Harry Potter und der Gefangene von Askaban

Produktionsnotizen

Mit "Harry Potter and the Prisoner of Azkaban" (Harry Potter und der Gefangene von Askaban) stellt Warner Bros. Pictures die dritte Verfilmung zur gefeierten "Harry Potter"-Romanserie von J.K. Rowling vor: Harry und seine Freunde Ron und Hermine sind inzwischen Teenager, sie beginnen ihr drittes Schuljahr in Hogwarts. Dort müssen sie sich ihren tiefsten Ängsten stellen, als sie es mit einem flüchtigen Gefangenen zu tun bekommen, der Harry in große Gefahr bringt. Und die Dementoren, die eigentlich zu ihrem Schutz eintreffen, sind selbst so gruselig, dass es den Jugendlichen kalt den Rücken herunterläuft.

Als man Regisseur Alfonso Cuarón die Regie zu "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" anbot, hatte er gerade seinen inzwischen preisgekrönten Film "Y tu mamá también" (Y tu mamá también - Lust for Life) abgedreht und kannte sich mit der von ihm so bezeichneten "Harry-Potter-Mythologie" überhaupt nicht aus. Doch dann las er Steve Kloves' Drehbuch und die Romanserie, und die Geschichte ließ ihn nicht mehr los.

"Obwohl es zunächst einmal um eine Zaubergeschichte mit Fabelwesen geht, interessierten mich vor allem die Themen, die darin behandelt werden und die auch heute sehr aktuell sind", sagt der gefeierte Autor/Regisseur, der die bezaubernde Familiengeschichte "A Little Princess" (Little Princess) inszeniert hat und 2003 mit "Y tu mamá también - Lust for Life" für den Drehbuch-Oscar nominiert war. "Es geht darin ums Erwachsenwerden, um Identität, Freundschaften, um die fehlende elterliche Fürsorge, um Selbsterfahrung. Auch Probleme wie soziale Herkunft, Klassenunterschiede und Rassismus werden angesprochen - Dinge, die jedermann in der ganzen Welt angehen."

Dazu Produzent David Heyman: "In ,Y tu mamá también' geht es um die Initiationsriten, die der Teenager beim Erwachsenwerden durchmacht, während die dritte Harry-Potter-Geschichte den Übergang von der Kindheit zur Pubertät schildert. Thematisch gibt es da deutliche Parallelen. Alfonso kennt sich mit den Nuancen im Leben der Teenager bestens aus - im Herzen ist er selbst Teenager geblieben. Letztlich mußs man sich nur ,Little Princess' anschauen - man merkt sofort, dass seine Seele magische Dimensionen hat. Er kann sich wunderbar in andere Menschen versetzen und hat viel Sinn für Humor. Ein großartiger Filmemacher."

"Alfonso kann hervorragend mit jungen Darstellern umgehen - was natürlich bei unserer Filmreihe extrem wichtig ist", fügt Chris Columbus hinzu, der diesmal zum Produktionsteam von Heyman und seinem Partner Mark Radcliffe stößt, nachdem er die beiden ersten, äußerst erfolgreichen "Harry Potter"-Filme inszeniert hat. "Und auch visuell zählt Alfonso derzeit zu den aufregendsten Regietalenten - sein Gespür für das Geschichtenerzählen ist einfach unglaublich."

Nachdem er vier Jahre investiert hatte, "Harry Potter and the Sorcerer's Stone" (Harry Potter und der Stein der Weisen) und "Harry Potter and the Chamber of Secrets" (Harry Potter und die Kammer des Schreckens) zu inszenieren, entschloss sich Columbus, "endlich mal gemeinsam mit meinen Kinder zu Abend zu essen!", wie er gutgelaunt sagt.

"Aber die Wahl eines neuen Regisseurs für Harry Potters weitere Abenteuer hat natürlich ihre Tücken: Einerseits wünschen wir uns einen Regisseur, der bereitwillig in das schon vorhandene Potter-Universum mit seinen Sets und Schauspielern einsteigt, andererseits soll er seinen eigenen, persönlichen Standpunkt vertreten und so die Produktion neu befruchten. Die Zuschauer sollen zusammen mit ihren Helden weitere Abenteuer in der Welt erleben, von der sie so begeistert sind, aber es geht auch darum, eine neue Richtung einzuschlagen."

Die Autorin J.K. Rowling soll "Little Princess" als einen ihrer Lieblingsfilme bezeichnet haben - in jeder Hinsicht unterstützte sie Cuarón bei seinem Bemühen, den ebenso spannenden wie nachdenklichen dritten Roman auf die Leinwand zu bringen. "Jo Rowling verlangte nicht von mir, den Roman buchstabengetreu umzusetzen, sondern eher dem Geist der Bücher gerecht zu werden", berichtet der Regisseur. "Sie kann die von ihr erschaffene Welt hervorragend beschreiben, aber gleichzeitig versteht sie sehr gut, dass man bei einem Film von maximal zweieinhalb Stunden Länge Schwerpunkte setzen mußs. Da begriff ich, dass ich jetzt die Chance bekam, meinen bisher besten Film zu drehen, wenn er nur der Welt von Harry Potter getreulich entspricht."

