Back To Gaya

Produktionsnotizen

Am Anfang stand der Traum. "Holger Tappe und ich kannten uns schon von früher, wir waren bereits Freunde", berichtet Regisseur Lenard Krawinkel. "Ich stamme aus Hannover, wohnte aber in Zürich, als Holger die Firma Ambient Entertainment gründete und mich für das Projekt ,Back to Gaya' zurück nach Hannover holte. Ich fragte ihn zunächst: ,Aber wer bezahlt die Durststrecke? Wir müssen sicher ein Jahr lang Finanzierungspartner suchen, einen Trailer produzieren, die Firma aufbauen.'

Es gibt in Deutschland kaum Produzentenpersönlichkeiten wie Holger, die sagen: ,Ich glaube fest an das Projekt und strecke diese ersten Kosten aus eigener Tasche vor.' Selbst heute noch haben wir manchmal Schwierigkeiten, potenzielle Partner von unserem ungewöhnlichen Pioniervorhaben zu überzeugen. Die größte Leistung bei diesem Projekt besteht also darin, dass Holger von Anfang an fest davon überzeugt war: ,Das wird klappen!' Ohne Holger würde es diesen Film nicht geben."

Produzent Holger Tappe gibt das Kompliment sofort zurück: "Lenard Krawinkel ist der Mann, der alle Türen aufbekommt!" Geldmittel werden von deutschen Finanziers eher konservativ verteilt: Was sich nicht bereits bewährt hat, ist kaum zu finanzieren. "Bedenken mußs man auch den Zeitpunkt vor vier Jahren, als wir das Projekt angeschoben haben: Die gesamte New Economy brach zusammen", berichtet Krawinkel.

"Wir stellten unser Projekt überall vor, unter anderem auch bei den Haffas - ausgerechnet an dem Tag, an dem es zum ersten Aktienkurseinbruch kam", fügt Tappe hinzu. "Wir waren bei sehr vielen Firmen, die es heute nicht mehr gibt." Die beiden sind stolz darauf, dass sie schließlich Verträge mit Firmen schlossen, die dann nicht Konkurs anmelden mußsten.

Insgesamt fanden sie 14 Finanzierungspartner in ganz Europa, darunter den berühmten britischen Produzenten und Oscar-Preisträger Jeremy Thomas ("Der letzte Kaiser"), der etwa 20 Prozent der im zweistelligen Millionenbereich liegenden Produktionskosten übernahm. Der gesamte Bildbereich des Films wird allerdings in Deutschland hergestellt.

FAQ: CGI in Deutschland? Und warum ausgerechnet in Hannover? "Hollywood gibt den Sehstandard vor - eine solche Qualität erwartet der Zuschauer, der acht Euro für eine Kinokarte zahlt", sagt Krawinkel. "Diesen Standard gilt es zu erreichen, und daran krankt in gewisser Weise das europäische Kino: Immer mußs man gegen Hollywood angehen."

Das deutsche Kino ist von der Autorentradition geprägt. An den Genrefilm traut man sich kaum - meist auch wegen des nötigen Budgets. Man macht Komödien, weil sie preiswert sind. Aber Action, Abenteuer, Thriller, Fantasy sind schwierig zu realisieren, weil die entsprechenden Schauwerte viel Geld kosten. Denn der Standard wird von den Amerikanern vorgegeben.

Krawinkel beschreibt, wie "Back to Gaya" in den Köpfen der Filmemacher Gestalt annahm: "Wir wollten ein Action-Abenteuer machen - es soll toll aussehen, es soll krachen und richtig zur Sache gehen, es soll die Grenzen unserer Realität sprengen und auf keinen Fall billig wirken. Ein Realfilm dieses Kalibers lässt sich praktisch nur zusammen mit einem US-Studio realisieren. Aber bei CGI sieht das gleich ganz anders aus."

"Ich erfülle mir einen Kindheitstraum", sagt Drehbuchautor Jan Berger. "Filme wie ,Krieg der Sterne' und ,Indiana Jones' haben mich stark geprägt, aber als Autor beim deutschen Film bekommt man nie einen derartigen Drehbuchauftrag - zu teuer. Das Tolle bei CGI: Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt."

Der Vorteil von CGI (computer generated images = im Computer erstellte Animation): Zwar sind bereits eine Hand voll Filme mit dieser Technik hergestellt worden, aber einen verbindlichen CGI-Standard gibt es bisher nicht. "Diese Filme zeigen in der Regel hervorragende Geschichten (und auch wir halten die Geschichte für das Wichtigste), aber die äußere optische Form sieht noch nicht unbedingt optimal aus", sagt Krawinkel. "Da stehen alle Filmemacher noch am Anfang."

Außerdem ist CGI vom Standort unabhängig: "Der Computer ist das Filmstudio des 21. Jahrhunderts. Man braucht Hollywood nicht, um CGI zu machen. Das haben wir erkannt: Da besteht eine Lücke, die wir in Deutschland, in Europa füllen können. In diese Lücke können wir unsere eigene Fantasie investieren. Denn anders als bei den etablierten Kinoformaten, bei denen die Finanziers auch ihre eigenen Forderungen mit einbringen, war uns in diesem neuen Bereich nur eine einzige Grenze gesetzt - die der eigenen Fantasie. Im Computer kann ich die entfesselte Kamera einfach von A nach B fliegen lassen - dazu brauche ich nicht die Genehmigung eines Geldgebers."

