Troja

Produktionsnotizen

"Ein altes Sprichwort sagt, dass durch den Krieg die schlimmsten und die besten Seiten im Menschen zutage treten", sinniert der gefeierte Produzent/Regisseur Wolfgang Petersen. "Doch für alle Beteiligten führt der Krieg in eine Katastrophe. Unser Film zeigt zwar das Schlachtengetümmel mit Zehntausenden von Soldaten so, wie das Publikum es noch nie erleben konnte, aber im Grunde geht es in unserer Geschichte um die zeitlos menschlichen Aspekte von Sieg und Niederlage, wie Homer sie niedergeschrieben hat."

"Troja" entlehnt seine Geschichte der "Ilias", jenem Altertumsepos, das dem Dichter Homer zugeschrieben wird - er gilt als Urvater der abendländischen Literatur. Die Vers-Epen, die Homer verfasst haben soll, entstanden wahrscheinlich im 8. Jahrhundert vor Christus, 300 bis 400 Jahre nach dem angeblichen Fall von Troja. Man weiß nicht, ob Homer eine damals schon vorhandene, mündlich überlieferte Chronik nacherzählt oder selbst der einzige und originale Schöpfer seines Werks war - jedenfalls hat es die Jahrhunderte überdauert und ist heute der mitreißendste literarische Blick in die Vergangenheit.

"Ich bin überzeugt, dass kein Autor in den letzten 3.000 Jahren imstande war, das Grauen des Krieges so anschaulich und präzise zu beschreiben wie Homer", sagt Petersen. "Doch in seinen Epen wird das menschliche Drama von großer Brutalität überschattet. Dagegen findet das heutige Publikum den Zugang zu der Geschichte eher über das Leben und die Leidenschaft jener Menschen, die in diese grausigen Ereignisse verstrickt sind."

Das Skript zum Film verfasste David Benioff, Autor der Romanvorlage und des Drehbuchs zu Spike Lees viel gepriesenem Film "25th Hour" (25 Stunden). "Es handelt sich um eine zeitlose Geschichte", sagt Produzentin Diana Rathbun. "Wir können zwar nicht alle den Helden spielen und den Drachen töten, aber die Gefühle, die einen Helden antreiben, haben auch wir irgendwann in unserem Leben schon einmal empfunden. Ich las das Drehbuch und war sofort begeistert - die sehr präzise gezeichneten Figuren machen den Zuschauern den Einstieg leicht. Manchmal ist es nämlich sehr schwer, Zugang zur klassischen Literatur zu finden, weil unser Abstand dazu sehr groß ist - sie beschreibt eine andere Epoche, eine andere Welt. Doch von dieser Geschichte fühlt man sich sofort angesprochen, denn es geht um Empfindungen - egal, ob sie vor Tausenden von Jahren erlebt wurden oder heute."

Besetzung Weil er eine Welt darstellen wollte, die durch 3000 Jahre von unserer Gegenwart getrennt ist, mußste Petersen sie mit Schauspielern besetzen, die die überlebensgroßen Figuren des Films überzeugend verkörpern, aber auch die Zeitlosigkeit ihres menschlichen Dilemmas darstellen können.

"Wir haben es mit einer sehr komplexen Story zu tun", betont der Regisseur. "Es gibt jede Menge handelnder Personen, die alle miteinander zu tun haben - sie alle sind Teil eines unglaublichen menschlichen Dramas. Im Zentrum der Geschichte steht ein Ensemble, dessen Mitglieder alle von großer Bedeutung sind. Man kann nicht zwei oder drei einfach weglassen, denn dann fällt das Ganze wie ein Kartenhaus zusammen. Die Besetzung der Rollen erwies sich also als faszinierende Aufgabe - auf diese Darstellerriege könnte ich gar nicht stolzer sein. Einfach unglaublich, welche Schauspieler mitmachen."

Die Besetzung des unüberwindlichen Helden Achilles war der Schlüssel zum Rest, und die Filmemacher übertrugen Brad Pitt die wichtige Aufgabe, diese Legende mit Leben zu erfüllen - er hat in so unterschiedlichen Filmen wie "Fight Club" (Fight Club) und "Ocean's Eleven" (Ocean's Eleven) mitgewirkt und gewann den Golden Globe für seine faszinierende Darstellung in "12 Monkeys" (12 Monkeys). "Brad bringt die entsprechende Begabung mit, und er hat die nötige magnetische Ausstrahlung, um Achilles als gewaltigen Krieger und charismatischen Anführer darzustellen, ohne dass ihm dabei die Menschlichkeit abhanden kommt", sagt Petersen.

Diese komplexen, widersprüchlichen Aspekte der Figur reizten Pitt sehr. "Erstaunlich, wie es Homer gelingt, Achilles' Charakter auf sehr subtile Weise zu beschreiben", sagt Pitt. "Seine Persönlichkeit kommt erst nach und nach zum Vorschein. Zunächst hält man ihn noch für einen kaltblütigen Killer, doch dann schwenkt Homer in die Vergangenheit, um eine andere Facette des Helden zu beleuchten, und wir erfahren, dass er früher sehr menschlich und gütig gehandelt hat. Stück für Stück deckt Homer also die Widersprüche und Gegensätze in dieser überlebensgroßen Figur auf."

Im Ensemble des Films finden sich aufstrebende Jungstars ebenso wie berühmte Veteranen von Bühne und Film. Die Rolle des Prinzen Hektor von Troja übernimmt Eric Bana, Star von Ang Lees "Hulk" (Hulk) und des hoch gelobten australischen Films "Chopper" (Chopper). "Ich fand Hektor sofort sympathisch", erinnert sich der Schauspieler. "Hektor ist sehr edel und tapfer - Eigenschaften, die im klassischen Sinne immer ansprechen, ob im Kino oder auf der persönlichen Ebene. Hektor hat Frau und Kind, aber ich spüre ganz deutlich, dass seine eigentliche Familie die Stadt Troja ist. Obwohl es sich hier um ein gewaltiges Epos handelt, wirkt die Geschichte doch sehr intim auf mich - letztlich geht es um die Probleme sehr enger menschlicher Beziehungen, und aus diesen sehr persönlichen Beziehungen entwickelt sich ein ungeheures Action-Drama."

Orlando Bloom wurde mit seinem Auftritt in der "Lord of the Rings"-Triloge (Der Herr der Ringe) weltweit bekannt. Er spielt Hektors jüngeren Bruder, den rücksichtslos charmanten Prinzen Paris. "Ich erlebe Paris als Antihelden", sagt der Schauspieler. "Paris lässt sich mit keiner Rolle vergleichen, die ich bisher gespielt habe. Er ist Priamos' zweiter Sohn und sehr behütet aufgewachsen. Er ist sehr verhätschelt worden und hat nie über die Verantwortung nachdenken müssen, die mit der Aufgabe eines Kriegers oder Königs verbunden sind. Er bewegt sich zwar in einer Umgebung, in der es ständig um Politik, um reale Gefahren geht, aber dennoch vertritt er eine ganz simple Weltsicht, bis er letztlich eigenhändig einen Krieg entfesselt, weil er diese besondere Frau begehrt und liebt. Zwei Länder geraten aneinander, wodurch er praktisch seine gesamte Existenz verliert - und das alles nur aus Liebe."

Doch wer sollte jene Königin Helena verkörpern, deren Schönheit tausend Schiffe in See stechen lässt? Die umfassende internationale Suche nach einer geeigneten Darstellerin führte den Regisseur zu der deutschen Schauspielerin Diane Kruger, die zuvor in "Mon idole" eine Hauptrolle gespielt hatte. "In der ,Ilias' erscheint Helena manchmal als sehr eitel und egozentrisch, sie handelt also aus Eigennutz - das ist kaum verzeihlich", sinniert Kruger. "Doch im Drehbuch zu ,Troja' erscheint Helena deutlich menschlicher: Wir erfahren, welch einsames Leben sie im goldenen Käfig führte und dass ihr die Ehe mit einem Mann aufgezwungen wurde, der doppelt so alt ist wie sie. Sie darf also zeigen, wie unglücklich sie ist. Als sie Paris begegnet, darf sie plötzlich auf jene Liebe hoffen, die ihr bisher verwehrt blieb. Zumindest eine Zeit lang träumt sie von der Freiheit. Ich stelle mir vor, dass Paris sich nicht nur von ihrer Schönheit angezogen fühlt, sondern auch von ihrer Verletzlichkeit und der traurigen Aura, die sie umgibt."

Der vielseitige Schauspieler Brendan Gleeson stellt Menelaos dar, jenen König, den Helena verlässt. "Menelaos ist zwar Spartaner, aber ein wenig verweichlicht", sagt Gleeson, der unter anderem in "Gangs of New York" (Gangs of New York) und "28 Days Later" (28 Days Later) mitgewirkt hat. "Die Spartaner waren berühmte Krieger mit stahlharter körperlicher Kondition, aber die Kriegertage des Königs neigen sich dem Ende zu. Mir wurde Menelaos immer sympathischer, obwohl er ja nicht gerade einen angenehmen Charakter hat. Er ist mittleren Alters, hat eine schöne, jüngere Frau, und er wird von der größten Angst eines solchen Mannes mittleren Alters heimgesucht: dass nämlich ein jüngerer Mann kommt und sie ihm wegschnappt. Ihm scheint alles zu entgleiten. Doch im Grunde ist er ein ehrenwerter Mann, und er zieht seiner Frau wegen gen Troja, er will seine Ehre wiederherstellen."