Cuarón freut sich, dass er eine bereits existierende Welt von Sets "erbt", die von versierten Schauspielern bevölkert wird, denn dadurch kann er sich voll und ganz auf die Story und die Leistungen der Stars Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint konzentrieren. Die jungen Schauspieler stehen vor zwei neuen Aufgaben: Sie müssen zeigen, wie ihre Figuren von Kindern zu Jugendlichen heranwachsen, und erstmals müssen sie ohne ihren Schauspiel-Mentor Columbus auskommen.

"Jetzt habe ich die Gelegenheit, all das anzuwenden, was ich in den zwei Jahren Arbeit von Chris gelernt habe", berichtet Daniel Radcliffe begeistert. "Vorher wäre ich wohl kaum in der Lage gewesen, mit Alfonso Cuarón zu arbeiten. Aber jetzt war ich bereit, weil ich so viel von Chris gelernt hatte. Und das gilt entsprechend für die Zukunft: Was Alfonso mir beigebracht hat, kann ich in der Arbeit mit Mike Newell umsetzen. Die Ausbildung geht nahtlos weiter."

Emma Watson fühlt sich von Columbus vor allem dadurch beschenkt, dass er ihr Selbstvertrauen stärkte - sonst hätte sie die Hermine in "Der Gefangene von Askaban" nicht spielen können. "Alfonso half uns nun, die Rollen zu analysieren: Wie reagieren sie auf bestimmte Situationen? Ich glaube, bei den ersten beiden Filmen wäre ich dazu noch nicht in der Lage gewesen", sinniert sie.

Cuarón schätzt sich glücklich, mit so jungen Schauspielern arbeiten zu dürfen, weil sie mit den ersten beiden Filmen unbezahlbare Erfahrungen sammeln konnten. "Sie sind mit ihren Rollen und der Welt um sie herum hundertprozentig vertraut, kennen sich aber auch mit den technischen Aspekten aus, mit den Special Effects, der Bluescreen, und wie man auf einen Ball reagiert, der auf einen Stab montiert ist", beobachtet er. "Außerdem sind sie inzwischen so reif, dass sie sich jetzt auch auf Gefühle einlassen, die ihnen früher fremd waren."

Cuarón stellt vor allem die seelische Entwicklung der Teenager ins Zentrum der Geschichte. Die Ängste, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen, entstehen in ihrem Inneren - sie lassen sich nicht so leicht bekämpfen wie leibhaftige Monster. Dazu Heyman: "Alfonso legt großen Wert darauf, diesen Wandel im Leben der inzwischen 13-jährigen Kids zu beschreiben. Sie bekommen es mit Dämonen zu tun, die man nicht sehen kann wie die Spinnen oder Basilisk. Sie werden von Dämonen der Seele bedrängt."

"Harry hat es weniger mit bedrohlichen Fabelwesen zu tun, vielmehr mit neuen Erkenntnissen, die sein eigenes Leben betreffen", führt Cuarón aus. "Er entdeckt neue Aspekte seiner eigenen Identität und seiner Gefährten - was ihn zwingt, sehr schnell erwachsen zu werden." Radcliffe setzt sich bei seiner Darstellung des 13-jährigen Harry Potter mit dem auseinander, was er als "Teenager-Angst" in Rowlings Roman bezeichnet. Er sieht "Harry als einen jungen Mann, in dem sich große Wut aufstaut. Er hat jetzt keine Angst mehr, den Dursleys die Stirn zu bieten, er arrangiert sich mit seiner Persönlichkeit. Aber wie bei allen Teenagern wird seine Wut wahrscheinlich ausgeglichen durch eine gewisse Unbeholfenheit, mit der er der Welt begegnet."

Während Harry schreckliche neue Einzelheiten über seine Vergangenheit erfährt, erlebt Hermine ihren Übergang vom Kind zur Jugendlichen auf ihre eigene Art. "In den ersten beiden Filmen tritt Hermine sehr vernünftig auf - sie weiß immer, was zu tun ist", sagt Watson über die frühreife Heldin, deren Muggel-Erbe zu ständigen Auseinandersetzungen mit ihrem Slytherin-Erzfeind Draco Malfoy führt. "In der dritten Geschichte will Hermine sich das nicht mehr länger gefallen lassen - weder von Malfoy noch sonst jemandem. Schließlich schlägt sie sogar auf Malfoy ein und stürmt aus dem Klassenzimmer. Sie hat jetzt echte ,Girl-Power', flippt richtig aus - natürlich machen diese Szenen am meisten Spaß."

Um den drei jungen Darstellern Hilfestellung beim erweiterten Verständnis ihrer Rollen zu geben, bat Cuarón sie, einen Aufsatz zu schreiben, in dem sie die Entwicklung der Figuren vom Schulbeginn in Hogwarts bis zum Beginn der dritten Geschichte darlegen sollten. "Ich weiß noch, dass ich meinen Aufsatz abgab und ganz zufrieden war, weil bisher weder Emma noch Rupert ihren abgegeben hatten", grinst Radcliffe. "Ich hatte eine ganze Seite über meine Rolle geschrieben. Doch am nächsten Tag kam Emma an - mit sechzehneinhalb Seiten!"

"Bei der Arbeit an meinem Aufsatz fielen mir Dinge zu Hermine ein, über die ich noch nie nachgedacht hatte", verrät Watson. "Alfonso wollte von uns wissen, warum unsere Figuren sich gerade so verhalten und nicht anders, worüber sie nachdenken, wie sie auf Situationen reagieren. Er nennt das ,die Maske abnehmen'. Ich begriff, dass man Hermines Besessenheit mit Büchern und Hausaufgaben im Grunde als ihre Schmusedecke bezeichnen kann. Dadurch habe ich sie wirklich viel besser verstanden."

