Kalender Girls

Produktionsnotizen

Die Geschichte von KALENDER GIRLS wurde von tatsächlichen Erlebnissen einer Gruppe von Frauen des Rylstone and District Women's Institute (WI) - eine Organisation, die sich "dem Glück durch Leistungen" verschrieben hat - inspiriert. Als die Frauen im April 1999 ihren Kalender für das Jahr 2000 vorstellten, war ihnen klar, dass ihnen eine gewisse Aufmerksamkeit sicher sein würde. Aber welch einen Stein sie damit tatsächlich ins Rollen bringen würden, hätten sie sich niemals träumen lassen. Eigentlich hatten sie den Kalender nur zusammengestellt, um ein paar Pfund für das lokale Krankenhaus zu sammeln, in dem man sich um Angela Bakers Ehemann John gekümmert hatte, der an Leukämie verstorben war.

Angela, ihre beste Freundin Tricia Stewart und weitere Mitglieder des WI wollten dieser Einrichtung und den Menschen, die John in den letzten Tagen seines Lebens beigestanden hatten, ihre Anerkennung zeigen. Um die entsprechenden Verkaufszahlen zu gewährleisten, schlug Tricia vor, dass der Kalender origineller als die üblichen Kalender des Women's Institute sein müsse. Und zwar sollte der Kalender die Frauen bei typischen Tätigkeiten des WI zeigen, wie z. B. dem Auspressen von Äpfeln zur Ciderherstellung, dem Backen von Kuchen oder dem Arrangieren von Blumen - mit dem kleinen, aber entscheidenden Unterschied, dass die Frauen, allesamt im fortgeschrittenen Alter, dabei nackt sein würden.

Unmittelbar auf die Veröffentlichung des Kalenders folgten die ersten Zeitungsschlagzeilen - und die Verkaufszahlen schossen nach oben. Zunächst in Yorkshire, dann im ganzen Land und schließlich auch in Übersee! Die geschmack-vollen Nacktbilder wurden zum Tagesgespräch in den britischen, den übrigen europäischen und auch amerikanischen Medien. Der New York Times war die Geschichte ein Artikel auf der Titelseite wert. Große Berichte in den Nachrichtensendungen "60 Minutes", "20/20" und der "Today Show" sowie dem Gesellschaftsmagazin People folgten. Überall wollten die Menschen mehr über diese mutigen und ungewöhnlichen Frauen des Rylstone and District Women's Institute erfahren. Der Kalender war so erfolgreich, dass er sich bis Anfang 2003 knapp 300.000-mal verkauft und verschiedenen Leukämie-Einrichtungen etwa 600.000 Pfund eingebracht hat. Die Frauen erlangten nationale und internationale Bekanntheit.

"Wir hatten keine Vorstellung davon, dass der Kalender so hohe Wellen schlagen würde", gesteht Angela Baker, die Witwe von John Baker, dessen Tod den Kalender inspiriert hatte. "Wir dachten uns, dass wir bestenfalls bei unseren Freunden und Familien auf Aufmerksamkeit stoßen würden."

Falscher hätten die Frauen mit ihrer Einschätzung gar nicht liegen können. Immerhin wurde sogar Hollywood auf sie aufmerksam und klopfte an ihre Tür. Es handelt sich schließlich um eine Geschichte, die wie für die Leinwand geschaffen ist. Und doch waren die Frauen überrascht, als sie ein Filmangebot nach dem anderen erhielten. Angesichts der Thematik reagierten die Damen aus Rylstone verständlicherweise zurückhaltend.

"Die Vorstellung, einen Film über unsere Geschichte zu erzählen, war nervenaufreibend", erklärt Angela Baker. "Ich dachte, es würde mir und meiner Familie sehr schwer fallen, unsere Geschichte auf der Leinwand anzusehen. All das war so ungeheuer persönlich. Ich war mir nicht sicher, ob ich das mit anderen Menschen teilen sollte. Ich hatte Sorge, dass mir das so kurz nach Johns Tod viel zu nahe gehen könnte."

Als Suzanne Mackie, Juliette Towhidi und Nick Barton von der Londoner Harbour Films die Frauen des Rylstone WI aufsuchten, wurde denen schnell klar, dass den Filmemachern die Interessen der Frauen sehr am Herzen lagen. "Angela und Tricia haben uns beim ersten Treffen ganz schön rangenommen", erinnert sich Suzanne Mackie. "Wir erzählten ihnen, dass wir ihre Erlebnisse zwar auch sehr komisch fanden, wir uns aber vor allem vom menschlichen Drama dahinter angesprochen fühlten. Der Tod von Angelas Ehemann gab der Geschichte ihre Substanz. Da kommt die Tiefe her, die Bedeutung. Mit diesem Hintergrund war es mehr als nur eine komische, frivole Grille, sondern eine bewegende und ganz universale Geschichte."

