Michael Bay's Texas Chainsaw Massacre

Produktionsnotizen

Über den Beginn der Produktion Das originale THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE aus dem Jahr 1974, das in Deutschland unter dem Titel BLUTGERICHT IN TEXAS in die Kinos gekommen ist, genießt längst Kultstatus. Viele betrachten die schockierende Geschichte, die lose auf einer Reihe wahrer Ereignisse basiert, als einen der größten Thriller aller Zeiten, als Meilenstein des Terrors, als einen der einflussreichsten Filme der letzten 30 Jahre.

Obwohl für ein Minimalbudget von gerade einmal 150.000 Dollar entstanden, gelang es dem Film, weltweit mehr als 100 Millionen Dollar einzuspielen. Auf dem ganzen Globus finden sich die leidenschaftlichen Fans des mittlerweile legendären Schockers von Tobe Hooper. Seine unfassbar bedrohliche und erschreckende Hauptfigur, Leatherface, hat längst einen festen Platz in der Ikonographie der populären Kultur.

Er ist einer der klassischen Filmbösewichte, absolut unverkennbar und von hohem Wiedererkennungswert, während der Film selbst seit seiner Veröffentlichung als Gradmesser für alle weiteren Produktionen seines Genres gilt.

MICHAEL BAY'S TEXAS CHAINSAW MASSACRE ist der erste Film der neu gegründeten Produktionsfirma Platinum Dunes, eine Vereinigung des Filmemachers Michael Bay und Radar Pictures. Bay gründete Platinum Dunes gemeinsam mit seinen Partnern Andrew Form und Brad Fuller.

"Die Idee für diesen Film stand bereits im Raum, bevor wir die Firma gegründet haben", erklärt Produzent Michael Bay. "Ich wollte THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE allein wegen seines Namens machen. Da steckt eine fast mythische Qualität dahinter, weil er einer der ersten Filme seiner Art war."

Der ausführende Produzent und Radar-CEO Ted Field erinnert sich: "Als Michael und ich den Entschluss fassten, geschäftlich gemeinsame Wege zu gehen, war uns schnell klar, dass THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE der geeignete Film wäre, um Platinum Dunes als Namen zu etablieren. Es handelt sich um eine ikonische Geschichte, mit der ziemlich gut gezeigt wird, worum es uns mit Platinum Dunes geht. In dieser Richtung wollen wir weitermachen."

"Uns gefiel die Idee, denn das Kernpublikum für den Film ist klar definiert: junge Männer unter 25. Und obwohl fast alle den Titel kennen, haben 90 Prozent von ihnen das Original niemals gesehen", berichtet der ausführende Produzent Andrew Form.

Im Lauf der Jahre waren zunehmend schlechtere Fortsetzungen von BLUTGERICHT IN TEXAS gedreht worden. Die Produzenten hatten den Eindruck, dass mehr und mehr davon verloren ging, was den nackten Schrecken des unübertroffenen Originals ausgemacht hatte. "Die erste falsche Annahme ist, dass es sich bei BLUTGERICHT IN TEXAS um einen sehr blutigen oder expliziten Film handelt", meint der ausführende Produzent Ted Field. "Zugegeben, es gibt viele verstörende Momente, aber im besten Fall vier Sekunden, in denen Blut fließt. Es war eher das Konzept, von dem der Horror ausging, und nicht die visuelle Gestaltung."

Um das Projekt startklar zu bekommen und Interesse bei potenziellen Verleihern zu wecken, drehte Bay selbst einen kurzen Teaser, der lediglich aus einem schwarzen Bild bestand, während man hören konnte, wie Leatherface ein junges Mädchen in und um ein altes Haus verfolgt. In den letzten zehn Sekunden blitzte kurz ein erschreckendes Bild auf, das vom Röhren einer Kettensäge begleitet wurde. Die Wirkung hätte nicht effektiver sein können.

Der Teaser löste einen regelrechten Run in der Industrie auf das Projekt aus. Daraus ging ein US-Deal mit New Line Pictures hervor, während die Weltrechte an Focus Features verkauft werden konnten.

Ted Field sagt: "Wir brachten das nötige Geld für das Projekt mit alarmierender Geschwindigkeit auf. Uns war klar, dass ein internationales Publikum auf diese Art von Thrillern steht. Aber die Reaktion, die der Teaser bewirkte, übertraf unsere kühnsten Erwartungen."

"Niemand von uns hätte mit derart überwältigenden Reaktionen auf den Trailer gerechnet", stimmt Brad Fuller zu. "Er traf ganz offensichtlich einen Nerv, weil er die pure Emotion, die wir das Publikum beim Betrachten des Films spüren lassen wollten, bestens rüberbrachte."

Eine Herausforderung gab es dennoch: Radar Pictures und Platinum Dunes stand nur ein extrem kurzer Zeitrahmen zur Verfügung, um das Projekt auf die Beine zu stellen. "Wir konnten uns die Rechte an dem Stoff nur für sechs Monate sichern", erinnert sich Field. "In dieser Zeit mußsten wir ein fertiges Drehbuch und einen Plan für die komplette Produktion vorlegen können."

"Wir wollten einen Drehbuchautor, der in der Lage war, die besten Elemente des Originals zu übernehmen und mit ein paar frischen Ideen zu verbinden", sagt Andrew Form. "Als BLUTGERICHT IN TEXAS vor knapp 30 Jahren in die Kinos kam, dachten viele Zuschauer, dass es sich um einen Snuff-Film handeln würde. Wenn man das Publikum dazu bringt, seine Fantasie einzuschalten, anstatt alles gezeigt zu bekommen, dann kann man es dazu bringen, den kompletten Film über vor Anspannung auf der Sitzkante zu verharren. Dem Original war genau das perfekt gelungen."

Diese Vorgabe führte die Filmemacher zu Scott Kosar, der zuvor das Drehbuch zu THE MACHINIST geschrieben hatte. "Wir wollten einen Film über psychologische Angst machen und nicht alles genau zeigen", berichtet Brad Fuller. Die Filmemacher verschrieben sich der Idee, den erschreckenden Elementen des Films eine Gruppe von unbedingt glaubwürdigen Hauptfiguren gegenüber zu stellen: Reale Typen in einer irrealen Situation. "Als wir Scott Kosar trafen, schlug er uns die Eröffnungssequenz mit der Anhalterin vor, die wir so erschütternd fanden, dass uns klar war, dass man damit den Ton treffen würde, der uns für den gesamten Film vorschwebte", meint Andrew Form.

Kosar war ein bekennender Fan des Originals und war begeistert von der Idee, den altbekannten Schauplatz auf eine andere Weise erneut zu besuchen. "Als ich zum ersten Mal von der Idee einer Neuauflage hörte, war ich etwas verunsichert von der Vorstellung, einen makellosen Klassiker neu zu schreiben", sagt Kosar. "Doch nach meinem ersten Treffen war mir klar, dass es den Produzenten nicht um ein Ausschlachten des Materials ging. Vielmehr war es ihnen wichtig, eine extrem erschreckende Version des Originals zu erschaffen, bei der es mehr um Suspense und psychologischen Terror als um Ekel und Brutalität geht."