Dabei sind Animationfilme inzwischen nicht nur an der Kinokasse erfolgreich, auch die Kritiker und Festivalgremien nehmen sie ernster als je zuvor: "Shrek" lief in Cannes im Wettbewerb, auf der Berlinale 2001 gewann der japanische Zeichentrickfilm "Chihiros Reise ins Zauberland" sogar den Golden Bären, und auch die Academy of Motion Picture Arts and Scienes richtete für den Animationsfilm eine neue Oscar-Kategorie ein.

"Ich habe ein bisschen Geld geerbt - andere kaufen sich dafür ein Haus, oder sie hören auf zu arbeiten", berichtet Holger Tappe. "Ich war noch nicht mal 30 Jahre alt, hatte bereits eine gut laufende Firma im Werbebereich, da bekam ich die Erbschaft, wollte aber durchaus kein Auto dafür kaufen. Stattdessen wollte ich zumindest versuchen, mich weiter zu entwickeln - in Richtung hochwertiger Langspielfilm. Ich wollte meine Erfahrungen einbringen und gleichzeitig etwas machen, was es in Deutschland so noch nicht gab ? CGI war die logische Antwort. Wenn ich das zu diesem Zeitpunkt nicht versucht hätte, hätte ich mir das nie verziehen. Wer etwas erreichen will, sollte konsequent sein und sich nicht von den Grenzen des deutschen Marktes einschränken lassen. Ich glaube, gerade weil wir hier in Hannover am Rande des Mediengeschehens operieren, wird man auch nicht so sehr von ihm aufgesogen - hier lässt sich leichter unkonventionell denken und handeln."

"Wer etwas versucht, was irgendwie auch ein bisschen größenwahnsinnig ist, und damit dann an die Öffentlichkeit geht, mußs mit entsprechenden Reaktionen rechnen: ,Ihr habt ja nicht mehr alle Tassen im Schrank!'", weiß Regisseur Krawinkel. "Das Risiko geht man ein. Deswegen haben wir die ersten zwei sehr stillen Jahre genossen, als wir hinter verschlossenen Türen unser Projekt entwickelt haben und uns nicht gleich zu weit aus dem Fenster lehnen wollten. Aber irgendwann mußs man sich dann auch hinauswagen."

"Ich will die vielen Rückschläge auf unserem Weg nicht verschweigen, aber daneben haben uns auch viele positive Erlebnisse den Rücken gestärkt", berichtet Tappe. "Ein glücklicher Moment war zum Beispiel, als das Land Niedersachsen begriff, dass sich mit unserem Projekt die Chance auftat, einen Medienstandort in Hannover zu etablieren."

Krawinkel zitiert Harald Schmidt: ",Hannover ist nicht am Arsch der Welt, aber man kann ihn von dort aus sehen.' Meine Antwort darauf: ,Der Glaube versetzt Berge - und deshalb ist es in Hannover so flach. Und weil es so flach ist, kann man den Arsch der Welt schon von weitem sehen!'"

"Unser Standort Hannover lässt sich nur scheinbar schwer erklären", sagt Tappe. "Klar, eine Medienstadt wie München oder Berlin ist Hannover nicht. Aber was bedeutet das schon? Was CGI angeht, fand man bisher die höchste Konzentration von Fachleuten in der Produktionsfirma Das Werk - doch selbst dort arbeiteten lange nicht genug Spezialisten im 3-D-Bereich.

CGI wurde in Deutschland bis jetzt nur in sehr kleinen Teams erstellt - für Werbespots, für sehr kurze Momente in Spielfilmen. Unser Film ist dagegen ohne Abspann 91 Minuten lang - es ist letztlich völlig egal, wo wir unser Team zusammenstellten, weil wir nirgends auf eine vorhandene Infrastruktur in diesem Bereich setzen konnten. Bei den traditionellen Aspekten der Filmfertigung - Synchro, Kopierwerk - gehen wir dann tatsächlich in die Medienstädte zu den etablierten Experten, aber das umfasst nur einen marginalen Teil unserer Produktion."

3-D-Computeranimation an sich ist in Deutschland nichts Neues, in der Werbung wird sie schon länger eingesetzt. Überall gibt es also Fachleute, die sich mit der Materie auskennen. Als aus Hannover nun der Ruf ertönte: "Wir wollen den ersten CGI-Spielfilm in Deutschland machen", gab es enthusiastische Reaktionen und entsprechend zahlreiche Anfragen.

"Mehrere Produzenten haben bereits sehr aufwändige deutsche CGI-Projekte angeschoben, dann aber vorzeitig abgebrochen", berichtet Krawinkel. "Und unsere französischen Kollegen brachten das Projekt ,Kenya' ins Kino, das zuvor von einer Produktionsfirma zur nächsten weitergereicht wurde - entsprechend unausgegoren war das Resultat."