"Mir gefiel auch, dass es die Geschichte einer Gruppe von Frauen war", sagt Mackie. "Meine ursprüngliche Reaktion war: Super, Mädels, ich ziehe meinen Hut davor, dass ihr vom Häuserdach runterbrüllt: ,Nur weil wir jenseits der 40 sind, heißt das noch lange nicht, dass wir nicht auch schön sein können!' Diese Form der weiblichen Kameradschaft zieht sich durch die gesamte Geschichte - und das sprach mich an. Diese Frauen können stets auf die Unterstützung der anderen bauen."

Nachdem Angela Baker und Tricia Stewart zugesagt hatten ("Beim ersten Treffen mit Suzanne und Nick verstanden wir uns einfach blendend", sagt Baker), machten sich die Produzenten daran, sich mit den anderen Mitgliedern der Frauengruppe auseinander zu setzen und sich die Rechte an ihren jeweiligen Geschichten zu sichern. Stets war ihnen dabei bewusst, wie feinfühlig sie bei einem so empfindlichen Thema vorgehen mußsten. Also unternahmen sie mehrere Reisen nach Yorkshire, um sich das Vertrauen der Frauen zu sichern und die Ernsthaftigkeit ihres Anliegens darzulegen.

Die Drehbuchautorin Juliette Towhidi machte sich einstweilen an die Arbeit. Dabei orientierte sie sich bei den Figuren an den tatsächlichen Frauen, aber sie änderte ihre Namen und machte aus Rylstone das fiktive Knapely. Nach Monaten ausführlicher Diskussionen sagten die meisten der Rylstone-WI-Frauen sowie der Fotograf Terry Logan, dessen Tochter mit Angelas und Johns Sohn verheiratet ist, ihre Beteiligung an dem Filmprojekt zu und unterzeichneten die Verträge mit Harbour Pictures.

Im Dezember 2000 kam Regisseur Nigel Cole an Bord. "Wir hatten eine Reihe von Wunschkandidaten auf unserer Liste, aber wir wussten sofort, dass Nigel die richtige Sensibilität für das Projekt mitbringen würde", sagt Mackie. "Er hat ein Händchen dafür, eine Komödie aus einem sorgfältig aufgebauten Drama erwachsen zu lassen und daraus einen auf den Charakteren beruhenden, emotional vielschichtigen Film zu machen: eine menschliche Geschichte, die sowohl witzig als auch bewegend ist."

Seit seinem Filmdebüt SAVING GRACE ("Grasgeflüster", 2000) mit Brenda Blethyn in der Hauptrolle, der mit großem Erfolg beim Sundance Film Festival uraufgeführt wurde, besteht eine große Nachfrage nach den Diensten von Cole. Dennoch gab der Regisseur KALENDER GIRLS den Vorzug vor einigen verlockenden Angeboten aus Hollywood.

"Es ist reiner Zufall, dass meine beiden einzigen Spielfilmarbeiten Frauen im Mittelpunkt haben", erklärt Cole. "Aber ich mußs sagen, dass ich die Arbeit mit Frauen mag. Ich werde wohl nie ein toller Männer-Regisseur werden, weil ich einfach nicht einer von diesen Jungs bin. Es gibt andere Regisseure, die mit Gewalt weniger Probleme haben. Mir sagt die Mischung aus Drama und Komödie zu. Und das ist es auch, was ,Cold Feet', SAVING GRACE und KALENDER GIRLS gemeinsam haben. Mir gefällt es einfach, andere Menschen zum Lachen oder Weinen zu bringen. Tief im Herzen bin ich wohl ein Softie. Ich werde leicht sentimental, aber das ist mir dann so peinlich, dass ich die Wirkung mit einer Pointe abschwäche. Die romantische Komödie ist ein Genre, bei dem man sich beides erlauben darf."

"Die Tatsache, dass der Film von einer wahren Geschichte inspiriert wurde, zieht eine Reihe ganz eigener Herausforderungen und Anstrengungen nach sich", fährt Cole fort. "Es ist immer wichtig, dass man nicht auf seine Figuren herabblickt. Das Publikum riecht so etwas Kilometer gegen den Wind. Weil es eine wahre Geschichte ist, wollten wir dem Geist der Geschichte treu bleiben, aber wir wollten auch einen guten Film machen, deshalb war es unerlässlich, dass wir uns ein paar Freiheiten nahmen."

Cole war mit der Welt der Fraueninstitute nicht vertraut. Und doch war er nicht überrascht, als er die Damen von Rylstone besuchte. "Sie waren genauso, wie ich es erwartet hatte", berichtet er. "Sie waren witzig, schlagfertig und überhaupt nicht konservativ und öde. Diese Frauen befinden sich in ihren Mittfünfzigern. Das heißt, dass sie in den 60er Jahren Teenager waren. In der wahren Geschichte gab es nur wenig Opposition gegen das, was sie taten. Aber da ein Drama auf Konflikt basiert, mußsten wir uns ein paar Stolpersteine einfallen lassen.

