Open Range - Weites Land

Ausführlicher Inhalt

Sattes, üppiges Grün überzieht die Ebenen, kriecht sanfte Hügel hinauf und dehnt sich scheinbar grenzenlos zum Horizont aus, bis sich mächtige Berge vor ihm auftürmen. Es ist gutes Land, friedlich und nahezu unberührt. Hier, irgendwo in den Weiten des amerikanischen Westens, lässt sich Freiheit noch atmen, stört kein Zaun das offene Weideland, das den letzten echten Cowboys ein Leben in Unabhängigkeit ermöglicht.

Charley Waite (KEVIN COSTNER) und Boss Spearman (ROBERT DUVALL) sind "Freegrazer" - Nomaden der Prärie, die mit ihrer kleinen Herde den Westen durchstreifen. Seit zehn Jahren reiten der schweigsame Charley und sein Boss, die ergraute Autoritätsfigur Spearman, Seite an Seite. Suchen nach den letzten Oasen, die der expandierende Grundbesitz der Natur gelassen hat. Beide Männer vertrauen einander und den gleichen Werten. Die Vergangenheit des Partners kennen sie nicht, wohl aber ihre Zukunft. Denn 1882 rückt das große Land immer näher zusammen, und die Zeit scheint abgelaufen für Abenteurer wie sie.

Mit der Weisheit des Alters und der von bitteren Erfahrungen verursachten Strenge führt Spearman das Quartett an. Ist Leit- und Vaterfigur für Charley, den sanften Riesen Mose (ABRAHAM BENRUBI) und den 16-jährigen Mexikaner Button (DIEGO LUNA), der noch genauso verspielt ist wie der Hund, der die Vier auf ihrer Flucht vor der Zivilisation begleitet. Es ist ein Leben in Bescheiden-, aber auch Zufriedenheit, das den eigenen Sehnsüchten und dem Willen der Natur folgt. Schüttet sich der Himmel aus, zieht man sich zurück in die Geborgenheit eines provisorischen Lagers. Wird es Nacht, sitzt man am Feuer und spielt Karten. Kommt die Sonne zurück, lockt das weite Land mit einem Versprechen vollendeter Harmonie. Doch die Menschen sind es, die Einfluss nehmen, ob es auch eingelöst werden kann.

Als einige Vorräte zur Neige gehen, schickt Spearman Mose nach Harmonville, zu einem kleinen, kaum einen Tagesritt entfernten Städtchen. Selbst meiden Spearman und Charley jeden Kontakt mit Siedlungen, doch als ihr Freund nicht zurückkommt, überwinden sie ihre Abneigung und handeln. "Behalte das Gewehr in deiner Nähe", ruft Charley dem im Lager bleibenden Button nach - wohl wissend, dass er es selbst vielleicht bald brauchen wird. In Harmonville überprüfen die Männer ihre Waffen, leitet sie ein Instinkt, der ihnen bisher das Überleben sicherte. Vom etwas konfus, aber aufrichtig wirkenden Stallbesitzer Percy (MICHAEL JETER) erfahren sie, dass ihr Freund in eine Schlägerei verwickelt und danach ins Gefängnis gesteckt wurde. Dort erwartet die beiden Cowboys ein schrecklich verprügelter Mose, der arrogante Sheriff Poole (JAMES RUSSO) und schließlich mit Großrancher Baxter (MICHAEL GAMBON) der Mann, der in Harmonville die Fäden zieht.

Unmissverständlich macht Baxter seinem Hass gegen Freegrazer und überhaupt jeden, der seinen Einflussbereich stört, Luft. Er warnt Charley und Spearman in scharfem Ton davor, jemals wieder zurückzukehren und lässt sie dann mit dem verletzten Mose ziehen. Im Hause von Doc Barlow (DEAN McDERMOTT) finden sie einen integeren Mann, der Mose notdürftig versorgt, und mit Sue Barlow (ANNETTE BENING) eine resolute, aber warmherzige Frau, die beide Cowboys auf Anhieb beeindruckt.

Zurück im Lager zeigt sich Button besorgt über seinen besten Freund, aber auch über maskierte Männer, die er Stunden zuvor beobachtete. Als Waite und Spearman die vier Phantome stellen, verschwinden diese so gespenstisch, wie sie aufgetaucht waren. Aus Sorge, die Banditen, die offensichtlich im Dienste Baxters stehen, könnten nachts die Herde auseinander treiben, vielleicht sogar stehlen, rät Spearman zur Prävention und will ihnen vorab eine Lektion erteilen. So überraschen Waite und Spearman die Vier am Lagerfeuer, demütigen sie und geben ihnen, wenn notwendig, mit dem Gewehrkolben noch eine Warnung mit auf den Weg.