Während Kosar fieberhaft an einer ersten Fassung des Drehbuchs arbeitete, begann für die Produzenten die Suche nach einem Regisseur für ihr Filmprojekt. Fündig wurden sie mit dem extrem erfolgreichen Werbespot-Visualisten Marcus Nispel. Ted Field zählt sich schon seit langem zu den Bewunderern der Arbeit Nispels. Er hatte ihn bei Interscope Records an Bord geholt, um für die Plattenfirma Musikvideos zu drehen (u. a. für "No Doubt") und mit dem Regisseur zuvor bereits an der Entwicklung diverser Stoffe gearbeitet.

Obwohl mehrere Regisseure für diesen Film in Frage kamen, begeisterte sich auch Michael Bay schnell für die Idee, Marcus Nispel zu verpflichten. "Ich habe Marcus' Arbeit schon immer bewundert", erzählt er. "Wir sind in der gleichen Branche groß geworden. Ich hielt ihn schon immer für verdammt talentiert und wollte unbedingt mit ihm arbeiten. Er hat eine große Vision und ist unglaublich, wenn es ums Drehen geht."

Das Interesse von Nispel, der mit seinen mehr als 1.000 Werbespots und Musikvideos eigentlich jeden erdenklichen Preis der Branche gewinnen konnte, wurde geweckt, weil die Filmemacher willens waren, mit ihren kreativen Entscheidungen gegen den Strom zu schwimmen. "Ich mag Filme, die dekonstruiert sind", merkt Nispel an. "Als ich das Drehbuch las, konnte ich es einfach nicht mehr beiseite legen." Zum ersten Termin mit den Produzenten erschien er bestens vorbereitet. "Er brachte ein paar ausgesprochen schräge Bilder und Fotos aus Magazinen mit, um seine Ideen zu verbildlichen", erinnert sich Michael Bay. "Er hatte jede Menge guter Vorschläge."

Der Regiedebütant war außerdem begeistert von der Vorstellung, mit Michael Bay an einem Film arbeiten zu können. "Ich hatte den Eindruck, dass es eine einmalige Möglichkeit war, mit jemandem etwas zu erschaffen, der eigenhändig Hollywood verändert hat, in dem er die besten Elemente der Werbefilm- und Spielfilmwelt zusammenführte", sagt der Regisseur. "Werbespots sind Sprints, Spielfilme sind Marathons. Und wie niemand anderer gestattete er mir, die Besten aus Sprint und Marathon bei der Zusammenstellung meiner Crew zusammen zu holen."

Die erste Person, die Nispel in sein kreatives Team berief, war Kameramann Daniel Pearl, mit dem er an vielen seiner prämierten Werbespots und Musikvideos gearbeitet hatte und der auch schon Michael Bay als Director of Photography zur Seite gestanden war. Es war reiner Zufall, dass Pearl schon bei Tobe Hoopers BLUTGERICHT IN TEXAS aus dem Jahr 1974 das Licht gesetzt hatte. So bot sich für den Kameramann die einmalige Gelegenheit, der Geschichte ein zweites Mal visuell ein Gesicht zu verleihen. Tatsächlich ist Pearl der erste Kameramann in der Geschichte Hollywoods, der ein Remake seines Filmdebüts drehte.

"Daniel hat im Lauf der Jahre oft über BLUTGERICHT IN TEXAS gesprochen", sagt Marcus Nispel. "Mir gefiel, was er damals gemacht hatte. Meine Absicht war es, der realistischen Stimmung mit meiner Fassung nahe zu kommen. Gleichzeitig sollte Daniel hinzufügen können, was er sich in den letzten drei Jahrzehnten an Wissen angeeignet hat. Nach langem Nachdenken über das Projekt sagte er zu mir etwas Tolles: ,BLUTGERICHT IN TEXAS ist alles, was ich bin. Wenn ich das jetzt vermassele, dann bin ich Nichts.' Da wusste ich, dass ich auf ihn zählen können würde."

Für Pearl war es ein schicksalhaftes Erlebnis, nach all den Jahren wieder nach Austin, Texas, zurück zu kehren - die Stadt, in der er das College besucht und seine Filmkarriere begonnen hatte. "Das ist ein merkwürdiger Zufall, dass dieser Film zu Stande kam, denn in den letzten fünf oder sechs Jahren habe ich bei Werbespots und Videos mit Marcus meine beste Arbeit geleistet", berichtet Pearl. "BLUTGERICHT IN TEXAS wurde in das Museum of Modern Art aufgenommen. Diese Neuauflage als Kameramann zu begleiten, war die größte Herausforderung meines Lebens. Denn ein Großteil dessen, wer und was ich heute bin, basiert auf meinen Erfahrungen mit dem ersten Film."

Den Filmemachern war es wichtig, auch ihren Film in und um Austin zu drehen. Sie wollten auf diese Weise sicherstellen, visuell exakt den Look des ländlichen Texas einzufangen. "Texas ist nett, denn dort findet man eine große Anzahl unterschiedlicher Looks", meint Michael Bay. "Das ist Amerika pur, wo die Zeit stillzustehen scheint. Und fotogen ist diese Gegend. Der Himmel dort ist wunderbar. Und die Leute sind klasse."

Bay schickte den Location-Scout Richard Klotz nach Texas, um dort Fotos von möglichen Drehorten zu machen und dem Produzenten vorzulegen, bevor er nach Miami reiste, wo er Bay bei dessen neuestem Film BAD BOYS II ("Bad Boys II", 2003) unterstützte. "Er bereiste den Staat etwa eine Woche lang und kam dann mit unglaublichen Fotos zurück, auf denen gruselige Orte zu sehen waren. Die sahen aus, als kämen sie direkt aus dem Drehbuch", lacht Michael Bay.

Obwohl Marcus Nispel den Film ursprünglich in Palmdale in Kalifornien drehen wollte, um Geld zu sparen, wurde er von Klotz' Fotos überzeugt. "Marcus überlegte aus ökonomischen Gründen, nicht zu einer Original-Location zu reisen", erinnert sich Bay, der zuvor schon einmal in Texas gefilmt hatte. "Aber ich sagte zu ihm: ,Mensch, Marcus, du mußst einfach in Texas drehen. Es wird dich umhauen, welche Aufnahmen du dort in den Kasten kriegen wirst'."

Nispel schreibt die hohen Produktionswerte von MICHAEL BAY'S TEXAS CHAINSAW MASSACRE vor allem den Drehorten in Texas zu. "In Texas wird nichts weggeworfen", sagt er. "Wir brauchten 25 Locations für den Film, was angesichts eines auf 39 Tagen angelegten Drehs nicht unproblematisch war. Wir lösten die Probleme, indem wir drei Hauptdrehorte fanden, die so viele Facetten und Gesichter hatten, dass wir einen Großteil unseres Films dort unter Dach und Fach bekommen konnten."