Zum Beispiel die Vorstandsmitglieder der Women's-Institute-Konferenz in London, deren Einver-ständnis man einholen mußs. Die sind natürlich zunächst entsetzt von der Idee eines Nacktkalenders und müssen überzeugt werden. Die Figuren der Chris und Annie wurden inspiriert von Tricia und Angela, die immer ganz hinten saßen und tuschelten und kicherten. Das wollte ich im Film einfangen. Etwas gab es allerdings, das mich doch überrascht hat: Diese Welt ist ungemein wettbewerbsorientiert. Die WI-Frauen nehmen ihre Festivals ernst, und die Preise, die es zu gewinnen gibt, sind ihnen sehr wichtig."

Cole war es wichtig, dass es sich bei dem Film nicht einfach nur um eine geradlinige Komödie handelte: "In einer anderen Zeit hätte man den Film vielleicht so gemacht, dass man den Frauen bei den Bemühungen zugesehen und dann mit dem Moment ihres Triumphes aufgehört hätte. Ich wollte weiter gehen. Als ich die Frauen von Rylstone traf, war klar, dass zwar alle überaus glücklich darüber waren, dass sie diese wichtige Sache gemacht hatten, dass all das aber nicht ohne Tränen abgelaufen war. Und ich fand, dass genau das die Geschichte interessant machte. Ich wollte zeigen, dass sie sehr nah an der Sonne vorbeigeflogen waren und sich dabei auch ihre Flügel ein wenig verbrannt hatten. Dazu kam, dass das Phänomen der Reality-TV-Shows gerade erste Blüten trug, als wir an dem Drehbuch arbeiteten. Überall wurde über die erste Staffel von ,Big Brother' gesprochen. Uns war also durchaus bewusst, dass wir zur richtigen Zeit einen Film über Über-Nacht-Berühmtheiten drehen würden. Ich bin froh, dass wir uns im dritten Akt mit der Idee von Bekanntheit als Monstrum, das außer Kontrolle gerät, befassen."

Die Filmemacher holten Tim Firth an Bord, der erfolgreiche Fernsehdramen wie "Preston Front" und "Neville's Island" geschrieben hatte und das vorliegende Drehbuch von Juliet Towhidi überarbeiten sollte. "Juliet hatte eine wunderbare und lyrische Welt für den Film entstehen lassen", sagt Mackie. "Ihre Figuren waren wunderbar ausgearbeitet und völlig authentisch. Aber wir hatten alle den Eindruck, dass ein gewisser komödiantischer Input und eine nordbritische Stimme fehlten. Tim konnte beides liefern."

"Ich habe zunächst gezögert", gibt Firth zu. "Ich habe noch nie mit bereits existierendem Material gearbeitet und war unsicher, ob ich das überhaupt könnte. Allerdings hatte ich mir den Kalender gekauft, als er gerade frisch auf den Markt gekommen war. Und ich kannte eines der Kalender Girls, ohne dass mir das wirklich bewusst war. Meine Mutter war im Women's Institute und meine Großmutter auch. Zudem kamen diese Damen aus dem Ort, an dem ich jeden Sommer meiner Kindheit verbracht hatte. Und ich hatte Gemälde aus der Galerie des Typen bei mir zu Hause, der auch die Fotos geschossen hatte. Alles deutete für mich also irgendwie in die Richtung dieses Films."

Eine der größten Herausforderungen war die Balance zwischen den humorvollen Aspekten der Geschichte und dem harten, tragischen Drama, das sich aus Johns Tod ergab. "Das ist keine Dokumentation", betont Firth. "Meine Einstellung war: Ich wollte wissen, was passiert ist, und das dann sofort wieder vergessen. Die tatsächlichen Frauen lernte ich erst kennen, als ich meine Arbeit beendet hatte. Für mich war es sehr wichtig, einen Abstand zwischen dem Film und seiner Quelle zu schaffen. Ich wollte den wahren Figuren nicht zu nahe kommen, denn ich hatte Angst, dass das meiner Kritikfähigkeit geschadet hätte. Ich identifizierte den Kern der Geschichte: das Erreichen von Bekanntheit durch einen Vorfall, der tragischer nicht sein könnte. Diese etwas düstere Ausgangssituation und der Humor, der jeder Rührseligkeit entgegenwirkt, sind das beste Gegengift für Sentimentalität, die mich überhaupt nicht interessiert. Den Kampf gegen Sentimentalität in Krisenzeiten empfinde ich indes als ungemein bewegend."

Regisseur Cole stimmt zu: "Es wäre leicht gewesen, sich auf diesen Aspekt der Geschichte zu konzentrieren: ein Mann, der an Leukämie stirbt. Ich war sehr gespannt darauf, zu sehen, was danach passiert, was die Folgen für die Beteiligten sind. Tim und ich haben sehr hart daran gearbeitet, etwas, was wie eine Pralinenschachtel voller Sentimentalität hätte wirken können, in einen Film mit Ecken und Kanten zu verankern. Ich habe alle Beteiligten ermutigt, KALENDER GIRLS als einen großen Film zu betrachten. Das beeinflusste alles: das Drehbuch, die Besetzung, das Design."