Auf Rupert Grints Aufsatz wartet Cuarón immer noch. "Augenblick mal - das entspricht doch genau meiner Rolle!" protestiert Rupert. "Dan und Emma haben mich unterstützt und sich alle möglichen Ausreden für Alfonso ausgedacht: ,Der Hund hat meinen Aufsatz gefressen' und solche Sachen. Aber Ron kann Hausaufgaben nun mal nicht ausstehen, auch er hätte sich jede nur denkbare Ausrede einfallen lassen, um sich vor dem Aufsatz zu drücken - ich habe mich also ganz im Sinne meiner Rolle verhalten!"

Der Regisseur war verblüfft über den Erfolg dieser Übung - er konnte sich so erheblich besser in seine jungen Darsteller und ihre Rollen hineinversetzen. "Die Kids haben mich in diesen Aufsätzen tief in ihre Seele blicken lassen, sie schreckten nicht davor zurück, auch ihre Schwächen zu benennen und zu analysieren", sagt Cuarón, der die Aufsätze auch nach Ende der Dreharbeiten aufbewahrte. "Wir sind während des Filmens immer wieder darauf zurückgekommen - was hier wie in einer Nussschale enthalten war, half den Kids, sich auf die jeweilige Situation einzustellen."

Neue Figuren, neue Schauspielerkollegen Doch nicht nur die Persönlichkeiten der jugendlichen Hauptdarsteller entwickeln sich. In "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" lernen wir mehrere neue und rätselhafte Figuren kennen, dargestellt von etlichen renommierten Darstellern, die zur Crème de la Crème des britschen Schauspielfachs zählen.

Die Rolle des flüchtigen Häftlings Sirius Black, dem man zur Last legt, er habe den Mord an Harry Potters Eltern ermöglicht, vertrauten die Filmemacher dem vielseitigen Darsteller Gary Oldman an. "Gary gehört zu den großartigsten Schauspielern seiner Generation. Selten habe ich mit einem derart intelligenten, sensiblen und umsichtigen Darsteller gearbeitet", preist ihn Produzent David Heyman. "In jedem seiner Filme wirkt Gary mitreißend, dynamisch und gefährlich. Dabei verbirgt er eine innere Verletztlichkeit. Beide Qualitäten, Gefährlichkeit und Mitgefühl, sind entscheidende Facetten in Sirius Blacks Persönlichkeit. Und Gary bringt das komplexe Gefühlsgeflecht seiner Rolle äußerst überzeugend zum Ausdruck."

"Die ganze Geschichte dreht sich um Sirius Black, den einzigen Gefangenen, der je aus dem Askaban-Gefängnis entkommen konnte. Alle glauben nun, dass er Harry umbringen will", stellt Cuarón fest. "Doch Black hat einen vielschichtigen Charakter. Das herauszuarbeiten ist äußerst schwierig - sogar für einen Schauspieler von Garys Kaliber."

"Weil ich ein riesiger Fan von Gary Oldman bin, war ich bei unserem ersten Treffen völlig eingeschüchtert", gibt Daniel Radcliffe zu. "Dabei ist er ein echt cooler Typ, und ich habe mich in seiner Gegenwart sofort sehr wohl gefühlt."

Oldman freute sich eingangs vor allem auf die Gelegenheit, mit Alfonso Cuarón zu arbeiten. "Alfonso bringt seine ganze Leidenschaft, sein Herz in seine Filme ein", findet Oldman. "Das hat auch mit seiner lateinamerikanischen Herkunft zu tun, mit dem Einfluss der Kultur, der Musik."

Wie bei Sirius Black spielt der seelische Zwiespalt auch bei Hogwarts' neuem Professor für Verteidigung gegen die Dunklen Künste eine Schlüsselrolle: Remus Lupin wird von David Thewlis ("Timeline", "Naked", "The Big Lebowski") dargestellt. "Lupin tritt wie ein lieber Onkel auf, ist sehr sympathisch, verbirgt aber ein finsteres Geheimnis", sagt Thewlis. "Er bildet neben Sirius Black und Professor Snape eines der letzten Bindeglieder zwischen Harry und seinen Eltern. Lupin kann Harry also wirklich trösten - und auch das hat mir an der Rolle gefallen. Viele meiner Szenen mit Daniel haben nichts mit Spezialeffekten, sondern mit Gesprächen zu tun - das hat uns beiden viel gebracht."

"David spielt Lupin als einen sehr warmherzigen Menschen", sagt Cuarón. "Er wirkt wie Harrys älterer Bruder, steht ihm mit Rat und Tat zur Seite, ohne sich aufzudrängen. Aber er hat selbst Probleme. David legt die Rolle mit viel Weisheit und Herzlichkeit an, vermeidet dabei aber jede Schwarzweiß-Malerei."