Die Suche nach den Darstellern Austin stand also als Hauptdrehort fest. Nun konnten sich die Filmemacher um die Besetzung ihrer Produktion kümmern. Sie mußsten Schauspieler finden, die die legendäre Geschichte von fünf College-Studenten, die bei ihrer Fahrt in einem Van durch Texas Terror von unfassbarem Ausmaß erleben, zu Leben erwecken konnten, als würde sie zum ersten Mal erzählt werden. "Als wir mit dem Casting begannen, traten wir erst einmal mit der Nachricht an die Öffentlichkeit, dass uns nicht daran lag, einen Slasher-Film zu drehen", erklärt der ausführende Produzent Andrew Form. "In der ersten halben Stunde des Originals passiert nicht viel, was darauf hinweisen würde, dass hier in Kürze der nackte Terror Einzug halten wird. Man trifft diese Kids in ihrem Bus. Man hängt ein bisschen mit ihnen rum. Man lernt sie kennen. Das Gleiche wollten wir in unserem Film machen. Als sich in der Filmgemeinde herumsprach, dass wir uns auf unkonventionelle Weise an das Material heranwagten, öffnete sich so manche Tür für uns. Wir hatten auf einmal Zugang zu einem ganz anderen Kaliber von Schauspielern."

Der erste und wichtigste Schritt bei der Besetzung war die Suche nach der Hauptfigur: die eigenwillige Schönheit Erin, die in sich ungeahnte Stärke und Entschlossenheit finden mußs, um aus einer scheinbar aussichtslosen Situation herauszukommen. Diese Figur steht im Mittelpunkt des Films und treibt die Geschichte voran.

"Als das Drehbuch geschrieben wurde, fügte Scott Kosar kurze Beschreibungen jeder Figur hinzu. Bei Erin schrieb er, sie könnte Miss Texas sein, wenn sie nicht so hemdsärmelig und tatkräftig wäre", erinnert sich Andrew Form, der mit Jessica Biel ein Spiel der L.A. Lakers besuchte, um sie kennenzulernen und herauszufinden, ob sie die Qualitäten Erins hätte. "Meine Kollege Brad Fuller und ich waren sofort hingerissen von ihr."

"Das ist eine taffe Rolle, die man erst einmal spielen mußs", sagt Michael Bay. "Man mußs mit ihr fiebern und ihr das auch abnehmen, wenn sie ihre härtere Seite offenbart. Sie ist eine weibliche Heldin. Und Jessica verlieh ihrer Erin sowohl Härte als auch Sex-Appeal. Außerdem wirkt sie unglaublich ehrlich. Darauf werden die Leute anspringen."

"Ich habe gruselige Filme schon immer geliebt", gesteht Jessica Biel. "Das Genre interessiert mich, seitdem ich ein Kind war. Ich liebe es, wenn ich eine Gänsehaut bekomme und mir kalte Schauer den Rücken herunter laufen. Ich habe natürlich auch BLUTGERICHT IN TEXAS geliebt. Und das Drehbuch für den Film war ungemein realistisch. Für mich bestand kein Zweifel, dass ich Erin spielen wollte. Sie ist eine der stärksten Figuren in dem Film. Denn als die Dinge für sie und ihre Freunde richtig schlimm werden, verliert sie nicht den Verstand. Sie ist verzweifelt darum bemüht, alle beieinander zu halten."

Im Film verkörpert Erin das soziale Gewissen ihrer kleinen Gruppe. Als ihr Freund Kemper (gespielt von Eric Balfour) beinahe eine ziellos auf der Straße wankende junge Frau überfährt, ist es Erin, die ihn überredet, wieder umzudrehen und sie mitzunehmen. Kemper mußs sich entscheiden zwischen Erins hilfsbereitem Auftreten und den eigennützigen Wünschen der Freunde, die einfach nur ein Konzert von Lynyrd Skynyrd in Dallas nicht verpassen wollen. Es ist seine Entscheidung, die ihn und seine Freunde schließlich in Lebensgefahr bringt.

Kemper ist der Anführer der Gruppe, aber er verlässt sich auf Erins gesunden Menschenverstand, als sie immer tiefer in Schwierigkeiten geraten. "Kemper will es sowohl seiner Freundin als auch seinen Kumpels recht machen", meint Eric Balfour, den das amerikanische Fernsehpublikum vor allem als Gabe aus der HBO-Fernsehserie "Six Feet Under" und das deutsche Publikum aus "24" kennt. "Er beweist auf altmodische Weise Stärke. Mir gefällt diese dramatische Idee, dass Figuren etwas aus purer Verzweiflung tun, weil sie keine andere Möglichkeit haben."

Als die Situation immer schlimmer wird, bewahrt Kemper einen kühlen Verstand. "Er ist es, der letzten Endes die Entscheidung darüber trifft, ob man die erschreckende Bluttat, die in seinem Van stattfand, der örtlichen Polizei meldet", sagt Marcus Nispel. "Er liebt Erin und weiß, dass sie von ihm erwartet, dass er das Richtige macht und Hilfe sucht."

Marcus Nispel bat ganz spezifisch darum, Eric Balfour für die Rolle des Kemper zu casten, nachdem er ihn zunächst in "Six Feet Under" und später in der Rolle des Teufels in einem Auto-Werbespot gesehen hatte. "Ich wusste, dass Eric der Richtige ist, wenn es darum geht, einen Typen zu spielen, der es faustdick hinter den Ohren hat", meint Nispel.

"Eric entsprach völlig der Figur des Kemper", merkt der ausführende Produzent Brad Fuller an. "Wenn man mit Eric zum Abendessen geht, dann ist er der Typ am Tisch, der pausenlos die Witze reißt und entscheidet, wer was isst. Und Kemper ist genau so. Er kümmert sich um seine Freunde. Und man glaubt, dass er es ist, der sie aus dem ganzen Schlamassel wieder herausbringen kann."

Jonathan Tucker spielt Morgan, einen introvertierten, Kopf gesteuerten Studenten, der nach eigenem Bekunden Spezialist für jeden noch so banalen und nutzlosen Themenkreis ist. "Morgan ist der ultimative Pragmatiker", sagt Tucker. "Er ist smart, sehr sarkastisch, witzig, aufgesetzt und manchmal ziemlich pedantisch. Er tischt seinen Freunden unentwegt die Tatsachen auf und spricht das aus, was er und das Publikum sieht. Er versucht alle dazu zu bewegen, kurz einmal inne zu halten und auf diese Weise zu einer rationaleren Entscheidung zu kommen."