Viele potenzielle Partner, die Tappe und Krawinkel ansprachen, reagierten vorschnell entweder: "Wieso, das läuft doch alles auf Knopfdruck!" oder "Das funktioniert in Deutschland nicht! Solche Maschinen gibt es hier doch gar nicht!"

Diese Vorurteile über die Computertechnik sind hierzulande sehr verbreitet. "Auch wir hielten solche Maschinen zunächst für nötig", erzählt Tappe. "Deswegen haben wir in der Anfangsphase in den USA aus Bank-Leasing-Beständen solch einen 350 Kilo schweren Supercomputer günstig ersteigert und im Container per Schiff nach Deutschland geschafft. Der Trafo, den wir in diesem Zusammenhang für unsere Firma mieteten, schluckt so viel Strom wie 80 Vier-Personen-Haushalte." Solche Computer setzt das Pentagon ein, wenn die Auswirkungen von Nuklearexplosionen simuliert werden sollen ...

Woher kommen die Computerexperten? Die Fachhochschule Hannover hat vor etwa 15 Jahren und noch vor Ludwigsburg viel Geld in die Entwicklung der Computertechnologie investiert. "Dadurch gibt es hier eine ganze Generation von Fachleuten, Schüler dieser Schule, zu denen auch ich gehöre - ich kenne sie alle durch meine vorige Tätigkeit in der Werbung", sagt Tappe. "Diese Leute bilden das Stammteam unser jetzigen Firma Ambient Entertainment. Wir dachten daher nie darüber nach, ob unser Standort Hannover für die nötigen Mitarbeiter attraktiv sein würde oder nicht - in der heißen Phase der Produktion haben 75 Computeranimationsexperten zwei Jahre lang an ,Back to Gaya' gearbeitet - aber keine fünf von ihnen reflektierten mal in einem Nebensatz darüber, ob sie gern nach Hannover kamen oder nicht."

Den Begriff "Computerexperte" mußs man genauer definieren: Hoch spezialisierte Animationsexperten gibt es in Deutschland nicht. Wenn CGI in Deutschland gemacht wird, dann von sehr kleinen Teams, die sich das ganze Spektrum zutrauen müssen: die Entwicklung der Geschichte, modellieren, texturieren, beleuchten, schneiden. Ob sie die vorhandenen Software-Werkzeuge tatsächlich auch beherrschen, steht auf einem anderen Blatt.

Hierzulande gibt es zahlreiche Tüftler, die auf vielen Teilgebieten bewandert sind, aber bei der echten Spezialisierung hapert es. "Bei unserem Projekt haben wir die Mitarbeiter ihre Spezialisierung oft selbst suchen lassen: Sie haben Wünsche geäußert, wir ließen sie anfangen und stellten schnell fest, ob das klappte oder nicht", sagt Tappe. "Inzwischen arbeitet hier ein Team von zehn Spezis, die seit acht Monaten ausschließlich für die Beleuchtung von Szenen zuständig sind. Acht Leute haben nur modelliert, 22 Leute nur animiert."

Und Krawinkel fügt hinzu: "Wer heute bei uns animiert, der hat sich während der Arbeit mit dieser Spezialisierung bewährt. Anfangs behaupten alle, dass sie animieren können. Doch die begabtesten unter ihnen sind um vieles schneller als der Rest: Dadurch profilieren sie sich." Viele der Mitarbeiter sind Autodidakten, aber sie haben zuvor bereits in Bereichen gearbeitet, in denen Computer eingesetzt werden: Architektur, Industriedesign. So haben sie den Computer entdeckt, und wenn sie jetzt an ,Back to Gaya' mitwirken, vergessen sie natürlich nicht ihren Hintergrund.

Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter macht mit "Back to Gaya" ihren ersten Spielfilm. Wie kann das überhaupt funktionieren? "Weil sie allesamt passionierte Cineasten sind", sagt Krawinkel.

"Manche haben sogar mehr Filme gesehen als ich selbst. Das ist eine wichtige Voraussetzung auch für das Formale an der Arbeit, für die Liebe zum Detail. Hier entsteht ein ganz neues Berufsbild: In der deutschen Kinobranche gab es bisher einfach keine Fachleute, die sich mit der Übertragung gezeichneter Entwürfe ins Computerformat beschäftigen. Einen traditionellen Produktionsdesigner können wir nur seine Zeichnungen machen lassen, aber er kann seine Entwürfe nicht in den Computer übertragen, wo sie ja genau der Vorlage entsprechend aussehen sollen. Das ist aber die eigentliche Kunst. Und unsere Mitarbeiter sind im Laufe ihrer Tätigkeit in diese Spezialisierung hineingewachsen. Nirgendwo sonst in Europa findet man zurzeit solche Experten. Deswegen verließen wir uns auch nicht auf etablierte Namen, die nur das traditionelle Know-how mitgebracht hätten. Stattdessen stützten wir uns lieber auf talentierte Mitarbeiter und begleiteten sie in dem Prozess, sich die spezifischen Anforderungen des Figurendesigns oder der Ausstattung während der Produktion anzueignen."