Menelaos' Bruder, der habgierige König Agamemnon, wird von dem renommierten Schauspieler Brian Cox dargestellt, der die Kritiker mit seinen Auftritten in Filmen wie "25 Stunden" und "L.I.E." (L.I.E. - Long Island Expressway) begeisterte. "Wahrscheinlich empfindet Agamemnon Troja als eine New-Age-Hippie-Hochburg", sagt er. "Die Trojaner haben sich völlig von der realen Welt abgekapselt, wollen mit dem Fortschritt nichts zu tun haben, und er will sie der realen Welt einverleiben - und zwar auf äußerst grauenvolle Weise. Agamemnon berauscht sich an seiner eigenen Macht, sein Feldzug gegen Troja hat auch einen selbstzerstörerischen Zug - der große Machtapparat gerät durch diesen letzten Schritt aus den Fugen. Das entspricht dem alten Klischee: Macht korrumpiert, und für absolute Macht gilt das umso mehr."

Peter O'Toole war bereits siebenmal für den Oscar nominiert und erhielt einen Ehren-Oscar für seinen Beitrag zur Filmgeschichte - er spielt hier den ehrwürdigen König Priamos von Troja. "Priamos schaufelt sich sein eigenes Grab", sinniert O'Toole, der für diese Rolle reichhaltige Erfahrung mitbringt - er hat Legenden und Führer gespielt, allen voran in seinem Markenzeichen, dem Meilenstein-Epos "Lawrence of Arabia" (Lawrence von Arabien). "Als Friedensstifter überschätzt er sich völlig. Priamos lebt in einer Welt, in der die Krieger die Aristokratie stellen, aber er selbst bildet die Ausnahme, denn hinter der Stadtmauer von Troja wähnt er sich sicher, und so gelingt es ihm, viele Jahre lang den Frieden zu bewahren. Er würde nie jemanden angreifen, aber er verteidigt Troja gegen jeden, der ihm zu nahe kommt, und die Mauern von Troja hat noch niemand überwunden."

Eine bewegende, schmerzliche Begegnung zwischen Priamos und Achilles zählt zu den emotionalsten Szenen des Films. In weiser Voraussicht verlegte Petersen die Dreharbeiten für dieses sehr intime Gespräch in den Ballsaal eines Hotels in Mexiko, um absolute Ruhe zu gewährleisten - so konnten sich die Schauspieler ohne Ablenkung voll und ganz auf ihr Spiel konzentrieren. Diese Vorbereitung zahlte sich aus. "Es herrschte völlige Stille", erinnert sich Petersen. "Das werde ich nie vergessen. Nach der Szene saß Brad da und schien fast unter Schock zu stehen. Und Peter O'Toole - was soll ich dazu sagen? Das war einer jener Momente in meiner Karriere, die ich mein Leben lang nie vergessen werde."

"Das war eine der wunderbarsten Szenen, die ich je gelesen habe", bestätigt Pitt. "Ich habe mich gerade auf diese Sequenz sehr gefreut und war natürlich begeistert, dass ich sie zusammen mit Peter O'Toole gestalten durfte. Für mich ein Highlight meiner Karriere - wegen solcher Momente übe ich diesen Beruf aus. Absolut fantastisch."

Rose Byrne, die Hauptrollen in den Filmen "I Capture the Castle" und "Goddess of 1967" (Goddess of 1967) gespielt hat, stellt Priamos' Nichte Briseis dar, eine jungfräuliche Tempeldienerin des Apollo, die von den Griechen gefangen genommen und Achilles als Tribut übergeben wird. "Ich bewundere Briseis sehr", sagt Byrne begeistert. "Sie ist 17, in Troja sehr behütet aufgewachsen. Plötzlich gerät sie in Kriegsgefangenschaft, bewahrt dabei aber ihre Würde und erweist sich unter diesen schwierigen Umständen als sehr stark. Am Schluss wird sie selbst zur Kriegerin." Briseis macht einen tiefen Eindruck auf Achilles und hat damit auch großen Einfluss auf die Geschichte. "Schon bald ist sie Achilles' emotionaler Fixpunkt", sagt Byrne. "Denn wenn man ein Gefühl für ihn entwickeln soll, mußs man zunächst erkennen, dass auch er eine Seele hat."

Eine Lichtgestalt des Kinos ergänzt als Achilles' Mutter Thetis die Besetzung: Julie Christie, die mit ihrer Hauptrolle in "Darling" (Darling) den Oscar gewann. Christies Rolle bildet den Schlüssel zum Verständnis der Zwickmühle, in der Achilles sich befindet und die sein Leben prägt. "Thetis hat die Fähigkeiten einer Wahrsagerin", sagt Pitt. "Sie ist für Achilles' Dilemma verantwortlich: Wenn er nicht in den Krieg zieht, wird er Kinder bekommen, die ihn lieben. Und auch die Kinder seiner Kinder werden ihn lieben, aber dann wird er in Vergessenheit geraten. Die andere Möglichkeit ist: Wenn er in den Krieg zieht, wird er Heldentaten vollbringen, über die man noch in Tausenden von Jahren sprechen wird. Doch in diesem Krieg wird er umkommen. Thetis offenbart ihm, dass er sich mit seiner Entscheidung für den Krieg selbst zum Tode verurteilt."

Agamemnon weiß, dass Achilles nicht so einfach in den Krieg ziehen wird - deswegen schickt er Odysseus, den König von Ithaca und Achilles' engen Freund, um ihn zur Teilnahme am Feldzug zu bewegen. "Odysseus ist ein mit allen Wassern gewaschener Taktiker", sagt der international bekannte Sean Bean, der die Rolle des Königs übernimmt. "Er ist ein tapferer und ehrenhafter Mann und guter Krieger, doch in dieser Geschichte tritt er vor allem als Vermittler und Diplomat auf. Odysseus kennt Achilles besser als alle anderen - er versteht, warum er zögert, mit Agamemnon in die Schlacht zu ziehen: Er misstraut ihm. Achilles schätzt Odysseus sehr, er hört auf ihn - und es gibt wirklich nur sehr wenige, auf die er hört. Ihre Beziehung ist von gegenseitiger Bewunderung, von Respekt geprägt, und falls es überhaupt jemandem gelingen sollte, Achilles zum Kampf für Agamemnon zu überreden, dann ist das Odysseus."

"In unserer Geschichte geht es um die menschlichen Grundwerte", sagt Petersen abschließend. "Schwarzweißmalerei hat da keinen Platz: ,Auf dieser Seite stehen die Guten, da drüben die Bösen' - so einfach ist das nicht, das wäre zu altmodisch. Wir erzählen eine moderne Geschichte; das heißt, es geht um reale menschliche Probleme. Das wirkliche Leben ist ungeheuer komplex und interessant - deswegen ist es umso tragischer."

Zu Petersens hervorragender Besetzung zählen schließlich auch Saffron Burrows als Hektors treu sorgende Frau Andromache, Vincent Regan als Eudoros, Achilles' Landsmann und Kapitän der Myrmidonen, sowie Garrett Hedlund als Achilles' geliebter Cousin Patroklos.

Die Produktion eines Epos Bei der internationalen Mammut-Produktion "Troja" kann niemand den Filmemachern ihren großen Ehrgeiz absprechen, mit dem sie bei dem Unternehmen zu Werke gingen. Regisseur Wolfgang Petersen fühlte sich von der Aufgabe herausgefordert, die zwischenmenschlichen Beziehungen vor derart gewaltigen Panoramen zu entwickeln. "Unsere Geschichte besteht aus einem engen Geflecht von Beziehungen zwischen faszinierenden Persönlichkeiten mit all ihren Emotionen - schon das allein war eine interessante Aufgabe. Hinzu kommt die Entwicklung der Geschichte vor einem derart spektakulären Hintergrund."

Eine entscheidende Komponente bei der Entwicklung der unglaublichen Dimensionen des Films war das Produktionsdesign. Petersen entschied sich für den innovativen Produktionsdesigner Nigel Phelps, der ihm half, die klassische Antike wieder zum Leben zu erwecken. "Nigel kennt sich in der Epoche hervorragend aus, und seine ersten Entwürfe waren einfach wunderbar", erinnert sich Petersen. "Mit seinem Team hat er alle verfügbaren Nachschlagewerke durchkämmt, und es war faszinierend zu erleben, was sie zutage förderten."

"Zunächst ging es darum, dem Film epische Dimensionen zu verleihen", sagt Phelps. "Wolfgang betonte, dass der Film äußerst glaubwürdig und realistisch wirken soll. Ich recherchierte also und fand heraus, dass die Wirklichkeit der damaligen Zeit eher einen sehr kleinen Maßstab hatte. Die Zeit um 1200 vor Christus war von den vorherrschenden Kulturen in Mykene und in Ägypten geprägt. Mein Beitrag bestand darin, die Kunst und die Motive von Mykene mit dem gigantischen Maßstab der Ägypter zu kombinieren - so erfanden wir eine neue Bildsprache, die zwar die Epoche authentisch widerspiegelt, aber auch den Kriterien eines Filmepos gerecht wird."