Michael Gambon ("Sleepy Hollow", "Gosford Park", "Angels in America") ergänzt die Besetzung als renommierter Hogwarts-Schulleiter Albus Dumbledore - in den ersten beiden "Harry Potter"-Filmen hatte diese Rolle der inzwischen verstorbene Richard Harris verkörpert. "Ich werde oft gefragt, wie man sich fühlt, wenn man eine Rolle von Richard Harris übernimmt. Ich vergleiche das dann mit ,King Lear' (König Lear)", erzählt Gambon. "Lear ist schon von so vielen Schauspielern dargestellt worden, aber wir kümmern uns nicht darum, wie unsere Vorgänger ihn angelegt haben; man akzeptiert die Rolle einfach und eignet sie sich an." Auf seine unaufdringliche Art erweist Gambon Harris dennoch seine Reverenz. "Ich stamme aus Irland, und am ersten Drehtag begann ich einfach mit irischem Akzent zu sprechen. Das erschien mir ganz natürlich. Alfonso gefiel das, also habe ich den Akzent beibehalten. Das empfinde ich als meine Hommage an Richard."

"Michaels Beitrag zum Film ist in jeder Weise außergewöhnlich", sagt Heyman. "Dumbledore ist ein Exzentriker mit einem Augenzwinkern - diese Qualitäten bringt Michael mit. Einerseits erinnert er mit seinem irischen Akzent an Richard, andererseits spielt er die Rolle auf ganz eigene Art."

Die Rolle der extrem kurzsichtigen (und dabei doch so weitsichtigen) Professorin für Wahrsagekunst, Sibyll Trelawney, übernimmt die vielseitig begabte Schauspielerin/Autorin Emma Thompson. "Weil Trelawney ständig über die Gegenwart hinaus in die Zukunft blickt, bekommt sie überhaupt nicht mit, was direkt vor ihren Augen passiert", verrät Thompson. "Sie wird von Neurosen geplagt und wirkt irgendwie hilflos, aber unter dieser Hilflosigkeit steckt ein Kern aus Stahl." "Durch Emma entsteht aus Trelawney etwas Besonderes", sagt Cuarón. "Sie spielt sie äußerst komisch, doch in ihrer Darstellung ist die düstere Prophezeiung bereits angelegt."

Eine weitere rätselhafte neue Figur des Films ist Peter Pettigrew, ein enger Freund von James Potter, der angeblich von "Dem, dessen Name nicht genannt werden darf" ermordet worden ist. Die Rolle des Pettigrew übernimmt Timothy Spall ("The Last Samurai", "Vanilla Sky", "Almost Famous - Fast berühmt"). "Mich interessiert die Rolle, weil Peter sowohl abstoßend als auch sympathisch wirkt - das Publikum bringt ihm beneidenswertes Wohlwollen entgegen", sagt Spall. "Er ist eine Art Paria, ein Außenseiter. In der Schulgemeinschaft ist er der Zwerg, den man duldet, weil alle Mitleid mit ihm haben. Aber er wird tatsächlich nur am Rande der Gruppe geduldet, und wie viele Gnome ist auch er ein großer Unruhestifter."

Wichtigen Zuwachs bekommt die Ensemble-Besetzung auch durch Julie Christie als Madam Rosmerta, die nette und hilfsbereite Wirtin der Kneipe Die Drei Besen; durch Pam Ferris als Harrys anmaßende Tante Magda; Schauspielerin/Komikerin Dawn French als energische Fette Dame auf dem Bild im Gemeinschaftsraum der Gryffindors; Schauspieler/Komiker Lenny Henry, der in der englischen Originalfassung dem sprechenden Schrumpfkopf im Fahrenden Ritter seine Stimme leiht; und Komiker/Schauspieler Paul Whitehouse, der die Rüstung von Sir Cadogan anlegt.

Über die Produktion Im Einklang mit den Themen, die "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" dominieren, wollte Alfonso Cuarón nicht nur die Kleidung der Helden erwachsener gestalten - es gab auch Rückwirkungen auf die Sets und den Gesamtlook des Films. Weil die meisten Teenager die Popkultur und Modetrends sehr genau verfolgen, entschied Cuarón, dass Harry, Ron und Hermine darin keine Ausnahme bilden sollten.

"Mir geht es im Grunde darum, Hogwarts im Sinne unserer Gegenwart etwas moderner und naturalistischer zu gestalten", erklärt er. "Ich habe mir zum Beispiel englische Schulen genau angesehen: Wie tragen die Kids ihre Schuluniformen? Keine einzige gleicht der anderen ganz und gar. Jeder Teenager drückt mit seiner Uniform trotzdem seine Individualität aus. Ich habe also alle Kids im Film gebeten, ihre Uniformen so zu tragen, wie sie es tun würden, wenn ihre Eltern nicht in Sichtweite sind."

"Am Ende war mein Schlips völlig unordentlich, und mein Hemd hing halb aus der Hose", sagt Rupert Grint, der auch darin ganz seiner Rolle entspricht. "Das war lustig, aber der ernsthafte Hintergrund ist: Wir können so unsere eigene Identität deutlicher herausbilden."

Cuarón fragte auch Radcliffe, wie Harry sich wohl kleidet, als er Teenager wird. "Ich war der Meinung, es würde wohl nicht zu Harry passen, wenn er plötzlich größten Wert auf Äußerlichkeiten legen würde", überlegt der junge Schauspieler. "Kettchen und Abzeichen würde er wohl nicht tragen. Dennoch ist er auf dem Selbsterfahrungstrip: Seine Klamotten sind zwar nicht ausgesprochen cool, aber weniger förmlich und nicht mehr so kindlich."