Die Liebe zum Detail "Neulich wurde ich gefragt: ,Wie kann man an 90 Filmminuten nur derart lange arbeiten?'", berichtet Holger Tappe. In dem Moment begriff er erstmals, wie er sein Projekt am besten erklären konnte: "Unser Film enthält 1282 Einstellungen, und jede davon durchläuft bei der Produktion 30 Stationen, bis sie fertig ist. Jeder einzelne Schritt enthält mehr Arbeitsvolumen als ein im Word-Programm geschriebener Brief, der sich ja auch nicht von allein schreibt. Jeder Mitarbeiter, der an diesen einzelnen Stationen arbeitet, blendet in dem Moment aus, dass er zum Gesamtfilm beiträgt, vielmehr konzentriert er sich fast meditativ voll auf das Detail, das er sich gerade vornimmt. Wenn also ein Designer für das Autorennen am Anfang des Films einen virtuellen Rennwagen konstruiert, dann interessiert ihn nicht, wie viele Sekunden der Wagen im Bild ist und dass er von A nach B fahren soll, sondern er kümmert sich nur um das Objekt - wenn er anfängt, gibt es ja noch keine Szene, er arbeitet im "luftleeren" Raum. Dieses Objekt mußs nun unbedingt so aussehen, wie er sich das vorstellt. Bis hin zur Federung - die mußs stimmen, sonst verhält sich der Wagen auf der Straße nicht realistisch."

Tatsächlich funktioniert die Arbeit nur auf diese Weise: Kein Computerspezialist denkt daran, dass 90 Filmminuten mit Action zu füllen sind, sondern zuerst wird der eine Rennwagen konstruiert, dann kommt der nächste an die Reihe, dann folgt die Textur der Toilette, anschließend ein Kleidungsstück für Buu. Die Arbeitsweise unterscheidet sich im Grunde gar nicht so sehr vom Realfilm: Die Produktionsdesigner, die Kostümbildner kennen sich in der Architektur bzw. mit Kleidung aus und sorgen in ihrem begrenzten Bereich für die bestmögliche Detailtreue. Bei "Titanic" stimmte sogar der Manufaktur-Stempel auf der Unterseite des Porzellans. Genau davon leben die Filmbilder später auf der Leinwand. Aber bei der Produktion staunt man als Außenstehender oft über die Besessenheit, die in jede kleine Einzelheit investiert wird.<<P> "Wenn die Gayaner im Film aus ihrem Fantasy-Reich in die Realität kommen, so geht es uns bei den Großstadt-Sets nicht um ein naturalistisches Abbild etwa der amerikanischen oder europäischen Umwelt", sagt Tappe. "Auch die ,Realität' in der Filmstory ist eine von uns gestaltete fiktive Welt, die zwar realistisch erscheint, aber von unserem Geschmack geformt wird nach dem Motto: So stellen wir uns große Kinobilder vor." Das Taxi ähnelt äußerlich den gelben New Yorker Taxis, hat aber wie in London das Lenkrad auf der rechten Seite. Auch dass im Abwasserkanal plötzlich ein Krokodil auftaucht, sollte unter diesen Umständen niemanden wundern.

"An der Wand in Susi's Truckstop hängen Karikaturen unserer Mitarbeiter", schmunzelt Tappe. "Auch die verwendeten Logos enthalten Insider-Witze, die nur die Ambient- Entertainment-Mitarbeiter wirklich verstehen können." Die Fassade des Lokals wurde ursprünglich einer typischen hannoverschen Eckkneipe entlehnt, im Computer nachgebaut, dann aber mit so vielen weiteren Elementen angereichert, dass sie einen ganz eigenen Charakter entwickelt. Gerade diese Freiheit der Gestaltung macht den großen Spaß der Geschichte aus.

Filmzitate: Eine Verbeugung vor der Kinotradition Die meisten Filmemacher zitieren andere Filme, auch das hat im Kino eine lange Tradition. "Aber wir wollen niemanden imitieren, wir heben die Zitate in eine neue Dimension, überspitzen sie, um die Filmfans, die die Anspielungen identifizieren können, mit dem Aha-Erlebnis zum Lachen zu bringen", sagt Holger Tappe. "So haben nicht nur die Kids ihren Spaß, sondern auch die Eltern. Für viele Filmemacher bleibt Alfred Hitchcock nach wie vor das Vorbild, denn er hat immer zuerst an die Story gedacht, war aber ein Technik-Freak, der alles nur Erdenkliche mit der Kamera ausprobierte, um einen für die Story in diesem Moment nötigen Effekt zu erreichen. Kein Zuschauer eines Hitchcock-Films denkt an die Kameratechnik, die diese Bilder ermöglicht. Aber ein Filmemacher erinnert sich natürlich bei seiner eigenen Arbeit in bestimmten Situationen an das Gefühl, das er beim Anschauen der Hitchcock-Filme empfand. Und wenn er eine ähnliche Emotion hervorrufen will, dann zitiert er eben den Meister durch die Anwendung einer ähnlichen Technik - dieses Prinzip gilt nicht nur für den Film, sondern genauso in der Fotografie oder in der Malerei." Die drei wichtigsten Kriterien beim Film: Die Story, die Story und die Story Die Technik ist nur das Mittel zur Realisierung. Obwohl Tappe und Krawinkel zugegebenermaßen von den Möglichkeiten des Computers fasziniert sind, interessiert er sie eigentlich nur beiläufig - in dem Sinne, dass er ihnen eben alles erlaubt, was sie machen wollen. Die wichtigste Frage, die Holger Tappe sich stellte, war: "Was für eine Geschichte wollen wir erzählen? Sie sollte mehr sein als ein plattes Abenteuer. Wir machten uns die Antwort nicht leicht, die Suche hat lange gedauert. Denn wenn die Zuschauer ins Kino gehen, dann wegen der Geschichte. Erst in zweiter Linie spielt auch die professionelle Stoffentwicklung eine Rolle."