Unschätzbare Hilfe bei den Recherchen des Produktionsteams gewährte das British Museum, wo sich die Sammlung jener Objekte befindet, die in den archäologischen Grabungsstätten in der heutigen Türkei gefunden wurden, die man gemeinhin als das historische Troja bezeichnet. Wie Troja zur jener Zeit, in der die Ereignisse der "Ilias" stattfanden, tatsächlich aussah, kann man nur vermuten. Auf dem Gebiet der Stadt hat man Spuren etlicher antiker Städte gefunden - alle wurden auf den Ruinen der älteren errichtet. Die "Troja VI" genannte Ebene repräsentiert jene Epoche, die Phelps und sein Team zu neuem Leben erwecken sollten.

"In Wahrheit war Troja erheblich kleiner als unser endgültiger Entwurf - alles war dort sehr eng", sagt der Designer. "Es gab aber die Außenmauer und einen Palast im inneren Stadtgebiet. Die meisten Häuser bestanden aus nur einem Geschoss, hatten Flachdächer und wurden aus Schlammziegeln errichtet. Dieses Konzept mußsten wir dann etwas erweitern, um die Stadt visuell interessanter zu gestalten."

Der Film spielt vorwiegend in und um Troja - Hauptschauplätze sind der Strand, an dem die Griechen landen, das Schlachtfeld zu Füßen der Stadtmauer, die Stadt selbst und der darin befindliche Palast. Weitere Schauplätze in "Troja" sind das Thessaloniki-Tal auf dem griechischen Festland sowie die Königreiche Sparta und Mykene. "Wir haben uns sehr bemüht, eine Atmosphäre zu schaffen, in der man die verschiedenen Kulturen unterscheiden kann", sagt Phelps. "Agamemnons Mykene wird von Gold, Reichtum und Prunk geprägt - im Gegensatz zu den Spartanern, die ein asketisches, farbloses Leben führen. Und dann kommen wir nach Troja, wo es viele grüne Pflanzen gibt und man sehr angenehm leben kann."

Die Filmemacher mußsten sich entscheiden, welcher der drei Drehorte - London, Malta oder Mexiko - sich am besten für die entsprechenden Sets eignete. Die meisten Interieurs des Films entstanden in den Hallen der Shepperton Studios, 60 Kilometer vor den Toren von London, doch die riesige Stadt Troja passte in keine Studiohalle. "Malta ist eine bezaubernde Insel mit wunderbaren Steilküsten und Felsformationen - das Plateau, auf dem wir Troja errichtet haben, sieht wirklich hinreißend aus", berichtet Produzentin Diana Rathbun. "Aber es gibt dort keinen Strand, der groß genug gewesen wäre, damit unsere Computer-Experten dort tausend Schiffe hätten landen lassen können. Auch fehlt ein unbebauter Landstrich von der Dimension, die eine Schlacht mit 75.000 Kriegern erlaubt. Letztlich drehten wir also in Mexiko, wo wir alle unsere Voraussetzungen erfüllt fanden."

Die Dreharbeiten zu "Troja" begannen am 22. April 2003 in Shepperton. Zu den dort errichteten Sets gehören der trojanische Palast inklusive Priamos' Versammlungssaal und die Gemächer der königlichen Familie. Keiner der Räume hat eine geschlossene Decke - was der damaligen Realität entspricht, denn zu der Zeit war man tagsüber auf die Sonne als einzige Licht- und Wärmequelle angewiesen - nachts wurde in der Mitte jedes Raumes ein Feuer entfacht. Mit seinem Entwurf zu Priamos' Versammlungssaal setzte Phelps diesen Set von den anderen Räumen ab, indem er im Zentrum ein Wasserbecken anlegte. Und von noch einem weiteren unverwechselbaren Element wird dieser Saal geprägt, einer 15 Meter hohen Zeusstatue: Der Gott des Donners hält ein goldenes Zepter. Um ihn herum stehen fünf Meter hohe Statuen der anderen olympischen Götter, und jeder trägt sein persönliches goldenes Attribut, das seine spezifische Macht repräsentiert.

"Religiöse Motive gehören zu den Schlüsselelementen des Films", sagt Phelps. "Beim Entwurf für die Statuen orientierten wir uns an den frühesten, ältesten Statuen, die in Frage kamen. Zusammen mit unserem Kostümdesigner Bob Ringwood überarbeiteten wir dann Frisuren und Kleidung, um sie dem generellen Look anzupassen, den wir für unseren Film entwickelt haben."

Der Bau von Troja Von London zog das Produktionsteam auf die Mittelmeerinsel Malta um, wo die Außensets für die Stadt Troja auf einem vier Hektar großen Areal innerhalb einer militärischen Festung aus dem 17. Jahrhundert namens Fort Ricasoli errichtet wurden. Auf Malta gibt es zwar jede Menge Zeugen der Vergangenheit und archäologische Fundstätten - manche sind sogar 2000 Jahre älter als die Epoche, in der "Troja" spielt. Das Produktionsteam entschied jedoch, dass die vorhandenen Ruinen für die Darstellung des Jahres 1200 vor Christus nicht geeignet sind. Entsprechend mußste man die gesamte Stadt von Grund auf neu erschaffen. Dazu engagierte man über 500 maltekische Arbeiter, und aus Großbritannien reisten fast 200 Handwerker an, die den Bau von Troja bereits zu Jahresbeginn in Angriff nahmen.

Der scharfe Wind auf der Insel, die extreme Hitze und Feuchtigkeit verhinderten, dass der Drehplan eingehalten werden konnte - nie wusste Petersen genau, was er am jeweiligen Produktionstag eigentlich drehen konnte, bis der morgendliche Wetterbericht Klarheit schaffte. Doch im Fort Ricasoli wurde unbeirrt weitergearbeitet. Endlich legte man letzte Hand an die Einrichtung des Palastes. Der mit zwei Oscars ausgezeichnete Ausstatter Peter Young sorgte für die Dekoration der trojanischen Straßen, auf denen die zwei groß angelegten Einzugsparaden gefilmt wurden.

Die Volksmenge bestand aus 1200 kostümierten, geschminkten und frisierten Statisten - in dieser Szene eskortiert ein Trupp berittener Apollo-Wächter Hektor und Paris durch die Stadt; bei dieser Gelegenheit lernen die Trojaner Helena kennen. "Als Helena in die Stadt einzieht, erleben auch die Kinozuschauer diese Welt zum ersten Mal", kommentiert Phelps. "Und das Publikum sollte genauso reagieren wie Helena, als sie die Stadt erstmals zu Gesicht bekommt: Es soll staunen."

Während sich die Prozession die Straße entlang bewegt, gibt Young den Zuschauern Gelegenheit, die Stadt mit ihren vielfältigen Aspekten kennen zu lernen. "Damit die Gebäude echt wirken, mußsten wir auf all die Details achten, durch die eine Stadt bewohnt erscheint", stellt er fest. "Es reicht durchaus nicht, ein paar Tonkrüge hinzustellen und Leute im Kostüm herumlaufen zu lassen. Wir mußsten die Straßen mit Dingen ausstatten, die dem Tagesablauf der Bewohner entsprechen: die Arbeit in einer Schmiede, Körbe schleppen, Karren ziehen und so weiter. All diese Aktivitäten im Hintergrund nimmt man kaum wahr, aber diese Nuancen tragen zum realistischen Eindruck bei, während man sich auf die Handlung im Vordergrund konzentriert."

Unter dieser Maxime wurde die ganze riesige Stadt ausgestattet, die wir im Lauf des Films näher kennen lernen. "Auf dem großen Platz und in den Straßen möchte ich verschiedene Aspekte des Stadtlebens illustrieren", sagt Phelps. "Von der Hauptstraße gehen Nebenstraßen ab, in denen wir eher alltägliche Verrichtungen erleben. Auf dem zentralen Platz werden meist Zeremonien abgehalten, er wirkt entsprechend strenger in der Form. Dorthin wird schließlich das trojanische Pferd gezogen - das wir entsprechend von hinten aufgezäumt haben: Wir wussten, dass später das zwölf Meter hohe Pferd in der Mitte des Platzes stehen würde - also fragten wir uns: Wie kann man unter diesem Gesichtspunkt die Umgebung möglichst ansprechend gestalten?"

Das trojanische Pferd "Das Design des Films steht und fällt mit dem Pferd", berichtet Phelps. "Wenn man das Ganze logisch betrachtet, so stand den Griechen als Baumaterial nur das Holz der verbrannten Schiffe zur Verfügung, und ich vertrat die Überzeugung, dass es unbedingt so aussehen sollte, als ob die Griechen es in ihrer Verzweiflung tatsächlich in nur jenen zwölf Tagen zusammengehämmert haben, die sie dafür Zeit hatten. Ich hatte das Gefühl, dass es möglichst wie ein heidnisches Kult-Objekt wirken sollte, das vor allem die religiösen Gefühle der Trojaner anspricht. Die Griechen sollten ein Pferd konstruieren, das die Trojaner praktisch wie unter Zwang in ihr religiöses Heiligtum ziehen müssen - nämlich auf den Platz innerhalb der Stadtmauern.

