete, die sie mit Heißkleber an den eigenen Haaren der Schauspieler befestigte.

Die Galápagosinseln MASTER AND COMMANDER - BIS ANS ENDE DER WELT gebührt die Ehre, der erste Spielfilm zu sein, für den je auf den Galápagosinseln gedreht wurde. Das zu Ecuador gehörige Archipel beheimatet eine ganze Reihe einzigartiger Pflanzen und Tierarten, darunter die vom Aussterben bedrohte Riesenschildkröte. Als der englische Naturforscher Charles Darwin während seiner geschichtsträchtigen Reise auf der HMS Beagle die Galápagosinseln 1835 besuchte, entdeckte er ein reichhaltiges natürliches Laboratorium für Flora und Fauna. Seine dortigen Forschungen trugen schließlich zu seiner bahnbrechenden Theorie der Evolution und der natürlichen Auslese bei.

Ehe sie schließlich die Drehgenehmigung für die Galápagosinseln erhielten, mußsten die Filmemacher monatelang die Befürchtungen der ecuadorianischen Regierung und der Verantwortlichen des Galápagos-Nationalparks entkräften, denen sie das Ausmaß der Aktivitäten des Filmteams im Park sowie die Rolle der Galápagosinseln innerhalb des Plots schilderten.

Die Galápagos-Szenen sind die einzigen Sequenzen des Films, in denen die Männer ihr Schiff verlassen und festen Boden betreten. Hier blüht der Wissenschaftler Stephen Maturin auf, hier versteht man, warum er sich überhaupt den Strapazen der Seefahrt aussetzt.

"Dieser Aspekt der Persönlichkeit Maturins fasziniert mich am meisten. Er verleiht uns einen Einblick in die damalige Zeit, die vor neuen Entwicklungen in Wissenschaft und Naturgeschichte geradezu strotzte", schwärmt Weir. "Es war eine unglaubliche Ära: Man hatte das Gefühl, dass sich das Wissen um die Welt auf völlig neuartige Weise eröffnete. Stephens Aktivitäten deuten darauf hin - und das hatte Patrick O'Brian sicher im Sinn -, dass die Zeit für Darwin reif war. Weniger als vierzig Jahre später unternahm der seine Entdeckungsreisen, deren Ergebnisse er später in seine Evolutionstheorie integrierte."

Sieben Tage lang drehten Weir und ein stark verkleinertes Team auf Galápagos. Man brachte die Schauspieler Paul Bettany, Max Pirkis und John DeSantis zusammen mit 36 Crewmitgliedern und dem gesamten Equipment auf dem kleinen Ausflugsschiff, der M/V Santa Cruz unter, die speziell für Fahrten rund um Galápagos gebaut worden war. Filmemacher, Schauspieler und Team transportierte man täglich von der Santa Cruz in kleinen Booten zu den Inseln; jede Nacht trug man die gesamte Ausrüstung eigenhändig zurück und hinterließ nichts auf den Inseln.

Obwohl dem Team während der Zeit auf Galápagos einzigartige Aufnahmen gelangen, erforderten logistische Gründe den Nachbau der Gegend in Baja. Robert Stromberg, ein Künstler, der bei Digital Backlot Computer-erstellte Masken anfertigt, arbeitete mit ILM zusammen, um die grauen Klippen der Baja in die aufregende Landschaft der Galápagosinseln zu verwandeln. Stromberg und seine Kollegen intensivierten sogar die Farbe des Himmels in den Galápagos-Aufnahmen und betonten so noch einmal die beeindruckende Schönheit der Inseln. Darüber hinaus errechnete die Mannschaft von Asylum für die Aufnahmen in Baja digitale Klone von Vögeln, Echsen und anderen auf Galápagos heimischen Tieren.

Robert Stromberg warnt davor, die Wichtigkeit der Galápagos-Sequenz zu unterschätzen. "Sie sind die einzigen Szenen des Films, in denen man tatsächlich Land sieht", verdeutlicht er, "weswegen sie das Herzstück des Films bilden. Peter wollte, dass Galápagos für die Männer auf der Surprise wie ein anderer Planet erscheint."

Musik Drei hoch angesehene australische Künstler - Iva Davies, Richard Tognetti und Christopher Gordon - komponierten den Score des Films. Sie hatten bereits zuvor an "The Ghost of Time" zusammengearbeitet. Mit dem eigens für die Millenniumsfeiern in Sydney komponierten Stück erregten sie die Aufmerksamkeit von Peter Weir. Der Regisseur zeigte sich derart beeindruckt von "Ghost of Time", dass er es ständig auf dem Set von MASTER AND COMMANDER - BIS ANS ENDE DER WELT spielte und dessen Schöpfer bat, die Musik für seinen Film zu schreiben.

Der Score verbindet Musik aus der "Alten" und "Neuen" Welt perfekt und spiegelt eindeutig das Können und die Herkunft seiner Erschaffer wieder. Iva Davies verfügt über Wurzeln sowohl im Pop als auch in der Klassik; Richard Tognetti, einer der weltbesten Violinisten, brachte Russell Crowe die Feinheiten des Instruments bei und TV- und Filmkomponist Christopher Gordon adaptierte das Projekt für ein Orchester.

In Anbetracht der Zeit überrascht es nicht, dass die Filmmusik unter anderem Elemente aus Musikstücken von Bach ("Cello Suite") und Mozart sowie weiterer großer Klassik-Komponisten enthält.