"Unser Thema: Die Helden stellen fest, dass von ihnen erwartet wird, sie sollten in der spießigen Gesellschaft stets ihren vorgeschriebenen Rollenmustern entsprechen, ihre Pflicht erfüllen", sagt Autor Jan Berger. "Doch irgendwann haben sie die Nase voll: Die Bösen wollen eigentlich auch mal gut sein, die Tochter des Bürgermeisters will auch mal Abenteuer erleben, der ängstliche Tüftler möchte auch mal der Held sein. Nur unser Vorzeige-Held Zino ist mit seiner Rolle vollauf zufrieden und wehrt sich natürlich, wenn die anderen ihm seine Position streitig machen wollen."

"Wir wollen unseren Zuschauern, den Kids, mit unserer Geschichte durchaus etwas mit auf den Weg geben, aber niemals mit erhobenem Zeigefinger", fährt Tappe fort. "Was wir zeigen, wird auf jeden Fall locker erzählt, und wenn jemand die angedeutete Botschaft zwischen den Zeilen nicht zur Kenntnis nimmt, ist das überhaupt nicht schlimm - er soll 90 Minuten lang seinen Spaß haben. Man wird uns aber nicht vorwerfen können, dass wir ein Abenteuer als Selbstzweck erzählen. In den Nebensträngen der Handlung sind sehr viele kleine Elemente eingebaut - sie vermitteln den Zuschauern ein positives Gefühl, das sie mit nach Hause nehmen. Aber wir vermeiden auf jeden Fall, das Publikum in eine gesellschaftskritische Diskussion zu entlassen, was man im deutschen Film fast als üblich bezeichnen kann. In diesem Sinn wird zum Beispiel das fehlende Happy End eines Films als gesellschaftspolitisch besonders relevant angesehen, weil es angeblich für Denkanstöße umso geeigneter sei. Ich bin nicht dieser Meinung - ich will die Gefühle der Zuschauer positiv verstärken, will sie im Kino zum Lachen bringen, denn das erwarten die meisten, und mit Recht. Genau das ist auch unser Ziel in ,Back to Gaya'."

"Für den Zuschauer steht traditionell die Story im Mittelpunkt", sagt Regisseur Krawinkel. "Doch aus Sicht der Filmemacher besteht die Entwicklung des Kinos vor allem im Recyclen bewährter Erzählmuster, die für jede Zuschauergeneration mit den weiterentwickelten technischen Mitteln neu und originell aufbereitet werden. CGI ist ein solches neues Mittel. Die Basiselemente unserer Geschichte sind allen geläufig: ein Buddy-Movie mit zwei Freunden - der eine hat Köpfchen, der andere Muskeln. Dennoch wirken sie neu, weil es 30 Zentimeter große Helden noch nicht gegeben hat, die plötzlich durch unsere Wirklichkeit wandern und auch überhaupt nicht wie Cartoon-Figuren wirken. Mit solch einem technischen Wunderwerk kann man die Zuschauer zum Staunen bringen. Genau das war auch die Attraktion der Monster in ,Jurassic Park' und ,Godzilla'. ,Back to Gaya' ist in dieser Hinsicht ebenfalls ganz anders - die Zuschauer bekommen etwas zu sehen, was sie so noch nie gesehen haben, was auch wir Macher noch nie gesehen haben und was mich auch nach vier Jahren Arbeit an diesem Film weiterhin täglich neu fasziniert: ,Wow, das hat wirklich gar nichts mit dem zu tun, was ich bisher aus meinen europäischen Möglichkeiten schöpfen konnte.'"

"Wenn der Film zu Ende ist, werden die Leute das Kino verlassen und staunen: ,Das ist ja richtig toll gemacht! Da gehen wir doch gleich morgen wieder hin und gucken uns den Film noch mal an!'", weiß Michael Bully Herbig, der dem Buu seine Stimme leiht. "Denn es sind so viele Kleinigkeiten in dem Film versteckt, kleine Gags, die man erst beim zweiten Anschauen und Hinhören richtig begreift. Ich persönlich habe den Film schon zehnmal gesehen und kein einziges Mal bereut."