Emma Watson ist begeistert, weil auch Hermine sich ein bisschen in Richtung Mode entwickelt. "Hermine hängt die Tweed-Röcke und Strickpullis von Oma in den Schrank und - darf ich es überhaupt aussprechen - trägt Jeans!" berichtet Watson. "Sie passt sich zwar nicht dem Trend an, bekommt aber eine Art Stilgefühl. Hermine trägt ihre Uniform immer noch bis zum letzten Knopf zugeknöpft, aber sie bemüht sich wenigstens!"

Um Cuaróns modernem Ansatz zu entsprechen, nahm Kostümbildnerin Jany Temime vorsichtige Veränderungen an den Hogwarts-Uniformen selbst vor. "Wir verwenden dunklere Farben und fügten Kapuzen in den Haus-Farben hinzu - man erkennt also sofort, welchem Haus der Schüler angehört", sagt Temime. "Damit die Schüler nicht so einförmig aussehen, boten wir jedem eine Auswahl an: Unterhemden, Pullis, Strickjacken und andere Uniform-Varianten."

"Die Kleidung weicht durchaus nicht völlig von den ersten beiden Filmen ab, sie spiegelt eher die Entwicklung der Helden in den Büchern", definiert Columbus das Vorgehen. "Die Kids tragen also keine ultramodischen Outfits. An ihrer Garderobe kann man die allmählichen Veränderungen ablesen, ihren natürlichen Wechsel in die Teenagerphase."

Auch die Hogwarts-Quidditch-Uniformen erstrahlen in neuem Glanz. "Sie sollen moderner wirken, sich mehr an Sportarten wie Rugby oder Fußball orientieren", erklärt Temime. "Also verwenden wir erstmals Streifen und Zahlen. Die Quidditch-Sequenz findet diesmal bei Regen statt, wir mußsten also ein sehr modernes, wasserfestes Gewebe verwenden, und schon dadurch wirken die Uniformen eher zeitgenössisch."

Am Entwurf des Looks für den entsprungenen Gefangenen Sirius Black arbeiteten Temime, Cuarón, Oldman sowie die Frisuren- und Make-up-Abteilungen etliche Wochen. "Wir haben alles Mögliche ausprobiert", sagt Oldman. "Wir überlegten, dass Blacks Haar in den zwölf Jahren seiner Haft wahrscheinlich grau geworden ist. Die Tattoos waren Alfonsos Idee. Aber insgesamt haben wir alle unseren Beitrag geleistet und sehr gut zusammengearbeitet."

Für Harrys väterlichen Freund Professor Lupin suchte Temime "typisch englischen Tweed aus. Alfonso verlangte, Lupin sollte wie ein Onkel aussehen, der die Wochenenden immer durchfeiert! Wir passten also auf, dass er immer ungepflegter und schäbiger als alle anderen Lehrer wirkt."

Für das Kostüm der neuen Hogwarts-Dozentin für Wahrsagekunst, Professorin Trelawney, zeichnete Emma Thompson eigene Entwürfe, um Cuarón und Temime zu illustrieren, wie sie persönlich sich ihre komische, kurzsichtige Figur vorstellte.

"Ich stelle sie mir als eine Frau vor, die schon lange nicht mehr in den Spiegel geschaut hat", sagt Thompson. "Sie hat riesige Glubschaugen, und ihr Haar explodiert irgendwie auf dem Kopf - sie kämmt es offensichtlich schon sehr, sehr lange nicht mehr. Wahrscheinlich haben sich darin irgendwann ein paar Eichhörnchen ein gemütliches Nest eingerichtet."

Mit Versatzstücken wie Spiegeln und Augenmotiven gab Temime im Entwurf für die wunderbar altmodische Trelawney Hinweise auf ihre Wahrsagefähigkeiten und ihre Kurzsichtigkeit - der Clou ist die riesige Brille mit dicken Gläsern. "Ihr Aussehen wird völlig von dieser Brille dominiert", schwärmt Thompson. "Aber wenn ich Trelawney länger spielen müsste, wäre ich am Ende der Dreharbeiten blind, weil ich dadurch absolut nichts sehen kann."

Temime sorgte auch dafür, dass sich Michael Gambons Professor Dumbledore deutlich von Richard Harris' Darstellung der Rolle unterscheidet. "Laut Alfonso sollte Dumbeldore wie ein alter Hippie aussehen - allerdings sehr schick und mit echter Klasse", erklärt sie. "Seine Kostüme wirkten bisher sehr schwer und majestätisch. Wir verwendeten jetzt Batik-gefärbte Seide - wenn Dumbledore umhergeht, dann wallt sein Robe. Das sieht sehr viel luftiger aus und verleiht der Figur mehr Dynamik."

Für den geheimnisvollen Peter Pettigrew wählte Temime einen Anzug mit eingewebten Silberstreifen im Stil der 70er-Jahre. "Er sieht so aus, als ob er in seiner Zeit stehen geblieben ist, der Anzug wirkt sehr fadenscheinig und abgetragen."