Voraussetzung für den Entwurf einer solchen Ikone war für Phelps einerseits, dass der Zuschauer es wiedererkennt, aber gleichzeitig mußste das Pferd auch ins Konzept des Films passen, das rigorosen Realismus vorschrieb. "Ein Pferd auf Rädern lehnte ich ab", erklärt Phelps. "Das ist so eine Art Klischee, das eigentlich keinen Sinn macht. Wenn ich mir vorstelle, wie man das Pferd mit seinen großen Rädern anfangs am Strand entdeckt, warum bindet man dann nicht auch gleich eine Schleife drum herum, auf der steht: ,Zieht mich nach Hause'?"

Drei Konzeptkünstler arbeiteten an den Entwürfen für das perfekte Design und ließen sich dabei von Fotos verbrannter und verkohlter Schiffe oder auch von einem riesigen, nur aus Autoreifen konstruierten Gorilla inspirieren. Als man sich auf den endgültigen Look geeinigt hatte, baute ein Bildhauer anhand der Zeichnung ein dreidimensionales, 30 Zentimeter hohes Modell. Anschließend konstruierte man ein voll ausgestattetes Modell in viel größerem Maßstab, und dieses diente dann zwölf Modellierern als Orientierung: Sie schnitzten das originalgroße, gewaltige Pferd aus Styropor.

Das Pferd entstand in den Londoner Shepperton Studios, allerdings zunächst in zwei Hälften, weil keine Halle für das riesige Tier ausgereicht hätte. "Das hat viele Nerven gekostet", bekennt Phelps. "Denn zunächst konstruierten wir die untere Hälfte mit den Beinen und der Basis, dann den oberen Teil mit Kopf und Schultern. Aber wir mußsten zwei oder drei Monate warten, bis wir es auf Malta dann erstmals wirklich zusammensetzen konnten."

Als das Filmteam Anfang Mai nach Malta umzog, wurde auch das Pferd in Einzelteilen dorthin verfrachtet. Das im Film verwendete Pferd bestand vorwiegend aus Stahl unter einer Glasfiberhaut, die man mit dem hölzernen Look präparierte. Es war 11,50 Meter hoch und wog elf Tonnen. Als die Einzelteile zusammengeschweißt waren, dauerte es noch Wochen, bis die Arbeiter es komplett zusammengesetzt hatten. Dann mußste es für seinen Einzug durch das 13 Meter hohe Stadttor von Troja in Position gebracht werden. Dabei war Erfindergeist gefordert, denn die Trojaner verfügten natürlich nicht über moderne Technik.

"Ich hatte eine Dokumentation über den Bau der ägyptischen Pryramiden gesehen: Die gewaltigen Steinblöcke wurden über Baumstämme gerollt", erinnert sich Phelps. "Diese Transportart für das Pferd erschien mir logischer und subtiler als Räder." Dutzende von Baumstämmen wurde auf der Straße durch das Tor ausgerichtet, und ein Flaschenzugsystem (das später digital aus den Filmbildern entfernt wurde) ersparte den an den Seilen zerrenden Männern ein Großteil des Gewichts.

Der Brand von Troja Nachdem alle Szenen innerhalb des malerischen Troja abgedreht waren, mußste das Produktionsteam nur noch eine letzte Sequenz auf Malta absolvieren - und dabei ihr Werk in Schutt und Asche legen. Die Zerstörung Trojas erforderte einen gewaltigen Aufwand bei der präzisen Planung, Koordinierung und Durchführung. "Das Feuer zählt zu den gewaltigsten seit ,Vom Winde verweht'", erklärt Special-Effects-Leiter Joss Williams. "Unseres unterscheidet sich allerdings dadurch, dass wir es im Griff behielten und jederzeit unterbrechen konnten. Damals hat man es einfach angezündet und brennen lassen."

Williams und sein Team verlegten mehrere hundert Meter lange Gasrohre - sie waren an fünf Tanks mit flüssigem Propangas angeschlossen, die durch die Gebäude in den Straßen Trojas getarnt waren. Kontrolliert wurde das Gas durch ein System von 350 individuell zu bedienender Ventile. Jeder Tank enthielt 5000 Kubikliter Brennstoff, der entweder flüssig oder als Gas zum Einsatz kommen konnte. In flüssiger Form sorgt er für eine Flamme, die 270-mal intensiver als eine Gasflamme ist. Mitten in dieser schwer zu bändigenden, heißen Mischung mußsten Simon Cranes Stuntleute arbeiten - und nicht zuletzt die Schauspieler Brad Pitt, Brian Cox und Sean Bean. Crane, Regisseur des zweiten Drehteams, und die Filmemacher legten größten Wert darauf, dass niemand bei diesem präzise choreographierten Chaos zu Schaden kam.

"Die Sicherheit haben wir sehr, sehr groß geschrieben", erklärt der erfahrene Stunt Coordinator. "Deshalb spielen Proben bei unserer Arbeit eine so große Rolle. Je intensiver man übt, desto geringer ist das Risiko. Vor dem Dreh der Sequenz haben wir die Zerstörung wochenlang geprobt. Aber auch trotz solcher Vorsichtsmaßnahmen kann immer etwas schief gehen - also stand ein verlässliches Team von Sanitätern und Krankenwagen bereit, und wir hatten mehrere Evakuierungspläne vorbereitet."

Dank der umfangreichen Vorbereitung und Wachsamkeit aller an der Planung und Durchführung Beteiligten gab es beim Dreh der spektakulären Sequenz keinerlei Unfälle.

Die letzte Schlacht Das erste und zweite Drehteam beendeten ihre Aufnahmen auf Malta und reisten weiter, um den anstrengendsten Teil der Dreharbeiten in Angriff zu nehmen: Er begann am 11. Juli in Los Cabos/Mexiko an der Südspitze der Baja-Halbinsel, 1760 Kilometer südlich der amerikanischen Grenze.

In ganz Mexiko wurden Hunderte von Mitarbeitern verpflichtet, viele kamen aus Mexico City und aus noch weiter entfernten Orten. Ein gewaltiger Aufwand war nötig, um den Drehort für die Dreharbeiten vorzubereiten, zu denen das Kernteam mit 350 Mitarbeitern anreiste.

Vieles war bereits getan, als die Darsteller und Techniker auf dem 1100 Hektar großen Gelände eintrafen, das jetzt als weiteres Troja dienen sollte. 230 Arbeiter wurden engagiert, die meisten reisten aus Mexico City an: Sie bauten die Griechenschiffe, den gewaltigen Apollotempel und die imponierende trojanische Stadtmauer.

Als einer der kompliziertesten Aspekte der Produktion erwies sich die Rodung des Areals vor der Mauer. Der mexikanische Strand wird von vielen Hektar Land eingefasst, die von Büschen und Kakteen überwuchert sind. Für das Schlachtfeld mußsten etwa 2,5 Quadratkilometer freigeräumt werden.

Die Drehgenehmigung wurde aber nicht ohne ein ökologisches Gutachten erteilt, und dieses forderte, dass bestimmte Arten von Kakteen geschützt werden mußsten. Die Produktion wurde verpflichtet, Botaniker zu engagieren, die jeden Kaktus registrierten und beschrifteten. 4000 Kakteen mußsten per Hand ausgegraben, in einer Baumschule zwischengelagert und gepflegt werden, bis die Dreharbeiten abgeschlossen waren. Anschließend wurden sie exakt an der Stelle wieder eingeplanzt, an der sie entnommen worden waren.

Mit der Tierwelt im Bereich des Strandareals mußste man ähnlich sorgfältig verfahren. Die an der mexikanischen Küste lebenden Meeresschildkröten sind insgesamt gefährdet. Damit also die Produktion ein derart langes Stück Strand mit Beschlag belegen konnte, war zuvor ein Schildkrötenschutzprogramm erforderlich. Man engagierte zwei Spezialisten, die sich am Strand häuslich einrichteten und sechs Monate lang rund um die Uhr Wache schoben. Sobald sie Eier legende Schildkröten entdeckten, sammelte das Team die Eier ein und legte sie in ein eingezäuntes Inkubationsareal. 45 Tage später schlüpften dann die Jungen und wurden an der Wasserlinie in die Freiheit entlassen.

Sobald das Areal unter ökologischen Gesichtspunkten gesichert und gerodet war, begannen 80 Handwerker unter Aufsicht des Bauleiters Tony Graysmark mit dem Bau der Stadtmauer und des Stadttors von Troja. Das dauerte vier Monate und erforderte 200 Tonnen Gips. Das Team errichtete eine 650 Meter lange Mauer, die durchschnittlich zwölf Meter hoch war und im zentralen Bereich des Tores eine Höhe von 18 Metern erreichte. Später wurde die Mauer in der digitalen Nachbearbeitung in beide Richtungen auf etliche Kilometer verlängert.