Die Besetzung des Films "Wir wollten einige richtige Filmstars in unserer Besetzung", sagt Produzent Nick Barton. Manchmal im Leben bekommt man, was man will. Unter den ersten Schauspielerinnen, denen man das Drehbuch zuschickte, waren Helen Mirren und Julie Walters, die die Rollen der Chris und Annie übernehmen sollten. Man mußste die beiden mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Schauspielerinnen nicht lange überreden.

Mirren sagt: "Alle großen Filme haben diese Mischung aus Ernsthaftigkeit und Humor. Diesem Drehbuch war die Balance ganz außerordentlich gut gelungen. Mir war sofort bewusst, wie sensibel Tim Firth und Nigel Cole bezüglich der Feinheiten der Thematik umgegangen waren. Mir gefiel die Figur der Chris, und als ich deren Vorbild Tricia kennen lernte, fiel mir auf, wie genau Tim ihre Dynamik und Energie eingefangen hatte. Chris ist der Typ, der am falschen Ende eines Swimming-Pools ins Wasser springt. Sie springt, bevor sie nachdenkt, sie ist spontan und sehr aufgeregt bei Dingen, die ihr etwas bedeuten. Dieses Wesen gibt ihr den Mut, die Einsatzfreude und die Leidenschaft, zu tun, was sie gern tun will."

Mirren schätzte die Arbeit in einem Ensemble: "Ich hatte noch nie an einem Ensemblefilm wie diesem gearbeitet. Ein Film über eine Gruppe von Frauen im fortgeschrittenen Alter findet man wahrlich selten. Und die Arbeit mit derart erfahrenen und talentierten Frauen war einfach fantastisch. Solch eine Ansammlung von Frauen hätte so manchen Regisseur eingeschüchtert. Aber Nigel behandelte uns mit genau dem richtigen Mix aus Charme und Humor. Ich nannte ihn einfach nur unseren furchtlosen Anführer."

Julie Walters sah sich durch die Figur der Annie vor ein ungewöhnliches Problem gestellt: "Als ich das Drehbuch zum ersten Mal las, dachte ich mir: ,Wer ist eigentlich Annie?' Chris ist so viel dominanter, sodass Annie förmlich im Hintergrund verschwindet. Ich drängte darauf, Angela Baker kennen zu lernen, auf der ja die Figur der Annie basiert. Nicht weil ich sie nachspielen wollte, sondern weil ich sehen wollte, wie ihre Beziehung zu Tricia, dem Vorbild für die Figur der Chris, funktionierte. Ich traf all diese Frauen gemeinsam. Sie sind lustig und gewitzt. Zuerst dachte ich, dass Annie schüchtern ist. Aber der erste Eindruck täuscht sehr häufig. Sie ist überhaupt nicht schüchtern, sondern eine starke, entschlossene Person. Dann erkannte ich, was die Freundschaft von Chris und Annie ausmacht: Annie hält sich zurück, während Chris voranstürmt, ohne großartig nachzudenken. Und Annie liebt das, weil Chris das genaue Gegenteil von ihr ist."

Sie fährt fort: "Bei einem Film wie diesem, der auf tatsächlichen Ereignissen basiert und dessen Figuren durch reale Menschen inspiriert sind, hat man eine viel größere Verantwortung, mußs man viel sensibler vorgehen. Aber Angela war sehr offen und sprach mit großer Aufrichtigkeit über all die Geschehnisse. Das hat es mir erleichtert, mich mit der Figur der Annie zurechtzufinden. Es war sehr befreiend, sie zu spielen. Normalerweise spiele ja ich immer diejenige, die voranstürmt und ständig plappert. Das war der entspannteste Film, an dem ich jemals gearbeitet habe."

Die Entscheidung, die Figuren gegen den Strich zu besetzen, stammt von Regisseur Nigel Cole: "Meine beste Idee war es wahrscheinlich, Helen Mirren und Julie Walters die Rollen der Chris und Annie genau in dieser Reihenfolge anzubieten. Helen spielt sonst meist den ruhigen, traurigen Typ - siehe GOSFORD PARK und LAST ORDERS, wo sie mit wenig Energie stark zurückgenommene Figuren darstellt, oder ,Prime Suspect', wo ihre Rolle eine sehr ernste ist. Und Julie kennt man als die Laute und Aktive - man mußs sich nur PERSONAL SERVICE oder BILLY ELLIOT ansehen. Ich wusste, dass Helens Verletzlichkeit Chris weicher erscheinen lassen würde, während Julies Sinn für sarkastischen Humor Annie mit Leben erfüllen könnte."

Durch die Verpflichtung von Mirren und Walters gelang es Cole und den Produzenten, für die anderen Rollen weitere Topdarstellerinnen Großbritanniens zu gewinnen: Penelope Wilton, Celia Imrie, Annette Crosbie und Linda Bassett.