Eine große Portion Entschlossenheit verhalfen Tucker zu einer Rolle im Film. "Obwohl Jonathan der beste Schauspieler beim Vorsprechtermin war, kam er der Figur rein äußerlich überhaupt nicht nahe", erinnert sich Marcus Nispel. Aber Tucker ließ nicht locker. Also beschrieb Nispel die Figur als "eine Mischung aus John Lennon und Richard Dreyfuss in DER WEISSE HAI ("Jaws", 1975)". Kurzentschlossen engagierte Tucker einen befreundeten Make-up-Künstler, der ihn mit Hilfe angeklebter Koteletten, eines Schnurrbarts und Brille mit Drahtgestell in die gewünschte Kombination verwandelte. So ging Tucker erneut zum Vorsprechen. "Ich heuerte ihn sofort an, nachdem ich sein Tape und den Look, den er für sich selbst entworfen hatte, sah", merkt Nispel mit einem Lachen an.

Jeder kennt einen Typen, der immer genau das Falsche zur unpassendsten Zeit sagt. In der Gruppe von Erins und Kempers Freunden fällt diese zweifelhafte Ehre Andy zu, der von Mike Vogel gespielt wird. Andy ist Kempers bester Freund und wie er ebenfalls Mechaniker. Aber seinem Charme des netten Jungen von nebenan stehen stets sein loses Mundwerk mit unheimlich derben Kommentaren und ein entsprechendes Verhalten gegenüber. "Andy ist ein Typ, der es nur gut meint", so Vogel. "Er hat nicht vor, irgendjemanden zu beleidigen. Aber ohne Absicht gelingt ihm das doch jedes Mal wieder aufs Neue. Gleichzeitig kann er sehr komisch sein, was sehr entwaffnend sein kann, gerade bei angespannten Situationen. Er hat immer einen dummen Kommentar parat, der in genau diesem Moment so unpassend ist, dass man seinen Ohren nicht trauen will, dann aber doch losprusten mußs vor Lachen."

Bei Filmbeginn hat die Gruppe bereits eine Anhalterin aufgelesen: die bildhübsche, freizügige Pepper (gespielt von Erica Leerhsen), die sofort einen Draht zu Andy hat. "Erica war die erste Schauspielerin, die wir für den Film besetzten", offenbart Andrew Form. "Ihr Vorsprechtermin war unglaublich. Wirklich unvergesslich war, wie verrückt sie schreien konnte - da stockte einem förmlich der Atem." Und Brad Fuller fügt hinzu: "Erica ist die beste Brüllerin, die ich in meinem Leben gehört habe. Es war völlig verstörend, ihr dabei zuzusehen, wie sie in einem einsamen, von Neonlicht beleuchteten Raum so tat, als würde sie von Leatherface verfolgt werden."

"Pepper ist ein totaler Hippie", sagt Leerhsen. "Sie will einfach nur eine gute Zeit haben und verknallt sich sofort in Andy, weil sie eine ganz intensive, leidenschaftliche Verbindung zu ihm verspürt."

Im Film überredet Erin ihren Freund Kemper, wieder umzudrehen und einem Blut verschmierten und völlig verstörten Mädchen (Lauren German) zu helfen, das sie beinahe überfahren hätten, während sie die ländliche texanische Straße entlang heizen. An Bord ihres Vans verhält sich der Teenager zunächst auffallend still, bis ein brutaler Akt von ihr die Freunde zwingt, beim örtlichen Sheriff nach Hilfe zu suchen. Er wird von dem erfahrenen Charakterdarsteller R. Lee Ermey gespielt, den Marcus Nispel als seine "Geheimwaffe" bezeichnet.

"Als wir nach Schauspielern für die Rolle des Sheriff Hoyt suchten, war R. Lee immer das Maß der Dinge. Er war es, den wir gewinnen wollten. Wir befürchteten aber, dass das nichts bringen würde, weil wir nicht genug zahlen könnten", erinnert sich Nispel. "Er hat die Fähigkeit, eine Rolle mit einer durchgeknallten Art von Humor zu spielen - und Michael Bay fand immer, dass das der Schlüssel zu der Figur des Sheriffs war. Bei jedem anderen Schauspieler hätten die Dialoge des Sheriffs albern geklungen. Aber R. Lee hat es wie kein anderer drauf, seine Sätze komisch und verstörend zugleich klingen zu lassen."

Entscheidend beim Zusammenfügen des Besetzungspuzzles war die Suche nach einem geeigneten Darsteller für die körperlich herausfordernde Rolle des Thomas Hewitt - besser bekannt als Leatherface, einer der berüchtigtsten Serienmörder aller Zeiten. Nicht nur mußste man einen Schauspieler mit gewaltiger Kraft und körperlicher Athletik finden, sondern auch jemanden, der in der Lage war, bei 40 Grad im Schatten mit Fleischmaske und schwerem Kostüm herumzulaufen.

"Das Erschreckende an der Figur des Thomas Hewitt ist sein absoluter Mangel an Vorsatz. Er ist einfach nur eine Mordmaschine", erklärt Brad Fuller. "Dies ist eine Figur ohne jedes Gewissen. Nichts kann ihn davon abhalten, was er tun will." Der ausführende Produzent findet, dass eine der verstörendsten Qualitäten von Leatherface seine Undurchschaubarkeit ist. "Wir wollen, dass das Publikum zu einem eigenen Schluss kommen mußs, warum Leatherface so ist, wie er ist", fügt Fuller hinzu.

Schließlich ging die berühmt-berüchtigte Rolle an Andrew Bryniarski. Große Mühe wurde darauf verwandt, die Identität des Schauspielers während der gesamten Produktion geheim zu halten. Die weiteren Parts in MICHAEL BAY'S TEXAS CHAINSAW MASSACRE gingen an David Dorfman als texanischer Junge Jedidiah, Terrence Evans als an den Rollstuhl gefesselter Old Monty, Heather Kafka als Henrietta und Marietta Marich als Luda May.

Als sie das Casting hinter sich gebracht hatten, zeigten sich die Filmemacher mehr als begeistert von ihrem Ensemble. "Nach der ersten Runde der Vorsprechtermine erstellten wir eine Liste mit unseren jeweiligen Wunschkandidaten. Jeden davon haben wir gekriegt", erzählt Marcus Nispel. "Das klingt wie ein Klischee, ist aber die volle Wahrheit. Jeder Schauspieler, den wir haben wollten, hatte die gleiche Begeisterung für das Projekt wie wir."

Der ausführende Produzent Andrew Form stimmt zu: "Als wir beschlossen, dass MICHAEL BAY'S TEXAS CHAINSAW MASSACRE die erste Produktion von Platinum Dunes werden sollte, war es unser Ziel einen Film zu machen, der mehr sein sollte als das, was man gegenwärtig auf dem Markt findet. Ein Teil unserer Formel ist das großartige Drehbuch von Scott Kosar; ein weiterer Teil ist ein visionärer Regisseur wie Marcus Nispel an der Spitze des Projekts. Und das letzte entscheidende Puzzlestück ist ein vielseitiges, ungewöhnliches und überraschendes Ensemble. Was wir mit unserem Film erreichen wollten, hat seit langem niemand mehr probiert. Es war unser Glück, dass unsere Schauspieler voll mitzogen."