Als die Dreharbeiten fast abgeschlossen waren, mußsten die Filmemacher leider erleben, dass die Mauer eben doch nicht unüberwindlich war: Das erste Drehteam hatte die Arbeit bereits abgeschlossen und das zweite Team hatte nur noch zwei Wochen in Mexiko zu drehen, als am Sonntag, dem 21. September, gegen 2 Uhr morgens der Hurrikan Marty die Südspitze von Baja erreichte und die Filmsets schwer beschädigte: Die Mitte der Trojamauer, etwa zwei Drittel der Konstruktion, brach zusammen.

Simon Cranes zweites Drehteam konnte am Strand trotzdem noch eine Woche lang weiterdrehen - auch wenn die Hälfte der griechischen Flotte und ein Teil des Apollotempels verschwunden waren. Doch der Wiederaufbau der trojanischen Stadtmauer nahm einen ganzen Monat in Anspruch. Dann reiste Petersen mit Crane und einem etwa hundertköpfigen Team erneut an und drehte die letzten Szenen Ende Dezember.

"Was wir bei dieser Produktion erlebt haben, kam uns fast vor wie das Schicksal unserer Filmhelden", stellt Produzentin Diana Rathbun fest. "Teilweise mußsten wir übermenschliche Kräfte aufbieten, um unsere Aufgabe zu erfüllen, und logistisch war das Unternehmen eine echte Herausforderung, um es gelinde auszudrücken. Aber ich habe noch an keinem Film gearbeitet, bei dem derart viele Mitarbeiter so leidenschaftlich zu Werke gingen."

Auf dem Weg in die Schlacht In "Troja" geht es um Liebe und Ehre, aber auch um die brutale Realität des Krieges. Die zahlreichen Schlachtszenen des Films sollen nicht nur optisch überzeugend und technisch präzise wirken, sondern auch auf nachdrückliche Weise das Grauen und die verheerende Wirkung des Nahkampfes illustrieren.

"Wir zeigen die Schlachtsequenzen als Blut, Schweiß und Tränen", sagt Petersen. "Wir möchten den Zuschauern vermitteln, wie es ist, wenn man mitten im Getümmel steckt. Unsere Schlachten haben mit Glanz und Gloria nichts tun - ich möchte alles so realistisch wie möglich zeigen. Ein Großteil dieser Leistung verdanke ich Simon Crane, unserem Stunt Coordinator und Regisseur des zweiten Drehteams, der eine ganze Armee von Waffenexperten und Kampfchoreografen angeleitet hat. Mit seinem Team hat er einen entscheidenden Beitrag zu den meiner Meinung nach absolut überwältigend choreografierten Schlachten geleistet."

Cranes Hauptteam bestand aus acht Mitarbeitern, zu denen 50 Stuntleute aus der ganzen Welt stießen. Das Team probte sechs Wochen lang vor Drehstart. Außerdem wurden die tausend Komparsen je nach Fähigkeiten in Gruppen aufgeteilt, und die Besten von ihnen durften in den Stunt- und Kampfeinstellungen im Hintergrund mitwirken.

Die Strategie für Achilles' mitreißende Kampfszenen erwies sich als langwieriges Unterfangen. "Bei der Lektüre des Drehbuchs findet man schon bald den Satz: ,Achilles kämpft wie ein Gott'", sagt Crane. "Na ja, das schreibt sich so leicht, aber wenn man das zeigen will, ist das äußerst kompliziert, und dieser eine Satz hat einer Menge Leute eine Menge Arbeit verschafft. Letztlich brauchten wir drei Monate und etwa 30 Leute, um Achilles' Kampftechnik zu entwickeln. Er kämpft wie ein Boxer, aber mit der Geschwindigkeit eines Skateboarders und mit der Gewandtheit eines Panthers. Außerdem schaut er seinem Gegner nicht direkt in die Augen. Er blickt seitwärts und sieht nur hin, wenn er den Todesstoß versetzt - nach dem Motto: Wenn ich dich ansehe, weißt du, dass du tot bist."

Sechs Monate lang trainierte Pitt vor Beginn der Dreharbeiten, um Achilles' Heldenkörper zu entwickeln. "Ich mußste aber nicht nur das physische Training absolvieren, sondern auch etliche Kilo zunehmen", sagt Pitt. "Weil mein Körpereinsatz eine derart dominante Rolle spielt, war das eine mörderische Anstrengung, die aber dem Endresultat in jeder Phase zugute kommt - mit einem durchschnittlichen Ergebnis hätte ich mich nie zufrieden gegeben. Zum Glück stand mir vor Beginn der Produktion eine Menge Zeit zur Verfügung - so konnte ich mich in die Aufgabe richtig hineinknien. Ich habe schon sechs Monate vorher angefangen, und dann kam Simon mit seinem Team dazu und entwickelte den außergewöhnlichen Kampfstil."

Die Vervollkommnung der Kampftechnik eines einzelnen Mannes war schon kompliziert genug und kostete eine Menge Zeit, aber die Aufgabe, tausend Mann wie einen einzigen kämpfen zu lehren, war eine ähnlich anstrengende Erfahrung. Die kaum zu leistende Aufgabe, Hunderten von unerfahrenen "Truppen" die korrekten Bewegungsabläufe beizubringen, vertrauten die Filmemacher einem erfahrenen Profi an. "Innerhalb einer Gruppe bewegen sich Menschen nicht natürlich", sagt Richard Smedly, militärtechnischer Berater und ehemaliger Offizier der britischen Armee. "Bevor wir also mit dem Drehen beginnen konnten, mußsten wir den Statisten - die meisten hatten keinerlei militärische Ausbildung - erstmal beibringen, wie man koordiniert zusammenarbeitet. Sobald sie gelernt hatten, sich in der Gruppe zu bewegen und auf ein Fingerschnippen zu reagieren, konnten wir mit ihnen anschließend all die Dinge trainieren, die sie vor der Kamera dann eigentlich ausführen sollten."

Auf Malta bildete Smedly mit seinem Team 200 Statisten vier Wochen lang aus - sie lernten, im Gleichschritt zu marschieren, die Waffen richtig zu halten und Befehle zu befolgen. Aber nur wenige Kampfszenen wurden auf der Insel gefilmt. Die großen Schlachtsequenzen entstanden in Mexiko, und dort lief alles in entsprechend größerem Maßstab ab. Tausend vor Ort rekrutierte Statisten mußsten militärisch ausgebildet werden, und unter ihnen wählte man eine Elitetruppe aus, die nicht nur in der physischen Verfassung war, vor der Kamera überzeugend zu kämpfen, sondern auch wie Bewohner der Mittelmeerländer aussah. Die perfekten Soldaten fand Smedly in der Sportakademie der bulgarischen Hauptstadt Sofia.

"Ein Mitarbeiter meines Militärteams, der in Südafrika lebt, flog nach Bulgarien und hat dort bei einem Casting die Truppe zusammengestellt", berichtet Smedly. "Wir wählten etwa 250 Athleten aus - groß gewachsene, muskuläre Typen, die wie Griechen aussehen. Einen Monat vor Beginn der Dreharbeiten flogen wir mit ihnen nach Mexiko. Sie trainierten drei Wochen lang, angefangen mit einfachem Exerzieren, schließlich große Angriffswellen und Schlachtgetümmel. In Mexiko haben wir etwa 1.250 Leute ausgebildet: 250 Bulgaren und 1.000 Mexikaner."

Auf dem Drehplan standen zwei große Schlachten, die als Barrikadenschlacht und als Schlacht der Pfeile bezeichnet werden. "Mit der Schlacht der Pfeile zeigen wir, was wir drauf haben: 50.000 Griechen gegen 25.000 Trojaner", sagt Crane. "Die Trojaner kämpfen auf den Zinnen der Stadtmauer und verlassen sich vor allem auf Bogenschützen. Wenn das nicht möglich ist, wenn sie außerhalb ihrer Mauern kämpfen müssen, dann nehmen sie laut Theorie ihre Mauern mit, halten also ihre Schilde vor sich - das haben wir in unsere Choreografie eingearbeitet. Die Schlacht dauert im Film von Anfang bis Ende etwa zehn Minuten, aber wir brauchten mit zwei Drehteams ganze vier Wochen, um sie zu filmen."

Die meisten der Pfeile, die im Film abgeschossen werden, stammen aus dem Computer - aus Sicherheitsgründen. Trotzdem war Waffenmeister Simon Atherton für den Entwurf und die Herstellung von 20.000 Pfeilen, 3000 Schwertern und Speeren sowie 4000 Schilden verantwortlich. Die zweite Schlacht ist eine Nummer kleiner, wurde aber mit demselben Ehrgeiz inszeniert. "Für die Barrikadenschlacht planten wir Feuerbälle ein, die die Trojaner vom Berg in das griechische Lager schleudern. Uns gefiel diese Idee, weil sich die Schlacht so optisch von den anderen absetzt. Die Bälle bestanden aus Pappmaché, und in ihnen befanden sich kleine Sprengsätze - wenn sie auf etwas aufprallten, konnten die Special-Effects-Experten diese Ladungen zünden, und die Stuntleute wurden mit Papierschnipseln überschüttet."