Zeitweilig dominieren Percussion-Stücke den Score. "Die Trommeln symbolisieren die Vorwärtsbewegung des Schiffs", verdeutlicht Davies. "Man spürt, es befindet sich auf einer Mission. Die Action tritt vermehrt in den Vordergrund." Die größte Überraschung des Scores kommt mit dem Einsatz der Synthesizer. "Peter dreht seine Filme grundsätzlich nicht so, wie man es von ihm erwartet", erklärt Davies. "Deshalb versuchten wir auch, die Musik anders zu gestalten, als man es erwarten würde. Peter wünschte sich für gewisse Szenen einen gewissen, wie ich es nenne, ?futuristischen' Touch. Damit wollte er vermitteln, dass sich diese Entdecker des 19. Jahrhunderts wirklich am Puls der Zeit befanden."

Das Leben am Set - abschließende Gedanken Trotz der Einschränkungen und Herausforderunge solch einer gigantischen Produktion fanden Team und Ensemble immer wieder Zeit zu Rugby-Spielen, die von Russell Crowe organisiert wurden. Das härtete alle für die finalen Kampfszenen ab.

Zwischen den Szenen durften sich die Schauspieler in der Monkey Bar ausruhen. Peter Weir ließ die Lounge auf dem Studiogelände aufbauen, um den Darstellern einen Raum für gemeinsame Treffen zu bieten. Dort entwickelte das Ensemble auch eine Kameradschaft, die sich natürlich auf ihre Interaktion vor der Kamera übertrug.

"Mir war klar, dass die Schauspieler, die schließlich Monate weit weg von zu Hause in Baja verbrachten, einen Club wie diese Gentlemens-Clubs in England brauchten", erzählt Weir. "Ich bestand einzig darauf, dass es keine Fernseher, Radios oder CD-Player geben durfte. Es sollte ein Raum für Gespräche werden, um Billard oder Schach zu spielen oder einfach, um zu Lesen und einen Cappuccino zu trinken."

An einem der letzten Drehtage der Second Unit inszenierte Weir gerade die Action-Szenen auf dem Schiff im Becken, als die Rose, die ihre Rolle im Film bereits abgeschlossen hatte, auf dem Weg von Ensenada ins Trockendock von San Diego am Studiogelände vorbeifuhr. Während sie ihren "Zwilling" im Becken passierte, feuerten Weir und sein historischer Berater Gordon Laco zur Verabschiedung der Rose Salutschüsse mit schwenkbaren Kanonen. Nach kurzer Zeit antwortete die Rose mit einem eigenen Salut, während Filmemacher und Crew vom Land aus zuschauten.

"Mich bewegte das sehr, ich hatte Tränen in den Augen", gesteht Laco. "Mich machten unsere Anstrengungen, die wir für die Verwandlung der Rose in eine authentische Fregatte unternommen hatten, wirklich stolz. Der Anblick markierte das Ende der unvergesslichen Erlebnisse bei diesen Filmarbeiten. Für die junge Segelcrew, für die die Rose jahrelang ihr Zuhause war, wurde der Abschied besonders bittersüß."

Für Peter Weir endete mit den letzten Drehtagen und der Postproduktion eine drei Jahre währende Reise und er freut sich darauf, sie mit dem Publikum zu teilen. "Ich hoffe, die Zuschauer finden Gefallen an der Verfolgungsjagd, den Action-Szenen und der Reise von der brasilianischen Küste um Kap Horn zu den Galápagosinseln. Hoffentlich empfinden sie es auch so, als lebten sie auf dem Schiff", sinniert Weir.

Patrick O'Brian Patrick O'Brian zählt, obwohl noch nicht vom breiten Publikum entdeckt, zu den großen Autoren des 20. Jahrhunderts. Kritiker vergleichen seine Werke oft mit denen von Jane Austen oder sogar Homer. Der immens gebildete Schriftsteller erweckte in absoluter Detailliertheit eine völlig eigenständige Welt zum Leben - die der British Navy während der Napoleonischen Kriege. Neben seinem herausragenden Wissen flossen auch genaue psychologische Einsichten, ein scharfzüngiger Witz und rasante, mitreißende Action-Szenen in O'Brians Bücher ein.

In einer am 6. Januar 1991 in der New York Times Book Review veröffentlichten Titelgeschichte schwärmte Richard Snow, Patrick O'Brians Aubrey-Maturin-Romane seien "die besten historischen Romane, die je geschrieben wurden. Auf jeder Seite erinnert uns Mr. O'Brian mit subtiler Kunstfertigkeit an die wichtigste Lektion der gesamten Menschheitsgeschichte: Die Zeiten ändern sich, Menschen nicht. Die Sorgen, Nöte und Siege der Männer und Frauen, die vor uns lebten, dienen als Wegweiser für unser eigenes Leben." Ken Ringle schrieb am 2. August 1992 in der Washington Post: "Die Aubrey-Maturin-Serie übertrifft sämtliche ähnlich gelagerten episodischen Chroniken, weil sie mit dem Auf und Ab der unendlichen Gezeiten von menschlichen Gefühlen und Eigenheiten mitfließt."

Neben seinen gefeierten Aubrey-Maturin-Romanen verfasste Patrick O'Brian Biografien über Joseph Banks und Picasso. Sein Romanerstling Testimonies sowie seine Collected Short Stories sind bei HarperCollins erschienen. O'Brian übersetzte zahlreiche Arbeiten aus dem Französischen ins Englische, darunter die Romane und Memoiren von Simone de Beauvoir und den ersten Band von Jean Lacoutures Charles-De-Gaulle-Biografie. 1995 verlieh man ihm als erstem Preisträger überhaupt den Heywood Hill Prize für seine lebenslangen Verdienste im Bereich der Literatur. Noch im selben Jahr ernannte man ihn zum Commander of the Order of the British Empire (CBE). 1977 erhielt Patrick O'Brian vom Dubliner Trinity College die Ehrendoktorwürde in Literatur. Er verstarb im Januar 2000.

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Dirk Jasper FilmLexikon

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