Der Dreh in Texas Nun begannen die Filmemacher mit den Vorbereitungen für den 39 Tage andauernden Dreh, der in den Außenbezirken von Austin und angrenzenden Dörfern abgewickelt wurde. Je näher der Drehstart rückte, desto mehr waren die Filmemacher von der ungewöhnlichen Idee überzeugt, den Film in chronologischer Reihenfolge zu drehen. "Ich habe versucht, Marcus die Lektionen beizubringen, die ich durch all meine Fehler gelernt habe", sagt Produzent Michael Bay. "Wenn man den Film in chronologischer Reihenfolge drehen kann, dann sollte man es auch tun. Jeder Regisseur würde das so machen, gesetzt den Fall, man überzieht den Drehplan nicht. Nicht nur die Darstellungen und die Art und Weise, wie sie sich aufbauen, sind besser, man kann auch Anschlussfehler besser vermeiden. In dem Moment, in dem man beginnt, nicht chronologisch zu drehen, öffnet man die Büchse der Pandora. Tatsächlich gelang es uns, einen Drehplan zu erstellen, mit dem uns der Dreh in chronologischer Reihenfolge weitgehend ermöglicht wurde. Und das war enorm hilfreich."

Ein angenehmer Nebeneffekt davon ist, dass man die Schauspieler auf diese Weise besser auf die erschreckendsten und mental anstrengendsten Szenen des Films vorbereiten kann. "Der dramatische Bogen von Jessicas Figur entfaltete sich viel natürlicher und machte es ihr einfacher, die zutiefst emotionale und körperlich anstrengende Darstellung abzuliefern, die wir dringend von ihr brauchten", kommentiert Andrew Form.

Ein weiterer Vorteil war es, dass die Produktion auf diese Weise ausgesprochen komfortabel von Tag- zu Nachtdrehs wechseln konnte. "Selten werden Filme chronologisch gedreht, aber wir fanden, dass es unbedingt sinnvoll ist, unseren Film auf diese Weise zu drehen, denn rein zeitlich beginnt er um zwei oder drei Uhr nachmittags und endet gegen sechs Uhr in der Früh", fügt Form hinzu.

Eine der größten Herausforderungen bei dieser Art Dreh war es, dass die dialoglastigen Szenen im Bus gleich in der ersten Woche der Dreharbeiten gemeistert werden mußsten. Das verlangte von den Schauspielern, dass sie sich sehr schnell überzeugend die typische Vertrautheit, wie sie zwischen langjährigen Freunden herrscht, aneignen mußsten, bevor die erste Klappe fiel. Nur so konnten die Szenen das angestrebte organische Feeling haben, das sich die Filmemacher ausgemalt hatten.

Brad Fuller sagt: "Wenn man diese Ebene der Figurenentwicklung erreicht, dann zahlt sich das im zweiten und dritten Akt unbedingt aus. Damit diese Dynamik auf der Leinwand zu spüren ist, ließen wir unseren Schauspielern viel Zeit, einander kennen zu lernen."

Die Filmemacher luden die fünf Hauptdarsteller zwei Wochen vor Start der Dreharbeiten nach Texas ein, damit sie die Möglichkeit hatten, miteinander Freundschaft zu schließen. "Sie probten am Tag, und am Abend gingen wir mit ihnen Essen", erinnert sich Fuller. "Nach der ersten Woche geschah etwas Erstaunliches: Sie nahmen mehr und mehr die Persönlichkeit ihrer Filmfiguren an. Ihre Freundschaft ergab sich ganz natürlich. Das war nichts, was wir für den Film hergestellt hätten. Wenn man sie auf der Leinwand zusammen sieht, ist es offensichtlich, dass sie einander mögen."

Jessica Biel stimmt dem ausführenden Produzenten zu. Sie glaubt, "dass es unglaublich hilfreich war, dass wir uns in Austin ein paar Wochen vor Beginn des Drehs in einem normalen sozialen Umfeld kennen lernen konnten. Wir kamen schnell super zusammen aus. Es kam uns vor, als würden wir uns schon unser ganzes Leben lang kennen. Wir sind alle ungefähr gleich alt und teilen eine gemeinsame Einstellung, die es uns erleichtert, alles nicht so ernst zu nehmen. Wir waren wild entschlossen, eine gute Zeit miteinander zu verbringen und unsere Darstellungen so authentisch wie nur möglich werden zu lassen."

Der unerträgliche Sommer von Austin machte seinem Namen alle Ehre. Bisweilen erreichte das Thermometer Temperaturen von mehr als 40 Grad. Die Dreharbeiten begannen dennoch in einem alten Van aus den 70er Jahren, der durch eine einsame Nebenstraße in Taylor, Texas, fuhr. Im Bus stiegen die Temperaturen auf 70 Grad an. Doch die Schauspieler nutzten die schwierigen Umstände zu ihrem Vorteil.

"Ich wusste schon vor dem Dreh, dass der Sommer in Texas heiß sein kann. Aber nichts hätte einen darauf vorbereitet, wie es ist, den Tag mit fünf Schauspielern, einem Regisseur und einer Kameracrew in einer alten Sauna, die sich Bus schimpft, zu verbringen", lacht Eric Balfour. "Zeitweise war das ziemlich hart, aber die Szenen erhielten dadurch auch eine Intensität, die man unter weniger extremen Umständen niemals hätte erzielen können."

"Die erste Woche war absolut erschöpfend", erinnert sich auch Marcus Nispel. "Das war die heißeste Woche während der gesamten Dreharbeiten. Dann auch noch mit Beleuchtung und Kameras in einem winzigen Bus zu stecken, macht einen fix und fertig. Unter diesen schwierigen Umständen verschmelzen der Film, den man macht, und die Produktion miteinander. Den Schauspielern ist so heiß, dass sie das Schauspielern vergessen. Sie sind nur noch damit beschäftigt, einfach nur zu sein. Das wiederum führt zu einer Art überhöhter Realität, die in den ersten Szenen des Films ganz authentische Darstellungen ermöglichte."

Nach dem dramatischen Auftakt des Films überredet Erin ihren Freund Kemper und ihre Weggefährten, anzuhalten und den Sheriff zu suchen. Diese Suche führt sie zu dem berüchtigten Hewitt Farmhouse, das als Grundlage für den dann folgenden Terror dient.

Das Farmhaus, das im Film zum Einsatz kam, wurde 1854 auf dem Campus der University of Texas errichtet und dann in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts mit Pferd und Wagen zu einer 750 Hektar großen Farm in Taylor, Texas geschleppt. Als der Dreh begann, stand das Haus mit seinen sechs Zimmern bereits seit etwa 40 Jahren leer. Zur großen Begeisterung der Filmemacher konnte die Produktion insgesamt sechs komplette Sets auf dem Anwesen aufbauen.