Ein weiteres wichtiges Gefecht, das in Mexiko gefilmt wurde, war die Landung am Strand und der Überfall auf den Apollotempel durch Achilles und seine Myrmidonen.

Zu den entscheidenden Einzelkämpfen zählen die Konfrontation Paris gegen Menelaos, Achilles gegen den Riesen Boagrios und jener Zweikampf, von dem das Schicksal zweier Völker abhängt: Hektor gegen Achilles. Ein Team von 30 Mitarbeitern arbeitete drei Monate lang an der Vorbereitung dieser mitreißenden Schlacht zweier Titanen, Pitt und Bana probten acht Wochen lang täglich vier Stunden.

"Die Heere sind aufeinander getroffen, und jetzt erleben wir, was passiert, wenn die beiden größten Krieger Mann gegen Mann antreten", berichtet Petersen. "Homer hat das wirklich sehr clever angelegt - der Trick besteht darin, die Erwartungshaltung in Bezug auf diesen Zweikampf derart anzuheizen, dass es unmöglich ist, die monumentale Bedeutung dieser Konfrontation nicht zu spüren. Wir haben bereits erlebt, wie 50.000 Soldaten auf 25.000 Feinde treffen, aber dennoch ist der Kampf dieser beiden Männer der spektakulärste, faszinierendste und fürchterlichste des gesamten Films."

Kein Stuntman war an dem Zweikampf beteiligt - in jeder Einstellung sind Pitt und Bana selbst zu sehen. "Wenn man das auf der Leinwand erlebt, glaubt man einfach nicht, dass die beiden Schauspieler das selbst machen", staunt Petersen. "Wir reden hier über Blut, Schweiß und Tränen, über die Realität des Kampfes - Erics und Brads Duell ist dafür das beste Beispiel, all die vielen Mühen kulminieren in diesem einen Moment."

"Brad Pitt ist unheuer konzentriert bei der Sache", berichtet Crane begeistert. "Er hat seine Rolle völlig verinnerlicht. Ich habe das Kampfkonzept auf Video aufgenommen und Brad damit demonstriert, welche Choreografie mir vorschwebte. Und dann merkte ich, wie seine Augen aufleuchteten, wie er sich in die Situation hineinversetzte - er steckte bereits mitten in diesem Kampf. Zunächst haben wir Stuntleute die Abläufe durchprobieren lassen, aber als er dann die Bewegungen einstudierte, bekam der Kampf einen ganz anderen Charakter. Er macht die Rolle lebendig. Im Grunde ist seine Einstellung: ,Worauf warten wir noch?!' - einfach fantastisch." "Von Zeit zu Zeit passiert es, dass man an einem Film mitwirkt, für den alle Beteiligten ihr Bestes geben", sagt Pitt mit Hochachtung. "Und für mich war ,Troja' ein solcher Film - das gilt, vom Regisseur angefangen, für alle Mitarbeiter. Ich habe noch nie bessere Leute erlebt als Simon Crane und seine Jungs."

"Ich kann selbst kaum fassen, was wir in diesen Kampfszenen zustande bringen", bestätigt Bana, der das Waffentraining in seiner australischen Heimat schon sechs Monate vor Drehbeginn aufnahm. "Was Simon Crane und sein Team leisten, ist absolut phänomenal. Die Stuntleute, die ich vermöbeln mußs, sind unglaublich hart im Nehmen. Wie Stehaufmännchen."

"Eric zeigt eine tolle Leistung", sagt Crane. "Er hat uns gleich zu Anfang gestanden, dass er kaum Kampferfahrung vor der Kamera hat. Wir haben für alle Schauspieler ein Trainingsprogramm erstellt, und er hat sehr schnell die Kurve gekriegt. Er bewegt sich so, wie Hektor sich bewegen sollte - er ist Hektor. So einfach ist das."

Die Multiplikation des Schlachtgetümmels Auf dem trojanischen Schlachtfeld treffen Zehntausende von Männern aufeinander. Auch die Legionen von Statisten, Stuntleuten und Schauspielern, die für den Film zusammengetrommelt und ausgebildet wurden, reichten letztlich nicht aus, um den gewaltigen Zusammenstoß der beiden legendären Heere angemessen ins Bild zu bringen. Dafür brauchten die Filmemacher die Unterstützung und die magische Vision einer neuen Generation revolutionärer visueller Effekte.

In "Troja" kommen erstmals "virtuelle Stuntleute" zum Einsatz, die von den führenden Trickschmieden The Moving Picture Company und Framestore CFC zur Verfügung gestellt werden. Sie verwenden eine Technologie, die von NaturalMotion entwickelt wurde. Die Software namens "Endorphin" entstand im Zuge von Forschungsprojekten im Bereich der Neurobiologie menschlicher Bewegungen, die in der zoologischen Fakultät der Oxford University durchgeführt wurden. Das geniale Programm schafft menschliche Figuren, deren Körper sich exakt wie wirkliche Menschen verhalten, egal welchen Kräften sie ausgesetzt sind - damit unterscheiden sie sich von den meisten im Computer geschaffenen Figuren, die immer vom vorher festgelegten Input der animierten Clips in Datenbanken abhängig sind. Die virtuellen Endorphin-Figuren bewegen sich dagegen unabhängig, sie nehmen ihre Umgebung sinnlich war und reagieren entsprechend - genauso wie Menschen in derselben Situation.

Das Verfahren, mit dem die künstlichen Stuntleute denken und sich bewegen können, wird als "aktive Figuren-Technologie" bezeichnet. Zum Einsatz kommt künstliche Intelligenz (Artificial Intelligence, abgekürzt AI), die das menschliche Gehirn, den Körper und das Nervensystem simuliert. Die virtuellen Stuntleute lernen sich zu bewegen und zu reagieren, indem sie eine künstliche Entwicklung durchmachen, wobei sie im Lauf der Zeit hinzulernen. Die Muskelnachbildungen jeder Figur entsprechen dem Muskelaufbau des menschlichen Körpers, und die in das AI-Nervensystem programmierte Information sendet Impulse an die Körpermuskeln, um eine bestimmte Situation zu bewältigen, zum Beispiel das Gleichgewicht zu halten oder einen Sprung auszuführen.

Sobald sie programmiert sind, reagieren die Figuren von selbst und können sich so unendlich variabel und realistisch auf die Abläufe in einer Szene einstellen. Zum Beispiel zwingt das Nervengeflecht, das für den Selbsterhaltungstrieb zuständig ist, die trojanischen Soldaten, auf Hiebe ihrer Gegner mit Bewegungen zu reagieren - sie heben zum Beispiel den Schild hoch, versuchen das Gleichgewicht zu halten oder stützen sich beim Sturz ab. Diese Technik stellt eine Pioniertat dar, die es erlaubt, ungeheure Heere in wildem Schlachtgetümmel zu zeigen, und das in noch nie dagewesenem Umfang und Detail.

Blutige Innovationen Bei der Darstellung der brutalen Realität der Kriegsführung in der Bronzezeit war vor allem der geniale Erfindergeist der Special-Effects-Gurus gefragt. Man kämpfte damals vor allem mit stumpfen Waffen, Speeren, Pfeilen und in geringem Maß auch Schwertern. "Die ,Ilias' berichtet von grausamen Gemetzeln", betont Crane. "Dabei werden die Einzelheiten sehr genau geschildert. Wir wollen das nicht glorifizieren. Wenn jemand mit voller Wucht von einem Hammer getroffen wird, verursacht das massive Wunden im Gesicht. Und das versuchen wir zu vermitteln - wir wollen das Publikum mittendrin teilhaben lassen und zeigen, wie es dort wirklich zuging." Der für die Special Effects zuständige Joss Williams und sein Team schufen eine ganze Reihe von Masken und Prothesen, mit denen der Regisseur die heftige Action auf der mittleren Ebene des Bildes darstellen kann - wobei diese aber nicht denselben Detailaufwand erfordern, wie die Makeup-Effekte in den Großaufnahmen. "Wir bauten pneumatisch gesteuerte Puppen mit entsprechend ausgerüsteten Gliedern, Rümpfen, Köpfen und Brustkästen", berichtet Williams. "Damit kann man Einstellungen drehen wie ein Streitwagen, der über die Beine eines liegenden Kriegers rollt, oder ein Schwert, das eine Brust durchbohrt."

Die bemerkenswert realistischen künstlichen Körperteile wurden in einer Reihe von Arbeitsgängen gefertigt. Die Knochen bestehen aus Harz und Hartschaum, und die Muskeln aus Wachs werden über einem zentralen Stabilisierungskelett angebracht. Die Körperteile sind mit Kunstblut präpariert, und dann deckt man den ganzen Apparat mit Silikonhaut ab. Diese Körperprothesen stecken dann auf einem pneumatisch gesteuerten Skelett, das jede gewünschte Haltung einnehmen kann. Dadurch wirkt das Resultat unglaublich lebensecht. Neben den beweglichen Puppen fertigten die Prothesenexperten auch 30 nackte Leichen, 30 verbrannte Leichen und 30 Leichen in griechischer und trojanischer Uniform, die gefallene Soldaten auf dem Schlachtfeld darstellen.