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"Harry Potter und der Gefangene von Askaban" wird erneut vom Oscar-preisgekrönten Produktionsdesigner Stuart Craig und seinem Team fähiger Ausstatter, Maler, Skizzenzeichner, Storyboard-Illustratoren, Bildhauer sowie Innenrequisiteurin Stephenie McMillan geprägt. Auf Craigs Konto gehen bereits die wichtigsten Sets der "Harry Potter"-Filmserie: die Große Halle und der Gryffindor-Gemeinschaftsraum. Bei der dritten Produktion bekam Craig den Auftrag, Harry Potters Welt innerhalb - aber auch außerhalb - von Hogwarts weiter auszubauen.

Beim Entwurf der vielen neuen Sets der ehrgeizigen Produktion arbeitete der Designer eng mit Regisseur Alfonso Cuarón zusammen. Dazu zählen: Professorin Trelawneys Wahrsagekunst-Klassenzimmer, das außerdem durch clever geplante Veränderungen und mithilfe von über 500 Teetassen in Professor Lupins Klassenraum zu Verteidigung gegen die dunklen Künste umfunktioniert wurde, der dunkle Wald, der in der größten Studiohalle der Shepperton Studios entstand, das Dorf Hogsmeade, die Kneipe Die Drei Besen, das Askaban-Gefängnis, der Hof mit dem Uhrturm und die Ingenieursglanzleistung, die unter dem Namen Heulende Hütte bekannt ist.

Die Heulende Hütte zählt zu den kompliziertesten Sets des Films, weil sie praktisch wie lebendig wirken soll: "Sie knarrt und bewegt sich, als ob sie ständig Windböen ausgesetzt ist", sagt Craig, der mit der Ausstattung von "Harry Potter und der Stein der Weisen" für den Oscar nominiert wurde. Seine drei Oscars gewann er mit "The English Patient" (Der englische Patient), "Dangerous Liaisons" (Gefährliche Liebschaften) und "Gandhi" (Gandhi).

Der lange, kurvige Weg zu diesem "schaurigsten Haus in ganz Britannien" beginnt im Stamm der Peitschenden Weide, führt durch einen unterirdischen Tunnel und durch eine Falltür, eine wackelige Treppe empor und mündet schließlich im verfallenenen Wohnzimmer der Hütte. "Der Weg zur Heulenden Hütte ist das Symbol für die schreckliche Reise, die Lupin durchleidet, während er sich in einen Werwolf verwandelt", verrät Craig. "Das Wohnzimmer ist völlig verwahrlost und spiegelt seine inneren Qualen."

Die für die Spezialeffekte zuständigen John Richardson und Steve Hamilton haben normalerweise mit Set-Entwürfen nichts zu tun, aber diesmal arbeiteten sie mit Craig und seiner Crew zusammen, um die Heulende Hütte zum Leben zu erwecken: Sie bauten den Set auf eine große hydraulische Plattform.

Cuarón prägte das Filmdesign mit seiner eigenen Handschrift, indem er - mit Blick auf seine Heimat - manches mexikanische Element in die Sets einfließen ließ. Ein Beispiel: Auf dem Weg ins Dorf Hogsmeade kommen die Teens am Platz mit dem Uhrturm vorbei, und die Standbilder, die den Brunnen des Platzes umgeben, zeigen Schlangen und Adler - dieses Motiv findet sich in der mexikanischen Nationalfahne.

Um die von Cuarón konzipierte zeitgenössische Atmosphäre des Films zu unterstützen, engagierte der Regisseur auch Cutter Steven Weisberg ("Little Princess", "Men in Black II"), Sounddesigner Richard Beggs ("Lost in Translation", "Adaptation"/Adaption) und Kameramann Michael Seresin ("Midnight Express", "Fame", "The Life of David Gale"/Das Leben des David Gale).

"Die Geschichte ist viel düsterer als die ersten beiden, entsprechend wirken die Räume dunkler, die Schatten sind tiefer", sagt Seresin. "Alfonso setzt Nahaufnahmen nur sehr sparsam ein. Durch die Verwendung von Weitwinkelobjektiven übernehmen die Hintergründe in der Geschichte eine genauso wichtige Rolle wie die Schauspieler."

Laut Cuarón dienen die Weitwinkelobjektive dazu, Hogwarts selbst mehr in den Mittelpunkt der Story zu rücken und so die Entwicklung der Figuren zu unterstreichen: "Die Kamera ist ständig in Bewegung, Nahaufnahmen verwenden wir nie als erzählerisches Element. Wir beobachten die Kids lieber aus einiger Entfernung, denn die Körpersprache interessiert mich besonders."

"Alfonso hat zwar etliche schon vorhandene ,Harry Potter'-Sets ,geerbt', aber wie er und Michael Seresin sie mit den Weitwinkelobjektiven ins Bild bringen, ergibt eine völlig neue Seherfahrung", glaubt Craig. "Als ob man Harry Potters Welt mit ganz neuen Augen sieht."

Zur Gruselatmosphäre des Films tragen auch jene Aufnahmen bei, die im schottischen Glen Coe gedreht wurden: Dort filmte das Produktionsteam mehrere Wochen lang die Außenansichten von Hogwarts, darunter auch den szenischen Höhepunkt: Harry, Ron und Hermine versuchen, den magischen Hippogreif Seidenschnabel zu retten. "Auf die Szenen, die in Schottland entstanden, bin ich richtig stolz", schwärmt Seresin, der im Hochland 28 Regentage ertragen mußste. "Wir hätten uns für die Story gar kein besseres Wetter wünschen können. Das gesamte Team rutschte im Schlamm herum - nur ich war so glücklich wie noch nie!"