"Das Hewitt House ist etwa 150 Jahre alt. Und es ist eines der Angst einflößendsten, beunruhigendsten Häuser, das ich jemals gesehen habe", erklärt der ausführende Produzent Brad Fuller. "Da bekommt man unweigerlich eine Gänsehaut", fügt Michael Bay hinzu. "Wir fanden Rechnungen und Schecks aus den 20er Jahren." Und Fuller fügt hinzu: "Es war höchst verstörend, sich dort aufzuhalten. Wenn wir unsere Arbeit gut gemacht haben, wird das Publikum sich ebenso fühlen."

Marcus Nispel erklärt, dass die Drehorte auf gewisse Weise definieren, was genau an diesem Film gruselig ist: "Wir hatten das große Glück Locations zu finden, die ihrerseits bereits mit Geschichte aufgeladen waren. Wenn man an die Häuser in großartigen Thrillern denkt, dann fallen einem PSYCHO ("Psycho", 1960), AMITYVILLE HORROR ("The Amityville Horror", 1979) und DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER ("The Silence of the Lambs", 1991) ein. Diese Häuser haben sich in das kollektive Gewissen der Menschen eingebrannt. Und wir hoffen natürlich, dass in Kürze auch Hewitt House dazu zählen wird."

Vom ersten Drehtag an zeigten sich die Filmemacher extrem beeindruckt vom Einsatz und der körperlichen Gegenwart, die Jessica Biel jeden Tag aufs Neue mit ans Set brachte. "Ich glaube nicht, dass wir diesen Film mit irgendjemand anderem als Jessica Biel hätten machen können", sagt Andrew Form. "Sie war wahnsinnig an ihrer Figur interessiert und bei allem, was sie sagte oder tat, stets um Authentizität bemüht. Ob sie nun ein Auto kurzschließen oder sich im Gefrierraum einer Fleischerei verstecken sollte: Sie stellte immer deutlich klar, wie sie das machen würde. Das war sehr hilfreich für uns, denn sie wurde regelrecht zu Erin und kannte die Figur besser als wir."

Form fügt hinzu, dass Biel darauf bestand, ihre eigenen Stunts durchzuführen. Nur wenn es Sicherheitsgründe auf keinen Fall zu ließen, war sie bereit, sich doubeln zu lassen. "Sie wollte im Grunde alles machen, was nicht offensichtlich lebensgefährlich war", meint er. "Das erlaubte es uns Szenen zu drehen, in denen man die gesamte Hauptdarstellerin sieht und nicht nur ihre Füße oder ihren Rücken. Man sieht, wie sie eine Mauer hochklettert, wie sie herunter springt und verfolgt wird."

Für Biel war die Rolle eine stetige Probe ihrer körperlichen und emotionalen Belastungsfähigkeit. "Körperlich war das eine große Herausforderung", erklärt sie. "Jeden Tag mußste ich durch die Wälder laufen oder über Dinge springen oder jemand durch das Haus schleppen. Ich bin ziemlich athletisch, aber am Ende des Drehs hatte ich am ganzen Körper Schnitte und blaue Flecken. Das war harte Arbeit, aber es macht den Film viel glaubwürdiger und gruseliger, wenn man in den entscheidenden Szenen das Gesicht der Hauptfigur sieht."

Für Biels Kollegen war der Dreh nicht minder anstrengend, wie Eric Balfour bestätigen kann, der als Erins Freund Kemper einiges einstecken mußs. "Das war ein wilder Ritt", lacht der Schauspieler. "In den ersten Wochen der Produktion brach ich mir die Hand, die dann in einen Spezialgips gesteckt wurde, den ich bei den Aufnahmen abnehmen konnte. Ich hatte auch die große Freude, kopfüber aufgehängt zu werden. Dann kippte man Wasser und Blut über mich. Zwischendurch mußste ich mich selbst daran erinnern, dass wir hier MICHAEL BAY'S TEXAS CHAINSAW MASSACRE drehen. Das ist ein Traum, der in Erfüllung geht, weil ich mit Filmen wie DER EXORZIST ("The Exorcist", 1973) und AMITYVILLE HORROR ("The Amityville Horror", 1979) groß geworden bin und schon immer in einem Film mitspielen wollte, der den Leuten einen riesigen Schrecken einjagt."

Angesichts des verstörenden Materials und Gänsehaut erregender Locations, zu denen verlassene Häuser, Baumwollfelder, eine reale Fleischfabrik und endlose Abschnitte verlassener ländlicher Straßen zählen, verschwammen die Grenzen zwischen Fakt und Fiktion mehr und mehr. Speziell bei den intensiven Nachtdrehs, die die letzten sechs Wochen der Dreharbeiten in Anspruch nahmen, spürte man die Anspannung.

"In meinem Privatleben befinde ich mich ständig in einem Zustand, der sich mit Gruselfilmen vergleichen lässt", erklärt Erica Leerhsen. "Ich bin nun mal jemand, der sich leicht erschrecken lässt. Marcus war sehr gründlich, wenn es darum ging, uns in ein Arbeitsumfeld zu stecken, das der harten Realität dieser fünf Kids entsprach. Ich war pausenlos am Ende mit meinen Nerven, denn das gesamte Ensemble war so sehr zusammen gewachsen, dass ich ehrlich das Gefühl hatte, ich müsste das Leben meiner Freunde retten."

Regisseur Marcus Nispel unterstreicht, dass das erbarmungslose Wetter und die rigorose Action Darsteller und Crew gleichermaßen herausforderten, gleichzeitig aber auch für jene Dimension von Realität sorgte, die er von Anfang an verfolgt hatte. "Es war entweder so heiß, dass man keine klaren Gedanken fassen konnte, oder aber man war erschöpft, weil man die ganze Nacht im strömenden Regen zugebracht hatte", erinnert er sich. "Ob wir nun mitten in der Nacht im knöcheltiefen Matsch oder im Regen drehten: Dieses Umfeld hatte einen positiven Einfluss auf die Leistungen der Schauspieler. Am Ende des Drehs hatte Jessica vom vielen Schreien ihre Stimme verloren und ihre Augen waren von Infektionen und dem vielen Weinen geschwollen wie die eines Profiboxers. Wenn man diese Art der Wahrhaftigkeit mit den umwerfenden Darstellerleistungen kombiniert, dann gibt das dem Film eine überhöhte Realität, die das Publikum fesselt. Der Zuschauer hat dann das Gefühl, als wäre er mitten drin bei dieser schrecklichen Reise in die Finsternis."

Trotz all der Herausforderungen, die sich aus dem ambitionierten Drehplan ergaben, wurde der oft imitierte und überaus ansteckende Schlachtruf "Wir drehen!" von Regisseur Nispel zu einer Art Slogan, der Besetzung und Crew dazu animierte, immer wieder aufs Neue bis an ihre körperlichen und geistigen Grenzen zu gehen.