Penelope Wilton übernahm die Rolle der Ruth, deren Geschichte frei erfunden ist. Das gab der Schauspielerin die nötige künstlerische Freiheit beim Gestalten ihrer Figur. "Ruth ist die ängstlichste Frau in der Gruppe. Sie ist mit einem ziemlich charismatischen Teppichverkäufer verheiratet, der sie betrügt - wovon sie aber nichts weiß", erzählt die Schauspielerin. "Ruths Geschichte ist ein bisschen traurig, aber in diesem Film geht es um die Freundschaft zwischen Frauen und wie sie sich umeinander sorgen. Gerade im Fall von Ruth kann man das erleben. Sie wird dank der Hilfe ihrer Freundinnen mit dem Schock und der Erniedrigung fertig, zu erfahren, dass ihr Mann eine Affäre hat. Und durch diese Freundschaft erblüht sie aufs Neue. Das ist eine sehr bewegende Geschichte."

Für Celia Imrie, die die Wohlhabendste in der Gruppe der KALENDER GIRLS spielt, war es von großer Bedeutung, die wahren Frauen von Rylstone getroffen zu haben: "Ich komme nicht aus Yorkshire. Deshalb war es mir wichtig, diese Gemeinde und die Frauen als Gruppe kennen zu lernen. Es war wichtig, zu sehen, wie sie miteinander umgehen, was für ein Leben sie führen, wie ihre Häuser aussehen. Es ist von großer Bedeutung, in welchem Umfeld eine solche Geschichte spielt. Wir mußsten einfach wissen, wie diese Gemeinde funktioniert. Ich war außerdem froh, dass wir vor Ort in Yorkshire drehten."

Des Weiteren sagt sie: "Nach einem Besuch beim nahe gelegenen Golfclub und einem Schwätzchen mit den Frauen der Mitglieder hatte ich den Eindruck, dass man ein bisschen auf das Women's Institute herabblickte. Es war fast so, als hätten sie den Eindruck, dass die beiden einzigen Clubs von Bedeutung der Golfclub und der Rotary Club seien. Also stellte ich mir vor, dass Celia, meine Figur, das Women's Institute nutzt, um ihrem Leben als respektable Ehefrau eines Golfclubmitglieds zu entfliehen. Im WI geht es darum, mit anderen Frauen zusammen zu sein. An dem Kalender teilzunehmen, hat für sie etwas sehr Befreiendes. Außerdem verbessert diese Aktion ihre Ehe."

Die Arbeit mit einer derart talentierten Gruppe von Frauen setzte Regisseur Nigel Cole unter besonderen Druck. "Oft ist die Arbeit mit einer großen Gruppe von Personen schwierig", sagt er. "Es gibt einige Szenen in diesem Film, in denen Julie herumstand, ohne Dialog, fast wie eine Statistin. Das könnte etwas merkwürdig wirken. Alle Frauen kämpften um mehr Dialogzeilen für sich. Diese Diskussionen waren sehr stimulierend, aber ich mußste immer nein sagen. Das war schwierig, denn viele ihrer Ideen waren absolut brillant. Aber die Balance des Films hätte darunter gelitten. Es war harte Arbeit, wenn ich ehrlich bin. Aber es lohnt sich, jemanden wie Linda Bassett in einer relativ kleinen Rolle zu haben. Wenn sie auf der Leinwand zu sehen ist, dann nimmt man davon Notiz."

Drehbuchautor Tim Firth genoss die gesamte Erfahrung, insbesondere die Arbeit mit dem Regisseur und den Schauspielerinnen: "Nigel wusste, wie die Geschichte in groben Zügen aussehen sollte. Das war Klasse, denn das gab mir die Freiheit, in die Felder am Wegesrand der Geschichte zu wandern und dennoch zu wissen, dass der Weg schließlich nach Oz führt. Oder besser gesagt: nach Skipton. Für einen Autor ist es so, dass er immer dann am meisten riskiert, wenn er den vorgegebenen Pfad verlässt. Dabei erlebt man aber auch die schönsten Überraschungen. Eine Woche lang arbeiteten wir mit den Schauspielern zusammen, beantworteten ihre und auch unsere Fragen, dachten uns Hintergrundgeschichten aus und befassten uns mit kleinen Unebenheiten, die beim Durchgehen des Buchs auftauchten. Wenn der Dreh beginnt, fällt der Autor durch einen Flammenring zurück auf die Erde. Ich war nur einmal mit meinen Kindern und meiner Mutter am Set, als die Festszene gedreht wurde, denn ich hatte den großen WI-Preis ganz eigennützig nach meiner Großmutter benannt. Sie war der Grund, warum meine Mutter dem WI beitrat. Also war das für uns ein Tag des Feierns, in dem ein wenig Traurigkeit mitschwang, weil wir wussten, dass die Person, die in der Familie mit der Mitgliedschaft im WI begonnen hatte und die all das so sehr geliebt hätte, nicht mit dabei sein konnte."

Die richtigen KALENDER GIRL erhielten ebenfalls eine Gelegenheit, im Film mitzuwirken. "Wir dachten, dass wir vielleicht das Glück hätten, die Dreharbeiten einmal zu besuchen", erinnert sich Tricia Stewart. "Mehr haben wir nicht erwartet. Als wir also Helen Mirren, Julie Walters und den Rest der Besetzung kennen lernen durften, war das perfekt." Aber damit nicht genug. Stewart, Baker und einige ihrer Kalender-Mitstreiterinnen sind in einem kleinen Cameo-Auftritt als rivalisierende WI-Gruppe zu sehen, die sich mit dem zweiten Platz begnügen mußs, weil Chris mit ihrem beim Bäcker gekauften Kuchen den Wettbewerb gewinnt.