Die düstere Grundstimmung des Films kommt auch in der lustigen Quidditch-Sequenz zum Tragen, die ebenfalls im Regen spielt. Vor einem dunkel-drohenden Himmel zeigt die Szene den gefährlichen Einfluss, den die Dementoren auf Harry ausüben. Hier wird schon eine weitere lähmende Begegnung angedeutet - sie könnte Harry nichts Geringeres als seine Seele kosten.

Wunderwesen & magische Verwandlungen Wie alle beliebten Geschichten um Harry Potter wird auch "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" von fantasievoll erdachten Fabelwesen und magischen Verwandlungen geprägt. Erstmals tritt hier Seidenschnabel auf, ein Wesen der Gattung Hippogreif - halb Pferd, halb Adler. Außerdem Professor Lupins heimliches Alter Ego, ein tödlicher Werwolf, und die gruseligen Dementoren, die das Askaban-Gefängnis bewachen, indem sie die tiefsten Ängste der Gefangenen zu nutzen wissen.

Zum Einsatz kommen auch das Zaubergefährt, das als Fahrender Ritter bekannt ist; die übernatürliche "Aufblähung" von Harry Potters widerlicher Tante Magda; sowie zwei zänkische Haustiere: Hermines Katze Krummbein und Rons Ratte Krätze.

Monatelange Recherchen, zahllose fantasievolle Entwürfe und eingehende Vorarbeiten waren nötig, um Seidenschnabel zum Leben zu erwecken. Am Anfang stand der Entwurf des Skeletts. "Mir war nicht klar, wie kompliziert sich das Seidenschnabel-Konzept entwickeln würde", gibt Cuarón zu. "Zunächst galt es, seine physische Gestalt festzulegen: Wie bewegen sich seine Knochen? Aber wir mußsten ihm auch eine Persönlichkeit verpassen - ein Mischung aus königlicher Eleganz, vor allem in den Flugsequenzen, und seiner Unbeholfenheit und Gier am Erdboden."

Der für die Fabelwesen zuständige Nick Dudman benötigte fast ein Jahr, um mehrere dreidimensionale Hippogreife für die Produktion zu konstruieren, während die für die visuellen Effekte verantwortlichen Roger Guyett und Tim Burke im Computer einen Seidenschnabel entwarfen, der gehen und fliegen kann.

"Den Jungs von Framestore CFC sind beim Hippogreif einige völlig neuartige Effekte gelungen", berichtet Guyett, "und zwar besonders im Bereich der komplexen Darstellung der Federn, die auf jede Körperbewegung reagieren - so wie bei einem richtigen Vogel." Eine ähnlich problematische Herausforderung stellt die innovative, originelle Verwandlung des freundlichen Professor Lupin in einen Werwolf dar. "In der Filmgeschichte hat er derart viele Werwölfe gegeben, dass wir unbedingt etwas ins Bild bringen wollten, was es noch nie zu sehen gab", sagt Cuarón. "Wir zeigen also nicht den traditionell behaarten Werwolf, sondern einen unbehaarten."

Wie Seidenschnabel besteht auch der Wolf teils aus real gefilmten Effekten - wobei Schauspieler David Thewlis das Anfangsstadium in Lupins Verwandlung selbst darstellt - und im Computer erzeugten Bildern, die den Werwolf in Bewegung zeigen. Es galt sicherzustellen, dass die realen und die Computereffekte nahtlos ineinander übergehen. Deshalb mußsten sich beide Teams einigen, wie und wie schnell sich der Werwolf bewegt. "Wir überlegten, was passiert, wenn der Werwolf auf allen Vieren statt auf zwei Beinen läuft", erinnert sich Guyett. "Dazu mußsten wir jedes Detail seines Knochengerüsts und seiner Muskeln kennen."

Die monströsen Dementoren beschreibt Rowling in ihrem Roman sehr lebendig - sie sind wahrscheinlich die schaurigsten Wesen des Films: Als sie sich in Hogwarts niederlassen, um angeblich die Schüler vor dem entsprungenen Häftling Sirius Black zu schützen, hat das für Harry Potter unheilvolle Konsequenzen. Die optische Umsetzung dieser Albtraumwesen stellte ebenfalls hohe Anforderungen an die Filmemacher.

"Alfonso verlangte, dass sich die Dementoren von den übrigen Fabelwesen in der Geschichte völlig unterscheiden", berichtet Heyman. "Der Entwicklungsprozess begann mit Zeitlupenexperimenten. Dann probierte er es mit rückwärts abgespulten Zeitlupenaufnahmen - sodass die Dementoren einem Filmheld in ein Zimmer vorangingen, statt ihm zu folgen." Um die abstrakte Qualität zu erreichen, die Cuarón für die unfassbaren Gefängniswärter vorschwebte, engagierten die Filmemacher den amerikanischen Puppenspieler Basil Twist, der eine Reihe von Unterwasserexperimenten mit Puppen durchführte. "Basil kam nach London, und wir probierten es mit verschiedenen Dementor-Puppen in einem riesigen Wasserbecken, um ein Gefühl für ihren Bewegungsablauf zu bekommen", führt Cuarón aus. "Diese Tests nahmen wir in Zeitlupe auf - wunderbare Bilder, aber dennoch ließ sich diese Methode für den Film nicht einsetzen."