Die Seele des Helden ist seine Stimme Bully Herbig ("Der Schuh des Manitu") war für die Filmemacher die Traumbesetzung des Buu. Und entsprechend reagierte Bully, als man ihm erste Bilder von Buu schickte: "Buu bin ja ich!"

"Was mir an Buu auch besonders gut gefällt: Er ist Erfinder", sagt Herbig. "Ich habe höchstens mal etwas gefunden, also einen Zehn-Mark-Schein hab ich mal gefunden, vor 25 Jahren. Aber erfunden habe ich noch nie etwas, und ich finde, daran sollten sich die Jugendlichen ein Beispiel nehmen. Jugend forscht. Da hätte Buu jeden Preis dieser Welt gewonnen. Buu ist großartig. Und wir haben dieselben Initialen."

"Bully hat sich in unserem Land als sehr mutiger Künstler etabliert, der sich um gesetzte Grenzen nicht schert und den Mut aufbringt, sie zu überwinden", kommentiert Krawinkel. "Er mußste sich anfangs richtig durchbeißen. Aus der leidvollen Produktionsgeschichte von ,Der Schuh des Manitu' ist er umso gestärkter hervorgegangen. Sein Werdegang hat uns schwer beeindruckt, war Vorbild, denn auch wir haben vier Jahre lang unsere ganze Kraft, unser Herzblut in ,Back to Gaya' investiert. Wir erleben Bully also als Gleichgesinnten, der uns sehr sympathisch ist."

"Bully ist außerdem in der Lage, von sich selbst zu abstrahieren und sich in Buu hineinzuversetzen", fährt Krawinkel fort. "Ich kann mir Buu mit keiner anderen Stimme mehr vorstellen - Bully hat dabei Hervorragendes geleistet. Denn Buu ist die Identifikationsfigur des Films, und Bullys sympathische Stimme haucht ihm die Seele ein."

Buus Kumpel Zino ist der unerschütterlich optimistische Held, dem die weibliche Einwohnerschaft in Gaya zu Füßen liegt. Wer sollte diese Paraderolle sprechen? "Wir wollten bewusst keinen Prominenten, der ein vergleichbares Image aufweist, wir haben uns eher an der deutschen Stimme von Bruce Willis orientiert", berichtet Holger Tappe. "Doch Willis' deutscher Sprecher Manfred Lehmann ist für die Rolle nicht mehr jung genug. Wir haben beim Casting bestimmt 15 Sprecher getestet, bis wir auf die deutsche Stimme von Brendan Fraser stießen, also einen Jungstar mit genau derselben Heldenaura wie Bruce Willis. Der Sprecher Torsten Münchow entspricht Zino hundertprozentig - und zwar nicht nur stimmlich: Er ist auch ein großer Sportler, mit einer Figur wie ein Schrank. Er steht mit beiden Beinen superpositiv im Leben und spricht die Rolle unglaublich professionell - für mich ist er ab sofort Zino und nicht mehr Brendan Fraser!"

Und Krawinkel fügt hinzu: "Uns ging es natürlich auch darum, dass Buu und Zino in ihrer Buddy-Situation stimmlich gut zueinander passen. Und wenn man dann Bully Herbig und Torsten Münchow nebeneinander sieht, dann sind die Parallelen unübersehbar: Torsten ist ein echter Haudegen, sicher drei Köpfe größer als Bully, während Bully eher ein sehr feiner, sensibler Künstler ist."

Seit sich die erfolgreiche Gruppe No Angels aufgelöst hat, nennt sich Sängerin Vanessa Petruo wieder mit vollem Familiennamen. Sie ist trotz ihrer Jugend bereits eine altgediente Synchronsprecherin (aktuell z. B. in "Der kleine Eisbär" und "Lilo & Stitch") - ihr Vater Thomas Petruo ist selbst Sprecher und Synchronregisseur.

"Als Kind habe ich sehr gelispelt", berichtet sie. "Also machte mein Vater damals Sprechübungen mit mir. Und er hat mich dann auch zum Synchron gebracht, indem er mich gleich für die erste mögliche Rolle casten ließ. Ich bekam die Rolle und bin dadurch viel selbstbewusster geworden."

Über Alanta sagt Vanessa Petruo: "Diese Rolle zu bekommen, empfinde ich als große Ehre. Alanta ist sehr erotisch, aber durchaus kein Dummerchen, sondern wirklich eine sehr interessante Frau: selbständig und emanzipiert, abenteuerlustig und überhaupt nicht das kleine Heimchen, das man vielleicht erwartet in einem solchen Action-Film. Alanta ist frech, und sie macht den Mund immer auf, aber sie hat auch mal Angst und lehnt sich an einen Mann an - allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt. Und darin bin ich ihr ein bisschen ähnlich: Ich bin ungern allein, ich brauche auf jeden Fall immer Freunde um mich herum, ich bin ein sehr geselliger Mensch, aber ich mußs auch die Möglichkeit haben, Dinge allein in die Hand zu nehmen und zu beweisen, dass ich dafür stark genug bin."