Die Ausstattung des Films Nigel Coles Entscheidung, KALENDER GIRLS mit "richtigen Filmstars" zu besetzen, war Teil eines Plans, den Film zu mehr als einem "kleinen britischen Film" zu machen. Mit der gleichen Ambition wurden die kreativen Mitstreiter hinter der Kamera ausgewählt, die dem Film einen ganz besonderen Look geben sollten. Für Coles Mitstreiter, darunter der Oscar®-prämierte Ausstatter Martin Childs und Kameramann Ashley Rowe, war es der Wechsel der Szenerie - vom künstlich erzielten Glamour Hollywoods zur natürlichen Schönheit der Yorkshire Dales -, der sie zu Höchstleistungen auf ihrem jeweiligen Gebiet antrieb.

Childs erzählt: "Bei meinem ersten Treffen mit Nigel redeten wir darüber, wie der Kalender die Art und Weise verändert, wie Annie und Chris einander sehen, wie er verborgene Dinge über sie offenbart und gewisse Aspekte ihrer Persönlichkeiten zum Vorschein kommen."

Childs, der 1999 für seine Arbeit an SHAKESPEARE IN LOVE mit einem Oscar® für das Beste Szenenbild ausgezeichnet wurde, sagt: "Diese Veränderungen spiegeln sich in den Dialogen und Gesten wider. Aber dazu bot sich durch die Sequenz in Amerika die Möglichkeit, die Wirkung des Films drastisch zu verändern. Annie ist nicht mehr einfach nur auf für sie fremdem Gebiet; sie ist auch jemand, der sich in diesem veränderten Umfeld endlich ihrer Trauer stellt. Chris auf der anderen Seite übernimmt wie immer die Kontrolle, aber in Amerika gibt es Dinge, die sie nicht kontrollieren kann."

Er fährt fort: "Der erste Eindruck von Los Angeles ist: Ja, das hat Glamour. Aber es gibt auch Gebäude, die aussehen und sich anfühlen, als gäbe es sie nur vorübergehend, als seien sie nur Fassaden. Yorkshire sieht im Gegensatz dazu aus, als wäre es schon immer da gewesen und würde auch für immer da sein. Wir verbrachten die ersten Tage damit, durch Yorkshire zu fahren und über die Atmosphäre des Films zu sprechen sowie über die emotionale Wahrheit der Geschichte und wie man ihr dadurch auf die Spur kommen kann, dass man genau betrachtet, wie diese Menschen leben, wie ihre Häuser und die Landschaft aussehen. Sehr gezielt vermieden wir die Klischees, indem wir Yorkshire so aussehen ließen, dass man hier ohne Arbeit nicht leben kann. Die Menschen müssen Rechnungen bezahlen, ihre Fahrräder richten, sie gehen zur Schule, sie betrinken sich, sie kriegen Krankheiten, Krebs - wie überall sonst auch. Es ist ein Ort, an dem Menschen arbeiten. Und nebenbei ist es auch noch eine der schönsten Ecken der Welt."

Nach langer Suche in den Yorkshire Dales wählten Childs und sein Team Kettlewall als Stadt, die ihr fiktionales Knapely darstellen sollte - weil das Dorf zwar charakteristisch für die Gegend, aber "nicht das hübscheste Städtchen in den Dales" ist. In vier weiteren Gemeinden in der Gegend, darunter Skipton und Linton, wurde ebenfalls gedreht. Childs stolzester Beitrag an KALENDER GIRLS waren die von ihm entworfenen Sets, die er in den Shepperton Studios errichtete.

Bei der Stadthalle hatten er und sein Team beispielsweise "viel Spaß mit den Details - Jahre und Jahre von Farbe auf Farbe. Wir besorgten alte Öfen und stellten tragbare Gasgebläse davor, um zu signalisieren, dass sie längst nicht mehr funktionieren, alte Ballons und Lametta, die noch von der letzten Weihnachtsveranstaltung übrig geblieben sind, alte Leitungsrohre, Sicherungskästen, die schon lange ihren Geist aufgegeben haben, Coras verrücktes altes Art-déco-Klavier."