Zu den Neuerungen im Bereich der Special Effects zählt auch die Vorrichtung, mit der man filmen konnte, wie eine Speerspitze nur Zentimeter neben Brad Pitts Kopf seinen Schild durchstößt, ohne dass der Schauspieler dabei einer Gefahr ausgesetzt war. Ein Exemplar von Achilles' Schild wurde so präpariert, dass es aussah, als ob der Krieger zwei Speere aufhält, die mit ungeheurer Wucht auf ihn geschleudert werden. "Brad hielt den Schild in seiner Hand", erklärt Williams. "Und der Schauspieler im Hintergrund tat so, als ob er einen Speer auf ihn schleudert, doch der Speer selbst wurde erst später per Computer eingefügt. Im selben Moment drückte Brad auf einen Auslöser, der eine Speerspitze aus einem Druckzylinder (der auf der Außenseite seines Schilds angebracht war) abfeuerte und mit Gewalt durch den Schild trieb - so entstand der Eindruck, als ob er den Speer mit dem Schild abfängt."

Eine weitere von Cranes Erfindungen sorgte auf dem Schlachtfeld für authentische, wenn auch ekelhafte Atmosphäre. "Wir brachten große Düsen im Erdboden an, die mit Wassermelonen und Ketchup gefüllt waren, und immer wenn ein Krieger zerfetzt wird, spritzen die Düsen Melonenstücke in einem roten Nebel durch die Gegend und simulieren so Blut und Eingeweide."

Pferde Der damaligen Epoche gemäß mußsten die berittenen Schauspieler lernen, ohne Sattel auszukommen - eine Fertigkeit, die auch die erfahrensten Reiter herausfordert, weil es sehr schwer ist, auf einem sattellosen Pferd die Balance zu halten. Als Anführer der trojanisch-apollinischen Wächter-Elitetruppe mußste Bana besonders elegant reiten können - mit 80 Reitern hinter sich war es absolut notwendig, dass er sich auf dem Pferderücken sicher fühlte. "Hektor reitet Pferde zu", betont Petersen. "Er ist auf dem Pferd zu Hause. Doch Eric hatte noch nie auf einem Pferd gesessen, er mußste das von der Pike auf lernen. Aber inzwischen glaubt er, dass er auf einem Pferderücken zur Welt gekommen ist."

"Ich habe mit dem Training in Australien schon Monate vor Drehstart begonnen", sagt Bana. "Und ich habe es während der ganzen Produktionszeit fortgesetzt. Ich ließ sechs oder acht Leute gleichzeitig auf mich zustürmen - sie sollten versuchen, mich vom Pferd zu ziehen. Nur so konnte ich lernen, in einer solchen Situation während des Drehs nicht in Panik zu geraten - denn dann drehen nicht nur die Pferde, sondern auch die Reiter durch, und es kann durchaus passieren, dass man vom Pferd stürzt. Aber bei den Dreharbeiten habe ich wunderbare Tage erlebt - viele Male bin ich mit Orlando den Strand entlang galoppiert, auch nach Drehschluss. Dann sahen wir uns oft an und sagten: ,Kann man sich etwas Schöneres vorstellen?'"

Der für die Pferde verantwortliche Jordi Casares übte mit den Schauspielern und plante alle Stunts, an denen Pferde beteiligt waren. Vor Drehtstart waren sechs Wochen nötig, um den Pferden die nötigen Stunts beizubringen. Das entscheidende Problem dabei war, dass die sensiblen Tiere innerhalb einer großen Menschenmenge trainieren mußsten.

"Am schwierigsten waren für mich die Szenen, in denen die Schauspieler die von Pferden gezogenen Streitwagen lenken", erinnert sich Casares. "In der Schlacht wimmeln etwa 500 Statisten mit Speeren und Lanzen um die Pferde herum, und es ist ganz natürlich, dass sie auf Speere und Stöcke oder hastige Bewegungen schreckhaft reagieren. Da könnte ein Pferd schon mal mit dem Streitwagen durchgehen, auf dem der Schauspieler steht - dann lässt es sich durch absolut nichts stoppen: Es trampelt über Statisten und Kameras hinweg - alles was ihm im Weg steht."

Schiffe Nach Helenas Flucht aus Sparta stechen tausend Schiffe in See - auf die Leinwand gelangten diese Schiffe auf verschiedenen Wegen. Zwei voll seetüchtige, zwölf Meter lange, motorgetriebene Schiffe wurden auf Malta aus Stahl gefertigt und mit einer Holzverschalung versehen - sie wurden für die Szenen auf See verwendet.

"Die echten Schiffe stellen eine erstaunliche Ingenieurleistung dar", verrät Phelps. "Denn wenn man ein ganzes Filmteam inklusive Darstellern an Bord unterbringen will, hat man jede Menge Vorschriften zu beachten - die Schiffe müssen vom TÜV abgenommen sein, Schwimmwesten und Rettungsboote müssen unsichtbar an Bord untergebracht werden - wir mußsten also etliche Verstecke einbauen. Und wir engagierten einen für die Segel zuständigen Profi, so dass auch die Takelung bis ins Detail absolut authentisch wirkt und dem Schiff Glaubwürdigkeit verleiht. Unsere Schiffe waren also echt und tatsächlich seetüchtig."

Die beiden realen Schiffe sollten allerdings auch etliche weitere Schiffe doubeln, und deshalb mußste Phelps mit seiner Mannschaft Methoden entwickeln, um die Schiffe innerhalb von nur ein paar Stunden in ihrem Aussehen komplett zu verändern. Die Lösung fand sich, indem man die Augen am Bug veränderte, und jedes der königlichen Schiffe bekam ein graphisch individuell gestaltetes Segel. Achilles' Myrmidonen lassen sich sehr leicht erkennen, denn an ihrem Mast bläht sich das einzige schwarze Segel der Flotte.

Für die Szenen im griechischen Lager am Strand von Mexiko wurden vier Schiffe konstruiert - drei komplette Schiffe und zwei halbe. Weil sie während des Drehs nur am Strand liegen sollten, konnte man sie komplett aus Holz bauen, wodurch sie besonders authentisch wirkten. Mit Ausnahme der zwei echten Schiffe sind die überwältigenden Aufnahmen der griechischen Armada mit ihren tausend gen Troja segelnden Schiffen im Computer entstanden, und zwar in der größten europäischen Firma, die sich auf visuelle Effekte und Computeranimationen spezialisiert hat: Framestore CFC.

Kostüme Wie in allen anderen Filmabteilungen war Authentizität auch in der Kostümabteilung oberstes Gebot: Die unzähligen Darsteller, Stuntleute und Statisten galt es mit Tausenden von Kostümen einzukleiden. Weil sich das Geschehen im Jahr 1200 vor Christus zuträgt, ist allerdings kaum überliefert, was die Menschen damals trugen. Die Kleidung und die Rüstungen, die Homer in der "Ilias" beschreibt, entsprechen der Mode seiner Zeit, drei- oder vierhundert Jahre nach den Ereignissen der Filmhandlung. Der renommierte Kostümdesigner Bob Ringwood mußste aus den spärlichen Informationen das Beste machen.

"Ich ließ mir von allen Museen rund um die Welt, die uns in dieser Hinsicht weiterhelfen konnten, die Kataloge kommen", sagt Ringwood. "Anschließend habe ich im British Museum tagelang alle Details studiert - ich schaute mir an, wie die Kleider und Rüstungen gefertigt wurden, welche Materialien man verwendete. Ich habe mir die Relief-Skulpturen sehr genau angeschaut - sie zeigen Tausende winziger Figuren. Immer wieder löste ich im Museum den Alarm aus, weil ich den Exponaten zu nahe kam. Aber wenn man sie sich genauer anschaut, zeigen sie sehr realistische Abbildungen. Sie erlaubten es mir, die zeitgenössische Kleidung zu entwerfen - sie sind jedenfalls die historisch korrektesten Kostüme des Films."

Diese Präzision hat auch sehr viel mit Ringwoods Fertigungsmethoden zu tun. "Ich halte es für entscheidend, dass man in einem historischen Film über ein bestimmtes Volk auch entsprechende Stoffe verwendet und sie mit traditionellen Fertigungsmethoden schneidern lässt", sagt Ringwood. "Wenn ich sie mit modernen Stoffen in modernen Fabriken machen ließe, dann würden sie auch modern aussehen. Wir haben die Stoffe also in aller Welt eingekauft, und oft waren das Gewebe, wie sie schon seit 3000 Jahren auf diese Weise hergestellt werden. In meiner Abteilung arbeiteten etwa 150 Leute, außerdem vergaben wir Aufträge in alle Welt, in die Türkei, in den Irak, nach Indien, Sri Lanka und China."

Bei einem Problem war Ringwoods Kreativität gefragt. Durch das Design der Rüstungen sollte er das griechische Heer zu einer optischen Einheit verschmelzen, obwohl dieses Heer aus vielen kleineren Armeen besteht, die aus unterschiedlichen Regionen stammen und jeweils ihre eigenen, ganz besonderen Rüstungen tragen. "Das Heer soll eine Einheit bilden, denn wenn die Szenen zusammengefügt werden, dann will man die Trojaner und die Griechen klar unterscheiden können. Ich ging also von einem Grunddesign aus: Die Trojaner tragen überwiegend Rüstungen in Blau- und Goldtönen, die metallisch glänzen, während die Griechen Naturfarben tragen: Leder, grobe Stoffe - also auch wenn das Heer der Griechen aus vielen Untergruppierungen besteht, so stellen sie optisch doch eine Einheit dar."