"Marcus zeigte als Regisseur soviel Einsatz, wie es menschlich eben nur möglich ist", sagt der ausführende Produzent Brad Fuller. "Er lebte diesen Film über sechs Monate hinweg. Seine Leidenschaft und Energie, die Qualität des Films aufrecht zu erhalten und den Dreh gleichzeitig zu einem Erlebnis für alle Beteiligten zu machen, waren unübertroffen. Er denkt in bildlichen Maßstäben. Das ermöglichte es ihm und seinem Kameramann Daniel Pearl einen Film wie diesen zu nehmen und ihn mit einem visuellen Stil voller Farben zu füllen, wie man das heutzutage nur noch selten sieht."

Weil er zuvor schon oft mit Nispel an dessen prämierten Werbespots und Musikvideos gearbeitet hatte, verstand sich der Kameramann während der kurzen Vorbereitungszeit nahezu blind mit seinem Regisseur.

"Marcus ist absolut fähig, wenn es um das Erzählen einer Geschichte geht. Dazu kommt noch ein sehr ausgeprägter Sinn für das Visuelle und Grafische", sagt Pearl. "Wir haben in den letzten vier Jahren pro Jahr etwa 25 bis 30 mal zusammen gearbeitet. In dieser Zeit haben wir eine visuelle Kurzschrift entwickelt, die es uns erlaubt, sehr ehrlich über Dinge zu diskutieren. Für MICHAEL BAY'S TEXAS CHAINSAW MASSACRE haben wir einen eigenen Dreh- und Beleuchtungsstil entwickelt, der auf der Arbeit aufbaut, die ich mit Marcus im Lauf der Jahre geleistet habe. Diesmal kamen allerdings ein paar finstere Wendungen dazu."

Mit Pearl als Kameramann konnte sich Nispel auf ein starkes zweites Auge verlassen. Pearl zögerte außerdem nicht, seine eigenen Ideen in das Projekt einzubringen. "Daniels stärkstes Attribut ist es, dass er keine Angst hat, sich für etwas, wovon er überzeugt ist, stark zu machen", sagt Nispel. "Für mich ist das sehr wichtig, weil ich einen sehr starken Willen habe und unbedingt mit Leuten arbeiten mußs, die mir ungeschminkt sagen, was für das Gelingen einer Einstellung noch fehlt. Das ist manchmal so, als hätte man einen zweiten Regisseur am Set. Für mich ist das ein unschätzbarer Bonus."

Um den unverkennbaren Look des Films zu erzielen, ermöglichte Nispels und Pearls Kurzschrift einige abenteuerliche Techniken. "Ich mag es, so viel wie möglich durch Öffnungen in Fenstern, Türen und Löchern in Dächern zu beleuchten, weil das dem Regisseur erlaubt, sich sehr frei im Raum zu bewegen", erläutert Pearl. "Der Ton des Films wurde durch eine Kombination aus Objektiven, Kamerawinkeln und - am wichtigsten - der Beleuchtung erzielt. Meistens setzen wir bei sehr minimalistischer Beleuchtung, meist erzielt durch eine einzige Lichtquelle in Kombination mit Rück- oder Rahmenbeleuchtung, 14mm- und 17mm-Objektive ein."

Der ungewöhnliche stilistische Ansatz, den Nispel und Pearl verfolgten, um die Charaktere und die Stimmung auf Film zu bannen, hatte auch Einfluss auf die Ausstattung der diversen Hauptdrehorte.

"Vor allem waren die real existierenden Drehorte und der Einsatz von Farbe die bestimmenden Schlüsselelemente für das Produktionsdesign des Films", sagt Ausstatter Greg Blair. "Wir wollten dem Film so viel Farbe wie möglich entziehen. Deshalb beschränkten wir uns bei der Farbpalette weitgehend auf Sepia, Grau und Rost. Alle Sets wurden in diesen gedeckten Farben gehalten. Die einzige Farbe, die erlaubt war, war das Rot des Blutes. Außerdem richteten wir uns beim Entwurf und Bau der Sets nach den Beleuchtungsbedürfnissen von Daniel Pearl. Im Keller-Set stellten wir den Arbeitstisch von Leatherface beispielsweise direkt vor das einzige Fenster, so dass man von ihm nur die Silhouette sieht, wenn er seinem blutigen Handwerk nachgeht."

Da viele der Sets tatsächlich real existierende Drehorte waren, packte Ausstatter Blair die Gelegenheit beim Schopf, all die versteckten Schätze, wie man sie an Locations findet, die 100 oder gar 150 Jahre alt sind, für seine Arbeit zu nutzen. "Viele dieser Orte boten sich als idealer Ausgangspunkt für meine Designs an", erläutert er. "Und es waren viele wunderbare Locations. Jede hatte ihre eigene einzigartige Geschichte. Am meisten mochte ich das Hewitt House und den Keller von Leatherface."

Nispel wollte, dass das Hewitt House viele kleine "Schreine des Todes" beinhalten sollte. "Beim Keller hatten wir die Idee, dass man quasi ins Zentrum des Schreckens, ins Innere des Terror vordringt, als wäre er selbst lebendig", erklärt Blair. "Es mußste an allen Ecken und Enden tropfen, als begäbe man sich ins Gedärm von Leatherface."

Als großer Vorteil erwies sich, dass die Filmemacher in Hewitt House die tatsächlichen Möbel und den weiteren Inhalt des Hauses übernehmen konnten. Zudem wurde ihnen gestattet, Löcher in die Wände zu machen, Böden zu entfernen und auch sonst das Haus nach Belieben zu gestalten. "Wir konnten auf das beste beider Welten zugreifen. Einerseits war es eine waschechte Location. Und dann hatten wir die Möglichkeit, dass wir das Haus nach unseren Vorstellungen verändern konnten, als wäre es eine Studiobühne", sagt Nispel.

Blair fügt hinzu: "Das Haus war für mich, als würde ich auf einen Schatz stoßen. Es war voll möbliert, und wir konnten fast alle Möbel für den Film verwenden. Natürlich mußsten wir alles neu arrangieren, aber als Ausgangspunkt war das Vorhandene einfach ideal. Wir schliffen die Holzböden ab und besudelten sie mit hässlichen Flecken, damit sie nicht reflektierten, wenn wir von hinten beleuchteten. Im Schlafzimmer von Leatherface fügten wir etwas Tapete hinzu. Marcus war es wichtig zu zeigen, dass Leatherface in diesem Haus groß geworden ist und in seinem alten Kinderzimmer immer noch die alte Cowboy-und-Indianer-Tapete hängt."

Wie Daniel Pearl hatte auch Blair schon bei zahlreichen vorangegangenen filmischen Unternehmungen von Marcus Nispel mitgewirkt. Die vorherige Zusammenarbeit erwies sich als ungemein wertvoll für Blair, der mit MICHAEL BAY'S TEXAS CHAINSAW MASSACRE sein Spielfilmdebüt gibt. "Greg ist ein ausgezeichneter Problemlöser", sagt Nispel. "Wir mußsten gar nicht viel über die Details reden, weil wir in einer Art osmotischem Verhältnis zueinander stehen. Er leistete ausgezeichnete Arbeit und nutzte zu unserem Vorteil all das aus, was Austin zu bieten hatte."