So schnell es die Pferde zulassen, reiten die Cowboys zurück und finden ihre düsteren Vorahnungen bestätigt. Mose wurde mit einem Kopfschuss hingerichtet, ebenso der Hund, und der schwer verletzte Button liegt im Koma zwischen Leben und Sterben. Notdürftig versorgen sie ihn und besprechen ihr weiteres Vorgehen. Weiterziehen bedeutet Buttons, Zurückreiten vielleicht ihren Tod. "Ich habe kein Problem mit dem Töten", versichert Charley seinem Partner, der instinktiv spürt, dass sich hinter den eisigen Worten Charleys Dämonen und eine gewalttätige Vergangenheit verbergen. Nachts, als die Gräber gegraben sind und die Sterne sich am gewohnten Platz eingerichtet haben, bricht Charley sein zehnjähriges Schweigen. Erzählt von seinem ersten Toten und den vielen anderen, die folgten, als er während des Bürgerkriegs in einer brutalen Spezialeinheit diente.

Am nächsten Tag bringen sie Button zu Sue Barlow, die sich in Abwesenheit des Arztes um den Jungen kümmert. Während ein Sturm aufzieht und Dauerregen die Straßen überflutet, sondieren Waite und Spearman das Terrain. Als Waite einen von den Wassermassen davongespülten Hund rettet, sichern sich die Cowboys damit die Dankbarkeit des Besitzers und den Respekt anderer Bürger, die insgeheim mit den Racheplänen der beiden gegen Baxter sympathisieren. Doch noch ist die Angst zu groß, stellt sich niemand gegen den Sheriff, der die Leute, nicht aber die Cowboys einschüchtern kann und schließlich den Rückzug wählt.

Noch einmal sehen die Männer nach dem Jungen, warten auf den Morgen und damit vielleicht auch auf ihren Tod. Vor Sue Barlow gibt Spearman zu, vor vielen Jahren seine Familie verloren zu haben und sich besser um Button kümmern zu wollen, sollte er den nächsten Tag überleben. Für kurze Zeit kehrt Frieden ein, bis plötzlich eine maskierte Gestalt im Zimmer steht und sich dem schlafenden Waite nähert. Blitzschnell zieht der ehemalige Gunman seine Waffe und erwacht aus seinem Albtraum. Gerade noch rechtzeitig, bevor er auf Sue, die direkt vor ihm steht, anlegen kann. Aufgeschreckt von dem, was tief in ihm saß und jetzt heraus will, verlässt Waite das Haus. Als man ihm und seinem Partner im Saloon, der Baxter gehört, einen Drink verweigert, verschafft Waite seiner Forderung mit einer Kugel Nachdruck, während Spearman die verängstigten Bürger beruhigt. Man spürt, dass viele unter der Tyrannei Baxters leiden, und erstmals auch, dass Widerstand sich nicht nur in Worten bilden könnte.

Die Stunden entschlossenen Handelns sind gekommen. In einem Handstreich überwältigen die Cowboys den Sheriff und drei seiner üblen Helfer, schicken sie mit Chloroform in tiefen Schlaf, aus dem am anderen Ende der Stadt gerade Button erwacht. Ein letztes Mal sehen sie nach ihm, bevor mit dem Morgengrauen Baxters Hass nach ihnen ruft. Wortlos ignoriert Waite beim Abschied Sues Signal der Zuneigung. Ermahnt von seinem alten Mentor, geht der Einzelgänger zurück. "Ich bin nicht der Mann, für den Sie mich halten", warnt er Sue. "Ich habe gesehen, wer sie sind", bleibt sie unbeeindruckt und lässt die zwei Männer ziehen in den Kampf, der über ihre und Sues Zukunft, aber auch die der Stadt entscheiden wird.

Erstaunlich gelassen warten die beiden Cowboys auf den möglichen Tod, der in Gestalt von Baxter und einer Übermacht von Halsabschneidern bald in die Stadt einreiten wird. Spearman kauft sich teuerste Schokolade und Zigarren und teilt den Luxus mit denen, die sich ihn nie selbst leisten könnten. Von verängstigten Menschen beobachtet, die auf einem Hügel vor der Stadt in sicherer Entfernung Position bezogen haben, geben sich die Freunde ein letztes Mal die Hand und zollen sich gegenseitig Respekt.

Als sie von Stallbesitzer Percy gewarnt werden, dass sich fünf Männer auf der Hauptstraße nähern und eine unbekannte Zahl irgendwo auf der Lauer liegt, stellen sich Charley Waite und Boss Spearman dem Unvermeidlichen. Konfrontieren Baxter und vier seiner bezahlten Mörder auf offener Straße. Für einen kurzen Moment halten beide Gruppen inne. Schließlich tritt Waite vor, stellt Baxters Killer Butler zur Rede, ob er Mose erschossen habe. Butlers Reaktion ist ein perfides Grinsen, Waites Antwort ein tödlicher Schuss. Mit furchterregender Präzision ist ein blutiger Showdown eröffnet. In wenigen Minuten wird er das Leben von vielen verändern und von einigen auch beenden.

Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: Universum Film © 1994 - 2010 Dirk Jasper