Auch Chris' Haus mag Childs sehr gern: "Chris und Rob sind nicht nur ein etwas nachlässiges Ehepaar mit einem Sohn im Teenager-Alter. Ihr Haus sieht obendrein aus, als hätten sie gerade die Handwerker zu Besuch gehabt. Die sind allerdings wieder abgezogen, ohne ihre Arbeit zu beenden. Vielleicht war es ihnen aber auch einfach nur zu unaufgeräumt. Vielleicht haben Chris und Rob die Arbeit auch selbst gemacht und wurden zwischendrin abgelenkt - mal wieder eine von Chris' Ideen, die auf halbem Wege versandet ist. Der Subplot mit den Handwerkern hatte aber auch logistische Gründe. Wenn man als Ausstatter gegen den eng gesteckten Drehplan arbeitet, ist es immer praktisch, wenn man einen sehr großen Set hat. Aber Chris und Rod könnten sich niemals ein großes Haus leisten, also bauten wir einen Set, der aussah, als hätte man gerade die Wände herausgeschlagen. Als wir dann drehten, mußsten wir nicht ständig Wände entfernen und wieder einsetzen, um der Kamera den nötigen Bewegungsfreiraum zu geben. Das war ein hübscher Set - unfertig, aber das aus purer Absicht. Man mußs schon sehr geübte Maler einsetzen, um eine Wand aussehen zu lassen, als wäre sie nur zufällig nicht fertig gestrichen."

Der preisgekrönte Kameramann Ashley Rowe mußste feststellen, dass sich das Wetter offenbar gegen ihn verschworen hatte. Seine Umstände waren alles andere als ideal. Wie vorherzusehen war, weigerte sich die Sonne in Yorkshire zu scheinen. Aber Rowe holte das Beste aus dem bisschen Sonne heraus, das es während des Drehs gab, um dem Film einen leichten Sommerlook zu verpassen. Wie es Martin Childs schon bei der Ausstattung getan hatte, war auch ihm daran gelegen, Yorkshire und Los Angeles in gänzlich gegensätzlichem Licht zu zeichnen.

"Bei den Aufnahmen in England spannten wir Seidenstrümpfe über die Objektive, um dem Film einen weicheren, versöhnlicheren Ton zu geben", erzählt er. "Wir mußsten den kompletten Vorrat eines Ladens in Wales aufkaufen, weil wir nur bei ihm Seidenstrümpfe aus Nylon ohne einen Zusatz von Lycra finden konnten. Lycra glitzert im Licht auf eine Weise, die sich nicht verdecken lässt."

Für die Szenen in Kalifornien kamen die bloßen Objektive zum Einsatz. Dank der hellen kalifornischen Sonne erhält der Film härtere, sauberere Kanten mit stärkeren Schattenkontrasten und einem ernsteren Ton. "Hollywood hat ein glamouröses Image, aber die Realität kann es niemals mit einem Mythos aufnehmen", meint Rowe.

Die Aufnahmen für den Kalender "Das war die härteste Arbeit meines Lebens", sagt Nigel Cole über den Dreh der Kalenderszenen. "Viele der Schauspieler-innen hatten davor noch nie ihre Kleider in einem Film oder in der Öffentlichkeit abgelegt. Viele von ihnen sind deutlich älter als Schauspielerinnen, die bereit sind, sich für einen Film auszuziehen. Und wir konnten und wollten auf keinen Fall auf Doubles zurückgreifen. Wir machten die Kalenderszenen gezielt nach der Hälfte der Dreharbeiten, weil wir bis dahin Zeit hatten, einander kennen zu lernen, und gleichzeitig vermieden, dass diese Aufnahmen wie ein Damoklesschwert über dem Rest des Drehs hingen."

Der Originalkalender war, so der Regisseur, die größte Hilfe, der Besetzung und dem Stab eine Vorstellung davon zu geben, was man erzielen wollte und wie das Endresultat aussehen sollte. Kameramann Ashley Rowe arbeitete gemeinsam mit dem Fotografen Terry Logan die Ausleuchtung der Szenen aus:

"Terry hatte eine 1.000-Watt-Lampe benutzt und damit einen sehr natürlichen Look erzielt. Für den Dreh mußsten wir stärkeres Licht einsetzen, aber wir verstärkten auch die natürlichen Lichtquellen und versuchten, alles so einfach und unkompliziert wie möglich zu gestalten. Die Seidenstrümpfe über den Objektiven gewährleisteten ein sehr warmes Aussehen und halfen dabei, die Hauttöne geschmeidig wirken zu lassen. Wir wollten, dass die Frauen so schön wie möglich aussahen. Ich habe zuvor bereits Nacktszenen gedreht. Aber diesmal war alles anders. Teils wegen des Alters der Schauspielerinnen, aber auch weil man wegen des Kalenders ständig an diese Szene erinnert wurde. Aber diese Frauen sind Vollprofis mit jahrelanger Erfahrung. Und sie wissen, wie sie am besten aussehen."

Als der Dreh beendet war, kam der Setfotograf Jaap Buitendijk an die Reihe, um die Fotos für den Kalender im Film zu schießen. Obwohl es sich nicht um exakte Kopien der Fotos im Originalkalender handelt, sind viele der Aufnahmen für den Film doch verblüffend ähnlich. Bei der Postproduktion sah sich Buitendijk allerdings vor eine interessante Herausforderung gestellt: "Ich mußste einige der Fotos digital bearbeiten, um die Richtlinien, die von Nigel Cole und den Produzenten aufgestellt worden waren, nicht zu verletzen. Bei Celia Imries Foto mußsten wir beispielsweise die strategisch platzierten Brötchen etwas vergrößern, um sie etwas weniger nackt zu zeigen."