Regisseur Krawinkel sieht das ähnlich: "Vanessa ist gerade dabei, sich nach der Auflösung der No Angels eine Solokarriere aufzubauen - wie Alanta mußs sie jetzt auf eigenen Füßen stehen. Alanta ist eine moderne Frauenrolle: Klug und selbständig emanzipiert sie sich von den herkömmlichen Klischees - ähnlich wie Hermine in der ,Harry Potter'-Serie."

Der Ex-"Bravo TV"-Moderator Sebastian Höffner versteht sich auch privat bestens mit Vanessa - wer wäre also geeigneter als Sprecher des Zeck, der sich in Alanta verliebt. Zufällig ergab sich, dass Sebastian und Vanessa beim Casting gemeinsam vorsprachen, und die Filmemacher merkten sofort, wie gut die beiden harmonieren.

"Ihre Filmfiguren Alanta und Zeck sind im Film die Youngsters, die sich erst noch bewähren müssen", sagt Krawinkel. "Und so geht es auch Sebastian, der noch nie als Synchronsprecher gearbeitet hat, aber eine gute Stimme und Talent mitbringt - im besten Sinne ist er noch nicht in die übliche Sprecherroutine verfallen. Seine noch nicht ganz fein geschliffene Stimme haben wir bewusst gegen die alten Profis um ihn herum gesetzt. Bei unserer Zielgruppe, den "Bravo"-Lesern und -zuschauern, ist er als sexy Moderator natürlich bestens bekannt. Jetzt nimmt er mit dieser Arbeit die erste Stufe einer eigenen kreativen Karriere, berichtet nicht mehr über Stars, sondern wird selbst einer."

"Ich mußs üben, meine ganze Darstellung, all die Stimmungsschwankungen des Zeck mit meiner Stimme zu transportieren, denn Mimik und Gestik kann ich ja am Mikro nicht zeigen", sagt Sebastian Höffner. "Und das ist gar nicht so einfach, aber da habe ich von Vanessa eine Menge lernen können, weil die in diesem Metier bereits ein ganz alter Hase ist."

Wer hierzulande amerikanische Filme sieht, hört die Stars mit ihren deutschen Stimmen sprechen. Welcher Zuschauer weiß schon, wie sich Robert De Niro oder Bruce Willis wirklich anhören? "Für uns war schon in der Konzeptphase klar: Galger ist Danny DeVito", sagt Krawinkel. "Wir wollen eine Filmfigur schaffen, die Dannys Stimme entspricht, natürlich Dannys deutscher Stimme. Wir wussten nicht, wie der Synchronsprecher Klaus Sonnenschein aussieht, wir haben uns beim Design nur an seiner DeVito-Interpretation orientiert: ein Giftzwerg mit sehr nervösem Timbre. Ich weiß nicht, ob Sonnenschein mir das geglaubt hat, als ich ihm das mit dem Vorbild erzählte, denn die deutschen Synchronsprecher arbeiten relativ anonym und sind Lob eigentlich nicht gewohnt. Aber für uns war seine Mitwirkung eine entscheidende Bereicherung: Galger und Sonnenscheins Stimme gehören untrennbar zusammen."

"In der deutschen Kinobranche gibt es (mehr oder weniger von der Öffentlichkeit ignoriert) eine lange und große Tradition des Synchronsprechens - mit Friedrich Schoenfelders Stimme sind wir aufgewachsen", fährt Krawinkel fort. "Wenn er den deutschen Part eines internationalen Stars (u. a. Rex Harrison in ,Doktor Dolittle' und ,My Fair Lady') übernimmt, dann vermittelt er viel mehr als nur seine Stimme."

Tatsächlich haben der heute 87-jährige Friedrich Schoenfelder und der verstorbene Hans Paetsch als die beiden großen Erzählerstimmen in den deutschen Medien Generationen von Zuhörern geprägt. "Wir wünschten uns von Anfang an Schoenfelder als unseren Erzähler Albert, es gibt einfach keinen größeren. Er ist der Grandseigneur der Branche, aber auch als Mensch ein echter Gentleman und noch sehr rüstig. Er fragt sich, warum er nicht mehr Aufträge bekommt, denn seine Stimme klingt immer noch wie die eines 50-Jährigen. Für uns ist seine Mitwirkung an der deutschen Fassung ein großer Gewinn."

dass buchstäblich jedes Kind Wolfgang Völz' Stimme als "Käptn Blaubär" kennt, wusste Lenard Krawinkel nicht, weil er tagsüber gewöhnlich nicht vor dem Fernseher sitzt. Er verband mit Völz' unverwechselbarem Organ keine bestimmte Rolle und auch keinen internationalen Star, obwohl Völz die meisten Filme von Walter Matthau, Mel Brooks und Philippe Noiret synchronisiert hat. Krawinkel wusste aber trotzdem, dass er genau diese Stimme brauchte: Sie sollte dem Bürgermeister von Gaya die nötige Autorität verleihen. Was Wolfgang Völz natürlich mit unvergleichlichem Nachdruck tut.