"Marcus ist so visuell und wusste ganz genau, was er wollte. Greg machte einen ausgezeichneten Job: Er setzte all die Ideen des Regisseurs in die Tat um", sagt der ausführende Produzent Andrew Finn. "Greg und seinem künstlerischen Leiter Scott L. Gallagher gelang es, all die Locations im Drehbuch zum Leben zu erwecken. Mehr noch: Sie machten das auf eine Art und Weise, dass sich der Film umso echter und realer anfühlte. Sie hatten nicht den Luxus, Sets nach ihren eigenen Vorstellungen zu bauen. Deshalb waren sie gezwungen, real existierende Drehorte zu finden und diese dann entsprechend zu ändern und auf den Film zuzuschneiden."

Gerade weil sich die Handlung von MICHAEL BAY'S TEXAS CHAINSAW MASSACRE an einem einzigen Tag abspielt, sah sich die Kostümdesignerin Kathy Kiatta vor außergewöhnliche Herausforderungen gestellt. Wie das Szenenbild sollten auch bei der Kleidung die Farben vor allem aus ausgewaschenen Erdtönen bestehen. Einerseits mußste sie nach Vintage aussehen, aber gleichzeitig auch die gleiche Entwicklung wie die Charaktere durchmachen. "Es wäre toll gewesen, echte Klamotten aus den 70er Jahren einzusetzen", überlegt Kiatta. "Aber weil wir alle Kostüme in doppelter, drei- oder gar vierfacher Ausführung brauchten, mußsten wir neue Kleidung kaufen und sie dann per Hand altern lassen."

Die Kostümdesignerin schildert, dass man den gealterten Look erzielte, indem man die Kleidung mit Knüppeln schlug und dann ausbleichte und in die Waschmaschine steckte. Nach jeder abgedrehten Einstellung mußsten die Kleidungsstücke erneut gewaschen werden. "Bevor die Schauspieler die Kleidung anziehen konnten, war unser letzter Arbeitsschritt, die einzelnen Stücke entsprechend mit Dreck zu versehen", erzählt Kiatta. "Nach jedem Waschgang mußsten wir den Dreck aufs Neue anbringen. Das war ganz schön anstrengend. Allein Jessicas Figur hatte einen sauberen Look, einen schmutzigen Look und dann ihren beinahe-tot-Look. Dafür mußste ihr Tank Top drei Stufen des Alterns durchlaufen."

Obwohl das Budget des Films nach Hollywood-Standards niedrig war, hat Michael Bay den Eindruck, dass die Kunstfertigkeit und Sorgfalt von Nispel und seinem Team alle möglichen Vorbehalte des Publikums überwinden werden. "Das ist die Schule, die auch ich besucht habe", meint Bay. "Obwohl wir kein Geld für diesen Film zur Verfügung hatten, war es unerlässlich, hohe Produktionswerte vorweisen zu können. Marcus ist hervorragend, wenn es ans Drehen geht. Mit ihm steht und fällt alles. Aber ich mußste wirklich mit Engelszungen reden und jeden denkbaren Gefallen einfordern, damit wir in der Postproduktion mit den besten Soundmixern und Musikern arbeiten konnten. Ich würde sagen, Bob Shaye, der CEO von New Line, hat es am besten ausgedrückt. Er sagte: ,Man kann sehen, dass der Film mit großer Liebe produziert wird.' Das war unser Job. Ich finde, der Film sieht spitze aus."

Als der Dreh - u. a. in den texanischen Städten Austin, Taylor, Martindale, Hutto und Walbrug - dem Ende zuging, ließ sich immer häufiger feststellen, dass Besetzung und Crew in der gleichen Art zusammen wuchsen, wie es auch die Figuren im Film tun. "Ich ging hier ohne große Vorstellungen, wie dieser Film werden würde, an die Arbeit", berichtet Marcus Nispel. "Ich hatte gewisse Ideen, was die Authentizität, die Darstellungen betrifft. Mir war auch immer klar, dass ich Todesszenen mit großem Respekt behandeln und sie nicht mit kleinen Witzchen oder ähnlichem aufpeppen würde. Sicher, ich wollte schon auch richtig hinlangen und viel Lärm machen. Aber schon am ersten Drehtag kristallisierte sich ein Film heraus, in dessen Mittelpunkt diese fünf jungen Leute stehen. Sie sind nicht einfach nur Kanonenfutter für Leatherface. Sie entwickelten sich zu Figuren, mit denen man bangt. Meine Hoffnung ist es, dass das Publikum im Kino um ihr Schicksal fiebert."

Am 21. September 2002 fiel in Austin, Texas die letzte Klappe von MICHAEL BAY'S TEXAS CHAINSAW MASSACRE. Alle, die an der Produktion beteiligt waren, hatten den Eindruck, sie hätten an einer einzigartigen Erfahrung teilgenommen. "Alles an diesem Film hat meine Erwartungen übertroffen", sagt Jessica Biel. "Es war ein großer Test meiner körperlichen und emotionalen Grenzen. Aber selbst in den schwersten Momenten hatte ich immer den Trost, mich in den Händen von Filmemachern wie Marcus Nispel und Michael Bay zu befinden. Wir alle hatten eine wunderbare Zeit, was sich normalerweise positiv auf das fertige Produkt auswirkt. Ich hoffe, dass jeder, der diesen Film sieht, zum einen zwar erschüttert und absolut gegruselt ist, andererseits aber auch eine Idee davon erhält, wie toll der Dreh für die Schauspieler und die Crew war."

"Unser Ziel war eine Filmerfahrung, die einem durch Mark und Bein geht", sagt Michael Bay. "Wir wollten einen Vollgas-Film, der einen mitten in den schlimmsten Albtraum schickt. Man steckt in dieser Stadt fest und kommt da nicht mehr raus. Das ist der schlimmste Albtraum. Ich wollte einfach einen Thriller produzieren, wie ich sie früher immer gesehen habe, in denen der Schrecken echt ist."

"Das Publikum wird geplättet sein, wenn es miterlebt, was im Verlauf dieses Filmes alles passiert", vermutet Andrew Form. "In MICHAEL BAY'S TEXAS CHAINSAW MASSACRE geht es um nackte Emotionen und Terror. Mit Ausnahme von DER EXORZIST ("The Exorcist", 1973) und DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER ("The Silence of the Lambs", 1991) kann ich mich an keinen Film erinnern, in dem Schrecken und Angst so tief gehen wie in unserem Film. Hier geht es nicht um abgetrennte Körperteile und spritzendes Blut. Es geht um junge Menschen, die Entscheidungen treffen müssen, wie sie jeder im Publikum unter diesen lebensbedrohlichen Umständen treffen würde."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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