Bei der Ausrüstung der trojanischen Legionen fertigte Ringwoods Team zunächst Rüstungsprototypen an, die mit Materialien und Arbeitsweisen der damaligen Zeit hergestellt wurden, also mit gewebtem Leinen, Metall, Leder und Gras. Die in Originalgröße angefertigten Kostüme dienten dann als Muster für Abgüsse in Plastik, wobei ein kürzlich entwickeltes, sehr effektives Verfahren zum Einsatz kam. Per Hochdruck-Spritzpistolen wird das Objekt mit einem dünnen Plastikfilm vollgesprüht, der jedes Detail der Vorlage kopiert - bis zum letzten Nadelloch. Daraus entsteht eine Gussform, in der wiederum Plastikkopien der Rüstung gegossen werden. Diese müssen dann authentisch bemalt- mit Lederfarben eingefärbt oder mit Metallplatten versehen - werden. So entsteht eine perfekte Kopie des Originals, die aber nur ein Bruchteil wiegt, und vor allem kann man davon Hunderte pro Woche herstellen.

"Bob Ringwood ist ein Genie", schwärmt Petersen. "Ein absolutes Genie. Ich habe größte Hochachtung vor ihm - er besorgt sich seine Materialien rund um den Globus, um sie dann auf wirklich verblüffende Weise zu kombinieren." Insgesamt fertigten Ringwood und seine Mannschaft in nur viereinhalb Monaten über 8.000 Kostüme und 10.000 Paar Schuhe an.

Das historische Troja und die "Ilias" Die griechische Mythologie berichtet vom goldenen Apfel der Eris, der Göttin der Zwietracht: Sie warf ihn mitten in eine Hochzeitsgesellschaft der Olympier, zu der sie nicht eingeladen war. Paris bekam den Apfel in die Hand - man trug ihm auf, ihn der schönsten der Göttinnen zu überreichen. Zeus' Eheweib Hera versprach ihm Macht, falls er sie wählte; Athene versprach ihm Reichtum. Doch Aphrodite versprach ihm die schönste Frau der Welt - und ihr gab er schließlich den Apfel. Sie belohnte ihn mit Helena.

"Troja" verwendet zwar Motive aus der "Ilias", aber auch andere Elemente, die sich in Homers Werk nicht finden. Das trojanische Pferd kommt in der "Ilias" nicht vor - erst Virgil schrieb in der "Aeneis" ausführlich über die Zerstörung Trojas. "In unserem Film kombinieren wir Motive und Storyelemente, wobei das Hauptgewicht auf der ,Ilias' liegt", sagt Petersen. "Wir weichen zum Beispiel darin von Homers Erzählung ab, indem die Götter bei uns nicht auftreten. In der ,Ilias' werden die Götter direkt in die Handlung integriert - sie kämpfen, sie stehen den Helden bei, sie manipulieren. Nicht so in unserer Geschichte. Religion und Glaube spielen eine wichtige Rolle, aber die Götter werden nur erwähnt - sie sind nicht Teil der Handlung. Das hätte nicht zu der realistischen Atmosphäre gepasst, die uns für den Film vorschwebte."

Wir werden wohl nie erfahren, ob es Paris, Helena oder die anderen Helden aus Homers Versepen tatsächlich gegeben hat. Archäologen haben dort Spuren gefunden, wo die Paläste der Könige Agamemnon und Nestor gestanden haben sollen, und anderen Könige, zum Beispiel Odysseus und Priamos, werden von Forschern als historische Figuren eingestuft. Auf antiken Vasen und Bildern wird die Geschichte des Krieges illustriert, aber niemand weiß, ob sie nur den Mythos nacherzählen oder ein historisches Ereignis.

Eine Zeit lang hielt man den trojanischen Krieg für eine reine Erfindung des antiken Dichters Homer. Weil es von der von ihm beschriebenen Zivilisation keine schriftlich überlieferten Quellen gibt, war es Aufgabe der Archäologie - einer relativ jungen Wissenschaft, die aus der Ägyptologie hervorging -, den Schlüssel zur Wahrheit über diese frühhistorische Zeit zu finden. Die Ruinen jener Stadt, die man heute allgemein für das wirkliche Troja hält, wurden erst 1871 ausgegraben. Durch die Jahrhunderte waren sich die Forscher generell einig, dass die von einer gewaltigen Mauer umgebene Stadt über dem ägäischen Meer in jenem Teil der heutigen Türkei lag, der immer noch "Troas" genannt wird. Aber vor Ort erhärten keine eindeutigen Beweise diesen spezifischen Standort.

Die Entdeckung Trojas nahm der deutsche Unternehmer und Amateur-Archäologe Heinrich Schliemann für sich in Anspruch. Fast in Vergessenheit geriet dabei der britische Archäologe Frank Calvert, der Schliemann den Tipp gab, an einem Ort namens Hisarlik zu graben - genau dort, wo sich die heute als antikes Troja anerkannte Stadt befindet.

Auf diesem Areal fand man die Überreste von sieben Städten - eine über der anderen. Offenbar war Troja viele Male neu aufgebaut worden. Die Stadt, die Schliemann zunächst für das homerische Troja hielt, befindet sich auf der zweiten Ebene. Spätere Untersuchungen zeigten, dass das nicht stimmen konnte - inzwischen sind die meisten Forscher der Meinung, dass höchstwahrscheinlich die sechste Stadt jenen Rahmen abgab, in dem sich die Geschichte des trojanischen Krieges zugetragen haben könnte. Traditionell nimmt man an, dass der Untergang Trojas in der Zeit zwischen 1250 und 1183 vor Christus anzusiedeln ist - das passt gut zu dem Zeitraum, in dem diese Stadt zerstört wurde. Die Grabungen wurden bis 1988 immer wieder aufgenommen, denn man nimmt an, dass sich dort noch viel mehr entdecken lässt.

Weiterhin wird darüber gestritten, ob ein einziger Krieg für Trojas Untergang verantwortlich war. Es gibt auch Anzeichen dafür, dass ein Erdbeben - und nicht ein militärischer Angriff - die Zerstörung auslöste. Viele Historiker nehmen an, dass es wohl eine ganze Reihe von Kriegen zwischen den Griechen und Trojanern gegeben hat, die schließlich möglicherweise in ein gewaltiges Finale mündeten. Wie dem auch sei - dass einer der größten Stadtstaaten der Ägäis plötzlich vom Erdboden verschwand, steht außer Frage.

Schliemann dürfte zwar eines der größten Geheimnisse der Geschichte gelüftet haben, aber auch er konnte nicht bestätigen, dass die von Homer geschilderten Ereignisse wirklich stattgefunden haben. Im Gegenteil: Durch seine Funde sank die Hoffnung jener, die glaubten, dass der Beweis für die Existenz Trojas auch Homers Bericht über seinen Untergang wahrscheinlicher machen würde.

Die Versepen, die man Homer zuschreibt, die "Ilias" und die "Odyssee", entstanden offenbar etwa 400 Jahre nach dem Untergang Trojas. Sie waren Teil der mündlichen Überlieferungstradition, in der Geschichten erzählt und gehört wurden, statt sie niederzuschreiben und Lesern zugänglich zu machen. Wie andere Barden verwendete Homer mythische Geschichten, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden, und erzählte sie neu, gab ihnen eine Form, die seiner Zeit angemessen war, er fügte weitere Einzelheiten hinzu und ließ andere weg. Von Homer selbst ist so gut wie nichts bekannt, auch wurde viel darüber gestritten, ob tatsächlich nur ein einziger Dichter die Epen verfasst hat. Doch während die Werke anderer Barden verloren gingen, erkannte man, dass Homers Werke jene seiner Nachahmer eindeutig überragten - sie haben die Zeiten überdauert. Es handelt sich um die frühesten Meisterwerke der griechischen Literatur, und viele Forscher sind überzeugt, dass nur ein Autor für sie verantwortlich ist.

Der wahrscheinlichste Grund für den Krieg oder die Serie von Kriegen liegt in der Herrschaft über die Dardanellen, jener schmalen Wasserstraße, die die Verbindung zum Schwarzen Meer herstellt. Aber der Raub einer Königsgattin könnte ebenso wie jeder andere Vorwand ein guter Grund gewesen sein, jenen blutigen Konflikt vom Zaun zu brechen, der laut der homerischen Legende zehn Jahre dauerte. In der "Ilias" werden allerdings nur Ereignisse beschrieben, die sich innerhalb von 50 Tage zutrugen. Trotzdem: Falls man einem Werk der Literatur glauben darf und seine Langlebigkeit ein Indiz ist, dann handelt es sich um die denkwürdigsten 50 Tage in der Geschichte der Menschheit.

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Dirk Jasper FilmLexikon

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