Die Filmmusik: Michael Kamens Vermächtnis "Bei allen Aspekten der Produktion ging es uns darum: Wenn wir in bestimmten Bereichen schon viel Geld ausgeben müssen, dann soll das auf der Leinwand auch zu sehen und zu hören sein", sagt Regisseur Lenard Krawinkel. Einen entscheidenden Beitrag zu jedem Film liefert die Musik, die viele Emotionen im Zuschauer erst auslöst und transportiert.

Krawinkel und Tappe träumten also davon, mit einem großen Filmkomponisten zusammenzuarbeiten: "Über unseren britischen Co-Produzenten Jeremy Thomas bekamen wir Kontakt zu Michael Kamen: Das ist ein Name, den jeder Filmfan kennt, er thront neben John Williams und anderen auf dem Olymp der Film-Soundtracks.Er hat weltbekannte Melodien geprägt: ,Robin Hood - König der Diebe', ,Brazil', ,Don Juan DeMarco', ,Die drei Musketiere', auch zu Spielbergs Miniserie ,Band of Brothers - Wir waren Brüder' hat er eine hervorragende Musik geschrieben."

Kamen gefiel, was die beiden jungen Filmemacher von ihrem Projekt erzählten, und so verabredeten sie sich für den 1. Mai 2002 in Kamens Wohnort London. Vorgesehen war ein Treffen in Soho, im Büro von Jeremy Thomas, aber wegen der Mai-Demonstrationen wollte Kamen lieber zu Hause bleiben, und so durften die Filmemacher ihn in seiner prächtigen Villa in Notting Hill mit all den kostbaren Musikinstrumenten und zahlreichen Preistrophäen besuchen.

"Wir befanden uns damals in einer schwierigen Produktionsphase", berichtet Krawinkel. "Aber durch seine Begeisterung für unser Projekt wurde Kamen schnell zu einer Art Mentor für ,Back to Gaya', ein künstlerischer Vater. Es passiert nicht oft in dieser Branche, dass sich arrivierte Filmemacher zusammentun, um junge Nachwuchsfilmer zu unterstützen. Er machte uns Mut weiterzumachen, spielte plötzlich bei der Produktion eine sehr wichtige Rolle."

Natürlich wollte der Komponist eine Arbeitsfassung des Films sehen. Zum Glück hatte Krawinkel erfahren, dass Kamen die in der Vorbereitungsphase eines Films übliche, vorläufig unterlegte Musik (die so genannten "temp tracks") nicht ausstehen konnte. Doch diese Musik ist nötig, um die Emotionalität und den Rhythmus des Films testweise schon möglichst genau zu simulieren.

"Wir entschlossen uns also, die temp tracks ausschließlich mit Kamen-Musik zu unterlegen", sagt Krawinkel. "Seine vielen Scores sind natürlich im Handel erhältlich: Wir besitzen 40 CDs mit seinen Filmmusiken. Und mit diesem vorläufigen Soundtrack haben wir ihm den Film dann gezeigt, im Vorführraum eines Londoner Nobelhotels. Er fuhr im Rolls-Royce vor, schaute sich den Film an und fiel mir anschließend gerührt in die Arme: ,Ich wusste gar nicht, dass das alles von mir ist!!' Und er bekräftigte seinen Entschluss, die Originalmusik für uns zu komponieren. Er fing auch bald mit der Arbeit an, machte in London Aufnahmen mit 80 Musikern."

In diesem Zusammenhang kamen die Filmemacher auf die Idee, ihm eine besondere Ehre zu erweisen: Die Welturaufführung des Films sollte in der Oper in Hannover stattfinden - und Michael Kamen würde das Staatsorchester dirigieren: seine Musik live zur Vorführung des Films. Der Meister reagierte enthusiastisch auf die Idee und war sofort dazu bereit.

Bei Stummfilmvorführungen wird eine solche Live-Musik heutzutage öfter präsentiert, aber bei einem Tonfilm ist so etwas wegen der Dialoge besonders knifflig und sehr aufwändig - bisher hat es das nur ein einziges Mal gegeben: bei der Wiederaufführung von Spielbergs "E.T. - Der Außerirdische" mit der Musik von John Williams. Dazu Krawinkel: "Das schwebte uns vor: Die neueste Art des Filmemachens kombiniert mit der ältesten Art, Filme im Kino zu präsentieren, und im Zentrum Michael Kamen als Dirigent."

Doch am 18. November 2003 starb Kamen überraschend in London an einem Herzinfarkt - er wurde nur 55 Jahre alt. "Wir waren sehr erschüttert, denn wir verloren nicht nur unseren Komponisten, sondern auch einen großen Unterstützer", erzählt Krawinkel. "Wie sollte es jetzt weitergehen? Die Musik war fortgeschritten, aber nicht fertig. Da zeigte sich, wie sehr er sich für unseren Film engagiert hat: Kamens langjähriger Manager Robert Urband sagte sofort zu, für die Vollendung des Soundtracks in Kamens Sinn zu sorgen. Durch den großen Zuspruch aus der Musikbranche, den wir jetzt in unserer schwierigen Situation bekommen, wissen wir inzwischen, dass wir an unserer Idee mit der Oper festhalten können - wir werden die Uraufführung mit Kamens letzter Filmmusik als sein Vermächtnis feiern."

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