"Doch diese frühen Tests gaben künstlerisch die Richtung für die Dementoren vor", fügt Burke hinzu. "Alfonso wollte eine metaphysische, körperlose Wirkung erzielen, und genau diese Qualität lieferten die Wassertests."

Intensive Teamarbeit zwischen Burke, Guyett, den Computergurus bei ILM sowie Kostümbildnerin Jany Temime, die verschiedene Stoffe ausprobierte, war nötig, bis Aussehen und Bewegung der Dementoren absolut überzeugten: Cuarón ist sehr stolz auf die albtraumhafte Optik von Rowlings Gruselkabinett. "Wir haben echt fürchterliche Monster erschaffen", sagt der Regisseur. "Sie sehen so klapprig aus, als ob ihnen die Finger abfallen, wenn sie eine Tür öffnen. Doch andererseits brauchen sie nur kurz Luft zu holen, um uns die Seele auszusaugen."

Neben den Beiträgen von ILM und Framestore CFC zu den visuellen Effekten des Films überwachten Guyett und Burke die Produktion weiter Computer-Effekte-Einstellungen in den Firmen The Moving Picture Company, Cinesite und Double Negative.

"Richtig spannend wird die Arbeit an der Harry-Potter-Serie dadurch, dass wir beobachten können, wie sich die visuellen Effekte ständig weiterentwickeln - das ergibt sich aus unserer wachsenden eigenen Erfahrung kombiniert mit technischen Neuerungen", sagt Produzent Chris Columbus.

Ein weiterer farbenprächtiger Neuzugang im Film ist der mit Zauberkräften aufgepeppte dreistöckige Bus namens Fahrender Ritter, der auf das Konto der Special-Effects-Experten John Richardson und Steve Hamilton geht. Der spektakuläre lila Bus saust scheinbar mit hohem Tempo durch die Straßen von London und verändert, wenn nötig, seine Form, um sich durch den Muggel-Verkehr zu schlängeln.

"Die Konstruktion eines fahrtüchtigen Gefährts mit drei Decks war eine echte Führungsaufgabe", sagt Richardson. "Wir benutzten einen ausrangierten Londoner Bus und verpassten ihm ein neues Chassis, das die Spezialanfertigung des Aufbaus tragen konnte. Das Stuntteam sorgte dann für das entsprechende Tempo."

Die Sequenzen mit dem echten Fahrenden Ritter wurden über einen Zeitraum von etlichen Wochen an verschiedenen Schauplätzen in und um London gedreht - es bedurfte einer ausgeklügelten Choreografie, um den Eindruck zu erwecken, dass das Gefährt mit 160 Kilometern pro Stunde durch den Verkehr raste. "Das war nicht so gefährlich, wie es aussieht", sagt Stunt-Coordinator Greg Powell beruhigend. "Der Bus fuhr nur etwa 50 Stundenkilometer, und die übrigen Wagen hielten eine Geschwindigkeit von nur etwa 12 Kilometern. Die Vorbereitungen mit den Stuntfahrern dauerten etliche Wochen, sogar die in den Szenen sichtbaren Menschen sind Stuntleute, die eine unglaublich langsame Gangart einstudierten, damit der Bus umso schneller aussieht."

Wie der Fahrende Ritter wurde auch die eindrucksvolle "Aufblähung" von Harrys unerträglich tyrannischer Tante Magda vorwiegend durch Realeffekte erreicht. Bei dem präzise geplanten und umgesetzten Prozess trug die Schauspielerin Pam Ferris hintereinander 38 Tweedanzüge von ständig wachsender Größe. "Ich trug darunter aufblasbare Körperteile, die ständig vergrößert wurden - in dem dicksten Anzug war ich etwa 1,40 Meter breit", sagt Ferris, die in dem 25 Kilogramm schweren Kostüm weder gehen noch essen konnte.

Die wichtigsten Tierhelden des Films, Rons Ratte Krätze und Hermines Katze Krummbein, übernehmen in der Geschichte entscheidende Rollen. "Spinnen hasse ich, aber Ratten finde ich echt cool, mir haben die Szenen mit Krätze also gar nichts ausgemacht", sagt Rupert Grint. "Die Tierabteilung hat ihm das Fell teilweise abrasiert, damit er verwahrlost aussieht, aber er ist ein ganz lieber Kerl und völlig gesund - nur dass er gerade durch die Mangel gedreht wurde!"

"Die vom Drehbuch geforderte Feindseligkeit zwischen Ratte und Katze wird von den Tieren nur gespielt", versichert Tiertrainer Gary Gero, der an allen drei "Harry Potter"-Filmen mitgearbeitet hat. "Bevor wir die Tiere zusammenbrachten, hat Trainerin Julie Tottman die Katze ausgebildet und David Sousa die Ratte, wir hatten sie also gewissermaßen im Griff", erklärt Gero. "Aber wir wussten nicht genau, wie sie bei der gemeinsamen Arbeit reagieren würden. Also bauten wir einen Steg mit parallelen Laufzonen, die durch ein Netz getrennt waren, damit sie das Terrain des anderen nicht betreten konnten. Als wir dann drehten, war ihnen das völlig egal. Sie ignorierten einander ganz einfach - sie haben sich also nie richtig in die Wolle gekriegt."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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