Für die Schauspielerinnen war die Erfahrung zum einen beängstigend, zum anderen aber auch befreiend. Julie Walters sagt: "Wenn Angela, Tricia und die anderen Frauen das konnten, warum sollten wir das dann nicht können? Sie waren die mutigen Pioniere, nicht wir. Teil einer Gruppe zu sein machte einen großen Unterschied. Als wir uns schließlich für das abschließende Gruppenfoto in Pose warfen, war unsere Haltung bereits ziemlich blasé."

Annette Crosbie stimmt zu: "Wir haben etwas gezögert, weil wir unsere Kleider nicht vor einem Mann, sondern vor einer ganzen Gruppe von Männern ausziehen mußsten. Während der Aufnahmen für das Gruppenfoto tauchte merkwürdigerweise ein Mann hinter mir auf, den ich noch nie zuvor gesehen hatte. Er war der Mann, der für das Gasfeuer im Kamin zuständig war. Offensichtlich stimmte etwas nicht mit dem Feuer, weil er dreimal auftauchte, um es zu kontrollieren."

"Eine der Figuren im Film sagt: ,Auf den Fotos kann man nichts sehen, aber im Raum, in dem sie entstehen, kann man alles sehen.'", erzählt Nigel Cole. "Das war es, was den Schauspielerinnen Sorge bereitete. Aber sie machten einen Pakt, dass sie alle sich ausziehen würden, ob es nun gerade von ihnen verlangt sein würde oder nicht. Einige von ihnen hätten auch einen Bikini tragen können, aber aus Gründen der Gruppensolidarität entschieden sie sich dagegen."

Das unberechenbare Wetter, digitales Nachbearbeiten von Brötchen, die Nachstellung der Jay Leno Show in Los Angeles und natürlich die Nacktaufnahmen ergaben in der Summe eine harte, aber lohnenswerte Herausforderung für alle Beteiligten. "Das Drehbuch überraschte die Leute, weil es eben nicht nur um eine Gruppe Frauen geht, die etwas Besonderes leisten wollten", sagt Suzanne Mackie. "Es geht auch darum, was passiert, wenn man dieses Besondere gemacht hat. Im dritten Akt geht es um die Verführungskraft des Ruhms, wie verrückt Ruhm sein kann - und wie es diesen Frauen gelingt, die Bodenhaftung nicht zu verlieren und in die Realität zurückzukehren."

Eine kurze Geschichte des Women´s Institute Das Women's Institute (WI) wurde 1987 in Stoney Creek in Kanada aus der Taufe gehoben. Seither ist es ein fundamentaler Teil im Leben vieler Frauen auf der ganzen Welt geworden. Ursprünglich war es Ziel des WI, Frauen im späten 19. Jahrhundert in vornehmlich ländlichen Gefilden ein gewisses Maß an Ausbildung und Wissen zu vermitteln und sie darüber aufzuklären, was man in der Gesellschaft falsch machen kann. Mittlerweile offeriert das WI Frauen eine gegenseitige Unterstützungsstruktur und ist eine wichtige Lobby-Gelegenheit, Dingen, die ihnen am Herzen liegen, Ausdruck zu verleihen.

Obwohl mit dem WI vergleichbare Organisationen zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Belgien und Irland Fuß fassen konnten, ließ sich das Vereinte Königreich nicht so leicht von den Vorzügen eines solchen Instituts überzeugen. Adelaide Hoodless, die Mitgründerin des WI, kam 1899 in Großbritannien an, aber ihre Missionars-arbeit stieß auf taube Ohren. Erst der Beginn des Ersten Weltkriegs und die damit einhergehende Veränderung der wirtschaftlichen und sozialen Landschaft ließ die Frauen im UK erkennen, dass ein großes Bedürfnis nach einer Einrichtung wie dem WI herrschte.

Während die Männer in die Schützengräben gekarrt wurden, wurden Frauen auf einmal für soziale Arbeiten gebraucht. Bei einem Treffen der Agricultural and Horticultural Union sechs Monate nach Beginn des Kriegs wandte sich die Diskussion dem dringendsten Thema zu: dem Bedürfnis nach einer industriellen und agrikulturellen Zusammenarbeit, um der nationalen Krise die Stirn bieten zu können. Madge Watt, ein WI-Mitglied, die nach England gekommen war, um ihre Söhne zu erziehen, schlug das Auditorium mit ihrem Vortrag über die agrikulturelle Industrie in Kanada, die ohne Frauen nicht auskam, in ihren Bann.

Die Reaktion war überwältigend: Die agrikulturelle Industrie erkannte die Bedeutung, die Frauen bei der Herstellung und Präservation von Nahrung zukommen könnte. Kurz darauf gelang es Mrs Watt, unter Aufsicht der Agricultural Organization Society das erste britische WI zu gründen.

Bis heute hat sich das WI die Förderung der Talente von Frauen auf die Fahnen geschrieben. Es hat in mehr als 60 Ländern mehr als acht Millionen Mitglieder.

Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: Archiv © 1994 - 2010 Dirk Jasper